Karriere-Tipps für Introvertierte: So nutzt du Introversion als Stärke

„Extrovertierte sind die besten Führungskräfte“ – dieses Bild ist tief verankert, und viele ambitionierte Ingenieure (die oft eher introvertiert sind) versuchen deshalb, sich zu verbiegen. Der größte Fehler, den eine introvertierte Persönlichkeit machen kann, ist genau das: zu versuchen, extrovertiert zu werden.

In dieser Folge klären wir, was Introversion wirklich bedeutet, warum sie für Karriere und Führung kein Nachteil ist – und wie du deine introvertierten Stärken gezielt nutzt, statt gegen sie anzukämpfen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Introversion ist eine Frage der Energie, nicht der Sozialkompetenz. Bild (nach Susan Cain): Ein Introvertierter startet den Tag mit 5 „Münzen“ und gibt bei jeder sozialen Interaktion eine aus; ein Extrovertierter sammelt sie. Es ist genetisch, nicht wählbar.
  • Für Karriere und Führung ist es irrelevant, ob du intro- oder extrovertiert bist – viele der erfolgreichsten Führungspersönlichkeiten sind introvertiert.
  • Der größte Fehler: dich verbiegen. Ständig „durchsetzungsstärker, souveräner, schlagfertiger“ werden zu wollen führt zu Stress und Unzufriedenheit. Bleib authentisch.
  • Introvertierte Stärken in der Führung: mehr 1:1-Gespräche, besseres Zuhören, Empathie, Servant Leadership, Mentoring – und „Deep Diving“: in die Tiefe gehen und konzentriert arbeiten.
  • Drei unterschätzte Hebel (haben mit Übung zu tun, nicht mit Persönlichkeit): Public Speaking, Sichtbarkeit/Selbstmarketing und Networking.
  • Der eigentliche Karriere-Tipp: dir selbst treu bleiben und deine versteckten Stärken hebeln, statt einem extrovertierten Ideal nachzueifern.

Introversion als Stärke im Detail

Was Introversion wirklich ist

Eine Studie (Harvard Business Review, 2006) ergab, dass 65 % der Top-Führungskräfte glauben, Extrovertierte seien die besten Leader. Tatsächlich sind aber viele der erfolgreichsten Persönlichkeiten introvertiert – von Bill Gates über Barack Obama bis zu Albert Einstein. Wichtig ist die Definition (geprägt von Susan Cain, „Still“ / „Quiet“): Introversion hat nichts mit Sozialkompetenz zu tun – schüchtern oder sozial unbeholfen können auch Extrovertierte sein. Es geht um Energie: Ein Introvertierter wacht mit fünf „Münzen“ auf und gibt bei jeder sozialen Interaktion eine aus – nach einer Party ist er ausgelaugt. Ein Extrovertierter lädt sich genau dort auf. Das ist biologisch veranlagt, nicht wählbar.

Warum Introversion kein Karriere-Nachteil ist

Für Karriere und Führung ist es irrelevant, ob du intro- oder extrovertiert bist – es geht darum, das Beste aus dem zu machen, was du bist. Der erste Schritt ist, deine Veranlagung zu akzeptieren (z. B. über einen Persönlichkeitstest wie 16Personalities/MBTI). Der größte Fehler ist, einem extrovertierten Ideal nachzueifern: „Ich muss durchsetzungsstärker, souveräner, schlagfertiger werden.“ Wer sich dauerhaft verbiegt, wird unzufrieden und gestresst, weil er nicht authentisch bleibt. Besser: deine Stärken hebeln.

Introvertierte Führungsstärken

Teams mit proaktiven, hochqualifizierten Mitarbeitern performen oft besser unter introvertierten Führungskräften: Sie setzen stärker auf 1:1-Gespräche, hören mehr zu, legen Wert auf die Entwicklung des Teams und holen mehr aus den Mitgliedern heraus. Dazu kommen Empathie, ein positives Menschenbild, Coaching und Mentoring – kurz: Servant Leadership, das gerade in modernen, anspruchsvollen Unternehmen immer wichtiger wird. Eine weitere Stärke ist „Deep Diving“: in die Tiefe gehen, recherchieren, lösungsorientiert und konzentriert arbeiten. (Jason Fried, Autor von „Rework“, nennt das moderne Großraumbüro treffend eine „interruption factory“ – genau der Feind konzentrierter Arbeit.)

Drei unterschätzte Hebel

  1. Public Speaking: Viele Introvertierte scheuen Vorträge – aber das hat nichts mit Introversion zu tun (auch Extrovertierte scheuen sie). Es ist eine Frage von Übung und Technik. Barack Obama und Susan Cain sind erstklassige Redner – und beide introvertiert.
  2. Sichtbarkeit/Selbstmarketing: sich zeigen, präsentieren, E-Mails und Calls nutzen – auch das ist lernbar, keine Frage der Persönlichkeit.
  3. Networking: Ich dachte lange, Networking sei „nichts für mich“ – bis ich merkte, dass ich ein falsches Bild davon hatte. Große Events rauben mir Energie; echte 1:1-Begegnungen mit interessanten Menschen geben mir welche.

Der eigentliche Karriere-Tipp

Bleib dir selbst treu und frag dich: Wie kann ich meine versteckten Stärken als introvertierte Persönlichkeit für meine Laufbahn nutzen? Werden diese Stärken in meinem aktuellen Unternehmen wertgeschätzt? Nimm deine Entwicklung proaktiv in die Hand. Karriere nicht um jeden Preis – aber Introversion ist definitiv kein Hindernis für eine erfolgreiche Führungslaufbahn.

Warum du dich nicht verbiegen, sondern deinen eigenen Stil entwickeln solltest, vertieft Führungsstil entwickeln. Warum die dienende Haltung gerade introvertierte Stärken nutzt, hörst du in Servant Leadership. Und wie du als ruhiger Typ sichtbar wirst, zeigt Sichtbarkeit im Job.

Häufige Fragen zu Introversion & Führung

Können introvertierte Menschen gute Führungskräfte sein? Ja, eindeutig. Viele der erfolgreichsten Führungspersönlichkeiten sind introvertiert. Gerade bei proaktiven, hochqualifizierten Teams spielen introvertierte Stärken – Zuhören, 1:1-Gespräche, Servant Leadership – ihre volle Wirkung aus.

Was bedeutet Introversion eigentlich? Es geht um Energie, nicht um Schüchternheit oder Sozialkompetenz: Introvertierte verlieren bei sozialen Interaktionen Energie und tanken im Rückzug auf, Extrovertierte umgekehrt. Beides ist biologisch veranlagt.

Sollte ich als Introvertierter versuchen, extrovertierter zu werden? Nein – das ist der größte Fehler. Wer sich dauerhaft verbiegt, wird unzufrieden. Besser ist, deine Stärken zu hebeln und einen authentischen Stil zu entwickeln.

Was sind die größten Stärken introvertierter Führungskräfte? Zuhören und 1:1-Gespräche, Empathie und ein positives Menschenbild, Coaching/Mentoring (Servant Leadership) sowie die Fähigkeit, in die Tiefe zu gehen und konzentriert zu arbeiten.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Weitere Buchempfehlungen findest du in meiner Bibliothek für Ingenieure.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema persönliche Entwicklung und Führung als Ingenieur.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge Nummer 65: Karriere-Tipps für Introvertierte – so nutzt du Introversion als Stärke. Ich bin in den letzten Tagen über ein Video und mehrere Artikel gestolpert. Eine Aussage darin: „Extrovertierte sind die besten Führungskräfte.“ Das war das Ergebnis einer Studie aus dem Jahr 2006 (Harvard Business Review, USA), in der 65 % der Top-Führungskräfte genau das sagten. Fakt ist allerdings – schon in diesem Artikel –, dass einige der größten und erfolgreichsten Führungskräfte introvertiert sind: Bill Gates, Mark Zuckerberg, Larry Page, aber auch Barack Obama, Abraham Lincoln, Gandhi oder Albert Einstein. Die Kernaussage des Artikels: Der größte Fehler, den eine introvertierte Persönlichkeit machen kann, ist zu versuchen, wie ein Extrovertierter zu werden und sich zu verbiegen. Wenn ich auf meinen eigenen Werdegang zurückblicke, muss ich gestehen: Ich habe oft genau das versucht.

Bevor wir einsteigen, kurz zur Definition. Sie geht zurück auf Susan Cain, die das Buch „Still“ (englisch „Quiet“) geschrieben und einen tollen TED-Talk dazu gehalten hat. Wichtig: Sozialkompetenz hat nichts mit Introversion zu tun – auch Extrovertierte können sozial merkwürdig wirken. Bei Introversion geht es um Energie. Ein griffiges Bild: Eine introvertierte Persönlichkeit wacht morgens mit fünf Münzen auf und gibt bei jeder sozialen Interaktion eine aus – am Ende des Tages ist das Konto leer. Bei einer extrovertierten Persönlichkeit ist es umgekehrt: Sie startet mit null und sammelt bei jeder Interaktion Münzen. Das erklärt, warum ein Introvertierter nach einer Party ausgelaugt ist, während ein Extrovertierter sich aufgeladen fühlt. Das ist nichts, was wir uns aussuchen, sondern biologisch veranlagt.

Für Karriere und Führung ist es komplett irrelevant, ob du introvertiert oder extrovertiert bist. Es geht darum, das Meiste aus dem zu holen, was du bist. Du kannst eine sehr gute Führungskraft sein und eine erfolgreiche Laufbahn hinlegen, auch wenn du introvertiert bist – dafür gibt es dutzende Beispiele. Wichtig ist der erste Schritt: zu erkennen und zu akzeptieren, dass du introvertiert veranlagt bist (etwa über einen Persönlichkeitstest wie 16Personalities bzw. den Myers-Briggs-Typindikator). Denn das Bild „erfolgreiche Führungskraft = extrovertiert“ ist tief verankert. Typische Aussagen, die ich von (angehenden) Führungskräften höre: „Ich muss durchsetzungsstärker werden, souveräner, selbstbewusster, schlagfertiger.“ Das sind alles eher extrovertierte Eigenschaften – der Fokus liegt also auf dem vermeintlichen Nachteil der Introversion und dem Wunsch, extrovertierter zu werden. Aus eigener Erfahrung: Man fängt an, sich zu verbiegen, und das führt auf Dauer zu Unzufriedenheit und Stress, weil du nicht du selbst bleibst. Bleib authentisch (mehr dazu in der Folge zum eigenen Führungsstil) und heble stattdessen deine Stärken.

Damit zu den introvertierten Stärken in der Führung. Teams mit proaktiven, hochqualifizierten Mitarbeitern performen oft deutlich besser unter einer introvertierten Führungskraft. Warum? Introvertierte fokussieren sich mehr auf 1:1-Gespräche, hören mehr zu, legen mehr Wert auf die Entwicklung des Teams und holen so mehr aus dem Team heraus. Dazu kommen Empathie, ein positives Menschenbild, Coaching und Mentoring – also Servant Leadership. Je moderner das Unternehmen und je qualifizierter die Mitarbeiter, desto wichtiger wird dieser Ansatz – und genau darin sind Introvertierte stark. Eine weitere große Stärke ist das „Deep Diving“: in die Tiefe gehen, recherchieren, lösungsorientiert und konzentriert arbeiten. Jason Fried, Autor von „Rework“, sagt: „The modern office is an interruption factory.“ Großraumbüros hindern an genau dieser konzentrierten Arbeit.

Dazu drei Trugschlüsse, die ich selbst erlebt habe. Erstens Public Speaking: Viele Introvertierte haben Respekt davor, vor anderen zu sprechen. Das hat aber nichts mit Introversion zu tun – auch viele Extrovertierte scheuen es. Barack Obama (introvertiert, bezeichnet sich selbst so) ist ein erstklassiger Redner, genauso wie Susan Cain. Es geht um Übung und Technik. Zweitens Sichtbarkeit als Karriere-Boost: sich vor anderen zeigen, Vorträge halten, E-Mails schreiben, Anrufe tätigen – alles Mittel für Sichtbarkeit und Selbstmarketing. Auch das hat wenig mit Persönlichkeit und viel mit Lernen zu tun. Drittens Networking: Ich dachte lange „Networking, niemals“ – heute weiß ich, dass ich ein falsches Bild davon hatte. Große Events rauben mir Kraft; aber Interaktionen mit Menschen, gerade 1:1, spannende Persönlichkeiten kennenzulernen, können mir Energie geben.

Der entscheidende Karriere-Tipp für Introvertierte ist also: dir selbst treu bleiben und überlegen, wie du das Ganze hebelst. Wie kannst du deine versteckten Stärken für deine berufliche Laufbahn nutzen? Werden diese Stärken in deinem aktuellen Unternehmen wertgeschätzt? Sei ehrlich – und nimm deine Entwicklung proaktiv in die Hand, statt dich treiben zu lassen. Wir wollen alle unsere Zeit und Energie auf die Dinge konzentrieren, in denen wir gut sind. Wer sich zu sehr verbiegt, wird unzufrieden. Karriere nicht um jeden Preis – aber nur weil du introvertiert veranlagt bist, heißt das nicht, dass du keine erfolgreiche Führungskraft sein kannst. Das kannst du in jedem Fall.

Zur Vertiefung empfehle ich „Still“ von Susan Cain und das kompakte „Kopfsache“, außerdem Susan Cains TED-Talk „The Power of Introverts“ sowie die Tony-Robbins-Folge bzw. das Buch „The Captain Class“, in dem es viel um introvertierte Führungskräfte und ihre Wirkung im Team geht.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Karriere-Tipps für Introvertierte: So nutzt du Introversion als Stärke

„Extrovertierte sind die besten Führungskräfte“ – dieses Bild ist tief verankert, und viele ambitionierte Ingenieure (die oft eher introvertiert sind) versuchen deshalb, sich zu verbiegen. Der größte Fehler, den eine introvertierte Persönlichkeit machen kann, ist genau das: zu versuchen, extrovertiert zu werden.

In dieser Folge klären wir, was Introversion wirklich bedeutet, warum sie für Karriere und Führung kein Nachteil ist – und wie du deine introvertierten Stärken gezielt nutzt, statt gegen sie anzukämpfen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Introversion ist eine Frage der Energie, nicht der Sozialkompetenz. Bild (nach Susan Cain): Ein Introvertierter startet den Tag mit 5 „Münzen“ und gibt bei jeder sozialen Interaktion eine aus; ein Extrovertierter sammelt sie. Es ist genetisch, nicht wählbar.
  • Für Karriere und Führung ist es irrelevant, ob du intro- oder extrovertiert bist – viele der erfolgreichsten Führungspersönlichkeiten sind introvertiert.
  • Der größte Fehler: dich verbiegen. Ständig „durchsetzungsstärker, souveräner, schlagfertiger“ werden zu wollen führt zu Stress und Unzufriedenheit. Bleib authentisch.
  • Introvertierte Stärken in der Führung: mehr 1:1-Gespräche, besseres Zuhören, Empathie, Servant Leadership, Mentoring – und „Deep Diving“: in die Tiefe gehen und konzentriert arbeiten.
  • Drei unterschätzte Hebel (haben mit Übung zu tun, nicht mit Persönlichkeit): Public Speaking, Sichtbarkeit/Selbstmarketing und Networking.
  • Der eigentliche Karriere-Tipp: dir selbst treu bleiben und deine versteckten Stärken hebeln, statt einem extrovertierten Ideal nachzueifern.

Introversion als Stärke im Detail

Was Introversion wirklich ist

Eine Studie (Harvard Business Review, 2006) ergab, dass 65 % der Top-Führungskräfte glauben, Extrovertierte seien die besten Leader. Tatsächlich sind aber viele der erfolgreichsten Persönlichkeiten introvertiert – von Bill Gates über Barack Obama bis zu Albert Einstein. Wichtig ist die Definition (geprägt von Susan Cain, „Still“ / „Quiet“): Introversion hat nichts mit Sozialkompetenz zu tun – schüchtern oder sozial unbeholfen können auch Extrovertierte sein. Es geht um Energie: Ein Introvertierter wacht mit fünf „Münzen“ auf und gibt bei jeder sozialen Interaktion eine aus – nach einer Party ist er ausgelaugt. Ein Extrovertierter lädt sich genau dort auf. Das ist biologisch veranlagt, nicht wählbar.

Warum Introversion kein Karriere-Nachteil ist

Für Karriere und Führung ist es irrelevant, ob du intro- oder extrovertiert bist – es geht darum, das Beste aus dem zu machen, was du bist. Der erste Schritt ist, deine Veranlagung zu akzeptieren (z. B. über einen Persönlichkeitstest wie 16Personalities/MBTI). Der größte Fehler ist, einem extrovertierten Ideal nachzueifern: „Ich muss durchsetzungsstärker, souveräner, schlagfertiger werden.“ Wer sich dauerhaft verbiegt, wird unzufrieden und gestresst, weil er nicht authentisch bleibt. Besser: deine Stärken hebeln.

Introvertierte Führungsstärken

Teams mit proaktiven, hochqualifizierten Mitarbeitern performen oft besser unter introvertierten Führungskräften: Sie setzen stärker auf 1:1-Gespräche, hören mehr zu, legen Wert auf die Entwicklung des Teams und holen mehr aus den Mitgliedern heraus. Dazu kommen Empathie, ein positives Menschenbild, Coaching und Mentoring – kurz: Servant Leadership, das gerade in modernen, anspruchsvollen Unternehmen immer wichtiger wird. Eine weitere Stärke ist „Deep Diving“: in die Tiefe gehen, recherchieren, lösungsorientiert und konzentriert arbeiten. (Jason Fried, Autor von „Rework“, nennt das moderne Großraumbüro treffend eine „interruption factory“ – genau der Feind konzentrierter Arbeit.)

Drei unterschätzte Hebel

  1. Public Speaking: Viele Introvertierte scheuen Vorträge – aber das hat nichts mit Introversion zu tun (auch Extrovertierte scheuen sie). Es ist eine Frage von Übung und Technik. Barack Obama und Susan Cain sind erstklassige Redner – und beide introvertiert.
  2. Sichtbarkeit/Selbstmarketing: sich zeigen, präsentieren, E-Mails und Calls nutzen – auch das ist lernbar, keine Frage der Persönlichkeit.
  3. Networking: Ich dachte lange, Networking sei „nichts für mich“ – bis ich merkte, dass ich ein falsches Bild davon hatte. Große Events rauben mir Energie; echte 1:1-Begegnungen mit interessanten Menschen geben mir welche.

Der eigentliche Karriere-Tipp

Bleib dir selbst treu und frag dich: Wie kann ich meine versteckten Stärken als introvertierte Persönlichkeit für meine Laufbahn nutzen? Werden diese Stärken in meinem aktuellen Unternehmen wertgeschätzt? Nimm deine Entwicklung proaktiv in die Hand. Karriere nicht um jeden Preis – aber Introversion ist definitiv kein Hindernis für eine erfolgreiche Führungslaufbahn.

Warum du dich nicht verbiegen, sondern deinen eigenen Stil entwickeln solltest, vertieft Führungsstil entwickeln. Warum die dienende Haltung gerade introvertierte Stärken nutzt, hörst du in Servant Leadership. Und wie du als ruhiger Typ sichtbar wirst, zeigt Sichtbarkeit im Job.

Häufige Fragen zu Introversion & Führung

Können introvertierte Menschen gute Führungskräfte sein? Ja, eindeutig. Viele der erfolgreichsten Führungspersönlichkeiten sind introvertiert. Gerade bei proaktiven, hochqualifizierten Teams spielen introvertierte Stärken – Zuhören, 1:1-Gespräche, Servant Leadership – ihre volle Wirkung aus.

Was bedeutet Introversion eigentlich? Es geht um Energie, nicht um Schüchternheit oder Sozialkompetenz: Introvertierte verlieren bei sozialen Interaktionen Energie und tanken im Rückzug auf, Extrovertierte umgekehrt. Beides ist biologisch veranlagt.

Sollte ich als Introvertierter versuchen, extrovertierter zu werden? Nein – das ist der größte Fehler. Wer sich dauerhaft verbiegt, wird unzufrieden. Besser ist, deine Stärken zu hebeln und einen authentischen Stil zu entwickeln.

Was sind die größten Stärken introvertierter Führungskräfte? Zuhören und 1:1-Gespräche, Empathie und ein positives Menschenbild, Coaching/Mentoring (Servant Leadership) sowie die Fähigkeit, in die Tiefe zu gehen und konzentriert zu arbeiten.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

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Diese Folge gehört zum Thema persönliche Entwicklung und Führung als Ingenieur.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge Nummer 65: Karriere-Tipps für Introvertierte – so nutzt du Introversion als Stärke. Ich bin in den letzten Tagen über ein Video und mehrere Artikel gestolpert. Eine Aussage darin: „Extrovertierte sind die besten Führungskräfte.“ Das war das Ergebnis einer Studie aus dem Jahr 2006 (Harvard Business Review, USA), in der 65 % der Top-Führungskräfte genau das sagten. Fakt ist allerdings – schon in diesem Artikel –, dass einige der größten und erfolgreichsten Führungskräfte introvertiert sind: Bill Gates, Mark Zuckerberg, Larry Page, aber auch Barack Obama, Abraham Lincoln, Gandhi oder Albert Einstein. Die Kernaussage des Artikels: Der größte Fehler, den eine introvertierte Persönlichkeit machen kann, ist zu versuchen, wie ein Extrovertierter zu werden und sich zu verbiegen. Wenn ich auf meinen eigenen Werdegang zurückblicke, muss ich gestehen: Ich habe oft genau das versucht.

Bevor wir einsteigen, kurz zur Definition. Sie geht zurück auf Susan Cain, die das Buch „Still“ (englisch „Quiet“) geschrieben und einen tollen TED-Talk dazu gehalten hat. Wichtig: Sozialkompetenz hat nichts mit Introversion zu tun – auch Extrovertierte können sozial merkwürdig wirken. Bei Introversion geht es um Energie. Ein griffiges Bild: Eine introvertierte Persönlichkeit wacht morgens mit fünf Münzen auf und gibt bei jeder sozialen Interaktion eine aus – am Ende des Tages ist das Konto leer. Bei einer extrovertierten Persönlichkeit ist es umgekehrt: Sie startet mit null und sammelt bei jeder Interaktion Münzen. Das erklärt, warum ein Introvertierter nach einer Party ausgelaugt ist, während ein Extrovertierter sich aufgeladen fühlt. Das ist nichts, was wir uns aussuchen, sondern biologisch veranlagt.

Für Karriere und Führung ist es komplett irrelevant, ob du introvertiert oder extrovertiert bist. Es geht darum, das Meiste aus dem zu holen, was du bist. Du kannst eine sehr gute Führungskraft sein und eine erfolgreiche Laufbahn hinlegen, auch wenn du introvertiert bist – dafür gibt es dutzende Beispiele. Wichtig ist der erste Schritt: zu erkennen und zu akzeptieren, dass du introvertiert veranlagt bist (etwa über einen Persönlichkeitstest wie 16Personalities bzw. den Myers-Briggs-Typindikator). Denn das Bild „erfolgreiche Führungskraft = extrovertiert“ ist tief verankert. Typische Aussagen, die ich von (angehenden) Führungskräften höre: „Ich muss durchsetzungsstärker werden, souveräner, selbstbewusster, schlagfertiger.“ Das sind alles eher extrovertierte Eigenschaften – der Fokus liegt also auf dem vermeintlichen Nachteil der Introversion und dem Wunsch, extrovertierter zu werden. Aus eigener Erfahrung: Man fängt an, sich zu verbiegen, und das führt auf Dauer zu Unzufriedenheit und Stress, weil du nicht du selbst bleibst. Bleib authentisch (mehr dazu in der Folge zum eigenen Führungsstil) und heble stattdessen deine Stärken.

Damit zu den introvertierten Stärken in der Führung. Teams mit proaktiven, hochqualifizierten Mitarbeitern performen oft deutlich besser unter einer introvertierten Führungskraft. Warum? Introvertierte fokussieren sich mehr auf 1:1-Gespräche, hören mehr zu, legen mehr Wert auf die Entwicklung des Teams und holen so mehr aus dem Team heraus. Dazu kommen Empathie, ein positives Menschenbild, Coaching und Mentoring – also Servant Leadership. Je moderner das Unternehmen und je qualifizierter die Mitarbeiter, desto wichtiger wird dieser Ansatz – und genau darin sind Introvertierte stark. Eine weitere große Stärke ist das „Deep Diving“: in die Tiefe gehen, recherchieren, lösungsorientiert und konzentriert arbeiten. Jason Fried, Autor von „Rework“, sagt: „The modern office is an interruption factory.“ Großraumbüros hindern an genau dieser konzentrierten Arbeit.

Dazu drei Trugschlüsse, die ich selbst erlebt habe. Erstens Public Speaking: Viele Introvertierte haben Respekt davor, vor anderen zu sprechen. Das hat aber nichts mit Introversion zu tun – auch viele Extrovertierte scheuen es. Barack Obama (introvertiert, bezeichnet sich selbst so) ist ein erstklassiger Redner, genauso wie Susan Cain. Es geht um Übung und Technik. Zweitens Sichtbarkeit als Karriere-Boost: sich vor anderen zeigen, Vorträge halten, E-Mails schreiben, Anrufe tätigen – alles Mittel für Sichtbarkeit und Selbstmarketing. Auch das hat wenig mit Persönlichkeit und viel mit Lernen zu tun. Drittens Networking: Ich dachte lange „Networking, niemals“ – heute weiß ich, dass ich ein falsches Bild davon hatte. Große Events rauben mir Kraft; aber Interaktionen mit Menschen, gerade 1:1, spannende Persönlichkeiten kennenzulernen, können mir Energie geben.

Der entscheidende Karriere-Tipp für Introvertierte ist also: dir selbst treu bleiben und überlegen, wie du das Ganze hebelst. Wie kannst du deine versteckten Stärken für deine berufliche Laufbahn nutzen? Werden diese Stärken in deinem aktuellen Unternehmen wertgeschätzt? Sei ehrlich – und nimm deine Entwicklung proaktiv in die Hand, statt dich treiben zu lassen. Wir wollen alle unsere Zeit und Energie auf die Dinge konzentrieren, in denen wir gut sind. Wer sich zu sehr verbiegt, wird unzufrieden. Karriere nicht um jeden Preis – aber nur weil du introvertiert veranlagt bist, heißt das nicht, dass du keine erfolgreiche Führungskraft sein kannst. Das kannst du in jedem Fall.

Zur Vertiefung empfehle ich „Still“ von Susan Cain und das kompakte „Kopfsache“, außerdem Susan Cains TED-Talk „The Power of Introverts“ sowie die Tony-Robbins-Folge bzw. das Buch „The Captain Class“, in dem es viel um introvertierte Führungskräfte und ihre Wirkung im Team geht.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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