CEO Mindset: Wie erfolgreiche Geschäftsführer denken

Die meisten stürzen sich beim Einstieg in eine Geschäftsführer- oder Führungsrolle auf das Dringliche: Welches ERP-System nutzen wir, wie lese ich die Reports, wie führe ich Mitarbeitergespräche? Das ist verständlich – aber es ist nicht der Grund, warum manche Geschäftsführer ein Unternehmen auf ein neues Niveau heben.

Erfolgreiche Geschäftsführer treffen bessere Entscheidungen, weil sie besser denken. In dieser Folge bekommst du das Modell des „Full-Stack-CEO“: fünf Ebenen des Denkens – und warum der eigentliche Hebel im Fundament liegt.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Erfolg als Geschäftsführer hat wenig damit zu tun, das ERP-System zu beherrschen oder Reports zu lesen – das ist nur die oberste, sichtbare Ebene.
  • Erfolgreiche Geschäftsführer treffen bessere Entscheidungen, weil sie besser denken – auf fünf Ebenen (Full-Stack-CEO).
  • Die meisten stürzen sich auf die oberen Ebenen (dringlich), doch der Hebel liegt im Fundament – das wird übersehen, weil es nicht dringlich ist.
  • Gute Geschäftsführer denken T-förmig: eine breite, ganzheitliche Basis plus Tiefe in einzelnen Bereichen.
  • Wechselwirkungen verstehen: Wer nur einen Bereich sieht (z. B. Vertrieb), übersieht, wie zu viele neue Kunden die Produktion und Qualität überlasten.
  • Arbeite früh am Fundament: ganzheitliche Verantwortung, eigenständige Entscheidungen – manchmal über eine Seitwärtsbewegung statt einer Beförderung.

CEO Mindset: die Kernidee

Der wichtigste Satz: Erfolg ist nicht das ERP-System

Wer neu in eine Geschäftsführer- oder höhere Führungsrolle startet, fragt zuerst nach Prozessen, Fähigkeiten und Tools (ERP-System, Angebotskalkulation, Reporting) – und gerade Ingenieure wollen oft zusätzlich ins Betriebswirtschaftliche einsteigen (Finanzen, Vertrieb, Führung). All das fühlt sich dringlich an. Aber der wichtigste Satz dieser Folge lautet: Dein Erfolg als Geschäftsführer hat fast nichts damit zu tun, ob du das ERP-System beherrschst oder Finanzreports lesen kannst. Das ist nur die oberste Ebene. Der eigentliche Unterschied liegt tiefer – im Fundament, das vergessen wird, weil es nicht dringlich ist. Bildlich: Du kannst das schönste Dach bauen – wenn das Fundament wackelt, bricht alles zusammen.

Die 5 Ebenen des Denkens (Full-Stack-CEO)

  1. Ebene 5 – Prozesse, Fähigkeiten, Tools: unternehmensspezifisch (ERP-System, Kalkulation, Verhandlungsführung). Wichtig, aber oberflächlich.
  2. Ebene 4 – Disziplinen & Wechselwirkungen: das Verständnis der Unternehmensbereiche (Marketing, Vertrieb, Entwicklung, Operations, Buchhaltung) und wie sie zusammenspielen. Hier setzen die meisten MBA- und Management-Programme an.
  3. Ebene 3 – Business-Prinzipien: deine Überzeugungen, wie man ein Unternehmen zum Erfolg führt. Jeff Bezos sprach in seinem Letter to Shareholders (1997) nicht über Prozesse, sondern über Prinzipien wie „It’s all about the long term“ und „Customer Obsession“.
  4. Ebene 2 – Mentale Wahrnehmung: Umstände ganzheitlich wahrnehmen, kritisch denken, Prioritäten setzen, kluge Entscheidungen treffen. Spätestens als Geschäftsführer sagt dir niemand mehr, was zu tun ist – du denkst auf einem weißen Blatt und musst in Krisen schnell neu sortieren.
  5. Ebene 1 – Mentales Bewusstsein: dich selbst und deine Gedanken wahrnehmen und reflektieren, deine Identität und Werte kennen. Gelassenheit, Resilienz und Durchhaltevermögen – bricht ein wichtiger Kunde weg oder kommt eine Krise, verfällst du nicht in Panik. Das ist die fundamentalste Ebene.

Die meisten meistern Ebene 5 und 4 und vergessen 3, 2 und 1 – dabei entscheidet genau das Fundament.

T-förmig denken

Gute Geschäftsführer sind „T-förmig“: eine sehr breite, ganzheitliche Wissensbasis (Generalist) – und dann die Bereitschaft, in einzelne Bereiche tief hineinzugehen, um sie weiterzuentwickeln. Die Breite brauchst du, um Wechselwirkungen abzuschätzen. Ein klassisches Beispiel: Ein rein vertriebsfokussierter Geschäftsführer gewinnt in einem Monat so viele neue Kunden, dass Produktion und Qualität überlastet werden – mehr Umsatz, aber kein gesundes, nachhaltiges Wachstum.

So baust du dein Fundament

Wenn dein Ziel ganzheitliche Verantwortung ist, fang früh an, am Fundament (Ebene 1–3) zu arbeiten. Manchmal ist der richtige nächste Schritt keine Beförderung, sondern eine Seitwärtsbewegung – etwa von der Entwicklung in den Vertrieb –, weil dein ganzheitliches Bild dadurch enorm wächst. Such dir Rollen mit echter Eigenständigkeit und Entscheidungsfreiheit (kein Micromanagement); eigenständige Projekte oder ein kleines Side-Business beschleunigen den Lernfortschritt auf Ebene 2 stark. Und bleib demütig: Dein bisheriges Wissen ist nur ein winziger Bruchteil davon, wie die Welt funktioniert – die meisten überschätzen es massiv.

Tiefer zu Ebene 3 (Werte & Prinzipien) geht die Folge Unternehmenskultur, und zur mentalen Ebene 1 passt das Denken aus First Principles Thinking.

Häufige Fragen zum CEO Mindset

Wie denken erfolgreiche Geschäftsführer? Auf fünf Ebenen, nicht nur auf der obersten. Während die meisten sich auf Prozesse, Tools und einzelne Fachbereiche konzentrieren, liegt der eigentliche Hebel in den fundamentalen Ebenen: klaren Business-Prinzipien, einer ganzheitlichen Wahrnehmung und einem stabilen mentalen Bewusstsein. Bessere Entscheidungen entstehen aus besserem Denken.

Was bedeutet T-förmig denken? Eine breite, ganzheitliche Wissensbasis über alle Unternehmensbereiche hinweg (der waagerechte Balken des „T“) – kombiniert mit der Fähigkeit, in einzelne Themen tief einzutauchen (der senkrechte Balken). So verstehst du Wechselwirkungen und kannst trotzdem gezielt Dinge verbessern.

Wie bereite ich mich auf eine Geschäftsführer-Rolle vor? Arbeite früh am Fundament statt nur an Tools und Fachwissen. Sammle ganzheitliche Erfahrung (auch über Seitwärtsbewegungen), such Rollen mit echter Entscheidungsfreiheit und übe eigenständiges Denken in kleinen, selbst verantworteten Projekten. Reflexion über deine Werte, Prinzipien und Prioritäten zahlt mehr ein als das nächste Tool.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Jeff Bezos – Letter to Shareholders (1997): „It’s all about the long term“ und „Customer Obsession“ als Business-Prinzipien.
  • Jim Collins – Good to Great: was die Prinzipien erfolgreicher Unternehmen ausmacht.
  • Adam Grant – Think Again: die eigenen Denkweisen immer wieder hinterfragen, offen bleiben.
  • Zappos – „Deliver Wow“: ein fundamentales Kultur-Prinzip als Beispiel für Ebene 3.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Strategie als Ingenieur und Unternehmen klug gestalten.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge 99: Wie erfolgreiche Geschäftsführer denken – das CEO Mindset. Kurz zum Hintergrund: Ich begleite aktuell drei junge Geschäftsführer, alle erst 2022 in diese Rolle eingestiegen und keiner hat selbst gegründet – ein wichtiger Punkt: Man kann auch in jungen Jahren viel Verantwortung bekommen. Im Austausch mit ihnen ist mir ein zentrales Thema immer bewusster geworden: die Denkweise erfolgreicher Geschäftsführer. Diese Folge ist auch für dich relevant, wenn du einfach mehr, ganzheitliche Verantwortung übernehmen willst – denn dafür brauchst du eine andere Denkweise als etwa in einer Teamleiterrolle.

Wie starten Menschen normalerweise in eine Geschäftsführer- oder höhere Führungsrolle? Sie fragen: Was muss ich lernen? Meist geht es zuerst um Prozesse, Fähigkeiten und Tools – welches ERP-System wird genutzt, wie liest man die Finanzreports, wie werden Mitarbeitergespräche geführt, wie Ziele definiert? Alles sehr spezifische, unternehmensspezifische Dinge, die dringlich wirken. Gerade Ingenieure haben zusätzlich den Drang, betriebswirtschaftlich aufzuholen: Finanzwesen, Rechnungswesen, Vertrieb, Führung – oft Neuland. All das fühlt sich dringlich an, weil es neu ist.

Jetzt kommt der wichtigste Satz dieser Folge: Dein Erfolg als Geschäftsführer hat fast nichts damit zu tun, dass du das ERP-System beherrschst, gute Mitarbeitergespräche führst oder Finanzreports lesen kannst. Das ist nur die halbe Wahrheit und hilft dir wenig, wenn du das Unternehmen wirklich auf eine andere Ebene heben willst. Es gibt viel wichtigere Dinge, die meist vergessen werden, weil sie nicht dringlich sind.

Stell es dir wie ein Haus vor: Du kannst das beste Dach haben – wenn das Fundament wacklig ist, bricht alles zusammen. Oder wie ein Computer: Du kannst die besten Programme haben, aber mit schlechtem Betriebssystem oder schlechter Hardware nützt das nichts. Genauso ist es hier. Es gibt fünf Ebenen des Denkens, und die beiden obersten sind so präsent, dass sich die meisten darauf stürzen – während der eigentliche Hebel in den Ebenen drei, zwei und eins liegt, dem Fundament.

Ebene 5, die oberste: Prozesse, Fähigkeiten und Tools – unternehmensspezifisch, etwa ein ERP-System oder die Angebotskalkulation, aber auch die Fähigkeit, Verhandlungen zu führen. Wichtig, aber wenn die Ebenen darunter schlecht ausgebildet sind, nützt selbst perfekte Verhandlungsführung nichts.

Ebene 4: die Disziplinen, also die Unternehmensbereiche und ihre Wechselwirkungen – Marketing, Vertrieb, Entwicklung, Operations, Logistik, Buchhaltung. Genau hier setzen viele Management-Studiengänge und MBA-Programme an: Personalentwicklung, Führung, Organisationsentwicklung. Diese Wechselwirkungen zu verstehen ist sehr wichtig – aber auch das ist erst Ebene 4. Aus meiner eigenen Erfahrung als Leiter des Qualitätsmanagements im Mittelstand bestand meine Aufgabe genau darin, diese Wechselwirkungen besser zu verstehen.

Jetzt wird es spannend, denn über die Ebenen drei, zwei und eins habe ich in vielen Folgen schon gesprochen. Ebene 3 sind die Business-Prinzipien: deine Werte und Überzeugungen, wie man ein Unternehmen zum Erfolg führt. Gute Geschäftsführer haben die klar vor Augen. Lies dazu Jeff Bezos‘ Letter to Shareholders von 1997 aus der Anfangszeit von Amazon: Er spricht nicht über Prozesse oder Organisation, sondern über fundamentale Überzeugungen – „It’s all about the long term“ und „Customer Obsession“. Sie verzichten auf kurzfristige Gewinne, um langfristig stärker zu wachsen. Jim Collins‘ „Good to Great“ dreht sich ganz um diese Ebene, und ein weiteres Beispiel ist Zappos mit dem Prinzip „Deliver Wow“ im Kundenservice. Aus Unternehmersicht ist Ebene 3 die fundamentalste der „äußeren“ Ebenen.

Die Ebenen zwei und eins drehen sich um die Person des Geschäftsführers. Ebene 2 ist die mentale Wahrnehmung: die Umstände ganzheitlich wahrzunehmen, kritisch zu denken und kluge Entscheidungen zu treffen – die richtigen Prioritäten setzen, planen, langfristig denken. Gerade in einer schnelllebigen Welt musst du Prioritäten ständig neu anpassen. Spätestens als Geschäftsführer sagt dir niemand mehr, was zu tun ist – du denkst auf einem weißen Blatt. Bricht deine beste Führungskraft oder ein großer Kunde weg, musst du die Lage schnell neu erfassen, neu sortieren und priorisieren. Geschäftsführer, die hier stark sind, reagieren völlig anders als andere.

Und die fundamentalste Ebene, Ebene 1, ist das mentale Bewusstsein: die Fähigkeit, dich selbst und deine Gedanken wahrzunehmen und zu reflektieren, und ein klares Verständnis deiner Identität, Überzeugungen und Werte. Ein Kerngedanke ist Gelassenheit. Bricht ein zentraler Mitarbeiter weg oder kommt eine Krise wie Corona mit einbrechenden Umsätzen, nehmen Geschäftsführer mit hoher emotionaler Intelligenz ihre Gedanken bewusst wahr, sind stark in ihrer Identität und resilient – sie brechen nicht ein. Du kannst noch so stark im ERP-System und im Vertrieb sein: Wenn du dich selbst nicht im Griff hast und in Krisen in Wut oder Depression verfällst, bricht das ganze Haus zusammen. Adam Grant beschreibt in „Think Again“, wie wertvoll es ist, die eigenen Denkweisen immer wieder zu hinterfragen und offen zu bleiben.

Dieses Modell nenne ich den Full-Stack-CEO – das Ziel, auf allen Ebenen stark zu werden, statt sich nur auf die oberste zu spezialisieren. Ein Merksatz: Gute Geschäftsführer sind T-förmig. Sie haben eine sehr breite, ganzheitliche Wissensbasis und gehen dann in einzelne Bereiche tief hinein. Die Breite brauchst du, um Wechselwirkungen abzuschätzen. Ein klassisches Beispiel: Ein rein vertriebsfokussierter Geschäftsführer sieht oft nicht, dass zu viele neue Kunden in einem Monat die Produktion und die Qualität überlasten – mehr Umsatz, aber kein gesundes Wachstum.

Wenn dein Ziel ganzheitliche Verantwortung ist, fang früh an, am Fundament zu arbeiten. Manchmal ist der richtige nächste Schritt keine Beförderung, sondern eine Seitwärtsbewegung – etwa von der Entwicklung in den Vertrieb –, weil dein ganzheitliches Bild dadurch stark wächst. Wer mit der reinen Spezialistenbrille in eine Geschäftsführerrolle geht, wird auf Dauer nicht erfolgreich sein. Such dir außerdem Rollen mit echter Eigenständigkeit, in denen du selbst Entscheidungen triffst – Micromanagement bremst deinen Lernfortschritt auf den unteren Ebenen. Für mich war der Einstieg in die Selbstständigkeit der steilste Lernfortschritt auf Ebene 2, weil ich plötzlich eigenständig Prioritäten setzen, losgehen, scheitern und reflektieren musste. Auch ein kleines, eigenständig verantwortetes Projekt im Unternehmen wirkt hier Wunder.

Zusammengefasst: Der Drang am Anfang gilt Ebene 5 (Prozesse, Tools) und Ebene 4 (Unternehmensbereiche). Wichtiger sind aber Ebene 3 (Business-Prinzipien), Ebene 2 (mentale Wahrnehmung) und Ebene 1 (mentales Bewusstsein). Denk an den Full-Stack-CEO und an den Merksatz: Gute Geschäftsführer sind T-förmig – breite Basis plus Tiefe. Fang früh an, am Fundament zu arbeiten. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

CEO Mindset: Wie erfolgreiche Geschäftsführer denken

Die meisten stürzen sich beim Einstieg in eine Geschäftsführer- oder Führungsrolle auf das Dringliche: Welches ERP-System nutzen wir, wie lese ich die Reports, wie führe ich Mitarbeitergespräche? Das ist verständlich – aber es ist nicht der Grund, warum manche Geschäftsführer ein Unternehmen auf ein neues Niveau heben.

Erfolgreiche Geschäftsführer treffen bessere Entscheidungen, weil sie besser denken. In dieser Folge bekommst du das Modell des „Full-Stack-CEO“: fünf Ebenen des Denkens – und warum der eigentliche Hebel im Fundament liegt.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Erfolg als Geschäftsführer hat wenig damit zu tun, das ERP-System zu beherrschen oder Reports zu lesen – das ist nur die oberste, sichtbare Ebene.
  • Erfolgreiche Geschäftsführer treffen bessere Entscheidungen, weil sie besser denken – auf fünf Ebenen (Full-Stack-CEO).
  • Die meisten stürzen sich auf die oberen Ebenen (dringlich), doch der Hebel liegt im Fundament – das wird übersehen, weil es nicht dringlich ist.
  • Gute Geschäftsführer denken T-förmig: eine breite, ganzheitliche Basis plus Tiefe in einzelnen Bereichen.
  • Wechselwirkungen verstehen: Wer nur einen Bereich sieht (z. B. Vertrieb), übersieht, wie zu viele neue Kunden die Produktion und Qualität überlasten.
  • Arbeite früh am Fundament: ganzheitliche Verantwortung, eigenständige Entscheidungen – manchmal über eine Seitwärtsbewegung statt einer Beförderung.

CEO Mindset: die Kernidee

Der wichtigste Satz: Erfolg ist nicht das ERP-System

Wer neu in eine Geschäftsführer- oder höhere Führungsrolle startet, fragt zuerst nach Prozessen, Fähigkeiten und Tools (ERP-System, Angebotskalkulation, Reporting) – und gerade Ingenieure wollen oft zusätzlich ins Betriebswirtschaftliche einsteigen (Finanzen, Vertrieb, Führung). All das fühlt sich dringlich an. Aber der wichtigste Satz dieser Folge lautet: Dein Erfolg als Geschäftsführer hat fast nichts damit zu tun, ob du das ERP-System beherrschst oder Finanzreports lesen kannst. Das ist nur die oberste Ebene. Der eigentliche Unterschied liegt tiefer – im Fundament, das vergessen wird, weil es nicht dringlich ist. Bildlich: Du kannst das schönste Dach bauen – wenn das Fundament wackelt, bricht alles zusammen.

Die 5 Ebenen des Denkens (Full-Stack-CEO)

  1. Ebene 5 – Prozesse, Fähigkeiten, Tools: unternehmensspezifisch (ERP-System, Kalkulation, Verhandlungsführung). Wichtig, aber oberflächlich.
  2. Ebene 4 – Disziplinen & Wechselwirkungen: das Verständnis der Unternehmensbereiche (Marketing, Vertrieb, Entwicklung, Operations, Buchhaltung) und wie sie zusammenspielen. Hier setzen die meisten MBA- und Management-Programme an.
  3. Ebene 3 – Business-Prinzipien: deine Überzeugungen, wie man ein Unternehmen zum Erfolg führt. Jeff Bezos sprach in seinem Letter to Shareholders (1997) nicht über Prozesse, sondern über Prinzipien wie „It’s all about the long term“ und „Customer Obsession“.
  4. Ebene 2 – Mentale Wahrnehmung: Umstände ganzheitlich wahrnehmen, kritisch denken, Prioritäten setzen, kluge Entscheidungen treffen. Spätestens als Geschäftsführer sagt dir niemand mehr, was zu tun ist – du denkst auf einem weißen Blatt und musst in Krisen schnell neu sortieren.
  5. Ebene 1 – Mentales Bewusstsein: dich selbst und deine Gedanken wahrnehmen und reflektieren, deine Identität und Werte kennen. Gelassenheit, Resilienz und Durchhaltevermögen – bricht ein wichtiger Kunde weg oder kommt eine Krise, verfällst du nicht in Panik. Das ist die fundamentalste Ebene.

Die meisten meistern Ebene 5 und 4 und vergessen 3, 2 und 1 – dabei entscheidet genau das Fundament.

T-förmig denken

Gute Geschäftsführer sind „T-förmig“: eine sehr breite, ganzheitliche Wissensbasis (Generalist) – und dann die Bereitschaft, in einzelne Bereiche tief hineinzugehen, um sie weiterzuentwickeln. Die Breite brauchst du, um Wechselwirkungen abzuschätzen. Ein klassisches Beispiel: Ein rein vertriebsfokussierter Geschäftsführer gewinnt in einem Monat so viele neue Kunden, dass Produktion und Qualität überlastet werden – mehr Umsatz, aber kein gesundes, nachhaltiges Wachstum.

So baust du dein Fundament

Wenn dein Ziel ganzheitliche Verantwortung ist, fang früh an, am Fundament (Ebene 1–3) zu arbeiten. Manchmal ist der richtige nächste Schritt keine Beförderung, sondern eine Seitwärtsbewegung – etwa von der Entwicklung in den Vertrieb –, weil dein ganzheitliches Bild dadurch enorm wächst. Such dir Rollen mit echter Eigenständigkeit und Entscheidungsfreiheit (kein Micromanagement); eigenständige Projekte oder ein kleines Side-Business beschleunigen den Lernfortschritt auf Ebene 2 stark. Und bleib demütig: Dein bisheriges Wissen ist nur ein winziger Bruchteil davon, wie die Welt funktioniert – die meisten überschätzen es massiv.

Tiefer zu Ebene 3 (Werte & Prinzipien) geht die Folge Unternehmenskultur, und zur mentalen Ebene 1 passt das Denken aus First Principles Thinking.

Häufige Fragen zum CEO Mindset

Wie denken erfolgreiche Geschäftsführer? Auf fünf Ebenen, nicht nur auf der obersten. Während die meisten sich auf Prozesse, Tools und einzelne Fachbereiche konzentrieren, liegt der eigentliche Hebel in den fundamentalen Ebenen: klaren Business-Prinzipien, einer ganzheitlichen Wahrnehmung und einem stabilen mentalen Bewusstsein. Bessere Entscheidungen entstehen aus besserem Denken.

Was bedeutet T-förmig denken? Eine breite, ganzheitliche Wissensbasis über alle Unternehmensbereiche hinweg (der waagerechte Balken des „T“) – kombiniert mit der Fähigkeit, in einzelne Themen tief einzutauchen (der senkrechte Balken). So verstehst du Wechselwirkungen und kannst trotzdem gezielt Dinge verbessern.

Wie bereite ich mich auf eine Geschäftsführer-Rolle vor? Arbeite früh am Fundament statt nur an Tools und Fachwissen. Sammle ganzheitliche Erfahrung (auch über Seitwärtsbewegungen), such Rollen mit echter Entscheidungsfreiheit und übe eigenständiges Denken in kleinen, selbst verantworteten Projekten. Reflexion über deine Werte, Prinzipien und Prioritäten zahlt mehr ein als das nächste Tool.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Jeff Bezos – Letter to Shareholders (1997): „It’s all about the long term“ und „Customer Obsession“ als Business-Prinzipien.
  • Jim Collins – Good to Great: was die Prinzipien erfolgreicher Unternehmen ausmacht.
  • Adam Grant – Think Again: die eigenen Denkweisen immer wieder hinterfragen, offen bleiben.
  • Zappos – „Deliver Wow“: ein fundamentales Kultur-Prinzip als Beispiel für Ebene 3.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Strategie als Ingenieur und Unternehmen klug gestalten.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge 99: Wie erfolgreiche Geschäftsführer denken – das CEO Mindset. Kurz zum Hintergrund: Ich begleite aktuell drei junge Geschäftsführer, alle erst 2022 in diese Rolle eingestiegen und keiner hat selbst gegründet – ein wichtiger Punkt: Man kann auch in jungen Jahren viel Verantwortung bekommen. Im Austausch mit ihnen ist mir ein zentrales Thema immer bewusster geworden: die Denkweise erfolgreicher Geschäftsführer. Diese Folge ist auch für dich relevant, wenn du einfach mehr, ganzheitliche Verantwortung übernehmen willst – denn dafür brauchst du eine andere Denkweise als etwa in einer Teamleiterrolle.

Wie starten Menschen normalerweise in eine Geschäftsführer- oder höhere Führungsrolle? Sie fragen: Was muss ich lernen? Meist geht es zuerst um Prozesse, Fähigkeiten und Tools – welches ERP-System wird genutzt, wie liest man die Finanzreports, wie werden Mitarbeitergespräche geführt, wie Ziele definiert? Alles sehr spezifische, unternehmensspezifische Dinge, die dringlich wirken. Gerade Ingenieure haben zusätzlich den Drang, betriebswirtschaftlich aufzuholen: Finanzwesen, Rechnungswesen, Vertrieb, Führung – oft Neuland. All das fühlt sich dringlich an, weil es neu ist.

Jetzt kommt der wichtigste Satz dieser Folge: Dein Erfolg als Geschäftsführer hat fast nichts damit zu tun, dass du das ERP-System beherrschst, gute Mitarbeitergespräche führst oder Finanzreports lesen kannst. Das ist nur die halbe Wahrheit und hilft dir wenig, wenn du das Unternehmen wirklich auf eine andere Ebene heben willst. Es gibt viel wichtigere Dinge, die meist vergessen werden, weil sie nicht dringlich sind.

Stell es dir wie ein Haus vor: Du kannst das beste Dach haben – wenn das Fundament wacklig ist, bricht alles zusammen. Oder wie ein Computer: Du kannst die besten Programme haben, aber mit schlechtem Betriebssystem oder schlechter Hardware nützt das nichts. Genauso ist es hier. Es gibt fünf Ebenen des Denkens, und die beiden obersten sind so präsent, dass sich die meisten darauf stürzen – während der eigentliche Hebel in den Ebenen drei, zwei und eins liegt, dem Fundament.

Ebene 5, die oberste: Prozesse, Fähigkeiten und Tools – unternehmensspezifisch, etwa ein ERP-System oder die Angebotskalkulation, aber auch die Fähigkeit, Verhandlungen zu führen. Wichtig, aber wenn die Ebenen darunter schlecht ausgebildet sind, nützt selbst perfekte Verhandlungsführung nichts.

Ebene 4: die Disziplinen, also die Unternehmensbereiche und ihre Wechselwirkungen – Marketing, Vertrieb, Entwicklung, Operations, Logistik, Buchhaltung. Genau hier setzen viele Management-Studiengänge und MBA-Programme an: Personalentwicklung, Führung, Organisationsentwicklung. Diese Wechselwirkungen zu verstehen ist sehr wichtig – aber auch das ist erst Ebene 4. Aus meiner eigenen Erfahrung als Leiter des Qualitätsmanagements im Mittelstand bestand meine Aufgabe genau darin, diese Wechselwirkungen besser zu verstehen.

Jetzt wird es spannend, denn über die Ebenen drei, zwei und eins habe ich in vielen Folgen schon gesprochen. Ebene 3 sind die Business-Prinzipien: deine Werte und Überzeugungen, wie man ein Unternehmen zum Erfolg führt. Gute Geschäftsführer haben die klar vor Augen. Lies dazu Jeff Bezos‘ Letter to Shareholders von 1997 aus der Anfangszeit von Amazon: Er spricht nicht über Prozesse oder Organisation, sondern über fundamentale Überzeugungen – „It’s all about the long term“ und „Customer Obsession“. Sie verzichten auf kurzfristige Gewinne, um langfristig stärker zu wachsen. Jim Collins‘ „Good to Great“ dreht sich ganz um diese Ebene, und ein weiteres Beispiel ist Zappos mit dem Prinzip „Deliver Wow“ im Kundenservice. Aus Unternehmersicht ist Ebene 3 die fundamentalste der „äußeren“ Ebenen.

Die Ebenen zwei und eins drehen sich um die Person des Geschäftsführers. Ebene 2 ist die mentale Wahrnehmung: die Umstände ganzheitlich wahrzunehmen, kritisch zu denken und kluge Entscheidungen zu treffen – die richtigen Prioritäten setzen, planen, langfristig denken. Gerade in einer schnelllebigen Welt musst du Prioritäten ständig neu anpassen. Spätestens als Geschäftsführer sagt dir niemand mehr, was zu tun ist – du denkst auf einem weißen Blatt. Bricht deine beste Führungskraft oder ein großer Kunde weg, musst du die Lage schnell neu erfassen, neu sortieren und priorisieren. Geschäftsführer, die hier stark sind, reagieren völlig anders als andere.

Und die fundamentalste Ebene, Ebene 1, ist das mentale Bewusstsein: die Fähigkeit, dich selbst und deine Gedanken wahrzunehmen und zu reflektieren, und ein klares Verständnis deiner Identität, Überzeugungen und Werte. Ein Kerngedanke ist Gelassenheit. Bricht ein zentraler Mitarbeiter weg oder kommt eine Krise wie Corona mit einbrechenden Umsätzen, nehmen Geschäftsführer mit hoher emotionaler Intelligenz ihre Gedanken bewusst wahr, sind stark in ihrer Identität und resilient – sie brechen nicht ein. Du kannst noch so stark im ERP-System und im Vertrieb sein: Wenn du dich selbst nicht im Griff hast und in Krisen in Wut oder Depression verfällst, bricht das ganze Haus zusammen. Adam Grant beschreibt in „Think Again“, wie wertvoll es ist, die eigenen Denkweisen immer wieder zu hinterfragen und offen zu bleiben.

Dieses Modell nenne ich den Full-Stack-CEO – das Ziel, auf allen Ebenen stark zu werden, statt sich nur auf die oberste zu spezialisieren. Ein Merksatz: Gute Geschäftsführer sind T-förmig. Sie haben eine sehr breite, ganzheitliche Wissensbasis und gehen dann in einzelne Bereiche tief hinein. Die Breite brauchst du, um Wechselwirkungen abzuschätzen. Ein klassisches Beispiel: Ein rein vertriebsfokussierter Geschäftsführer sieht oft nicht, dass zu viele neue Kunden in einem Monat die Produktion und die Qualität überlasten – mehr Umsatz, aber kein gesundes Wachstum.

Wenn dein Ziel ganzheitliche Verantwortung ist, fang früh an, am Fundament zu arbeiten. Manchmal ist der richtige nächste Schritt keine Beförderung, sondern eine Seitwärtsbewegung – etwa von der Entwicklung in den Vertrieb –, weil dein ganzheitliches Bild dadurch stark wächst. Wer mit der reinen Spezialistenbrille in eine Geschäftsführerrolle geht, wird auf Dauer nicht erfolgreich sein. Such dir außerdem Rollen mit echter Eigenständigkeit, in denen du selbst Entscheidungen triffst – Micromanagement bremst deinen Lernfortschritt auf den unteren Ebenen. Für mich war der Einstieg in die Selbstständigkeit der steilste Lernfortschritt auf Ebene 2, weil ich plötzlich eigenständig Prioritäten setzen, losgehen, scheitern und reflektieren musste. Auch ein kleines, eigenständig verantwortetes Projekt im Unternehmen wirkt hier Wunder.

Zusammengefasst: Der Drang am Anfang gilt Ebene 5 (Prozesse, Tools) und Ebene 4 (Unternehmensbereiche). Wichtiger sind aber Ebene 3 (Business-Prinzipien), Ebene 2 (mentale Wahrnehmung) und Ebene 1 (mentales Bewusstsein). Denk an den Full-Stack-CEO und an den Merksatz: Gute Geschäftsführer sind T-förmig – breite Basis plus Tiefe. Fang früh an, am Fundament zu arbeiten. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

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Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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