Manche Unternehmen florieren über Jahrzehnte, fast unbemerkt, und prägen ihre Welt trotzdem stärker als die lauten Marken. Montblanc ist so ein Fall: 1906 in Hamburg gegründet, im Kern bis heute ein Hersteller von Füllern – und doch ein Begriff für Qualität, Handwerk und Exklusivität. Ein klassischer deutscher Hidden Champion, direkt um die Ecke.
In dieser Folge nimmt dich Tim mit auf seinen Besuch im Montblanc Haus in Hamburg und teilt fünf Learnings, die beim Aufbau eines großartigen Unternehmens inspirieren – von Konstanz über Jahrzehnte bis zu der Frage, warum Begeisterung ansteckend ist.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Konstanz schlägt Intensität. Montblanc stellt seit über 100 Jahren im Kern dasselbe her: den Füller. Diese Beständigkeit ist unterschätzt – Intensität wird überbewertet.
- Perfektion entsteht durch Iteration. 18 Jahre Produktentwicklung führten 1924 zum Meisterstück, das bis heute Bestand hat.
- Konstanz und Innovation sind kein Widerspruch. Jim Collins nennt es „Preserve the Core and Stimulate Progress“: den Kernwerten treu bleiben und zugleich offen für Wandel sein.
- Emotionen schlagen Fakten. Montblancs Slogan lautet „Inspire Writing“. Die Marke verbindet ein Produkt – einen Stift – mit dem Warum: dem inspirierenden Schreiben.
- Hab keine Angst, deine Welt zu gestalten. Montblanc hat Namen, Logo und Zahlen wie 4810 oder 149 mit Bedeutung aufgeladen, die es vorher nicht gab.
- Begeisterung ist ansteckend. Eine einzige stolze Mitarbeiterin am Empfang übertrug ihre Begeisterung – ein Ergebnis gelebter Unternehmenskultur, nicht künstlich erzeugbar.
Hidden Champion im Detail
Ein Hidden Champion ist ein Unternehmen, das in seinem Feld herausragend ist und über lange Zeit floriert – oft ohne im Rampenlicht zu stehen. Montblanc ist dafür ein lehrreiches Beispiel. Fünf Prinzipien fielen Tim beim Rundgang durchs Montblanc Haus besonders auf.
1. Konstanz über Jahrzehnte. Montblanc wurde 1906 in Hamburg gegründet, ursprünglich als Simplo Filler Pen Company, mit einem Patent für einen Füller, bei dem die Tinte nicht ausläuft. Der Name Montblanc kam 1910 dazu, inspiriert vom höchsten Berg der Alpen. Bis heute steht das Unternehmen im Kern für diesen einen Stift. Diese Beständigkeit ist selten – und sie wird unterschätzt. Tim musste dabei an „The Snowball“ über Warren Buffett denken: an exponentielles Wachstum und den Buy-and-Hold-Ansatz. Konstanz lässt Wirkung über die Jahre compounden.
2. Perfektion durch Iteration. Schon 1909 brachte Montblanc den Stift Rouge et Noir auf den Markt. Danach folgten über Jahre hinweg unzählige Iterationen und neue Produkte. 1924 mündete dieser Weg ins Meisterstück – bis heute das bekannteste Produkt und ein echtes Designobjekt. 18 Jahre lang Jahr für Jahr versuchen, den besten Stift zu bauen: So entsteht Perfektion. Inzwischen ist die Produktpalette breiter – Uhren, Lederwaren, Schmuck, Parfum, Brillen –, doch den Kernwerten Qualität, Handwerkskunst, Innovation und Exklusivität bleibt Montblanc treu.
3. Konstanz und Innovation sind kein Widerspruch. Auf den ersten Blick wirken beständige Tradition und ständige Innovation wie Gegensätze. Jim Collins zeigt in „Built to Last“, dass genau diese Kombination langlebige, erfolgreiche Unternehmen auszeichnet. Sein Prinzip: „Preserve the Core and Stimulate Progress.“ Treu zu den eigenen Kernprinzipien bleiben und gleichzeitig offen für Wandel, Innovation und Fortschritt sein.
4. Emotionen sind wichtiger als Logik und Fakten. Der Rundgang startet mit einem Video unter dem Slogan „Inspire Writing“. Schreiben wird als größte Innovation der Menschheit inszeniert – mit bedeutenden Persönlichkeiten wie John F. Kennedy oder Barack Obama, die wichtige Dokumente mit einem Montblanc unterschrieben. Hier zeigt sich Simon Sineks „Start with Why“: Montblanc verkauft kein Schreibgerät, sondern ein Warum. Das Produkt – am Ende ein Stift – wird mit der Emotion inspirierenden Schreibens verbunden. Genau das beherrschen auch Marken wie Apple oder Porsche.
5. Hab keine Angst, deine Welt zu gestalten. Beim Durchgang dachte Tim immer wieder an ein Steve-Jobs-Zitat von 1994: Alles um dich herum wurde von Menschen gemacht, die nicht klüger sind als du – du kannst es verändern und Eigenes erschaffen. Montblanc hat genau das getan. Schon in den 1920er- und 30er-Jahren schickte die Marke Autos mit Füllern auf dem Dach durch die Städte – lange vor Red Bulls Dosen-Autos. Der Name verweist auf den höchsten Berg der Alpen, das weiße Logo steht für seine schneebedeckte Kuppe mit den sechs Gletschern. Die 4810 auf jeder Feder ist die Höhe des Bergs in Metern, das Meisterstück 149 die legendäre Diplomatenreihe. Selbst die Fassade des Hauses ist einer alten Montblanc-Verpackung nachempfunden. So entsteht ein ganzes Ökosystem aus Zahlen und Symbolen, das es vorher nicht gab.
Daraus folgt das fünfte Learning: Begeisterung ist ansteckend. Schon am Empfang spürte Tim die Begeisterung einer Mitarbeiterin – sie nahm sich Zeit, fragte nach Interessen und Hintergrund und erzählte mit echtem Stolz, dass alle Montblanc-Stifte der Welt in Hamburg gefertigt werden. Dieses Zugehörigkeitsgefühl, diese Identität lässt sich nicht künstlich erzeugen. Sie ist das Ergebnis der vier vorigen Prinzipien – und in einer Unternehmenskultur das A und O. Wenn Menschen morgens mit einem Leuchten in den Augen zur Arbeit kommen, ist das Gold wert.
Diese Prinzipien sind die Bausteine einer starken Kultur, wie sie auch die acht Elemente einer erfolgreichen Unternehmenskultur beschreiben. Konstanz über Jahrzehnte braucht den Mut, langfristig zu denken statt auf kurzfristige Intensität zu setzen. Wer aus solchen Vorbildern eine eigene Strategie ableiten will, findet in den zwei Elementen einer herausragenden Strategie am Beispiel des Tesla Masterplans eine Vorlage. Und dass starke Identität und Selbstverantwortung sich gegenseitig tragen, zeigt das Beispiel eines Unternehmens, das ganz ohne Hierarchien funktioniert.
Häufige Fragen zum Hidden Champion
Was ist ein Hidden Champion? Ein Hidden Champion ist ein Unternehmen, das in seinem Bereich herausragend ist und über lange Zeit florieren kann, ohne dabei besonders im Rampenlicht zu stehen. Montblanc, 1906 in Hamburg gegründet und bis heute im Kern Hersteller von Füllern, ist ein klassisches Beispiel.
Warum gilt Montblanc als deutscher Hidden Champion? Montblanc wurde 1906 in Hamburg gegründet, fertigt bis heute alle Stifte in Hamburg und steht weltweit für Qualität, Handwerkskunst und Exklusivität. Das Unternehmen ist über 100 Jahre konstant geblieben und prägt seine Produktwelt, ohne als lautes Marketing-Phänomen aufzutreten.
Welche Prinzipien machen ein großartiges Unternehmen aus? Am Beispiel Montblanc fallen fünf Prinzipien auf: Konstanz über Jahrzehnte, Perfektion durch Iteration, die Verbindung von Tradition und Innovation, ein starkes Branding über Emotionen und das Warum sowie eine Unternehmenskultur, in der Begeisterung ansteckend wirkt.
Warum ist Konstanz im Unternehmen so wichtig? Konstanz wird oft unterschätzt, während Intensität überbewertet wird. Wer über Jahrzehnte beständig am Kern festhält, lässt Qualität und Wirkung über die Zeit compounden – ähnlich dem exponentiellen Wachstum, das Warren Buffett mit seinem Buy-and-Hold-Ansatz beschreibt.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
- Alice Schroeder – Warren Buffett: Das Leben ist wie ein Schneeball: Die Biografie über Warren Buffett und seine Lebensphilosophie des exponentiellen Wachstums und des Buy-and-Hold-Ansatzes.
- Jim Collins – Built to Last: Zeigt, warum Tradition und Innovation kein Widerspruch sind – „Preserve the Core and Stimulate Progress“.
- Simon Sinek – Start with Why: Warum starke Marken nicht ihr Produkt verkaufen, sondern ihr Warum.
Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Unternehmensführung.
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Transkript
Vor einigen Wochen war ich zu Besuch im sogenannten Montblanc Haus hier in Hamburg. Ich bin immer wieder fasziniert von Unternehmen, die sehr beständig sind und über Jahrzehnte florieren. Montblanc ist genau so ein Unternehmen, ein deutscher Hidden Champion, gegründet 1906 in Hamburg. In dieser Folge möchte ich fünf Learnings teilen, die beim Aufbau eines großartigen Unternehmens inspirieren sollen.
Punkt 1: Konstanz über Jahrzehnte. Dieser Punkt fasziniert mich immer wieder. Beim Durchgang durch das Montblanc Haus musste ich immer wieder an das Buch „The Snowball“ über Warren Buffett denken. Es ist schon Jahre her, dass ich es gelesen beziehungsweise gehört habe – ich glaube, das Hörbuch über seine Lebensgeschichte und Lebensphilosophie geht über 20 Stunden. Die Philosophie von Warren Buffett lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: exponentielles Wachstum. Aus der Investmentsicht ist das ganz klar der sogenannte Buy-and-Hold-Ansatz. Das war damals auch meine Philosophie, und auch heute beim Mentorwerk setzen wir noch viel auf diesen Gedanken des exponentiellen Wachstums.
Das Unternehmen Montblanc wurde 1906 in Hamburg gegründet, ursprünglich unter dem Namen Simplo Filler Pen Company. Gestartet ist Montblanc mit einer Innovation beziehungsweise einem Patent für einen Füller, bei dem die Tinte nicht ausläuft. Der Gründer war vorher in den USA, ich glaube in der Nähe von Boston, und kam mit seiner Erfindung, mit seinem Patent für diesen Füller zurück. Der Name Montblanc kam erst 1910 dazu, inspiriert vom höchsten Berg der Alpen.
Montblanc zeichnet sich definitiv durch Konstanz aus – nicht zuletzt deswegen, weil das Unternehmen schon über 100 Jahre alt ist und bis heute im Kern Stifte beziehungsweise Füller herstellt. Mittlerweile natürlich auch andere Produkte, darauf gehe ich später noch ein. Aber im Kern steht Montblanc für diesen einen Stift, für den Füller. Aus meiner Sicht wird Konstanz stark unterbewertet und Intensität viel zu sehr überbewertet. Montblanc ist ein herausragendes Beispiel für ein Unternehmen mit einer langen Historie und sehr klarer Konstanz, gerade auch in der Produktpalette.
Punkt 2: Perfektion durch Iteration. Über die Jahre hinweg hat Montblanc immer wieder verschiedene Stifte auf den Markt gebracht. Ein ganz bekannter Stift aus der Anfangszeit, 1909 eingeführt, ist der Rouge et Noir – rot und schwarz im Französischen. Über Jahre hinweg gab es viele Iterationen auf Produktebene. Viele Produkte wurden getestet, viele Stifte neu entwickelt. Bis zum Jahr 1924: Da wurde das sogenannte Meisterstück beziehungsweise die Meisterstückreihe eingeführt. Das ist bis heute das bekannteste Produkt von Montblanc – und für mich ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Iteration zu Perfektion führt. 18 Jahre lang jedes Jahr versucht, die besten Stifte herzustellen und neue innovative Produkte auf den Markt zu bringen, bis man 1924 zum Meisterstück kam. Vom Design, von der Form, von allem drum und dran hat es bis heute Bestand und ist ein wahres Designobjekt.
Mittlerweile ist die Produktpalette deutlich erweitert: Es gibt auch Uhren, Lederwaren, Schmuck, Parfum, Brillen. Doch obwohl Montblanc die Produktpalette über die Jahre erweitert hat, ist das Unternehmen seinen Kernwerten treu geblieben: Qualität, Handwerkskunst, Innovation und Design, aber gerade auch Luxus und Exklusivität. Das findet man auch in den anderen Produktbereichen wieder. Montblanc ist für mich ein herausragendes Beispiel für Innovation und stetige Weiterentwicklung.
Jetzt könnte man sagen: Moment, Konstanz und Innovation – das sind doch zwei Widersprüche. Da muss ich immer wieder an Jim Collins und sein Buch „Built to Last“ denken. Er sagt: Innovation und Tradition sind kein Widerspruch, sondern eine wichtige Kombination und ein zentrales Merkmal langlebiger, erfolgreicher Unternehmen. Er nennt es „Preserve the Core and Stimulate Progress“ – für langfristigen Erfolg ist es entscheidend, den eigenen Kernprinzipien treu zu bleiben und offen für Wandel, Innovation und Fortschritt zu sein. Das waren die ersten beiden Punkte: auf der einen Seite ein starker Hang zur Konstanz über mehr als 100 Jahre, auf der anderen Seite viele Innovationen und Iterationen – die Suche nach Perfektion und ständiger Wandel, ohne den Kernwerten untreu zu werden.
Punkt 3: Branding und Markenbildung. Alles im Montblanc Haus spielt sich auf einer Etage ab. Der Rundgang startet mit einem kurzen Video. Der Slogan von Montblanc, der darin zelebriert wird, lautet „Inspire Writing“ – das Schreiben zu inspirieren. Dieses Video am Anfang hat Gänsehaut ausgelöst. Schreiben wurde als größte Innovation der Menschheit dargestellt, mit einem Blick durch die Historie und auf bedeutende Personen, die wichtige Dokumente mit einem Montblanc unterschrieben haben – wie John F. Kennedy oder Barack Obama –, dazu bekannte Schriftsteller und Autoren, die weltbewegende Geschichten geschrieben haben.
Montblanc hat sein Produkt sehr stark mit der Emotion des Schreibens verbunden. Da musste ich an Simon Sineks „Start with Why“ denken. Montblanc hat ein sehr starkes Warum: Wir wollen das Schreiben inspirieren. Das größere Bild zu erkennen und sich darauf zu fokussieren. Der spätere Verlauf des Rundgangs ist stärker auf den Herstellungsprozess fokussiert – die Zusammenarbeit an einem konkreten Montblanc-Stift, wie er zusammengebaut wird, Designaspekte, Entwicklungsprozesse. Das ist nicht ganz so unterhaltend wie der Anfang, auch wenn ich als Mensch mit Produktionsmanagement-Hintergrund das durchaus spannend finde. Nichtsdestotrotz: Montblanc ist sehr stark darin, sein Produkt – am Ende ein Stift – mit Emotionen rund um inspirierendes Schreiben zu verbinden. Das findet man auch bei vielen anderen inspirierenden Marken: Es dreht sich gar nicht so sehr um das Produkt, sondern um die Emotionen und das Warum dahinter. Apple und Porsche können das perfekt – sie sprechen in ihrer Werbung kaum über das Produkt, sondern über das Warum und die Emotionen, die das Produkt weckt.
Punkt 4: Hab keine Angst davor, die Welt um dich herum zu gestalten. Beim kompletten Durchgang musste ich immer wieder an ein bekanntes Zitat von Steve Jobs aus einem Interview von 1994 denken. Sinngemäß: Wenn du aufwächst, wird dir erzählt, die Welt sei eben so, wie sie ist, und du sollst dich darin einrichten. Aber das ist ein sehr begrenztes Leben. Das Leben kann viel weiter sein, wenn du eine einfache Tatsache entdeckst: Alles um dich herum, was du Leben nennst, wurde von Menschen gemacht, die nicht klüger sind als du. Und du kannst es verändern, du kannst es beeinflussen, du kannst eigene Dinge bauen, die andere nutzen.
Dieses Zitat ging mir während des Rundgangs immer wieder durch den Kopf, weil Montblanc genau diese Gestalterrolle innehat. Sie haben etwas aus dem Nichts kreiert und sind sehr kreativ herangegangen – nicht nur ans Produktdesign, sondern auch an die Benennung des Produkts und an die Markenbildung. Montblanc war in den ersten Jahren bekannt für verrückte Werbeaktionen. Du kennst diese Red-Bull-Autos mit der Dose auf dem Dach – genau das hat Montblanc damals auch gemacht und Autos mit Montblanc-Füllern auf dem Dach durch die Städte geschickt, schon in den 1920er- und 30er-Jahren. Ich weiß nicht, ob das sogar Inspirationsquelle für Red Bull war.
Der Name Montblanc verweist auf den höchsten Berg der Alpen. Das Logo steht für die weiße Kuppe: Die Kappe oben ist weiß, und ein Berg hat meistens eine weiße Kuppe. Montblanc soll der beste und größte Stift auf dem Markt sein. Das klassische Logo zeigt die sechs Gletscher, die sich um den Berg herum befinden. Das Kernprodukt, das Meisterstück 149, ist die sogenannte Diplomatenreihe. Die Nummer 4810 – die Höhe des Montblancs in Metern – ist in jede Feder eines Füllers eingraviert. Auch das Montblanc Haus selbst ist ein reines Designobjekt: Die Fassade ist so gestaltet wie die typischen Montblanc-Verpackungen aus den 1920er- und 30er-Jahren.
Es steckt also viel Kreativität in diesem Unternehmen, viel Gestalten und Kreieren aus dem Nichts. Heute ist es ein ganzes Ökosystem aus Zahlen wie 149 und 4810, die in der Montblanc-Welt eine große Bedeutung haben und für Außenstehende einfach nur Zahlen sind. Solche Dinge kann man kreieren – sie gab es vorher nicht. Wenn heute jemand Montblanc sagt, denken viele an einen Stift, an das Meisterstück. Solche Worte zu besetzen, solche Dinge zu kreieren: Montblanc hatte in seiner Historie definitiv keine Angst davor, die Welt, gerade die eigene Produktwelt, um sich herum zu gestalten. Daraus kann man viel ziehen – fürs persönliche Branding wie fürs Unternehmensbranding.
Punkt 5: Begeisterung ist ansteckend. Dazu eine kleine Anekdote von den ersten Minuten. Als wir ins Montblanc Haus kamen, musste man sich am Empfang melden und ein Ticket buchen. Da saß uns eine Mitarbeiterin von Montblanc gegenüber, und von den ersten Sekunden an spürte man eine unglaubliche Begeisterung – gegenüber Montblanc und gegenüber ihrer Rolle. Man merkte richtig, wie stolz sie war, für Montblanc zu arbeiten. Es war keine einfache Transaktion nach dem Motto „wir hätten gerne zwei Tickets“. Sie nahm sich Zeit, fragte, ob wir schon mal da waren, was wir über Montblanc wissen, sogar nach unseren Interessen und unserem Hintergrund. Als ich sagte, dass ich aus Hamburg komme, erzählte sie als kleine Anekdote, dass alle Montblanc-Stifte der Welt in Hamburg hergestellt werden. Mit solchen Fakten und Anekdoten freute sie sich richtig darüber, kleine Aha-Momente und ein Leuchten in unseren Augen auszulösen.
Diese Begeisterung war der allererste Kontaktpunkt – und es war nicht nur enorme Kundenorientierung. Im Prinzip dreht sich alles um das Zugehörigkeitsgefühl: Wie stolz ist man, bei Montblanc zu arbeiten? Wie stark ist die Verbundenheit, wie stark die Identität? Das hat Montblanc aus meiner Sicht sehr stark geschafft, auch wenn ich mit dieser einen Dame am Empfang nur eine kleine Messgröße habe. Aber das war auffällig. Es ist kein Standardprozess, so ausgefragt zu werden, auf so viel Zeit und so eine Begeisterung zu stoßen. Begeisterung ist unheimlich ansteckend. Allein das hat dazu geführt, dass wir in den ersten Minuten voller Vorfreude waren. Das ist ein wichtiger Aspekt einer Unternehmenskultur, den man aber nicht künstlich erzeugen kann – er ist das Ergebnis der vier vorigen Punkte: der jahrzehntelangen Historie und der ganzen Welt, die Montblanc geschaffen hat.
Mein Fazit: Natürlich sind all diese Punkte mein persönlicher Eindruck, meine persönliche Reflexion dieses Besuchs. Die Unternehmensführung von Montblanc würde sie wahrscheinlich anders beschreiben. Aber für mich ist es eine klare Empfehlung: Wenn ihr mal in Hamburg seid, schaut beim Montblanc Haus vorbei. Es waren etwa zwei Stunden, die wir uns Zeit genommen haben. Und nein, es gibt keine Werbepartnerschaft mit Montblanc – das ist einfach meine persönliche Empfehlung. Ich kann mich immer für solche Unternehmen begeistern, für solche Hidden Champions. Gefühlt war es 20 Minuten Fahrzeit von meinem Zuhause entfernt, und mir war nicht bewusst, dass direkt um die Ecke so ein spannendes Unternehmen ist. Es gibt auch Führungen durchs Werk, die unter der Woche stattfinden – die habe ich mir bisher nicht angeschaut, vielleicht das nächste Mal.
Ich fasse kurz zusammen. Punkt 1: Konstanz über Jahrzehnte – Montblanc ist ein herausragendes Beispiel für Beständigkeit. Punkt 2: Perfektion durch Iteration – Innovation und stetiger Fortschritt, die nach Jim Collins kein Widerspruch zur Konstanz sind, sondern zusammengehören: „Preserve the Core and Stimulate Progress.“ Punkt 3: Branding – Emotionen sind wichtiger als Logik und Fakten. „Inspire Writing“ ist der Slogan; es geht um das Schreiben als größte Innovation der Menschheit, um bedeutende Persönlichkeiten und um das Warum, viel mehr als um den Herstellungsprozess. Punkt 4: keine Angst davor haben, die Welt um sich herum zu gestalten – es gibt eine Welt vor und eine nach Montblanc, mit Zahlen wie 149 und 4810. Punkt 5: Begeisterung ist ansteckend – Montblanc schafft ein starkes Zugehörigkeitsgefühl und eine starke Identität. Das sind Dinge, die man nicht ganz messen kann, die in einer Unternehmenskultur aber das A und O sind. Wenn alle morgens, wenn der Wecker klingelt, ein Leuchten in den Augen haben und das Gefühl, an dieser Mission teilhaben zu dürfen, dann ist das Gold wert.
Das war es zu dieser Folge rund um das Thema Montblanc. Ich hoffe, du konntest einiges für dich mitnehmen. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.