Die meisten überlassen es dem Zufall, wie andere sie wahrnehmen. Dabei ist genau das entscheidend: Nur wer als Führungspersönlichkeit wahrgenommen wird, bekommt mehr Verantwortung, größere Projekte und die Chance, ein Team zu führen.
Der größte Hebel dafür sind die Momente, in denen man dich nicht sieht – und das stärkste Werkzeug, um sie zu gestalten, ist dein LinkedIn-Profil. In dieser Folge bekommst du die 5 häufigsten Fehler (aus über 30.000 gesichteten Profilen) und sehr konkrete Schritte, die du sofort umsetzen kannst.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Deine Wahrnehmung als Führungspersönlichkeit entsteht vor allem in den Momenten, in denen man dich nicht sieht – und genau die lassen sich gestalten.
- Dein LinkedIn-Profil ist dafür das stärkste Tool und ein wertvolles Karriere-Asset. Schon 15–20 Minuten heben dich von 90 % aller Profile ab.
- Klar statt clever: ein passendes Titelbild, ein aussagekräftiger Slogan (nicht „Job @ Firma“), ein prägnanter Infotext, ergänzte Berufserfahrung.
- Erzähl deine Geschichte statt nur To-dos, nutze Bilder (Menschen scannen) und baue Social Proof auf (Evergreen-Skills + Empfehlungen).
- Integriere das Profil in den Alltag: schlanke Signatur mit einem Link, neue Kollegen sofort vernetzen, beim Meeting das Handy statt der Visitenkarte zücken.
- Deutsch statt Englisch (außer im internationalen Umfeld) – und warte nicht, bis du „bereit“ bist. Leg los.
LinkedIn-Profil optimieren: die 5 häufigsten Fehler
Wie dein Vorgesetzter dich wahrnimmt, entscheidet sich nicht nur im direkten Austausch, sondern vor allem in den Zwischenräumen – in den Momenten, in denen ihr euch nicht seht. Genau diese kannst du über dein LinkedIn-Profil aktiv steuern (das gilt analog für Xing). Hier die fünf Fehler, die ich in über 30.000 Profilen immer wieder sehe:
- Du unterschätzt das Potenzial von LinkedIn. 90–95 % aller Profile sind langweilig – dabei reichen 15–20 Minuten, um dich abzuheben: ein Titelbild, das deine Botschaft trägt; ein Slogan, der kreativer ist als „Prozessingenieur @ Firma“ (z. B. mit „Leidenschaft für Servant Leadership“); ein prägnanter Infotext; ergänzte Berufserfahrung. Es geht nicht darum, clever zu sein, sondern klar.
- Du listest nur auf, was du tust. Die meisten Profile sind nüchterne Faktensammlungen. Dein Leben ist eine Geschichte – erzähl sie, gerade in der Infobox: Was begeistert dich? Welche (auch verrückten) Hobbys hast du? Marathon, Modellbau, was auch immer – solche Ecken und Kanten geben dir ein rundes Bild als Persönlichkeit.
- Du nutzt nur Text. Menschen lesen Profile nicht, sie scannen. Bring Bilder rein: ein aussagekräftiges Titelbild, ein, zwei Fotos, vielleicht ein angepinnter Beitrag mit persönlichem Bild (neuer Job, eine Erkenntnis, ein gelesenes Buch). Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. (Ziel ist nicht, Influencer zu werden.)
- Du hast keinen Social Proof. Kenntnisse und Empfehlungen stehen ganz unten und werden meist ignoriert. Wähl bewusst Evergreen-Skills, die zu deiner Rolle der Zukunft passen (Führungskompetenz, Servant Leadership, Empathie, Organisationsfähigkeit) statt „MS Office“. Lass Kenntnisse bestätigen und sammle schriftliche Empfehlungen – wie kleine Zeugnisse. Wer früh anfängt, hat später enorme Wirkung.
- Du integrierst dein Profil nicht in den Berufsalltag. Nimm es in deine (schlanke!) E-Mail-Signatur auf – idealerweise mit nur einem Link zum Profil. Vernetze dich mit neuen Kollegen sofort, auch mit denen, die du noch nicht kennst. Und zück beim Kick-off- oder Kundenmeeting das Handy statt der Visitenkarte und füge die Personen direkt hinzu.
Zwei Hinweise: Schreib dein Profil auf Deutsch, außer du arbeitest in einem durchgängig englischsprachigen Umfeld – LinkedIn ist im DACH-Raum eine deutsche Plattform. Und: Sichtbarer zu werden bedeutet, die Komfortzone zu verlassen – aber wenn du wartest, bis du „bereit“ bist, wartest du ewig. Wie du dieselbe Wahrnehmung auch im direkten Gespräch mit dem Management gestaltest, hörst du in Sichtbarkeit im Job.
Häufige Fragen
Wie werde ich als Führungspersönlichkeit wahrgenommen? Indem du deine Wahrnehmung aktiv gestaltest, statt sie dem Zufall zu überlassen – besonders in den Momenten, in denen man dich nicht direkt erlebt. Ein klar positioniertes LinkedIn-Profil, das deine Ambitionen und Stärken sichtbar macht, ist dafür der größte Hebel.
Wie optimiere ich mein LinkedIn-Profil als Ingenieur? Mit wenigen, klaren Schritten: aussagekräftiges Titelbild, ein prägnanter Slogan (nicht nur „Job @ Firma“), eine Infobox, die deine Geschichte erzählt, Bilder statt reiner Text, Evergreen-Skills plus Empfehlungen als Social Proof – und die Integration in deinen Alltag (Signatur, aktives Vernetzen). 15–20 Minuten reichen für den ersten großen Sprung.
Sollte mein LinkedIn-Profil auf Deutsch oder Englisch sein? Auf Deutsch – außer dein Arbeitsumfeld, dein Team und dein Netzwerk sind durchgängig englischsprachig. Im DACH-Raum kommunizierst du fast immer mit deutschsprachigen Menschen; ein englisches Profil macht es unnötig kompliziert.
Diese Folge gehört zum Thema Kommunikation als Ingenieur und Karriere als Ingenieur.
Transkript
Herzlich willkommen zur Folge 138: Wie du als Führungspersönlichkeit wahrgenommen wirst. Ich bin immer wieder überrascht, dass die meisten es dem Zufall überlassen, wie andere sie wahrnehmen. Der Wunsch ambitionierter Ingenieure ist oft: Ich möchte als Führungspersönlichkeit wahrgenommen werden, mehr Verantwortung übernehmen, mehr gestalten, vielleicht ein Team führen. Dafür ist entscheidend, dass andere im Unternehmen dir eine Führungsrolle zutrauen und dir die Chancen dafür eröffnen.
Was heißt „die Wahrnehmung dem Zufall überlassen“? Die meisten legen den Fokus auf das tägliche Doing – einen guten Job machen – und sprechen vielleicht im Entwicklungsgespräch an, dass sie mehr Verantwortung möchten. Genau hier haben die meisten einen blinden Fleck: Du kannst beeinflussen, wie dein Vorgesetzter dich wahrnimmt, deutlich stärker, als du es für möglich hältst. Denn wie dich jemand wahrnimmt, entscheidet sich nicht nur in den Momenten, in denen ihr euch seht, sondern vor allem in den Momenten dazwischen – und in dem, was nicht ausgesprochen wird. Dinge, die du deinem Chef vielleicht nicht direkt ins Gesicht sagst (etwa deine langfristigen Ziele), können sich in deinem Profil widerspiegeln. Eines der besten Tools dafür ist dein LinkedIn-Profil – ein maßlos unterschätzter Hebel und zugleich ein wertvolles Karriere-Asset.
Ich habe in den letzten Jahren weit über 30.000 LinkedIn-Profile gesehen und fünf grundlegende Fehler immer wieder erkannt.
Fehler 1: Du unterschätzt das Potenzial von LinkedIn. 90 bis 95 % aller Profile sind langweilig und uninteressant. Den meisten ist nicht bewusst, dass sie nur 15 bis 20 Minuten brauchen, um sich von 90 % aller Nutzer abzuheben. Es geht nicht primär darum, sich abzuheben, sondern dich als Führungspersönlichkeit zu positionieren – auch, wenn du dich auf dein Unternehmen committen und mehr Intrapreneur werden willst. Konkret: Füge ein Titelbild hinzu, das zu deiner Botschaft passt. Kreiere einen Slogan, der kreativer ist als „Prozessingenieur @ Siemens“ – ergänze ihn etwa um „ambitionierte Ingenieure“ oder „Leidenschaft für Servant Leadership“. Formuliere einen prägnanten Infotext. Ergänze deine Berufserfahrung. Wichtig: Es geht nicht darum, clever oder besonders kreativ zu sein, sondern klar – deine Positionierung auf den Punkt zu bringen.
Fehler 2: Du listest nur auf, was du tust. Die meisten Profile sind faktenbasiert und nüchtern. Dabei ist dein Leben eine Geschichte – also erzähl sie, gerade in der Infobox. Was begeistert dich? Welche verrückten Hobbys hast du? Was ist deine „Zone of Genius“? Wenn dich eine Freundin beim Kaffee fragen würde, was dich begeistert, würdest du natürlich antworten – genau das schreibst du auf. Bring Ecken und Kanten rein: Läufst du gern Marathon, schreib es rein; baust du Modelleisenbahn, schreib es rein. Über solche Dinge spricht man im Berufsalltag oft nicht – und genau sie geben deinen Kollegen und Vorgesetzten ein runderes Bild von dir als Persönlichkeit.
Fehler 3: Du nutzt nur Text. Menschen lesen Profile nicht, sie scannen. Bring also Aussagekraft ins Titelbild und erweitere dein Profil um Fotos von dir und deiner Arbeit. Es geht nicht um perfekte Bilder, sondern darum, Besucher nicht mit reinem Text zu überfordern. Du kannst auch ein, zwei Beiträge mit persönlichem Bild veröffentlichen und sie oben anpinnen – etwa zu einem neuen Job, einer Erkenntnis oder einem Buch. Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Du musst dafür kein Influencer werden, im Gegenteil.
Fehler 4: Du hast keinen Social Proof. Überall, wo Menschen interagieren, ist Social Proof wichtig: Was denken andere über dich? Bei LinkedIn gibt es dafür zwei Bereiche – Kenntnisse und Empfehlungen –, die auf den meisten Profilen kaum Beachtung finden. Andere können deine Kenntnisse bestätigen und Empfehlungen über die Zusammenarbeit mit dir schreiben. Überleg dabei genau, welche Kenntnisse du ins Licht rückst: Nicht „MS Office“ oder eine Programmiersprache, wenn du dich als Führungspersönlichkeit positionieren willst, sondern Evergreen-Kenntnisse, die auch in zehn Jahren wichtig sind – Organisationsfähigkeit, Führungskompetenz, Business Development, empathische Führung, Servant Leadership. Lass diese über Wochen und Monate von anderen bestätigen und sammle schriftliche Empfehlungen, fast wie Zeugnisse. Wenn jemand auf deinem Profil sieht, dass fünf, sechs Leute dir Servant Leadership bestätigen, verändert das die Wahrnehmung enorm. Wer früh anfängt, ist klar im Vorteil.
Fehler 5: Du integrierst dein Profil nicht in den Berufsalltag. Nimm es in deine Signatur auf – aber halte sie schlank. Die meisten Signaturen sind mit Links und Textblöcken überladen, und niemand schaut sie an. Idealerweise hast du nur einen einzigen Verweis: den auf dein LinkedIn-Profil. Viele Unternehmen haben Vorgaben, aber oft bleibt Raum für Individualität. Genauso bei Teams oder anderen Chat-Plattformen. Jeder Klick ist ein Moment, in dem du deine Wahrnehmung aktiv steuerst, statt sie dem Zufall zu überlassen. Bist du in einem neuen Projekt mit sechs unbekannten Personen, werden diese zwangsläufig auf deinen Profillink klicken – und der erste Eindruck ist dann so, wie du ihn möchtest. Sprich außerdem mit Kollegen über LinkedIn und füge neue Kollegen sofort hinzu, auch die, die du noch nicht kennst. Lernst du jemanden in einem Kick-off- oder Kundenmeeting kennen, zück das Handy statt der Visitenkarte und füge die Person direkt hinzu – das ist viel wertvoller, als zu hoffen, dass sie dich später sucht. Ja, das bedeutet manchmal, die Komfortzone zu verlassen – aber du hast nichts zu verlieren.
Zusammengefasst: Du unterschätzt das Potenzial von LinkedIn, du listest nur auf, was du tust, du nutzt nur Text, du hast keinen Social Proof, und du integrierst dein Profil nicht in den Alltag. Ein wichtiger Zusatz: Mach es nicht zu kompliziert und schreib auf Deutsch – LinkedIn ist im DACH-Raum eine deutsche Plattform, und in 99 % der Fälle kommunizierst du mit deutschsprachigen Menschen; ein englisches Profil brauchst du nur in einem durchgängig internationalen Umfeld. Und der wichtigste Punkt: Warte nicht, bis du bereit bist. Als ich meine erste Kontaktanfrage verschickt und meinen ersten Beitrag geschrieben habe, hatte ich keine Ahnung – ich habe es trotzdem getan. Wenn du wartest, bis du bereit bist, wartest du den Rest deines Lebens. Du hast schon alles, was du brauchst – leg los. Es ist nie zu spät, egal wo du heute stehst. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.
