Die meisten haben ein schwammiges Verständnis von guter Führung – nach dem Motto „Ich erkenne sie, wenn ich sie sehe.“ Die Top-Investoren Marc Andreessen und Ben Horowitz haben eine klarere Definition – und drei konkrete Attribute, an denen sie Führungspersönlichkeiten messen.
In dieser Folge gehen wir diese drei Attribute durch. Sie gelten nicht nur für CEOs, sondern für jede Führungsrolle – und für jeden, der mehr Verantwortung übernehmen will.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Für die Top-Investoren Andreessen & Horowitz (a16z) ist der wichtigste Erfolgsfaktor eines Unternehmens die Führungskompetenz des CEO.
- Bessere Definition als „ich erkenne gute Führung, wenn ich sie sehe“: Eine Führungspersönlichkeit ist hervorragend, wenn Menschen ihr überallhin folgen wollen.
- 3 Attribute: Vision beschreiben (Steve Jobs), die richtige Ambition (Bill Campbell), die Vision verwirklichen (Andy Grove).
- Die richtige Ambition heißt: Ambition fürs Unternehmen, nicht fürs eigene Ego – die besten Führungskräfte kümmern sich mehr um ihre Leute als um sich selbst.
- Diese Attribute gelten für jede Führungsrolle, nicht nur für CEOs – und sie sind erlernbar.
- Du musst nicht alle drei perfekt verkörpern (Jobs war kein Bill Campbell) – aber die Kombination macht dich zur souveränen Führungspersönlichkeit.
Was eine gute Führungskraft ausmacht: die 3 Attribute
Ben Horowitz beschreibt in The Hard Thing About Hard Things die Erfolgsfaktoren des Risikokapitalgebers a16z (Investments u. a. in Airbnb, Facebook, GitHub, Slack). Für ihn und Marc Andreessen ist der wichtigste Faktor für den Unternehmenserfolg die Führungskompetenz des CEO. Statt eines schwammigen Bauchgefühls nutzen sie eine klare Definition – „Eine Führungspersönlichkeit ist dann hervorragend, wenn Menschen ihr überallhin folgen wollen“ – und prüfen vor jedem Investment drei Attribute:
- Die Fähigkeit, die Vision zu beschreiben – das „Steve Jobs Attribut“. Kann die Führungskraft eine Vision formulieren, die interessant, dynamisch und überzeugend ist – und damit sogar in einer Krise begeistern, wenn es für die Mitarbeiter finanziell keinen Sinn mehr macht zu bleiben? Steve Jobs konnte zwei Dinge wie kaum jemand: hochtalentierte Leute bei NeXT halten, lange nachdem der Glanz weg war, und Apple-Mitarbeiter für seine Vision gewinnen, als Apple kurz vor dem Bankrott stand.
- Die richtige Art von Ambition – das „Bill Campbell Attribut“. Entscheidend ist Ambition für den Erfolg des Unternehmens, nicht für den eigenen. Der große Irrtum: dass ein guter CEO gefühls- und rücksichtslos sein müsse – das Gegenteil ist der Fall. Die besten Führungskräfte schaffen ein Umfeld, in dem Mitarbeiter spüren, dass sich die Führung mehr um sie kümmert als um sich selbst. Bill Campbell verkörperte das durch völlige Authentizität (Servant Leadership).
- Die Fähigkeit, die Vision zu verwirklichen – das „Andy Grove Attribut“. Glaube ich – wenn ich mich auf die Vision einlasse und mich gut aufgehoben fühle – auch, dass die Führung die Vision erreichen kann? Andy Grove (Intel-CEO) bewies das: Er machte aus dem Speicherchip-Hersteller (90 % des Umsatzes) den weltgrößten Mikroprozessor-Hersteller – ein radikaler Pivot, „als würde BMW in drei Jahren statt Autos nur noch Motorräder bauen, ohne Umsatz oder Mitarbeiter zu verlieren“.
Diese drei Attribute sind nicht nur für CEOs wichtig, sondern für jede ambitionierte Persönlichkeit, die Verantwortung übernehmen will – und sie sind erlernbar. Du musst nicht der beste Kommunikator wie Jobs oder so empathisch wie Campbell werden; es geht darum, in jedem der drei Felder den nächsten kleinen Schritt zu gehen. Niemand verkörpert alle drei perfekt – Jobs war im Bill-Campbell-Attribut schwächer –, aber wer sie kombiniert, wird als souveräne Führungspersönlichkeit wahrgenommen.
Die kompakte Version mit allen Beispielen findest du im Artikel 3 Attribute großartiger CEOs. Und wie du diese Wahrnehmung aktiv gestaltest, zeigt die Folge LinkedIn-Profil optimieren.
Häufige Fragen zu guter Führung
Was macht eine gute Führungskraft aus? Laut Ben Horowitz und Marc Andreessen, dass Menschen ihr überallhin folgen wollen. Dafür braucht es drei Attribute: eine überzeugende Vision beschreiben zu können, die richtige Art von Ambition (für das Unternehmen, nicht das eigene Ego) und die Fähigkeit, die Vision auch zu verwirklichen.
Was sind die 3 Attribute großartiger CEOs? Das „Steve Jobs Attribut“ (Vision beschreiben und damit begeistern, auch in der Krise), das „Bill Campbell Attribut“ (Ambition für den Unternehmenserfolg, gepaart mit echtem Interesse an den Menschen) und das „Andy Grove Attribut“ (die Vision tatsächlich umsetzen können).
Sind diese Führungseigenschaften angeboren oder lernbar? Lernbar. Du wirst vielleicht nie der Kommunikator wie Steve Jobs oder so empathisch wie Bill Campbell – aber das ist auch nicht das Ziel. Es geht darum, dich in allen drei Bereichen Schritt für Schritt zu verbessern. Am besten lernst du über „Modeling of Excellence“ an starken Vorbildern.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
- Ben Horowitz – The Hard Thing About Hard Things: Quelle der drei Attribute (für Gründer und CEOs).
- Eric Schmidt – Trillion Dollar Coach: über Bill Campbell und Servant Leadership.
- Andy Grove – High Output Management: der Klassiker zur wirksamen Umsetzung.
Diese Folge gehört zum Thema moderne Führung und Persönlichkeit entwickeln.
Transkript
Herzlich willkommen zur Folge 143: 3 Attribute großartiger CEOs – hast du sie? Ich habe vor Kurzem das Buch The Hard Thing About Hard Things von Ben Horowitz gehört (2014). Horowitz ist Gründer und Investor im Silicon Valley und gehört gemeinsam mit Marc Andreessen zu den erfolgreichsten Risikokapitalgebern – ihr Unternehmen a16z (gegründet 2009) hatte bei Twitter, Airbnb, Facebook, Coinbase, Pinterest, Skype, Slack, GitHub, Instagram und vielen mehr die Finger im Spiel. Wie ist das möglich? Für Ben und Marc liegt der wichtigste Faktor für den Unternehmenserfolg in der Führungskompetenz des CEO. Ben sagt sinngemäß: „Das vielleicht wichtigste Attribut, um ein erfolgreicher CEO zu sein, ist Leadership.“
Das klingt erst einmal nicht nach Rocket Science. Wichtig ist aber: Vor einem Investment verbringen Ben und Marc sehr viel Zeit damit, die Führungskompetenz des CEO zu analysieren – und nach dem Investment tun sie alles, um sie weiter auszubauen. Die meisten Menschen haben ein zu schwammiges Verständnis von guter Führung, nach dem Motto „Ich erkenne sie, wenn ich sie sehe“. Ben und Marc haben eine klarere Definition: Eine Führungspersönlichkeit ist dann hervorragend, wenn Menschen ihr überallhin folgen wollen. Und um herauszufinden, was Menschen dazu bringt, schauen sie vor einem Investment auf drei Attribute.
Attribut eins: die Fähigkeit, die Vision zu beschreiben – das Steve-Jobs-Attribut. Kann der CEO eine Vision formulieren, die interessant, dynamisch und überzeugend ist – und, noch wichtiger, damit sogar begeistern, wenn das Unternehmen in einer Krise steckt und es finanziell keinen Sinn mehr macht, dort zu arbeiten? Steve Jobs konnte zwei Dinge wie kaum jemand: Er brachte hochtalentierte Personen dazu, ihm bei NeXT zu folgen, lange nachdem das Unternehmen seinen Glanz verloren hatte – und er hielt nicht nur Talente, sondern gewann neue dazu. Und er brachte die Apple-Mitarbeiter dazu, sich auf seine Vision einzulassen, als Apple wenige Wochen vor dem Bankrott stand. Hochtalentierte Leute mit vielen anderen Optionen sagten: „Vielleicht schaffen wir es nicht, aber ich glaube Steve Jobs.“ Rückblickend wirkt Apple logisch attraktiv – damals war es das überhaupt nicht. Reflektiere für dich: Wie gut kannst du dein Team für eine Vision begeistern – und wie gut kann es deine Führungskraft?
Attribut zwei: die richtige Art von Ambition – das Bill-Campbell-Attribut. Jedes erfolgreiche Unternehmen braucht hoch ambitionierte Führungskräfte. Entscheidend ist, dass sie die richtige Art von Ambition haben: Ambition für den Erfolg des Unternehmens, nicht für den eigenen. Ein großer Irrglaube ist, dass ein guter CEO gefühls- und rücksichtslos sein müsse – das Gegenteil ist der Fall. Die besten CEOs schaffen ein Umfeld, in dem die Mitarbeiter spüren, dass sich der CEO mehr um sie kümmert als um sich selbst. Für Ben und Marc – und auch für mich – verkörpert das niemand mehr als Bill Campbell, der Inbegriff von Servant Leadership. Ein großer Teil seiner Stärke lag in seiner völligen Authentizität: Wer mit Bill sprach, hatte immer das Gefühl, dass er sich sehr für einen interessiert. Er war sogar bereit, seinen eigenen Ruhm, seine Anerkennung und seine Vergütung für seine Mitarbeiter zu opfern. Mehr dazu im Buch Trillion Dollar Coach von Eric Schmidt, dem ehemaligen Google-CEO, dessen Mentor Bill Campbell war.
Attribut drei: die Fähigkeit, die Vision zu verwirklichen – das Andy-Grove-Attribut. Wenn ich mich als Mitarbeiter auf die Vision einlasse und glaube, dem CEO am Herzen zu liegen, dann ist die Frage: Glaube ich auch, dass er die Vision tatsächlich erreichen kann? Das größte Vorbild dafür ist Andy Grove, Co-Founder und langjähriger CEO von Intel, eine der einflussreichsten Personen des 20. Jahrhunderts. Grove ist es zu verdanken, dass sich Intel vom Speicherchip-Produzenten zum weltgrößten Hersteller von Mikroprozessoren entwickelte – ein dramatischer Pivot, denn rund 90 % der Einnahmen kamen aus dem Speicherchip-Geschäft, das er radikal aufgab, obwohl Intel in Mikroprozessoren kaum Erfahrung hatte. Eine Veränderung dieser Größenordnung sieht man in der Konzernwelt fast nie – es ist, als würde BMW entscheiden, in drei Jahren keine Autos mehr zu bauen, sondern nur noch Motorräder, ohne Umsatzeinbußen und ohne den Großteil der Mitarbeiter zu entlassen. Deshalb nennen Ben und Marc dieses Merkmal das Andy-Grove-Attribut.
Diese drei Attribute sind nicht nur für CEOs wichtig, sondern für jede ambitionierte Persönlichkeit, die Verantwortung übernehmen möchte. Wenn du als Führungspersönlichkeit wahrgenommen werden willst, solltest du stetig an ihnen arbeiten. Und ganz wichtig: Alles im Bereich Führung ist erlernbar. Vielleicht wirst du nie der Kommunikator wie Steve Jobs, nie so stark im Zwischenmenschlichen wie Bill Campbell oder in der Umsetzung wie Andy Grove – aber es geht nicht darum, der Beste der Welt zu werden, sondern darum, sich zu verbessern und den nächsten kleinen Schritt zu gehen. Du lernst am besten über Modeling of Excellence an starken Vorbildern – und du musst nicht alle drei perfekt verkörpern. Spannend ist, wenn du alle drei Komponenten zusammenführst: Dann wirst du als souveräne Führungspersönlichkeit wahrgenommen und erzielst mit deinem Team entsprechende Erfolge. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.
