Richtig kündigen: souverän und taktvoll den Job verlassen

„Ich bin froh, dass ich in diesem mittelmäßigen Job geblieben bin“ – diesen Satz hat noch nie jemand gesagt. Einen Job zu kündigen, der dich bremst, oder einfach den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen, wirst du nie bereuen. Trotzdem ist die Kündigung für viele ambitionierte Ingenieure eine riesige Hürde – aus Angst und Unwissenheit.

In dieser Folge bekommst du einen klaren Plan, der sich auch gut anfühlt: warum Inaktivität oft das größere Risiko ist, wie du den richtigen Gesprächstermin setzt und wie du souverän und taktvoll kündigst, ohne Brücken zu verbrennen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Niemand bereut den mutigen Schritt – wohl aber das Bleiben im mittelmäßigen Job. Wer wachsen will, aber im Unternehmen keine Perspektive hat, sollte kündigen.
  • Inaktivität ist oft das größte Risiko: Es geht nicht darum, Risiken zu vermeiden, sondern intelligent mit ihnen umzugehen.
  • Risiko ist subjektiv und situativ: Jeder hat eine eigene Risikotoleranz; Erspartes („Fuck-You-Money“) macht den Schritt leichter. Unsicherheit ≠ riskant.
  • Du brauchst nur eine Sache: einen persönlichen Gesprächstermin mit deinem Chef in 10–14 Tagen. Nicht vorher überdenken.
  • Die Storyline: Dankbarkeit zeigen, den nächsten Schritt klar benennen und gemeinsam eine faire Roadmap für den Ausstieg gestalten.
  • Du bist nicht so wichtig, wie du denkst – diese Erkenntnis kommt am Ende fast jedes Kündigungsprozesses und nimmt die Angst.

Richtig kündigen: die Kernidee

Voraussetzung: Du weißt, dass du kündigen solltest

Dieser Plan passt für einen bestimmten Kontext: Du bist dankbar für deine Zeit im Unternehmen und dem Team gut gesonnen, siehst aber keine echte Entwicklungsperspektive mehr – und du hast noch kein neues Angebot unterschrieben. Du hast ein Growth Mindset und merkst: Hier geht es nicht weiter. Leidest du dagegen wirklich unter einem toxischen Chef, gilt nur eine Regel: Pflaster abziehen. Für alle anderen lohnt der souveräne Weg.

Risiko richtig einschätzen

2018 habe ich meinen gut bezahlten Job ohne Plan gekündigt – ohne neues Angebot. Viele nannten das naiv und zu riskant. Heute weiß ich: Wenn du keine Angst verspürst, ist der Schritt nicht groß genug. Und Inaktivität ist heute meist das Riskanteste überhaupt – es geht nicht darum, Risiken zu vermeiden, sondern intelligent mit ihnen umzugehen. Zwei Dinge sind wichtig: Erstens, Risiko ist subjektiv (jeder hat eine eigene Risikotoleranz) und situativ (mit Erspartem – „Fuck-You-Money“ – fällt der Schritt leichter). Hör deshalb nicht auf Leute, die sagen „viel zu riskant“ – vielleicht gilt das nur für sie. Zweitens, es ist meist nicht so riskant, wie du denkst: Unser Gehirn überschätzt Risiken evolutionär (das Rascheln im Gebüsch). Unsicherheit fühlt sich riskant an, ist es aber oft nicht – die Downside ist selten so schlimm wie befürchtet.

Schritt 1: nur den Gesprächstermin setzen

Der Weg zur Kündigung braucht zunächst nur eine einzige Sache: einen persönlichen Gesprächstermin mit deinem Chef, etwa in 10 bis 14 Tagen. Mehr musst du vorher nicht tun – kein Brief, keine Vorbereitung. Betreff schlicht: „Austausch zu meiner Weiterentwicklung.“ Beachte ein paar Kleinigkeiten (nicht ausgerechnet zum Monatsende, eher nachmittags, nicht direkt vor einem wichtigen Termin deines Chefs), aber: Don’t overthink it – Perfektionismus ist hier nur verkleidete Angst. Fragt dein Chef vorab nach, sagst du einfach: „Es geht um meine Entwicklung, ich bereite ein paar Gedanken vor und bringe sie mit.“

Schritt 2: das Gespräch vorbereiten – die Storyline

Erst wenn der Termin steht, bereitest du das Gespräch vor. Meine Storyline 2018: aus echter Dankbarkeit heraus, nicht das Schiff verlassen und alles liegen lassen. Der Einstieg: „Ich habe mich entschieden, das Unternehmen im Laufe der nächsten Monate zu verlassen – ich möchte den nächsten Schritt gehen, meine Lernkurve ankurbeln und etwas Neues sehen.“ Dann: gemeinsam eine faire Roadmap für den Ausstieg gestalten. Die formale Kündigungsfrist ist dabei zweitrangig – es geht um einen sauberen Übergang. Halte aber die Balance: Dankbarkeit zeigen, ohne deine eigenen Ziele aus den Augen zu verlieren (zieh eine Grenze, z. B. maximal 3–4 Monate). Bereite deine offenen Projekte und Aufgaben auf – ein Zettel genügt, keine Präsentation –, damit dein Chef sieht, dass du die Übergabe mitdenkst. Bei mir griff mein Chef nach dem Gespräch zum Hörer und hatte wenige Tage später einen Nachfolger.

Was danach kommt

Rechne mit einem Gegenangebot – oft geht es dabei ums Geld, aber dir geht es um Wachstum, nicht um Schmerzensgeld. Das Kündigungsschreiben ist reine Formalität (ein Einzeiler, später nachgezogen, wenn die Roadmap steht). Frag rechtzeitig dein Arbeitszeugnis an – das liegt in deinem Interesse, nicht im seinen, und du hast mehr Spielraum bei der Formulierung, als du denkst. Und die vielleicht wichtigste Erkenntnis: Du bist nicht so wichtig, wie du denkst. Sobald die Nachfolge geregelt ist, wirst du weniger eingebunden – das ist völlig normal und nimmt rückblickend genau die Angst, die viele am Kündigen hindert.

Die Wurzel dieser Hürde ist oft falsch verstandene Loyalität – warum sie zur Stagnationsfalle wird, vertieft Job wechseln oder bleiben. Warum der Schritt ins Ungewisse sich lohnt, hörst du in Komfortzone verlassen. Und wie du danach proaktiv deinen nächsten Job findest – statt nur Stellenanzeigen zu durchsuchen –, zeigt Traumjob selbst schaffen.

Häufige Fragen zum richtig Kündigen

Sollte ich kündigen, bevor ich einen neuen Job habe? Das hängt von deiner Risikotoleranz und Situation ab. Mit Erspartem als Puffer fällt der Schritt leichter. Wichtig: Unsicherheit fühlt sich riskant an, ist es aber oft nicht – und Inaktivität in einem Job ohne Perspektive ist meist das größere Risiko.

Wie kündige ich, ohne Brücken zu verbrennen? Such ein persönliches Gespräch (kein Brief vorab), zeige Dankbarkeit, benenne klar deinen Wunsch nach Weiterentwicklung und gestalte gemeinsam eine faire Roadmap für den Ausstieg. Bereite deine offenen Projekte auf, damit dein Chef sieht, dass du die Übergabe mitdenkst.

Was sage ich meinem Chef beim Kündigungsgespräch? Eine einfache Storyline: „Ich habe mich entschieden, das Unternehmen in den nächsten Monaten zu verlassen. Ich bin dankbar für die Zeit hier, möchte aber den nächsten Schritt gehen und etwas Neues sehen. Ich habe mir schon Gedanken zu meinen Projekten gemacht und würde gern gemeinsam abstimmen, wie der Ausstieg aussieht.“

Was mache ich bei einem Gegenangebot? Rechne damit, aber bleib bei deiner Entscheidung: Meist geht es ums Geld, dir aber um Wachstum und den nächsten Schritt. Mehr Gehalt löst keine fehlende Perspektive. Du kannst ein Angebot dankend annehmen oder ablehnen – verliere nur deine eigenen Ziele nicht aus den Augen.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Jobsuche und Kommunikation.

Transkript

„Ich bin froh, dass ich in diesem mittelmäßigen Job geblieben bin.“ Das hat garantiert noch nie jemand gesagt. Einen gehassten Job zu kündigen, einen Chef zu verlassen, der dich bremst, deine Leidenschaft zum Beruf zu machen oder einfach den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen – das alles wirst du niemals bereuen. Jeder ambitionierte Ingenieur verdient einen Job, der ihn begeistert, und nicht nur einen, der in Ordnung ist. Ich kenne unzählige ambitionierte Ingenieure, für die das Thema Kündigung eine enorme Hürde ist. Einer sagte mir einmal: „Ich hätte lieber einen befristeten Vertrag, denn dann müsste ich diese unangenehmen Gespräche nicht selbst initiieren.“ In Folge 104 habe ich über naive Loyalität als Stagnationsfalle gesprochen – Loyalität ist grundsätzlich gut, kann aber zur Falle werden. Angst und Unwissenheit machen die Kündigungshürde noch größer; mit einem klaren Plan, der sich gut anfühlt, wird es deutlich einfacher. Ich stand 2018 selbst vor genau dieser Situation und habe das, was ich hier erzähle, eins zu eins umgesetzt – und seitdem auch Dutzende andere Ingenieure.

Ein Disclaimer: Dein Kontext ist entscheidend. Das hier bezieht sich auf folgende Lage: Du bist dankbar für die Zeit im Unternehmen, hast viel gelernt, bist dem Chef und Team gut gesonnen, siehst aber kein echtes Entwicklungspotenzial mehr und hast noch kein neues Jobangebot angenommen. Wenn du dagegen unter deinem Job richtig leidest und dein Chef ein echtes Problem ist, gilt meist nur eine Regel: Pflaster abziehen. Eine wichtige Voraussetzung für diesen Weg ist: Du weißt, dass du kündigen solltest, um dich weiterzuentwickeln, kannst dich aber nicht überwinden.

Zuerst zum Thema Risiko. 2018 habe ich meinen gut bezahlten Job gekündigt – ohne Plan, ohne Jobangebot, ohne Businessplan. Ich hatte Zweifel und Respekt, aber das hat mich nicht abgehalten. Viele meinten, das sei naiv und viel zu riskant. Heute weiß ich: Wenn du keine Angst verspürst, ist der Schritt nicht groß genug – fühlt sich der nächste Schritt zu einfach an, ist es vielleicht nur eine Seitwärtsbewegung. Manche glauben, sie verbessern ihre Karriere, indem sie Risiken minimieren („Ich bleibe lieber, hier ist es sicher“). Ironischerweise ist diese Inaktivität heute meist das Riskanteste überhaupt. Es geht nicht darum, Risiken zu vermeiden, sondern intelligent mit ihnen umzugehen – ein seltener, wertvoller Skill, gerade in Führungsrollen.

Zwei Punkte dazu. Erstens: Risiken sind subjektiv. Jede Person hat eine einzigartige Risikotoleranz – für die einen ist es normal, ohne neuen Job zu kündigen, für die anderen unvorstellbar. Wie in der Investmentwelt solltest du dein Vorgehen an deiner Risikotoleranz ausrichten. Risiken sind außerdem situativ: Mit 100.000 Euro Erspartem verlässt du einen toxischen Chef viel leichter. Diesen Podcast empfehle ich auch als „Fuck-You-Money“ aufzubauen – das hat mir 2018 sehr geholfen. Hör nicht auf Leute, die etwas „viel zu riskant“ nennen; vielleicht gilt das nur für ihre Risikotoleranz und ihre fehlenden Rücklagen. Zweitens: Es ist vermutlich nicht so riskant, wie du denkst. Risikovermeidung ist evolutionär – das Rascheln im Gebüsch könnte ein Löwe sein, also lieber übervorsichtig. Heute gibt es selten Löwen am Straßenrand, aber das Gefühl bleibt. Wir schätzen Risiken oft falsch ein und treffen zu konservative Entscheidungen. Zwei Beispiele, die viel weniger riskant sind, als sie wirken: Jobs, in denen du wenig verdienst, aber sehr viel lernst (Soft Assets wie Lernkurve und Netzwerk werden gegenüber Hard Assets wie Gehalt maßlos unterschätzt), und – als Führungskraft – Menschen einzustellen, die keine Erfahrung, aber eine schnelle Lernkurve haben (Negativity Bias). Ganz wichtig: Ein Gefühl von Unsicherheit heißt nicht automatisch, dass etwas riskant ist.

Wie sieht der Weg zur Kündigung nun aus? Du brauchst eigentlich nur eine einzige Sache: einen Gesprächstermin mit deinem Chef. Voraussetzung ist die Klarheit, dass du kündigen solltest, um weiter zu wachsen. In den letzten Folgen habe ich von der Wachstumsgleichung gesprochen: Markt, Unternehmen und du als Person. Steckst du in einer stagnierenden Branche oder einem stagnierenden Unternehmen, hilft selbst viel persönlicher Einsatz wenig – irgendwann musst du kündigen, um zu wachsen. In diesem Moment brauchst du nur den Gesprächstermin. Ich würde ihn für 10 bis maximal 14 Tage später ansetzen. Vorher musst du nichts vorbereiten. Beachte: nicht unbedingt auf den 30. des Monats legen (sonst rechnet dein Chef ohnehin mit einer Kündigung), eher nachmittags als um 8 Uhr, und nicht direkt vor einer wichtigen Präsentation deines Chefs. Aber: Don’t overthink it – Perfektionismus ist hier eine Form von Prokrastination und nur verkleidete Angst. Führe das Gespräch persönlich, nicht digital. Die Einladung halte simpel, Betreff etwa „Austausch zu meiner Weiterentwicklung“, kein langer Text. Fragt dein Chef vorher nach, sagst du nur: Es geht um meine Entwicklung, ich bringe ein paar vorbereitete Gedanken mit.

Steht der Termin, bereitest du das Gespräch vor. Ich ging damals aus echter Dankbarkeit hinein – es fühlte sich falsch an, einfach eine Kündigung auf den Tisch zu legen, Resturlaub zu nehmen und die offenen Projekte liegen zu lassen. Mein Einstieg: „Ich habe mich entschieden, das Unternehmen im Laufe des Jahres zu verlassen.“ Das Gespräch war im Februar, ausgestiegen bin ich Ende Juli, wasserfallartig, inklusive Einarbeitung meines Nachfolgers. Als Erklärung reicht: „Ich möchte etwas Neues sehen und meine Lernkurve ankurbeln – den nächsten Schritt gehen.“ Die Kündigungsfrist – ob ein Monat oder drei – ist dabei zweitrangig; es geht um einen sauberen Ausstieg. Halte die Balance: Dankbarkeit zeigen, ohne deine Ziele aus den Augen zu verlieren. Lass dich nicht auf neun Monate einspannen; überlege vorher deine Grenze, vielleicht maximal drei bis vier Monate. Mach dir vorab Gedanken über deine offenen Projekte und Aufgaben und bringe einen Zettel mit den wichtigsten Punkten mit – keine Präsentation, nur ein Signal, dass du die Interessen deines Vorgesetzten mitdenkst. Bei mir drehte sich das Gespräch dann eher um meine Ambitionen und die Roadmap; mein Chef rief danach einige Leute an und hatte innerhalb weniger Tage einen Nachfolger – das gab ihm durchweg ein gutes Gefühl.

Es kann ein Gegenangebot kommen – oft mehr Geld. Lass dich nicht irritieren: Es geht dir um Wachstum, nicht darum, für deinen Schmerz teurer bezahlt zu werden. Das Kündigungsschreiben ist reine Formalität, ein Einzeiler, den du erst nachziehst, wenn die Roadmap steht – dafür gibt es Standardvorlagen. Frag rechtzeitig dein Arbeitszeugnis an; das liegt in deinem Interesse, nicht im Interesse des Vorgesetzten, und du kannst dich bei der Formulierung oft mehr einbringen, als du denkst – überbewerten solltest du es aber nicht. Und ein letzter, wichtiger Punkt: Du bist nicht so wichtig, wie du denkst. Sobald die Nachfolge geregelt ist und das Risiko eines holprigen Übergangs sinkt, wirst du weniger eingebunden und informiert – manchmal wird sogar eine frühere Freistellung signalisiert. Das ist völlig normal. Lass deine vergangenen Erfolge dadurch nicht kleiner wirken. Diese Erkenntnis ist wertvoll, denn der Glaube, unverzichtbar zu sein, hält viele vom Kündigen ab. Ich hoffe, du kannst diese Hürde überwinden, wenn klar ist, dass du nur außerhalb weiter wächst. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Richtig kündigen: souverän und taktvoll den Job verlassen

„Ich bin froh, dass ich in diesem mittelmäßigen Job geblieben bin“ – diesen Satz hat noch nie jemand gesagt. Einen Job zu kündigen, der dich bremst, oder einfach den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen, wirst du nie bereuen. Trotzdem ist die Kündigung für viele ambitionierte Ingenieure eine riesige Hürde – aus Angst und Unwissenheit.

In dieser Folge bekommst du einen klaren Plan, der sich auch gut anfühlt: warum Inaktivität oft das größere Risiko ist, wie du den richtigen Gesprächstermin setzt und wie du souverän und taktvoll kündigst, ohne Brücken zu verbrennen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Niemand bereut den mutigen Schritt – wohl aber das Bleiben im mittelmäßigen Job. Wer wachsen will, aber im Unternehmen keine Perspektive hat, sollte kündigen.
  • Inaktivität ist oft das größte Risiko: Es geht nicht darum, Risiken zu vermeiden, sondern intelligent mit ihnen umzugehen.
  • Risiko ist subjektiv und situativ: Jeder hat eine eigene Risikotoleranz; Erspartes („Fuck-You-Money“) macht den Schritt leichter. Unsicherheit ≠ riskant.
  • Du brauchst nur eine Sache: einen persönlichen Gesprächstermin mit deinem Chef in 10–14 Tagen. Nicht vorher überdenken.
  • Die Storyline: Dankbarkeit zeigen, den nächsten Schritt klar benennen und gemeinsam eine faire Roadmap für den Ausstieg gestalten.
  • Du bist nicht so wichtig, wie du denkst – diese Erkenntnis kommt am Ende fast jedes Kündigungsprozesses und nimmt die Angst.

Richtig kündigen: die Kernidee

Voraussetzung: Du weißt, dass du kündigen solltest

Dieser Plan passt für einen bestimmten Kontext: Du bist dankbar für deine Zeit im Unternehmen und dem Team gut gesonnen, siehst aber keine echte Entwicklungsperspektive mehr – und du hast noch kein neues Angebot unterschrieben. Du hast ein Growth Mindset und merkst: Hier geht es nicht weiter. Leidest du dagegen wirklich unter einem toxischen Chef, gilt nur eine Regel: Pflaster abziehen. Für alle anderen lohnt der souveräne Weg.

Risiko richtig einschätzen

2018 habe ich meinen gut bezahlten Job ohne Plan gekündigt – ohne neues Angebot. Viele nannten das naiv und zu riskant. Heute weiß ich: Wenn du keine Angst verspürst, ist der Schritt nicht groß genug. Und Inaktivität ist heute meist das Riskanteste überhaupt – es geht nicht darum, Risiken zu vermeiden, sondern intelligent mit ihnen umzugehen. Zwei Dinge sind wichtig: Erstens, Risiko ist subjektiv (jeder hat eine eigene Risikotoleranz) und situativ (mit Erspartem – „Fuck-You-Money“ – fällt der Schritt leichter). Hör deshalb nicht auf Leute, die sagen „viel zu riskant“ – vielleicht gilt das nur für sie. Zweitens, es ist meist nicht so riskant, wie du denkst: Unser Gehirn überschätzt Risiken evolutionär (das Rascheln im Gebüsch). Unsicherheit fühlt sich riskant an, ist es aber oft nicht – die Downside ist selten so schlimm wie befürchtet.

Schritt 1: nur den Gesprächstermin setzen

Der Weg zur Kündigung braucht zunächst nur eine einzige Sache: einen persönlichen Gesprächstermin mit deinem Chef, etwa in 10 bis 14 Tagen. Mehr musst du vorher nicht tun – kein Brief, keine Vorbereitung. Betreff schlicht: „Austausch zu meiner Weiterentwicklung.“ Beachte ein paar Kleinigkeiten (nicht ausgerechnet zum Monatsende, eher nachmittags, nicht direkt vor einem wichtigen Termin deines Chefs), aber: Don’t overthink it – Perfektionismus ist hier nur verkleidete Angst. Fragt dein Chef vorab nach, sagst du einfach: „Es geht um meine Entwicklung, ich bereite ein paar Gedanken vor und bringe sie mit.“

Schritt 2: das Gespräch vorbereiten – die Storyline

Erst wenn der Termin steht, bereitest du das Gespräch vor. Meine Storyline 2018: aus echter Dankbarkeit heraus, nicht das Schiff verlassen und alles liegen lassen. Der Einstieg: „Ich habe mich entschieden, das Unternehmen im Laufe der nächsten Monate zu verlassen – ich möchte den nächsten Schritt gehen, meine Lernkurve ankurbeln und etwas Neues sehen.“ Dann: gemeinsam eine faire Roadmap für den Ausstieg gestalten. Die formale Kündigungsfrist ist dabei zweitrangig – es geht um einen sauberen Übergang. Halte aber die Balance: Dankbarkeit zeigen, ohne deine eigenen Ziele aus den Augen zu verlieren (zieh eine Grenze, z. B. maximal 3–4 Monate). Bereite deine offenen Projekte und Aufgaben auf – ein Zettel genügt, keine Präsentation –, damit dein Chef sieht, dass du die Übergabe mitdenkst. Bei mir griff mein Chef nach dem Gespräch zum Hörer und hatte wenige Tage später einen Nachfolger.

Was danach kommt

Rechne mit einem Gegenangebot – oft geht es dabei ums Geld, aber dir geht es um Wachstum, nicht um Schmerzensgeld. Das Kündigungsschreiben ist reine Formalität (ein Einzeiler, später nachgezogen, wenn die Roadmap steht). Frag rechtzeitig dein Arbeitszeugnis an – das liegt in deinem Interesse, nicht im seinen, und du hast mehr Spielraum bei der Formulierung, als du denkst. Und die vielleicht wichtigste Erkenntnis: Du bist nicht so wichtig, wie du denkst. Sobald die Nachfolge geregelt ist, wirst du weniger eingebunden – das ist völlig normal und nimmt rückblickend genau die Angst, die viele am Kündigen hindert.

Die Wurzel dieser Hürde ist oft falsch verstandene Loyalität – warum sie zur Stagnationsfalle wird, vertieft Job wechseln oder bleiben. Warum der Schritt ins Ungewisse sich lohnt, hörst du in Komfortzone verlassen. Und wie du danach proaktiv deinen nächsten Job findest – statt nur Stellenanzeigen zu durchsuchen –, zeigt Traumjob selbst schaffen.

Häufige Fragen zum richtig Kündigen

Sollte ich kündigen, bevor ich einen neuen Job habe? Das hängt von deiner Risikotoleranz und Situation ab. Mit Erspartem als Puffer fällt der Schritt leichter. Wichtig: Unsicherheit fühlt sich riskant an, ist es aber oft nicht – und Inaktivität in einem Job ohne Perspektive ist meist das größere Risiko.

Wie kündige ich, ohne Brücken zu verbrennen? Such ein persönliches Gespräch (kein Brief vorab), zeige Dankbarkeit, benenne klar deinen Wunsch nach Weiterentwicklung und gestalte gemeinsam eine faire Roadmap für den Ausstieg. Bereite deine offenen Projekte auf, damit dein Chef sieht, dass du die Übergabe mitdenkst.

Was sage ich meinem Chef beim Kündigungsgespräch? Eine einfache Storyline: „Ich habe mich entschieden, das Unternehmen in den nächsten Monaten zu verlassen. Ich bin dankbar für die Zeit hier, möchte aber den nächsten Schritt gehen und etwas Neues sehen. Ich habe mir schon Gedanken zu meinen Projekten gemacht und würde gern gemeinsam abstimmen, wie der Ausstieg aussieht.“

Was mache ich bei einem Gegenangebot? Rechne damit, aber bleib bei deiner Entscheidung: Meist geht es ums Geld, dir aber um Wachstum und den nächsten Schritt. Mehr Gehalt löst keine fehlende Perspektive. Du kannst ein Angebot dankend annehmen oder ablehnen – verliere nur deine eigenen Ziele nicht aus den Augen.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Jobsuche und Kommunikation.

Transkript

„Ich bin froh, dass ich in diesem mittelmäßigen Job geblieben bin.“ Das hat garantiert noch nie jemand gesagt. Einen gehassten Job zu kündigen, einen Chef zu verlassen, der dich bremst, deine Leidenschaft zum Beruf zu machen oder einfach den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen – das alles wirst du niemals bereuen. Jeder ambitionierte Ingenieur verdient einen Job, der ihn begeistert, und nicht nur einen, der in Ordnung ist. Ich kenne unzählige ambitionierte Ingenieure, für die das Thema Kündigung eine enorme Hürde ist. Einer sagte mir einmal: „Ich hätte lieber einen befristeten Vertrag, denn dann müsste ich diese unangenehmen Gespräche nicht selbst initiieren.“ In Folge 104 habe ich über naive Loyalität als Stagnationsfalle gesprochen – Loyalität ist grundsätzlich gut, kann aber zur Falle werden. Angst und Unwissenheit machen die Kündigungshürde noch größer; mit einem klaren Plan, der sich gut anfühlt, wird es deutlich einfacher. Ich stand 2018 selbst vor genau dieser Situation und habe das, was ich hier erzähle, eins zu eins umgesetzt – und seitdem auch Dutzende andere Ingenieure.

Ein Disclaimer: Dein Kontext ist entscheidend. Das hier bezieht sich auf folgende Lage: Du bist dankbar für die Zeit im Unternehmen, hast viel gelernt, bist dem Chef und Team gut gesonnen, siehst aber kein echtes Entwicklungspotenzial mehr und hast noch kein neues Jobangebot angenommen. Wenn du dagegen unter deinem Job richtig leidest und dein Chef ein echtes Problem ist, gilt meist nur eine Regel: Pflaster abziehen. Eine wichtige Voraussetzung für diesen Weg ist: Du weißt, dass du kündigen solltest, um dich weiterzuentwickeln, kannst dich aber nicht überwinden.

Zuerst zum Thema Risiko. 2018 habe ich meinen gut bezahlten Job gekündigt – ohne Plan, ohne Jobangebot, ohne Businessplan. Ich hatte Zweifel und Respekt, aber das hat mich nicht abgehalten. Viele meinten, das sei naiv und viel zu riskant. Heute weiß ich: Wenn du keine Angst verspürst, ist der Schritt nicht groß genug – fühlt sich der nächste Schritt zu einfach an, ist es vielleicht nur eine Seitwärtsbewegung. Manche glauben, sie verbessern ihre Karriere, indem sie Risiken minimieren („Ich bleibe lieber, hier ist es sicher“). Ironischerweise ist diese Inaktivität heute meist das Riskanteste überhaupt. Es geht nicht darum, Risiken zu vermeiden, sondern intelligent mit ihnen umzugehen – ein seltener, wertvoller Skill, gerade in Führungsrollen.

Zwei Punkte dazu. Erstens: Risiken sind subjektiv. Jede Person hat eine einzigartige Risikotoleranz – für die einen ist es normal, ohne neuen Job zu kündigen, für die anderen unvorstellbar. Wie in der Investmentwelt solltest du dein Vorgehen an deiner Risikotoleranz ausrichten. Risiken sind außerdem situativ: Mit 100.000 Euro Erspartem verlässt du einen toxischen Chef viel leichter. Diesen Podcast empfehle ich auch als „Fuck-You-Money“ aufzubauen – das hat mir 2018 sehr geholfen. Hör nicht auf Leute, die etwas „viel zu riskant“ nennen; vielleicht gilt das nur für ihre Risikotoleranz und ihre fehlenden Rücklagen. Zweitens: Es ist vermutlich nicht so riskant, wie du denkst. Risikovermeidung ist evolutionär – das Rascheln im Gebüsch könnte ein Löwe sein, also lieber übervorsichtig. Heute gibt es selten Löwen am Straßenrand, aber das Gefühl bleibt. Wir schätzen Risiken oft falsch ein und treffen zu konservative Entscheidungen. Zwei Beispiele, die viel weniger riskant sind, als sie wirken: Jobs, in denen du wenig verdienst, aber sehr viel lernst (Soft Assets wie Lernkurve und Netzwerk werden gegenüber Hard Assets wie Gehalt maßlos unterschätzt), und – als Führungskraft – Menschen einzustellen, die keine Erfahrung, aber eine schnelle Lernkurve haben (Negativity Bias). Ganz wichtig: Ein Gefühl von Unsicherheit heißt nicht automatisch, dass etwas riskant ist.

Wie sieht der Weg zur Kündigung nun aus? Du brauchst eigentlich nur eine einzige Sache: einen Gesprächstermin mit deinem Chef. Voraussetzung ist die Klarheit, dass du kündigen solltest, um weiter zu wachsen. In den letzten Folgen habe ich von der Wachstumsgleichung gesprochen: Markt, Unternehmen und du als Person. Steckst du in einer stagnierenden Branche oder einem stagnierenden Unternehmen, hilft selbst viel persönlicher Einsatz wenig – irgendwann musst du kündigen, um zu wachsen. In diesem Moment brauchst du nur den Gesprächstermin. Ich würde ihn für 10 bis maximal 14 Tage später ansetzen. Vorher musst du nichts vorbereiten. Beachte: nicht unbedingt auf den 30. des Monats legen (sonst rechnet dein Chef ohnehin mit einer Kündigung), eher nachmittags als um 8 Uhr, und nicht direkt vor einer wichtigen Präsentation deines Chefs. Aber: Don’t overthink it – Perfektionismus ist hier eine Form von Prokrastination und nur verkleidete Angst. Führe das Gespräch persönlich, nicht digital. Die Einladung halte simpel, Betreff etwa „Austausch zu meiner Weiterentwicklung“, kein langer Text. Fragt dein Chef vorher nach, sagst du nur: Es geht um meine Entwicklung, ich bringe ein paar vorbereitete Gedanken mit.

Steht der Termin, bereitest du das Gespräch vor. Ich ging damals aus echter Dankbarkeit hinein – es fühlte sich falsch an, einfach eine Kündigung auf den Tisch zu legen, Resturlaub zu nehmen und die offenen Projekte liegen zu lassen. Mein Einstieg: „Ich habe mich entschieden, das Unternehmen im Laufe des Jahres zu verlassen.“ Das Gespräch war im Februar, ausgestiegen bin ich Ende Juli, wasserfallartig, inklusive Einarbeitung meines Nachfolgers. Als Erklärung reicht: „Ich möchte etwas Neues sehen und meine Lernkurve ankurbeln – den nächsten Schritt gehen.“ Die Kündigungsfrist – ob ein Monat oder drei – ist dabei zweitrangig; es geht um einen sauberen Ausstieg. Halte die Balance: Dankbarkeit zeigen, ohne deine Ziele aus den Augen zu verlieren. Lass dich nicht auf neun Monate einspannen; überlege vorher deine Grenze, vielleicht maximal drei bis vier Monate. Mach dir vorab Gedanken über deine offenen Projekte und Aufgaben und bringe einen Zettel mit den wichtigsten Punkten mit – keine Präsentation, nur ein Signal, dass du die Interessen deines Vorgesetzten mitdenkst. Bei mir drehte sich das Gespräch dann eher um meine Ambitionen und die Roadmap; mein Chef rief danach einige Leute an und hatte innerhalb weniger Tage einen Nachfolger – das gab ihm durchweg ein gutes Gefühl.

Es kann ein Gegenangebot kommen – oft mehr Geld. Lass dich nicht irritieren: Es geht dir um Wachstum, nicht darum, für deinen Schmerz teurer bezahlt zu werden. Das Kündigungsschreiben ist reine Formalität, ein Einzeiler, den du erst nachziehst, wenn die Roadmap steht – dafür gibt es Standardvorlagen. Frag rechtzeitig dein Arbeitszeugnis an; das liegt in deinem Interesse, nicht im Interesse des Vorgesetzten, und du kannst dich bei der Formulierung oft mehr einbringen, als du denkst – überbewerten solltest du es aber nicht. Und ein letzter, wichtiger Punkt: Du bist nicht so wichtig, wie du denkst. Sobald die Nachfolge geregelt ist und das Risiko eines holprigen Übergangs sinkt, wirst du weniger eingebunden und informiert – manchmal wird sogar eine frühere Freistellung signalisiert. Das ist völlig normal. Lass deine vergangenen Erfolge dadurch nicht kleiner wirken. Diese Erkenntnis ist wertvoll, denn der Glaube, unverzichtbar zu sein, hält viele vom Kündigen ab. Ich hoffe, du kannst diese Hürde überwinden, wenn klar ist, dass du nur außerhalb weiter wächst. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

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