Strategy Map: das ganze Unternehmen strategisch verstehen

Je mehr strategische Verantwortung du übernimmst, desto wichtiger wird ein generalistischer Blick auf das gesamte Unternehmen – auf das „Bigger Picture“ und seine Wechselwirkungen. Genau dafür ist die Strategy Map ein hervorragendes Werkzeug, besonders für systematisch denkende Ingenieure.

In dieser Folge schauen wir uns die Strategy Map an – ihre vier Ebenen, die dahinterliegende Logik und warum vor allem der Prozess (Strategy Mapping) deine strategische Kompetenz schärft.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Die Strategy Map ist ein Denk- und Führungsinstrument, das das ganze Unternehmen in seinen Wechselwirkungen sichtbar macht (Systems Thinking).
  • 4 Ebenen, die aufeinander aufbauen: Organisation/Menschen → Prozesse/„Maschine“ → Kunden → Finanzen.
  • Ray Dalio: Ein Unternehmen ist eine Maschine, von Menschen bedient – starke Menschen → starke Maschine → begeisterte Kunden → Cashflow.
  • Cashflow ist wichtiger als Profitabilität (Liquidität sichert das Überleben). Der CEO-Job ist Capital Allocation (Buffett).
  • Es geht nicht um die Grafik, sondern um den Prozess (Strategy Mapping) – mehrere Thinking Sessions, idealerweise mit externem Sparring.
  • Das Ganze ist auch eine Engpassanalyse: Strategie = Prioritäten = Ergebnis der Engpassanalyse. Regelmäßig wiederholen, dann in eine Balanced Scorecard überführen.

Strategy Map: die Kernidee

Was ist eine Strategy Map?

Die Strategy Map ist die „grafische Logik der Strategie“ – ein Denk- und Führungsinstrument, das nicht einzelne Ziele, sondern die Wechselwirkungen eines Unternehmens darstellt (Systems Thinking, generalistischer Blick). Ray Dalio beschreibt es in Principles sehr ingenieurshaft: Jedes Unternehmen ist eine Maschine, die von Menschen bedient wird und Outcome erzeugt. Tipp: Google „Strategy Map“ und schau dir Beispiele an – das Instrument lebt von seiner grafischen Darstellung.

Die 4 Ebenen

Die Strategy Map besteht aus vier aufeinander aufbauenden Ebenen (von unten nach oben):

  1. Organisation / Lernen & Entwicklung (Fundament): Menschen, Kultur, Führungskultur, Tools, Technologien, Wissensmanagement, Weiterbildung. Ziel: eine starke, selbstlernende Organisation. Menschen sind das Fundament jedes Unternehmenserfolgs.
  2. Prozesse / „die Maschine“: die Wertschöpfungskette – Marketing, Vertrieb, Operations, Logistik, Customer Success. Ziel: schlanke, verlässliche, skalierbare und qualitativ hochwertige Prozesse (die „Prozesslandkarte“).
  3. Kunden: Zielkunde/Avatar, Buyer Journey, Psychografie, Positionierung, USPs, Angebotsportfolio, Branding und Reputation. Ziel: begeisterte Kunden.
  4. Finanzen: Cashflow, Liquidität und finanzielle Reichweite, Profitabilität, Kosten- und Umsatzstrukturen. Ziel: ein profitabler, stabiler und wachsender Cashflow.

Die Logik: Starke Menschen bauen eine starke Maschine, eine starke Maschine begeistert Kunden, begeisterte Kunden erzeugen Cashflow und Profitabilität – den man wiederum reinvestiert (Flywheel). Wichtig: Cashflow ist das Wichtigste, nicht zuerst die Profitabilität – ohne Liquidität überlebt kein Unternehmen. Und wie Warren Buffett sagt, ist der eigentliche Job eines CEO die Capital Allocation: den erwirtschafteten Cash klug zu reinvestieren.

Strategy Mapping als Prozess & Engpassanalyse

Entscheidend ist nicht das fertige Blatt, sondern der Prozess: das Strategy Mapping. Das geschieht über mehrere Thinking Sessions, idealerweise am Whiteboard und abseits des Tagesgeschäfts – erst für dich allein, dann mit ein, zwei Personen aus der strategischen Führung und idealerweise einem externen Sparringspartner, der dich challenged. Der größte Nebeneffekt für alle, die zum ersten Mal mit Strategie in Berührung kommen: Du verstehst dein Unternehmen tief – und baust echte strategische Kompetenz auf. Zugleich ist Strategy Mapping eine Engpassanalyse: Wo sind wir stark, wo liegt der Engpass? Daraus ergeben sich die Prioritäten – und Strategie ist nichts anderes als Prioritäten. Weil sich der Engpass mit der Zeit verschiebt, wiederholst du den Prozess regelmäßig und überführst die Ergebnisse in eine Balanced Scorecard (KPIs/Dashboard), um das Unternehmen messbar zu steuern.

Den generalistischen, ganzheitlichen Blick (inkl. Capital Allocation) vertieft die Folge CEO Mindset. Und wie du auf Basis der Engpässe gezielt vereinfachst, statt nur zu optimieren, zeigt Eliminieren statt Optimieren.

Häufige Fragen zur Strategy Map

Was ist eine Strategy Map? Ein Denk- und Führungsinstrument der strategischen Unternehmensführung, das die Strategie als grafische Logik darstellt – also die Wechselwirkungen zwischen Organisation, Prozessen, Kunden und Finanzen. Sie hilft, das gesamte Unternehmen ganzheitlich (Systems Thinking) zu verstehen und zu steuern.

Aus welchen 4 Ebenen besteht eine Strategy Map? Aus der Organisations-/Lernebene (Menschen, Kultur, Ressourcen), der Prozessebene (die „Maschine“ bzw. Wertschöpfungskette), der Kundenebene (Zielkunden, Positionierung, Begeisterung) und der Finanzebene (Cashflow, Liquidität, Profitabilität). Die Ebenen bauen aufeinander auf.

Wofür ist Strategy Mapping gut? Vor allem, um dein Unternehmen tief zu verstehen und strategische Kompetenz aufzubauen. Im Prozess identifizierst du Engpässe, leitest daraus Prioritäten (= deine Strategie) ab und überführst sie in eine Balanced Scorecard, mit der du den Fortschritt misst und das Unternehmen steuerst.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Ray Dalio – Principles: „Ein Unternehmen ist eine Maschine.“
  • Balanced Scorecard & Strategy Map (Kaplan & Norton): das ergänzende Kennzahlen-Instrument zur Strategy Map.
  • Warren Buffett: Capital Allocation als zentrale CEO-Aufgabe.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Strategie als Ingenieur und Unternehmen klug gestalten.

Transkript

Heute geht es um ein Instrument aus dem strategischen Management, das mir in den letzten Jahren sehr gute Dienste erwiesen hat – besonders spannend, wenn du Kontext zur Unternehmensstrategie hast oder dich perspektivisch Richtung strategisches Management entwickeln möchtest: die Strategy Map, beziehungsweise den Prozess dahinter, das Strategy Mapping. Ich bin im Masterstudium rund um Unternehmensführung darauf gestoßen und habe es schon in meinem ersten Job in der strategischen Begleitung der Unternehmensführung angewendet. Eng verbunden ist die Strategy Map mit der Balanced Scorecard – die klammern wir heute aus, aber beide gehen Hand in Hand.

Die Strategy Map ist ein Denk- und Führungsinstrument. Gerade Ingenieure sind dafür sehr geeignet, weil es um Systems Thinking geht – einen generalistischen Blick auf das gesamte Unternehmen und das Verständnis seiner Wechselwirkungen. Sie ist die grafische Logik der Strategie; ich empfehle, „Strategy Map“ zu googeln und sich Beispiele anzuschauen, denn sie lebt davon, dass sie grafisch ist. Wenn ich mit Geschäftsführern arbeite, machen wir das in mehreren Whiteboard-Sessions und reflektieren die Elemente gemeinsam.

Ray Dalio beschreibt in Principles etwas, das der Strategy Map sehr nahekommt: Jedes Unternehmen ist eine Maschine, die von Menschen bedient wird und Outcome erzeugt. Eine sehr systemorientierte Denkweise. Die Strategy Map besteht aus vier aufeinander aufbauenden Ebenen. Die Basis (im Original „Lernen und Entwicklung“) ist die Organisation: Menschen, Kultur, Ressourcen, Tools, Technologien. Das ist Mittel zum Zweck für die zweite Ebene – das, was Dalio die Maschine nennt: die Wertschöpfungskette und Prozesse (Operations). Hierhin gehört die klassische Prozesslandkarte. Die dritte Ebene ist die Kundenebene: das Ergebnis der Wertschöpfung, das an den Kunden ausgeliefert wird. Und die letzte Ebene ist die Finanzebene.

Es geht darum, ganzheitlich zu durchdenken: Welche Menschen haben wir, wie sind wir organisiert, was ist unsere Kultur? Wie sieht unsere Wertschöpfungskette aus, welche Prozesse schaffen wirklich Wert? Wer sind unsere Kunden, wie ist unsere Positionierung und die Kundenbegeisterung? Und wie sehen unsere Finanzzahlen aus? Hier knüpft die Balanced Scorecard an: Sie überführt die Strategie in messbare KPIs und ein Dashboard, mit dem du das Unternehmen ganzheitlich steuerst und erkennst, wo in der Ursache-Wirkungs-Kette der größte Engpass liegt.

Der grundsätzliche Aufbau ist immer gleich, weil hier die First Principles jedes Unternehmens stecken: Menschen arbeiten an einer Maschine, diese Maschine ist für die Kunden da, und daraus resultiert Cashflow und Profitabilität – die Lebensader jedes Unternehmens. Viele, die erstmals mit Strategie in Berührung kommen, verstehen diese klaren Wechselwirkungen nicht: Wenn du über Kultur sprichst, bist du auf der untersten Ebene; sie ist Mittel zum Zweck, um die Wertschöpfung zu speisen, die wiederum Kundenbedürfnisse befriedigt, was Cashflow erzeugt – den du reinvestieren kannst. Warren Buffett sagt, der eigentliche Job eines CEO sei die Capital Allocation: den Cash klug zu reinvestieren und das Unternehmen über ein Flywheel ins Wachstum zu bringen.

Gehen wir die Ebenen per Reverse Engineering durch. Ganz oben die Finanzen – Ziel: profitabler, stabiler, wachsender Cashflow. Cashflow ist das Wichtigste, nicht die Profitabilität, denn ohne Liquidität überlebt das Unternehmen nicht. Dazu finanzielle Reichweite, Profitabilität, Kosten- und Umsatzstrukturen. Jedes Geschäftsmodell hat andere Effekte: Manche müssen stark vorfinanzieren (Material kaufen, bevor Cash fließt) und haben ein großes Cashflow-Problem; in Dienstleistungsunternehmen, wo früh Zahlungen fließen, geht es eher um Kostenstrukturen und kluge Reinvestition.

Die Ebene darunter sind die Kunden: Wer ist der Zielkunde, der Avatar? Wie sieht die Buyer Journey aus, was ist die Psychografie (Bedenken, Kaufkriterien)? Dann Positionierung, Differenzierung, USPs, Angebotsportfolio sowie Branding und Reputation – alles essenziell, um Kunden zu begeistern. Darunter die Maschine: die Prozessorganisation, die ein Produkt oder eine Dienstleistung in gleichbleibender Qualität erstellt. Ziel sind schlanke, skalierbare und verlässliche Prozesse – je nach Unternehmen Marketing, Vertrieb, Operations, Logistik, Customer Success. Und ganz unten die Organisation: Menschen, Kultur, Führungskultur, Wissensmanagement, Tools und Technologien. Ziel ist eine starke, selbstlernende Organisation – denn starke Menschen bauen eine starke Maschine, eine starke Maschine begeistert Kunden, und das erzeugt Cashflow.

Strategy Mapping ist ein Prozess über mehrere Thinking Sessions – am besten am Whiteboard, abseits des Tagesgeschäfts. Ich empfehle, das anfangs allein zu machen, dann mit ein, zwei weiteren Personen aus der strategischen Führung und idealerweise mit einem externen Sparringspartner, der dich challenged und einen Außenblick mitbringt. Der größte Benefit, gerade für alle, die erstmals mit strategischem Management in Berührung kommen: Du baust unternehmerische und strategische Kompetenz auf. Zugleich ist es eine Engpassanalyse – du reflektierst, wo ihr stark seid und wo der Engpass liegt. Genau hier kommt Strategie ins Spiel: Strategie ist am Ende eine Roadmap, also Prioritäten – und Prioritäten sind das Ergebnis einer Engpassanalyse. Weil sich das Unternehmen dynamisch entwickelt und der Engpass wandert (mal die Organisation, mal die Vertriebsprozesse, mal die Positionierung), macht man diesen Prozess regelmäßig und überführt ihn in eine Balanced Scorecard mit Zielen fürs nächste Quartal oder Jahr.

Gerade im Mittelstand ist das ein sehr hilfreiches Führungsinstrument – spätestens, wenn ein Unternehmen nicht mehr aus drei, vier Personen besteht und die Geschäftsführung mehr Raum für strategische Gedanken hat. Es ist die Aufgabe der Geschäftsführung, hier klare Prioritäten zu setzen: Macht man diesen Job gut, profitiert das ganze Unternehmen; macht man ihn schlecht, herrschen Chaos und Verschwendung. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Strategy Map: das ganze Unternehmen strategisch verstehen

Je mehr strategische Verantwortung du übernimmst, desto wichtiger wird ein generalistischer Blick auf das gesamte Unternehmen – auf das „Bigger Picture“ und seine Wechselwirkungen. Genau dafür ist die Strategy Map ein hervorragendes Werkzeug, besonders für systematisch denkende Ingenieure.

In dieser Folge schauen wir uns die Strategy Map an – ihre vier Ebenen, die dahinterliegende Logik und warum vor allem der Prozess (Strategy Mapping) deine strategische Kompetenz schärft.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Die Strategy Map ist ein Denk- und Führungsinstrument, das das ganze Unternehmen in seinen Wechselwirkungen sichtbar macht (Systems Thinking).
  • 4 Ebenen, die aufeinander aufbauen: Organisation/Menschen → Prozesse/„Maschine“ → Kunden → Finanzen.
  • Ray Dalio: Ein Unternehmen ist eine Maschine, von Menschen bedient – starke Menschen → starke Maschine → begeisterte Kunden → Cashflow.
  • Cashflow ist wichtiger als Profitabilität (Liquidität sichert das Überleben). Der CEO-Job ist Capital Allocation (Buffett).
  • Es geht nicht um die Grafik, sondern um den Prozess (Strategy Mapping) – mehrere Thinking Sessions, idealerweise mit externem Sparring.
  • Das Ganze ist auch eine Engpassanalyse: Strategie = Prioritäten = Ergebnis der Engpassanalyse. Regelmäßig wiederholen, dann in eine Balanced Scorecard überführen.

Strategy Map: die Kernidee

Was ist eine Strategy Map?

Die Strategy Map ist die „grafische Logik der Strategie“ – ein Denk- und Führungsinstrument, das nicht einzelne Ziele, sondern die Wechselwirkungen eines Unternehmens darstellt (Systems Thinking, generalistischer Blick). Ray Dalio beschreibt es in Principles sehr ingenieurshaft: Jedes Unternehmen ist eine Maschine, die von Menschen bedient wird und Outcome erzeugt. Tipp: Google „Strategy Map“ und schau dir Beispiele an – das Instrument lebt von seiner grafischen Darstellung.

Die 4 Ebenen

Die Strategy Map besteht aus vier aufeinander aufbauenden Ebenen (von unten nach oben):

  1. Organisation / Lernen & Entwicklung (Fundament): Menschen, Kultur, Führungskultur, Tools, Technologien, Wissensmanagement, Weiterbildung. Ziel: eine starke, selbstlernende Organisation. Menschen sind das Fundament jedes Unternehmenserfolgs.
  2. Prozesse / „die Maschine“: die Wertschöpfungskette – Marketing, Vertrieb, Operations, Logistik, Customer Success. Ziel: schlanke, verlässliche, skalierbare und qualitativ hochwertige Prozesse (die „Prozesslandkarte“).
  3. Kunden: Zielkunde/Avatar, Buyer Journey, Psychografie, Positionierung, USPs, Angebotsportfolio, Branding und Reputation. Ziel: begeisterte Kunden.
  4. Finanzen: Cashflow, Liquidität und finanzielle Reichweite, Profitabilität, Kosten- und Umsatzstrukturen. Ziel: ein profitabler, stabiler und wachsender Cashflow.

Die Logik: Starke Menschen bauen eine starke Maschine, eine starke Maschine begeistert Kunden, begeisterte Kunden erzeugen Cashflow und Profitabilität – den man wiederum reinvestiert (Flywheel). Wichtig: Cashflow ist das Wichtigste, nicht zuerst die Profitabilität – ohne Liquidität überlebt kein Unternehmen. Und wie Warren Buffett sagt, ist der eigentliche Job eines CEO die Capital Allocation: den erwirtschafteten Cash klug zu reinvestieren.

Strategy Mapping als Prozess & Engpassanalyse

Entscheidend ist nicht das fertige Blatt, sondern der Prozess: das Strategy Mapping. Das geschieht über mehrere Thinking Sessions, idealerweise am Whiteboard und abseits des Tagesgeschäfts – erst für dich allein, dann mit ein, zwei Personen aus der strategischen Führung und idealerweise einem externen Sparringspartner, der dich challenged. Der größte Nebeneffekt für alle, die zum ersten Mal mit Strategie in Berührung kommen: Du verstehst dein Unternehmen tief – und baust echte strategische Kompetenz auf. Zugleich ist Strategy Mapping eine Engpassanalyse: Wo sind wir stark, wo liegt der Engpass? Daraus ergeben sich die Prioritäten – und Strategie ist nichts anderes als Prioritäten. Weil sich der Engpass mit der Zeit verschiebt, wiederholst du den Prozess regelmäßig und überführst die Ergebnisse in eine Balanced Scorecard (KPIs/Dashboard), um das Unternehmen messbar zu steuern.

Den generalistischen, ganzheitlichen Blick (inkl. Capital Allocation) vertieft die Folge CEO Mindset. Und wie du auf Basis der Engpässe gezielt vereinfachst, statt nur zu optimieren, zeigt Eliminieren statt Optimieren.

Häufige Fragen zur Strategy Map

Was ist eine Strategy Map? Ein Denk- und Führungsinstrument der strategischen Unternehmensführung, das die Strategie als grafische Logik darstellt – also die Wechselwirkungen zwischen Organisation, Prozessen, Kunden und Finanzen. Sie hilft, das gesamte Unternehmen ganzheitlich (Systems Thinking) zu verstehen und zu steuern.

Aus welchen 4 Ebenen besteht eine Strategy Map? Aus der Organisations-/Lernebene (Menschen, Kultur, Ressourcen), der Prozessebene (die „Maschine“ bzw. Wertschöpfungskette), der Kundenebene (Zielkunden, Positionierung, Begeisterung) und der Finanzebene (Cashflow, Liquidität, Profitabilität). Die Ebenen bauen aufeinander auf.

Wofür ist Strategy Mapping gut? Vor allem, um dein Unternehmen tief zu verstehen und strategische Kompetenz aufzubauen. Im Prozess identifizierst du Engpässe, leitest daraus Prioritäten (= deine Strategie) ab und überführst sie in eine Balanced Scorecard, mit der du den Fortschritt misst und das Unternehmen steuerst.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Ray Dalio – Principles: „Ein Unternehmen ist eine Maschine.“
  • Balanced Scorecard & Strategy Map (Kaplan & Norton): das ergänzende Kennzahlen-Instrument zur Strategy Map.
  • Warren Buffett: Capital Allocation als zentrale CEO-Aufgabe.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Strategie als Ingenieur und Unternehmen klug gestalten.

Transkript

Heute geht es um ein Instrument aus dem strategischen Management, das mir in den letzten Jahren sehr gute Dienste erwiesen hat – besonders spannend, wenn du Kontext zur Unternehmensstrategie hast oder dich perspektivisch Richtung strategisches Management entwickeln möchtest: die Strategy Map, beziehungsweise den Prozess dahinter, das Strategy Mapping. Ich bin im Masterstudium rund um Unternehmensführung darauf gestoßen und habe es schon in meinem ersten Job in der strategischen Begleitung der Unternehmensführung angewendet. Eng verbunden ist die Strategy Map mit der Balanced Scorecard – die klammern wir heute aus, aber beide gehen Hand in Hand.

Die Strategy Map ist ein Denk- und Führungsinstrument. Gerade Ingenieure sind dafür sehr geeignet, weil es um Systems Thinking geht – einen generalistischen Blick auf das gesamte Unternehmen und das Verständnis seiner Wechselwirkungen. Sie ist die grafische Logik der Strategie; ich empfehle, „Strategy Map“ zu googeln und sich Beispiele anzuschauen, denn sie lebt davon, dass sie grafisch ist. Wenn ich mit Geschäftsführern arbeite, machen wir das in mehreren Whiteboard-Sessions und reflektieren die Elemente gemeinsam.

Ray Dalio beschreibt in Principles etwas, das der Strategy Map sehr nahekommt: Jedes Unternehmen ist eine Maschine, die von Menschen bedient wird und Outcome erzeugt. Eine sehr systemorientierte Denkweise. Die Strategy Map besteht aus vier aufeinander aufbauenden Ebenen. Die Basis (im Original „Lernen und Entwicklung“) ist die Organisation: Menschen, Kultur, Ressourcen, Tools, Technologien. Das ist Mittel zum Zweck für die zweite Ebene – das, was Dalio die Maschine nennt: die Wertschöpfungskette und Prozesse (Operations). Hierhin gehört die klassische Prozesslandkarte. Die dritte Ebene ist die Kundenebene: das Ergebnis der Wertschöpfung, das an den Kunden ausgeliefert wird. Und die letzte Ebene ist die Finanzebene.

Es geht darum, ganzheitlich zu durchdenken: Welche Menschen haben wir, wie sind wir organisiert, was ist unsere Kultur? Wie sieht unsere Wertschöpfungskette aus, welche Prozesse schaffen wirklich Wert? Wer sind unsere Kunden, wie ist unsere Positionierung und die Kundenbegeisterung? Und wie sehen unsere Finanzzahlen aus? Hier knüpft die Balanced Scorecard an: Sie überführt die Strategie in messbare KPIs und ein Dashboard, mit dem du das Unternehmen ganzheitlich steuerst und erkennst, wo in der Ursache-Wirkungs-Kette der größte Engpass liegt.

Der grundsätzliche Aufbau ist immer gleich, weil hier die First Principles jedes Unternehmens stecken: Menschen arbeiten an einer Maschine, diese Maschine ist für die Kunden da, und daraus resultiert Cashflow und Profitabilität – die Lebensader jedes Unternehmens. Viele, die erstmals mit Strategie in Berührung kommen, verstehen diese klaren Wechselwirkungen nicht: Wenn du über Kultur sprichst, bist du auf der untersten Ebene; sie ist Mittel zum Zweck, um die Wertschöpfung zu speisen, die wiederum Kundenbedürfnisse befriedigt, was Cashflow erzeugt – den du reinvestieren kannst. Warren Buffett sagt, der eigentliche Job eines CEO sei die Capital Allocation: den Cash klug zu reinvestieren und das Unternehmen über ein Flywheel ins Wachstum zu bringen.

Gehen wir die Ebenen per Reverse Engineering durch. Ganz oben die Finanzen – Ziel: profitabler, stabiler, wachsender Cashflow. Cashflow ist das Wichtigste, nicht die Profitabilität, denn ohne Liquidität überlebt das Unternehmen nicht. Dazu finanzielle Reichweite, Profitabilität, Kosten- und Umsatzstrukturen. Jedes Geschäftsmodell hat andere Effekte: Manche müssen stark vorfinanzieren (Material kaufen, bevor Cash fließt) und haben ein großes Cashflow-Problem; in Dienstleistungsunternehmen, wo früh Zahlungen fließen, geht es eher um Kostenstrukturen und kluge Reinvestition.

Die Ebene darunter sind die Kunden: Wer ist der Zielkunde, der Avatar? Wie sieht die Buyer Journey aus, was ist die Psychografie (Bedenken, Kaufkriterien)? Dann Positionierung, Differenzierung, USPs, Angebotsportfolio sowie Branding und Reputation – alles essenziell, um Kunden zu begeistern. Darunter die Maschine: die Prozessorganisation, die ein Produkt oder eine Dienstleistung in gleichbleibender Qualität erstellt. Ziel sind schlanke, skalierbare und verlässliche Prozesse – je nach Unternehmen Marketing, Vertrieb, Operations, Logistik, Customer Success. Und ganz unten die Organisation: Menschen, Kultur, Führungskultur, Wissensmanagement, Tools und Technologien. Ziel ist eine starke, selbstlernende Organisation – denn starke Menschen bauen eine starke Maschine, eine starke Maschine begeistert Kunden, und das erzeugt Cashflow.

Strategy Mapping ist ein Prozess über mehrere Thinking Sessions – am besten am Whiteboard, abseits des Tagesgeschäfts. Ich empfehle, das anfangs allein zu machen, dann mit ein, zwei weiteren Personen aus der strategischen Führung und idealerweise mit einem externen Sparringspartner, der dich challenged und einen Außenblick mitbringt. Der größte Benefit, gerade für alle, die erstmals mit strategischem Management in Berührung kommen: Du baust unternehmerische und strategische Kompetenz auf. Zugleich ist es eine Engpassanalyse – du reflektierst, wo ihr stark seid und wo der Engpass liegt. Genau hier kommt Strategie ins Spiel: Strategie ist am Ende eine Roadmap, also Prioritäten – und Prioritäten sind das Ergebnis einer Engpassanalyse. Weil sich das Unternehmen dynamisch entwickelt und der Engpass wandert (mal die Organisation, mal die Vertriebsprozesse, mal die Positionierung), macht man diesen Prozess regelmäßig und überführt ihn in eine Balanced Scorecard mit Zielen fürs nächste Quartal oder Jahr.

Gerade im Mittelstand ist das ein sehr hilfreiches Führungsinstrument – spätestens, wenn ein Unternehmen nicht mehr aus drei, vier Personen besteht und die Geschäftsführung mehr Raum für strategische Gedanken hat. Es ist die Aufgabe der Geschäftsführung, hier klare Prioritäten zu setzen: Macht man diesen Job gut, profitiert das ganze Unternehmen; macht man ihn schlecht, herrschen Chaos und Verschwendung. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Als Nächstes lesen