Es gibt ein Ziel, das unzählige ambitionierte Ingenieure verfolgen. Sie wollen mehr Verantwortung übernehmen, Unternehmen aktiv gestalten und strategisch arbeiten. Also sagen sie:
„Langfristig möchte ich Führungskraft werden.“
Doch dieses Ziel ist fatal.
Das Problem liegt in dem Wort langfristig.
- „Ich glaube, ich bin noch nicht so weit.“
- „Ich will erst mehr Erfahrung sammeln.“
- „Ich habe ja noch Zeit.“
Führung zu übernehmen geht oft schneller, als man für möglich hält. Nicht selten sind 80 % der Zeit vermeidbare Wartezeit. Zeit, die es nicht braucht.
Wer unnötig lange wartet, zahlt einen hohen Preis.
Einen Preis, den viele nicht sehen.
Cost of Delay: Der unsichtbare Preis
Cost of Delay (Verzögerungskosten) ist ein Konzept, das insbesondere bei der Produktentwicklung zum Einsatz kommt. Umso länger man braucht ein neues Produkt auf den Markt zu bringen, desto später generiert es Umsatz.
Die Folge: Verpasste Umsätze – nicht selten in Millionenhöhe.
Genau diesen Mechanismus gibt es auch bei der Karriere.
Ob du in 6 oder in 2 Jahren Führungskraft wirst, macht einen großen Unterschied. Wer unnötig lange wartet und erst mit Verzögerung Führungskraft wird, erlebt zwei folgenschwere Effekte:
- Spätere Gehaltserhöhung
- Geringeres Top-Gehalt

Das durchschnittliche Lebenseinkommen eines Arbeitnehmers mit Studienabschluss in Deutschland beträgt (Studie aus 2019):
- bei Führungskräften: 3,59 Mio. €
- bei Fachkräften: 2,44 Mio. €
Jedes Jahr, das man später Führungskraft wird, kostet im Schnitt 38.000 €.
Beispiel von oben:
Wer also schon in 2, statt erst in 6 Jahren Führungskraft wird, erhöht sein Lebenseinkommen damit um 152.000 €.
Ergo: Personen, die nicht warten, sondern unmittelbar nach dem Berufseinstieg Energie in ihre Entwicklung investieren und dadurch schneller in eine Führungsrolle kommen, haben Vorteile – und das nicht nur finanziell.
Vorteile einer frühen Beförderung
Denn bei höherem Lebenseinkommen hört es nicht auf.
Personen, die schon früh in ihrem Berufsleben anspruchsvolle Projekte und Führung übernehmen, genießen einen weiteren großen Vorteil. Einen, der noch viel wertvoller ist, als ein höheres Lebenseinkommen.
Sie profitieren vom Rosenthal-Effekt.

Der Rosenthal-Effekt geht zurück auf eine Studie von Rosenthal und Jacobson aus dem Jahr 1966:
Im Rahmen ihrer Untersuchung wählten Rosenthal und Jacobson eine Reihe von Grundschulkindern zufällig aus.
Den Lehrern teilten sie mit, die zufällig ausgewählten Kinder seien hochbegabt und würden sich im Verlauf des nächsten Jahres intellektuell hervorragend entwickeln.
Ein Jahr später schnitten die ausgewählten Kinder bei einem Intelligenztest besser ab als ihre nicht-ausgewählten Mitschüler.
Was bedeutet das?
Ingenieure, die schon früh in ihrem Berufsleben Führung übernehmen, werden von Außenstehenden als besonders kompetent wahrgenommen.
Sie werden mehr gefördert. Ihr Selbstbild wird auf Überflieger getrimmt. Und nicht selten erhalten sie dadurch bessere Jobangebote und Aufstiegschancen.
Eine „Ich warte noch“-Mentalität hat einen hohen Preis.
Also warte nicht.
Die Ingenieure, die am Ende die guten Jobs haben sind diejenigen, die proaktiv sind und die Initiative ergreifen.
