Wie du dein Netzwerk richtig nutzt: Die 3-Stationen-Methode

Die Wichtigkeit von Netzwerken muss ich kaum erläutern – und doch sagt Reid Hoffman, der Gründer von LinkedIn: Die meisten machen viel zu wenig mit ihrem Netzwerk. Das kann ich aus der Arbeit mit hunderten ambitionierten Ingenieuren bestätigen.

In dieser Folge zeige ich dir die 3-Stationen-Methode: Warum dein erweitertes Netzwerk riesig ist – und wie du es mit der „Kunst des Vorstellens“ gezielt nutzt, um spannende Menschen kennenzulernen und berufliche Chancen zu schaffen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Six Degrees of Separation: Laut Milgram-Experiment (1967) ist jeder Mensch im Schnitt über 6 Stationen mit jedem anderen verbunden.
  • Im Beruf zählen 3 Stationen, nicht 6: Bei drei Stationen kennt jede Person in der Kette mindestens dich oder die Zielperson – das schafft eine Vertrauenskette. Ab vier Stationen geht sie verloren.
  • Dein erweitertes Netzwerk ist riesig: Schon 40 Kontakte (× 35 × 45) ergeben rund 63.000 erreichbare Personen. „Your network is bigger than you think.“
  • Die Kunst des Vorstellens: Lass dich vorstellen, statt kalt anzuschreiben – das ist um ein Vielfaches wirksamer und nutzt fast niemand.
  • Win-Win-Win-Framing: Bitte deinen Kontakt um eine Vorstellung und zeig, wovon die Zielperson profitiert – nicht nur, was du willst.
  • Forwardable Email: Formuliere eine fertige, persönliche (recherchierte) E-Mail, die dein Kontakt mit einem kurzen eigenen Intro einfach weiterleiten kann.

Die 3-Stationen-Methode im Detail

Von 6 auf 3 Stationen

Das Milgram-Experiment (1967, Stanley Milgram) zeigte: Briefe von Nebraska zu einer Zielperson in Massachusetts brauchten im Schnitt sechs Stationen – daraus entstand die Six-Degrees-of-Separation-Theorie. Im beruflichen Kontext sind aber nicht sechs, sondern drei Stationen entscheidend. Der Grund: Bei drei Stationen kennt jede Person in der Kette mindestens die Ursprungs- oder die Zielperson. Beispiel: Du kennst Sandra, Sandra kennt Fabian, Fabian kennt Lisa (deine Zielperson). Es entsteht eine Vertrauenskette. Bei vier Stationen sitzt in der Mitte jemand, der weder dich noch die Zielperson kennt – und hat kein Interesse, zwei Fremde zu verbinden.

Dein erweitertes Netzwerk ist größer als gedacht

Ein Rechenbeispiel: 40 Kontakte, die jeweils 35 Kontakte haben, die wiederum 45 haben – das sind rund 63.000 Personen, die du über die 3-Stationen-Methode erreichen kannst. Mit 100, 200 oder 500 Kontakten geht das in die Millionen. Auf LinkedIn siehst du Kontakte zweiten und dritten Grades sofort – und damit auch, wer dazwischensteht. Darin schlummern enorme berufliche Möglichkeiten und genau die Schlüsselpersonen, die deine Laufbahn hebeln können (Stichwort „Who Luck“).

Die Kunst des Vorstellens

Der beste Weg, dein Netzwerk zu nutzen – und den fast niemand geht: Lass dich von einem Kontakt bei der Zielperson vorstellen, statt kalt anzuschreiben. Zwei Dinge sind entscheidend:

  1. Frage richtig und denke Win-Win-Win. Bitte deinen Kontakt (Sandra) um die Vorstellung – und begründe sie so, dass auch die Zielperson (Lisa) profitiert (z. B. „mein Unternehmen sucht Partnerfirmen wie ihre“). So bist du nicht nur Nehmer, sondern Geber – das ist „Social Currency“ auch für Sandra.
  2. Liefere eine forwardable Email. Formuliere eine fertige, persönliche Nachricht, die Sandra einfach an Lisa weiterleiten kann – mit einem recherchierten, persönlichen Detail („Lisa hat kürzlich einen interessanten Artikel zu … geschrieben“). Sandra ergänzt nur ein kurzes Intro („Tim ist ein langjähriger Freund, der dich gerne kennenlernen würde – ich kann nur Gutes über ihn sagen“) und leitet weiter.

Das ist auch in der Jobsuche ein Game-Changer: Per Reverse Engineering (spannende Branche → Unternehmen → Schlüsselperson → Pfad dorthin) machst du den klassischen Bewerbungsprozess oft überflüssig. Reid Hoffman empfiehlt, mindestens einmal im Monat genau diese Methode zu nutzen. LinkedIn ist dabei der größte Hebel.

Wie du gezielt Glück und die richtigen Menschen provozierst, hörst du in Glück provozieren. Wie du LinkedIn als Werkzeug dafür aufsetzt, zeigt LinkedIn-Profil optimieren. Und wie du im Job überhaupt sichtbar wirst, vertieft Sichtbarkeit im Job. Wie du ein starkes Netzwerk von Grund auf aufbaust, liest du im Artikel Wie du dir ein starkes Netzwerk aufbaust.

Häufige Fragen zum Netzwerk nutzen

Was ist die 3-Stationen-Methode? Eine Methode, um dein erweitertes Netzwerk zu nutzen: Du erreichst eine Zielperson über maximal drei Stationen, bei denen jede Person in der Kette mindestens dich oder die Zielperson kennt. So bleibt eine Vertrauenskette erhalten – anders als bei den sprichwörtlichen sechs Stationen.

Warum 3 statt 6 Stationen? Bei drei Stationen kennt jede Zwischenperson mindestens eine der beiden Seiten und hat ein Interesse an der Vorstellung. Ab vier Stationen sitzt in der Mitte jemand, der weder dich noch die Zielperson kennt – die Vorstellung klappt dann selten.

Wie lasse ich mich richtig vorstellen? Bitte deinen direkten Kontakt um die Vorstellung, zeig dabei, wovon die Zielperson profitiert (Win-Win), und liefere eine fertige, persönliche E-Mail, die dein Kontakt mit einem kurzen Intro einfach weiterleiten kann.

Wie groß ist mein erweitertes Netzwerk wirklich? Sehr groß: Schon 40 Kontakte mit je 35 und 45 weiteren Kontakten ergeben rund 63.000 erreichbare Personen. Mit größerem Netzwerk geht das schnell in die Millionen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Milgram-Experiment (1967): die Studie hinter der Six-Degrees-of-Separation-Theorie.
  • Reid Hoffman (Gründer von LinkedIn): „Die meisten machen zu wenig mit ihrem Netzwerk“ – und der Rat, mindestens einmal im Monat eine gezielte Vorstellung zu nutzen.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Kommunikation.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Kommunikation als Ingenieur und Karriere als Ingenieur.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge Nummer 129: Wie du dein Netzwerk richtig nutzt – die 3-Stationen-Methode. Ich habe in diesem Podcast schon einige Male über die Wichtigkeit von Netzwerken gesprochen. Wenn ich mir an die eigene Nase fasse: In den ersten Jahren meines Berufslebens war ich darin nicht besonders gut aufgestellt. Reid Hoffman, der Gründer von LinkedIn, sagt immer wieder: Die meisten machen viel zu wenig mit ihrem Netzwerk, sie nutzen es gar nicht richtig. Das kann ich nach der Zusammenarbeit mit hunderten ambitionierten Ingenieuren bestätigen.

Starten wir mit der Six-Degrees-of-Separation-Theorie. Es gibt ein bekanntes Experiment aus dem Jahr 1967 vom US-amerikanischen Psychologen Stanley Milgram (damals an Harvard). Das Experiment war simpel: Er übergab einigen hundert Personen in Nebraska einen Brief mit dem Auftrag, ihn an eine bestimmte Person – einen Börsenmakler in Massachusetts – weiterzuleiten. Im Schnitt brauchte es sechs Stationen, bis die Briefe ankamen. Daraus entstand die Theorie, dass jeder Mensch mit jedem anderen im Durchschnitt über sechs Stationen verbunden ist – auch im Zeitalter von Social Media.

Dieses Phänomen ist wichtig, wenn es darum geht, das eigene Netzwerk zu nutzen – und da kommt die 3-Stationen-Methode ins Spiel. Die leitende Frage: Wer sind interessante Personen in deinem erweiterten Netzwerk, die deine Laufbahn besonders hebeln können – durch Wissen, Kontakte oder Zugang zu Unternehmen? Im beruflichen Kontext sind nicht sechs, sondern drei Stationen entscheidend. Warum drei statt sechs? Sechs Stationen sind sehr unpersönlich, und die Wahrscheinlichkeit, eine Zielperson zu erreichen, ist gering. Bei drei Stationen behältst du ein riesiges erweitertes Netzwerk und gleichzeitig die Persönlichkeit – denn jede Person in der Kette kennt mindestens die Ursprungs- oder die Zielperson.

Ein Beispiel: Du möchtest Lisa kennenlernen, eine Personalerin bei einem Unternehmen, dessen Technologie du spannend findest. Zwischen dir und Lisa steht Sandra (eine langjährige Bekannte von dir) und Fabian (ein Freund von Sandra, den du nicht kennst, der aber Lisa kennt). Du kennst Sandra, Sandra kennt Fabian, Fabian kennt Lisa – drei Stationen. Sandra und Fabian kennen jeweils mindestens eine Seite, es gibt also eine Vertrauenskette. Käme eine vierte Station hinzu, gäbe es eine Person in der Mitte, die weder dich noch die Zielperson kennt – die hat kein Interesse daran, zwei Fremde zu verbinden. Auf LinkedIn kannst du Kontakte zweiten und dritten Grades und die Personen dazwischen direkt sehen.

Ein Rechenbeispiel, warum das so wertvoll ist: Angenommen, du hast 40 Kontakte, jeder davon 35 weitere und jeder davon noch einmal 45 – das sind rund 63.000 Personen, die du über die 3-Stationen-Methode erreichen kannst. LinkedINs früher Slogan war „Your network is bigger than you think“. Mit 100, 200 oder 500 Kontakten geht das in die Millionen. Darin schlummern enorme berufliche Möglichkeiten. In einer Folge habe ich über „Who Luck“ gesprochen: Wer sind Personen in deinem (erweiterten) Netzwerk, die deine Laufbahn signifikant hebeln können? Genau die kannst du über die 3-Stationen-Methode provozieren.

Ein großer Baustein fehlt noch: die Kunst des Vorstellens. Der beste Weg, dein Netzwerk zu nutzen – und den die allerwenigsten gehen – besteht darin, dass dich ein Kontakt einer Zielperson vorstellt. Frag dich mal: Wie oft hast du dich schon vorstellen lassen? Bei den meisten ist die Antwort: nie. Dabei ist es ein mächtiges Werkzeug. Es kann unangenehm sein, einen alten Kommilitonen, mit dem du sechs Jahre nicht gesprochen hast, um einen Gefallen zu bitten – aber mit der richtigen Methode ist es simpel. Es ist viel wirksamer, als eine fremde Zielperson kalt anzuschreiben.

Wie gehst du vor? Zwei Punkte sind entscheidend. Erstens: Du gehst auf Sandra zu und bittest um eine Vorstellung – aber nicht irgendwie. Es reicht nicht zu sagen „Ich würde gern mit Lisa sprechen, weil sie in der Branche ist.“ Besser: „Ich würde gern mit Lisa sprechen, weil mein Unternehmen gerade nach Partnerfirmen wie ihrer sucht.“ So profitieren beide Seiten – du bist nicht nur Nehmer, sondern Geber. Das ist Social Currency auch für Sandra, denn sie ist mit Lisa befreundet und will, dass sich die Vorstellung für alle lohnt. Rede also nicht nur davon, was du willst, sondern auch davon, wie andere profitieren. Manchmal braucht das etwas Recherche.

Wenn Sandra zusagt, kommt der entscheidende Punkt: Formuliere eine persönliche, fertige E-Mail, die Sandra an Lisa weiterleiten kann. Zum Beispiel: „Hallo Sandra, danke, dass du mich Lisa von Firma XY vorstellst. Wie du weißt, bin ich Projektmanager bei XY und auf der Suche nach Experten zum Thema Smart Factory. Lisa hat vor Kurzem einen sehr interessanten Artikel dazu geschrieben …“ Solche recherchierten, persönlichen Sätze wirken. Sandra muss dann nur noch auf „Weiterleiten“ klicken und ein kurzes Intro hinzufügen: „Hallo Lisa, Tim ist ein langjähriger Freund, der dich gerne kennenlernen würde (siehe unten). Ich kann nur Gutes über ihn sagen – könnte spannend für dich sein, wenn nicht, auch kein Problem.“ In der Regel antwortet Lisa, dass sie sich gern austauscht – und du hast einen Fuß in der Tür, ganz ohne kalt anzuschreiben.

Das ist auch in der Bewerbungsphase ein Game-Changer: Per Reverse Engineering überlegst du, welche Branchen und Unternehmen spannend sind, wer die Schlüsselpersonen dort sind (Führungskräfte, Personaler) und wie der Pfad zu ihnen aussieht – und lässt dich entsprechend vorstellen. Der klassische Bewerbungsprozess wird damit oft überflüssig. Reid Hoffman empfiehlt, mindestens einmal pro Monat genau diese 3-Stationen-Methode mit einer persönlichen Vorstellung zu nutzen. LinkedIn ist dafür eine riesige Erleichterung.

Zusammengefasst: Die Six-Degrees-Theorie besagt, dass jeder über sechs Stationen mit jedem verbunden ist. Im Beruf ist es sinnvoller, auf drei Stationen zu reduzieren, weil so jede Person in der Kette mindestens eine Seite kennt – die Vertrauenskette bleibt erhalten. So greifst du auf ein enorm großes erweitertes Netzwerk zu. Der Schlüsselbaustein ist die Kunst des Vorstellens: Lass dich vorstellen, statt kalt anzuschreiben. Bitte zuerst deinen direkten Kontakt (unverbindlich), formuliere dann eine weiterleitbare persönliche E-Mail und lass deinen Kontakt ein kurzes Intro ergänzen. Wenn du tiefer ins Networking einsteigen willst, hör in die Folgen 50 und 69 rein.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Wie du dein Netzwerk richtig nutzt: Die 3-Stationen-Methode

Die Wichtigkeit von Netzwerken muss ich kaum erläutern – und doch sagt Reid Hoffman, der Gründer von LinkedIn: Die meisten machen viel zu wenig mit ihrem Netzwerk. Das kann ich aus der Arbeit mit hunderten ambitionierten Ingenieuren bestätigen.

In dieser Folge zeige ich dir die 3-Stationen-Methode: Warum dein erweitertes Netzwerk riesig ist – und wie du es mit der „Kunst des Vorstellens“ gezielt nutzt, um spannende Menschen kennenzulernen und berufliche Chancen zu schaffen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Six Degrees of Separation: Laut Milgram-Experiment (1967) ist jeder Mensch im Schnitt über 6 Stationen mit jedem anderen verbunden.
  • Im Beruf zählen 3 Stationen, nicht 6: Bei drei Stationen kennt jede Person in der Kette mindestens dich oder die Zielperson – das schafft eine Vertrauenskette. Ab vier Stationen geht sie verloren.
  • Dein erweitertes Netzwerk ist riesig: Schon 40 Kontakte (× 35 × 45) ergeben rund 63.000 erreichbare Personen. „Your network is bigger than you think.“
  • Die Kunst des Vorstellens: Lass dich vorstellen, statt kalt anzuschreiben – das ist um ein Vielfaches wirksamer und nutzt fast niemand.
  • Win-Win-Win-Framing: Bitte deinen Kontakt um eine Vorstellung und zeig, wovon die Zielperson profitiert – nicht nur, was du willst.
  • Forwardable Email: Formuliere eine fertige, persönliche (recherchierte) E-Mail, die dein Kontakt mit einem kurzen eigenen Intro einfach weiterleiten kann.

Die 3-Stationen-Methode im Detail

Von 6 auf 3 Stationen

Das Milgram-Experiment (1967, Stanley Milgram) zeigte: Briefe von Nebraska zu einer Zielperson in Massachusetts brauchten im Schnitt sechs Stationen – daraus entstand die Six-Degrees-of-Separation-Theorie. Im beruflichen Kontext sind aber nicht sechs, sondern drei Stationen entscheidend. Der Grund: Bei drei Stationen kennt jede Person in der Kette mindestens die Ursprungs- oder die Zielperson. Beispiel: Du kennst Sandra, Sandra kennt Fabian, Fabian kennt Lisa (deine Zielperson). Es entsteht eine Vertrauenskette. Bei vier Stationen sitzt in der Mitte jemand, der weder dich noch die Zielperson kennt – und hat kein Interesse, zwei Fremde zu verbinden.

Dein erweitertes Netzwerk ist größer als gedacht

Ein Rechenbeispiel: 40 Kontakte, die jeweils 35 Kontakte haben, die wiederum 45 haben – das sind rund 63.000 Personen, die du über die 3-Stationen-Methode erreichen kannst. Mit 100, 200 oder 500 Kontakten geht das in die Millionen. Auf LinkedIn siehst du Kontakte zweiten und dritten Grades sofort – und damit auch, wer dazwischensteht. Darin schlummern enorme berufliche Möglichkeiten und genau die Schlüsselpersonen, die deine Laufbahn hebeln können (Stichwort „Who Luck“).

Die Kunst des Vorstellens

Der beste Weg, dein Netzwerk zu nutzen – und den fast niemand geht: Lass dich von einem Kontakt bei der Zielperson vorstellen, statt kalt anzuschreiben. Zwei Dinge sind entscheidend:

  1. Frage richtig und denke Win-Win-Win. Bitte deinen Kontakt (Sandra) um die Vorstellung – und begründe sie so, dass auch die Zielperson (Lisa) profitiert (z. B. „mein Unternehmen sucht Partnerfirmen wie ihre“). So bist du nicht nur Nehmer, sondern Geber – das ist „Social Currency“ auch für Sandra.
  2. Liefere eine forwardable Email. Formuliere eine fertige, persönliche Nachricht, die Sandra einfach an Lisa weiterleiten kann – mit einem recherchierten, persönlichen Detail („Lisa hat kürzlich einen interessanten Artikel zu … geschrieben“). Sandra ergänzt nur ein kurzes Intro („Tim ist ein langjähriger Freund, der dich gerne kennenlernen würde – ich kann nur Gutes über ihn sagen“) und leitet weiter.

Das ist auch in der Jobsuche ein Game-Changer: Per Reverse Engineering (spannende Branche → Unternehmen → Schlüsselperson → Pfad dorthin) machst du den klassischen Bewerbungsprozess oft überflüssig. Reid Hoffman empfiehlt, mindestens einmal im Monat genau diese Methode zu nutzen. LinkedIn ist dabei der größte Hebel.

Wie du gezielt Glück und die richtigen Menschen provozierst, hörst du in Glück provozieren. Wie du LinkedIn als Werkzeug dafür aufsetzt, zeigt LinkedIn-Profil optimieren. Und wie du im Job überhaupt sichtbar wirst, vertieft Sichtbarkeit im Job. Wie du ein starkes Netzwerk von Grund auf aufbaust, liest du im Artikel Wie du dir ein starkes Netzwerk aufbaust.

Häufige Fragen zum Netzwerk nutzen

Was ist die 3-Stationen-Methode? Eine Methode, um dein erweitertes Netzwerk zu nutzen: Du erreichst eine Zielperson über maximal drei Stationen, bei denen jede Person in der Kette mindestens dich oder die Zielperson kennt. So bleibt eine Vertrauenskette erhalten – anders als bei den sprichwörtlichen sechs Stationen.

Warum 3 statt 6 Stationen? Bei drei Stationen kennt jede Zwischenperson mindestens eine der beiden Seiten und hat ein Interesse an der Vorstellung. Ab vier Stationen sitzt in der Mitte jemand, der weder dich noch die Zielperson kennt – die Vorstellung klappt dann selten.

Wie lasse ich mich richtig vorstellen? Bitte deinen direkten Kontakt um die Vorstellung, zeig dabei, wovon die Zielperson profitiert (Win-Win), und liefere eine fertige, persönliche E-Mail, die dein Kontakt mit einem kurzen Intro einfach weiterleiten kann.

Wie groß ist mein erweitertes Netzwerk wirklich? Sehr groß: Schon 40 Kontakte mit je 35 und 45 weiteren Kontakten ergeben rund 63.000 erreichbare Personen. Mit größerem Netzwerk geht das schnell in die Millionen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Milgram-Experiment (1967): die Studie hinter der Six-Degrees-of-Separation-Theorie.
  • Reid Hoffman (Gründer von LinkedIn): „Die meisten machen zu wenig mit ihrem Netzwerk“ – und der Rat, mindestens einmal im Monat eine gezielte Vorstellung zu nutzen.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Kommunikation.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Kommunikation als Ingenieur und Karriere als Ingenieur.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge Nummer 129: Wie du dein Netzwerk richtig nutzt – die 3-Stationen-Methode. Ich habe in diesem Podcast schon einige Male über die Wichtigkeit von Netzwerken gesprochen. Wenn ich mir an die eigene Nase fasse: In den ersten Jahren meines Berufslebens war ich darin nicht besonders gut aufgestellt. Reid Hoffman, der Gründer von LinkedIn, sagt immer wieder: Die meisten machen viel zu wenig mit ihrem Netzwerk, sie nutzen es gar nicht richtig. Das kann ich nach der Zusammenarbeit mit hunderten ambitionierten Ingenieuren bestätigen.

Starten wir mit der Six-Degrees-of-Separation-Theorie. Es gibt ein bekanntes Experiment aus dem Jahr 1967 vom US-amerikanischen Psychologen Stanley Milgram (damals an Harvard). Das Experiment war simpel: Er übergab einigen hundert Personen in Nebraska einen Brief mit dem Auftrag, ihn an eine bestimmte Person – einen Börsenmakler in Massachusetts – weiterzuleiten. Im Schnitt brauchte es sechs Stationen, bis die Briefe ankamen. Daraus entstand die Theorie, dass jeder Mensch mit jedem anderen im Durchschnitt über sechs Stationen verbunden ist – auch im Zeitalter von Social Media.

Dieses Phänomen ist wichtig, wenn es darum geht, das eigene Netzwerk zu nutzen – und da kommt die 3-Stationen-Methode ins Spiel. Die leitende Frage: Wer sind interessante Personen in deinem erweiterten Netzwerk, die deine Laufbahn besonders hebeln können – durch Wissen, Kontakte oder Zugang zu Unternehmen? Im beruflichen Kontext sind nicht sechs, sondern drei Stationen entscheidend. Warum drei statt sechs? Sechs Stationen sind sehr unpersönlich, und die Wahrscheinlichkeit, eine Zielperson zu erreichen, ist gering. Bei drei Stationen behältst du ein riesiges erweitertes Netzwerk und gleichzeitig die Persönlichkeit – denn jede Person in der Kette kennt mindestens die Ursprungs- oder die Zielperson.

Ein Beispiel: Du möchtest Lisa kennenlernen, eine Personalerin bei einem Unternehmen, dessen Technologie du spannend findest. Zwischen dir und Lisa steht Sandra (eine langjährige Bekannte von dir) und Fabian (ein Freund von Sandra, den du nicht kennst, der aber Lisa kennt). Du kennst Sandra, Sandra kennt Fabian, Fabian kennt Lisa – drei Stationen. Sandra und Fabian kennen jeweils mindestens eine Seite, es gibt also eine Vertrauenskette. Käme eine vierte Station hinzu, gäbe es eine Person in der Mitte, die weder dich noch die Zielperson kennt – die hat kein Interesse daran, zwei Fremde zu verbinden. Auf LinkedIn kannst du Kontakte zweiten und dritten Grades und die Personen dazwischen direkt sehen.

Ein Rechenbeispiel, warum das so wertvoll ist: Angenommen, du hast 40 Kontakte, jeder davon 35 weitere und jeder davon noch einmal 45 – das sind rund 63.000 Personen, die du über die 3-Stationen-Methode erreichen kannst. LinkedINs früher Slogan war „Your network is bigger than you think“. Mit 100, 200 oder 500 Kontakten geht das in die Millionen. Darin schlummern enorme berufliche Möglichkeiten. In einer Folge habe ich über „Who Luck“ gesprochen: Wer sind Personen in deinem (erweiterten) Netzwerk, die deine Laufbahn signifikant hebeln können? Genau die kannst du über die 3-Stationen-Methode provozieren.

Ein großer Baustein fehlt noch: die Kunst des Vorstellens. Der beste Weg, dein Netzwerk zu nutzen – und den die allerwenigsten gehen – besteht darin, dass dich ein Kontakt einer Zielperson vorstellt. Frag dich mal: Wie oft hast du dich schon vorstellen lassen? Bei den meisten ist die Antwort: nie. Dabei ist es ein mächtiges Werkzeug. Es kann unangenehm sein, einen alten Kommilitonen, mit dem du sechs Jahre nicht gesprochen hast, um einen Gefallen zu bitten – aber mit der richtigen Methode ist es simpel. Es ist viel wirksamer, als eine fremde Zielperson kalt anzuschreiben.

Wie gehst du vor? Zwei Punkte sind entscheidend. Erstens: Du gehst auf Sandra zu und bittest um eine Vorstellung – aber nicht irgendwie. Es reicht nicht zu sagen „Ich würde gern mit Lisa sprechen, weil sie in der Branche ist.“ Besser: „Ich würde gern mit Lisa sprechen, weil mein Unternehmen gerade nach Partnerfirmen wie ihrer sucht.“ So profitieren beide Seiten – du bist nicht nur Nehmer, sondern Geber. Das ist Social Currency auch für Sandra, denn sie ist mit Lisa befreundet und will, dass sich die Vorstellung für alle lohnt. Rede also nicht nur davon, was du willst, sondern auch davon, wie andere profitieren. Manchmal braucht das etwas Recherche.

Wenn Sandra zusagt, kommt der entscheidende Punkt: Formuliere eine persönliche, fertige E-Mail, die Sandra an Lisa weiterleiten kann. Zum Beispiel: „Hallo Sandra, danke, dass du mich Lisa von Firma XY vorstellst. Wie du weißt, bin ich Projektmanager bei XY und auf der Suche nach Experten zum Thema Smart Factory. Lisa hat vor Kurzem einen sehr interessanten Artikel dazu geschrieben …“ Solche recherchierten, persönlichen Sätze wirken. Sandra muss dann nur noch auf „Weiterleiten“ klicken und ein kurzes Intro hinzufügen: „Hallo Lisa, Tim ist ein langjähriger Freund, der dich gerne kennenlernen würde (siehe unten). Ich kann nur Gutes über ihn sagen – könnte spannend für dich sein, wenn nicht, auch kein Problem.“ In der Regel antwortet Lisa, dass sie sich gern austauscht – und du hast einen Fuß in der Tür, ganz ohne kalt anzuschreiben.

Das ist auch in der Bewerbungsphase ein Game-Changer: Per Reverse Engineering überlegst du, welche Branchen und Unternehmen spannend sind, wer die Schlüsselpersonen dort sind (Führungskräfte, Personaler) und wie der Pfad zu ihnen aussieht – und lässt dich entsprechend vorstellen. Der klassische Bewerbungsprozess wird damit oft überflüssig. Reid Hoffman empfiehlt, mindestens einmal pro Monat genau diese 3-Stationen-Methode mit einer persönlichen Vorstellung zu nutzen. LinkedIn ist dafür eine riesige Erleichterung.

Zusammengefasst: Die Six-Degrees-Theorie besagt, dass jeder über sechs Stationen mit jedem verbunden ist. Im Beruf ist es sinnvoller, auf drei Stationen zu reduzieren, weil so jede Person in der Kette mindestens eine Seite kennt – die Vertrauenskette bleibt erhalten. So greifst du auf ein enorm großes erweitertes Netzwerk zu. Der Schlüsselbaustein ist die Kunst des Vorstellens: Lass dich vorstellen, statt kalt anzuschreiben. Bitte zuerst deinen direkten Kontakt (unverbindlich), formuliere dann eine weiterleitbare persönliche E-Mail und lass deinen Kontakt ein kurzes Intro ergänzen. Wenn du tiefer ins Networking einsteigen willst, hör in die Folgen 50 und 69 rein.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

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