Smarte Entscheidungen treffen: was 3 Milliarden-Dollar-Fehler lehren

Gute Entscheidungen zu treffen ist eine der wichtigsten Fähigkeiten im Berufsleben. Ray Dalio sagt: „The quality of your life depends on the quality of the decisions you make.“ Und doch treffen selbst die intelligentesten Menschen folgenschwere Fehlentscheidungen.

In dieser Folge geht es um drei berühmte Milliarden-Dollar-Fehler aus der Wirtschaftswelt – und um den entscheidenden Leitsatz, der dir hilft, smartere Entscheidungen zu treffen, gerade wenn die Zukunft unbekannt ist.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Microsoft & Ross Perot: 1979 lehnte Perot ab, Microsoft für 20 Mio. $ zu kaufen – heute ~2 Billionen $ wert.
  • Google & Yahoo: Yahoo lehnte Google gleich zweimal ab (1 Mio. $, später 5 Mrd. $) – Alphabet heute ~1,5 Billionen $.
  • Apple & Nolan Bushnell: Atari-Gründer Bushnell lehnte 33 % an Apple für 50.000 $ ab – Apple heute ~2,6 Billionen $.
  • Die Lektion: Die Wirtschaftswelt ist zu komplex, um die Zukunft vorherzusagen. Sei skeptisch bei allen, die „alle Antworten“ haben.
  • Die besten Experten haben mehr Fragen als Antworten – dein Kontext ist immer einzigartig.
  • Der Leitsatz (Naval Ravikant): Höre allen zu und sammle Ratschläge – dann ignoriere sie alle und entscheide eigenständig.

Smarte Entscheidungen treffen: die Kernidee

Drei Milliarden-Dollar-Fehler

Microsoft & Ross Perot: 1979 bot der junge Bill Gates Ross Perot (Gründer von EDS) Microsoft für 20 Mio. US-Dollar an. Perot lehnte ab. Heute ist Microsoft rund 2 Billionen Dollar wert – für Perot eine der größten Fehlentscheidungen seines Lebens. Google & Yahoo: 1998 boten Larry Page und Sergey Brin Google für 1 Mio. Dollar an Yahoo an – Yahoo sah darin nur ein Nebenprodukt und lehnte ab. Vier Jahre später wollte Yahoo Google für 3 Mrd. kaufen, die Gründer forderten 5 Mrd., Yahoo lehnte erneut ab. Alphabet ist heute rund 1,5 Billionen wert – derselbe Fehler zweimal. Apple & Nolan Bushnell: Steve Jobs bot dem Atari-Gründer Nolan Bushnell 33 % an Apple für 50.000 Dollar an. Bushnell konnte sich nicht vorstellen, dass das je ein guter Deal sein würde, und lehnte ab. Apple ist heute rund 2,6 Billionen wert.

Die Lektion: Niemand kann die Zukunft vorhersagen

All diese Personen gehören zu den intelligentesten und unternehmerisch erfolgreichsten Menschen – und haben trotzdem massiv danebengelegen. Der Kern: Die Wirtschaftswelt ist so komplex, dass niemand die Zukunft vorhersagen kann. Niemand hat alle Antworten. Sei deshalb hochgradig skeptisch bei jedem, der dir mit voller Überzeugung sagt, welche Branche die beste Zukunft hat oder welcher Weg „der richtige“ für dich ist – mit einfachen Erfolgsformeln und pauschalen Aussagen. Solche Ratschläge schaden oft mehr, als sie nützen. Die besten Experten haben in der Regel weit mehr Fragen als Antworten. Stößt du auf jemanden, der dich mit Ratschlägen bombardiert, sei vorsichtig; wertvoller sind Menschen, die dir gute Fragen stellen. Dein Kontext ist immer einzigartig.

Der Leitsatz: zuhören – und dann selbst entscheiden

Ein Leitsatz, den ich von Naval Ravikant gelernt habe, hilft mir sehr: „The best founders I know listen to and read everyone, but then they ignore everyone and make up their own mind.“ Also: Hol dir so viele Ratschläge wie möglich, höre allen zu, stell viele Fragen – und dann ignoriere all diese Ratschläge und denke eigenständig. Beides gehört zusammen: offen mit „open mind“ zuhören, aber alles kritisch auf den eigenen Kontext beziehen und am Ende den Mut fassen, selbst zu entscheiden. Es ist einfacher, anderen (vermeintlichen) Experten zu glauben – selbst bei Ärzten lohnt es sich, mehrere Diagnosen einzuholen und sich ein eigenes Bild zu machen. Bleib also proaktiv: Übernimm die Verantwortung für deine Entscheidung, statt sie abzugeben. Das kann bedeuten, dass du dir vier Meinungen anhörst und am Ende gegen alle vier entscheidest.

Entscheidungen unter Unsicherheit

Genau das ist eine seltene, wertvolle Fähigkeit: Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen. Für Berufseinsteiger und frischgebackene Führungskräfte ist das besonders schwer – und zugleich eng verknüpft mit dem Übernehmen von mehr Verantwortung. Wer mehr Verantwortung will, muss lernen, alle Informationen einzuholen, allen zuzuhören, sich aber nicht zu stark beeinflussen zu lassen und ein eigenständiges Bild zu bilden. Unsicherheit und eine unklare Zukunft machen am Ende auch den Reiz des Berufslebens aus.

Smarte Entscheidungen sind ein ganzer Werkzeugkasten: Wie du die Folgen deiner Folgen mitdenkst, zeigt Second-Order Thinking; wie du Probleme von Grund auf neu denkst statt Annahmen zu übernehmen, First Principles Thinking. Und wie du im Rückblick erkennst, wofür du faktisch optimiert hast, zeigt die Jahresreflexion.

Häufige Fragen zum Treffen smarter Entscheidungen

Warum treffen selbst kluge Menschen so teure Fehlentscheidungen? Weil die Welt zu komplex ist, um die Zukunft zuverlässig vorherzusagen. Microsoft, Google und Apple wurden von erfahrenen, erfolgreichen Unternehmern für vergleichsweise wenig Geld abgelehnt – schlicht, weil niemand ihr Potenzial vorhersehen konnte.

Wie treffe ich bessere Entscheidungen? Sammle möglichst viele Informationen und Ratschläge, höre vielen Menschen zu und stelle Fragen – und triff dann eine eigenständige Entscheidung, bezogen auf deinen einzigartigen Kontext. „Listen to everyone, then ignore everyone and make up your own mind“ (Naval Ravikant).

Sollte ich Experten einfach vertrauen? Höre ihnen offen zu, aber bleib skeptisch bei jedem, der behauptet, alle Antworten zu haben. Die besten Experten stellen mehr Fragen, als sie Antworten geben. Auch bei wichtigen Diagnosen lohnt es sich, mehrere Meinungen einzuholen und sich ein eigenes Bild zu machen.

Was heißt „Entscheidungen unter Unsicherheit treffen“? Trotz unvollständiger Informationen und unbekannter Zukunft handlungsfähig zu bleiben. Diese Fähigkeit ist selten und wird umso wichtiger, je mehr Verantwortung du übernimmst – sie lässt sich trainieren, indem du Verantwortung übernimmst, statt sie abzugeben.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema bessere Entscheidungen treffen und Strategie als Ingenieur.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge 173: Der 4-Milliarden-Dollar-Fehler – wie du smarte Entscheidungen triffst. Gute und smarte Entscheidungen zu treffen ist eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt im Berufsleben, nicht nur für ambitionierte Ingenieure. Ray Dalio sagt: „The quality of your life depends on the quality of the decisions we make“ – die Qualität unseres Lebens wird durch die Qualität unserer Entscheidungen bestimmt. Ich habe drei kurze Geschichten über milliardenschwere Fehlentscheidungen mitgebracht, und am Ende einen Leitsatz, der mir hilft, bessere Entscheidungen zu treffen.

Story 1: Gates und Ross Perot. Ross Perot gründete 1962 das Unternehmen EDS (Electronic Data Systems) und verkaufte es 1984 an General Motors, wobei er persönlich rund 3,1 Milliarden Dollar verdiente; 1992 trat er sogar als unabhängiger Präsidentschaftskandidat an und holte 19 % der Stimmen. 1979 bot ihm der junge Bill Gates dessen Unternehmen Microsoft für 20 Millionen Dollar zum Kauf an. Perot lehnte ab. Microsoft ist heute eines der wertvollsten Unternehmen der Welt mit rund 2 Billionen Dollar Marktkapitalisierung (Stand April 2022). Rückblickend bereut Perot diese Entscheidung als eine der größten Fehlentscheidungen seines Lebens.

Story 2: Google und Yahoo. Am 4. September 1998 gründeten Larry Page und Sergey Brin Google – und suchten unmittelbar danach nach Möglichkeiten, es wieder zu verkaufen, weil sie sich auf ihre akademische Karriere konzentrieren wollten. Sie boten Yahoo Google für 1 Million Dollar an. Yahoo lehnte ab und sah Google eher als Nebenprodukt. Vier Jahre später erkannte Yahoo den Fehler und wollte Google für 3 Milliarden kaufen; Page und Brin machten ein Gegenangebot über 5 Milliarden, das Yahoo erneut ablehnte. Alphabet, der Konzern hinter Google, ist heute rund 1,5 Billionen Dollar wert. Yahoo hat denselben Fehler zweimal gemacht, weil es Googles Potenzial weit unterschätzt hat.

Story 3: Apple und Nolan Bushnell. 1976 gründete Steve Jobs mit Steve Wozniak Apple. Zuvor arbeitete Jobs als Techniker bei Atari und baute eine gute Beziehung zum Atari-Gründer Nolan Bushnell auf. Nach der Gründung von Apple wandte sich Jobs an viele potenzielle Investoren – einer war Bushnell. Jobs bot ihm 33 % an Apple für 50.000 Dollar an. Bushnell lehnte ab, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass das je ein guter Deal sein würde. Apple ist heute rund 2,6 Billionen Dollar wert – auch für Bushnell eine der größten Fehlentscheidungen seines Lebens.

Was ist die Botschaft dieser drei Geschichten? All diese Personen gehören zu den intelligentesten und unternehmerisch erfolgreichsten Menschen und haben viele gute Entscheidungen getroffen – und trotzdem zeigen die Geschichten: Die Wirtschaftswelt ist unglaublich komplex, so komplex, dass niemand die Zukunft vorhersagen kann. Niemand hat alle Antworten. Jeder, der mit taktischen Lösungen, einfachen Erfolgsformeln oder pauschalen Aussagen um sich wirft, schadet damit oft mehr, als er nützt. Glaube niemandem, der dir sagt, welche Branchen die besten Zukunftschancen haben; sei skeptisch, wenn dir jemand voller Überzeugung sagt, das sei der beste Weg für dich. Deine Situation ist einzigartig. Die besten Experten haben in der Regel weit mehr Fragen als Antworten – stößt du auf jemanden, der dich mit Ratschlägen bombardiert, sei vorsichtig; wertvoller ist, wer dir gute Fragen stellt.

Ein Leitsatz, den ich von Naval Ravikant gelernt habe, hilft mir dabei: „The best founders I know listen to and read everyone, but then they ignore everyone and make up their own mind.“ Also: Hol dir so viele Ratschläge wie möglich, höre jedem zu, stelle viele Fragen – und dann ignoriere all diese Ratschläge und denke eigenständig, triff deine eigene Entscheidung. Man sollte sich Ratschlägen nicht verschließen, sondern offen, mit „open mind“, zuhören – aber immer kritisch auf den eigenen Kontext beziehen und dann den Mut fassen, eigenständig zu entscheiden. Es ist einfacher, anderen zu glauben; selbst bei Ärzten, die einen Expertenstatus haben, lohnt es sich, mehrere Diagnosen einzuholen und sich ein eigenes Bild zu machen. Bleib proaktiv und übernimm die Verantwortung, statt sie abzugeben – das kann bedeuten, dass du dir vier Meinungen anhörst und am Ende gegen alle vier entscheidest.

Diese Kompetenz – Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen – ist selten und gerade für Berufseinsteiger und frischgebackene Führungskräfte schwer. Sie ist eng verknüpft mit dem Übernehmen von mehr Verantwortung: Wer mehr Verantwortung will, muss lernen, Informationen einzuholen, allen zuzuhören, sich aber nicht zu stark beeinflussen zu lassen und ein eigenständiges Bild zu bilden. Unsicherheit und eine unklare Zukunft machen am Ende auch den Reiz des Berufslebens aus. Zusammengefasst: „The quality of your life depends on the quality of the decisions we make.“ Drei berühmte Beispiele zeigen, dass selbst smarte Menschen falsche Entscheidungen treffen, weil niemand in die Zukunft schauen kann. Sei skeptisch bei Menschen, die alle Antworten haben – höre zu, sammle Informationen, aber denke eigenständig und triff deine eigene Entscheidung. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Smarte Entscheidungen treffen: was 3 Milliarden-Dollar-Fehler lehren

Gute Entscheidungen zu treffen ist eine der wichtigsten Fähigkeiten im Berufsleben. Ray Dalio sagt: „The quality of your life depends on the quality of the decisions you make.“ Und doch treffen selbst die intelligentesten Menschen folgenschwere Fehlentscheidungen.

In dieser Folge geht es um drei berühmte Milliarden-Dollar-Fehler aus der Wirtschaftswelt – und um den entscheidenden Leitsatz, der dir hilft, smartere Entscheidungen zu treffen, gerade wenn die Zukunft unbekannt ist.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Microsoft & Ross Perot: 1979 lehnte Perot ab, Microsoft für 20 Mio. $ zu kaufen – heute ~2 Billionen $ wert.
  • Google & Yahoo: Yahoo lehnte Google gleich zweimal ab (1 Mio. $, später 5 Mrd. $) – Alphabet heute ~1,5 Billionen $.
  • Apple & Nolan Bushnell: Atari-Gründer Bushnell lehnte 33 % an Apple für 50.000 $ ab – Apple heute ~2,6 Billionen $.
  • Die Lektion: Die Wirtschaftswelt ist zu komplex, um die Zukunft vorherzusagen. Sei skeptisch bei allen, die „alle Antworten“ haben.
  • Die besten Experten haben mehr Fragen als Antworten – dein Kontext ist immer einzigartig.
  • Der Leitsatz (Naval Ravikant): Höre allen zu und sammle Ratschläge – dann ignoriere sie alle und entscheide eigenständig.

Smarte Entscheidungen treffen: die Kernidee

Drei Milliarden-Dollar-Fehler

Microsoft & Ross Perot: 1979 bot der junge Bill Gates Ross Perot (Gründer von EDS) Microsoft für 20 Mio. US-Dollar an. Perot lehnte ab. Heute ist Microsoft rund 2 Billionen Dollar wert – für Perot eine der größten Fehlentscheidungen seines Lebens. Google & Yahoo: 1998 boten Larry Page und Sergey Brin Google für 1 Mio. Dollar an Yahoo an – Yahoo sah darin nur ein Nebenprodukt und lehnte ab. Vier Jahre später wollte Yahoo Google für 3 Mrd. kaufen, die Gründer forderten 5 Mrd., Yahoo lehnte erneut ab. Alphabet ist heute rund 1,5 Billionen wert – derselbe Fehler zweimal. Apple & Nolan Bushnell: Steve Jobs bot dem Atari-Gründer Nolan Bushnell 33 % an Apple für 50.000 Dollar an. Bushnell konnte sich nicht vorstellen, dass das je ein guter Deal sein würde, und lehnte ab. Apple ist heute rund 2,6 Billionen wert.

Die Lektion: Niemand kann die Zukunft vorhersagen

All diese Personen gehören zu den intelligentesten und unternehmerisch erfolgreichsten Menschen – und haben trotzdem massiv danebengelegen. Der Kern: Die Wirtschaftswelt ist so komplex, dass niemand die Zukunft vorhersagen kann. Niemand hat alle Antworten. Sei deshalb hochgradig skeptisch bei jedem, der dir mit voller Überzeugung sagt, welche Branche die beste Zukunft hat oder welcher Weg „der richtige“ für dich ist – mit einfachen Erfolgsformeln und pauschalen Aussagen. Solche Ratschläge schaden oft mehr, als sie nützen. Die besten Experten haben in der Regel weit mehr Fragen als Antworten. Stößt du auf jemanden, der dich mit Ratschlägen bombardiert, sei vorsichtig; wertvoller sind Menschen, die dir gute Fragen stellen. Dein Kontext ist immer einzigartig.

Der Leitsatz: zuhören – und dann selbst entscheiden

Ein Leitsatz, den ich von Naval Ravikant gelernt habe, hilft mir sehr: „The best founders I know listen to and read everyone, but then they ignore everyone and make up their own mind.“ Also: Hol dir so viele Ratschläge wie möglich, höre allen zu, stell viele Fragen – und dann ignoriere all diese Ratschläge und denke eigenständig. Beides gehört zusammen: offen mit „open mind“ zuhören, aber alles kritisch auf den eigenen Kontext beziehen und am Ende den Mut fassen, selbst zu entscheiden. Es ist einfacher, anderen (vermeintlichen) Experten zu glauben – selbst bei Ärzten lohnt es sich, mehrere Diagnosen einzuholen und sich ein eigenes Bild zu machen. Bleib also proaktiv: Übernimm die Verantwortung für deine Entscheidung, statt sie abzugeben. Das kann bedeuten, dass du dir vier Meinungen anhörst und am Ende gegen alle vier entscheidest.

Entscheidungen unter Unsicherheit

Genau das ist eine seltene, wertvolle Fähigkeit: Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen. Für Berufseinsteiger und frischgebackene Führungskräfte ist das besonders schwer – und zugleich eng verknüpft mit dem Übernehmen von mehr Verantwortung. Wer mehr Verantwortung will, muss lernen, alle Informationen einzuholen, allen zuzuhören, sich aber nicht zu stark beeinflussen zu lassen und ein eigenständiges Bild zu bilden. Unsicherheit und eine unklare Zukunft machen am Ende auch den Reiz des Berufslebens aus.

Smarte Entscheidungen sind ein ganzer Werkzeugkasten: Wie du die Folgen deiner Folgen mitdenkst, zeigt Second-Order Thinking; wie du Probleme von Grund auf neu denkst statt Annahmen zu übernehmen, First Principles Thinking. Und wie du im Rückblick erkennst, wofür du faktisch optimiert hast, zeigt die Jahresreflexion.

Häufige Fragen zum Treffen smarter Entscheidungen

Warum treffen selbst kluge Menschen so teure Fehlentscheidungen? Weil die Welt zu komplex ist, um die Zukunft zuverlässig vorherzusagen. Microsoft, Google und Apple wurden von erfahrenen, erfolgreichen Unternehmern für vergleichsweise wenig Geld abgelehnt – schlicht, weil niemand ihr Potenzial vorhersehen konnte.

Wie treffe ich bessere Entscheidungen? Sammle möglichst viele Informationen und Ratschläge, höre vielen Menschen zu und stelle Fragen – und triff dann eine eigenständige Entscheidung, bezogen auf deinen einzigartigen Kontext. „Listen to everyone, then ignore everyone and make up your own mind“ (Naval Ravikant).

Sollte ich Experten einfach vertrauen? Höre ihnen offen zu, aber bleib skeptisch bei jedem, der behauptet, alle Antworten zu haben. Die besten Experten stellen mehr Fragen, als sie Antworten geben. Auch bei wichtigen Diagnosen lohnt es sich, mehrere Meinungen einzuholen und sich ein eigenes Bild zu machen.

Was heißt „Entscheidungen unter Unsicherheit treffen“? Trotz unvollständiger Informationen und unbekannter Zukunft handlungsfähig zu bleiben. Diese Fähigkeit ist selten und wird umso wichtiger, je mehr Verantwortung du übernimmst – sie lässt sich trainieren, indem du Verantwortung übernimmst, statt sie abzugeben.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema bessere Entscheidungen treffen und Strategie als Ingenieur.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge 173: Der 4-Milliarden-Dollar-Fehler – wie du smarte Entscheidungen triffst. Gute und smarte Entscheidungen zu treffen ist eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt im Berufsleben, nicht nur für ambitionierte Ingenieure. Ray Dalio sagt: „The quality of your life depends on the quality of the decisions we make“ – die Qualität unseres Lebens wird durch die Qualität unserer Entscheidungen bestimmt. Ich habe drei kurze Geschichten über milliardenschwere Fehlentscheidungen mitgebracht, und am Ende einen Leitsatz, der mir hilft, bessere Entscheidungen zu treffen.

Story 1: Gates und Ross Perot. Ross Perot gründete 1962 das Unternehmen EDS (Electronic Data Systems) und verkaufte es 1984 an General Motors, wobei er persönlich rund 3,1 Milliarden Dollar verdiente; 1992 trat er sogar als unabhängiger Präsidentschaftskandidat an und holte 19 % der Stimmen. 1979 bot ihm der junge Bill Gates dessen Unternehmen Microsoft für 20 Millionen Dollar zum Kauf an. Perot lehnte ab. Microsoft ist heute eines der wertvollsten Unternehmen der Welt mit rund 2 Billionen Dollar Marktkapitalisierung (Stand April 2022). Rückblickend bereut Perot diese Entscheidung als eine der größten Fehlentscheidungen seines Lebens.

Story 2: Google und Yahoo. Am 4. September 1998 gründeten Larry Page und Sergey Brin Google – und suchten unmittelbar danach nach Möglichkeiten, es wieder zu verkaufen, weil sie sich auf ihre akademische Karriere konzentrieren wollten. Sie boten Yahoo Google für 1 Million Dollar an. Yahoo lehnte ab und sah Google eher als Nebenprodukt. Vier Jahre später erkannte Yahoo den Fehler und wollte Google für 3 Milliarden kaufen; Page und Brin machten ein Gegenangebot über 5 Milliarden, das Yahoo erneut ablehnte. Alphabet, der Konzern hinter Google, ist heute rund 1,5 Billionen Dollar wert. Yahoo hat denselben Fehler zweimal gemacht, weil es Googles Potenzial weit unterschätzt hat.

Story 3: Apple und Nolan Bushnell. 1976 gründete Steve Jobs mit Steve Wozniak Apple. Zuvor arbeitete Jobs als Techniker bei Atari und baute eine gute Beziehung zum Atari-Gründer Nolan Bushnell auf. Nach der Gründung von Apple wandte sich Jobs an viele potenzielle Investoren – einer war Bushnell. Jobs bot ihm 33 % an Apple für 50.000 Dollar an. Bushnell lehnte ab, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass das je ein guter Deal sein würde. Apple ist heute rund 2,6 Billionen Dollar wert – auch für Bushnell eine der größten Fehlentscheidungen seines Lebens.

Was ist die Botschaft dieser drei Geschichten? All diese Personen gehören zu den intelligentesten und unternehmerisch erfolgreichsten Menschen und haben viele gute Entscheidungen getroffen – und trotzdem zeigen die Geschichten: Die Wirtschaftswelt ist unglaublich komplex, so komplex, dass niemand die Zukunft vorhersagen kann. Niemand hat alle Antworten. Jeder, der mit taktischen Lösungen, einfachen Erfolgsformeln oder pauschalen Aussagen um sich wirft, schadet damit oft mehr, als er nützt. Glaube niemandem, der dir sagt, welche Branchen die besten Zukunftschancen haben; sei skeptisch, wenn dir jemand voller Überzeugung sagt, das sei der beste Weg für dich. Deine Situation ist einzigartig. Die besten Experten haben in der Regel weit mehr Fragen als Antworten – stößt du auf jemanden, der dich mit Ratschlägen bombardiert, sei vorsichtig; wertvoller ist, wer dir gute Fragen stellt.

Ein Leitsatz, den ich von Naval Ravikant gelernt habe, hilft mir dabei: „The best founders I know listen to and read everyone, but then they ignore everyone and make up their own mind.“ Also: Hol dir so viele Ratschläge wie möglich, höre jedem zu, stelle viele Fragen – und dann ignoriere all diese Ratschläge und denke eigenständig, triff deine eigene Entscheidung. Man sollte sich Ratschlägen nicht verschließen, sondern offen, mit „open mind“, zuhören – aber immer kritisch auf den eigenen Kontext beziehen und dann den Mut fassen, eigenständig zu entscheiden. Es ist einfacher, anderen zu glauben; selbst bei Ärzten, die einen Expertenstatus haben, lohnt es sich, mehrere Diagnosen einzuholen und sich ein eigenes Bild zu machen. Bleib proaktiv und übernimm die Verantwortung, statt sie abzugeben – das kann bedeuten, dass du dir vier Meinungen anhörst und am Ende gegen alle vier entscheidest.

Diese Kompetenz – Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen – ist selten und gerade für Berufseinsteiger und frischgebackene Führungskräfte schwer. Sie ist eng verknüpft mit dem Übernehmen von mehr Verantwortung: Wer mehr Verantwortung will, muss lernen, Informationen einzuholen, allen zuzuhören, sich aber nicht zu stark beeinflussen zu lassen und ein eigenständiges Bild zu bilden. Unsicherheit und eine unklare Zukunft machen am Ende auch den Reiz des Berufslebens aus. Zusammengefasst: „The quality of your life depends on the quality of the decisions we make.“ Drei berühmte Beispiele zeigen, dass selbst smarte Menschen falsche Entscheidungen treffen, weil niemand in die Zukunft schauen kann. Sei skeptisch bei Menschen, die alle Antworten haben – höre zu, sammle Informationen, aber denke eigenständig und triff deine eigene Entscheidung. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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