Stell dir vor, du bekommst die Zusage für deinen Traumjob oder -projekt. Am ersten Tag bist du hoch motiviert und voller Tatendrang. Doch nach kurzer Zeit stellst du fest: Die Einarbeitung ist miserabel.
Für die meisten Ingenieure ist das der Worstcase. Stundenlange Langeweile ohne sinnvolle Aufgabe. Frust pur. Doch für einige, wenige Ingenieure ist das kein Problem. Sie gestalten ihre Einarbeitung proaktiv.
Ihr Geheimnis:
Das Bug Book.
Was ist ein Bug Book?
Nein, es geht nicht um das Backen in der Küche. Und auch nicht um Fehler in einer Software.
Das Bug Book ist inspiriert von Biologen, die Käfer studieren. Sie beobachten jedes Detail, mit dem Ziel zu verstehen und Erkenntnisse zu gewinnen.
Ein Bug Book ist Onboarding-Journal.
Du untersuchst das Unternehmen wie ein Biologe ein Ökosystem: neutral, detailliert, systematisch.
Die ersten 30 Tage im neuen Job hast du es immer mit dabei. Es hilft dir, schneller zu verstehen, wie die Prozesse, Strukturen und Menschen im neuen Umfeld funktionieren, wo es hakt und wie du dich einbringen kannst.
Wie wird ein Bug Book gestaltet?
Ein Bug Book ist ein rotes DIN A5 Notizbuch mit 6 Abschnitten:
- Einarbeitungsplan (Seite 1-2)
- Bigger Picture (Seite 3-4)
- Rolle (Seite 5-6)
- Stakeholder (Seite 7-8)
- Fragenkatalog (Seite 9)
- Logbuch (ab Seite 10)
Es dauert nur 3 Minuten, ein leeres Notizbuch in ein Onboarding-Journal zu verwandeln.
Schlage die erste Seite auf – links Seite 1, rechts Seite 2. Notiere „Einarbeitungsplan“ oben auf Seite 1 als Überschrift. Unterstreiche es.
Schlage die nächste Seite auf – links Seite 3, rechts Seite 4. Notiere „Bigger Picture“ oben auf Seite 3 als Überschrift. Unterstreiche es.
Und so weiter. Bis du alle 6 Abschnitte integriert hast.
Abschnitt 1: Einarbeitungsplan
Proaktive Einarbeitung funktioniert ohne klassischen Einarbeitungsplan.
Du kennst das Unternehmen nicht – also kannst du auch keine Wochenplanung, mit Stationen und Themen gestalten.
Die Alternative:
Ein dynamischer Einarbeitungsplan.
Personen, Fragen, Prozesse – Immer, wenn du von etwas hörst, das dich interessiert, schreibst du es hier auf. So wächst eine Landkarte, an der du dich orientieren kannst.
Wo starten bei leerem Plan?
Lade 3 Personen zum (virtuellen) Kaffee ein. Personen, die Einfluss auf deine Entwicklung im Unternehmen haben können.
Wenn du ein Thema im Plan abgearbeitet hast, hake es ab.
Abschnitt 2: Bigger Picture
Es ist wichtig, das Unternehmen als Ganzes zu verstehen. Hier notierst du Erkenntnisse zu Strategie, Geschäftsprozessen, Technologien oder Systemen fest.
(Mehr in No Zero Days, Kapitel 4)
Abschnitt 3: Rolle
Je besser du die Erwartungen an deine neue Rolle verstehst, desto effektiver wirst du arbeiten. Hier notierst du Erkenntnisse zur Mission der Rolle, Kernaktivitäten oder idealem Tagesablauf.
(Mehr in No Zero Days, Kapitel 4 und 5)
Abschnitt 4: Stakeholder
Zwischenmenschliche Dynamiken im neuen Umfeld zu verstehen, ist ein übersehener Erfolgsfaktor. Hier notierst du Erkenntnisse zu Schlüsselpersonen – nutze Stakeholder Map und Empathy Maps.
(Mehr in No Zero Days, Kapitel 8)
Abschnitt 5: Fragenkatalog
Der Schlüssel zur effektiven Einarbeitung sind wertvolle Gespräche mit Kollegen und Vorgesetzten. Sammle gute Fragen und halte sie hier fest, z.B.:
- Wenn du dir etwas wünschen könntest, wie ich, dir (oder deinem Team) helfen könnte – was wäre das?
- Was ist dein wichtigster Rat für einen neuen Mitarbeiter hier im Unternehmen?
- Mit wem sollte ich noch unbedingt sprechen?
Je klüger die Fragen, desto bessere die Einarbeitung.
Abschnitt 6: Logbuch
Das Logbuch ist für deine täglichen Notizen – ab Seite 10 bis zur letzten Seite. Für das Logbuch gibt es zwei Regeln:
Regel 1: Starte jeden Morgen mit einer Fokus-Routine.
- Notiere das Datum.
- Schaue in deinen Entwicklungsplan.
- Lege einen Tages-Fokus fest.
Regel 2: Sei neugierig, beobachte und halte alles fest.
- Stichpunkte zu Gesprächen.
- Kleine Skizzen.
- Lose Gedanken und offene Fragen.
Nimm dir Zeit zur Reflexion
Mit einer neuen Rolle tauchst du in eine neue, unbekannte Welt ein. Neue Menschen. Neue Aufgaben. Neuer Alltag. All das kann überwältigend sein.
Die Lösung: Zeit zur Reflexion.
- 20 Minuten nach jedem Gespräch
- 30 Minuten am Ende des Tages
Sieh dir deine Notizen an. Fülle die Seiten zu Bigger Picture, Rolle und Stakeholder. Erweitere deinen Entwicklungsplan.
Ein starkes Fundament
Ein 30-tägiges Onboarding-Journal ist eine Geheimwaffe. Es gibt dir einen roten Faden – und eine Lernkurve, für die andere Jahre brauchen. Die positiven Effekte wirst du noch Jahre später spüren.
Schlechte Einarbeitung?
Nie wieder ein Problem für dich.