Entlang deines Berufswegs triffst du unzählige Entscheidungen. Ein paar wenige davon verändern alles.
Diese Folge ist kurz, aber sie hat Gewicht. Sie erzählt zwei Entscheidungen aus dem Leben von Warren Buffett – und zeigt, wie du die Chancen erkennst, die andere übersehen.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- In den entscheidenden Momenten hast du fast immer mehr Optionen, als du im ersten Moment siehst.
- Der klassische Weg ist nicht die einzige Möglichkeit – oft ist er nur die offensichtlichste.
- Echte Chancen sind manchmal gar nicht ausgeschrieben: Du musst sie selbst kreieren.
- Eine Idee allein reicht nicht. Es braucht den Mut, sie auch in die Tat umzusetzen.
- In dich selbst zu investieren kann mehr wert sein als jeder formale Abschluss.
- Außergewöhnliche Karrieren entstehen oft aus einer einzigen, proaktiven Entscheidung.
Chancen erkennen im Detail
Warren Buffett hat einmal eine bemerkenswerte Geschichte über seinen besten Freund an der Columbia Business School erzählt. Beide machten um 1950 ihren Abschluss als Master of Science in Wirtschaftswissenschaften. Beide standen am gleichen Punkt: klug, fleißig, mit hervorragender Arbeitsmoral und großartigem Charakter. Die besten Voraussetzungen für einen spannenden Berufsweg.
Und doch verlief ihr Leben danach radikal unterschiedlich. Nicht nur ihr Berufsleben, sondern ihr ganzes Leben. Der Grund lag in einer einzigen, grundlegenden Entscheidung ganz zu Beginn ihrer Laufbahn.
Der klassische Weg. Buffetts Freund ging den naheliegenden Weg. Das könnte auch der klassische Ingenieurs-Weg sein, so wie ihn die meisten erleben. Er ging in die Stahlindustrie, arbeitete hart, legte sich ins Zeug und machte Karriere. Er wurde befördert und verdiente ein durchschnittliches, vielleicht sogar leicht überdurchschnittliches Einkommen. Ein solider Weg – nichts daran ist verkehrt.
Die selbst kreierte Chance. Buffett entschied sich gegen den klassischen Weg. Wichtig: Er machte sich nicht sofort selbstständig. Er sah eine Chance, und diese Chance hatte einen Namen – Benjamin Graham. Graham war damals Buffetts Professor, ein Vordenker des Investierens, der Vater der Fundamentalanalyse und für Buffett ein großes Vorbild. Buffett wollte unbedingt für ihn arbeiten und alles von ihm lernen.
Die Execution. Eine Idee ist nur der Anfang. Buffett ergriff die Initiative. Er drängte auf ein Treffen, flehte Graham an, ihn einzustellen. Es gab keine offene Stelle – diesen Weg gab es schlicht nicht. Buffett ging sogar so weit, anzubieten, kostenlos für Graham zu arbeiten. Es war eine bewusste Entscheidung gegen den normalen Weg. Buffett hatte auch überlegt, sich einfach einen Job an der Wall Street zu suchen. Sein Vater redete ihm das aus und bekräftigte ihn darin, anders zu denken. Heute wissen wir: Buffett hat aus dieser Phase bei Graham unglaublich viel mitgenommen.
In sich selbst investieren. Es gab eine zweite Entscheidung mit dem gleichen Muster. Buffett bezeichnet sie als die beste Investition seines Lebens – und sie hatte nichts mit Wertpapieren zu tun. Er besuchte einen Public-Speaking-Kurs von Dale Carnegie, dem Autor von „Wie man Freunde gewinnt“. Er war überzeugt, dass ihm diese Kompetenzen fehlten, die kein wissenschaftlicher Abschluss vermittelt. Sein Urteil später: Dieser Kurs sei der wichtigste Abschluss gewesen, den er je gemacht habe, und habe den größten Einfluss auf seinen späteren Erfolg gehabt.
Beide Entscheidungen waren nicht die logische Folge. Sie waren keine Chancen, die jemand für ihn ausgeschrieben hatte. Es waren Chancen, die Buffett selbst erkannte, selbst kreierte und proaktiv ergriff. Natürlich spielte auch Glück mit hinein. Aber das Fundament hat er selbst gelegt.
Frag dich also: Wo stehst du gerade? Im ersten Moment sieht man meist nur die klassischen Chancen – das, was alle um einen herum machen, den naheliegenden nächsten Schritt. Größer denken heißt, über den Tellerrand zu schauen und die blinden Flecken aufzudecken. Das kann bedeuten, dich auf ambitionierte Rollen zu bewerben, an deinen sozialen Fähigkeiten zu arbeiten oder Projekte und ganze Bereiche aus dem Nichts zu erschaffen. Werde kreativ. Und wenn es zunächst nur bedeutet, dir Gedanken zu machen, welche Wege du heute gar nicht auf dem Radar hast – das ist der erste Schritt.
Chancen zu erkennen ist eng verwandt damit, Glück bewusst zu provozieren und die Komfortzone zu verlassen. Beides braucht den nötigen Mut, ins Handeln zu kommen. Und wer die zweite und dritte Wirkung einer Entscheidung mitdenkt, übt sich im Second-Order Thinking. All das gehört zum großen Thema Entscheidungen.
Häufige Fragen zum Chancen erkennen
Was bedeutet es, eine Chance zu erkennen? Eine Chance zu erkennen bedeutet, über den naheliegenden nächsten Schritt hinauszuschauen und Möglichkeiten zu sehen, die nicht offensichtlich oder gar nicht ausgeschrieben sind. Oft musst du diese Chance erst selbst kreieren.
Warum reicht es nicht, eine Chance nur zu erkennen? Weil eine Idee nur der Anfang ist. Buffett erkannte die Chance, für Benjamin Graham zu arbeiten – entscheidend war aber, dass er sie umsetzte, indem er hartnäckig auf ein Treffen drängte und sogar anbot, kostenlos zu arbeiten.
Was war Warren Buffetts beste Investition? Buffett bezeichnet einen Public-Speaking-Kurs von Dale Carnegie als die beste Investition seines Lebens. Er sagte, dieser Kurs sei der wichtigste Abschluss gewesen, den er je gemacht habe – wichtiger als jeder wissenschaftliche Abschluss.
Wie finde ich Chancen, die nicht offensichtlich sind? Indem du bewusst größer denkst und blinde Flecken aufdeckst. Frag dich, welche Wege dir niemand nennt: dich auf ambitionierte Rollen bewerben, an sozialen Fähigkeiten arbeiten oder neue Projekte und Bereiche von Grund auf schaffen.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
Dale Carnegie – Wie man Freunde gewinnt: das Schwergewicht zu Beziehungen und Wirkung, dessen Kurs Buffett als seine beste Investition bezeichnet.
Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Entscheidungen.
Diese Folge ist Teil des Themen-Hubs Entscheidungen.
Transkript
Herzlich willkommen zu Folge Nummer 113: Wie du einmalige Chancen erkennst – die Buffett-Story. Diese Folge ist relativ kurz, dafür eine Folge mit sehr viel Gewicht.
Wir alle müssen entlang unseres Berufswegs unzählige Entscheidungen treffen. Und es gibt einige Entscheidungen, die haben enormen Einfluss auf den weiteren Verlauf unseres Berufslebens. In dieser Folge möchte ich dir zwei genau solche Entscheidungen zeigen. Denn wir alle haben in diesen Momenten deutlich mehr Optionen und Chancen, als wir im Moment sehen.
Vor einiger Zeit hat Warren Buffett eine bemerkenswerte Geschichte über seinen besten Freund an der Columbia Business School erzählt. Wir befinden uns ungefähr im Jahr 1949 bis 1951. Buffett erzählt, dass sein Freund unglaublich klug war, enorm fleißig, mit einer hervorragenden Arbeitsmoral und einem großartigen Charakter. Also die besten Voraussetzungen, die man sich für eine hervorragende Karriere, einen spannenden Berufsweg und damit auch für ein spannendes Leben vorstellen kann.
Als sie 1950 ihren Abschluss gemacht haben – mit einem Master of Science in Wirtschaftswissenschaften – waren sie annähernd in der gleichen Situation. Heute weiß man: Der Verlauf ihres Lebens, nicht nur ihres Berufslebens, sondern ihres gesamten Lebens, war radikal anders. Und das aufgrund einer einzigen Entscheidung. Natürlich haben beide entlang des Weges viele unterschiedliche Entscheidungen getroffen. Aber es geht hier um eine ganz grundlegende Entscheidung ganz zu Beginn ihrer Berufslaufbahn.
Buffetts Freund ging den klassischen Weg. Das könnte auch der klassische Ingenieurs-Weg sein, so wie du ihn vielleicht erlebt hast, so wie ihn die meisten erleben. Buffetts Freund ging in die Stahlindustrie, arbeitete sehr hart, legte sich ins Zeug, machte Karriere, wurde befördert – der ganz klassische Weg. Er verdiente dort ein durchschnittliches, vielleicht sogar leicht überdurchschnittliches Einkommen.
Warren Buffett hingegen entschied sich gegen den klassischen Weg und ergriff seine einmalige Chance. Ganz wichtig: Buffett hat sich nicht sofort selbstständig gemacht. Er hat eine Chance gesehen, und diese Chance hatte einen Namen. Wenn du in diesem Feld unterwegs bist, hast du den Namen mit Sicherheit schon einmal gehört: Benjamin Graham.
Graham war damals Buffetts Professor. Er war ein Vordenker des Investierens, der Vater der Fundamentalanalyse – heute auch durch Buffett ein bekannter Name. Damals war Graham für Buffett ein großes Vorbild. Buffett wollte unbedingt für Benjamin Graham arbeiten und alles von ihm lernen, alles aufsaugen.
Was hat Buffett also gemacht? Er ergriff die Initiative. Er drängte immer wieder auf ein Treffen mit Graham, flehte ihn an, bat ihn darum, ihn einzustellen. Es gab keine offene Stelle, es gab diesen Weg gar nicht. Graham hatte überhaupt nicht vor, jemanden wie Buffett anzustellen. Buffett ging sogar so weit, dass er anbot, kostenlos für ihn zu arbeiten.
Und das ist ein ganz wichtiger Punkt: Buffett hat sich bewusst gegen den ganz normalen Weg entschieden. Fairerweise muss man sagen: Er hatte auch überlegt, sich einfach einen Job an der Wall Street zu suchen. Sein Vater hat ihm das ausgeredet und ihn bekräftigt, anders zu denken – nicht den klassischen Weg zu gehen, sondern diese Chance zu ergreifen, die auf dem Papier eigentlich gar nicht da war, sondern die er sich selbst kreiert hat.
Heute wissen wir: Buffett hat unglaublich viel aus dieser Phase bei Graham gelernt. Das war eine ganz fundamentale Entscheidung, diesen proaktiven Weg zu gehen und nicht einfach nur den klassischen Weg. Und am Ende ist es genau das, was außergewöhnliche Karrieren hervorbringt. Irgendwo gibt es diesen Moment, in dem es darum geht, einmalige Chancen zu erkennen, zu kreieren, zu provozieren – und dann den Mut aufzubringen, diese Chancen auch zu ergreifen und alles in die Tat umzusetzen. Denn das eine ist die Idee, für Benjamin Graham zu arbeiten. Das andere ist die Execution, also die Idee wirklich umzusetzen.
Und es gibt noch einen zweiten Gedanken mit demselben Muster. Es sind also nicht eine, sondern zwei Entscheidungen, die Buffett da grundlegend getroffen hat. Es gibt eine Investition, die Buffett immer wieder als die beste Investition seines Lebens bezeichnet. Und sie hatte nichts mit Wertpapieren zu tun.
Im Jahr 1951 investierte Buffett in sich selbst und besuchte einen Public-Speaking-Kurs von Dale Carnegie. Dale Carnegie hast du vielleicht durch das Buch „How to Win Friends and Influence People“ – „Wie man Freunde gewinnt“ – schon gehört. Ein absolutes Schwergewicht in diesem Bereich. Buffett investierte 1951 in diesen Kurs, weil er fest davon überzeugt war, dass das Kompetenzen sind, die er bisher nicht mit einem wissenschaftlichen Abschluss errungen hatte, die er aber noch brauchte.
Es gibt ein Zitat von Buffett dazu. Auf Deutsch: Dieser Kurs war der wichtigste Abschluss, den ich jemals gemacht habe. Verglichen mit dem ganzen wissenschaftlichen Abschluss hatte er sicherlich den größten Einfluss auf meinen späteren Erfolg.
Reflektiere das gerne für dich: Wo stehst du gerade? Was glaubst du, welche Chancen vor dir liegen? In der Regel sieht man im ersten Moment nur die klassischen Chancen, nur den klassischen Weg – also das, was alle um einen herum machen, den naheliegenden nächsten Schritt, die logische Folge.
Was ich dir gerade über Buffett erzählt habe, beides war nicht die logische Folge. Es waren Dinge, die er für sich ergriffen hat, Chancen, die er selbst kreiert hat und die ein Fundament gelegt haben. Natürlich spielt auch eine Menge Glück mit hinein. Aber grundsätzlich war das eine fundamentale Entscheidung, die er selbst getroffen und proaktiv ausgeführt hat – mit langfristig enormer Auswirkung auf den kreativen Weg, den er am Ende beschritten hat.
Schau also einmal, welche Chancen es für dich gibt. Wie kann man Chancen erkennen, die nicht offensichtlich sind, und wie kann man sie dann ergreifen? Dann braucht es viel Mut und die richtige Strategie, um das Ganze umzusetzen. Das kann bedeuten, sich auf ambitionierte Rollen zu bewerben. Es kann bedeuten, in Bereiche wie Public Speaking zu gehen, also an sozialen Fähigkeiten zu arbeiten. Es kann aber auch bedeuten, Projekte ganz neu zu initiieren und aus dem Nichts zu erschaffen – im jetzigen Unternehmen ganze Bereiche zu schaffen, neue Teams aufzubauen, auf dem weißen Blatt Papier.
Es lohnt sich, hier einzusteigen und sich wirklich Gedanken zu machen: größer zu denken, über den Tellerrand hinaus zu denken und blinde Flecken aufzudecken.
Ich hoffe, du konntest einige Gedanken mitnehmen und wirst aktiv. Und wenn es zunächst nur bedeutet, dir Gedanken zu machen, welche Chancen und Wege du aktuell nicht auf dem Radar hast – die dir vielleicht auch niemand nennt. Werde kreativ. Schau, ob es Quick Wins gibt, die du direkt für dich umsetzen kannst. Das soll es für diese Folge gewesen sein. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.