In sich selbst investieren: smart Karriere-Assets aufbauen

„Folge deiner Leidenschaft.“ Solche Sätze klingen romantisch – aber als Kompass für deine konkreten nächsten Karriereschritte taugen sie wenig. Werte und Vision zu ergründen ist wertvoll, bringt aber meist mehr Fragen als Antworten.

Ein viel greifbarerer Ansatz stammt von Cal Newport: „Be so good they can’t ignore you.“ In dieser Folge geht es um einen Investment-Ansatz für deine Karriere – wie du die richtigen Assets aufbaust und deine Zeit, Energie und dein Geld so investierst, dass sich dir langfristig spannende Chancen eröffnen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • „Folge deiner Leidenschaft“ ist romantisch, aber kein guter Kompass. Besser (Cal Newport): So good they can’t ignore you – baue wertvolle Fähigkeiten auf.
  • Denk an deine Karriere wie an ein Portfolio aus Assets: Soft Assets (Wissen, Netzwerk, Skills, Reputation) und Hard Assets (Geld, Aktien, Equipment).
  • Fokussiere früh auf Soft Assets – sie sind massiv unterschätzt; das Gehalt wird in den ersten ~10 Jahren überschätzt.
  • 4 Kriterien: 1) eine seltene und wertvolle Kombination, 2) Zeit zum Lernen statt Geldverdienen, 3) Stärken stärken + Neuland (statt an Schwächen), 4) zeitlose Assets.
  • Gedankenübung: 500 € pro Monat in dich selbst – in drei Jahren gehörst du zu den wertvollsten Personen deiner Branche.
  • Bezos-Prinzip: Frag nicht, was sich in 10 Jahren ändert, sondern was sich nicht ändert – und investiere genau dort.

In sich selbst investieren: die Kernidee

Soft Assets vs. Hard Assets

Karriere-Assets sind Vermögenswerte für deine Laufbahn – Dinge, die du gegen bessere berufliche Optionen „eintauschen“ kannst. Es gibt zwei Arten. Soft Assets sind weich und nicht direkt gegen Geld tauschbar: dein Wissen, dein Netzwerk und deine Kontakte, das Vertrauen, das du aufgebaut hast, deine Skills, deine Reputation und Positionierung. Hard Assets sind greifbar: dein Geld und deine Ersparnisse, Aktien und Vermögenswerte – aber auch Equipment (Laptop, Homeoffice-Setup, Auto), sofern du es für deine Karriere nutzt. Mach zwei Übungen: einen Rückblick (welche Assets hast du bis heute aufgebaut?) und einen Ausblick (welche willst du künftig aufbauen?).

Mein All-in auf Soft Assets

2018 stand ich an einem Scheideweg: Stagnation im Mittelstand, eine gläserne Decke, kaum Entwicklungsmöglichkeiten. Statt in den Jammermodus zu verfallen, habe ich Eigenverantwortung übernommen. Meine Soft Assets damals: Ingenieurs- und Lean-/QM-Hintergrund, Führung und Organisationsentwicklung, erste Coaching-Erfahrung. Meine Hard Assets: rund 60.000–70.000 € Rücklagen. Meine Entscheidung: all-in auf die Soft Assets – ich war bereit, Hard Assets zu investieren, um Soft Assets aufzubauen, statt das Gehalt oder mein Aktienportfolio zu optimieren. Seitdem sind (in wenigen Jahren, nicht Jahrzehnten) viele dazugekommen: Mentoring- und Unternehmer-Skills, proaktives Arbeiten, ein Netzwerk ambitionierter Ingenieure, digitale/No-Code-Tools und Creator-Fähigkeiten (LinkedIn, Podcast, Newsletter, Schreiben). Genau das ist eine Investition, die sich lohnt.

Die 4 Kriterien für den Aufbau von Soft Assets

  1. Die richtige Kombination – selten und wertvoll. „Wertvoll“ heißt: Menschen und Firmen sind bereit, dafür zu zahlen. Oft macht erst die Summe mehrerer Assets die Kombination selten und wertvoll.
  2. Zeit zum Lernen statt zum Geldverdienen. Die meisten investieren in Aktien oder Konsum, aber kaum in sich selbst. Gedankenübung: Müsstest du ab heute 500 € pro Monat in deine Entwicklung investieren, gehörst du in drei Jahren zu den wertvollsten Personen deiner Branche. Kernfrage: Mit welchem Karriereweg wachsen meine Soft Assets am schnellsten?
  3. Stärken stärken und Neuland entdecken – statt an Schwächen zu arbeiten. In der Schule ging es darum, die Fünf wegzubekommen; im Berufsleben zählt das kaum. Wertvoll ist „von 0 auf 1“ (neue Felder, deine mentale Landkarte erweitern – Peter Thiels Zero to One) und „von 8 auf 10“ (Stärken ausbauen). Nicht: einen Level-2-Skill mühsam auf Level 4 bringen.
  4. Zeitlose Assets aufbauen. Jeff Bezos sagt: Frag nicht, was sich in 10 Jahren ändert, sondern was sich nicht ändert – und investiere dort. Tool-Ebene-Skills veralten schnell (wie der „Pinsetter“, der früher Bowling-Kegel aufstellte – heute automatisiert).

Wie sich der so aufgebaute Wert später auch im Einkommen zeigt, ohne dass du danach fragen musst, hörst du in Gehalt verdoppeln. Und wie dein Netzwerk-Asset dir Chancen ganz ohne Bewerbung bringt, zeigt Jobs ohne Bewerbung.

Häufige Fragen zu Karriere-Assets

Was sind Karriere-Assets? Vermögenswerte für deine Laufbahn, die du gegen bessere berufliche Optionen eintauschen kannst. Man unterscheidet Soft Assets (Wissen, Netzwerk, Vertrauen, Skills, Reputation) und Hard Assets (Geld, Aktien, nutzbares Equipment). Der größte Hebel liegt meist in den unterschätzten Soft Assets.

Sollte ich mich auf Gehalt oder auf Lernen konzentrieren? Gerade in den ersten Berufsjahren auf das Lernen. Das Gehalt ist nicht unwichtig, wird aber radikal überschätzt, während der Aufbau wertvoller Soft Assets radikal unterschätzt wird. Frag dich: Mit welchem Weg wachsen meine Soft Assets am schnellsten?

Wie investiere ich klug in mich selbst? Über die vier Kriterien: eine seltene und wertvolle Kombination von Fähigkeiten aufbauen, bewusst Zeit (und Geld) ins Lernen stecken, deine Stärken ausbauen und neue Felder erschließen statt an Schwächen zu feilen – und auf zeitlose Assets setzen, die auch in 10 Jahren noch gefragt sind.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Cal Newport – So Good They Can’t Ignore You: wertvolle Fähigkeiten statt „folge deiner Leidenschaft“.
  • John Strelecky – The Big Five for Life: für die Arbeit an Werten und Vision.
  • Peter Thiel – Zero to One: der Wert, von 0 auf 1 zu kommen.
  • Jeff Bezos: „Frag, was sich nicht ändert“ – in zeitlose Assets investieren.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Karriere.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge 125: Karriere-Assets – so investierst du smart in deine Karriere. Du hast garantiert schon gehört: „Folge deiner Leidenschaft, deinen Träumen und Visionen.“ Solche Sätze sind sehr romantisch – aber ich glaube nicht so recht daran, vielleicht meinem Ingenieurs-Background geschuldet. Sich seiner Werte und Ziele bewusst zu werden, ist wichtig; wenn du etwa The Big Five for Life gelesen hast, ist so ein Deep Dive sehr wertvoll. Aber meist bringt das keine messerscharfen Antworten, sondern mehr Fragen – es ist nicht der beste Ansatz für die konkrete Frage nach deinen nächsten beruflichen Schritten. Ein viel besserer Ansatz kommt von Cal Newport mit seinem Buch So Good They Can’t Ignore You: Sei so gut, dass man dich nicht ignorieren kann. Darüber spreche ich heute – über einen Investment-Ansatz für deine Karriere.

Assets sind Vermögenswerte – etwas, in das du investierst und das dir niemand mehr nehmen kann; im beruflichen Kontext etwas, das du gegen bessere berufliche Optionen eintauschen kannst. Es gibt zwei Arten. Soft Assets sind die weichen Dinge, die du nicht direkt gegen Geld eintauschen kannst: dein Wissen und deine Informationen, dein Netzwerk und deine Kontakte, das Vertrauen zu Personen, deine Skills und Fertigkeiten, deine Reputation und dein Personal Branding. Demgegenüber stehen Hard Assets: ganz einfach das Geld auf deinem Konto, deine Ersparnisse, Aktien und Vermögenswerte – aber auch dein Laptop, dein Schreibtisch oder dein Auto, sofern du sie für deine Karriere nutzt und es nicht reine Konsumgüter sind.

Jetzt zwei Fragen. Erstens der Rückblick: Was sind deine bisherigen Karriere-Assets, was hast du bis heute aufgebaut? Zweitens der Ausblick: Welche Assets willst du künftig aufbauen? Dazu meine eigene Geschichte: 2018 stand ich an einem Scheideweg. Ich hatte schnell viele Erfahrungen gesammelt, doch dann kam eine abflachende Kurve, Stagnation. Im mittelständischen Unternehmen stößt man schnell an eine gläserne Decke – der Geschäftsführer hatte keine Ambitionen abzutreten, es gab keine greifbaren Möglichkeiten. Ich bin nicht in den Jammermodus verfallen, sondern habe Eigenverantwortung übernommen: „Ich muss 2018 etwas verändern.“

Bei der Frage, was ich als Nächstes mache, spielten meine bisherigen Assets eine große Rolle. Meine Soft Assets: mein Ingenieurs-Background, die ganze Welt aus Produktions- und Prozessoptimierung, Lean Management und Qualitätsmanagement, dazu Führung, Management und Organisationsentwicklung sowie erste Coaching-Erfahrung. Meine Hard Assets: Ich hatte in den ersten Berufsjahren viel investiert und zurückgelegt und hatte etwa 60.000 bis 70.000 € Rücklagen – also eine gewisse finanzielle Reichweite und Freiheitsgrade. Meine Entscheidung war klar: all-in auf die Soft Assets. Ich habe nicht überlegt, wie ich meine Hard Assets vergrößere (mehr Gehalt, größeres Portfolio), sondern war bereit, meine Hard Assets zu investieren, um Soft Assets aufzubauen. Dazu kamen meine persönlichen Ziele, der Ehrgeiz, ins kalte Wasser zu springen, und eine günstige Marktsituation.

Unabhängig davon, ob du gerade den nächsten Schritt gehen willst: Reflektiere ruhig einmal auf einem Blatt mit zwei Spalten, was deine bisherigen Soft und Hard Assets sind. Bei mir war 2018 ernüchternd: Ich war nicht einmal auf LinkedIn, mein Netzwerk beschränkte sich auf Arbeitskollegen und Kommilitonen.

Jetzt der Ausblick: Welche Assets willst du aufbauen? Ich bin ein klarer Verfechter davon, sich – gerade früh in der Laufbahn – auf die Soft Assets zu fokussieren. Und „früh“ kann die ersten 10, 15, vielleicht 20 Jahre bedeuten. Aus tausenden Gesprächen mit ambitionierten Ingenieuren weiß ich: Soft Assets werden massiv unterschätzt, weil man sie nicht greifen, nicht messen, nicht direkt gegen Geld tauschen kann – und ein viel zu großer Fokus liegt am Anfang auf dem Gehalt. Aus meiner Sicht sollte das Gehalt in den ersten zehn Jahren fast irrelevant sein. Es ist nicht unwichtig, aber dieser Faktor wird radikal überschätzt und der Fokus auf Soft Assets radikal unterschätzt.

Dazu vier Kriterien für den Aufbau von Soft Assets. Erstens: die richtige Kombination – sie sollte selten und wertvoll sein. Wertvoll heißt, dass Menschen und Firmen bereit sind, dafür zu zahlen, und oft macht erst die Summe mehrerer Assets die Kombination selten. Bei mir kamen seit 2018 dazu: tiefe Mentoring- und Coaching-Skills, Unternehmer-Skills (wie starte ich ein Unternehmen – praktisch, nicht nur theoretisch), proaktives Arbeiten und Produktivität, ein großes Netzwerk ambitionierter Ingenieure, digitale Tools und die No-Code-Welt (Mentorwerk ist „Remote First“) sowie Creator-Skills: LinkedIn nutzen, einen Podcast starten, einen Newsletter schreiben – das verbessert auch Kommunikation und Schreiben. Die Summe dieser Assets ist enorm wertvoll, und das in wenigen Jahren.

Zweitens: die Frage, ob jetzt die Zeit zum Geldverdienen oder zum Lernen ist. Für viele endet das Lernen mit dem Studium, der Fokus liegt aufs Geldverdienen; beim Jobvergleich zählt das Gehalt mehr als die Lernmöglichkeiten. Viele investieren an der Börse oder konsumieren – ein teures Auto, Urlaub für 2.000 bis 3.000 € –, aber kaum in sich selbst. Eine Gedankenübung: Müsstest du ab heute jeden Monat 500 € in dich selbst investieren, gehörst du in drei Jahren zu den wertvollsten Personen deines Unternehmens, gemessen am Altersdurchschnitt sogar der Branche. Die Kernfrage: Mit welchem Karriereweg wachsen meine Soft Assets am schnellsten?

Drittens: Schwächen ausmerzen oder Stärken stärken? In der Schule ging es darum, die Fünf wegzubekommen; im Berufsleben spielen Schwächen eine viel geringere Rolle (Basiskompetenzen ausgenommen). Es gibt zwei wertvolle Pole: „von 0 auf 1“ – neue Felder entdecken und deine mentale Landkarte erweitern (Peter Thiels Zero to One) – und „von 8 auf 10“, also Stärken ausbauen. Was du nicht tun solltest: einen Skill von Level 2 mühsam auf Level 4 bringen.

Viertens: zeitlose Assets aufbauen. Jeff Bezos wird oft gefragt, was sich in den nächsten zehn Jahren ändert – er sagt, die bessere Frage sei, was sich nicht ändert, und genau dort solltest du investieren. Nichts ist fataler, als viel Zeit in Skills zu stecken (gerade auf Tool-Ebene), die in fünf oder zehn Jahren hinfällig sind. Ein Beispiel ist der „Pinsetter“: Früher stellten junge Männer auf Bowlingbahnen die Kegel wieder auf – heute alles automatisiert, die Fähigkeit völlig irrelevant.

Zusammengefasst: Alles geht zurück auf Cal Newport – „be so good they can’t ignore you“. Dafür brauchst du wertvolle, seltene Assets. Mach den Rückblick (Soft und Hard Assets gegenüberstellen) und den Ausblick, lege deutlich mehr Gewicht auf die unterschätzten Soft Assets und beachte die vier Kriterien: die richtige Kombination, Zeit zum Lernen, Stärken stärken plus Neuland, und zeitlose Assets. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

In sich selbst investieren: smart Karriere-Assets aufbauen

„Folge deiner Leidenschaft.“ Solche Sätze klingen romantisch – aber als Kompass für deine konkreten nächsten Karriereschritte taugen sie wenig. Werte und Vision zu ergründen ist wertvoll, bringt aber meist mehr Fragen als Antworten.

Ein viel greifbarerer Ansatz stammt von Cal Newport: „Be so good they can’t ignore you.“ In dieser Folge geht es um einen Investment-Ansatz für deine Karriere – wie du die richtigen Assets aufbaust und deine Zeit, Energie und dein Geld so investierst, dass sich dir langfristig spannende Chancen eröffnen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • „Folge deiner Leidenschaft“ ist romantisch, aber kein guter Kompass. Besser (Cal Newport): So good they can’t ignore you – baue wertvolle Fähigkeiten auf.
  • Denk an deine Karriere wie an ein Portfolio aus Assets: Soft Assets (Wissen, Netzwerk, Skills, Reputation) und Hard Assets (Geld, Aktien, Equipment).
  • Fokussiere früh auf Soft Assets – sie sind massiv unterschätzt; das Gehalt wird in den ersten ~10 Jahren überschätzt.
  • 4 Kriterien: 1) eine seltene und wertvolle Kombination, 2) Zeit zum Lernen statt Geldverdienen, 3) Stärken stärken + Neuland (statt an Schwächen), 4) zeitlose Assets.
  • Gedankenübung: 500 € pro Monat in dich selbst – in drei Jahren gehörst du zu den wertvollsten Personen deiner Branche.
  • Bezos-Prinzip: Frag nicht, was sich in 10 Jahren ändert, sondern was sich nicht ändert – und investiere genau dort.

In sich selbst investieren: die Kernidee

Soft Assets vs. Hard Assets

Karriere-Assets sind Vermögenswerte für deine Laufbahn – Dinge, die du gegen bessere berufliche Optionen „eintauschen“ kannst. Es gibt zwei Arten. Soft Assets sind weich und nicht direkt gegen Geld tauschbar: dein Wissen, dein Netzwerk und deine Kontakte, das Vertrauen, das du aufgebaut hast, deine Skills, deine Reputation und Positionierung. Hard Assets sind greifbar: dein Geld und deine Ersparnisse, Aktien und Vermögenswerte – aber auch Equipment (Laptop, Homeoffice-Setup, Auto), sofern du es für deine Karriere nutzt. Mach zwei Übungen: einen Rückblick (welche Assets hast du bis heute aufgebaut?) und einen Ausblick (welche willst du künftig aufbauen?).

Mein All-in auf Soft Assets

2018 stand ich an einem Scheideweg: Stagnation im Mittelstand, eine gläserne Decke, kaum Entwicklungsmöglichkeiten. Statt in den Jammermodus zu verfallen, habe ich Eigenverantwortung übernommen. Meine Soft Assets damals: Ingenieurs- und Lean-/QM-Hintergrund, Führung und Organisationsentwicklung, erste Coaching-Erfahrung. Meine Hard Assets: rund 60.000–70.000 € Rücklagen. Meine Entscheidung: all-in auf die Soft Assets – ich war bereit, Hard Assets zu investieren, um Soft Assets aufzubauen, statt das Gehalt oder mein Aktienportfolio zu optimieren. Seitdem sind (in wenigen Jahren, nicht Jahrzehnten) viele dazugekommen: Mentoring- und Unternehmer-Skills, proaktives Arbeiten, ein Netzwerk ambitionierter Ingenieure, digitale/No-Code-Tools und Creator-Fähigkeiten (LinkedIn, Podcast, Newsletter, Schreiben). Genau das ist eine Investition, die sich lohnt.

Die 4 Kriterien für den Aufbau von Soft Assets

  1. Die richtige Kombination – selten und wertvoll. „Wertvoll“ heißt: Menschen und Firmen sind bereit, dafür zu zahlen. Oft macht erst die Summe mehrerer Assets die Kombination selten und wertvoll.
  2. Zeit zum Lernen statt zum Geldverdienen. Die meisten investieren in Aktien oder Konsum, aber kaum in sich selbst. Gedankenübung: Müsstest du ab heute 500 € pro Monat in deine Entwicklung investieren, gehörst du in drei Jahren zu den wertvollsten Personen deiner Branche. Kernfrage: Mit welchem Karriereweg wachsen meine Soft Assets am schnellsten?
  3. Stärken stärken und Neuland entdecken – statt an Schwächen zu arbeiten. In der Schule ging es darum, die Fünf wegzubekommen; im Berufsleben zählt das kaum. Wertvoll ist „von 0 auf 1“ (neue Felder, deine mentale Landkarte erweitern – Peter Thiels Zero to One) und „von 8 auf 10“ (Stärken ausbauen). Nicht: einen Level-2-Skill mühsam auf Level 4 bringen.
  4. Zeitlose Assets aufbauen. Jeff Bezos sagt: Frag nicht, was sich in 10 Jahren ändert, sondern was sich nicht ändert – und investiere dort. Tool-Ebene-Skills veralten schnell (wie der „Pinsetter“, der früher Bowling-Kegel aufstellte – heute automatisiert).

Wie sich der so aufgebaute Wert später auch im Einkommen zeigt, ohne dass du danach fragen musst, hörst du in Gehalt verdoppeln. Und wie dein Netzwerk-Asset dir Chancen ganz ohne Bewerbung bringt, zeigt Jobs ohne Bewerbung.

Häufige Fragen zu Karriere-Assets

Was sind Karriere-Assets? Vermögenswerte für deine Laufbahn, die du gegen bessere berufliche Optionen eintauschen kannst. Man unterscheidet Soft Assets (Wissen, Netzwerk, Vertrauen, Skills, Reputation) und Hard Assets (Geld, Aktien, nutzbares Equipment). Der größte Hebel liegt meist in den unterschätzten Soft Assets.

Sollte ich mich auf Gehalt oder auf Lernen konzentrieren? Gerade in den ersten Berufsjahren auf das Lernen. Das Gehalt ist nicht unwichtig, wird aber radikal überschätzt, während der Aufbau wertvoller Soft Assets radikal unterschätzt wird. Frag dich: Mit welchem Weg wachsen meine Soft Assets am schnellsten?

Wie investiere ich klug in mich selbst? Über die vier Kriterien: eine seltene und wertvolle Kombination von Fähigkeiten aufbauen, bewusst Zeit (und Geld) ins Lernen stecken, deine Stärken ausbauen und neue Felder erschließen statt an Schwächen zu feilen – und auf zeitlose Assets setzen, die auch in 10 Jahren noch gefragt sind.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Cal Newport – So Good They Can’t Ignore You: wertvolle Fähigkeiten statt „folge deiner Leidenschaft“.
  • John Strelecky – The Big Five for Life: für die Arbeit an Werten und Vision.
  • Peter Thiel – Zero to One: der Wert, von 0 auf 1 zu kommen.
  • Jeff Bezos: „Frag, was sich nicht ändert“ – in zeitlose Assets investieren.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Karriere.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge 125: Karriere-Assets – so investierst du smart in deine Karriere. Du hast garantiert schon gehört: „Folge deiner Leidenschaft, deinen Träumen und Visionen.“ Solche Sätze sind sehr romantisch – aber ich glaube nicht so recht daran, vielleicht meinem Ingenieurs-Background geschuldet. Sich seiner Werte und Ziele bewusst zu werden, ist wichtig; wenn du etwa The Big Five for Life gelesen hast, ist so ein Deep Dive sehr wertvoll. Aber meist bringt das keine messerscharfen Antworten, sondern mehr Fragen – es ist nicht der beste Ansatz für die konkrete Frage nach deinen nächsten beruflichen Schritten. Ein viel besserer Ansatz kommt von Cal Newport mit seinem Buch So Good They Can’t Ignore You: Sei so gut, dass man dich nicht ignorieren kann. Darüber spreche ich heute – über einen Investment-Ansatz für deine Karriere.

Assets sind Vermögenswerte – etwas, in das du investierst und das dir niemand mehr nehmen kann; im beruflichen Kontext etwas, das du gegen bessere berufliche Optionen eintauschen kannst. Es gibt zwei Arten. Soft Assets sind die weichen Dinge, die du nicht direkt gegen Geld eintauschen kannst: dein Wissen und deine Informationen, dein Netzwerk und deine Kontakte, das Vertrauen zu Personen, deine Skills und Fertigkeiten, deine Reputation und dein Personal Branding. Demgegenüber stehen Hard Assets: ganz einfach das Geld auf deinem Konto, deine Ersparnisse, Aktien und Vermögenswerte – aber auch dein Laptop, dein Schreibtisch oder dein Auto, sofern du sie für deine Karriere nutzt und es nicht reine Konsumgüter sind.

Jetzt zwei Fragen. Erstens der Rückblick: Was sind deine bisherigen Karriere-Assets, was hast du bis heute aufgebaut? Zweitens der Ausblick: Welche Assets willst du künftig aufbauen? Dazu meine eigene Geschichte: 2018 stand ich an einem Scheideweg. Ich hatte schnell viele Erfahrungen gesammelt, doch dann kam eine abflachende Kurve, Stagnation. Im mittelständischen Unternehmen stößt man schnell an eine gläserne Decke – der Geschäftsführer hatte keine Ambitionen abzutreten, es gab keine greifbaren Möglichkeiten. Ich bin nicht in den Jammermodus verfallen, sondern habe Eigenverantwortung übernommen: „Ich muss 2018 etwas verändern.“

Bei der Frage, was ich als Nächstes mache, spielten meine bisherigen Assets eine große Rolle. Meine Soft Assets: mein Ingenieurs-Background, die ganze Welt aus Produktions- und Prozessoptimierung, Lean Management und Qualitätsmanagement, dazu Führung, Management und Organisationsentwicklung sowie erste Coaching-Erfahrung. Meine Hard Assets: Ich hatte in den ersten Berufsjahren viel investiert und zurückgelegt und hatte etwa 60.000 bis 70.000 € Rücklagen – also eine gewisse finanzielle Reichweite und Freiheitsgrade. Meine Entscheidung war klar: all-in auf die Soft Assets. Ich habe nicht überlegt, wie ich meine Hard Assets vergrößere (mehr Gehalt, größeres Portfolio), sondern war bereit, meine Hard Assets zu investieren, um Soft Assets aufzubauen. Dazu kamen meine persönlichen Ziele, der Ehrgeiz, ins kalte Wasser zu springen, und eine günstige Marktsituation.

Unabhängig davon, ob du gerade den nächsten Schritt gehen willst: Reflektiere ruhig einmal auf einem Blatt mit zwei Spalten, was deine bisherigen Soft und Hard Assets sind. Bei mir war 2018 ernüchternd: Ich war nicht einmal auf LinkedIn, mein Netzwerk beschränkte sich auf Arbeitskollegen und Kommilitonen.

Jetzt der Ausblick: Welche Assets willst du aufbauen? Ich bin ein klarer Verfechter davon, sich – gerade früh in der Laufbahn – auf die Soft Assets zu fokussieren. Und „früh“ kann die ersten 10, 15, vielleicht 20 Jahre bedeuten. Aus tausenden Gesprächen mit ambitionierten Ingenieuren weiß ich: Soft Assets werden massiv unterschätzt, weil man sie nicht greifen, nicht messen, nicht direkt gegen Geld tauschen kann – und ein viel zu großer Fokus liegt am Anfang auf dem Gehalt. Aus meiner Sicht sollte das Gehalt in den ersten zehn Jahren fast irrelevant sein. Es ist nicht unwichtig, aber dieser Faktor wird radikal überschätzt und der Fokus auf Soft Assets radikal unterschätzt.

Dazu vier Kriterien für den Aufbau von Soft Assets. Erstens: die richtige Kombination – sie sollte selten und wertvoll sein. Wertvoll heißt, dass Menschen und Firmen bereit sind, dafür zu zahlen, und oft macht erst die Summe mehrerer Assets die Kombination selten. Bei mir kamen seit 2018 dazu: tiefe Mentoring- und Coaching-Skills, Unternehmer-Skills (wie starte ich ein Unternehmen – praktisch, nicht nur theoretisch), proaktives Arbeiten und Produktivität, ein großes Netzwerk ambitionierter Ingenieure, digitale Tools und die No-Code-Welt (Mentorwerk ist „Remote First“) sowie Creator-Skills: LinkedIn nutzen, einen Podcast starten, einen Newsletter schreiben – das verbessert auch Kommunikation und Schreiben. Die Summe dieser Assets ist enorm wertvoll, und das in wenigen Jahren.

Zweitens: die Frage, ob jetzt die Zeit zum Geldverdienen oder zum Lernen ist. Für viele endet das Lernen mit dem Studium, der Fokus liegt aufs Geldverdienen; beim Jobvergleich zählt das Gehalt mehr als die Lernmöglichkeiten. Viele investieren an der Börse oder konsumieren – ein teures Auto, Urlaub für 2.000 bis 3.000 € –, aber kaum in sich selbst. Eine Gedankenübung: Müsstest du ab heute jeden Monat 500 € in dich selbst investieren, gehörst du in drei Jahren zu den wertvollsten Personen deines Unternehmens, gemessen am Altersdurchschnitt sogar der Branche. Die Kernfrage: Mit welchem Karriereweg wachsen meine Soft Assets am schnellsten?

Drittens: Schwächen ausmerzen oder Stärken stärken? In der Schule ging es darum, die Fünf wegzubekommen; im Berufsleben spielen Schwächen eine viel geringere Rolle (Basiskompetenzen ausgenommen). Es gibt zwei wertvolle Pole: „von 0 auf 1“ – neue Felder entdecken und deine mentale Landkarte erweitern (Peter Thiels Zero to One) – und „von 8 auf 10“, also Stärken ausbauen. Was du nicht tun solltest: einen Skill von Level 2 mühsam auf Level 4 bringen.

Viertens: zeitlose Assets aufbauen. Jeff Bezos wird oft gefragt, was sich in den nächsten zehn Jahren ändert – er sagt, die bessere Frage sei, was sich nicht ändert, und genau dort solltest du investieren. Nichts ist fataler, als viel Zeit in Skills zu stecken (gerade auf Tool-Ebene), die in fünf oder zehn Jahren hinfällig sind. Ein Beispiel ist der „Pinsetter“: Früher stellten junge Männer auf Bowlingbahnen die Kegel wieder auf – heute alles automatisiert, die Fähigkeit völlig irrelevant.

Zusammengefasst: Alles geht zurück auf Cal Newport – „be so good they can’t ignore you“. Dafür brauchst du wertvolle, seltene Assets. Mach den Rückblick (Soft und Hard Assets gegenüberstellen) und den Ausblick, lege deutlich mehr Gewicht auf die unterschätzten Soft Assets und beachte die vier Kriterien: die richtige Kombination, Zeit zum Lernen, Stärken stärken plus Neuland, und zeitlose Assets. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Als Nächstes lesen