Mehr Fokus im Alltag: warum Konzentration vom Körper kommt

Wenn es um mehr Fokus geht, kommen die meisten mit Methoden und Techniken aus dem Zeitmanagement um die Ecke. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Wenn du dich nicht konzentrieren kannst, liegt das oft an körperlichen Faktoren – und genau die werden fast immer übersehen.

In dieser Folge bekommst du drei überraschende, körperliche Hebel aus dem Bereich Biohacking: deinen Biorhythmus verstehen, Erholung bewusst einbauen und deine Blutqualität optimieren. Drei Stellschrauben, mit denen du fokussierter und leistungsfähiger wirst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Fokus ist nicht nur Zeitmanagement. Konzentration hat stark mit körperlichen Faktoren zu tun – wer nur an Methoden schraubt, übersieht die halbe Wahrheit.
  • 1. Biorhythmus. Deine Leistungsfähigkeit folgt einer Kurve (Peak am Vormittag, Tief am frühen Nachmittag). Plane anspruchsvolle Aufgaben in deine Hochphasen.
  • Blaues Licht steuert den Rhythmus mit. Mittags hilft Tageslicht, abends bringt Display-Licht deinen Biorhythmus und Schlaf durcheinander.
  • 2. Erholung. Höchstleistung = Stress + Erholung. Nach rund 2 Stunden bricht die Leistung ein; ein guter Rhythmus ist ~50 Minuten Arbeit, ~10 Minuten Pause.
  • Erholung braucht eine Strategie: Spaziergänge, Meditation, soziale Pausen ohne Arbeitsthemen und guter Schlaf (Powernap max. 25–30 Min.).
  • 3. Blutqualität. Dein Gehirn braucht Nährstoffe – transportiert übers Blut. Ein Blutbild plus angepasste Ernährung (Mikronährstoffe) ist ein unterschätzter Fokus-Hebel.

Mehr Fokus im Alltag: die Kernidee

1. Verstehe deinen Biorhythmus

Dein Biorhythmus bestimmt einen großen Teil deiner Leistungsfähigkeit. Es gibt einen typischen Kurvenverlauf: Nach dem Aufstehen steigt die Leistung an, der Peak liegt meist gegen 10–11 Uhr vormittags, danach folgt das bekannte Nachmittagstief (ca. 13–15 Uhr), ein zweites Hoch am späten Nachmittag (16–17 Uhr) und abends das Herunterfahren in die Ruhephase. Diese Kurve ist bei allen ähnlich, aber individuell verschoben – das steckt auch hinter dem Thema „Eule oder Lerche“. Für die einen ist 5 Uhr aufstehen der Schlüssel, für andere der Horror. Es gibt also kein universelles Prinzip; entscheidend ist dein persönlicher Rhythmus.

Gegen den Biorhythmus zu arbeiten macht nicht nur wenig Sinn, es macht auf Dauer sogar krank (man denke an Schicht- und Nachtarbeit). Dahinter stecken biochemische Prozesse, die u. a. durch Tageszeit und Licht ausgelöst werden. Ein wichtiger Faktor ist blaues Licht: Es steckt im Sonnenlicht und steuert deinen Rhythmus. Mittags ist Tageslicht ideal – geh raus, hol dir Sonne, das pusht deinen Peak. Abends dagegen gaukelt das blaue Licht von Handy, TV und Laptop deinem Körper einen Peak vor, wirft den Rhythmus durcheinander und senkt deine Schlafqualität (Blaulichtfilter-Brillen können helfen). Konkret heißt das: Lerne deinen Biorhythmus kennen, beobachte und analysiere ihn – und richte deinen Tagesplan danach aus. Anspruchsvolle Aufgaben (und wichtige Meetings) in die Hochphasen am Vormittag, lockere Tätigkeiten ins Tief.

2. Baue Erholung bewusst ein

Vielen High Performern fällt genau das schwer – mir auch. Das Buch Peak Performance von Brad Stulberg und Steve Magness bringt es auf eine Formel: Höchstleistung und persönliches Wachstum entstehen aus der Kombination von Stress und Erholung. Auf intensive Phasen müssen zwingend Erholungsphasen folgen, sonst sinkt deine Leistungsfähigkeit. Studien zeigen: Nach rund zwei Stunden ununterbrochener Arbeit bricht die Leistung ein. Ein optimaler Zyklus liegt bei etwa 50 Minuten konzentrierter Arbeit und 10 Minuten Pause (die klassische Pomodoro-Technik).

Wichtig: Erholung ist kein Hindernis auf dem Weg zur Höchstleistung, sondern ein Baustein – du brauchst dafür eine echte Strategie. Ein paar wissenschaftlich belegte Möglichkeiten aus dem Buch: Spaziergänge (schon 6 Minuten Gehen erhöhen die Kreativität deutlich; in der Pause einmal ums Gebäude). Meditation – längst kein esoterisches Thema mehr, sondern Konzentrationstraining mit messbarem Effekt auf die Gehirnstruktur (siehe Search Inside Yourself von Chade-Meng Tan, ex-Google). Der kleinste Einstieg: ein achtsamer Atemzug pro Tag; eine einfache Technik ist der Body-Scan, bei dem du die Augen schließt und dich nacheinander auf deine Körperabschnitte konzentrierst. Soziale Erholung: Pausen und Feierabend bewusst mit Themen füllen, die nichts mit Arbeit zu tun haben. Und Schlaf: Powernap maximal 25–30 Minuten, dazu eine gute Schlafqualität in der Nacht. Wer meint, mit wenig Schlaf auszukommen, büßt Fokus und Leistung ein.

3. Optimiere deine Blutqualität

Der dritte Hebel ist den wenigsten bewusst: deine Blutqualität. Fokus und Konzentration entstehen im Gehirn – und dein Gehirn braucht Nährstoffe, die übers Blut transportiert werden. Für gute Leistung brauchst du also den bestmöglichen „Input“. Damit sind wir beim Thema Ernährung, aber entscheidend ist am Ende die Blutqualität. Das Buch Blut von Ulrich Strunz hat mir hier die Augen geöffnet: Es geht stark um Mikronährstoffe, die für Konzentration und Leistungsfähigkeit oft wichtiger sind als die Makronährstoffe (Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate).

Der beste erste Schritt ist, ein Blutbild beim Arzt machen zu lassen, um Defizite aufzudecken (ein Klassiker bei vegetarischer Ernährung ist Vitamin B12) – und dann die Ernährung gezielt anzupassen oder zu supplementieren. Wie stark das wirkt, zeigt das Marathon-Beispiel aus dem Buch: gleiches Training, aber mit blutoptimierter Ernährung bis zu 20–30 Minuten schnellere Zielzeit. Wenn dir im Alltag der Fokus fehlt, kann das also an deiner Nährstoffzusammensetzung liegen. Wenn du keinen Bluttest machen willst, ist der pragmatische Weg: weniger industriell verarbeitete Produkte, mehr Vielfalt, Richtung Clean Eating. Einen guten Einstieg liefert Der Ernährungskompass von Bas Kast.

Kurz gefasst: Mehr Fokus im Alltag kommt nicht nur aus Zeitmanagement-Techniken, sondern aus dem Körper. Nimm Biohacking ernst: Verstehe deinen Biorhythmus, baue Erholung strategisch ein und behalte deine Blutqualität im Blick. Diese drei Hebel haben eine riesige Wirkung auf deine Leistungsfähigkeit.

Warum dein Biorhythmus über die richtige Morgenroutine entscheidet, hörst du in Morgenroutine: warum du eine brauchst. Wie du über Ernährung deine Energie und deinen Fokus steigerst, vertieft Ernährung optimieren. Und wie du als Teil deiner Erholung besser schläfst, zeigt Schlafqualität verbessern.

Häufige Fragen zum Thema mehr Fokus

Wie bekomme ich im Alltag mehr Fokus? Nicht nur über Zeitmanagement, sondern über drei körperliche Hebel: Plane anspruchsvolle Aufgaben in deine biorhythmischen Hochphasen, baue Erholung bewusst ein (z. B. 50 Minuten Arbeit, 10 Minuten Pause) und optimiere deine Blutqualität über die Ernährung. Der Körper ist die Basis deiner Konzentration.

Was ist der Biorhythmus und warum ist er für die Konzentration wichtig? Der Biorhythmus ist der natürliche Tagesverlauf deiner Leistungsfähigkeit – mit einem Peak am Vormittag und einem Tief am frühen Nachmittag. Wer seine wichtigsten Aufgaben in die Hochphasen legt und nicht gegen den Rhythmus arbeitet, kann sich deutlich besser konzentrieren.

Wie viel Pause brauche ich, um konzentriert zu bleiben? Studien zeigen, dass die Leistung nach rund zwei Stunden ununterbrochener Arbeit einbricht. Ein bewährter Rhythmus sind etwa 50 Minuten konzentrierte Arbeit und 10 Minuten Pause. Höchstleistung entsteht aus dem Wechsel von Stress und Erholung.

Was hat Ernährung mit Fokus zu tun? Sehr viel. Dein Gehirn wird über das Blut mit Nährstoffen versorgt. Fehlen Mikronährstoffe, leidet die Konzentration. Ein Blutbild deckt Defizite auf; danach lassen sich Ernährung und gegebenenfalls Supplemente gezielt anpassen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Brad Stulberg & Steve Magness – Peak Performance: Höchstleistung = Stress + Erholung; warum eine Erholungsstrategie unverzichtbar ist.
  • Chade-Meng Tan – Search Inside Yourself: Meditation und Achtsamkeit als Konzentrationstraining (vom ehemaligen Google-Mitarbeiter).
  • Ulrich Strunz – Blut: wie Blutwerte und Mikronährstoffe deine Leistungsfähigkeit bestimmen.
  • Bas Kast – Der Ernährungskompass: die Basics einer Ernährung, die Energie und Fokus unterstützt.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Produktivität.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Produktivität.

Transkript

Herzlich willkommen zur Podcast-Episode Nummer 32. In dieser Folge geht es um das Thema mehr Fokus im Alltag – drei überraschende Tipps. Warum überraschend? Wenn es darum geht, im Alltag fokussierter und konzentrierter zu arbeiten, generell mehr zu schaffen, effektiver und effizienter zu sein, kommen die meisten mit Methoden und Techniken aus dem Zeitmanagement um die Ecke. Das ist aus meiner Sicht aber nur eine Seite der Medaille. Jeder kennt es: Du hast eine bestimmte Aufgabe und kannst dich einfach nicht konzentrieren. Das liegt teilweise oder überwiegend an körperlichen Faktoren.

Ich kann mich extrem für das Thema Biohacking begeistern. Biohacking bedeutet, den eigenen Körper zu verstehen, ihn zu entschlüsseln und dann zu optimieren – gerade im Hinblick auf Fokus und Performance. Denn wenn es um Leistung und Leistungsfähigkeit geht, ist der Körper ein wichtiger Faktor, nicht nur die Techniken und Methoden. Wenn du Top-Performer sein und deine Leistungsfähigkeit verbessern willst, ist diese Folge genau richtig für dich. Jeder kennt es: Im Alltag schweifen die Gedanken ab, man kann sich nicht fokussieren. Ich gebe dir drei Dinge an die Hand – drei körperliche Faktoren aus dem Gedanken des Biohackings.

Der erste Punkt ist das Thema Biorhythmus. Der Biorhythmus ist die Basis. Wenn du deinen Biorhythmus nicht kennst und verstehst, bist du wahrscheinlich relativ unbewusst unterwegs, denn der Biorhythmus bestimmt einen ganz großen Teil deiner Leistungsfähigkeit. Jeder kennt es: Nachmittags, wenn man gegessen hat, oder zu bestimmten Tageszeiten ist man einfach nicht leistungsfähig – da kann man tun, was man will. Das ist evolutionär veranlagt, keine Rocket Science, aber der Körper richtet sich danach, und das hat viel mit der Sonne zu tun. Es gibt einen typischen Kurvenverlauf – such ruhig mal bei Google danach, wenn du das Thema noch nie gehört hast.

Nichtsdestotrotz hat jede Person ihren individuellen Biorhythmus. Die Kurve ist annähernd gleich, aber zeitlich verschoben. Das kennt man vom Thema Eule und Lerche, und auch von der Morgenroutine: Um 5 Uhr aufzustehen ist für die einen der Schlüssel, um richtig Gas zu geben, und für die anderen der Horror. Es gibt also kein universelles Prinzip, das für alle erfolgversprechend ist – das hängt stark vom Biorhythmus ab. Wenn du jemand bist, der erst später in die Gänge kommt und nach dem Aufstehen eine lange Phase braucht, um leistungsfähig zu sein, kann es kontraproduktiv sein, schon in den Morgenstunden besonders aktiv sein zu wollen.

Ganz kurz zum typischen Kurvenverlauf: Nach dem Aufstehen hast du einen stetigen Anstieg der Leistungsfähigkeit, der irgendwo Richtung 10, 11 Uhr seinen Peak hat – vormittags ist in der Regel die absolute Leistungsspitze über den Tag. Dann kommt, unabhängig davon, was du isst (auch wenn die Ernährung das stark beeinflusst), das Nachmittagstief: Wenn du mittags eine große Portion isst, fällst du noch tiefer, aber so gegen 13, 14, 15 Uhr geht es ohnehin in ein Tief, in dem die Leistungsfähigkeit sinkt. Danach folgt ein weiteres Hoch gegen 16, 17 Uhr, und gegen 19, 20, 21 Uhr geht man in die Ruhephase über, in der der Biorhythmus dafür sorgt, dass die Leistungsfähigkeit wieder abnimmt. Dieser Verlauf ist wahrscheinlich auch bei dir so.

Wichtig zu verstehen: Wenn du gegen diesen Rhythmus arbeitest, macht das nicht nur keinen Sinn, sondern auf Dauer auch krank. Wer schon mal mit Spät- oder Nachtschicht zu tun hatte, kennt das – es macht krank, weil du gegen deine Natur arbeitest. Dahinter stehen biochemische Prozesse: Von der Tageszeit, vom Licht und von der Sonne werden viele Prozesse im Körper ausgelöst, die deine Leistungsfähigkeit steuern. Spannend ist, das mal beim Sport zu testen: Eine Runde laufen fühlt sich morgens anders an als mittags oder abends, und du kannst andere Leistung erbringen, weil der Biorhythmus darauf einzahlt.

Für dich heißt das: Gegen den Biorhythmus anzuarbeiten macht keinen Sinn – versuch nicht, in der Mittagsphase Höchstleistung zu erbringen. Und wenn du ein wichtiges Meeting oder eine Besprechung mit deinem Chef hast, kann es sehr spannend sein, den Biorhythmus zu beachten: Ein wichtiges Meeting um 10 Uhr morgens ist etwas anderes als am Nachmittag – du wirst andere Ergebnisse erzielen. Behalte die Tageszeit also im Kopf. Erstens: deinen eigenen Biorhythmus verstehen und ihn ruhig in die Tiefe analysieren. Zweitens: deinen Tagesplan und deine Aufgaben an den Biorhythmus anpassen und da strikt sein. Das verbindest du dann mit den Methoden des Zeitmanagements: anspruchsvolle Aufgaben am Vormittag, lockerere Tätigkeiten am Nachmittag, wenn die Leistungsfähigkeit nicht so stark gefragt ist.

Gerade auch die modernen Dinge spielen hier rein – Handy, TV und das Thema blaues Licht. Blaues Licht ist eine Strahlung, ein Licht, das von Displays ausgestrahlt wird (Handy, Fernseher, Laptop). Blaues Licht ist nicht per se schlecht – im Gegenteil: Es wird auch von der Sonne ausgestrahlt und ist im Sonnenlicht vorhanden, und es beeinflusst deinen Biorhythmus stark. Mittags ist es sehr gut, blaues Licht zu bekommen, also an die frische Luft zu gehen und Sonnenstrahlen zu erhaschen, weil dein Biorhythmus dadurch gepusht und zu seinen Peaks gebracht wird. Abends dagegen, wenn du aufs Handy schaust, nimmst du dieses Blaulicht auf und provozierst einen Peak in deinem Biorhythmus – das wirft den Rhythmus durcheinander, deine Schlafqualität sinkt und damit deine gesamte Leistungsfähigkeit. Es gibt Brillen mit Blaulichtfilter und dergleichen; das ist keine Rocket Science und nichts Neues. Trotzdem haben viele nicht auf dem Schirm, wie wichtig ihr Biorhythmus ist und wie stark sie ihn durch die moderne Lebensweise durcheinanderbringen – etwa wenn man bis 22, 23 Uhr aufs Handy schaut oder gleich morgens als Erstes Nachrichten schreibt. Wer das macht, muss sich bewusst sein, dass die Leistungsfähigkeit darunter leidet. Punkt eins also: Wenn du im Alltag fokussiert und leistungsfähig sein willst, behalte deinen Biorhythmus vor Augen, beobachte und analysiere ihn und passe deine Arbeitsweise daran an.

Punkt zwei ist das Thema Erholung und Erholungsphasen einbauen. Aus eigener Erfahrung: Mir fällt das unglaublich schwer, und ich glaube, vielen High Performern geht es ähnlich. Man kann sehr viel und konzentriert arbeiten, viel Gas geben – aber das Thema Erholung holt einen ein. Ich habe gerade frisch das Buch Peak Performance von Brad Stulberg und Steve Magness gelesen, ein unglaublich gutes Buch. Wenn die Autoren von Höchstleistung sprechen, sprechen sie von einer Gleichung: Höchstleistung und persönliches Wachstum sind die Kombination aus Stress und Erholung. Stress bedeutet intensive Phasen der Arbeit (oder des Sports), und darauf müssen zwangsweise Erholungsphasen folgen, sonst sinkt die Leistungsfähigkeit. Overperforming ist hinderlich und nicht nachhaltig. Eine Studie, die im Buch zitiert wird, besagt, dass deine Leistung nach zwei Stunden ununterbrochener Arbeit enorme Einbußen erfährt. Außerdem hat man herausgefunden, dass ein optimaler Zyklus bei etwa 50 Minuten konzentrierter Arbeit und 10 Minuten Pause liegt – die klassische Pomodoro-Technik. Schau sie dir unbedingt an; aus meiner Erfahrung eine sehr gute Möglichkeit, über den Tag verteilt fokussiert zu arbeiten.

Erholung und Pausen sind unglaublich vielseitig. In Kapitel 5 des Buches („So entspannst du dich richtig“) gibt es eine Auflistung vieler Möglichkeiten. Spannend ist, dass die Autoren schreiben: Höchstleistung braucht eine Erholungsstrategie. Du solltest dein Mindset zum Thema Erholung verändern und sie nicht als hinderlich sehen, sondern als wichtigen Baustein, für den du eine Strategie brauchst. Ein paar Beispiele, alle wissenschaftlich hinterlegt: Erstens Spaziergänge. Eine Studie zeigt, dass schon sechs Minuten Spazierengehen die Kreativität um 60 Prozent erhöhen. Wenn du beim Zyklus bleibst – konzentriert arbeiten, dann Pause –, dich vom Arbeitsplatz erhebst und einmal um den Block oder durchs Gebäude gehst, hat das schon riesige Effekte auf die Pausenqualität.

Zweitens Meditation. Falls dein erster Impuls bei dem Wort etwas Esoterisches ist, ein Mönch aus einer asiatischen Kultur – dann bist du nicht auf dem aktuellen Stand. Meditation ist ein riesiges Thema der Moderne, um die Konzentrationsfähigkeit zu steigern; die Neurowissenschaft hat große Fortschritte gemacht. Das Buch Search Inside Yourself von Chade-Meng Tan, einem ehemaligen Google-Mitarbeiter, kann ich wärmstens empfehlen. Meditation kann auch einfach bedeuten, für ein paar Minuten die Augen zu schließen. Es gibt zwei Techniken, die auch im Buch beschrieben werden: zum einen, die Augen zu schließen und sich auf den Atem zu konzentrieren; zum anderen der Body-Scan, bei dem du die Augen schließt und dich nacheinander auf deine Körperabschnitte konzentrierst – wie sich die Füße auf dem Boden anfühlen, wie der Rücken die Lehne berührt –, und das einfach nur wahrnimmst. Das muss man trainieren, ist aber ein wichtiger Bestandteil von Konzentrationsfähigkeit und Fokus. Immer wenn du das Gefühl hast, dass gerade viel parallel auf dich einkommt und du in eine unruhige Phase gerätst, nimm dir den Moment, schließ die Augen und mach eine kurze Meditation. Bei neuen Themen hilft das Prinzip der Mikro-Steps: Was ist der kleinstmögliche Schritt, um ins Handeln zu kommen? Der Autor schreibt, ein guter Anfang sei ein einziger achtsamer Atemzug pro Tag – absoluter Mikro-Step, kann jeder machen. Im Buch ist auch beschrieben, wie sich die Gehirnstruktur dadurch anpasst (Stichwort präfrontaler Cortex) und du fokussierter und leistungsfähiger wirst.

Ein weiterer Punkt ist die soziale Erholung: sich in sozialen Kontexten bewegen, in denen es explizit nicht um Arbeit geht. Am Feierabend und am Wochenende mit Freunden etwas zu machen, das nichts mit Arbeit zu tun hat, ist ein großer Benefit für die Erholung. Und der letzte Punkt ist Schlaf. Beim Powernap gilt: maximal 30 Minuten, meiner Erfahrung nach sind 25 Minuten das Optimum – sonst kommt man ins Trägheitsmoment und es wird kontraproduktiv. Wichtig ist auch die Schlafqualität in der Nacht. Wer meint, mit wenig Schlaf auszukommen, hat unglaubliche Leistungseinbußen und Schwierigkeiten, sich zu fokussieren.

Ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Bei mir im Büro haben wir eine kleine Lauf-Challenge ausgerufen – 1500 Kilometer bis zum Jahresende, das ist runtergerechnet ein Marathon pro Woche, also viermal die Woche zehn Kilometer. Ich habe mich selbst beobachtet und gemerkt, wie ich gegen 13 Uhr die Reißleine gezogen und Termine abgesagt habe, um laufen zu gehen. In der ersten Woche bin ich knapp 60 Kilometer gelaufen. Was ich schnell gemerkt habe: Wenn ich mir nicht proaktiv Gedanken über eine Erholungsstrategie mache, bekomme ich Leistungseinbußen – in dem Fall vielleicht eine Verletzung. Genau dasselbe gilt im beruflichen Alltag: Sport und Beruf gehen Hand in Hand. Wenn es dir bei solchen Themen ähnlich geht, solltest du das Thema Erholungsphasen ernst nehmen. Ich empfehle dir wärmstens das Buch Peak Performance, weil dort viele wissenschaftliche Hintergründe hinterlegt sind. Das ist Punkt zwei: Erholungsphasen einbauen.

Punkt drei: deine Blutqualität verbessern – ein Thema, das viele gar nicht auf dem Schirm haben. Selten wird geschaut, was wirklich die Ursache für Leistungsfähigkeit und Fokus ist. Das hat sehr viel mit dem Gehirn zu tun, und das Gehirn braucht Nährstoffe, die über das Blut transportiert werden. Wenn es um Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit geht, brauchst du den bestmöglichen Input – damit sind wir wieder beim Thema Ernährung. Aber am Ende entscheidet die Blutqualität, weil dein Blut die Nährstoffe ins Gehirn transportiert. Ein Buch, das mir die Augen geöffnet hat (ich habe es als Hörbuch gehört), ist Blut von Ulrich Strunz. Es geht stark um Mikronährstoffe. Beim Thema Ernährung geht es oft um Makronährstoffe – Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate –, aber die Mikronährstoffe sind für Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sehr entscheidend.

Der erste und beste Weg ist, ein Blutbild beim Arzt machen zu lassen – wie immer erst analysieren, wo man steht – und dann im zweiten Schritt die Ernährung anzupassen oder gegebenenfalls zu supplementieren, also zu schauen, wo du Engpässe und Defizite hast. Ein Klassiker bei vegetarischer Ernährung (so wie bei mir) ist Vitamin B12. Dazu gibt es viele Mythen: B12 hat nicht direkt mit tierischer Nahrung zu tun – auch Tieren wird es zugeführt; ein B12-Mangel hängt heute oft mit der Hygiene zusammen, weil B12 durch hygienische Verarbeitung der Nahrungsmittel beseitigt wird. Worum es geht: Defizite aufdecken und ausgleichen. Im Buch Blut wird auch mit dem Hochleistungssport gearbeitet, gerade bei der Laufperformance. Beispiel: Eine Person macht zwei Marathonversuche mit gleicher Trainingsintensität – einmal mit normaler Ernährung, einmal mit blutoptimierter Ernährung. Das „Bluttuning“ klingt vielleicht merkwürdig und hat nichts mit Doping zu tun, sondern damit, die Nährstoffzufuhr bewusst zu betrachten und zu optimieren – mit riesigem Effekt: teilweise 20 bis 30 Minuten Unterschied bei der Zielzeit, nur durch unterschiedliche Nährstoffe. Wenn dir im Alltag der Fokus fehlt und du dich nicht konzentrieren kannst, kann es gut sein, dass deine Nährstoffzusammensetzung und Blutqualität schlecht sind und du deine Ernährung verbessern solltest.

Wenn du nicht direkt ein Blutbild machen möchtest, kannst du kurzfristig das Thema Ernährung ernster nehmen und dir ein Mindset Richtung Clean Eating aneignen: wenig industrielle Verarbeitung und Vielfalt einbauen. Witzigerweise sind das Regeln, die jeder kennt – an der Umsetzung hapert es. Wenn dir die Basics fehlen, lies Der Ernährungskompass von Bas Kast; der liefert die Grundlagen. Beschäftige dich zum Beispiel mit dem Thema Eiweiß: Eiweiße bestehen aus verschiedenen Aminosäuren, und auf diesem Mikro-Level entstehen oft Defizite, die dazu führen, dass du dich schlapp fühlst und deine Konzentrationsfähigkeit leidet.

Ich habe jetzt umfangreich über drei Themen gesprochen. Kurz zusammengefasst: Mehr Fokus im Alltag erreichst du nicht nur über Methoden und Techniken aus dem Zeitmanagement, sondern indem du immer auch auf den Körper achtest. Nimm das Thema Biohacking ernst: Betrachte deinen Biorhythmus genau, baue Erholungsphasen bewusst ein und behalte deine Blutqualität und deine Nährstoffe im Blick, weil sie sich stark auf deine Leistungsfähigkeit und dein Gehirn auswirken. Ich hoffe, du konntest einiges für dich mitnehmen. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Mehr Fokus im Alltag: warum Konzentration vom Körper kommt

Wenn es um mehr Fokus geht, kommen die meisten mit Methoden und Techniken aus dem Zeitmanagement um die Ecke. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Wenn du dich nicht konzentrieren kannst, liegt das oft an körperlichen Faktoren – und genau die werden fast immer übersehen.

In dieser Folge bekommst du drei überraschende, körperliche Hebel aus dem Bereich Biohacking: deinen Biorhythmus verstehen, Erholung bewusst einbauen und deine Blutqualität optimieren. Drei Stellschrauben, mit denen du fokussierter und leistungsfähiger wirst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Fokus ist nicht nur Zeitmanagement. Konzentration hat stark mit körperlichen Faktoren zu tun – wer nur an Methoden schraubt, übersieht die halbe Wahrheit.
  • 1. Biorhythmus. Deine Leistungsfähigkeit folgt einer Kurve (Peak am Vormittag, Tief am frühen Nachmittag). Plane anspruchsvolle Aufgaben in deine Hochphasen.
  • Blaues Licht steuert den Rhythmus mit. Mittags hilft Tageslicht, abends bringt Display-Licht deinen Biorhythmus und Schlaf durcheinander.
  • 2. Erholung. Höchstleistung = Stress + Erholung. Nach rund 2 Stunden bricht die Leistung ein; ein guter Rhythmus ist ~50 Minuten Arbeit, ~10 Minuten Pause.
  • Erholung braucht eine Strategie: Spaziergänge, Meditation, soziale Pausen ohne Arbeitsthemen und guter Schlaf (Powernap max. 25–30 Min.).
  • 3. Blutqualität. Dein Gehirn braucht Nährstoffe – transportiert übers Blut. Ein Blutbild plus angepasste Ernährung (Mikronährstoffe) ist ein unterschätzter Fokus-Hebel.

Mehr Fokus im Alltag: die Kernidee

1. Verstehe deinen Biorhythmus

Dein Biorhythmus bestimmt einen großen Teil deiner Leistungsfähigkeit. Es gibt einen typischen Kurvenverlauf: Nach dem Aufstehen steigt die Leistung an, der Peak liegt meist gegen 10–11 Uhr vormittags, danach folgt das bekannte Nachmittagstief (ca. 13–15 Uhr), ein zweites Hoch am späten Nachmittag (16–17 Uhr) und abends das Herunterfahren in die Ruhephase. Diese Kurve ist bei allen ähnlich, aber individuell verschoben – das steckt auch hinter dem Thema „Eule oder Lerche“. Für die einen ist 5 Uhr aufstehen der Schlüssel, für andere der Horror. Es gibt also kein universelles Prinzip; entscheidend ist dein persönlicher Rhythmus.

Gegen den Biorhythmus zu arbeiten macht nicht nur wenig Sinn, es macht auf Dauer sogar krank (man denke an Schicht- und Nachtarbeit). Dahinter stecken biochemische Prozesse, die u. a. durch Tageszeit und Licht ausgelöst werden. Ein wichtiger Faktor ist blaues Licht: Es steckt im Sonnenlicht und steuert deinen Rhythmus. Mittags ist Tageslicht ideal – geh raus, hol dir Sonne, das pusht deinen Peak. Abends dagegen gaukelt das blaue Licht von Handy, TV und Laptop deinem Körper einen Peak vor, wirft den Rhythmus durcheinander und senkt deine Schlafqualität (Blaulichtfilter-Brillen können helfen). Konkret heißt das: Lerne deinen Biorhythmus kennen, beobachte und analysiere ihn – und richte deinen Tagesplan danach aus. Anspruchsvolle Aufgaben (und wichtige Meetings) in die Hochphasen am Vormittag, lockere Tätigkeiten ins Tief.

2. Baue Erholung bewusst ein

Vielen High Performern fällt genau das schwer – mir auch. Das Buch Peak Performance von Brad Stulberg und Steve Magness bringt es auf eine Formel: Höchstleistung und persönliches Wachstum entstehen aus der Kombination von Stress und Erholung. Auf intensive Phasen müssen zwingend Erholungsphasen folgen, sonst sinkt deine Leistungsfähigkeit. Studien zeigen: Nach rund zwei Stunden ununterbrochener Arbeit bricht die Leistung ein. Ein optimaler Zyklus liegt bei etwa 50 Minuten konzentrierter Arbeit und 10 Minuten Pause (die klassische Pomodoro-Technik).

Wichtig: Erholung ist kein Hindernis auf dem Weg zur Höchstleistung, sondern ein Baustein – du brauchst dafür eine echte Strategie. Ein paar wissenschaftlich belegte Möglichkeiten aus dem Buch: Spaziergänge (schon 6 Minuten Gehen erhöhen die Kreativität deutlich; in der Pause einmal ums Gebäude). Meditation – längst kein esoterisches Thema mehr, sondern Konzentrationstraining mit messbarem Effekt auf die Gehirnstruktur (siehe Search Inside Yourself von Chade-Meng Tan, ex-Google). Der kleinste Einstieg: ein achtsamer Atemzug pro Tag; eine einfache Technik ist der Body-Scan, bei dem du die Augen schließt und dich nacheinander auf deine Körperabschnitte konzentrierst. Soziale Erholung: Pausen und Feierabend bewusst mit Themen füllen, die nichts mit Arbeit zu tun haben. Und Schlaf: Powernap maximal 25–30 Minuten, dazu eine gute Schlafqualität in der Nacht. Wer meint, mit wenig Schlaf auszukommen, büßt Fokus und Leistung ein.

3. Optimiere deine Blutqualität

Der dritte Hebel ist den wenigsten bewusst: deine Blutqualität. Fokus und Konzentration entstehen im Gehirn – und dein Gehirn braucht Nährstoffe, die übers Blut transportiert werden. Für gute Leistung brauchst du also den bestmöglichen „Input“. Damit sind wir beim Thema Ernährung, aber entscheidend ist am Ende die Blutqualität. Das Buch Blut von Ulrich Strunz hat mir hier die Augen geöffnet: Es geht stark um Mikronährstoffe, die für Konzentration und Leistungsfähigkeit oft wichtiger sind als die Makronährstoffe (Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate).

Der beste erste Schritt ist, ein Blutbild beim Arzt machen zu lassen, um Defizite aufzudecken (ein Klassiker bei vegetarischer Ernährung ist Vitamin B12) – und dann die Ernährung gezielt anzupassen oder zu supplementieren. Wie stark das wirkt, zeigt das Marathon-Beispiel aus dem Buch: gleiches Training, aber mit blutoptimierter Ernährung bis zu 20–30 Minuten schnellere Zielzeit. Wenn dir im Alltag der Fokus fehlt, kann das also an deiner Nährstoffzusammensetzung liegen. Wenn du keinen Bluttest machen willst, ist der pragmatische Weg: weniger industriell verarbeitete Produkte, mehr Vielfalt, Richtung Clean Eating. Einen guten Einstieg liefert Der Ernährungskompass von Bas Kast.

Kurz gefasst: Mehr Fokus im Alltag kommt nicht nur aus Zeitmanagement-Techniken, sondern aus dem Körper. Nimm Biohacking ernst: Verstehe deinen Biorhythmus, baue Erholung strategisch ein und behalte deine Blutqualität im Blick. Diese drei Hebel haben eine riesige Wirkung auf deine Leistungsfähigkeit.

Warum dein Biorhythmus über die richtige Morgenroutine entscheidet, hörst du in Morgenroutine: warum du eine brauchst. Wie du über Ernährung deine Energie und deinen Fokus steigerst, vertieft Ernährung optimieren. Und wie du als Teil deiner Erholung besser schläfst, zeigt Schlafqualität verbessern.

Häufige Fragen zum Thema mehr Fokus

Wie bekomme ich im Alltag mehr Fokus? Nicht nur über Zeitmanagement, sondern über drei körperliche Hebel: Plane anspruchsvolle Aufgaben in deine biorhythmischen Hochphasen, baue Erholung bewusst ein (z. B. 50 Minuten Arbeit, 10 Minuten Pause) und optimiere deine Blutqualität über die Ernährung. Der Körper ist die Basis deiner Konzentration.

Was ist der Biorhythmus und warum ist er für die Konzentration wichtig? Der Biorhythmus ist der natürliche Tagesverlauf deiner Leistungsfähigkeit – mit einem Peak am Vormittag und einem Tief am frühen Nachmittag. Wer seine wichtigsten Aufgaben in die Hochphasen legt und nicht gegen den Rhythmus arbeitet, kann sich deutlich besser konzentrieren.

Wie viel Pause brauche ich, um konzentriert zu bleiben? Studien zeigen, dass die Leistung nach rund zwei Stunden ununterbrochener Arbeit einbricht. Ein bewährter Rhythmus sind etwa 50 Minuten konzentrierte Arbeit und 10 Minuten Pause. Höchstleistung entsteht aus dem Wechsel von Stress und Erholung.

Was hat Ernährung mit Fokus zu tun? Sehr viel. Dein Gehirn wird über das Blut mit Nährstoffen versorgt. Fehlen Mikronährstoffe, leidet die Konzentration. Ein Blutbild deckt Defizite auf; danach lassen sich Ernährung und gegebenenfalls Supplemente gezielt anpassen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Brad Stulberg & Steve Magness – Peak Performance: Höchstleistung = Stress + Erholung; warum eine Erholungsstrategie unverzichtbar ist.
  • Chade-Meng Tan – Search Inside Yourself: Meditation und Achtsamkeit als Konzentrationstraining (vom ehemaligen Google-Mitarbeiter).
  • Ulrich Strunz – Blut: wie Blutwerte und Mikronährstoffe deine Leistungsfähigkeit bestimmen.
  • Bas Kast – Der Ernährungskompass: die Basics einer Ernährung, die Energie und Fokus unterstützt.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Produktivität.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Produktivität.

Transkript

Herzlich willkommen zur Podcast-Episode Nummer 32. In dieser Folge geht es um das Thema mehr Fokus im Alltag – drei überraschende Tipps. Warum überraschend? Wenn es darum geht, im Alltag fokussierter und konzentrierter zu arbeiten, generell mehr zu schaffen, effektiver und effizienter zu sein, kommen die meisten mit Methoden und Techniken aus dem Zeitmanagement um die Ecke. Das ist aus meiner Sicht aber nur eine Seite der Medaille. Jeder kennt es: Du hast eine bestimmte Aufgabe und kannst dich einfach nicht konzentrieren. Das liegt teilweise oder überwiegend an körperlichen Faktoren.

Ich kann mich extrem für das Thema Biohacking begeistern. Biohacking bedeutet, den eigenen Körper zu verstehen, ihn zu entschlüsseln und dann zu optimieren – gerade im Hinblick auf Fokus und Performance. Denn wenn es um Leistung und Leistungsfähigkeit geht, ist der Körper ein wichtiger Faktor, nicht nur die Techniken und Methoden. Wenn du Top-Performer sein und deine Leistungsfähigkeit verbessern willst, ist diese Folge genau richtig für dich. Jeder kennt es: Im Alltag schweifen die Gedanken ab, man kann sich nicht fokussieren. Ich gebe dir drei Dinge an die Hand – drei körperliche Faktoren aus dem Gedanken des Biohackings.

Der erste Punkt ist das Thema Biorhythmus. Der Biorhythmus ist die Basis. Wenn du deinen Biorhythmus nicht kennst und verstehst, bist du wahrscheinlich relativ unbewusst unterwegs, denn der Biorhythmus bestimmt einen ganz großen Teil deiner Leistungsfähigkeit. Jeder kennt es: Nachmittags, wenn man gegessen hat, oder zu bestimmten Tageszeiten ist man einfach nicht leistungsfähig – da kann man tun, was man will. Das ist evolutionär veranlagt, keine Rocket Science, aber der Körper richtet sich danach, und das hat viel mit der Sonne zu tun. Es gibt einen typischen Kurvenverlauf – such ruhig mal bei Google danach, wenn du das Thema noch nie gehört hast.

Nichtsdestotrotz hat jede Person ihren individuellen Biorhythmus. Die Kurve ist annähernd gleich, aber zeitlich verschoben. Das kennt man vom Thema Eule und Lerche, und auch von der Morgenroutine: Um 5 Uhr aufzustehen ist für die einen der Schlüssel, um richtig Gas zu geben, und für die anderen der Horror. Es gibt also kein universelles Prinzip, das für alle erfolgversprechend ist – das hängt stark vom Biorhythmus ab. Wenn du jemand bist, der erst später in die Gänge kommt und nach dem Aufstehen eine lange Phase braucht, um leistungsfähig zu sein, kann es kontraproduktiv sein, schon in den Morgenstunden besonders aktiv sein zu wollen.

Ganz kurz zum typischen Kurvenverlauf: Nach dem Aufstehen hast du einen stetigen Anstieg der Leistungsfähigkeit, der irgendwo Richtung 10, 11 Uhr seinen Peak hat – vormittags ist in der Regel die absolute Leistungsspitze über den Tag. Dann kommt, unabhängig davon, was du isst (auch wenn die Ernährung das stark beeinflusst), das Nachmittagstief: Wenn du mittags eine große Portion isst, fällst du noch tiefer, aber so gegen 13, 14, 15 Uhr geht es ohnehin in ein Tief, in dem die Leistungsfähigkeit sinkt. Danach folgt ein weiteres Hoch gegen 16, 17 Uhr, und gegen 19, 20, 21 Uhr geht man in die Ruhephase über, in der der Biorhythmus dafür sorgt, dass die Leistungsfähigkeit wieder abnimmt. Dieser Verlauf ist wahrscheinlich auch bei dir so.

Wichtig zu verstehen: Wenn du gegen diesen Rhythmus arbeitest, macht das nicht nur keinen Sinn, sondern auf Dauer auch krank. Wer schon mal mit Spät- oder Nachtschicht zu tun hatte, kennt das – es macht krank, weil du gegen deine Natur arbeitest. Dahinter stehen biochemische Prozesse: Von der Tageszeit, vom Licht und von der Sonne werden viele Prozesse im Körper ausgelöst, die deine Leistungsfähigkeit steuern. Spannend ist, das mal beim Sport zu testen: Eine Runde laufen fühlt sich morgens anders an als mittags oder abends, und du kannst andere Leistung erbringen, weil der Biorhythmus darauf einzahlt.

Für dich heißt das: Gegen den Biorhythmus anzuarbeiten macht keinen Sinn – versuch nicht, in der Mittagsphase Höchstleistung zu erbringen. Und wenn du ein wichtiges Meeting oder eine Besprechung mit deinem Chef hast, kann es sehr spannend sein, den Biorhythmus zu beachten: Ein wichtiges Meeting um 10 Uhr morgens ist etwas anderes als am Nachmittag – du wirst andere Ergebnisse erzielen. Behalte die Tageszeit also im Kopf. Erstens: deinen eigenen Biorhythmus verstehen und ihn ruhig in die Tiefe analysieren. Zweitens: deinen Tagesplan und deine Aufgaben an den Biorhythmus anpassen und da strikt sein. Das verbindest du dann mit den Methoden des Zeitmanagements: anspruchsvolle Aufgaben am Vormittag, lockerere Tätigkeiten am Nachmittag, wenn die Leistungsfähigkeit nicht so stark gefragt ist.

Gerade auch die modernen Dinge spielen hier rein – Handy, TV und das Thema blaues Licht. Blaues Licht ist eine Strahlung, ein Licht, das von Displays ausgestrahlt wird (Handy, Fernseher, Laptop). Blaues Licht ist nicht per se schlecht – im Gegenteil: Es wird auch von der Sonne ausgestrahlt und ist im Sonnenlicht vorhanden, und es beeinflusst deinen Biorhythmus stark. Mittags ist es sehr gut, blaues Licht zu bekommen, also an die frische Luft zu gehen und Sonnenstrahlen zu erhaschen, weil dein Biorhythmus dadurch gepusht und zu seinen Peaks gebracht wird. Abends dagegen, wenn du aufs Handy schaust, nimmst du dieses Blaulicht auf und provozierst einen Peak in deinem Biorhythmus – das wirft den Rhythmus durcheinander, deine Schlafqualität sinkt und damit deine gesamte Leistungsfähigkeit. Es gibt Brillen mit Blaulichtfilter und dergleichen; das ist keine Rocket Science und nichts Neues. Trotzdem haben viele nicht auf dem Schirm, wie wichtig ihr Biorhythmus ist und wie stark sie ihn durch die moderne Lebensweise durcheinanderbringen – etwa wenn man bis 22, 23 Uhr aufs Handy schaut oder gleich morgens als Erstes Nachrichten schreibt. Wer das macht, muss sich bewusst sein, dass die Leistungsfähigkeit darunter leidet. Punkt eins also: Wenn du im Alltag fokussiert und leistungsfähig sein willst, behalte deinen Biorhythmus vor Augen, beobachte und analysiere ihn und passe deine Arbeitsweise daran an.

Punkt zwei ist das Thema Erholung und Erholungsphasen einbauen. Aus eigener Erfahrung: Mir fällt das unglaublich schwer, und ich glaube, vielen High Performern geht es ähnlich. Man kann sehr viel und konzentriert arbeiten, viel Gas geben – aber das Thema Erholung holt einen ein. Ich habe gerade frisch das Buch Peak Performance von Brad Stulberg und Steve Magness gelesen, ein unglaublich gutes Buch. Wenn die Autoren von Höchstleistung sprechen, sprechen sie von einer Gleichung: Höchstleistung und persönliches Wachstum sind die Kombination aus Stress und Erholung. Stress bedeutet intensive Phasen der Arbeit (oder des Sports), und darauf müssen zwangsweise Erholungsphasen folgen, sonst sinkt die Leistungsfähigkeit. Overperforming ist hinderlich und nicht nachhaltig. Eine Studie, die im Buch zitiert wird, besagt, dass deine Leistung nach zwei Stunden ununterbrochener Arbeit enorme Einbußen erfährt. Außerdem hat man herausgefunden, dass ein optimaler Zyklus bei etwa 50 Minuten konzentrierter Arbeit und 10 Minuten Pause liegt – die klassische Pomodoro-Technik. Schau sie dir unbedingt an; aus meiner Erfahrung eine sehr gute Möglichkeit, über den Tag verteilt fokussiert zu arbeiten.

Erholung und Pausen sind unglaublich vielseitig. In Kapitel 5 des Buches („So entspannst du dich richtig“) gibt es eine Auflistung vieler Möglichkeiten. Spannend ist, dass die Autoren schreiben: Höchstleistung braucht eine Erholungsstrategie. Du solltest dein Mindset zum Thema Erholung verändern und sie nicht als hinderlich sehen, sondern als wichtigen Baustein, für den du eine Strategie brauchst. Ein paar Beispiele, alle wissenschaftlich hinterlegt: Erstens Spaziergänge. Eine Studie zeigt, dass schon sechs Minuten Spazierengehen die Kreativität um 60 Prozent erhöhen. Wenn du beim Zyklus bleibst – konzentriert arbeiten, dann Pause –, dich vom Arbeitsplatz erhebst und einmal um den Block oder durchs Gebäude gehst, hat das schon riesige Effekte auf die Pausenqualität.

Zweitens Meditation. Falls dein erster Impuls bei dem Wort etwas Esoterisches ist, ein Mönch aus einer asiatischen Kultur – dann bist du nicht auf dem aktuellen Stand. Meditation ist ein riesiges Thema der Moderne, um die Konzentrationsfähigkeit zu steigern; die Neurowissenschaft hat große Fortschritte gemacht. Das Buch Search Inside Yourself von Chade-Meng Tan, einem ehemaligen Google-Mitarbeiter, kann ich wärmstens empfehlen. Meditation kann auch einfach bedeuten, für ein paar Minuten die Augen zu schließen. Es gibt zwei Techniken, die auch im Buch beschrieben werden: zum einen, die Augen zu schließen und sich auf den Atem zu konzentrieren; zum anderen der Body-Scan, bei dem du die Augen schließt und dich nacheinander auf deine Körperabschnitte konzentrierst – wie sich die Füße auf dem Boden anfühlen, wie der Rücken die Lehne berührt –, und das einfach nur wahrnimmst. Das muss man trainieren, ist aber ein wichtiger Bestandteil von Konzentrationsfähigkeit und Fokus. Immer wenn du das Gefühl hast, dass gerade viel parallel auf dich einkommt und du in eine unruhige Phase gerätst, nimm dir den Moment, schließ die Augen und mach eine kurze Meditation. Bei neuen Themen hilft das Prinzip der Mikro-Steps: Was ist der kleinstmögliche Schritt, um ins Handeln zu kommen? Der Autor schreibt, ein guter Anfang sei ein einziger achtsamer Atemzug pro Tag – absoluter Mikro-Step, kann jeder machen. Im Buch ist auch beschrieben, wie sich die Gehirnstruktur dadurch anpasst (Stichwort präfrontaler Cortex) und du fokussierter und leistungsfähiger wirst.

Ein weiterer Punkt ist die soziale Erholung: sich in sozialen Kontexten bewegen, in denen es explizit nicht um Arbeit geht. Am Feierabend und am Wochenende mit Freunden etwas zu machen, das nichts mit Arbeit zu tun hat, ist ein großer Benefit für die Erholung. Und der letzte Punkt ist Schlaf. Beim Powernap gilt: maximal 30 Minuten, meiner Erfahrung nach sind 25 Minuten das Optimum – sonst kommt man ins Trägheitsmoment und es wird kontraproduktiv. Wichtig ist auch die Schlafqualität in der Nacht. Wer meint, mit wenig Schlaf auszukommen, hat unglaubliche Leistungseinbußen und Schwierigkeiten, sich zu fokussieren.

Ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Bei mir im Büro haben wir eine kleine Lauf-Challenge ausgerufen – 1500 Kilometer bis zum Jahresende, das ist runtergerechnet ein Marathon pro Woche, also viermal die Woche zehn Kilometer. Ich habe mich selbst beobachtet und gemerkt, wie ich gegen 13 Uhr die Reißleine gezogen und Termine abgesagt habe, um laufen zu gehen. In der ersten Woche bin ich knapp 60 Kilometer gelaufen. Was ich schnell gemerkt habe: Wenn ich mir nicht proaktiv Gedanken über eine Erholungsstrategie mache, bekomme ich Leistungseinbußen – in dem Fall vielleicht eine Verletzung. Genau dasselbe gilt im beruflichen Alltag: Sport und Beruf gehen Hand in Hand. Wenn es dir bei solchen Themen ähnlich geht, solltest du das Thema Erholungsphasen ernst nehmen. Ich empfehle dir wärmstens das Buch Peak Performance, weil dort viele wissenschaftliche Hintergründe hinterlegt sind. Das ist Punkt zwei: Erholungsphasen einbauen.

Punkt drei: deine Blutqualität verbessern – ein Thema, das viele gar nicht auf dem Schirm haben. Selten wird geschaut, was wirklich die Ursache für Leistungsfähigkeit und Fokus ist. Das hat sehr viel mit dem Gehirn zu tun, und das Gehirn braucht Nährstoffe, die über das Blut transportiert werden. Wenn es um Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit geht, brauchst du den bestmöglichen Input – damit sind wir wieder beim Thema Ernährung. Aber am Ende entscheidet die Blutqualität, weil dein Blut die Nährstoffe ins Gehirn transportiert. Ein Buch, das mir die Augen geöffnet hat (ich habe es als Hörbuch gehört), ist Blut von Ulrich Strunz. Es geht stark um Mikronährstoffe. Beim Thema Ernährung geht es oft um Makronährstoffe – Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate –, aber die Mikronährstoffe sind für Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sehr entscheidend.

Der erste und beste Weg ist, ein Blutbild beim Arzt machen zu lassen – wie immer erst analysieren, wo man steht – und dann im zweiten Schritt die Ernährung anzupassen oder gegebenenfalls zu supplementieren, also zu schauen, wo du Engpässe und Defizite hast. Ein Klassiker bei vegetarischer Ernährung (so wie bei mir) ist Vitamin B12. Dazu gibt es viele Mythen: B12 hat nicht direkt mit tierischer Nahrung zu tun – auch Tieren wird es zugeführt; ein B12-Mangel hängt heute oft mit der Hygiene zusammen, weil B12 durch hygienische Verarbeitung der Nahrungsmittel beseitigt wird. Worum es geht: Defizite aufdecken und ausgleichen. Im Buch Blut wird auch mit dem Hochleistungssport gearbeitet, gerade bei der Laufperformance. Beispiel: Eine Person macht zwei Marathonversuche mit gleicher Trainingsintensität – einmal mit normaler Ernährung, einmal mit blutoptimierter Ernährung. Das „Bluttuning“ klingt vielleicht merkwürdig und hat nichts mit Doping zu tun, sondern damit, die Nährstoffzufuhr bewusst zu betrachten und zu optimieren – mit riesigem Effekt: teilweise 20 bis 30 Minuten Unterschied bei der Zielzeit, nur durch unterschiedliche Nährstoffe. Wenn dir im Alltag der Fokus fehlt und du dich nicht konzentrieren kannst, kann es gut sein, dass deine Nährstoffzusammensetzung und Blutqualität schlecht sind und du deine Ernährung verbessern solltest.

Wenn du nicht direkt ein Blutbild machen möchtest, kannst du kurzfristig das Thema Ernährung ernster nehmen und dir ein Mindset Richtung Clean Eating aneignen: wenig industrielle Verarbeitung und Vielfalt einbauen. Witzigerweise sind das Regeln, die jeder kennt – an der Umsetzung hapert es. Wenn dir die Basics fehlen, lies Der Ernährungskompass von Bas Kast; der liefert die Grundlagen. Beschäftige dich zum Beispiel mit dem Thema Eiweiß: Eiweiße bestehen aus verschiedenen Aminosäuren, und auf diesem Mikro-Level entstehen oft Defizite, die dazu führen, dass du dich schlapp fühlst und deine Konzentrationsfähigkeit leidet.

Ich habe jetzt umfangreich über drei Themen gesprochen. Kurz zusammengefasst: Mehr Fokus im Alltag erreichst du nicht nur über Methoden und Techniken aus dem Zeitmanagement, sondern indem du immer auch auf den Körper achtest. Nimm das Thema Biohacking ernst: Betrachte deinen Biorhythmus genau, baue Erholungsphasen bewusst ein und behalte deine Blutqualität und deine Nährstoffe im Blick, weil sie sich stark auf deine Leistungsfähigkeit und dein Gehirn auswirken. Ich hoffe, du konntest einiges für dich mitnehmen. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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