Unterschätzte Soft Skills: 7 Basics, die kaum jemand trainiert

Manche Fähigkeiten klingen zu banal, um wichtig zu sein. Genau deshalb übersehen sie die meisten – und verschenken damit ihren größten Hebel.

In dieser Folge geht es nicht um KI oder das nächste Trendthema. Es geht um sieben unterschätzte Basics, die im Berufsalltag viel bewirken, aber fast nie gezielt trainiert werden. Die entscheidende Frage ist nicht, ob du sie kennst. Die Frage ist, ob du sie wirklich anwendest.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Wirkung schlägt Wissen. Diese sieben Skills kennt fast jeder – aber kaum jemand wendet sie konsequent an. Genau darin liegt der Unterschied.
  • Enthusiasmus ist ansteckend. Eine mittelmäßige Idee mit Begeisterung präsentiert wirkt oft stärker als eine gute Idee mittelmäßig vorgetragen.
  • Vorbereitung und Notizen gehen Hand in Hand. Jede Minute Vorbereitung zählt, und wer Notizen macht, hört besser zu, fragt besser nach und kann später überhaupt erst anknüpfen.
  • Kontaktpunkte bauen Vertrauen. Jedes Follow-up ist ein Kontaktpunkt – und die Summe der Kontaktpunkte entscheidet über deine Reputation.
  • Die Angst, inkompetent zu wirken, kostet dich am meisten. Sie hält dich davon ab, Erkenntnisse zu teilen und nachzufragen. Beides sind Zeichen von Reife, nicht von Schwäche.

Die 7 unterschätzten Skills im Detail

  1. Enthusiasmus und Optimismus. Wenn du mit Begeisterung über deine Ideen sprichst, erhältst du spürbar mehr Zuspruch. Begeisterung ist ansteckend, Enthusiasmus ist überzeugend. Eng damit verbunden ist Optimismus. Bob Iger, der frühere CEO von Disney, sagt: „Nobody wants to follow a pessimist.“ Pessimisten sind Energieräuber, und niemand umgibt sich gern mit ihnen. Gerade in Phasen der Ungewissheit hilft es nicht, destruktiv zu sein. Konstruktiv zu bleiben heißt, sich zu fragen: Was liegt in meinem Einflussbereich, und was kann ich real tun? Optimismus ist ein Skill, den man trainieren kann – und den kaum jemand bewusst trainiert.
  2. Vorbereitung – 10 Minuten reichen. Meine Grundregel: Geh niemals unvorbereitet in ein Gespräch. Ich komme lieber drei Minuten zu spät und bereite mich vor, als pünktlich und unvorbereitet zu erscheinen. Es ist wie bei einem Power Nap: Jede Minute zählt. Schau dir alte Notizen an, lies alte E-Mails, versetz dich zurück in den Kontext. Jede einzelne Minute Vorbereitung hilft.
  3. Notizen machen. Es klingt selbstverständlich, und trotzdem sitzen viele in Terminen ohne Zettel und Stift. Vor einigen Monaten hatte ich einen Termin mit zwei Bankern und keinen Block zur Hand – also habe ich mein Handy genommen und in den Apple Notizen mitgeschrieben. Wer Notizen macht, ist ein deutlich besserer Zuhörer, kann besser nachfragen und weiß auch zwei Monate später noch, worum es ging. Ohne Notizen kannst du dich auf kein Folgegespräch mehr vorbereiten. Die meisten unterschätzen die Vergessenskurve.
  4. Follow-ups als Kontaktpunkte. Jedes Meeting, jede E-Mail, jede Nachricht auf LinkedIn ist ein Kontaktpunkt mit einer anderen Person. Die Anzahl der Kontaktpunkte bestimmt, wie viel Vertrauen du aufbaust. Warren Buffett hat sich über Jahrzehnte angewöhnt, sich nach jedem Treffen zu bedanken. Das muss nichts Weltbewegendes sein – ein kurzes Danke reicht. Perfektionieren kannst du es, indem du dir wichtige Termine der anderen Person notierst und ihr vor der Präsentation oder dem Marathon schreibst. Das gilt beruflich wie privat.
  5. Inhalte und Erkenntnisse teilen (Journey Marketing). Entlang deiner beruflichen Journey sammelst du ständig Aha-Momente und Learnings. Die meisten behalten sie für sich. Ich nenne das Teilen dieser Erkenntnisse Journey Marketing. Ein Zitat, ein Absatz aus einem Buch, eine Podcast-Folge, eine neue Perspektive – teile es mit deinem Umfeld, per E-Mail, WhatsApp oder LinkedIn. Es geht nicht um breite Sichtbarkeit; du kannst im kleinen Rahmen starten. Was dich oft hemmt, ist die Angst, der Aha-Moment könnte für andere banal wirken. Mach dich davon frei.
  6. Nachfragen, wenn du etwas nicht verstehst. Die meisten tun lieber so, als hätten sie verstanden, weil sie sich nicht trauen nachzufragen. Dahinter steckt dieselbe Angst, inkompetent zu wirken. Dabei ist Nachfragen ein Zeichen von Reife und Kompetenz. Ich frage teils dreimal nach – und dann passiert oft etwas Spannendes: Man merkt, dass die Argumentation gar nicht rund ist, und andere im Meeting geben zu, dass sie es auch nicht verstanden haben.
  7. Chaos aushalten und Pragmatismus (Ready, Fire, Aim). Ingenieure sind stark darin, Strukturen und Systeme zu schaffen. Schwächer sind sie darin, Chaos auszuhalten. Nicht jeder Kontext braucht Perfektion. Eine Brücke sollte man nicht pragmatisch iterieren – ein LinkedIn-Beitrag oder eine Geschäftsidee schon. Das Prinzip heißt „Ready, Fire, Aim“: Was kann ich heute umsetzen? Perfektion kommt durch Iteration. Bei einer Idee ist die nächste Frage immer: Das ist eine Hypothese – wie kann ich sie testen? Das bedeutet manchmal, Chaos im Kopf auszuhalten und trotzdem ins Handeln zu kommen.

Diese sieben Basics wirken alle in dieselbe Richtung: bessere Beziehungen und mehr Wirkung im Berufsleben. Wenn du sie vertiefen willst, hör dir an, wie du deine Soft Skills verbessern und deine Sozialkompetenz gezielt trainierst. Und weil das Teilen deiner Erkenntnisse so zentral ist, lohnt sich der Blick auf professionelles Selbstmarketing.

Häufige Fragen zu unterschätzten Soft Skills

Was sind die 7 unterschätzten Soft Skills aus dieser Folge? Enthusiasmus und Optimismus, Vorbereitung, Notizen machen, Follow-ups, Erkenntnisse teilen (Journey Marketing), Nachfragen bei Unverständnis und Chaos aushalten (Pragmatismus). Alle wirken im Berufsleben stark, werden aber selten trainiert.

Warum sind gerade diese Basics so wirkungsvoll? Weil sie fast jeder kennt, aber kaum jemand konsequent anwendet. Die entscheidende Frage ist nicht, ob du sie kennst, sondern ob du sie im Alltag wirklich umsetzt. Genau darin liegt der Unterschied zwischen Erfolg und Mittelmaß.

Was ist Journey Marketing? Journey Marketing bedeutet, die Aha-Momente und Erkenntnisse entlang deiner beruflichen Journey aktiv mit deinem Umfeld zu teilen – ob per E-Mail, WhatsApp oder LinkedIn. Es macht dich sichtbar und baut Reputation auf, ist einfach umsetzbar und wird trotzdem selten getan.

Was bedeutet das Prinzip „Ready, Fire, Aim“? Es bedeutet, pragmatisch ins Handeln zu kommen, statt alles bis ins Detail auszuarbeiten. Du fragst dich: Was kann ich heute umsetzen? Perfektion entsteht durch Iteration. In vielen Kontexten ist schnelles Testen einer Hypothese wertvoller als perfekte Vorbereitung.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Tim Schmaddebeck – No Zero Days: Tims Buch über Sichtbarkeit, Präsenz und den proaktiven Aufbau deiner Reputation.
  • Michael Masterson – Ready, Fire, Aim: ein Buch über pragmatisches Handeln und Iteration im Kontext der Unternehmensgründung.

Weitere Titel dazu findest du in meinen Buchempfehlungen zur Kommunikation.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Kommunikation.

Transkript

Die sieben Ideen, über die ich in dieser Folge spreche, mögen für die meisten vielleicht unsexy klingen. Ich rede nicht über KI, über Fachkompetenzen oder andere Trendthemen. Ich rede über unterschätzte Basics – wertvolle Fähigkeiten im Berufsleben, die oft übersehen werden, weil sie zu banal klingen. Skills, die im realen Alltag viel bewirken, aber sehr selten trainiert werden. Kompetenzen, die langfristig oft den Unterschied zwischen Erfolg und Mittelmaß ausmachen.

Kurz vorab: Du wirst bei dieser Folge vielleicht das Gefühl haben, diese Skills seien zu banal. Doch die entscheidende Frage lautet nicht, ob du sie kennst, sondern ob du sie anwendest. Reflektiere gerne bei jeder der sieben Fähigkeiten: Wendest du sie heute wirklich an – und in welcher Tiefe?

Eins vorweg: Die siebte Fähigkeit ist für mich die wichtigste, darauf kannst du gespannt sein. Wir starten aber mit Fähigkeit Nummer eins.

Und das ist ein unterschätzter Soft Skill, über den kaum jemand spricht: Enthusiasmus. Wenn du mit Enthusiasmus und Begeisterung über deine Ideen sprichst, wirst du dich wundern, wie viel mehr Zuspruch du bekommst. Begeisterung ist ansteckend, Enthusiasmus ist überzeugend. Eine mittelmäßige Idee mit Begeisterung zu präsentieren, ist häufig effektiver, als eine gute Idee mittelmäßig zu präsentieren.

Eng damit verbunden ist Optimismus. Vielleicht kennst du das Zitat von Bob Iger, dem ehemaligen CEO von Disney: „Nobody wants to follow a pessimist.“ Das ist auch klar – Pessimisten sind Energieräuber, und keiner umgibt sich gern mit Energieräubern. So wie Begeisterung ansteckend ist, ist auch Pessimismus und Negativität ansteckend.

Ein aktuelles Beispiel: Ich habe mich in den letzten Tagen viel mit Ingenieuren ausgetauscht. Es gibt gerade viel Ungewissheit – wie entwickeln sich Zölle, wie das Verhältnis der USA zu Europa, was passiert mit der Automobilindustrie? Einige begegnen dieser Ungewissheit mit starkem Pessimismus. Aber keiner von uns hat eine Glaskugel, keiner weiß, was die Zukunft bringt. Zu diesem Thema kann ich dir die Podcast-Folge Nummer 206 empfehlen; da ist eine kleine Metapher drin, die mir in solchen Situationen sehr hilft.

Es ist keine Lösung, in Phasen der Unsicherheit destruktiv und pessimistisch zu sein. Besser ist es, konstruktiv zu bleiben: Was liegt in meinem Einflussbereich, was kann ich tun, wie kann ich reagieren? Enthusiasmus und Begeisterung versprühen Optimismus – ein sehr unterschätzter Soft Skill, den man trainieren kann. Ich habe bisher kaum jemanden sagen hören: Ich möchte trainieren, begeisterter über meine Ideen zu sprechen. Das war Punkt eins.

Punkt Nummer zwei: Vorbereitung, zehn Minuten der Vorbereitung. Ich habe eine Grundregel: Geh niemals unvorbereitet in ein Gespräch. Niemals. Ich komme lieber drei Minuten zu spät zu einem Meeting, um mich vorzubereiten, als pünktlich und unvorbereitet zu kommen. Es ist wie bei einem Power Nap: Jede Minute, die du die Augen zumachst, ist erholsam – und so ist jede Minute der Vorbereitung hilfreich. Vorbereitung kann alles sein: Schau dir alte Notizen an, schau dir alte E-Mails an, versetz dich noch einmal in den Kontext hinein.

Und damit kommen wir gleich zu Punkt Nummer drei. Wenn ich sage, schau dir alte Notizen an – das klingt für mich schon fast selbstverständlich, so ein Basic. Aber ich bin immer wieder überrascht, wie viele Ingenieure keine Notizen machen. Ich erzähle dir eine kleine Geschichte. Vor knapp sechs Monaten hatte ich einen Termin mit zwei Bankern, die mir etwas präsentiert haben. Für mich war es ein grober Fehler: Ich hatte keinen Zettel und Stift zur Hand. Also habe ich mein Handy rausgeholt, die Apple Notizen geöffnet und mitgeschrieben. Im ersten Moment haben mich beide verdutzt angeschaut und gedacht, ich höre nicht zu. Ich musste kurz erklären, was ich da mache.

Denn eins ist klar: Wenn ich Notizen mache, bin ich ein viel effektiverer Zuhörer. Ohne Notizen kann ich schlechter nachfragen und schlechter zuhören. Und zwei Wochen später weiß ich überhaupt nicht mehr, worüber gesprochen wurde. Wenn ich dann zwei Monate später einen Folgetermin mit denselben Bankern habe, kann ich mich gar nicht vorbereiten – ich habe ja keine Notizen gemacht.

Vorbereitung und Notizen machen gehen Hand in Hand. Zwei Basics, die so elementar sind. Die meisten sagen: Klar, habe ich verstanden. Und kommen am Ende trotzdem ohne Zettel und Stift zum Termin oder gehen ohne Notizen und ohne Nachfragen wieder heraus. Man unterschätzt die Vergessenskurve und die Power der Vorbereitung. Notizen sind elementare Basics, die du unbedingt implementieren solltest, wenn du es heute noch nicht tust.

Punkt Nummer vier der unterschätzten Fähigkeiten sind Follow-ups. Dazu ist eine Grundphilosophie wichtig zu verstehen: Kontaktpunkte. Jedes Gespräch, jedes Meeting, jedes Treffen, jede E-Mail und jede Nachricht auf LinkedIn, die du versendest, ist ein Kontaktpunkt mit einer anderen Person. Die Anzahl der Kontaktpunkte trägt unmittelbar dazu bei, wie viel Vertrauen du zu dieser Person aufbaust.

Personen, die nie Follow-ups machen, und Personen, die jedes Mal ein Follow-up machen – letztere haben zwangsläufig eine viel bessere Reputation. Das passiert oft unterbewusst. Wenn du nach jedem Meeting, nach jedem Treffen eine kurze Follow-up-E-Mail oder eine WhatsApp schickst – und das gilt übrigens im Privaten genauso, nicht nur im Beruflichen. Vertrauen ist etwas Zwischenmenschliches. Nutze LinkedIn, E-Mail, WhatsApp, alle Kanäle, die du hast, um Follow-ups zu machen.

Es gibt eine schöne Geschichte von Warren Buffett, der sich über Jahrzehnte die Gewohnheit angeeignet hat, sich nach jedem Treffen bei den Personen gegenüber zu bedanken. Über Jahrzehnte hinweg. Da ist garantiert, dass man ein besseres Netzwerk aufbaut, als wenn man es nicht tut. Es klingt banal, und es muss nichts Großes sein – keine weltbewegende Nachricht. Es reicht, sich zu bedanken und zu sagen: Es war ein spannender Termin. Und das regelmäßig zu tun.

Perfektionieren kannst du es, indem du dir Notizen machst. Hast du vielleicht gehört, dass die Person einen Marathon läuft oder eine wichtige Präsentation ansteht? Notiere den Termin und schreib der Person einen Tag vorher: Hey, ich drücke die Daumen für deine Präsentation, für deinen Marathon. Oder einen Tag später: Ich hoffe, es lief gut. Es gibt so viele Momente, in denen die andere Person wichtige Ereignisse hat. Das für Follow-ups zu nutzen, ist eine absolut unterschätzte Fähigkeit. Sie ist super leicht umzusetzen, und die meisten machen es trotzdem nicht.

Jetzt kommen zwei Punkte, Nummer fünf und Nummer sechs, die beide an derselben Angst anknüpfen: der Angst, inkompetent zu wirken. Jeder kennt sie.

Punkt Nummer fünf: Teile Inhalte, teile das, was dich begeistert. Ich nenne das Ganze Journey Marketing. Ich habe im Podcast und im Buch „No Zero Days“ schon viel darüber gesprochen: Sichtbarkeit, Präsenz und Reputation spielen eine wichtige Rolle, und du solltest das proaktiv angehen, nicht dem Zufall überlassen. Entlang deiner beruflichen Journey wirst du viele Aha-Momente haben, viele Learnings, viele Erkenntnisse. Die meisten teilen diese Erkenntnisse nicht sofort mit ihrem Umfeld. Dabei ist es so einfach – und wird so selten umgesetzt.

Das ist einer der größten Punkte, die wir im Rahmen des IntraMBA mit unseren Mentees merken. Wer das implementiert, hat sofort einen Riesen-Boost an Sichtbarkeit. Es geht aber einher mit der Angst, inkompetent zu wirken. Wenn du Angst hast, dass dein Aha-Moment für andere banal wirkt, bist du gehemmt, ihn zu teilen. Deshalb ist es wichtig, das zu üben und dich von dieser Angst frei zu machen.

Was meine ich mit Aha-Momenten? Wenn du ein Buch gelesen hast – auch nur einen Absatz oder ein Zitat. Wenn du einen Beitrag gesehen, eine Podcast-Folge gehört, eine E-Mail gelesen oder im Nachgang eines Meetings eine Notiz durchgesehen hast und feststellst: Wow, so habe ich das noch nie betrachtet. Diese Erkenntnisse mit deinem Umfeld zu teilen – per E-Mail-Verteiler, per WhatsApp, per LinkedIn. Es gibt so viele Möglichkeiten, dein Wissen und deine Aha-Momente zu teilen und dir das zur Routine zu machen. Viele unserer Mentees machen das bereits, und zwar sehr erfolgreich.

Du musst nicht gleich LinkedIn-Posts am laufenden Band schreiben. Darum geht es gar nicht. Du kannst im kleinen Rahmen starten. Aber ich versichere dir: Es gibt jeden Tag so viele Erkenntnisse und Aha-Momente entlang deiner Journey. Sie einfach zu teilen, hat einen enormen Effekt – eine unterschätzte Fähigkeit, die so einfach umzusetzen ist und die die meisten nicht nutzen.

Der zweite Punkt, der mit der Angst, inkompetent zu wirken, einhergeht, ist Punkt Nummer sechs: nachfragen, wenn du etwas nicht verstehst. Die meisten tun lieber so, als hätten sie etwas verstanden, weil sie sich nicht trauen nachzufragen. Das geht mit der Angst einher: Alle haben es verstanden, nur ich nicht. Wenn du dich davon frei machen kannst, ist das ein Zeichen persönlicher Reife. Es mag im ersten Moment unangenehm wirken, aber es zeugt von Kompetenz. Nachzufragen ist nicht inkompetent.

Ich habe Situationen, in denen ich dreimal nachfrage. Ich habe etwas nicht verstanden, frage nach, verstehe es immer noch nicht, frage noch einmal und noch einmal – so lange, bis ich es verstanden habe. Und meistens passiert dann etwas Spannendes: Man stellt fest, dass das Ganze gar nicht rund ist, dass es Lücken in der Argumentationskette gibt. Und oft steigen andere im Meeting mit ein und sagen: Ehrlicherweise, ich habe es auch nicht verstanden. Diese Angst zu überwinden und den ersten Schritt zu machen, ist eine sehr wertvolle, unterschätzte Fähigkeit – so einfach und doch so selten umgesetzt.

Und jetzt kommen wir zum letzten Punkt. Da durfte ich in den letzten Jahren viel lernen: das Thema Chaos aushalten. Ingenieure sind meistens sehr gut darin, Strukturen, Ordnung und Systeme zu schaffen. Worin Ingenieure nicht gut sind, ist, Chaos auszuhalten. Aber gerade im Berufsleben ist Chaos manchmal wichtig, ebenso Pragmatismus. Perfektionismus ist nicht immer angebracht. Klar, wenn ich eine Brücke konstruiere, sollte ich nicht pragmatisch rangehen und aus dem Einsturz lernen. In solchen Kontexten ist das nicht angebracht. Aber in vielen anderen Kontexten ist Pragmatismus sehr wertvoll.

Dazu gibt es ein Prinzip: „Ready, Fire, Aim“. Wann bist du „ready“? Das kann eine Skizze auf der Serviette sein. Kurz überlegen: Was brauche ich, um in die Umsetzung zu gehen? Und die bessere Frage ist: Was kann ich heute umsetzen? Ich habe bei der Gründung von Mentorwerk viel gelernt. In der Gründungsphase eines Unternehmens zeigt sich oft fehlender Pragmatismus. Das sind die Lean-Startup-Prinzipien. Wenn dich das reizt, kann ich dir das Buch „Lean Startup“ von Eric Ries empfehlen. Denn die meisten scheitern an der Gründung, weil sie zu perfektionistisch sind und Angst haben, etwas falsch zu machen.

Der schnellste Weg des Lernens ist über Iteration. Perfektion kommt durch Iteration. Ready, Fire, Aim – was kann ich heute umsetzen? Wenn ich etwas gründen will, brauche ich keinen Businessplan, ich kann morgen in die Umsetzung gehen. Was ist der kleinste Schritt? Eine kleine Skizze meines Geschäftsmodells. Und dann frage ich mich: Was kann ich morgen umsetzen, wie kann ich diese Hypothese verifizieren, wie kann ich sie testen? Das gilt nicht nur für die Unternehmensgründung, sondern für jedes Vorhaben. Wenn du etwas verbessern oder Prozesse optimieren willst und eine Idee hast, dann ist das eine Hypothese – und die nächste Frage ist: Wie kann ich sie testen?

Ready, Fire, Aim: Versuch sofort in die Umsetzung zu gehen. Das heißt manchmal auch, Chaos im Kopf auszuhalten. Die Idee ist nicht ausgereift, es sind viele Fragen offen, du weißt nicht, ob es klappt. Gerade Ingenieure haben das Verlangen, alles auszuarbeiten, erst eine Struktur und Ordnung zu schaffen. Das kann davon abhalten, ins Handeln zu kommen und Dinge praktisch voranzubringen. Da hilft Pragmatismus – ein deutlich unterschätzter Skill. Wertvoll ist, den Kontext zu verstehen: Wann ist Perfektionismus wichtig, und wann ist Pragmatismus hilfreich?

Ein Beispiel: Das Buch „No Zero Days“, das ich in den letzten zwei Jahren geschrieben habe, war alles andere als pragmatisch – ein sehr perfektionistischer Ansatz, in den ich viel Zeit investiert habe. Weil der Kontext eines Buches so ist, dass du nicht einfach iterieren kannst. Ist ein Buch veröffentlicht, ist es veröffentlicht. In vielen anderen Kontexten ist es anders: Ein LinkedIn-Beitrag darf viel weniger perfektionistisch sein. Eine Idee ist vielleicht noch nicht ganz ausgereift, und ich teile sie trotzdem. Da ist es wichtig, Chaos auszuhalten und ins Handeln zu kommen.

Zu diesem Prinzip gibt es auch ein schönes Buch: „Ready, Fire, Aim“. Es spielt im Kontext der Unternehmensgründung, weil das Thema dort so wichtig ist. Wenn du da tiefer einsteigen möchtest, kann ich es dir sehr empfehlen.

Ich fasse noch einmal zusammen. Wir haben über sieben unterschätzte Skills im Berufsleben gesprochen. Sie mögen unsexy klingen, aber es sind wertvolle Fähigkeiten, die oft übersehen werden, weil sie banal klingen. Die Frage ist nicht, ob du sie schon einmal gehört hast. Die Frage ist: Wendest du sie wirklich im Alltag an?

Punkt eins: Enthusiasmus und Begeisterung, das geht mit Optimismus einher – ansteckend und überzeugend, ein Skill, der dir viele Türen öffnen kann. Punkt zwei: zehn Minuten der Vorbereitung. Ich gehe niemals unvorbereitet in ein Gespräch; jede Minute zählt wie beim Power Nap. Dasselbe gilt fürs Notizen machen – so einfach, es nicht zu tun, und so einfach, es zu tun. Geh niemals in einen Termin ohne Zettel und Stift oder ohne dein Handy mit einer Notiz-App. Das sind Basics.

Skill Nummer vier: Follow-ups. Follow-ups sind Kontaktpunkte. Nutze sie, um Vertrauen aufzubauen. Jeder freut sich über eine kleine Nachricht im Nachgang eines Termins. Das gilt nicht nur bei Networking-Events, sondern auch mit Chefs, Kollegen und Vorgesetzten. Nutze alle Kanäle – LinkedIn, E-Mail, WhatsApp.

Punkt fünf und sechs hängen mit der Angst zusammen, inkompetent zu wirken. Punkt fünf: Teile die Ideen und Erkenntnisse, die dich begeistern – nutze Journey Marketing. Es ist so einfach und wird so selten umgesetzt. Wenn du ein Buch liest oder eine Podcast-Folge hörst, ein Zitat oder eine neue Perspektive findest: Teile es mit deinem Umfeld. Punkt sechs: Frage nach, wenn du etwas nicht verstehst. Das ist nicht einfach, aber hab den Mut, es zu testen. Es ist nicht so schlimm, wie man denkt, und mit jedem Mal wird es leichter. Am Ende ist es ein Zeichen persönlicher Reife. Besonders reife Führungskräfte fragen mühelos nach und entlarven dadurch Lücken in Konzepten.

Und der letzte Punkt: Ingenieure sind stark darin, Strukturen und Systeme zu schaffen, aber schwächer darin, Chaos auszuhalten. Pragmatismus, Ready, Fire, Aim – frag dich: Was kann ich heute umsetzen? Perfektionismus ist nicht immer die beste Lösung, in den meisten Fällen ist er mit der Angst verbunden, etwas falsch zu machen. Der schnellste Weg zu lernen ist häufig Iteration. Perfektion kommt durch Iteration. Überleg dir: Du hast eine Hypothese – wie kannst du sie heute direkt umsetzen?

Das waren die sieben unterschätzten Skills. Frag dich: Was davon wendest du bereits heute an? Es geht nicht darum, ob du es weißt. Diese Dinge weiß jeder, aber kaum jemand wendet sie an. Wenn du diese sieben Ideen nicht nur anwendest, sondern zum Profi darin wirst, dann werden fachliche Kompetenzen fast zweitrangig – du kannst darauf aufbauen. Diese Basics werden dir viele Türen öffnen. Sie bringen dich sehr weit, und die meisten ignorieren sie oder haben sie nicht im Fokus.

Das soll es gewesen sein für diese Folge. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Unterschätzte Soft Skills: 7 Basics, die kaum jemand trainiert

Manche Fähigkeiten klingen zu banal, um wichtig zu sein. Genau deshalb übersehen sie die meisten – und verschenken damit ihren größten Hebel.

In dieser Folge geht es nicht um KI oder das nächste Trendthema. Es geht um sieben unterschätzte Basics, die im Berufsalltag viel bewirken, aber fast nie gezielt trainiert werden. Die entscheidende Frage ist nicht, ob du sie kennst. Die Frage ist, ob du sie wirklich anwendest.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Wirkung schlägt Wissen. Diese sieben Skills kennt fast jeder – aber kaum jemand wendet sie konsequent an. Genau darin liegt der Unterschied.
  • Enthusiasmus ist ansteckend. Eine mittelmäßige Idee mit Begeisterung präsentiert wirkt oft stärker als eine gute Idee mittelmäßig vorgetragen.
  • Vorbereitung und Notizen gehen Hand in Hand. Jede Minute Vorbereitung zählt, und wer Notizen macht, hört besser zu, fragt besser nach und kann später überhaupt erst anknüpfen.
  • Kontaktpunkte bauen Vertrauen. Jedes Follow-up ist ein Kontaktpunkt – und die Summe der Kontaktpunkte entscheidet über deine Reputation.
  • Die Angst, inkompetent zu wirken, kostet dich am meisten. Sie hält dich davon ab, Erkenntnisse zu teilen und nachzufragen. Beides sind Zeichen von Reife, nicht von Schwäche.

Die 7 unterschätzten Skills im Detail

  1. Enthusiasmus und Optimismus. Wenn du mit Begeisterung über deine Ideen sprichst, erhältst du spürbar mehr Zuspruch. Begeisterung ist ansteckend, Enthusiasmus ist überzeugend. Eng damit verbunden ist Optimismus. Bob Iger, der frühere CEO von Disney, sagt: „Nobody wants to follow a pessimist.“ Pessimisten sind Energieräuber, und niemand umgibt sich gern mit ihnen. Gerade in Phasen der Ungewissheit hilft es nicht, destruktiv zu sein. Konstruktiv zu bleiben heißt, sich zu fragen: Was liegt in meinem Einflussbereich, und was kann ich real tun? Optimismus ist ein Skill, den man trainieren kann – und den kaum jemand bewusst trainiert.
  2. Vorbereitung – 10 Minuten reichen. Meine Grundregel: Geh niemals unvorbereitet in ein Gespräch. Ich komme lieber drei Minuten zu spät und bereite mich vor, als pünktlich und unvorbereitet zu erscheinen. Es ist wie bei einem Power Nap: Jede Minute zählt. Schau dir alte Notizen an, lies alte E-Mails, versetz dich zurück in den Kontext. Jede einzelne Minute Vorbereitung hilft.
  3. Notizen machen. Es klingt selbstverständlich, und trotzdem sitzen viele in Terminen ohne Zettel und Stift. Vor einigen Monaten hatte ich einen Termin mit zwei Bankern und keinen Block zur Hand – also habe ich mein Handy genommen und in den Apple Notizen mitgeschrieben. Wer Notizen macht, ist ein deutlich besserer Zuhörer, kann besser nachfragen und weiß auch zwei Monate später noch, worum es ging. Ohne Notizen kannst du dich auf kein Folgegespräch mehr vorbereiten. Die meisten unterschätzen die Vergessenskurve.
  4. Follow-ups als Kontaktpunkte. Jedes Meeting, jede E-Mail, jede Nachricht auf LinkedIn ist ein Kontaktpunkt mit einer anderen Person. Die Anzahl der Kontaktpunkte bestimmt, wie viel Vertrauen du aufbaust. Warren Buffett hat sich über Jahrzehnte angewöhnt, sich nach jedem Treffen zu bedanken. Das muss nichts Weltbewegendes sein – ein kurzes Danke reicht. Perfektionieren kannst du es, indem du dir wichtige Termine der anderen Person notierst und ihr vor der Präsentation oder dem Marathon schreibst. Das gilt beruflich wie privat.
  5. Inhalte und Erkenntnisse teilen (Journey Marketing). Entlang deiner beruflichen Journey sammelst du ständig Aha-Momente und Learnings. Die meisten behalten sie für sich. Ich nenne das Teilen dieser Erkenntnisse Journey Marketing. Ein Zitat, ein Absatz aus einem Buch, eine Podcast-Folge, eine neue Perspektive – teile es mit deinem Umfeld, per E-Mail, WhatsApp oder LinkedIn. Es geht nicht um breite Sichtbarkeit; du kannst im kleinen Rahmen starten. Was dich oft hemmt, ist die Angst, der Aha-Moment könnte für andere banal wirken. Mach dich davon frei.
  6. Nachfragen, wenn du etwas nicht verstehst. Die meisten tun lieber so, als hätten sie verstanden, weil sie sich nicht trauen nachzufragen. Dahinter steckt dieselbe Angst, inkompetent zu wirken. Dabei ist Nachfragen ein Zeichen von Reife und Kompetenz. Ich frage teils dreimal nach – und dann passiert oft etwas Spannendes: Man merkt, dass die Argumentation gar nicht rund ist, und andere im Meeting geben zu, dass sie es auch nicht verstanden haben.
  7. Chaos aushalten und Pragmatismus (Ready, Fire, Aim). Ingenieure sind stark darin, Strukturen und Systeme zu schaffen. Schwächer sind sie darin, Chaos auszuhalten. Nicht jeder Kontext braucht Perfektion. Eine Brücke sollte man nicht pragmatisch iterieren – ein LinkedIn-Beitrag oder eine Geschäftsidee schon. Das Prinzip heißt „Ready, Fire, Aim“: Was kann ich heute umsetzen? Perfektion kommt durch Iteration. Bei einer Idee ist die nächste Frage immer: Das ist eine Hypothese – wie kann ich sie testen? Das bedeutet manchmal, Chaos im Kopf auszuhalten und trotzdem ins Handeln zu kommen.

Diese sieben Basics wirken alle in dieselbe Richtung: bessere Beziehungen und mehr Wirkung im Berufsleben. Wenn du sie vertiefen willst, hör dir an, wie du deine Soft Skills verbessern und deine Sozialkompetenz gezielt trainierst. Und weil das Teilen deiner Erkenntnisse so zentral ist, lohnt sich der Blick auf professionelles Selbstmarketing.

Häufige Fragen zu unterschätzten Soft Skills

Was sind die 7 unterschätzten Soft Skills aus dieser Folge? Enthusiasmus und Optimismus, Vorbereitung, Notizen machen, Follow-ups, Erkenntnisse teilen (Journey Marketing), Nachfragen bei Unverständnis und Chaos aushalten (Pragmatismus). Alle wirken im Berufsleben stark, werden aber selten trainiert.

Warum sind gerade diese Basics so wirkungsvoll? Weil sie fast jeder kennt, aber kaum jemand konsequent anwendet. Die entscheidende Frage ist nicht, ob du sie kennst, sondern ob du sie im Alltag wirklich umsetzt. Genau darin liegt der Unterschied zwischen Erfolg und Mittelmaß.

Was ist Journey Marketing? Journey Marketing bedeutet, die Aha-Momente und Erkenntnisse entlang deiner beruflichen Journey aktiv mit deinem Umfeld zu teilen – ob per E-Mail, WhatsApp oder LinkedIn. Es macht dich sichtbar und baut Reputation auf, ist einfach umsetzbar und wird trotzdem selten getan.

Was bedeutet das Prinzip „Ready, Fire, Aim“? Es bedeutet, pragmatisch ins Handeln zu kommen, statt alles bis ins Detail auszuarbeiten. Du fragst dich: Was kann ich heute umsetzen? Perfektion entsteht durch Iteration. In vielen Kontexten ist schnelles Testen einer Hypothese wertvoller als perfekte Vorbereitung.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Tim Schmaddebeck – No Zero Days: Tims Buch über Sichtbarkeit, Präsenz und den proaktiven Aufbau deiner Reputation.
  • Michael Masterson – Ready, Fire, Aim: ein Buch über pragmatisches Handeln und Iteration im Kontext der Unternehmensgründung.

Weitere Titel dazu findest du in meinen Buchempfehlungen zur Kommunikation.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Kommunikation.

Transkript

Die sieben Ideen, über die ich in dieser Folge spreche, mögen für die meisten vielleicht unsexy klingen. Ich rede nicht über KI, über Fachkompetenzen oder andere Trendthemen. Ich rede über unterschätzte Basics – wertvolle Fähigkeiten im Berufsleben, die oft übersehen werden, weil sie zu banal klingen. Skills, die im realen Alltag viel bewirken, aber sehr selten trainiert werden. Kompetenzen, die langfristig oft den Unterschied zwischen Erfolg und Mittelmaß ausmachen.

Kurz vorab: Du wirst bei dieser Folge vielleicht das Gefühl haben, diese Skills seien zu banal. Doch die entscheidende Frage lautet nicht, ob du sie kennst, sondern ob du sie anwendest. Reflektiere gerne bei jeder der sieben Fähigkeiten: Wendest du sie heute wirklich an – und in welcher Tiefe?

Eins vorweg: Die siebte Fähigkeit ist für mich die wichtigste, darauf kannst du gespannt sein. Wir starten aber mit Fähigkeit Nummer eins.

Und das ist ein unterschätzter Soft Skill, über den kaum jemand spricht: Enthusiasmus. Wenn du mit Enthusiasmus und Begeisterung über deine Ideen sprichst, wirst du dich wundern, wie viel mehr Zuspruch du bekommst. Begeisterung ist ansteckend, Enthusiasmus ist überzeugend. Eine mittelmäßige Idee mit Begeisterung zu präsentieren, ist häufig effektiver, als eine gute Idee mittelmäßig zu präsentieren.

Eng damit verbunden ist Optimismus. Vielleicht kennst du das Zitat von Bob Iger, dem ehemaligen CEO von Disney: „Nobody wants to follow a pessimist.“ Das ist auch klar – Pessimisten sind Energieräuber, und keiner umgibt sich gern mit Energieräubern. So wie Begeisterung ansteckend ist, ist auch Pessimismus und Negativität ansteckend.

Ein aktuelles Beispiel: Ich habe mich in den letzten Tagen viel mit Ingenieuren ausgetauscht. Es gibt gerade viel Ungewissheit – wie entwickeln sich Zölle, wie das Verhältnis der USA zu Europa, was passiert mit der Automobilindustrie? Einige begegnen dieser Ungewissheit mit starkem Pessimismus. Aber keiner von uns hat eine Glaskugel, keiner weiß, was die Zukunft bringt. Zu diesem Thema kann ich dir die Podcast-Folge Nummer 206 empfehlen; da ist eine kleine Metapher drin, die mir in solchen Situationen sehr hilft.

Es ist keine Lösung, in Phasen der Unsicherheit destruktiv und pessimistisch zu sein. Besser ist es, konstruktiv zu bleiben: Was liegt in meinem Einflussbereich, was kann ich tun, wie kann ich reagieren? Enthusiasmus und Begeisterung versprühen Optimismus – ein sehr unterschätzter Soft Skill, den man trainieren kann. Ich habe bisher kaum jemanden sagen hören: Ich möchte trainieren, begeisterter über meine Ideen zu sprechen. Das war Punkt eins.

Punkt Nummer zwei: Vorbereitung, zehn Minuten der Vorbereitung. Ich habe eine Grundregel: Geh niemals unvorbereitet in ein Gespräch. Niemals. Ich komme lieber drei Minuten zu spät zu einem Meeting, um mich vorzubereiten, als pünktlich und unvorbereitet zu kommen. Es ist wie bei einem Power Nap: Jede Minute, die du die Augen zumachst, ist erholsam – und so ist jede Minute der Vorbereitung hilfreich. Vorbereitung kann alles sein: Schau dir alte Notizen an, schau dir alte E-Mails an, versetz dich noch einmal in den Kontext hinein.

Und damit kommen wir gleich zu Punkt Nummer drei. Wenn ich sage, schau dir alte Notizen an – das klingt für mich schon fast selbstverständlich, so ein Basic. Aber ich bin immer wieder überrascht, wie viele Ingenieure keine Notizen machen. Ich erzähle dir eine kleine Geschichte. Vor knapp sechs Monaten hatte ich einen Termin mit zwei Bankern, die mir etwas präsentiert haben. Für mich war es ein grober Fehler: Ich hatte keinen Zettel und Stift zur Hand. Also habe ich mein Handy rausgeholt, die Apple Notizen geöffnet und mitgeschrieben. Im ersten Moment haben mich beide verdutzt angeschaut und gedacht, ich höre nicht zu. Ich musste kurz erklären, was ich da mache.

Denn eins ist klar: Wenn ich Notizen mache, bin ich ein viel effektiverer Zuhörer. Ohne Notizen kann ich schlechter nachfragen und schlechter zuhören. Und zwei Wochen später weiß ich überhaupt nicht mehr, worüber gesprochen wurde. Wenn ich dann zwei Monate später einen Folgetermin mit denselben Bankern habe, kann ich mich gar nicht vorbereiten – ich habe ja keine Notizen gemacht.

Vorbereitung und Notizen machen gehen Hand in Hand. Zwei Basics, die so elementar sind. Die meisten sagen: Klar, habe ich verstanden. Und kommen am Ende trotzdem ohne Zettel und Stift zum Termin oder gehen ohne Notizen und ohne Nachfragen wieder heraus. Man unterschätzt die Vergessenskurve und die Power der Vorbereitung. Notizen sind elementare Basics, die du unbedingt implementieren solltest, wenn du es heute noch nicht tust.

Punkt Nummer vier der unterschätzten Fähigkeiten sind Follow-ups. Dazu ist eine Grundphilosophie wichtig zu verstehen: Kontaktpunkte. Jedes Gespräch, jedes Meeting, jedes Treffen, jede E-Mail und jede Nachricht auf LinkedIn, die du versendest, ist ein Kontaktpunkt mit einer anderen Person. Die Anzahl der Kontaktpunkte trägt unmittelbar dazu bei, wie viel Vertrauen du zu dieser Person aufbaust.

Personen, die nie Follow-ups machen, und Personen, die jedes Mal ein Follow-up machen – letztere haben zwangsläufig eine viel bessere Reputation. Das passiert oft unterbewusst. Wenn du nach jedem Meeting, nach jedem Treffen eine kurze Follow-up-E-Mail oder eine WhatsApp schickst – und das gilt übrigens im Privaten genauso, nicht nur im Beruflichen. Vertrauen ist etwas Zwischenmenschliches. Nutze LinkedIn, E-Mail, WhatsApp, alle Kanäle, die du hast, um Follow-ups zu machen.

Es gibt eine schöne Geschichte von Warren Buffett, der sich über Jahrzehnte die Gewohnheit angeeignet hat, sich nach jedem Treffen bei den Personen gegenüber zu bedanken. Über Jahrzehnte hinweg. Da ist garantiert, dass man ein besseres Netzwerk aufbaut, als wenn man es nicht tut. Es klingt banal, und es muss nichts Großes sein – keine weltbewegende Nachricht. Es reicht, sich zu bedanken und zu sagen: Es war ein spannender Termin. Und das regelmäßig zu tun.

Perfektionieren kannst du es, indem du dir Notizen machst. Hast du vielleicht gehört, dass die Person einen Marathon läuft oder eine wichtige Präsentation ansteht? Notiere den Termin und schreib der Person einen Tag vorher: Hey, ich drücke die Daumen für deine Präsentation, für deinen Marathon. Oder einen Tag später: Ich hoffe, es lief gut. Es gibt so viele Momente, in denen die andere Person wichtige Ereignisse hat. Das für Follow-ups zu nutzen, ist eine absolut unterschätzte Fähigkeit. Sie ist super leicht umzusetzen, und die meisten machen es trotzdem nicht.

Jetzt kommen zwei Punkte, Nummer fünf und Nummer sechs, die beide an derselben Angst anknüpfen: der Angst, inkompetent zu wirken. Jeder kennt sie.

Punkt Nummer fünf: Teile Inhalte, teile das, was dich begeistert. Ich nenne das Ganze Journey Marketing. Ich habe im Podcast und im Buch „No Zero Days“ schon viel darüber gesprochen: Sichtbarkeit, Präsenz und Reputation spielen eine wichtige Rolle, und du solltest das proaktiv angehen, nicht dem Zufall überlassen. Entlang deiner beruflichen Journey wirst du viele Aha-Momente haben, viele Learnings, viele Erkenntnisse. Die meisten teilen diese Erkenntnisse nicht sofort mit ihrem Umfeld. Dabei ist es so einfach – und wird so selten umgesetzt.

Das ist einer der größten Punkte, die wir im Rahmen des IntraMBA mit unseren Mentees merken. Wer das implementiert, hat sofort einen Riesen-Boost an Sichtbarkeit. Es geht aber einher mit der Angst, inkompetent zu wirken. Wenn du Angst hast, dass dein Aha-Moment für andere banal wirkt, bist du gehemmt, ihn zu teilen. Deshalb ist es wichtig, das zu üben und dich von dieser Angst frei zu machen.

Was meine ich mit Aha-Momenten? Wenn du ein Buch gelesen hast – auch nur einen Absatz oder ein Zitat. Wenn du einen Beitrag gesehen, eine Podcast-Folge gehört, eine E-Mail gelesen oder im Nachgang eines Meetings eine Notiz durchgesehen hast und feststellst: Wow, so habe ich das noch nie betrachtet. Diese Erkenntnisse mit deinem Umfeld zu teilen – per E-Mail-Verteiler, per WhatsApp, per LinkedIn. Es gibt so viele Möglichkeiten, dein Wissen und deine Aha-Momente zu teilen und dir das zur Routine zu machen. Viele unserer Mentees machen das bereits, und zwar sehr erfolgreich.

Du musst nicht gleich LinkedIn-Posts am laufenden Band schreiben. Darum geht es gar nicht. Du kannst im kleinen Rahmen starten. Aber ich versichere dir: Es gibt jeden Tag so viele Erkenntnisse und Aha-Momente entlang deiner Journey. Sie einfach zu teilen, hat einen enormen Effekt – eine unterschätzte Fähigkeit, die so einfach umzusetzen ist und die die meisten nicht nutzen.

Der zweite Punkt, der mit der Angst, inkompetent zu wirken, einhergeht, ist Punkt Nummer sechs: nachfragen, wenn du etwas nicht verstehst. Die meisten tun lieber so, als hätten sie etwas verstanden, weil sie sich nicht trauen nachzufragen. Das geht mit der Angst einher: Alle haben es verstanden, nur ich nicht. Wenn du dich davon frei machen kannst, ist das ein Zeichen persönlicher Reife. Es mag im ersten Moment unangenehm wirken, aber es zeugt von Kompetenz. Nachzufragen ist nicht inkompetent.

Ich habe Situationen, in denen ich dreimal nachfrage. Ich habe etwas nicht verstanden, frage nach, verstehe es immer noch nicht, frage noch einmal und noch einmal – so lange, bis ich es verstanden habe. Und meistens passiert dann etwas Spannendes: Man stellt fest, dass das Ganze gar nicht rund ist, dass es Lücken in der Argumentationskette gibt. Und oft steigen andere im Meeting mit ein und sagen: Ehrlicherweise, ich habe es auch nicht verstanden. Diese Angst zu überwinden und den ersten Schritt zu machen, ist eine sehr wertvolle, unterschätzte Fähigkeit – so einfach und doch so selten umgesetzt.

Und jetzt kommen wir zum letzten Punkt. Da durfte ich in den letzten Jahren viel lernen: das Thema Chaos aushalten. Ingenieure sind meistens sehr gut darin, Strukturen, Ordnung und Systeme zu schaffen. Worin Ingenieure nicht gut sind, ist, Chaos auszuhalten. Aber gerade im Berufsleben ist Chaos manchmal wichtig, ebenso Pragmatismus. Perfektionismus ist nicht immer angebracht. Klar, wenn ich eine Brücke konstruiere, sollte ich nicht pragmatisch rangehen und aus dem Einsturz lernen. In solchen Kontexten ist das nicht angebracht. Aber in vielen anderen Kontexten ist Pragmatismus sehr wertvoll.

Dazu gibt es ein Prinzip: „Ready, Fire, Aim“. Wann bist du „ready“? Das kann eine Skizze auf der Serviette sein. Kurz überlegen: Was brauche ich, um in die Umsetzung zu gehen? Und die bessere Frage ist: Was kann ich heute umsetzen? Ich habe bei der Gründung von Mentorwerk viel gelernt. In der Gründungsphase eines Unternehmens zeigt sich oft fehlender Pragmatismus. Das sind die Lean-Startup-Prinzipien. Wenn dich das reizt, kann ich dir das Buch „Lean Startup“ von Eric Ries empfehlen. Denn die meisten scheitern an der Gründung, weil sie zu perfektionistisch sind und Angst haben, etwas falsch zu machen.

Der schnellste Weg des Lernens ist über Iteration. Perfektion kommt durch Iteration. Ready, Fire, Aim – was kann ich heute umsetzen? Wenn ich etwas gründen will, brauche ich keinen Businessplan, ich kann morgen in die Umsetzung gehen. Was ist der kleinste Schritt? Eine kleine Skizze meines Geschäftsmodells. Und dann frage ich mich: Was kann ich morgen umsetzen, wie kann ich diese Hypothese verifizieren, wie kann ich sie testen? Das gilt nicht nur für die Unternehmensgründung, sondern für jedes Vorhaben. Wenn du etwas verbessern oder Prozesse optimieren willst und eine Idee hast, dann ist das eine Hypothese – und die nächste Frage ist: Wie kann ich sie testen?

Ready, Fire, Aim: Versuch sofort in die Umsetzung zu gehen. Das heißt manchmal auch, Chaos im Kopf auszuhalten. Die Idee ist nicht ausgereift, es sind viele Fragen offen, du weißt nicht, ob es klappt. Gerade Ingenieure haben das Verlangen, alles auszuarbeiten, erst eine Struktur und Ordnung zu schaffen. Das kann davon abhalten, ins Handeln zu kommen und Dinge praktisch voranzubringen. Da hilft Pragmatismus – ein deutlich unterschätzter Skill. Wertvoll ist, den Kontext zu verstehen: Wann ist Perfektionismus wichtig, und wann ist Pragmatismus hilfreich?

Ein Beispiel: Das Buch „No Zero Days“, das ich in den letzten zwei Jahren geschrieben habe, war alles andere als pragmatisch – ein sehr perfektionistischer Ansatz, in den ich viel Zeit investiert habe. Weil der Kontext eines Buches so ist, dass du nicht einfach iterieren kannst. Ist ein Buch veröffentlicht, ist es veröffentlicht. In vielen anderen Kontexten ist es anders: Ein LinkedIn-Beitrag darf viel weniger perfektionistisch sein. Eine Idee ist vielleicht noch nicht ganz ausgereift, und ich teile sie trotzdem. Da ist es wichtig, Chaos auszuhalten und ins Handeln zu kommen.

Zu diesem Prinzip gibt es auch ein schönes Buch: „Ready, Fire, Aim“. Es spielt im Kontext der Unternehmensgründung, weil das Thema dort so wichtig ist. Wenn du da tiefer einsteigen möchtest, kann ich es dir sehr empfehlen.

Ich fasse noch einmal zusammen. Wir haben über sieben unterschätzte Skills im Berufsleben gesprochen. Sie mögen unsexy klingen, aber es sind wertvolle Fähigkeiten, die oft übersehen werden, weil sie banal klingen. Die Frage ist nicht, ob du sie schon einmal gehört hast. Die Frage ist: Wendest du sie wirklich im Alltag an?

Punkt eins: Enthusiasmus und Begeisterung, das geht mit Optimismus einher – ansteckend und überzeugend, ein Skill, der dir viele Türen öffnen kann. Punkt zwei: zehn Minuten der Vorbereitung. Ich gehe niemals unvorbereitet in ein Gespräch; jede Minute zählt wie beim Power Nap. Dasselbe gilt fürs Notizen machen – so einfach, es nicht zu tun, und so einfach, es zu tun. Geh niemals in einen Termin ohne Zettel und Stift oder ohne dein Handy mit einer Notiz-App. Das sind Basics.

Skill Nummer vier: Follow-ups. Follow-ups sind Kontaktpunkte. Nutze sie, um Vertrauen aufzubauen. Jeder freut sich über eine kleine Nachricht im Nachgang eines Termins. Das gilt nicht nur bei Networking-Events, sondern auch mit Chefs, Kollegen und Vorgesetzten. Nutze alle Kanäle – LinkedIn, E-Mail, WhatsApp.

Punkt fünf und sechs hängen mit der Angst zusammen, inkompetent zu wirken. Punkt fünf: Teile die Ideen und Erkenntnisse, die dich begeistern – nutze Journey Marketing. Es ist so einfach und wird so selten umgesetzt. Wenn du ein Buch liest oder eine Podcast-Folge hörst, ein Zitat oder eine neue Perspektive findest: Teile es mit deinem Umfeld. Punkt sechs: Frage nach, wenn du etwas nicht verstehst. Das ist nicht einfach, aber hab den Mut, es zu testen. Es ist nicht so schlimm, wie man denkt, und mit jedem Mal wird es leichter. Am Ende ist es ein Zeichen persönlicher Reife. Besonders reife Führungskräfte fragen mühelos nach und entlarven dadurch Lücken in Konzepten.

Und der letzte Punkt: Ingenieure sind stark darin, Strukturen und Systeme zu schaffen, aber schwächer darin, Chaos auszuhalten. Pragmatismus, Ready, Fire, Aim – frag dich: Was kann ich heute umsetzen? Perfektionismus ist nicht immer die beste Lösung, in den meisten Fällen ist er mit der Angst verbunden, etwas falsch zu machen. Der schnellste Weg zu lernen ist häufig Iteration. Perfektion kommt durch Iteration. Überleg dir: Du hast eine Hypothese – wie kannst du sie heute direkt umsetzen?

Das waren die sieben unterschätzten Skills. Frag dich: Was davon wendest du bereits heute an? Es geht nicht darum, ob du es weißt. Diese Dinge weiß jeder, aber kaum jemand wendet sie an. Wenn du diese sieben Ideen nicht nur anwendest, sondern zum Profi darin wirst, dann werden fachliche Kompetenzen fast zweitrangig – du kannst darauf aufbauen. Diese Basics werden dir viele Türen öffnen. Sie bringen dich sehr weit, und die meisten ignorieren sie oder haben sie nicht im Fokus.

Das soll es gewesen sein für diese Folge. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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