Soft Skills verbessern: die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden

Soziale Kompetenzen – Soft Skills – sind in jedem Lebensbereich entscheidend: Wir haben immer und überall mit Menschen zu tun. Und sie sind eine Kernkompetenz von Führung. Die gute Nachricht: Charisma und Einfluss sind nicht angeboren, sondern zu großen Teilen lernbar – man muss nur die Grundregeln verstehen, die in Schule und Studium kaum gelehrt werden.

In dieser Folge bekommst du drei zentrale Prinzipien (mit vielen praktischen Tipps), wie du deinen Umgang mit Menschen verbesserst und unterm Strich beliebter und einflussreicher wirst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Soft Skills sind lernbar – es geht zuerst um die Grundregeln, dann vor allem um die Anwendung in der Praxis.
  • Prinzip 1 – Nicht kritisieren, sondern verstehen: Der Mensch ist kein logisches, sondern ein psychologisches Wesen. Kritik ist nutzlos; Verständnis und Neugier gewinnen.
  • Prinzip 2 – Aufrichtiges Interesse zeigen: Sei ein guter Zuhörer, stell Fragen, merke dir Namen und Ereignisse. Dein Gegenüber interessiert sich 100-mal mehr für sich selbst als für dich.
  • Prinzip 3 – Meinungsverschiedenheiten begrüßen: „Sind zwei immer gleicher Meinung, ist einer überflüssig.“ Aber Streit vermeiden – Freundlichkeit gewinnt immer.
  • Vermeide das Wort „aber“ (versteckte Kritik) – ersetze es durch „und“.
  • Grundlage: Dale Carnegies Wie man Freunde gewinnt – ein Praxisbuch, das man mehrfach liest und iterativ anwendet.

Soft Skills verbessern: die Kernidee

Prinzip 1: Nicht kritisieren oder verurteilen, sondern verstehen

Der wichtigste Ausgangspunkt: Der Mensch ist kein logisches, sondern ein psychologisches Wesen – stark geprägt von Gefühlen, Stolz, Vorurteilen und Eitelkeit. Ein kleiner Ausflug in die Erkenntnistheorie (Stichwort radikaler Konstruktivismus): Wir nehmen die Realität durch zwei Filter wahr – erstens unsere Sinne, zweitens unser eigenes Weltbild und unsere Überzeugungen, die sich über die Jahre aus Erfahrungen gebildet haben. Spätestens dieser zweite Filter sorgt dafür, dass jeder ein individuelles Bild der Welt hat. Deshalb ist Kritik nutzlos: Sie greift das Weltbild des anderen an, er geht in die Defensive. Henry Ford: „Wenn es überhaupt ein Geheimnis des Erfolgs gibt, so besteht es in der Fähigkeit, sich auf den Standpunkt des anderen zu stellen und die Dinge auch von seiner Warte aus zu betrachten.“ Statt zu verurteilen: neugierig bleiben, dich in die Situation des anderen hineinversetzen und durch Fragen verstehen, warum er so handelt.

Prinzip 2: Aufrichtiges Interesse zeigen

Dale Carnegie: „Wer sich für andere interessiert, gewinnt in zwei Monaten mehr Freunde als jemand, der in zwei Jahren versucht, andere für sich zu interessieren.“ Der wichtigste Baustein: ein guter Zuhörer sein – der beste Zuhörer ist der beste Gesellschafter. Achte bewusst auf deinen Redeanteil und reduziere ihn, stell Fragen und bleib neugierig (jeder Mensch ist dir in irgendeiner Weise überlegen und hat etwas, von dem du lernen kannst). Merke dir außerdem Namen und Ereignisse: Jeder hört seinen Namen gern, es ist emotional aufgeladen. Ein praktischer Tipp: Wiederhole bei der Vorstellung kurz den Namen, und halte in deinen Kontakten Geburtstage und ein, zwei Notizen zur Person fest – so kannst du Monate später anknüpfen. Das Grundprinzip hinter allem: Dein Gegenüber interessiert sich hundertmal mehr für sich selbst, seine Wünsche und Herausforderungen als für dich und deine Themen.

Prinzip 3: Meinungsverschiedenheiten begrüßen

Die innere Haltung sollte sein, dich über Meinungsverschiedenheiten zu freuen: „Wenn zwei Menschen immer gleicher Meinung sind, ist einer von beiden überflüssig.“ Ray Dalio nennt das in Principles „thoughtful disagreement“ – die Kunst der bewussten Meinungsverschiedenheit. Weil jeder ein subjektives Weltbild hat, nähert man sich der Wahrheit am besten, indem man kontrovers und bewusst aus verschiedenen Perspektiven diskutiert. Aber: Vermeide echten Streit. „Ein Mann, der gegen seinen Willen überzeugt wird, bleibt seiner Meinung treu im Stillen.“ Bleib offen für Selbstkritik – du hast die Wahrheit nicht gepachtet. Ein kleiner, mächtiger Sprachtrick: Vermeide das Wort „aber“ (es ist versteckte Kritik: „Du hast ja recht, aber …“ heißt eigentlich „du hast nicht recht“) und ersetze es durch „und“. Benjamin Franklin: „Mit Widersprechen und Besserwissen kann man manchmal einen Menschen besiegen, aber es bleibt ein leerer Sieg, denn gewinnen kann man ihn damit nie.“ Am Ende gewinnt die Freundlichkeit immer.

Diese drei Prinzipien teilen viel mit den fünf Grundsätzen gelungener Kommunikation – beide bauen auf Dale Carnegie auf. Wie du „thoughtful disagreement“ konkret in Besprechungen nutzt, zeigt Effektive Meetings; und wie du selbst schwierige Gespräche freundlich, aber klar führst, hörst du in Schwierige Mitarbeiter führen.

Häufige Fragen zum Verbessern von Soft Skills

Kann man Soft Skills lernen? Ja. Charisma und soziale Kompetenz sind nicht angeboren, sondern zu großen Teilen erlernbar. Es geht zuerst darum, die Grundregeln zu verstehen (die in Schule und Studium kaum vermittelt werden), und dann vor allem darum, sie iterativ in der Praxis anzuwenden und zu reflektieren.

Wie werde ich beliebter und einflussreicher? Über drei Prinzipien: andere verstehen statt kritisieren, aufrichtiges Interesse zeigen (zuhören, Fragen stellen, Namen merken) und Meinungsverschiedenheiten begrüßen, ohne in Streit zu verfallen. Entscheidend ist die Grundhaltung, dass dein Gegenüber sich vor allem für sich selbst interessiert.

Warum ist Kritik kontraproduktiv? Weil der Mensch ein psychologisches Wesen ist: Kritik greift sein Weltbild und seine Überzeugungen an, er geht in die Defensive und rechtfertigt sich. Verständnis und ehrliche Neugier bringen dich weiter – „besiegen“ kannst du jemanden mit Widerspruch nie wirklich.

Welches Buch ist die Grundlage? Dale Carnegies Wie man Freunde gewinnt – ein praktisches Umsetzungsbuch, das man nicht einmal, sondern viele Male liest und über Jahre im Alltag anwendet.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Dale Carnegie – Wie man Freunde gewinnt: das Praxis-Fundament für den Umgang mit Menschen (mehrfach lesen, iterativ anwenden).
  • Ray Dalio – Principles: „thoughtful disagreement“ – die Kunst der bewussten Meinungsverschiedenheit.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Kommunikation.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Kommunikation und Persönlichkeit.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge 23. Es geht um die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden. Soziale Kompetenzen, Social Skills, Soft Skills – wie man sie nennen möchte – sind unglaublich wichtig, nicht nur im beruflichen Alltag, sondern in allen Lebensbereichen. Wir haben immer und überall mit Menschen zu tun. Es ist außerdem eine Kernkompetenz von Führung: Wer beruflich vorankommen, Verantwortung übernehmen will oder schon Führungskraft ist, sollte genau zuhören. Und gleich vorweg: Viele glauben, Charisma und Social Skills seien angeboren. Nein – vieles davon kann man lernen. Es geht zuerst darum, die Grundregeln zu verstehen, die man in Schule oder Studium nie fundiert gelehrt bekommen hat. Das Wichtigste ist aber immer die Anwendung in der Praxis, deshalb gibt es auch praktische Tipps. Ich habe drei große Überschriften mitgebracht.

Punkt 1: nicht kritisieren oder verurteilen, sondern verstehen, was dahintersteckt. Das Wichtigste zuerst: Der Mensch ist kein logisches Wesen, sondern ein psychologisches – stark geprägt von Gefühlen, Stolz, Vorurteilen und Eitelkeit. Um das zu verstehen, ein kurzer Ausflug in die Erkenntnistheorie: Es gibt den Begriff des radikalen Konstruktivismus (gern mal googeln). Er besagt, dass wir die Realität durch zwei Filter wahrnehmen. Der erste Filter sind unsere Sinne – wer blind ist, nimmt die Welt anders wahr. Der zweite Filter, und jetzt wird es spannend, ist das eigene Weltbild, die eigenen Überzeugungen, die sich im Laufe des Lebens durch Erfahrungen gebildet haben. Spätestens dieser zweite Filter sorgt dafür, dass jeder ein individuelles Verständnis der Realität hat. Deshalb ist und bleibt Kritik nutzlos: Wenn du jemanden kritisierst, geht er in die Defensive und Rechtfertigung, denn du greifst sein Weltbild und seine Überzeugungen an. Viel wichtiger ist, dieses Weltbild zu verstehen. Henry Ford hat gesagt: „Wenn es überhaupt ein Geheimnis des Erfolgs gibt, so besteht es in der Fähigkeit, sich auf den Standpunkt des anderen zu stellen und die Dinge ebenso von seiner Warte aus zu betrachten wie von unserer.“ Für dich heißt das: Bleib neugierig. Statt jemanden zu verurteilen, dessen Handeln du nicht nachvollziehen kannst, versuch dich in seine Situation hineinzuversetzen und zu verstehen, warum er so handelt. Neugier ist eine ganz zentrale Eigenschaft moderner Führung.

Punkt 2: aufrichtiges Interesse zeigen. Dale Carnegie sagte: „Wer sich für andere interessiert, gewinnt in zwei Monaten mehr Freunde als jemand, der immer nur versucht, die anderen für sich zu interessieren, in zwei Jahren.“ Der erste und einer der wichtigsten Punkte: Sei ein guter Zuhörer. Der beste Zuhörer ist der beste Gesellschafter – jeder liebt einen guten Zuhörer. Achte im nächsten Gespräch bewusst auf deinen Redeanteil und überlege, wie du ihn reduzieren kannst. Stell Fragen, bleib neugierig: Jeder Mensch ist dir in irgendeiner Weise überlegen, hat Felder, Erfahrungen oder gemeisterte Herausforderungen, von denen du lernen kannst. Ein weiterer Punkt: Merke dir Namen und Ereignisse. Wer sagt, er habe ein schlechtes Namensgedächtnis, nimmt sich oft nicht die Zeit, richtig zuzuhören. Jeder hört seinen Namen gern, das ist emotional. Wiederhole bei der Vorstellung ruhig kurz den Namen. Und nutze dein Smartphone: Trage Geburtstage ein und notiere ein, zwei Dinge zur Person – gerade im Business-Kontext extrem wertvoll, weil du Monate später anknüpfen und an Themen erinnern kannst. Ganz wichtig als Grundprinzip: Dein Gesprächspartner ist hundertmal mehr an sich selbst, seinen Wünschen und Herausforderungen interessiert als an dir und deinen Themen.

Punkt 3: Begrüße Meinungsverschiedenheiten. Die Grundhaltung sollte sein, dass du dich über Meinungsverschiedenheiten und Widersprüche freust. Ein schöner Satz: „Wenn zwei Menschen immer gleicher Meinung sind, ist einer von beiden überflüssig.“ Ray Dalio hat mit dieser Haltung seine Unternehmenskultur aufgebaut und spricht von „thoughtful disagreement“, der Kunst der bewussten Meinungsverschiedenheit. Weil das eigene Weltbild subjektiv ist (radikaler Konstruktivismus, der zweite Filter), kommt man der Wahrheit am besten näher, wenn man kontrovers und bewusst aus verschiedenen Perspektiven diskutiert – und Widerspruch als etwas Positives wahrnimmt. Begrüßen heißt aber: Streit vermeiden. Streit funktioniert nicht. „Ein Mann, der gegen seinen Willen überzeugt wird, bleibt seiner Meinung treu im Stillen.“ Jemanden bloßzustellen und zu sagen „deine Meinung ist falsch“ gewinnt niemanden. Sei stattdessen offen für Selbstkritik – geh mit der Einstellung hinein, dass auch du falschliegen kannst; du hast Wahrheit und Weisheit nicht gepachtet. Das ist nicht leicht, weil man Stolz und Ego hintanstellen muss, aber es ist etwas sehr Positives und lässt sich üben. Ein kleiner Sprachtipp: In solchen Situationen nutzen viele das Wort „aber“ – das ist versteckte Kritik („Du hast ja recht, aber …“ heißt eigentlich „du hast nicht recht“). Vermeide das Wort „aber“ und nutze stattdessen „und“. Benjamin Franklin: „Mit Widersprechen und Besserwissen kann man manchmal einen Menschen besiegen, aber es bleibt ein leerer Sieg, denn gewinnen kann man ihn damit nie.“ Ein Professor sagte mir einmal zur Verhandlungsführung: Am Ende gewinnt die Freundlichkeit immer. Wenn du stets freundlich und dem anderen wohlgesonnen bleibst, kannst du nicht verlieren.

Zusammengefasst: Punkt 1 – nicht kritisieren oder verurteilen, sondern verstehen (radikaler Konstruktivismus, die zwei Filter Sinne und Weltbild). Punkt 2 – aufrichtiges Interesse zeigen: ein guter Zuhörer sein, Fragen stellen, Namen und Ereignisse merken, und dran denken, dass sich dein Gegenüber hundertmal mehr für sich selbst interessiert. Punkt 3 – Meinungsverschiedenheiten begrüßen, offen für Selbstkritik bleiben, aber Streit vermeiden und freundlich bleiben. Vieles davon stammt aus Dale Carnegies Wie man Freunde gewinnt – für mich absolute Pflichtlektüre, und zwar nicht nur für Einsteiger. Es ist kein Buch, das man einmal liest und dann verstanden hat, sondern ein praktisches Umsetzungsbuch, das man zehn-, fünfzehn-, zwanzigmal liest. Je öfter du einsteigst, desto mehr schärfen sich deine Gewohnheiten im Umgang mit Menschen. Wichtig ist die Umsetzung: den Alltag reflektieren, beobachten, wie sich andere verhalten, und es selbst anwenden – am besten direkt in den nächsten Gesprächen. Das Ganze ist iterativ; wenn es dich an die Grenzen deiner Komfortzone bringt, ist das genau richtig. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Soft Skills verbessern: die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden

Soziale Kompetenzen – Soft Skills – sind in jedem Lebensbereich entscheidend: Wir haben immer und überall mit Menschen zu tun. Und sie sind eine Kernkompetenz von Führung. Die gute Nachricht: Charisma und Einfluss sind nicht angeboren, sondern zu großen Teilen lernbar – man muss nur die Grundregeln verstehen, die in Schule und Studium kaum gelehrt werden.

In dieser Folge bekommst du drei zentrale Prinzipien (mit vielen praktischen Tipps), wie du deinen Umgang mit Menschen verbesserst und unterm Strich beliebter und einflussreicher wirst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Soft Skills sind lernbar – es geht zuerst um die Grundregeln, dann vor allem um die Anwendung in der Praxis.
  • Prinzip 1 – Nicht kritisieren, sondern verstehen: Der Mensch ist kein logisches, sondern ein psychologisches Wesen. Kritik ist nutzlos; Verständnis und Neugier gewinnen.
  • Prinzip 2 – Aufrichtiges Interesse zeigen: Sei ein guter Zuhörer, stell Fragen, merke dir Namen und Ereignisse. Dein Gegenüber interessiert sich 100-mal mehr für sich selbst als für dich.
  • Prinzip 3 – Meinungsverschiedenheiten begrüßen: „Sind zwei immer gleicher Meinung, ist einer überflüssig.“ Aber Streit vermeiden – Freundlichkeit gewinnt immer.
  • Vermeide das Wort „aber“ (versteckte Kritik) – ersetze es durch „und“.
  • Grundlage: Dale Carnegies Wie man Freunde gewinnt – ein Praxisbuch, das man mehrfach liest und iterativ anwendet.

Soft Skills verbessern: die Kernidee

Prinzip 1: Nicht kritisieren oder verurteilen, sondern verstehen

Der wichtigste Ausgangspunkt: Der Mensch ist kein logisches, sondern ein psychologisches Wesen – stark geprägt von Gefühlen, Stolz, Vorurteilen und Eitelkeit. Ein kleiner Ausflug in die Erkenntnistheorie (Stichwort radikaler Konstruktivismus): Wir nehmen die Realität durch zwei Filter wahr – erstens unsere Sinne, zweitens unser eigenes Weltbild und unsere Überzeugungen, die sich über die Jahre aus Erfahrungen gebildet haben. Spätestens dieser zweite Filter sorgt dafür, dass jeder ein individuelles Bild der Welt hat. Deshalb ist Kritik nutzlos: Sie greift das Weltbild des anderen an, er geht in die Defensive. Henry Ford: „Wenn es überhaupt ein Geheimnis des Erfolgs gibt, so besteht es in der Fähigkeit, sich auf den Standpunkt des anderen zu stellen und die Dinge auch von seiner Warte aus zu betrachten.“ Statt zu verurteilen: neugierig bleiben, dich in die Situation des anderen hineinversetzen und durch Fragen verstehen, warum er so handelt.

Prinzip 2: Aufrichtiges Interesse zeigen

Dale Carnegie: „Wer sich für andere interessiert, gewinnt in zwei Monaten mehr Freunde als jemand, der in zwei Jahren versucht, andere für sich zu interessieren.“ Der wichtigste Baustein: ein guter Zuhörer sein – der beste Zuhörer ist der beste Gesellschafter. Achte bewusst auf deinen Redeanteil und reduziere ihn, stell Fragen und bleib neugierig (jeder Mensch ist dir in irgendeiner Weise überlegen und hat etwas, von dem du lernen kannst). Merke dir außerdem Namen und Ereignisse: Jeder hört seinen Namen gern, es ist emotional aufgeladen. Ein praktischer Tipp: Wiederhole bei der Vorstellung kurz den Namen, und halte in deinen Kontakten Geburtstage und ein, zwei Notizen zur Person fest – so kannst du Monate später anknüpfen. Das Grundprinzip hinter allem: Dein Gegenüber interessiert sich hundertmal mehr für sich selbst, seine Wünsche und Herausforderungen als für dich und deine Themen.

Prinzip 3: Meinungsverschiedenheiten begrüßen

Die innere Haltung sollte sein, dich über Meinungsverschiedenheiten zu freuen: „Wenn zwei Menschen immer gleicher Meinung sind, ist einer von beiden überflüssig.“ Ray Dalio nennt das in Principles „thoughtful disagreement“ – die Kunst der bewussten Meinungsverschiedenheit. Weil jeder ein subjektives Weltbild hat, nähert man sich der Wahrheit am besten, indem man kontrovers und bewusst aus verschiedenen Perspektiven diskutiert. Aber: Vermeide echten Streit. „Ein Mann, der gegen seinen Willen überzeugt wird, bleibt seiner Meinung treu im Stillen.“ Bleib offen für Selbstkritik – du hast die Wahrheit nicht gepachtet. Ein kleiner, mächtiger Sprachtrick: Vermeide das Wort „aber“ (es ist versteckte Kritik: „Du hast ja recht, aber …“ heißt eigentlich „du hast nicht recht“) und ersetze es durch „und“. Benjamin Franklin: „Mit Widersprechen und Besserwissen kann man manchmal einen Menschen besiegen, aber es bleibt ein leerer Sieg, denn gewinnen kann man ihn damit nie.“ Am Ende gewinnt die Freundlichkeit immer.

Diese drei Prinzipien teilen viel mit den fünf Grundsätzen gelungener Kommunikation – beide bauen auf Dale Carnegie auf. Wie du „thoughtful disagreement“ konkret in Besprechungen nutzt, zeigt Effektive Meetings; und wie du selbst schwierige Gespräche freundlich, aber klar führst, hörst du in Schwierige Mitarbeiter führen.

Häufige Fragen zum Verbessern von Soft Skills

Kann man Soft Skills lernen? Ja. Charisma und soziale Kompetenz sind nicht angeboren, sondern zu großen Teilen erlernbar. Es geht zuerst darum, die Grundregeln zu verstehen (die in Schule und Studium kaum vermittelt werden), und dann vor allem darum, sie iterativ in der Praxis anzuwenden und zu reflektieren.

Wie werde ich beliebter und einflussreicher? Über drei Prinzipien: andere verstehen statt kritisieren, aufrichtiges Interesse zeigen (zuhören, Fragen stellen, Namen merken) und Meinungsverschiedenheiten begrüßen, ohne in Streit zu verfallen. Entscheidend ist die Grundhaltung, dass dein Gegenüber sich vor allem für sich selbst interessiert.

Warum ist Kritik kontraproduktiv? Weil der Mensch ein psychologisches Wesen ist: Kritik greift sein Weltbild und seine Überzeugungen an, er geht in die Defensive und rechtfertigt sich. Verständnis und ehrliche Neugier bringen dich weiter – „besiegen“ kannst du jemanden mit Widerspruch nie wirklich.

Welches Buch ist die Grundlage? Dale Carnegies Wie man Freunde gewinnt – ein praktisches Umsetzungsbuch, das man nicht einmal, sondern viele Male liest und über Jahre im Alltag anwendet.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Dale Carnegie – Wie man Freunde gewinnt: das Praxis-Fundament für den Umgang mit Menschen (mehrfach lesen, iterativ anwenden).
  • Ray Dalio – Principles: „thoughtful disagreement“ – die Kunst der bewussten Meinungsverschiedenheit.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Kommunikation.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Kommunikation und Persönlichkeit.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge 23. Es geht um die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden. Soziale Kompetenzen, Social Skills, Soft Skills – wie man sie nennen möchte – sind unglaublich wichtig, nicht nur im beruflichen Alltag, sondern in allen Lebensbereichen. Wir haben immer und überall mit Menschen zu tun. Es ist außerdem eine Kernkompetenz von Führung: Wer beruflich vorankommen, Verantwortung übernehmen will oder schon Führungskraft ist, sollte genau zuhören. Und gleich vorweg: Viele glauben, Charisma und Social Skills seien angeboren. Nein – vieles davon kann man lernen. Es geht zuerst darum, die Grundregeln zu verstehen, die man in Schule oder Studium nie fundiert gelehrt bekommen hat. Das Wichtigste ist aber immer die Anwendung in der Praxis, deshalb gibt es auch praktische Tipps. Ich habe drei große Überschriften mitgebracht.

Punkt 1: nicht kritisieren oder verurteilen, sondern verstehen, was dahintersteckt. Das Wichtigste zuerst: Der Mensch ist kein logisches Wesen, sondern ein psychologisches – stark geprägt von Gefühlen, Stolz, Vorurteilen und Eitelkeit. Um das zu verstehen, ein kurzer Ausflug in die Erkenntnistheorie: Es gibt den Begriff des radikalen Konstruktivismus (gern mal googeln). Er besagt, dass wir die Realität durch zwei Filter wahrnehmen. Der erste Filter sind unsere Sinne – wer blind ist, nimmt die Welt anders wahr. Der zweite Filter, und jetzt wird es spannend, ist das eigene Weltbild, die eigenen Überzeugungen, die sich im Laufe des Lebens durch Erfahrungen gebildet haben. Spätestens dieser zweite Filter sorgt dafür, dass jeder ein individuelles Verständnis der Realität hat. Deshalb ist und bleibt Kritik nutzlos: Wenn du jemanden kritisierst, geht er in die Defensive und Rechtfertigung, denn du greifst sein Weltbild und seine Überzeugungen an. Viel wichtiger ist, dieses Weltbild zu verstehen. Henry Ford hat gesagt: „Wenn es überhaupt ein Geheimnis des Erfolgs gibt, so besteht es in der Fähigkeit, sich auf den Standpunkt des anderen zu stellen und die Dinge ebenso von seiner Warte aus zu betrachten wie von unserer.“ Für dich heißt das: Bleib neugierig. Statt jemanden zu verurteilen, dessen Handeln du nicht nachvollziehen kannst, versuch dich in seine Situation hineinzuversetzen und zu verstehen, warum er so handelt. Neugier ist eine ganz zentrale Eigenschaft moderner Führung.

Punkt 2: aufrichtiges Interesse zeigen. Dale Carnegie sagte: „Wer sich für andere interessiert, gewinnt in zwei Monaten mehr Freunde als jemand, der immer nur versucht, die anderen für sich zu interessieren, in zwei Jahren.“ Der erste und einer der wichtigsten Punkte: Sei ein guter Zuhörer. Der beste Zuhörer ist der beste Gesellschafter – jeder liebt einen guten Zuhörer. Achte im nächsten Gespräch bewusst auf deinen Redeanteil und überlege, wie du ihn reduzieren kannst. Stell Fragen, bleib neugierig: Jeder Mensch ist dir in irgendeiner Weise überlegen, hat Felder, Erfahrungen oder gemeisterte Herausforderungen, von denen du lernen kannst. Ein weiterer Punkt: Merke dir Namen und Ereignisse. Wer sagt, er habe ein schlechtes Namensgedächtnis, nimmt sich oft nicht die Zeit, richtig zuzuhören. Jeder hört seinen Namen gern, das ist emotional. Wiederhole bei der Vorstellung ruhig kurz den Namen. Und nutze dein Smartphone: Trage Geburtstage ein und notiere ein, zwei Dinge zur Person – gerade im Business-Kontext extrem wertvoll, weil du Monate später anknüpfen und an Themen erinnern kannst. Ganz wichtig als Grundprinzip: Dein Gesprächspartner ist hundertmal mehr an sich selbst, seinen Wünschen und Herausforderungen interessiert als an dir und deinen Themen.

Punkt 3: Begrüße Meinungsverschiedenheiten. Die Grundhaltung sollte sein, dass du dich über Meinungsverschiedenheiten und Widersprüche freust. Ein schöner Satz: „Wenn zwei Menschen immer gleicher Meinung sind, ist einer von beiden überflüssig.“ Ray Dalio hat mit dieser Haltung seine Unternehmenskultur aufgebaut und spricht von „thoughtful disagreement“, der Kunst der bewussten Meinungsverschiedenheit. Weil das eigene Weltbild subjektiv ist (radikaler Konstruktivismus, der zweite Filter), kommt man der Wahrheit am besten näher, wenn man kontrovers und bewusst aus verschiedenen Perspektiven diskutiert – und Widerspruch als etwas Positives wahrnimmt. Begrüßen heißt aber: Streit vermeiden. Streit funktioniert nicht. „Ein Mann, der gegen seinen Willen überzeugt wird, bleibt seiner Meinung treu im Stillen.“ Jemanden bloßzustellen und zu sagen „deine Meinung ist falsch“ gewinnt niemanden. Sei stattdessen offen für Selbstkritik – geh mit der Einstellung hinein, dass auch du falschliegen kannst; du hast Wahrheit und Weisheit nicht gepachtet. Das ist nicht leicht, weil man Stolz und Ego hintanstellen muss, aber es ist etwas sehr Positives und lässt sich üben. Ein kleiner Sprachtipp: In solchen Situationen nutzen viele das Wort „aber“ – das ist versteckte Kritik („Du hast ja recht, aber …“ heißt eigentlich „du hast nicht recht“). Vermeide das Wort „aber“ und nutze stattdessen „und“. Benjamin Franklin: „Mit Widersprechen und Besserwissen kann man manchmal einen Menschen besiegen, aber es bleibt ein leerer Sieg, denn gewinnen kann man ihn damit nie.“ Ein Professor sagte mir einmal zur Verhandlungsführung: Am Ende gewinnt die Freundlichkeit immer. Wenn du stets freundlich und dem anderen wohlgesonnen bleibst, kannst du nicht verlieren.

Zusammengefasst: Punkt 1 – nicht kritisieren oder verurteilen, sondern verstehen (radikaler Konstruktivismus, die zwei Filter Sinne und Weltbild). Punkt 2 – aufrichtiges Interesse zeigen: ein guter Zuhörer sein, Fragen stellen, Namen und Ereignisse merken, und dran denken, dass sich dein Gegenüber hundertmal mehr für sich selbst interessiert. Punkt 3 – Meinungsverschiedenheiten begrüßen, offen für Selbstkritik bleiben, aber Streit vermeiden und freundlich bleiben. Vieles davon stammt aus Dale Carnegies Wie man Freunde gewinnt – für mich absolute Pflichtlektüre, und zwar nicht nur für Einsteiger. Es ist kein Buch, das man einmal liest und dann verstanden hat, sondern ein praktisches Umsetzungsbuch, das man zehn-, fünfzehn-, zwanzigmal liest. Je öfter du einsteigst, desto mehr schärfen sich deine Gewohnheiten im Umgang mit Menschen. Wichtig ist die Umsetzung: den Alltag reflektieren, beobachten, wie sich andere verhalten, und es selbst anwenden – am besten direkt in den nächsten Gesprächen. Das Ganze ist iterativ; wenn es dich an die Grenzen deiner Komfortzone bringt, ist das genau richtig. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

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