Authentisch führen: So entwickelst du deinen eigenen Führungsstil

„Nenn mir doch mal Führungsinstrumente“ – das werde ich im Kontext Führung ständig gefragt. Viele Seminare stellen genau solche Werkzeuge und Taktiken ins Zentrum. Dabei spielen Instrumente gerade am Anfang eine kleine Rolle. Es kommt auf etwas anderes an.

In dieser Folge geht es darum, authentisch zu führen und deinen eigenen Führungsstil zu entwickeln – aufbauend auf deiner Persönlichkeit und deinen Werten, nicht auf Werkzeugen. Am Ende bekommst du zwei konkrete Übungen, die du sofort umsetzen kannst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Führung ist eine Kunst, keine Wissenschaft. Es gibt kein Patentrezept und keinen „Archetyp“ für gute Führung – jeder gute Leader hat seine eigene Handschrift.
  • Sehr unterschiedliche Persönlichkeiten führen erfolgreich: Steve Jobs (streng, fordernd) und Jürgen Klopp (kommunikativ, nahbar) könnten gegensätzlicher kaum sein – beide sind authentisch.
  • Führung ist nicht angeboren, sondern lernbar – und etwas zutiefst Individuelles, das auf deinen Stärken, Schwächen und Werten aufbaut.
  • Auch Introvertierte sind als Führungskraft geeignet. Der „laute, charismatische“ Typ ist ein Mythos; oft ziehen ruhige Persönlichkeiten im Hintergrund die Fäden.
  • Übung 1 – Selbstbild schärfen: ein Persönlichkeitstest (z. B. 16Personalities, basierend auf dem Myers-Briggs-Typindikator), um deine Präferenzen, Stärken und Schwächen zu reflektieren.
  • Übung 2 – Werte-Bewusstsein: deine fünf Grundwerte herausarbeiten, individualisieren und priorisieren – die Basis für deinen authentischen Führungsstil.

Authentisch führen im Detail

Warum es kein Patentrezept gibt

Es heißt oft: Führung ist eine Kunst, keine Wissenschaft – kein Schwarz oder Weiß, sondern eine eigene Handschrift. Zwei plakative Beispiele: Jürgen Klopp führt kommunikativ, baut enge, fast freundschaftliche Beziehungen auf und ist ein guter Zuhörer – und wirkt gerade dadurch authentisch und respektiert. Steve Jobs dagegen galt als streng und unangenehm in der Mitarbeiterführung – und war trotzdem authentisch und außergewöhnlich erfolgreich. Auch Bill Gates und Elon Musk sind grundverschiedene Typen (sehenswert dazu die Doku „Rivalen“ über Jobs und Gates). Die Lektion: Es gibt nicht den einen Persönlichkeitstyp, der für Führung geeignet ist.

Führung ist lernbar – und individuell

Führung ist keine angeborene Eigenschaft, sondern etwas, das du lernen kannst. Wenn du introvertiert bist und dich fragst, ob du „überhaupt geeignet“ bist: ja. Es kommt nicht auf Lautstärke oder Charisma an, sondern darauf, deinen Stil auf deine eigenen Stärken und deine Art, authentisch zu sein, aufzubauen. Ein häufiger Grund für ein enges Führungsbild ist fehlende Vorbild-Vielfalt: Die meisten kennen nur die offensichtlichen Namen. Halte die Augen offen nach Führungspersönlichkeiten aller Typen – Führung ist universell, deine Vorbilder kannst du weltweit suchen.

Übung 1: Dein Selbstbild schärfen (Persönlichkeitstest)

Mach einen Persönlichkeitstest – ich nutze dafür gern 16Personalities (basierend auf dem Myers-Briggs-Typindikator). Wichtig: Ein Test bildet immer nur Präferenzen ab, keine 100-prozentige Wahrheit, und Persönlichkeit ist dynamisch – ein Ergebnis kann sich über die Jahre verändern. Trotzdem liefert er hervorragendes Material, um dein Selbstbild, deine Werte, Stärken und Schwächen zu reflektieren. Du bekommst ein Ergebnis aus vier Buchstaben – tauch in die Bedeutung dahinter ein (rund 20 Minuten reichen für einen guten ersten Schritt).

Übung 2: Dein Werte-Bewusstsein stärken

Diese Übung (inspiriert von Stephen Coveys „Die 7 Wege zur Effektivität“) schafft die eigentliche Basis deines Führungsstils – in drei Schritten:

  1. Fünf Grundwerte herausarbeiten. Wofür stehst du? Falls es schwerfällt: Suche online nach einer „Werte-Liste“ und wähle die fünf, die dich zu 100 % widerspiegeln. (Guter Test: Eine Person, die dich kennt, liest die fünf Werte und sagt „ja, das bist du“.)
  2. Individualisieren. Schreibe ein bis zwei Sätze zu jedem Wert – was er für dich konkret bedeutet (z. B. „Humor ist für mich ein Kernaspekt guter Führung, um Leichtigkeit in den Alltag zu bringen“).
  3. Priorisieren. Bring die Werte in eine Reihenfolge nach Wichtigkeit.

Das Ergebnis ist ein Blatt Papier mit deinen fundamentalen Überzeugungen – die Grundlage deiner Entscheidungen und deiner Art zu führen. Besonders wertvoll: Teile es mit deinem Team und lass auch Kollegen oder Mitarbeiter die Übung machen.

Wie eine dienende Haltung guten Führungsstil prägt, hörst du in Servant Leadership. Woran sich gute Führung erkennen lässt, vertieft Was eine gute Führungskraft ausmacht. Und wie du Selbstreflexion zur Gewohnheit machst (ideal für beide Übungen), zeigt Journaling. Welches Vorbild zu dir passt, beleuchtet außerdem der Artikel Welcher Führungsstil passt zu dir?.

Häufige Fragen zum Führungsstil

Was ist der beste Führungsstil? Es gibt kein Patentrezept. Führung ist eine Kunst, keine Wissenschaft – der beste Stil ist der, der zu deiner Persönlichkeit und deinen Werten passt und authentisch ist.

Wie entwickle ich meinen eigenen Führungsstil? Über Selbstkenntnis statt Werkzeuge: Schärfe dein Selbstbild (z. B. mit einem Persönlichkeitstest) und arbeite deine fünf Grundwerte heraus. Auf dieser Basis entsteht über die Zeit ein authentischer, individueller Stil.

Kann man Führung lernen? Ja. Führung ist keine angeborene Eigenschaft, sondern lernbar – sie baut auf deinen Stärken und deiner Art, authentisch zu sein, auf.

Eignen sich auch introvertierte Menschen als Führungskraft? Absolut. Der laute, charismatische Typ ist ein Mythos – viele herausragende Führungspersönlichkeiten sind ruhig und wirken im Hintergrund.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Stephen Covey – Die 7 Wege zur Effektivität: Grundlage der Werte-Übung.
  • Sam Walker – The Captain Class: Analyse stiller, im Hintergrund wirkender Führungspersönlichkeiten (besprochen u. a. von Tony Robbins).
  • Ray Dalio – Principles: das systematische Dokumentieren eigener Prinzipien.
  • 16Personalities (Persönlichkeitstest auf Basis des Myers-Briggs-Typindikators): 16personalities.com.
  • Doku „Rivalen“ (Amazon Prime): Steve Jobs und Bill Gates als gegensätzliche Führungspersönlichkeiten.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Führung.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Führung als Ingenieur und persönliche Entwicklung.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge Nummer 37. Heute geht es um das Thema authentisch führen – so entwickelst du deinen eigenen Führungsstil. Ich werde im Kontext Führung ganz häufig gefragt: „Nenn mir doch mal Führungsinstrumente, welche Werkzeuge kann ich einsetzen?“ Gerade in vielen Seminaren und Workshops zum Thema Führung stehen solche Instrumente und Werkzeuge im Zentrum. Was ich dir heute mitgeben kann: Führungsinstrumente und Werkzeuge spielen nur eine ganz kleine Rolle und sind gerade am Anfang fast irrelevant. Es kommt auf etwas anderes an – nämlich authentisch zu führen und deinen eigenen Führungsstil zu entwickeln. Der baut nicht auf Instrumenten oder Werkzeugen auf, sondern auf anderen Dingen. Am Ende gebe ich dir zwei praktische Übungen an die Hand.

Zum Einstieg: Führung ist und bleibt etwas zutiefst Individuelles. Es gibt viele Mythen und falsche Ansichten – aber kein Patentrezept für gute Führung. Es heißt: Führung ist eine Kunst und keine Wissenschaft. Kein Schwarz oder Weiß, sondern eine eigene Handschrift wie bei einem Künstler. Nehmen wir zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten: auf der einen Seite Steve Jobs, auf der anderen Jürgen Klopp. Jürgen Klopp ist der Kommunikative – sehr enge, fast freundschaftliche Bindung zu seinen Spielern, ein guter Zuhörer, der an die Leute herankommt und dadurch sympathisch und sehr respektiert ist. Das ist seine Art, er hat ein starkes Selbstbild und kommt authentisch rüber. Steve Jobs dagegen war nicht gerade der Beliebteste – bekannt als Innovator und für die großen Erfolge mit Apple, aber in der Mitarbeiterführung sehr streng und unangenehm. Auch das war seine Art, authentisch zu führen und seinen eigenen Stil zu entwickeln. Bill Gates und Elon Musk sind ebenfalls grundverschieden – sehr sehenswert ist dazu die Doku-Serie „Rivalen“ auf Amazon Prime, eine Folge dreht sich um Jobs und Gates und wie unterschiedlich beide trotzdem zum Erfolg kommen.

Es gibt also keinen Archetyp für gute Führung – nicht den einen Persönlichkeitstyp, der perfekt geeignet ist. Es herrschen viele Missverständnisse: Viele laute, charismatische Führungskräfte erscheinen wie der Archetyp guter Führung. Dem ist nicht so. Falls du eher introvertiert bist und dich fragst „Bin ich überhaupt für Führung geeignet?“: Führung ist nichts Angeborenes. Es gibt keine Eigenschaft, die in die Wiege gelegt wird. Führung ist etwas, das du lernen kannst – etwas sehr Individuelles, das auf deinen Stärken und Schwächen und deiner Art, authentisch zu sein, aufbaut. Eine Folge bzw. ein Buch, das ich dazu empfehle: In einer Folge von Tony Robbins wird „The Captain Class“ besprochen – eine tiefgehende Analyse verschiedener Führungspersönlichkeiten aus dem Sport. Auch dort zeigt sich: Es sind oft nicht die lauten, medienpräsenten Persönlichkeiten, sondern Menschen, die im Hintergrund die Fäden ziehen und auf andere Weise führen.

Ein häufiger Grund für ein enges Führungsbild ist, dass viele zu selten Vorbilder haben und sich kaum mit Führungspersönlichkeiten auseinandersetzen. Namen wie Steve Jobs oder Elon Musk kennt jeder – aber zu jedem Persönlichkeitstyp gibt es erfolgreiche Führungspersönlichkeiten. Halte die Augen offen nach spannenden Vorbildern, nicht nur im eigenen Umfeld oder beim eigenen Chef. Führung ist etwas Universelles – du kannst dir weltweit Vorbilder suchen.

Jetzt zu den zwei Übungen, die nicht auf Instrumente abzielen, sondern darauf, authentischer zu führen und Bewusstsein für deine Persönlichkeit und deinen Stil zu schaffen.

Übung 1: dein Selbstbild stärken – ein Persönlichkeitstest. Wichtig vorab: Ein Persönlichkeitstest bildet immer nur Präferenzen ab. Es gibt keinen Test, der eine Persönlichkeit zu 100 % widerspiegelt, denn Persönlichkeit ist dynamisch – machst du den Test in größeren Abständen, kann teilweise etwas anderes herauskommen. Es ist immer eine Mischung aus genetisch Veranlagtem, durch Erziehung Verwurzeltem und dynamischen Komponenten. Trotzdem hat so ein Test viele Vorteile: Du bekommst Material, um dein Selbstbild zu schärfen, dir deiner Werte bewusster zu werden und Stärken und Schwächen zu reflektieren. Ich empfehle den Test von 16Personalities – eine weit verbreitete Möglichkeit, basierend auf dem Myers-Briggs-Typindikator, einem der klassischen, langjährigen Persönlichkeitstests. Das Ergebnis besteht aus vier Buchstaben (es gibt 16 Typen). Nimm dir die Zeit, in die Bedeutung dieser vier Buchstaben einzutauchen – etwa 20 Minuten, dann hast du einen guten Schritt gemacht.

Übung 2 baut darauf auf und zielt auf dein Werte-Bewusstsein: Wofür stehst du eigentlich? Was sind deine fundamentalen Überzeugungen und Prinzipien, die dein Handeln bestimmen? Passend dazu kann ich das Buch „Principles“ (deutsch „Prinzipien“) von Ray Dalio empfehlen – er hat über Jahre seine fundamentalen Überzeugungen systematisch niedergeschrieben. Die Übung selbst hat drei Schritte. Erster Schritt: Recherchiere fünf Grundwerte. Falls es schwerfällt, nutze eine „Werte-Liste“ aus dem Netz (dort stehen Werte wie Abenteuer, Achtsamkeit, Akzeptanz, Anerkennung, Begeisterung, Kreativität, Humor …) und beschränke dich auf fünf, die dich zu 100 % widerspiegeln. Ein guter Indikator: Eine unbeteiligte Person liest die fünf Werte und sagt „ja, das bist du“. Zweiter Schritt: Individualisiere – schreibe ein bis zwei Sätze zu jedem Wert, was er für dich bedeutet (zum Beispiel: „Humor ist für mich ein Kernaspekt guter Führung, um Leichtigkeit in den Alltag zu bringen und die Motivation der Mitarbeiter zu steigern“). Dritter Schritt: Bring die Werte in eine Reihenfolge nach Wichtigkeit. Das Ergebnis ist ein Blatt Papier mit deinen Werten und Prinzipien – die Basis deiner Entscheidungen und deiner Art zu führen. Diese Übung kennst du vielleicht in ähnlicher Form aus Stephen Coveys „Die 7 Wege zur Effektivität“. Besonders wertvoll ist es, das Ergebnis mit deinem Team zu teilen und auch Kollegen, Mitarbeiter oder Führungskräfte die Übung machen zu lassen und sich darüber auszutauschen.

Zusammengefasst: Führung ist etwas sehr Individuelles, eine Kunst und keine Wissenschaft. Es gibt keinen Archetyp, und es kommt viel weniger auf Instrumente und Werkzeuge an als darauf, dir deiner selbst und deiner Werte bewusst zu sein, um authentisch zu führen und über die Zeit deinen eigenen Stil zu entwickeln. Übung 1: dein Selbstbild stärken (z. B. mit einem Persönlichkeitstest). Übung 2: dein Werte-Bewusstsein schaffen – fünf Grundwerte recherchieren, individualisieren und priorisieren. Theorie ist das eine, Praxis das andere: Diese Übungen sind sehr konkret, du kannst und solltest sie umsetzen. Und du brauchst dafür keine Führungsposition – es lohnt sich, schon vorher damit anzufangen.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Authentisch führen: So entwickelst du deinen eigenen Führungsstil

„Nenn mir doch mal Führungsinstrumente“ – das werde ich im Kontext Führung ständig gefragt. Viele Seminare stellen genau solche Werkzeuge und Taktiken ins Zentrum. Dabei spielen Instrumente gerade am Anfang eine kleine Rolle. Es kommt auf etwas anderes an.

In dieser Folge geht es darum, authentisch zu führen und deinen eigenen Führungsstil zu entwickeln – aufbauend auf deiner Persönlichkeit und deinen Werten, nicht auf Werkzeugen. Am Ende bekommst du zwei konkrete Übungen, die du sofort umsetzen kannst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Führung ist eine Kunst, keine Wissenschaft. Es gibt kein Patentrezept und keinen „Archetyp“ für gute Führung – jeder gute Leader hat seine eigene Handschrift.
  • Sehr unterschiedliche Persönlichkeiten führen erfolgreich: Steve Jobs (streng, fordernd) und Jürgen Klopp (kommunikativ, nahbar) könnten gegensätzlicher kaum sein – beide sind authentisch.
  • Führung ist nicht angeboren, sondern lernbar – und etwas zutiefst Individuelles, das auf deinen Stärken, Schwächen und Werten aufbaut.
  • Auch Introvertierte sind als Führungskraft geeignet. Der „laute, charismatische“ Typ ist ein Mythos; oft ziehen ruhige Persönlichkeiten im Hintergrund die Fäden.
  • Übung 1 – Selbstbild schärfen: ein Persönlichkeitstest (z. B. 16Personalities, basierend auf dem Myers-Briggs-Typindikator), um deine Präferenzen, Stärken und Schwächen zu reflektieren.
  • Übung 2 – Werte-Bewusstsein: deine fünf Grundwerte herausarbeiten, individualisieren und priorisieren – die Basis für deinen authentischen Führungsstil.

Authentisch führen im Detail

Warum es kein Patentrezept gibt

Es heißt oft: Führung ist eine Kunst, keine Wissenschaft – kein Schwarz oder Weiß, sondern eine eigene Handschrift. Zwei plakative Beispiele: Jürgen Klopp führt kommunikativ, baut enge, fast freundschaftliche Beziehungen auf und ist ein guter Zuhörer – und wirkt gerade dadurch authentisch und respektiert. Steve Jobs dagegen galt als streng und unangenehm in der Mitarbeiterführung – und war trotzdem authentisch und außergewöhnlich erfolgreich. Auch Bill Gates und Elon Musk sind grundverschiedene Typen (sehenswert dazu die Doku „Rivalen“ über Jobs und Gates). Die Lektion: Es gibt nicht den einen Persönlichkeitstyp, der für Führung geeignet ist.

Führung ist lernbar – und individuell

Führung ist keine angeborene Eigenschaft, sondern etwas, das du lernen kannst. Wenn du introvertiert bist und dich fragst, ob du „überhaupt geeignet“ bist: ja. Es kommt nicht auf Lautstärke oder Charisma an, sondern darauf, deinen Stil auf deine eigenen Stärken und deine Art, authentisch zu sein, aufzubauen. Ein häufiger Grund für ein enges Führungsbild ist fehlende Vorbild-Vielfalt: Die meisten kennen nur die offensichtlichen Namen. Halte die Augen offen nach Führungspersönlichkeiten aller Typen – Führung ist universell, deine Vorbilder kannst du weltweit suchen.

Übung 1: Dein Selbstbild schärfen (Persönlichkeitstest)

Mach einen Persönlichkeitstest – ich nutze dafür gern 16Personalities (basierend auf dem Myers-Briggs-Typindikator). Wichtig: Ein Test bildet immer nur Präferenzen ab, keine 100-prozentige Wahrheit, und Persönlichkeit ist dynamisch – ein Ergebnis kann sich über die Jahre verändern. Trotzdem liefert er hervorragendes Material, um dein Selbstbild, deine Werte, Stärken und Schwächen zu reflektieren. Du bekommst ein Ergebnis aus vier Buchstaben – tauch in die Bedeutung dahinter ein (rund 20 Minuten reichen für einen guten ersten Schritt).

Übung 2: Dein Werte-Bewusstsein stärken

Diese Übung (inspiriert von Stephen Coveys „Die 7 Wege zur Effektivität“) schafft die eigentliche Basis deines Führungsstils – in drei Schritten:

  1. Fünf Grundwerte herausarbeiten. Wofür stehst du? Falls es schwerfällt: Suche online nach einer „Werte-Liste“ und wähle die fünf, die dich zu 100 % widerspiegeln. (Guter Test: Eine Person, die dich kennt, liest die fünf Werte und sagt „ja, das bist du“.)
  2. Individualisieren. Schreibe ein bis zwei Sätze zu jedem Wert – was er für dich konkret bedeutet (z. B. „Humor ist für mich ein Kernaspekt guter Führung, um Leichtigkeit in den Alltag zu bringen“).
  3. Priorisieren. Bring die Werte in eine Reihenfolge nach Wichtigkeit.

Das Ergebnis ist ein Blatt Papier mit deinen fundamentalen Überzeugungen – die Grundlage deiner Entscheidungen und deiner Art zu führen. Besonders wertvoll: Teile es mit deinem Team und lass auch Kollegen oder Mitarbeiter die Übung machen.

Wie eine dienende Haltung guten Führungsstil prägt, hörst du in Servant Leadership. Woran sich gute Führung erkennen lässt, vertieft Was eine gute Führungskraft ausmacht. Und wie du Selbstreflexion zur Gewohnheit machst (ideal für beide Übungen), zeigt Journaling. Welches Vorbild zu dir passt, beleuchtet außerdem der Artikel Welcher Führungsstil passt zu dir?.

Häufige Fragen zum Führungsstil

Was ist der beste Führungsstil? Es gibt kein Patentrezept. Führung ist eine Kunst, keine Wissenschaft – der beste Stil ist der, der zu deiner Persönlichkeit und deinen Werten passt und authentisch ist.

Wie entwickle ich meinen eigenen Führungsstil? Über Selbstkenntnis statt Werkzeuge: Schärfe dein Selbstbild (z. B. mit einem Persönlichkeitstest) und arbeite deine fünf Grundwerte heraus. Auf dieser Basis entsteht über die Zeit ein authentischer, individueller Stil.

Kann man Führung lernen? Ja. Führung ist keine angeborene Eigenschaft, sondern lernbar – sie baut auf deinen Stärken und deiner Art, authentisch zu sein, auf.

Eignen sich auch introvertierte Menschen als Führungskraft? Absolut. Der laute, charismatische Typ ist ein Mythos – viele herausragende Führungspersönlichkeiten sind ruhig und wirken im Hintergrund.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Stephen Covey – Die 7 Wege zur Effektivität: Grundlage der Werte-Übung.
  • Sam Walker – The Captain Class: Analyse stiller, im Hintergrund wirkender Führungspersönlichkeiten (besprochen u. a. von Tony Robbins).
  • Ray Dalio – Principles: das systematische Dokumentieren eigener Prinzipien.
  • 16Personalities (Persönlichkeitstest auf Basis des Myers-Briggs-Typindikators): 16personalities.com.
  • Doku „Rivalen“ (Amazon Prime): Steve Jobs und Bill Gates als gegensätzliche Führungspersönlichkeiten.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Führung.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Führung als Ingenieur und persönliche Entwicklung.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge Nummer 37. Heute geht es um das Thema authentisch führen – so entwickelst du deinen eigenen Führungsstil. Ich werde im Kontext Führung ganz häufig gefragt: „Nenn mir doch mal Führungsinstrumente, welche Werkzeuge kann ich einsetzen?“ Gerade in vielen Seminaren und Workshops zum Thema Führung stehen solche Instrumente und Werkzeuge im Zentrum. Was ich dir heute mitgeben kann: Führungsinstrumente und Werkzeuge spielen nur eine ganz kleine Rolle und sind gerade am Anfang fast irrelevant. Es kommt auf etwas anderes an – nämlich authentisch zu führen und deinen eigenen Führungsstil zu entwickeln. Der baut nicht auf Instrumenten oder Werkzeugen auf, sondern auf anderen Dingen. Am Ende gebe ich dir zwei praktische Übungen an die Hand.

Zum Einstieg: Führung ist und bleibt etwas zutiefst Individuelles. Es gibt viele Mythen und falsche Ansichten – aber kein Patentrezept für gute Führung. Es heißt: Führung ist eine Kunst und keine Wissenschaft. Kein Schwarz oder Weiß, sondern eine eigene Handschrift wie bei einem Künstler. Nehmen wir zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten: auf der einen Seite Steve Jobs, auf der anderen Jürgen Klopp. Jürgen Klopp ist der Kommunikative – sehr enge, fast freundschaftliche Bindung zu seinen Spielern, ein guter Zuhörer, der an die Leute herankommt und dadurch sympathisch und sehr respektiert ist. Das ist seine Art, er hat ein starkes Selbstbild und kommt authentisch rüber. Steve Jobs dagegen war nicht gerade der Beliebteste – bekannt als Innovator und für die großen Erfolge mit Apple, aber in der Mitarbeiterführung sehr streng und unangenehm. Auch das war seine Art, authentisch zu führen und seinen eigenen Stil zu entwickeln. Bill Gates und Elon Musk sind ebenfalls grundverschieden – sehr sehenswert ist dazu die Doku-Serie „Rivalen“ auf Amazon Prime, eine Folge dreht sich um Jobs und Gates und wie unterschiedlich beide trotzdem zum Erfolg kommen.

Es gibt also keinen Archetyp für gute Führung – nicht den einen Persönlichkeitstyp, der perfekt geeignet ist. Es herrschen viele Missverständnisse: Viele laute, charismatische Führungskräfte erscheinen wie der Archetyp guter Führung. Dem ist nicht so. Falls du eher introvertiert bist und dich fragst „Bin ich überhaupt für Führung geeignet?“: Führung ist nichts Angeborenes. Es gibt keine Eigenschaft, die in die Wiege gelegt wird. Führung ist etwas, das du lernen kannst – etwas sehr Individuelles, das auf deinen Stärken und Schwächen und deiner Art, authentisch zu sein, aufbaut. Eine Folge bzw. ein Buch, das ich dazu empfehle: In einer Folge von Tony Robbins wird „The Captain Class“ besprochen – eine tiefgehende Analyse verschiedener Führungspersönlichkeiten aus dem Sport. Auch dort zeigt sich: Es sind oft nicht die lauten, medienpräsenten Persönlichkeiten, sondern Menschen, die im Hintergrund die Fäden ziehen und auf andere Weise führen.

Ein häufiger Grund für ein enges Führungsbild ist, dass viele zu selten Vorbilder haben und sich kaum mit Führungspersönlichkeiten auseinandersetzen. Namen wie Steve Jobs oder Elon Musk kennt jeder – aber zu jedem Persönlichkeitstyp gibt es erfolgreiche Führungspersönlichkeiten. Halte die Augen offen nach spannenden Vorbildern, nicht nur im eigenen Umfeld oder beim eigenen Chef. Führung ist etwas Universelles – du kannst dir weltweit Vorbilder suchen.

Jetzt zu den zwei Übungen, die nicht auf Instrumente abzielen, sondern darauf, authentischer zu führen und Bewusstsein für deine Persönlichkeit und deinen Stil zu schaffen.

Übung 1: dein Selbstbild stärken – ein Persönlichkeitstest. Wichtig vorab: Ein Persönlichkeitstest bildet immer nur Präferenzen ab. Es gibt keinen Test, der eine Persönlichkeit zu 100 % widerspiegelt, denn Persönlichkeit ist dynamisch – machst du den Test in größeren Abständen, kann teilweise etwas anderes herauskommen. Es ist immer eine Mischung aus genetisch Veranlagtem, durch Erziehung Verwurzeltem und dynamischen Komponenten. Trotzdem hat so ein Test viele Vorteile: Du bekommst Material, um dein Selbstbild zu schärfen, dir deiner Werte bewusster zu werden und Stärken und Schwächen zu reflektieren. Ich empfehle den Test von 16Personalities – eine weit verbreitete Möglichkeit, basierend auf dem Myers-Briggs-Typindikator, einem der klassischen, langjährigen Persönlichkeitstests. Das Ergebnis besteht aus vier Buchstaben (es gibt 16 Typen). Nimm dir die Zeit, in die Bedeutung dieser vier Buchstaben einzutauchen – etwa 20 Minuten, dann hast du einen guten Schritt gemacht.

Übung 2 baut darauf auf und zielt auf dein Werte-Bewusstsein: Wofür stehst du eigentlich? Was sind deine fundamentalen Überzeugungen und Prinzipien, die dein Handeln bestimmen? Passend dazu kann ich das Buch „Principles“ (deutsch „Prinzipien“) von Ray Dalio empfehlen – er hat über Jahre seine fundamentalen Überzeugungen systematisch niedergeschrieben. Die Übung selbst hat drei Schritte. Erster Schritt: Recherchiere fünf Grundwerte. Falls es schwerfällt, nutze eine „Werte-Liste“ aus dem Netz (dort stehen Werte wie Abenteuer, Achtsamkeit, Akzeptanz, Anerkennung, Begeisterung, Kreativität, Humor …) und beschränke dich auf fünf, die dich zu 100 % widerspiegeln. Ein guter Indikator: Eine unbeteiligte Person liest die fünf Werte und sagt „ja, das bist du“. Zweiter Schritt: Individualisiere – schreibe ein bis zwei Sätze zu jedem Wert, was er für dich bedeutet (zum Beispiel: „Humor ist für mich ein Kernaspekt guter Führung, um Leichtigkeit in den Alltag zu bringen und die Motivation der Mitarbeiter zu steigern“). Dritter Schritt: Bring die Werte in eine Reihenfolge nach Wichtigkeit. Das Ergebnis ist ein Blatt Papier mit deinen Werten und Prinzipien – die Basis deiner Entscheidungen und deiner Art zu führen. Diese Übung kennst du vielleicht in ähnlicher Form aus Stephen Coveys „Die 7 Wege zur Effektivität“. Besonders wertvoll ist es, das Ergebnis mit deinem Team zu teilen und auch Kollegen, Mitarbeiter oder Führungskräfte die Übung machen zu lassen und sich darüber auszutauschen.

Zusammengefasst: Führung ist etwas sehr Individuelles, eine Kunst und keine Wissenschaft. Es gibt keinen Archetyp, und es kommt viel weniger auf Instrumente und Werkzeuge an als darauf, dir deiner selbst und deiner Werte bewusst zu sein, um authentisch zu führen und über die Zeit deinen eigenen Stil zu entwickeln. Übung 1: dein Selbstbild stärken (z. B. mit einem Persönlichkeitstest). Übung 2: dein Werte-Bewusstsein schaffen – fünf Grundwerte recherchieren, individualisieren und priorisieren. Theorie ist das eine, Praxis das andere: Diese Übungen sind sehr konkret, du kannst und solltest sie umsetzen. Und du brauchst dafür keine Führungsposition – es lohnt sich, schon vorher damit anzufangen.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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