Über das Thema Glück wird im beruflichen Kontext kaum gesprochen – aus Angst, neidisch zu wirken. Dabei spielen Glück und Pech bei jedem Erfolg eine Rolle. Die gute Nachricht: Glück ist kein reiner Zufall. Drei der vier Arten von Glück kannst du aktiv provozieren.
In dieser Folge lernst du die vier Arten von Karriere-Glück kennen – von blindem Glück bis zu Glück durch Charakter und Reputation – und wie du glückliche Zufälle gezielt erzeugst, statt passiv darauf zu warten.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Glück und Pech sind real: Eine gute Entscheidung plus Pech ist trotzdem eine gute Entscheidung – trenne Entscheidungsqualität von Ergebnis.
- Art 1 – Blindes Glück: außerhalb deiner Kontrolle (z. B. Bill Gates‘ Schule mit früher Computer-Ausstattung). Akzeptiere es, kopiere keine Extrembeispiele.
- Art 2 – Glück durch Einsatz: viele Chancen kreieren (täglich posten, Ideen umsetzen, Networking-Routine) – bis etwas zündet.
- Art 3 – Glück erkennen: Chancen sehen und sofort ergreifen (statt sich später zu ärgern).
- Art 4 – Glück durch Charakter & Reputation: Wer sichtbar und klar positioniert ist, zu dem kommt das Glück (Warren Buffett, Höhlentaucher aus „13 Lives“).
- „Who Luck“: Nicht nur die Stelle zählt, sondern wer dein Chef und Umfeld ist.
Glück provozieren: die Kernidee
Erst verstehen: gute Entscheidung ≠ gutes Ergebnis
Glück und Pech spielen immer eine Rolle. Triffst du mit dem verfügbaren Wissen eine gute Entscheidung und hast danach Pech, war es trotzdem eine gute Entscheidung – und umgekehrt. Wer langfristig erfolgreich sein will, optimiert nicht ein einzelnes Ergebnis, sondern die Kompetenz, gute Entscheidungen zu treffen, und trennt „Pech“ sauber von „Fehlentscheidung“.
Art 1 – Blindes Glück
Darauf hast du keinen Einfluss. Bill Gates ging auf die Lakeside School in Seattle – eine der wenigen Schulen der USA, die damals exzellent mit Computern ausgestattet war, samt dem passenden Umfeld (u. a. Paul Allen). Reines blindes Glück. Gates selbst warnt: Erfolg ist ein schlechter Lehrer – konzentriere dich nicht auf Extrembeispiele, in denen viel blindes Glück steckt (so wie jeder Weltrekordhalter genetisches Glück mitbringt).
Art 2 – Glück durch Einsatz
Du erzeugst Chancen, indem du viel produzierst: täglich auf LinkedIn posten, als Intrapreneur immer wieder Ideen umsetzen, eine feste Networking-Routine pflegen und gezielt mit spannenden Menschen in Kontakt gehen. Für Außenstehende sieht das später wie Glück aus – tatsächlich hast du es dir durch Schlagzahl erarbeitet (Job-Angebote, Einladungen, Gespräche).
Art 3 – Glück erkennen
Ein Freund stieg in Paris ins Flugzeug und erkannte in der ersten Reihe einen bekannten Autor – dessen einziges mitgebrachtes Buch er zufällig dabeihatte (blindes Glück). Entscheidend war, was er daraus machte: Er ging nach vorn, ließ signieren, hörte aber nicht auf, sondern fragte: „Darf ich dich in Kapstadt eine Stunde interviewen?“ Heute hat er in diesem erfolgreichen Unternehmer einen Mentor – inklusive Handynummer. Den Unterschied macht: Glück erkennen und sofort handeln.
Art 4 – Glück durch Charakter & Reputation
Aus Sicht des Unternehmers im Flugzeug war das die vierte Art: Er hat nichts getan – das Glück kam zu ihm, weil er über Jahre Sichtbarkeit und Reputation aufgebaut hat (Buch, Reichweite). Wie Warren Buffett, zu dem die Deals kommen. Oder die Höhlentaucher aus „13 Lives“, die wegen ihrer Spezialisierung eingeflogen wurden. Je klarer deine Positionierung und je sichtbarer du bist, desto eher findet das Glück seinen Weg zu dir.
Die vierte Art – Reputation und Sichtbarkeit – baust du gezielt auf: mehr dazu in Sichtbarkeit im Job. Warum dein Netzwerk („Who Luck“) dein wertvollstes Asset ist, hörst du in Vertrauen aufbauen. Und wie du Chancen proaktiv erzeugst, statt auf sie zu warten, zeigt Traumjob selbst schaffen. Den Kerngedanken zur stärksten Glücksart gibt es im Artikel Who Luck: das beste Glück der Welt.
Häufige Fragen zu Karriere-Glück
Kann man Glück im Beruf beeinflussen? Ja – drei der vier Arten. Blindes Glück nicht, aber Glück durch Einsatz (viele Chancen kreieren), Glück erkennen (Chancen sofort ergreifen) und Glück durch Reputation (sichtbar und klar positioniert sein) kannst du gezielt provozieren.
Was sind die 4 Arten von Glück? Blindes Glück (außerhalb deiner Kontrolle), Glück durch Einsatz (du erzeugst viele Chancen), Glück erkennen (du siehst und ergreifst Chancen) und Glück durch Charakter/Reputation (Glück kommt zu dir, weil du sichtbar bist).
Was ist „Who Luck“? Die Erkenntnis, dass nicht nur die Stelle über deinen Erfolg entscheidet, sondern wer dein Chef und dein direktes Umfeld ist. Ein unterstützender Chef von Tag eins an ist oft ein größerer Erfolgsfaktor als die Rolle selbst.
Ist Erfolg nur Glück oder harte Arbeit? Beides – plus die Fähigkeit, beides zu trennen. Nicht jeder Erfolg folgt aus harter Arbeit, und nicht jeder Misserfolg aus Faulheit. Wer das versteht, trifft bessere Entscheidungen und provoziert aktiv glückliche Zufälle, statt auf blindes Glück zu hoffen.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
- Die 4 Arten von Glück – Framework, u. a. von Naval Ravikant popularisiert.
- Film „13 Lives„: die Höhlentaucher-Rettung in Thailand als Beispiel für Reputations-Glück.
- Beispiele: Bill Gates (Lakeside School), Warren Buffett (Deals kommen zu ihm).
Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Karriere.
Diese Folge gehört zum Thema Karriere für Ingenieure und persönliche Entwicklung.
Transkript
Herzlich willkommen zu Folge 146: Wie du glückliche Zufälle provozierst – die vier Arten von Karriere-Glück. Heute geht es um ein Thema, über das im Kontext beruflicher Entwicklung sehr selten gesprochen wird: Glück. Wie kannst du Glück und glückliche Zufälle provozieren? Ich starte mit einer bemerkenswerten Story von einem guten Freund, der unternehmerisch aktiv ist. Er flog mit seiner Frau Anfang des Jahres von Hamburg über Paris nach Kapstadt. Beim Einstieg in Paris drehte er sich zu seiner Frau um und sagte: „Ich glaube, ich kenne den Mann in der ersten Reihe – und ich glaube, ich habe sogar sein Buch dabei.“ Dazu später mehr.
Vorweg ein paar Gedanken. Letzte Woche teilte ein Mentee in einer Coaching-Session einen Erfolg: Er ist Werkleiter geworden. Auf die Frage nach seinen Erfolgsfaktoren nannte er als einen der wichtigsten, dass sein Chef von Tag eins an sein stärkster Supporter war. Das ist nicht selten, wenn junge, ambitionierte Ingenieure in verantwortliche Rollen kommen. In derselben Session sprachen wir mit einem anderen Mentee darüber, ob er sich auf eine Stelle bewerben soll – und änderten den Blickwinkel: Die Stelle ist wichtig, aber wer ist dein Chef, wer ist dein direktes Umfeld? Das nennt man „Who Luck“ – die Frage, welche Personen über dein berufliches Glück mitentscheiden.
Glück und Pech spielen beim beruflichen Erfolg eine Rolle, auch wenn wir den Faktor Glück oft unter den Tisch fallen lassen – wer ständig über das Glück anderer spricht, wirkt neidisch. Anstrengung ist wichtig, aber nicht jede gute Entscheidung führt zu einem guten Ergebnis. Stell dir eine Investitionsentscheidung vor, die mit dem verfügbaren Wissen sehr gut ist – dann passiert etwas Unvorhersehbares (Pech). Viele würden sagen, es war eine schlechte Entscheidung. Wichtig ist zu trennen: Die Entscheidung war gut, der Faktor Pech hat eine Rolle gespielt. Wer langfristig die besten Entscheidungen treffen will, optimiert die Kompetenz, gute Entscheidungen zu treffen, statt ein einzelnes Ergebnis.
Betrachten wir Glück systematisch, gibt es vier Arten. Die erste ist blindes Glück – darauf haben wir keinen Einfluss. Akzeptiere, dass selbst bei härtester Arbeit ein Quäntchen Glück dazugehört; nicht jeder Erfolg entsteht aus harter Arbeit, nicht jede Armut aus Faulheit. Bill Gates etwa ging auf die Lakeside High School in Seattle – eine der wenigen US-Schulen, die damals exzellent mit Computern ausgestattet war, mit einem Umfeld wie Paul Allen. Auf eine andere Schule wäre er nicht so früh an diese Kompetenzen gekommen. Gates selbst sagt: Erfolg ist ein schlechter Lehrer – konzentriere dich nicht auf Extrembeispiele, denn darin steckt oft viel blindes Glück. Genauso haben Weltrekordhalter wie Michael Phelps genetisches Glück; um aber alle Rekorde zu brechen, braucht es zusätzlich blindes Glück.
Die zweite Art ist Glück durch viel Einsatz: viele Chancen kreieren. Ich teile zum Beispiel täglich einen Beitrag auf LinkedIn – das erzeugt viele spannende Kontakte und Möglichkeiten. Andere setzen als Intrapreneur immer wieder Ideen um – nicht eine, sondern hunderte, bis etwas zündet. Dazu gehört eine intelligente Networking-Routine: nicht zufällig auf Events, sondern gezielt über LinkedIn mit spannenden Menschen in Kontakt gehen und dranbleiben. Wir haben Dutzende Beispiele von ambitionierten Ingenieuren, die die Schlagzahl hochhalten und dadurch Chancen bekommen – Job-Angebote, Einladungen von CEOs. Für Außenstehende wirkt das wie Glück; tatsächlich haben sie es sich durch Einsatz erarbeitet.
Die dritte Art ist Glück erkennen. Zurück zur Flugzeug-Story: Mein Freund erkannte den Autor, prüfte auf Instagram, ging zur Stewardess und ließ sich nach vorn durchwinken. Dass er genau dessen einziges Buch dabeihatte, war blindes Glück. Entscheidend war: Er ließ es signieren und hörte nicht auf, sondern fragte, ob er ihn in Kapstadt eine Stunde interviewen dürfe. Der andere – nicht nur Autor, sondern Unternehmer mit einem Millionen-Business und YouTube-Kanal – sagte zu, gab seine E-Mail-Adresse und später seine Handynummer: „Wenn ich etwas für dich tun kann, melde dich.“ Das zeigt den Unterschied zwischen blindem Glück und der Fähigkeit, Glück zu erkennen und sofort aktiv zu werden. Viele scheitern schon am Ansprechen, andere am Mehr-daraus-machen.
Die vierte Art ist – aus Perspektive dieses Unternehmers – Glück durch Charakter und Reputation. Er hat im Flugzeug nichts getan; das Glück kam zu ihm, weil er über Jahre Sichtbarkeit und Reputation aufgebaut hat (Buch, Reichweite). Wie Warren Buffett, der Deals nicht suchen muss – sie kommen zu ihm. Oder die Höhlentaucher aus dem Film „13 Lives“ (Rettung der Fußballmannschaft in Thailand), die wegen ihrer Spezialisierung weltweit eingeflogen wurden. Je klarer deine Positionierung und je sichtbarer du bist, desto eher findet das Glück seinen Weg zu dir. Das gilt auch für Generalisten: Eine breite Veranlagung schließt eine klare, sichtbare Positionierung nicht aus.
Zusammengefasst die vier Arten von Karriere-Glück: erstens blindes Glück – akzeptiere, dass ein Quäntchen Glück (und manchmal Pech) immer dazugehört, und trenne gute Entscheidung von Pech. Zweitens Glück durch Einsatz – Chancen kreieren über Networking und Schlagzahl. Drittens Glück erkennen – Chancen sehen und sofort ergreifen, wie mein Freund, der sich so einen Mentor „erschaffen“ hat. Viertens Glück durch Charakter und Reputation – sichtbar und klar positioniert sein, damit das Glück zu dir kommt. Reflektiere, wo du heute Glück provozierst oder ob du dich nur auf blindes Glück verlässt. Gerade Intrapreneure, die proaktiv sind, werden von anderen oft als „glücklich“ wahrgenommen – dabei ist es kein Zufall, sondern aktiv provoziert. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.
