Das Leben ist wie ein Nachtclub. 99 % aller Menschen warten in der langen Schlange vor dem Haupteingang. Prominente und Multimillionäre gehen durch den VIP-Eingang. Aber was dir niemand sagt: Es gibt immer eine dritte Tür.
Diese dritte Tür ist der Eingang, bei dem du die Warteschlange verlässt, die Straße hinunterläufst, hundertmal klopfst oder dich durch die Küche schleichst. In dieser Folge ziehe ich drei Lektionen aus dem Buch „Die dritte Tür“ von Alex Banayan – anhand von Geschichten, die zeigen, wie viel mehr möglich ist, als die meisten denken.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Es gibt immer eine dritte Tür. Neben Haupteingang (warten) und VIP-Eingang (hineingeboren) existiert ein dritter Weg – für alle, die bereit sind, ihn zu suchen.
- Hack das System. Wer Glück denkt, hat das System meist nur nicht verstanden. Schau hinter die Fassade und frag dich: Wie funktioniert das hier wirklich?
- Einfach fragen wirkt oft Wunder. Viele Türen bleiben verschlossen, weil niemand sie öffnet – obwohl ein einziger Mut-Moment gereicht hätte.
- Die Cold Email ist ein Türöffner. Mit einem klaren Framework (kurzes Intro, Vertrauen aufbauen, eine konkrete Frage, Druck herausnehmen) erreichst du auch kalte Kontakte.
- Vor Ort schlägt online. Eine E-Mail kann Türen öffnen – aber ein persönliches Treffen baut Vertrauen auf, das digital kaum erreichbar ist.
- Das Prinzip gilt auch für deine Laufbahn. Wer Führungskraft oder Geschäftsführer werden will, braucht keinen vorgeschriebenen Weg – sondern die Kreativität, das System zu durchschauen.
Die dritte Tür im Detail
Forbes hat „Die dritte Tür“ 2018 zum besten Karrierebuch des Jahres gekürt. Das kann ich nur unterstreichen. Autor Alex Banayan erzählt darin seine eigene Geschichte – und sie beginnt, als er 19 Jahre alt und noch Student ist.
Alex stellt sich damals immer wieder dieselbe Frage: Mache ich gerade das Richtige? Und dann eine zweite: Was hat Bill Gates in meinem Alter getan? Was hat er gedacht, womit hat er gekämpft? Er stellt fest: Über genau diese frühe Phase steht in den Biografien fast nichts. Also fasst er einen Plan. Er will Bill Gates, Warren Buffett, Steven Spielberg, Oprah Winfrey, Tim Ferriss und viele andere interviewen – und ein Buch darüber schreiben, wie sie ihre Reise gestartet haben.
Erste Lektion: Hack das System
Sein erstes Problem ist banal: Als Student hat er kein Geld, um quer durch die USA zu reisen und diese Menschen zu treffen. Mitten in der Klausurenphase liest er zufällig eine Anzeige für die Gameshow „The Price Is Right“ – aufgezeichnet ganz in seiner Nähe. Er meldet sich sofort an, wirft seine Lernmaterialien beiseite und stellt sich eine einzige Frage: Wie gewinne ich diese Show?
Er recherchiert und findet zwei Hürden: das Casting und die Show selbst. Beim Casting werden nur auffällige, schräge Personen genommen – im Hintergrund führt eine Assistentin eine Liste, und ein Nicken bedeutet die Aufnahme. Also zieht Alex die wildesten Klamotten an, setzt einen komischen Hut auf und sagt seinem Gegenüber, dessen Krawatte sei wundervoll, er sammle selbst seit Jahren Krawatten. Es funktioniert. Die Assistentin notiert seinen Namen.
Vor der Show fragt er alle aus, die es wissen müssen: Kameraleute, Assistenten, Produzenten. Der entscheidende Tipp lautet, beim Bieten konsequent zu unterbieten. Am Ende gewinnt Alex ein Segelboot, verkauft es für rund 16.000 Dollar – und hat plötzlich ein Budget für seine Mission. Nicht durch Glück, sondern weil er das System verstanden und gehackt hat.
Dieselbe Haltung zeigt eine zweite Geschichte. Alex will Warren Buffett interviewen, doch der gibt seit Jahren keine Interviews. Also fährt Alex mit fünf Freunden zum jährlichen Shareholder-Meeting von Berkshire Hathaway, wo Buffett und sein Partner Charlie Munger auf der Bühne Fragen beantworten. 30.000 Menschen kommen, über 1.000 wollen eine Frage stellen – nur etwa 15 bis 20 werden per Lotterie gezogen. Alle sagen ihm: „Good luck.“ Doch ein Einziger nimmt ihn zur Seite und verrät: Die Mikrofone sind gleichmäßig im Saal verteilt, in jedem Abschnitt werden gleich viele Namen gezogen – aber fast alle Ambitionierten drängen nach vorne. Also werfen Alex und seine Freunde ihre Karten beim hintersten, fast leeren Mikrofon 8 ein. Vier von sechs werden gezogen.
Die Lektion: Schau hinter die Fassade. Wenn du an Glück denkst, hast du das System meist nur noch nicht verstanden – und kannst es deshalb auch nicht hacken.
Zweite Lektion: Einfach fragen
Über einen Mentor landet Alex auf einer Kostümparty. Dort trifft er Tony Hsieh – den Gründer von Zappos, dem „Zalando der USA“, das später von Amazon übernommen wurde und für seine einzigartige Unternehmenskultur weltbekannt ist. Hsieh läuft mit Zettel und Stift herum und spielt die gute Fee: Jeder darf sich etwas wünschen. Alex wünscht sich, einen Tag lang CEO von Zappos zu sein – ihm einen Tag zu folgen. Hsieh macht zwei Tage daraus.
Zwei Tage lang ist Alex bei jedem Meeting, jeder Aufgabe, jedem Gespräch dabei. Immer wieder werfen ihm Mitarbeiter neidische Blicke zu: „Du bist ein Glückspilz.“ Am Ende stellt Alex eine ungewöhnliche Frage: Warum lässt du nicht auch deine Mitarbeiter dir einen Tag lang folgen? Hsieh schaut überrascht und antwortet: „Niemand hat mich je danach gefragt.“ Natürlich würde er das tun.
Die Lektion ist so einfach wie kraftvoll. Im richtigen Kontext, mit etwas Mut, kann einfaches Fragen Wunder bewirken.
Dritte Lektion: Die Kunst der Cold Email
Das gesamte Buch hindurch arbeitet Alex mit einem zentralen Werkzeug: der Cold Email. „Cold“ heißt kalt – du bist für den Empfänger ein völlig fremder Kontakt, kein Vertrauen, keine Vorgeschichte. Damit hat Alex einen Mentor gewonnen, Dutzende Menschen interviewt und spannende Angebote erhalten.
Das Framework dahinter stammt von Tim Ferriss und ist im Grunde ein Template:
- Intro: „Ich weiß, dass du sehr beschäftigt bist und viele Mails bekommst, daher wirst du für diese nur 60 Sekunden brauchen.“
- Wer bist du? Ein bis zwei Sätze, die Vertrauen aufbauen und deinen Status laden. Alex konnte schreiben: „Ich bin gerade dabei, Bill Gates zu interviewen.“
- Eine konkrete Frage: Nicht „Ich würde mich gern mal austauschen“, sondern genau die eine Frage, die leicht zu beantworten ist.
- Outro: „Ich verstehe vollkommen, wenn du zu beschäftigt bist. Aber selbst eine zweizeilige Antwort wäre für mich ein echtes Highlight.“
Zwei Tipps zur Anwendung. Erstens: Who is the inside man? Einen CEO erreichst du oft nicht direkt – aber über eine Person aus seinem Umfeld. Baue zu ihr Vertrauen auf und lass dich dann weiterempfehlen. Zweitens: Don’t be a keyboard warrior. Alex kämpfte sich wochenlang per E-Mail zu seinem Bill-Gates-Kontakt ab – ohne Erfolg. Als er ihn schließlich bei einem TED-Event persönlich traf und seine Geschichte vor Ort erzählte, organisierte dieser ihm prompt ein Interview. Eine E-Mail kann Türen öffnen. Aber wer sich nur auf die digitale Welt versteift, findet selten den Weg durch die dritte Tür.
Was das für deine Karriere bedeutet
Im Mentoring sehen wir dieses Muster ständig. Menschen, die Führungskraft oder Geschäftsführer werden wollen, lassen sich oft einreden, warum es nicht geht – dass man jahrelang warten oder erst einen MBA brauche. Das ist die Fassade. Viel wichtiger ist, das System zu verstehen: Was musst du real tun, um Verantwortung zu übernehmen? Eine klassische Bewerbung ist die lange Schlange vor dem Nachtclub. Vitamin B in der Familie ist der VIP-Eingang. Die dritte Tür ist der kreative dritte Weg.
Ein Beispiel: Einer unserer Mentees fühlte sich in seiner Entwicklung blockiert. Er begann, im ganzen Unternehmen mit allen zu sprechen – auch mit dem CEO. Der hatte ein Projekt im Hinterkopf, das ewig auf der Agenda lag: das Thema Lean Management voranzutreiben. Innerhalb weniger Tage wurde aus „Ich stehe still“ die Chance, einen eigenen Bereich mit Team aufzubauen. Ganz ohne Stellenanzeige. Ein zweiter Mentee gab sich die Challenge, in 14 Tagen mit so vielen Menschen im Konzern wie möglich zu sprechen – nach acht Gesprächen lagen drei konkrete Jobangebote in zukunftsorientierten Bereichen auf dem Tisch.
Wenn du diese drei Lektionen verinnerlichst, kannst du deine berufliche Reise vom Berkshire-Meeting bis zur eigenen Firma als Abenteuer gestalten, das System hacken, mutig fragen und die Komfortzone verlassen – das beginnt oft damit, mutiger zu werden. Wie du dein Netzwerk und das Empfehlungs-Prinzip gezielt einsetzt, hörst du in Netzwerk nutzen. Dass die besten Stellen nie ausgeschrieben werden und du sie über den verdeckten Stellenmarkt und Jobs ohne Bewerbung erreichst, ist genau diese dritte Tür für deine Karriere.
Häufige Fragen zur dritten Tür
Was ist „Die dritte Tür“? „Die dritte Tür“ ist ein Buch von Alex Banayan. Das Bild dahinter: Das Leben ist wie ein Nachtclub. Die meisten warten am Haupteingang, einige gehen durch den VIP-Eingang – aber es gibt immer eine dritte Tür, einen unkonventionellen Weg für alle, die bereit sind, ihn zu suchen.
Wer ist Alex Banayan? Alex Banayan ist der Autor von „Die dritte Tür“. Mit 19 Jahren machte er es sich zur Mission, erfolgreiche Persönlichkeiten wie Bill Gates, Warren Buffett, Steven Spielberg und Tim Ferriss zu interviewen, um zu verstehen, wie sie ihre Karriere gestartet haben. Forbes kürte sein Buch 2018 zum besten Karrierebuch des Jahres.
Was ist eine Cold Email? Eine Cold Email ist eine Nachricht an einen Menschen, der dich noch gar nicht kennt – einen „kalten“ Kontakt ohne Vorgeschichte oder Vertrauen. Mit einem klaren Aufbau (kurzes Intro, ein bis zwei Sätze zu deiner Person, eine konkrete Frage, Druck herausnehmen) kannst du so auch schwer erreichbare Personen ansprechen.
Wie wende ich das Prinzip der dritten Tür auf meine Karriere an? Frage dich, wie das System wirklich funktioniert, statt den vorgeschriebenen Weg zu gehen. Sprich mit Menschen, baue Vertrauen auf und trau dich, direkt zu fragen. Oft entstehen so Rollen, die nie ausgeschrieben werden – die dritte Tür neben Bewerbung und Beziehungen.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
- Alex Banayan – Die dritte Tür: Banayans persönliche Geschichte und die Lektionen aus seinen Interviews mit Bill Gates, Warren Buffett, Steven Spielberg und vielen mehr. Von Forbes zum besten Karrierebuch 2018 gekürt.
- Tony Hsieh – Delivering Happiness: Der Zappos-Gründer erzählt, wie er ein Unternehmen rund um eine außergewöhnliche Kultur und echten Kundenservice aufgebaut hat.
Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Karriere.
Diese Folge gehört zum Thema Karriere.
Transkript
Herzlich willkommen zur Folge 130: Die dritte Tür – wie die Karriere zum unvergesslichen Abenteuer wird.
Das Leben ist wie ein Nachtclub. 99 % aller Menschen warten in der langen Schlange vor dem Haupteingang, in der Hoffnung, hineinzukommen. Prominente, Multimillionäre und Menschen, die in genau diese Welt hineingeboren wurden, gehen durch den VIP-Eingang. Aber was dir niemand sagt: Es gibt immer eine dritte Tür. Die dritte Tür ist der Eingang, bei dem du die Warteschlange verlassen musst, bei dem du die Straße hinunterläufst, hundertmal an die Tür klopfst, das Fenster aufbrichst oder dich durch die Küche schleichst. Egal, ob es darum geht, wie Bill Gates seine erste Software verkauft hat oder wie Steven Spielberg der jüngste Regisseur der Hollywood-Geschichte wurde: Sie alle nahmen die dritte Tür.
Das ist der Intro-Text zu dem Buch „The Third Door“ von Alex Banayan. Als ich diesen Text gelesen habe, hatte ich noch keine Ahnung, wie inspirierend und motivierend dieses Buch für mich werden würde. Forbes hat es 2018 als das beste Karrierebuch des Jahres bezeichnet – das kann ich absolut nachvollziehen und unterstreichen. Sehr lesenswert. Ich werde über viele Punkte sprechen und die eine oder andere Geschichte erzählen. Eine kleine Spoiler-Warnung also – aber ich denke, das Buch bleibt trotzdem sehr lesenswert.
Kurzer Kontext: Alex erzählt im Buch seine persönliche Geschichte. Sie beginnt, als er 19 Jahre alt ist. Mit 19 hat Alex eine verrückte Idee. Er ist noch Student und fragt sich regelmäßig: Mache ich gerade das Richtige? Ist das das richtige Studium? Und vor allem: Was würde Bill Gates tun? Was würden andere seiner Vorbilder in seinem Alter machen? Irgendwann stellt er fest: Warte mal – was hat Bill Gates denn in meinem Alter gemacht? Was waren seine Gedanken, wie ist er vorgegangen? Nach kurzer Recherche fängt er an, die ersten Biografien zu lesen, und stellt fest: Über diese ganz junge Phase wird kaum etwas gesagt. Was hat er gedacht? Was waren seine Struggles, seine Probleme? Darüber wird sehr wenig geschrieben. Und es geht nicht nur um Geld, sondern um viele andere Personen – sei es Warren Buffett, Steven Spielberg, Oprah Winfrey und wie sie alle heißen.
In dem Moment trommelt Alex seine Freunde zusammen und spricht eine Mission aus: Ich möchte herausfinden, wie Bill Gates gedacht hat, als er in unserem Alter war. Wie hat seine Karriere gestartet? Woher wusste er, was er tun soll? Und Alex entscheidet: Ich werde Bill Gates und andere Personen dazu interviewen. Steven Spielberg, Tim Ferriss, Oprah Winfrey und viele mehr – ich werde sie interviewen und ein Buch darüber schreiben, wie sie es gemacht haben, damit meine Generation davon lernen kann. Das ist der Kontext dieses Buches – und der Start einer wirklich ungewöhnlichen und spannenden Karrierereise von Alex.
Ich möchte drei Learnings teilen, die ich persönlich aus dem Buch herausgezogen habe – anhand einiger spannender Geschichten, die er darin erzählt. Ich hatte beim Kauf einen ganz anderen Eindruck, aber im Nachgang muss ich sagen: Es hat mich gefesselt. Ich habe es in drei Tagen inhaliert, und es hat absolut Spaß gemacht.
Den ersten Punkt fasse ich unter der Überschrift „Hack das System“ – das sind zwei Geschichten. Nachdem Alex die Idee hatte, kam ein zweiter Gedanke: Wie soll ich das finanzieren? Wenn ich diese Leute interviewen will, muss ich durch die ganzen USA reisen. Als Student hat er überhaupt kein Geld, um diese Mission umzusetzen. Er steckt zu der Zeit in der Klausurenphase und kann sich nicht aufs Lernen konzentrieren. Dann ein Zufall: In einer örtlichen Zeitung liest er eine Ausschreibung für die Gameshow „The Price Is Right“. Diese Show gibt es meines Wissens in Deutschland nicht unbedingt – ich hatte vorher nie davon gehört, aber in den USA ist das ein Riesending, national ausgestrahlt. Und er stellt fest: Diese Show wird ganz in seiner Nähe aufgezeichnet.
Was tut er? Er meldet sich sofort an. Er ist mitten in der Klausurenphase, hat aber nur etwa fünf Tage, bis es zur ersten Hürde kommt – dem Casting. Er wirft seine Lernmaterialien beiseite und beschäftigt sich nur noch mit der Frage: Wie gewinne ich diese Gameshow? Er hat sie noch nie gesehen, recherchiert aber und stellt fest: Es gibt zwei Hürden – erstens das Casting, zweitens die Show selbst. Beim Casting werden, wie viele online berichten, nur besonders auffällige, schräge Personen genommen; 08/15-Leute haben keine Chance. Er findet auch etwas über das Auswahlverfahren heraus: Da gibt es jemanden, der das Casting macht, und im Hintergrund führt eine Assistentin eine Liste. Immer wenn er ihr zunickt, wird ein Name aufgeschrieben – das Signal, dass man für die Show genommen wird.
Mit diesem Wissen geht Alex zum Casting. Er sucht sich die wildesten Klamotten aus dem Kleiderschrank, komplett bunt, und setzt einen komischen Hut auf. Er ist nicht der einzige Anwärter, alle werden gleichzeitig befragt von dieser berühmt-berüchtigten Person, die das Casting durchführt. Alex sticht schon durch seine Kleidung heraus – aber auch durch das, was er sagt. Sein Gegenüber trägt eine Krawatte, und Alex sagt, das sei eine wundervolle Krawatte, er sammle selbst seit Jahren Krawatten. Der andere ist verdutzt. Dann sieht Alex: Der Typ hat seiner Assistentin zugenickt, sein Name wird notiert. Das Signal: Ich bin dabei.
Schlag auf Schlag, zwei Tage später kommt es zur Show. Alles in Hektik: Er muss sich für die Klausuren und parallel für die Show vorbereiten. Vor Ort befragt er Assistenten, Kameraleute und Produzenten: Was muss man tun, um diese Show zu gewinnen? Denn die Leute machen das tagtäglich, und er selbst hat keine Ahnung. Das Einzige, was alle ihm sagen: Stelle sicher, dass du immer unterbietest. Kurz zum Kontext, so wie ich es aus dem Buch verstanden habe: Es wird zum Beispiel ein Urlaub auf Mallorca im Fünf-Sterne-Hotel plus ein Porsche als Mietobjekt präsentiert, und die Frage lautet: Was kostet das? Du musst den Preis raten. Bist du drüber, bist du raus. Wer am nächsten dran ist, ohne den Preis zu überbieten, gewinnt die Runde. Es gab 23 Runden, und natürlich ist auch etwas Glück im Spiel.
Long story short: Am Ende gewinnt Alex ein Segelboot, verkauft es im Nachgang für 16.000 Dollar – und hat plötzlich ein Budget, mit dem er seine Mission realisieren kann. Und das alles, weil er sich die Frage gestellt hat: Wie kann ich diese Gameshow gewinnen? Und versucht hat, das System zu hacken.
Die zweite Story, etwas vorgespult: Alex will unbedingt Warren Buffett interviewen. Das Problem: Buffett gibt seit Jahren keine Interviews, eine klare Null-Interview-Policy. Er sagt immer, er habe bereits alles gesagt. Alex fragt sich: Wenn ich ihn nicht im Eins-zu-eins-Gespräch interviewen kann, versuche ich es anders – mit dieser dritten-Tür-Mentalität. Was tut er? Er schnappt sich fünf Freunde und fährt zum jährlichen Shareholder-Meeting von Berkshire Hathaway. Wer in der Investmentwelt unterwegs ist, weiß: Das ist ein riesiges Event, fast ein Ritual. 30.000 Menschen kommen. Schau gerne mal bei YouTube rein, der Aufbau ist spannend zu sehen, auch wenn es eigentlich kein Highlight-Event ist: Vorne sitzen Warren Buffett und sein Partner Charlie Munger an einem Tisch auf der Bühne und beantworten über Stunden Fragen.
Alex denkt: Wenn ich Buffett nicht eins zu eins befragen kann, dann in diesem Kontext – ihm auf dieser Bühne Fragen stellen. Vor Ort stellt sich die Frage: Wie kommt man überhaupt dazu, eine Frage stellen zu dürfen? Schnell wird klar: Es gibt eine Lotterie. Man schreibt seinen Namen auf eine Karte, wirft sie in eine Box, und am Anfang des Events werden Namen gezogen. Entscheidend: Mehr als 1.000 Leute wollen Fragen stellen, aber nur etwa 15 bis 20 werden genommen. Die Assistenten, die die Lotterie betreuen, sagen nur: „No way, good luck“ – versuch dein Glück, aber die Wahrscheinlichkeit ist verschwindend gering.
Alex sagt sich: Das reicht nicht an Infos. Er rennt von Person zu Person, fragt alle Supporter der Lotterie aus. Fast alle sagen dasselbe: „Good luck.“ Doch einer nimmt ihn zur Seite und gibt ihm eine besondere Info: Im ganzen Saal sind gleichmäßig Mikrofone verteilt, und in jedem Abschnitt werden gleich viele Namen gezogen. Aber diejenigen, die Fragen stellen wollen, sind meist die sehr Ambitionierten – und die drängen alle nach ganz vorne. Also schaut Alex sich um und stellt fest: Da hinten, beim Mikrofon Nummer 8, sind nur sehr wenige Leute. Lasst uns dort unsere Karten einwerfen und über Mikrofon 8 unsere Frage stellen.
Auch hier: Long story short. Zu sechst werfen sie ihre Karten beim Mikrofon 8 ein – und am Ende werden vier von sechs gezogen und können ihre Fragen stellen. Beide Stories stehen für denselben Gedanken: „Hack the System.“ Hinter die Fassade schauen, fragen, wie das System wirklich funktioniert, links und rechts recherchieren oder andere Personen fragen. Das kann Gold wert sein. Andere sehen das im ersten Moment nicht und denken viel zu sehr an Glück. Wenn man an Glück denkt, liegt es meistens daran, dass man das System nicht verstanden hat – und es deshalb nicht hacken kann.
Der zweite Gedanke steht unter der Überschrift „Einfach fragen“ – wieder ein bisschen vorgespult. Alex hat irgendwann einen Mentor, der sehr gut vernetzt ist. Über diesen Mentor wird er auf eine Kostümparty eingeladen. Dort sieht er plötzlich Tony Hsieh – den Gründer der Firma Zappos, quasi das Zalando der USA, das mittlerweile von Amazon übernommen wurde. Vielleicht kennst du das Buch „Delivering Happiness“, das Tony Hsieh geschrieben hat. Zappos ist weltweit bekannt für seine einzigartige Unternehmenskultur. Die Büros sind sehr kreativ gestaltet, teilweise wie ein Urwald oder ein Strand. Auch Tony Hsieh selbst ist für verrückte Ideen bekannt – zum Beispiel für den außergewöhnlichen Telefonsupport. Der Rekord für den längsten Support-Anruf liegt bei rund neun Stunden: Eine ältere Dame hatte ein Problem mit ihren Schuhen. Das steht so im Buch „Delivering Happiness“, das ich vor einiger Zeit gelesen habe.
Ein paar Stunden später auf dieser Kostümparty steht Tony Hsieh plötzlich vor einer Gruppe von Leuten, unter anderem vor Alex, mit Zettel und Stift in der Hand und sagt in die Runde: Jeder von euch hat einen Wunsch frei. Ich bin heute eure gute Fee. Jeder kann mir einen Wunsch nennen, und ich versuche, ihn umzusetzen – eine dieser verrückten Ideen von Tony. Als er vor Alex steht, sagt Alex: Ich würde gerne einen Tag lang CEO von Zappos sein. Er will Tony einen Tag lang folgen. Tony schaut ihn an und sagt: Kein Problem – weißt du was, wir machen zwei Tage daraus.
Ein bisschen vorgespult: Alex folgt Tony zwei Tage lang, dem CEO von Zappos, das damals schon Tausende Mitarbeiter hatte. Er ist bei jedem Meeting dabei, bei jeder Unterhaltung, jeder Aufgabe, bekommt Einblick in alles, in den detaillierten Tagesablauf. Das Spannende: Während dieser zwei Tage stößt Alex immer wieder auf Mitarbeiter, die ihm neidische Blicke zuwerfen und sagen: Alex, du bist ein absoluter Glückspilz, dass du ihm folgen darfst – wie gerne wäre ich an deiner Stelle. Am Ende des zweiten Tages stellt Alex eine vielleicht merkwürdige Frage: Warum lässt du deine Mitarbeiter dir nicht auch mal einen Tag lang folgen? Tony Hsieh wirft ihm einen überraschten Blick zu und sagt: „No one’s ever asked me.“ Niemand hat mich je danach gefragt. Natürlich würde ich das machen, ich würde mich riesig freuen – aber niemand hat mir diese Frage je gestellt.
Auch hier die Message: Einfach fragen kann – im richtigen Kontext und mit etwas Mut – Wunder bewirken und dir genau solche Möglichkeiten eröffnen.
Der dritte Punkt ist „Die Kunst der Cold Email“. Das gesamte Buch hindurch arbeitet Alex mit einem zentralen Werkzeug: diesen Cold Emails. Was sind Cold Emails? „Cold“ bedeutet kalt. Du als Absender bist für den Empfänger ein kalter Kontakt. Kalt versus warm: Warm hieße, du bist ein guter Freund oder es ist bereits Vertrauen aufgebaut. Kalt bedeutet, es hat noch nie eine Interaktion stattgefunden, die Person kennt dich nicht, hat nie von dir gehört. Wenn du jemandem schreibst, der nie von dir gehört hat – etwa dem CEO einer Firma –, ist da ein großes Gap zwischen euch. Genau dieses Instrument zu meistern, ist entscheidend. Alex hat durchs Meistern dieser Cold Emails einen super inspirierenden Mentor gewonnen, Dutzende Personen interviewt, spannende Jobangebote erhalten und wertvolle Lektionen über das Leben gelernt.
Diese Cold Emails zu formulieren, ist eine Kunst. In der letzten Folge, in der es darum ging, wie du dein Netzwerk richtig nutzt, habe ich schon ein wenig darüber gesprochen – auch darüber, wie du mit Empfehlungen arbeiten kannst. Jetzt möchte ich dir ein Framework teilen, das für Alex perfekt funktioniert hat und das er immer wieder genutzt hat. Dieses Framework für Cold Emails stammt von Tim Ferriss. Es ist im Grunde ein Template für eine E-Mail, das du eins zu eins verwenden kannst – etwa wenn es eine Firma gibt, für die du unbedingt arbeiten möchtest, oder spannende Personen, von denen du lernen willst: Branchen-Insider, Influencer oder andere. Über eine kalte E-Mail kannst du so einen Fuß in die Tür bekommen. Natürlich musst du auch die E-Mail-Adresse herausfinden, aber dafür gibt es Mittel und Wege.
Wie ist das Ganze aufgebaut? Ich lese es einmal vor. Zuerst die Anrede – mit Namen, ob du siezt oder duzt, bleibt dir überlassen; ich nehme hier das Duzen. „Lieber/Liebe …, ich weiß, dass du sehr beschäftigt bist und viele Mails bekommst, daher wirst du für diese nur 60 Sekunden zum Lesen brauchen.“ Das ist das Intro. Dann kommen zwei Abschnitte. Erstens ein bis zwei Sätze zu dir: Wer bist du, und warum sollte man dir zuhören? Wichtig ist, hier Expertenstatus und Vertrauenswürdigkeit aufzubauen. Im Fall von Alex: „Ich bin 19 Jahre alt und Student“ – aber warum sollte man ihm zuhören? Deshalb baut er seinen Status auf, etwa mit Social Proof: „Ich habe vor Kurzem Bill Gates interviewt“ oder „Ich bin gerade dabei, Bill Gates zu interviewen, und habe nächste Woche einen Termin mit ihm.“ Sofort entsteht Interesse.
Im nächsten Abschnitt stellst du deine ganz konkrete Frage. Wichtig: nicht sagen „Ich würde mich gerne mal mit dir austauschen“, sondern genau die Frage, die du in diesem Austausch stellen möchtest, vorziehen und in die E-Mail packen – eine konkrete Frage, die leicht zu beantworten ist. Dann kommt der letzte Abschnitt, das Outro: „Ich verstehe vollkommen, wenn du zu beschäftigt bist, um zu antworten. Aber selbst eine ein- oder zweizeilige Antwort wäre für mich ein echtes Highlight. Liebe Grüße, Alex.“ So ist das Ganze aufgebaut: ein Intro, ein Outro und dazwischen zwei Abschnitte – ein bis zwei Sätze zur Frage „Wer bist du und warum sollte man dir zuhören?“ und eine konkrete Frage.
Dieses Framework kannst du eins zu eins anwenden und ein wenig umformulieren. Ich würde empfehlen, etwas mehr Energie hineinzubringen – gerade, wenn du das Gefühl hast, du möchtest mehr Abenteuer in deine berufliche Laufbahn bringen, die Komfortzone verlassen und nach links und rechts schauen, wo es spannende Persönlichkeiten gibt, um den Fuß in die Tür zu bekommen. Dann kann diese Nachricht wirklich ein Türöffner sein.
Noch zwei Tipps zur Verwendung. Der erste: Who is the inside man? Wenn du den CEO eines großen Unternehmens oder Konzerns erreichen möchtest, ist es manchmal schwer, ihn direkt zu kontaktieren. Dann ist es spannend, nach einem Inside Man Ausschau zu halten – also indirekt zu gehen und erst eine Person aus dem inneren Kreis zu kontaktieren. Über das Cold-Email-Framework baust du Vertrauen auf, führst Gespräche und kommst dann über das Empfehlungs-Template aus der letzten Folge an den eigentlichen CEO heran.
Der zweite Tipp: Don’t be a keyboard warrior. So wird es im Buch bezeichnet. Alex wollte unbedingt ein Interview mit Bill Gates führen und hatte gute Kontakte zu einem Inside Man aus Gates‘ innerem Kreis. Trotzdem wurde er immer wieder abgewimmelt. Dann recherchierte er und fand heraus, dass dieser Inside Man zu einem TED-Event eingeladen war. Alex vereinbarte dort ein 15-minütiges Treffen, traf ihn persönlich und erzählte ihm Face to Face seine Story. Der andere sagte: Das klingt super, lass uns das machen – ich organisiere dir ein einstündiges Interview mit Bill Gates. Alex war verwundert: Wochenlang hatte er sich per E-Mail abgekämpft, und als er einmal vor Ort die Möglichkeit hatte, seine Geschichte zu erzählen, war es ein Leichtes, Vertrauen zu gewinnen. Die Message: Jemanden in Person zu treffen kann eine E-Mail niemals ersetzen. Vor Ort baust du auf einer anderen Ebene Vertrauen auf. Eine Cold Email kann Türen öffnen, und manchmal geht es auch über die digitale Welt – aber wer sich nur auf Online-Kommunikation versteift, findet wahrscheinlich nie den Weg durch die dritte Tür.
Noch einmal der Intro-Text zusammengefasst: Das Leben ist wie ein Nachtclub. 99 % aller Menschen warten in der langen Schlange vor dem Haupteingang, in der Hoffnung, hineinzukommen. Prominente, Multimillionäre und Menschen, die in genau diese Welt hineingeboren wurden, gehen durch den VIP-Eingang. Aber was dir niemand sagt: Es gibt immer eine dritte Tür. Sie ist der Eingang, bei dem du die Warteschlange verlassen, die Straße hinunterlaufen, hundertmal klopfen, das Fenster aufbrechen oder dich durch die Küche schleichen musst. Egal, ob Bill Gates seine erste Software verkauft hat oder Steven Spielberg der jüngste Regisseur der Hollywood-Geschichte wurde: Sie alle nahmen die dritte Tür.
Das waren die drei Gedanken. Erstens „Hack das System“ – mit der Gameshow und dem Shareholder-Meeting von Berkshire Hathaway. Das System zu verstehen und Dinge zu hinterfragen, ist Gold wert. Das gilt auch im Mentoring: Menschen, die Führungskraft oder Geschäftsführer werden wollen, lassen sich oft Stories einreden, warum es nicht geht, warum man jahrelang warten oder erst einen MBA brauchen müsse. Das ist alles eine Fassade. Viel wichtiger ist zu verstehen, was man real tun muss, um Verantwortung zu übernehmen. Es gibt viel kreativere Wege als die klassische Bewerbung – die ist, sich in die lange Schlange vor dem Nachtclub zu stellen. Vitamin B in der Familie ist der VIP-Eingang. Aber es gibt eben die Möglichkeit, die dritte Tür zu wählen und das System zu hacken.
Der zweite Gedanke war „Einfach fragen“ – mit der Geschichte des CEOs von Zappos. Es kann erstaunlich einfach sein, solche Möglichkeiten zu bekommen, wenn man einfach fragt. Der dritte Gedanke ist die Kunst der Cold Email mit dem Template von Tim Ferriss: Intro, Outro und zwei, drei Komponenten dazwischen.
Zum Schluss zwei kurze Stories von Mentees, die ganz spontan die dritte Tür gewählt haben – anonymisiert. Beide hatten das Gefühl, in ihrer persönlichen Entwicklung zu stagnieren. Kandidat Nummer eins begann, im gesamten Unternehmen mit allen zu sprechen, auch mit dem CEO. Der sagte: Weißt du was, wir haben ein Projekt, das seit Ewigkeiten auf meiner Agenda liegt – wir wollen das Thema Lean Management vorantreiben und brauchen jemanden, der das wirklich umsetzt. Ich kann mir sogar vorstellen, dass daraus ein eigener Bereich wird. Hättest du Lust? Innerhalb weniger Tage wurde aus „Ich habe das Gefühl, ich stehe still“ die Möglichkeit, einen Lean-Management-Bereich mit einem zukünftigen Team aufzubauen – von Frust und Demotivation hin zu absoluter Begeisterung. Ganz ohne Skript, ohne Stellenanzeige, einfach indem er den Prozess vorangetrieben hat.
Die zweite Person ging ähnlich vor und gab sich die Challenge, innerhalb von 14 Tagen mit so vielen Personen wie möglich im Unternehmen zu sprechen – ein größerer Konzern. Es waren am Ende nicht mehr als acht Gespräche, aber danach lagen drei konkrete Jobangebote auf dem Tisch. Genau die gleiche Ausgangslage: „Ich entwickle mich nicht weiter, ich sehe keine Perspektive“ – hin zu drei konkreten Angeboten in unterschiedlichen, zukunftsorientierten Bereichen des Konzerns. Die Person entschied sich sofort für eine Variante und startet zeitnah in dieser Rolle. Das zeigt in der Praxis, wie so etwas aussehen kann. Es gibt noch tausend andere Möglichkeiten.
Und wie schon gesagt: Lies dieses Buch. Es ist wirklich sehr lesenswert, macht unglaublich Spaß, und du wirst noch viele weitere inspirierende Stories darin erleben. Das war es für diese Folge. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.