Der schnellste Weg, dir eine neue Fähigkeit anzueignen, ist nicht das populärste Buch oder der bekannteste Guru. Es ist „Modeling of Excellence“: Lerne von denen, die das, was du erreichen willst, bereits getan haben – nicht von Professoren, Akademikern oder Influencern.
In dieser kompakten Folge zeige ich dir die vier Fragen, die du in genau dieser Reihenfolge beantworten solltest – am konkreten Beispiel einer High-Performance-Kultur.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Lerne von den Machern, nicht von den Rednern. Schwimmen lernt man von Menschen, die schwimmen können – nicht von denen, die über Schwimmen reden.
- Starte nie mit der Suche nach dem populärsten Buch oder Guru. Ein bekannter Name ist keine Garantie für echte First Principles.
- Frage 1 – Was ist dein Ziel? Auf drei Ebenen: das Ziel selbst, die nötigen Schritte und das nötige Wissen.
- Frage 2 – Wer hat dein Ziel schon erreicht? Welches Unternehmen – und welche konkrete Person darin war dafür verantwortlich?
- Frage 3 – Was sind ihre Prinzipien und Überzeugungen? Menschen teilen ihr Wissen erstaunlich gern; eine kurze Recherche genügt oft.
- Frage 4 – Welche Ressourcen haben ihr Wissen geformt? Bücher, Vorträge, Originaldokumente – die Quellen hinter der Quelle.
Von den Besten lernen: die Kernidee
Warum Modeling of Excellence?
Modeling of Excellence ist eine simple Idee mit großer Wirkung: Lerne nicht von Professoren oder Akademikern, sondern von denen, die das erreicht haben, was du erreichen willst. Selbst ich verfalle noch oft dem Reflex, zuerst nach spannenden Büchern, Influencern oder bekannten Namen zu suchen – das ist der falsche Weg. Statt zu „dabbeln“ (random ein, zwei Bücher lesen, ein paar YouTube-Videos schauen), beantwortest du vier Fragen in fester Reihenfolge. Das ist Meta-Learning: lernen, wie man lernt. Es kostet Zeit und Energie (manchmal Tage, Wochen, Monate), zahlt sich aber massiv aus.
Frage 1: Was ist dein Ziel?
Mach es konkret. Beispiel: Du bist Produktions- oder Teamleiter und willst eine High-Performance-Kultur schaffen. Diese erste Frage hat drei Ebenen: das Ziel selbst, die Schritte, die dorthin führen, und das Wissen, das du dafür brauchst. Bei einer High-Performance-Kultur wird schnell klar, dass ein zentraler Baustein der Einstellungsprozess (Hiring) ist – wie finde und begeistere ich die richtigen Leute?
Frage 2: Wer hat dieses Ziel schon erreicht?
Hier liegt die Krux – das fällt vielen schwer und erfordert Recherche. Welches Unternehmen hat dein Ziel gemeistert? Bei einer High-Performance-Kultur kommt schnell Netflix in den Sinn. Entscheidend ist die nächste Ebene: Welche Person im Unternehmen war dafür verantwortlich? Bei Netflix war das Patty McCord, von 1998 bis 2012 Chief Talent Officer – sie hat diese Kultur maßgeblich geprägt. Sie ist dein Anknüpfungspunkt.
Frage 3: Was sind ihre Prinzipien und Überzeugungen?
Jetzt wird es einfach: Setz dich mit dieser Person auseinander. Ein paar Mal googeln genügt oft, denn Menschen in solchen Rollen teilen ihr Wissen gern. Patty McCord hat sehr unkonventionelle Ansichten: „Netflix ist keine Familie, sondern ein Profi-Sportteam.“ Sie setzt auf klare Leistungsorientierung, aber auch auf Freiheit und Verantwortung – Bürokratie und enge Regeln sind der Feind („Wir haben keine Kleiderordnung, und trotzdem ist noch keiner nackt gekommen“). Gemeinsame Ziele und Ergebnisse werden definiert, aber den Weg dorthin überlässt man den guten Leuten. Eng damit verbunden ist Reid Hoffmans Buch The Alliance: Es geht um Mission Alignment zwischen Person, Aufgabe und Unternehmen – und darum, sich fair zu trennen, wenn dieses Alignment nicht mehr besteht.
Frage 4: Welche Ressourcen haben ihr Wissen geformt?
Diese Frage geht mit Frage 3 einher: Womit hat sich die Person ihr Wissen angeeignet, und worüber teilt sie es? Patty McCord hat das berühmte Netflix Culture Deck mitgestaltet (Originalfassung von 2009 als umfangreiche Präsentation; die moderne Fassung steht auf der Netflix-Karriereseite), 2018 das Buch Powerful veröffentlicht und hält Vorträge (u. a. einen TED-Talk). Diese Quellen geben tiefe Einblicke in ihre Denkweise – und in die Quellen, die sie geformt haben.
Kurz gefasst: Schwimmen lernt man von Menschen, die schwimmen können, nicht von denen, die darüber reden. Ein bekannter Name ist keine Garantie für echte First Principles. Modeling of Excellence heißt: analysieren, was die Besten real erreicht haben, und ihre Prinzipien als dein Fundament nutzen. So lernst du fast alles im Leben schneller.
Den kompakten Überblick mit Grafiken liest du im Artikel Modeling of Excellence: Wie du 10-mal schneller lernst. Warum gezieltes Lernen mehr bringt als reine Routine, vertieft Schneller lernen. Welche drei Faktoren deine Entwicklung beschleunigen, hörst du in Lebenslanges Lernen. Und wie eine High-Performance-Kultur konkret entsteht, zeigt Die 8 Elemente einer erfolgreichen Unternehmenskultur.
Häufige Fragen zum Thema von den Besten lernen
Was ist Modeling of Excellence? Eine Lernmethode, bei der du nicht von Theoretikern oder populären Gurus lernst, sondern von denen, die genau das erreicht haben, was du erreichen willst. Du analysierst ihre Prinzipien und Quellen und nutzt sie als Fundament – so eignest du dir Fähigkeiten deutlich schneller an.
Welche 4 Fragen gehören zum Modeling of Excellence? 1) Was ist dein Ziel (Ziel, Schritte, nötiges Wissen)? 2) Welches Unternehmen oder welche Person hat dieses Ziel bereits erreicht? 3) Was sind deren Prinzipien und Überzeugungen? 4) Mit welchen Ressourcen hat sich diese Person ihr Wissen angeeignet?
Warum nicht einfach das beste Buch oder einen bekannten Experten suchen? Weil ein bekannter Name keine Garantie für echte First Principles ist. Jemand, der über ein Thema redet, hat es nicht zwangsläufig in der Praxis gemeistert. Lerne von denen, die den Weg real gegangen sind.
Was ist Meta-Learning? „Lernen, wie man lernt.“ Statt sich zufällig Wissen anzueignen, gehst du systematisch vor (die vier Fragen). Das kostet anfangs Zeit und Energie, macht dich aber bei jeder künftigen Fähigkeit schneller.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
- Patty McCord – Powerful: die Prinzipien hinter der High-Performance-Kultur von Netflix (ergänzt durch das Netflix Culture Deck und ihren TED-Talk).
- Reid Hoffman – The Alliance: Mission Alignment zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber als Fundament einer starken Kultur.
Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Mindset.
Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit.
Transkript
Der schnellste und effektivste Weg, dir neue Fähigkeiten anzueignen, besteht darin, Modeling of Excellence zu betreiben. Modeling of Excellence ist eine simple Idee mit großer Wirkung: Lerne nicht von Professoren oder Akademikern, sondern von denjenigen, die das getan und erreicht haben, was du gerne möchtest.
Wenn du etwas Neues lernen möchtest, solltest du niemals mit der Suche nach dem populärsten Buch oder dem bekanntesten Guru beziehungsweise vermeintlichen Experten starten, sondern vier Fragen beantworten – und zwar immer in dieser Reihenfolge. In dieser kurzen, knackigen Folge gebe ich dir ein Beispiel dafür. Frage Nummer 1: Was ist dein Ziel? Frage Nummer 2: Welches Unternehmen oder welche Person hat dieses Ziel bereits erreicht? Frage Nummer 3: Was sind die Prinzipien und Überzeugungen dieser Person? Frage Nummer 4: Was sind die Ressourcen, mit denen sich diese Person das Wissen angeeignet hat?
Starten wir mit einem konkreten Beispiel, auch aus meinem persönlichen Fall. Modeling of Excellence zu betreiben ist nicht immer einfach – ich verfalle heute noch dem Reflex, zuerst zu schauen, welche spannenden Bücher es zu einem Thema gibt, welche Persönlichkeiten und Influencer. Das ist aber der falsche Weg, und ich erinnere mich immer wieder daran, stattdessen Modeling of Excellence zu betreiben, weil das der deutlich bessere, effektivere und schnellere Weg ist, etwas zu lernen.
Frage 1, was ist dein Ziel? Im Kontext von Mentorwerk – das kann aber auch bei dir gelten, wenn du ein Team oder ein Unternehmen führst oder in einer Werkleiter-, Produktionsleiter-, Abteilungsleiter- oder Teamleiterrolle bist – möchte ich eine sogenannte High-Performance-Kultur schaffen. Dieses Thema ist unglaublich komplex. Jetzt könnte man sich verschiedenen Persönlichkeiten zuwenden: bei Amazon und Goodreads nach Büchern suchen, bei YouTube schauen, vielleicht auf Simon Sinek und andere stoßen. Genau das ist der falsche Weg – nicht nach Büchern und nicht nach Influencern oder bekannten Namen aus dem Feld suchen. Die erste Frage ist, das Ziel genauer zu verstehen. Denn um ein Ziel zu erreichen, musst du etwas tun – verschiedene Schritte in einer bestimmten Reihenfolge. Diese erste Frage hat also drei Ebenen: Was ist das Ziel (High-Performance-Kultur)? Was braucht es dafür (welche Bausteine, etwa Hiring-Management)? Und welches Wissen brauche ich, um diese Schritte umzusetzen? Gerade bei einer High-Performance-Kultur ist relativ klar, dass alles mit dem Einstellungsprozess beginnt: Wie finde ich die richtigen Personen und wie begeistere ich sie, fürs Unternehmen zu arbeiten?
Frage 2, und hier kommt die Krux: Welches Unternehmen oder welche Person hat dieses Ziel bereits erreicht? Das ist für viele gar nicht so einfach und erfordert Recherche. Der gesamte Prozess des Modeling of Excellence kann sich über Tage, Wochen, manchmal Monate ziehen und braucht Zeit und Energie – für dieses Meta-Learning, also das Lernen, wie man lernt. Beim Thema High-Performance-Kultur kommt einem ein Unternehmensname sofort in den Sinn: Netflix. Man könnte auch Facebook, Google oder Amazon nehmen, aber Netflix ist hier mein Beispiel, bekannt für eine moderne High-Performance-Kultur. Die entscheidende Frage ist nun: Welche Person innerhalb des Unternehmens war dafür verantwortlich, diese Kultur zu etablieren? In diesem Fall war es von 1998 bis 2012 Patty McCord, Chief Talent Officer bei Netflix. Sie hat die Kultur maßgeblich geprägt, das Fundament gelegt – sie ist mein Anknüpfungspunkt.
Frage 3: Was sind die Prinzipien und Überzeugungen dieser Person? Plötzlich wird es einfach: Man setzt sich mit Patty McCord auseinander. Wer ist das, welche Überzeugungen hat sie? Ein paar Mal googeln genügt, und man merkt, dass sie sehr unkonventionelle Ansichten über eine High-Performance-Kultur hat. Ein zentrales Statement: „Netflix ist keine Familie, sondern ein Profi-Sportteam.“ Ein Teil einer High-Performance-Kultur ist der Einstellungsprozess, aber die andere Seite der Medaille ist der Trennungsprozess. Und hier kommt Reid Hoffmans Buch The Alliance ins Spiel, das ich sehr empfehlen kann: Es geht nicht darum, Brücken zu verbrennen, sondern um Mission Alignment zwischen Person, Aufgabe und Unternehmen. Heutzutage ist eine lebenslange Anstellung unrealistisch. Wenn jemand nicht mehr für die Aufgabe brennt oder herausgewachsen ist, ist es wichtig, die harte Entscheidung zu treffen, dass sich die Wege fair trennen. Denn wer keine Lust hat und kein Mission Alignment, zieht alle anderen mit runter. Netflix ist sehr leistungsorientiert, legt aber großen Wert auf Freiheit und Verantwortung; Bürokratie und enge Regeln sind der Feind. Patty McCord sagt sinngemäß: „Wir haben keine Kleiderordnung, und trotzdem ist noch keiner nackt gekommen.“ Man definiert gemeinsame Ziele, Ergebnisse und eine gemeinsame Richtung – wie man dahin kommt, überlässt man den guten Leuten. Wenig Prozesse, wenig Bürokratie, wenig Vorgaben.
Frage 4, die mit Frage 3 einhergeht: Was sind die Ressourcen, mit denen sich diese Person das Wissen angeeignet hat? Patty McCord hat das berühmte Culture Deck von Netflix mitgestaltet. Wenn du „Culture Deck Netflix“ googelst, findest du zwei Varianten: die Originalfassung von etwa 2009, eine sehr umfangreiche PowerPoint-Präsentation, in der all diese Ansichten und Prinzipien ausführlich beschrieben sind; und die moderne Fassung auf der Karriereseite von Netflix. Außerdem hat sie 2018 das Buch Powerful veröffentlicht. Und es gibt viele Vorträge, unter anderem einen TED-Talk. All diese Quellen geben tiefere Einblicke in ihre Philosophie und in die Ressourcen, die ihre Denkweise geformt haben.
Jetzt wird der Unterschied klar: Entweder ich „dabble“ – steige random ein, lese ein, zwei Bücher von Simon Sinek oder anderen, schaue YouTube-Videos. Oder ich betreibe Modeling of Excellence und überlege mir: Was ist mein Ziel, welches Unternehmen hat es bereits gemeistert, wer ist die verantwortliche Person, was sind ihre Prinzipien und Überzeugungen, und mit welchen Ressourcen hat sie sich das Wissen angeeignet?
Um es zusammenzufassen: Schwimmen lernt man am besten von Menschen, die schwimmen können – nicht von Menschen, die über Schwimmen reden. Nur weil jemand über etwas redet und vermeintlich nach außen Experte ist, sind das noch keine First Principles. Ein Influencer ist keine Garantie dafür, dass du die praktischen Wahrheiten an die Hand bekommst. Modeling of Excellence bedeutet, zu analysieren, was die besten Personen, die das von dir Angestrebte real erreicht haben, in der Praxis getan haben – und ihre Praktiken und Prinzipien als Fundament für dich zu nutzen. Genau so kannst du fast alles im Leben schnell lernen. Das war es für diese Folge. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.
