Tesla Masterplan: Die 2 Elemente einer herausragenden Strategie

„Strategie“ ist einer der meistbenutzten und schwammigsten Begriffe der Unternehmensführung – und zugleich eine der wichtigsten Aufgaben überhaupt: Sie entscheidet, wo ein Unternehmen am Ende landet.

Am 2. August 2006 schrieb Elon Musk den „Secret Tesla Masterplan“. Wer ihn liest, ist fast erschrocken, wie simpel er ist – und er enthält zwei der wertvollsten Lektionen zur Entwicklung einer herausragenden Strategie. Genau die schauen wir uns in dieser Folge an.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Eine herausragende Strategie besteht aus zwei Elementen: einer großen Vision und einer strategischen Sequenz.
  • Große Ziele machen vieles leichter: „Es ist genauso schwer, ein großes Ziel zu erreichen wie ein kleines – und es dauert genauso lange“ (Schwarzman). Zu kleine Ziele sind fatal fürs Wachstum.
  • Eine große Vision ist ein Magnet für Talente, Investoren und Medien: „Level 10 talent is only attracted to level 10 opportunities.“
  • Aber: „Gewinner und Verlierer haben dieselben Ziele.“ Vision allein reicht nicht – die Magie liegt in der Sequenz.
  • Musks Cash-Return-Framework: 1) Wie funktioniert das Ökosystem, wo ist der Gap zum Stand der Technik? 2) Welche Chance bringt den besten kurzfristigen Cash-Return, um den nächsten Schritt zu finanzieren?
  • Cash schlägt Gewinn (Buffett: Capital Allocation ist der wichtigste CEO-Job): „Be courageous – but never, ever run out of cash.“

Tesla Masterplan: die Kernidee

Die 2 Elemente

Der Tesla Masterplan enthält zwei Lektionen, die Musk für jedes seiner Unternehmen anwendet. Erstens eine große Vision: „Accelerating the World’s Transition to Sustainable Energy.“ Zweitens eine strategische Sequenz, mit der Tesla dorthin kommt: ein teures Sportauto bauen → mit dem Geld ein günstigeres Auto → damit ein noch erschwinglicheres → und parallel emissionsfreie Energieerzeugung anbieten. Jeder Schritt finanziert den nächsten. Rückblickend ist genau das passiert.

Teil 1: Warum große Ziele vieles leichter machen

Stephen Schwarzman, Self-made-Milliardär und Mitgründer von Blackstone, nennt als seine goldene Regel: „It is just as hard to accomplish a big goal as a small goal – and it takes just as long.“ Für viele ein Paradox. Die meisten ambitionierten Ingenieure setzen zu kleine Ziele – zu vorsichtig, zu bescheiden. Laut Musk sind zu kleine Ziele ein Hauptgrund, warum Unternehmen langsam wachsen und im Mittelmaß bleiben. Er geht weiter: „Building the hardest company you can think of is, surprisingly, easier“ – weil „Level 10 talent is only attracted to level 10 opportunities“. Eine große Vision wirkt wie ein Magnet für die besten Talente, für Investoren und für Medien (Tesla und SpaceX haben winzige Werbebudgets). Jeder will Teil von etwas Großem sein. Aber Achtung: „Gewinner und Verlierer haben dieselben Ziele“ – eine Vision auszurufen kann jedes mittelmäßige Unternehmen. Das allein reicht nicht.

Teil 2: Die Sequenzstrategie & das Cash-Return-Framework

Hier liegt die eigentliche Magie. SpaceX‘ Vision (2002) war klar: den Mars besiedeln. Aber wo anfangen? Musks Cash-Return-Framework besteht aus zwei Fragen. Frage 1: Wie funktioniert das Ökosystem (hier: Raumfahrt), wo liegen die größten Herausforderungen, und welche lassen sich mit dem aktuellen Stand der Technik lösen? (Zwischen 1970 und 2000 blieben die Startkosten für Raketen nahezu unverändert – also enormer Spielraum für Fortschritt.) Frage 2 – die wichtigere: Welche dieser Chancen hat den besten kurzfristigen Cash-Return, mit dem sich der nächste Schritt finanzieren lässt? Warren Buffett nennt Capital Allocation (Cash-Management) den wichtigsten Job eines Geschäftsführers: Nicht Gewinn, sondern Cash entscheidet. Es geht um zwei Fragen – wie generieren wir mehr Cash, und wie reinvestieren wir ihn am besten?

Die SpaceX-Sequenz in der Praxis

Die ersten rund zehn Jahre hatten mit dem Mars fast nichts zu tun – es ging darum, ein cash-generierendes Geschäftsmodell aufzubauen: (1) Falcon 1 – die günstigste Rakete entwickeln, in den Orbit bringen, staatliche Subventionen erhalten. (2) Falcon 9 – Satelliten extrem kostengünstig in den Orbit bringen (echtes Geschäftsmodell). (3) Falcon Heavy – größere Satelliten. (4) Parallel: Raketen wiederverwendbar machen, um noch günstiger zu werden. (5) Starbase – ein Weltraumbahnhof, um günstiger und schneller zu bauen und zu starten. (6) Starship – die größte je gebaute Rakete, für bemannte Flüge zum Mars. Viele Unternehmen scheitern, weil sie idealistisch sofort das Endprodukt bauen wollen, das (noch) keinen Cash bringt. Deshalb: „Be courageous – but never, ever run out of cash.“ (Dieselbe Strategie-Formel nutzte auch Jeff Bezos mit Amazons Vision vom „Everything Store“.)

Dieser Beitrag ist die ausführliche Version des Artikels Wie brillante Unternehmer ihre Strategie entwickeln. Und warum Cash-Management und ganzheitliches Denken so zentral sind, vertieft die Folge CEO Mindset. Und warum die größte strategische Chance unserer Zeit in der Technologie liegt, hörst du in KI-Revolution.

Häufige Fragen zur Strategie-Formel

Was ist der Tesla Masterplan? Ein kurzes Strategiepapier, das Elon Musk 2006 veröffentlichte. Es beschreibt Teslas große Vision (die Welt schneller zu nachhaltiger Energie führen) und die strategische Sequenz dorthin: vom teuren Sportwagen über günstigere Modelle bis zum Massenprodukt, wobei jeder Schritt den nächsten finanziert.

Aus welchen 2 Elementen besteht eine gute Unternehmensstrategie? Erstens aus einer großen Vision, die wie ein Magnet auf Talente, Investoren und Medien wirkt. Zweitens aus einer Sequenzstrategie, die auf Fortschritt und besonders auf Cashflow ausgelegt ist – also einer klugen Reihenfolge von Schritten, die sich gegenseitig finanzieren.

Was ist das Cash-Return-Framework? Musks Methode, die Sequenz zu bestimmen: Zuerst das Ökosystem analysieren (wo ist der Gap zum Stand der Technik?), dann fragen, welche Chance den besten kurzfristigen Cash-Return bringt, um den nächsten Schritt zu finanzieren. Nicht Gewinn, sondern Cash steht im Mittelpunkt.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Secret Tesla Masterplan (Elon Musk, 2006): das Originaldokument auf der Tesla-Website.
  • Stephen Schwarzman (Blackstone): „It is just as hard to accomplish a big goal as a small goal.“
  • Warren Buffett: Capital Allocation (Cash-Management) als wichtigster Job eines CEO.
  • Brad Stone – The Everything Store: über Jeff Bezos und Amazons große Vision.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Strategie als Ingenieur und Unternehmen klug gestalten.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge 165: Brillante Strategie-Skills – die zwei Elemente einer herausragenden Strategie. Dieses Thema ist eher für Fortgeschrittene, also für alle, die schon strategisch arbeiten und ihre Skills weiterentwickeln wollen. Der Strategiebegriff ist unglaublich schwammig – einer der meistbenutzten Begriffe in der Unternehmensführung –, und gleichzeitig enorm wichtig: Er entscheidet, wo ein Unternehmen am Ende landet. Schon im Mittelstand war ich stark in Strategieprozesse eingebunden, heute als Geschäftsführer trage ich die volle Verantwortung dafür – und kenne erst dadurch die wahre Power dieses Themas.

Drehen wir die Uhr zurück: Am 2. August 2006 schrieb Elon Musk den sogenannten Secret Tesla Masterplan – heute ein Blogartikel auf der Tesla-Website, den ich dir sehr zu lesen empfehle. Dieses Dokument enthält zwei der wertvollsten Lektionen zur Entwicklung einer Unternehmensstrategie, und man ist fast erschrocken, wie simpel es ist. Erstens: Teslas unvorstellbar großes Ziel, seine Vision – „Accelerating the World’s Transition to Sustainable Energy“. Zweitens: die strategische Sequenz, mit der Tesla das erreichen wollte. Musk schrieb vier Punkte: ein Sportauto bauen; mit dem Geld ein erschwinglicheres Auto bauen; mit diesem Geld ein noch erschwinglicheres bauen; und während all dessen emissionsfreie Energieerzeugung anbieten. Das teure Sportauto war Mittel zum Zweck: Mit dem verdienten Geld finanzierte Tesla das nächste, günstigere Auto. Rückblickend ist genau das passiert – heute sehen wir viele Teslas, kein Nischenprodukt wie einen Lamborghini. Diese Strategie-Formel – große Vision plus strategische Sequenz – wendet Musk für jedes seiner Unternehmen an.

Warum ist das so brillant? Schauen wir beide Elemente an. Zuerst die große Vision: Warum machen große Ziele vieles leichter? Stephen Schwarzman, Self-made-Milliardär und Mitgründer von Blackstone, einer der erfolgreichsten Investmentgesellschaften der Welt, hat tausende Dinge gelernt – aber eine Lektion war seine goldene Regel: „It is just as hard to accomplish a big goal as a small goal – and it takes just as long.“ Es ist genauso schwer, ein großes Ziel zu erreichen wie ein kleines, und es dauert genauso lange. Für viele ein Paradox. Die meisten ambitionierten Ingenieure, die ich kennengelernt habe, setzen zu kleine Ziele – sie sind zu vorsichtig und bescheiden. Laut Musk sind zu kleine Ziele ein Hauptgrund, warum Unternehmen langsam wachsen und im Mittelmaß bleiben. Er geht weiter: „Building the hardest company you can think of is, surprisingly, easier.“ Warum? „Level 10 talent is only attracted to level 10 opportunities.“ Die ambitioniertesten Talente wollen für ein Unternehmen mit einem besonders großen Ziel arbeiten. Tesla und SpaceX ziehen die besten Ingenieure der Welt an – ihre Vision ist ein Magnet für Talente, aber auch für Investoren und Medien. Beide Unternehmen haben winzige Werbebudgets, weil ihre Mission allein einen großen Sog erzeugt. Jeder Mensch möchte Teil von etwas Großem sein.

Aber eine große Vision auszurufen ist das eine. Es gibt den Spruch: „Gewinner und Verlierer haben dieselben Ziele.“ Jedes mittelmäßige Unternehmen kann ein großes Zukunftsbild ausrufen – das allein reicht nicht. Erfolgreiche Unternehmen meistern vor allem den zweiten Teil der Formel: die Sequenzstrategie. Dort liegt die Magie.

SpaceX‘ Vision war schon 2002 klar: den Mars besiedeln, die Menschheit zu einer interplanetaren Spezies machen. Aber wo anfangen? Hier kommt Musks Cash-Return-Framework ins Spiel – zwei Fragen. Frage 1: Wie funktioniert das Ökosystem Raumfahrt, wo liegen die größten Herausforderungen, und welche lassen sich mit dem aktuellen Stand der Technik lösen? Antwort: Zwischen 1970 und 2000 blieben die Startkosten für Raketen nahezu unverändert – 30 Jahre ohne echte Innovation, also enormer Spielraum für Fortschritt. Die wahre Magie liegt aber in Frage 2: Welche dieser Chancen hat den besten kurzfristigen Cash-Return, mit dem wir den nächsten Schritt finanzieren können? Warren Buffett sagt, Capital Allocation – Cash-Management – sei die wichtigste Aufgabe eines CEO. Nicht Gewinn, sondern Cash ist entscheidend. Zwei Grundfragen also: Wie generieren wir mehr Cash, und wie reinvestieren wir ihn am besten?

Die SpaceX-Sequenz von 2002 bis heute: Schritt 1, Falcon 1 – die günstigste Rakete der Welt entwickeln, in den Orbit bringen und staatliche Subventionen erhalten. Die ersten fünf, sechs Jahre tat SpaceX fast nichts anderes – und das hatte nur im Entferntesten mit dem Mars zu tun. Schritt 2, Falcon 9 – die Triebwerke erweitern und Satelliten extrem kostengünstig in den Orbit bringen; damit war SpaceX nicht mehr auf Subventionen angewiesen, sondern hatte ein echtes Geschäftsmodell. Schritt 3, Falcon Heavy – größere Satelliten kostengünstig in den Orbit. Schritt 4, parallel: Raketen wiederverwendbar machen, um noch günstiger zu werden – dafür ist SpaceX heute bekannt. Schritt 5, Starbase – ein Weltraumbahnhof, um schneller und günstiger zu bauen, zu testen und zu starten. Und erst jetzt, rund 20 Jahre später, dreht sich erstmals alles wirklich um den Mars: Schritt 6, Starship – die größte je gebaute Rakete für bemannte Marsflüge.

Eine herausragende Strategie besteht also aus zwei Elementen – einer großen Vision, die wie ein Magnet wirkt, und einer Sequenzstrategie, die auf Fortschritt und besonders auf Cashflow ausgelegt ist. In drei Teilen: eine große Vision an einem großen Problem; das Ökosystem analysieren und den Gap zum Stand der Technik finden; und dann die Sequenz aus Cash-Sicht festlegen. Viele, die erstmals in die Unternehmensführung kommen, denken zu idealistisch – „Wir wollen zum Mars, also bauen wir sofort die Marsrakete“. Musk dagegen schaut der Realität ins Gesicht: Aus Cash-Perspektive überlebt man so nicht. Genau daran scheitern viele Unternehmen, die ein Produkt bauen, das noch keinen Cash generiert. Deshalb, zusammengefasst: „Be courageous. But never, ever run out of cash.“ Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Tesla Masterplan: Die 2 Elemente einer herausragenden Strategie

„Strategie“ ist einer der meistbenutzten und schwammigsten Begriffe der Unternehmensführung – und zugleich eine der wichtigsten Aufgaben überhaupt: Sie entscheidet, wo ein Unternehmen am Ende landet.

Am 2. August 2006 schrieb Elon Musk den „Secret Tesla Masterplan“. Wer ihn liest, ist fast erschrocken, wie simpel er ist – und er enthält zwei der wertvollsten Lektionen zur Entwicklung einer herausragenden Strategie. Genau die schauen wir uns in dieser Folge an.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Eine herausragende Strategie besteht aus zwei Elementen: einer großen Vision und einer strategischen Sequenz.
  • Große Ziele machen vieles leichter: „Es ist genauso schwer, ein großes Ziel zu erreichen wie ein kleines – und es dauert genauso lange“ (Schwarzman). Zu kleine Ziele sind fatal fürs Wachstum.
  • Eine große Vision ist ein Magnet für Talente, Investoren und Medien: „Level 10 talent is only attracted to level 10 opportunities.“
  • Aber: „Gewinner und Verlierer haben dieselben Ziele.“ Vision allein reicht nicht – die Magie liegt in der Sequenz.
  • Musks Cash-Return-Framework: 1) Wie funktioniert das Ökosystem, wo ist der Gap zum Stand der Technik? 2) Welche Chance bringt den besten kurzfristigen Cash-Return, um den nächsten Schritt zu finanzieren?
  • Cash schlägt Gewinn (Buffett: Capital Allocation ist der wichtigste CEO-Job): „Be courageous – but never, ever run out of cash.“

Tesla Masterplan: die Kernidee

Die 2 Elemente

Der Tesla Masterplan enthält zwei Lektionen, die Musk für jedes seiner Unternehmen anwendet. Erstens eine große Vision: „Accelerating the World’s Transition to Sustainable Energy.“ Zweitens eine strategische Sequenz, mit der Tesla dorthin kommt: ein teures Sportauto bauen → mit dem Geld ein günstigeres Auto → damit ein noch erschwinglicheres → und parallel emissionsfreie Energieerzeugung anbieten. Jeder Schritt finanziert den nächsten. Rückblickend ist genau das passiert.

Teil 1: Warum große Ziele vieles leichter machen

Stephen Schwarzman, Self-made-Milliardär und Mitgründer von Blackstone, nennt als seine goldene Regel: „It is just as hard to accomplish a big goal as a small goal – and it takes just as long.“ Für viele ein Paradox. Die meisten ambitionierten Ingenieure setzen zu kleine Ziele – zu vorsichtig, zu bescheiden. Laut Musk sind zu kleine Ziele ein Hauptgrund, warum Unternehmen langsam wachsen und im Mittelmaß bleiben. Er geht weiter: „Building the hardest company you can think of is, surprisingly, easier“ – weil „Level 10 talent is only attracted to level 10 opportunities“. Eine große Vision wirkt wie ein Magnet für die besten Talente, für Investoren und für Medien (Tesla und SpaceX haben winzige Werbebudgets). Jeder will Teil von etwas Großem sein. Aber Achtung: „Gewinner und Verlierer haben dieselben Ziele“ – eine Vision auszurufen kann jedes mittelmäßige Unternehmen. Das allein reicht nicht.

Teil 2: Die Sequenzstrategie & das Cash-Return-Framework

Hier liegt die eigentliche Magie. SpaceX‘ Vision (2002) war klar: den Mars besiedeln. Aber wo anfangen? Musks Cash-Return-Framework besteht aus zwei Fragen. Frage 1: Wie funktioniert das Ökosystem (hier: Raumfahrt), wo liegen die größten Herausforderungen, und welche lassen sich mit dem aktuellen Stand der Technik lösen? (Zwischen 1970 und 2000 blieben die Startkosten für Raketen nahezu unverändert – also enormer Spielraum für Fortschritt.) Frage 2 – die wichtigere: Welche dieser Chancen hat den besten kurzfristigen Cash-Return, mit dem sich der nächste Schritt finanzieren lässt? Warren Buffett nennt Capital Allocation (Cash-Management) den wichtigsten Job eines Geschäftsführers: Nicht Gewinn, sondern Cash entscheidet. Es geht um zwei Fragen – wie generieren wir mehr Cash, und wie reinvestieren wir ihn am besten?

Die SpaceX-Sequenz in der Praxis

Die ersten rund zehn Jahre hatten mit dem Mars fast nichts zu tun – es ging darum, ein cash-generierendes Geschäftsmodell aufzubauen: (1) Falcon 1 – die günstigste Rakete entwickeln, in den Orbit bringen, staatliche Subventionen erhalten. (2) Falcon 9 – Satelliten extrem kostengünstig in den Orbit bringen (echtes Geschäftsmodell). (3) Falcon Heavy – größere Satelliten. (4) Parallel: Raketen wiederverwendbar machen, um noch günstiger zu werden. (5) Starbase – ein Weltraumbahnhof, um günstiger und schneller zu bauen und zu starten. (6) Starship – die größte je gebaute Rakete, für bemannte Flüge zum Mars. Viele Unternehmen scheitern, weil sie idealistisch sofort das Endprodukt bauen wollen, das (noch) keinen Cash bringt. Deshalb: „Be courageous – but never, ever run out of cash.“ (Dieselbe Strategie-Formel nutzte auch Jeff Bezos mit Amazons Vision vom „Everything Store“.)

Dieser Beitrag ist die ausführliche Version des Artikels Wie brillante Unternehmer ihre Strategie entwickeln. Und warum Cash-Management und ganzheitliches Denken so zentral sind, vertieft die Folge CEO Mindset. Und warum die größte strategische Chance unserer Zeit in der Technologie liegt, hörst du in KI-Revolution.

Häufige Fragen zur Strategie-Formel

Was ist der Tesla Masterplan? Ein kurzes Strategiepapier, das Elon Musk 2006 veröffentlichte. Es beschreibt Teslas große Vision (die Welt schneller zu nachhaltiger Energie führen) und die strategische Sequenz dorthin: vom teuren Sportwagen über günstigere Modelle bis zum Massenprodukt, wobei jeder Schritt den nächsten finanziert.

Aus welchen 2 Elementen besteht eine gute Unternehmensstrategie? Erstens aus einer großen Vision, die wie ein Magnet auf Talente, Investoren und Medien wirkt. Zweitens aus einer Sequenzstrategie, die auf Fortschritt und besonders auf Cashflow ausgelegt ist – also einer klugen Reihenfolge von Schritten, die sich gegenseitig finanzieren.

Was ist das Cash-Return-Framework? Musks Methode, die Sequenz zu bestimmen: Zuerst das Ökosystem analysieren (wo ist der Gap zum Stand der Technik?), dann fragen, welche Chance den besten kurzfristigen Cash-Return bringt, um den nächsten Schritt zu finanzieren. Nicht Gewinn, sondern Cash steht im Mittelpunkt.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Secret Tesla Masterplan (Elon Musk, 2006): das Originaldokument auf der Tesla-Website.
  • Stephen Schwarzman (Blackstone): „It is just as hard to accomplish a big goal as a small goal.“
  • Warren Buffett: Capital Allocation (Cash-Management) als wichtigster Job eines CEO.
  • Brad Stone – The Everything Store: über Jeff Bezos und Amazons große Vision.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Strategie als Ingenieur und Unternehmen klug gestalten.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge 165: Brillante Strategie-Skills – die zwei Elemente einer herausragenden Strategie. Dieses Thema ist eher für Fortgeschrittene, also für alle, die schon strategisch arbeiten und ihre Skills weiterentwickeln wollen. Der Strategiebegriff ist unglaublich schwammig – einer der meistbenutzten Begriffe in der Unternehmensführung –, und gleichzeitig enorm wichtig: Er entscheidet, wo ein Unternehmen am Ende landet. Schon im Mittelstand war ich stark in Strategieprozesse eingebunden, heute als Geschäftsführer trage ich die volle Verantwortung dafür – und kenne erst dadurch die wahre Power dieses Themas.

Drehen wir die Uhr zurück: Am 2. August 2006 schrieb Elon Musk den sogenannten Secret Tesla Masterplan – heute ein Blogartikel auf der Tesla-Website, den ich dir sehr zu lesen empfehle. Dieses Dokument enthält zwei der wertvollsten Lektionen zur Entwicklung einer Unternehmensstrategie, und man ist fast erschrocken, wie simpel es ist. Erstens: Teslas unvorstellbar großes Ziel, seine Vision – „Accelerating the World’s Transition to Sustainable Energy“. Zweitens: die strategische Sequenz, mit der Tesla das erreichen wollte. Musk schrieb vier Punkte: ein Sportauto bauen; mit dem Geld ein erschwinglicheres Auto bauen; mit diesem Geld ein noch erschwinglicheres bauen; und während all dessen emissionsfreie Energieerzeugung anbieten. Das teure Sportauto war Mittel zum Zweck: Mit dem verdienten Geld finanzierte Tesla das nächste, günstigere Auto. Rückblickend ist genau das passiert – heute sehen wir viele Teslas, kein Nischenprodukt wie einen Lamborghini. Diese Strategie-Formel – große Vision plus strategische Sequenz – wendet Musk für jedes seiner Unternehmen an.

Warum ist das so brillant? Schauen wir beide Elemente an. Zuerst die große Vision: Warum machen große Ziele vieles leichter? Stephen Schwarzman, Self-made-Milliardär und Mitgründer von Blackstone, einer der erfolgreichsten Investmentgesellschaften der Welt, hat tausende Dinge gelernt – aber eine Lektion war seine goldene Regel: „It is just as hard to accomplish a big goal as a small goal – and it takes just as long.“ Es ist genauso schwer, ein großes Ziel zu erreichen wie ein kleines, und es dauert genauso lange. Für viele ein Paradox. Die meisten ambitionierten Ingenieure, die ich kennengelernt habe, setzen zu kleine Ziele – sie sind zu vorsichtig und bescheiden. Laut Musk sind zu kleine Ziele ein Hauptgrund, warum Unternehmen langsam wachsen und im Mittelmaß bleiben. Er geht weiter: „Building the hardest company you can think of is, surprisingly, easier.“ Warum? „Level 10 talent is only attracted to level 10 opportunities.“ Die ambitioniertesten Talente wollen für ein Unternehmen mit einem besonders großen Ziel arbeiten. Tesla und SpaceX ziehen die besten Ingenieure der Welt an – ihre Vision ist ein Magnet für Talente, aber auch für Investoren und Medien. Beide Unternehmen haben winzige Werbebudgets, weil ihre Mission allein einen großen Sog erzeugt. Jeder Mensch möchte Teil von etwas Großem sein.

Aber eine große Vision auszurufen ist das eine. Es gibt den Spruch: „Gewinner und Verlierer haben dieselben Ziele.“ Jedes mittelmäßige Unternehmen kann ein großes Zukunftsbild ausrufen – das allein reicht nicht. Erfolgreiche Unternehmen meistern vor allem den zweiten Teil der Formel: die Sequenzstrategie. Dort liegt die Magie.

SpaceX‘ Vision war schon 2002 klar: den Mars besiedeln, die Menschheit zu einer interplanetaren Spezies machen. Aber wo anfangen? Hier kommt Musks Cash-Return-Framework ins Spiel – zwei Fragen. Frage 1: Wie funktioniert das Ökosystem Raumfahrt, wo liegen die größten Herausforderungen, und welche lassen sich mit dem aktuellen Stand der Technik lösen? Antwort: Zwischen 1970 und 2000 blieben die Startkosten für Raketen nahezu unverändert – 30 Jahre ohne echte Innovation, also enormer Spielraum für Fortschritt. Die wahre Magie liegt aber in Frage 2: Welche dieser Chancen hat den besten kurzfristigen Cash-Return, mit dem wir den nächsten Schritt finanzieren können? Warren Buffett sagt, Capital Allocation – Cash-Management – sei die wichtigste Aufgabe eines CEO. Nicht Gewinn, sondern Cash ist entscheidend. Zwei Grundfragen also: Wie generieren wir mehr Cash, und wie reinvestieren wir ihn am besten?

Die SpaceX-Sequenz von 2002 bis heute: Schritt 1, Falcon 1 – die günstigste Rakete der Welt entwickeln, in den Orbit bringen und staatliche Subventionen erhalten. Die ersten fünf, sechs Jahre tat SpaceX fast nichts anderes – und das hatte nur im Entferntesten mit dem Mars zu tun. Schritt 2, Falcon 9 – die Triebwerke erweitern und Satelliten extrem kostengünstig in den Orbit bringen; damit war SpaceX nicht mehr auf Subventionen angewiesen, sondern hatte ein echtes Geschäftsmodell. Schritt 3, Falcon Heavy – größere Satelliten kostengünstig in den Orbit. Schritt 4, parallel: Raketen wiederverwendbar machen, um noch günstiger zu werden – dafür ist SpaceX heute bekannt. Schritt 5, Starbase – ein Weltraumbahnhof, um schneller und günstiger zu bauen, zu testen und zu starten. Und erst jetzt, rund 20 Jahre später, dreht sich erstmals alles wirklich um den Mars: Schritt 6, Starship – die größte je gebaute Rakete für bemannte Marsflüge.

Eine herausragende Strategie besteht also aus zwei Elementen – einer großen Vision, die wie ein Magnet wirkt, und einer Sequenzstrategie, die auf Fortschritt und besonders auf Cashflow ausgelegt ist. In drei Teilen: eine große Vision an einem großen Problem; das Ökosystem analysieren und den Gap zum Stand der Technik finden; und dann die Sequenz aus Cash-Sicht festlegen. Viele, die erstmals in die Unternehmensführung kommen, denken zu idealistisch – „Wir wollen zum Mars, also bauen wir sofort die Marsrakete“. Musk dagegen schaut der Realität ins Gesicht: Aus Cash-Perspektive überlebt man so nicht. Genau daran scheitern viele Unternehmen, die ein Produkt bauen, das noch keinen Cash generiert. Deshalb, zusammengefasst: „Be courageous. But never, ever run out of cash.“ Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

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Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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