Führen mit Fragen: das stärkste Werkzeug, das du als Führungskraft hast

Die meisten glauben, eine gute Führungskraft müsse vor allem eines können: Antworten geben. Auf jede Frage eine Lösung, auf jedes Problem einen Plan. Doch genau das hält Menschen klein und abhängig.

Das wirksamste Führungswerkzeug ist ein anderes – und es ist verblüffend einfach: Fragen stellen. In dieser Folge bekommst du drei Fragen, die du sofort einsetzen kannst, und acht Wege, sie so zu stellen, dass sie wirklich wirken.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Führung heißt, andere erfolgreich zu machen – nicht, selbst alle Antworten zu haben. Wer sich als allwissend versteht, geht ein hohes Risiko ein: Liegt er falsch, reißt er alle anderen mit.
  • Antworten halten Menschen klein und abhängig. Gute Fragen machen sie groß und bringen ihr Potenzial zur Entfaltung.
  • Fragen stellen klingt einfach, ist aber nicht leicht. Die richtige Frage zu stellen ist schwerer, als die Antwort zu geben – es ist ein Muskel, den du trainieren kannst.
  • Drei wirksame Fragen: „Was beschäftigt dich gerade?“, „Und was noch?“, „Was ist die wirkliche Herausforderung für dich?“ – ein Dreiklang, der das eigentliche Problem freilegt.
  • Acht Wege, richtig zu fragen – von einer Frage pro Mal über das Aushalten der Stille bis hin zum echten Zuhören.
  • Erst das Problem offenlegen, dann gemeinsam lösen. Deine Vorarbeit als Führungskraft ist die gute Frage; die Lösung erarbeitet ihr danach gemeinsam.

Führen mit Fragen im Detail

Warum überhaupt Fragen? Führung heißt im Kern, andere erfolgreich zu machen. Das ist keine weiche Floskel, sondern eine Haltung, die von Google bis dm gelebt wird – Götz Werner, Gründer von dm, sagte sinngemäß, Führung sei heute nur noch legitim, wenn sie der Selbstführung der anvertrauten Menschen dient. Stell dir das Gegenteil vor: eine Führungskraft, die glaubt, allwissend zu sein und alle Antworten zu haben. Das ist riskant. Denn was passiert, wenn diese Person falsch liegt? Dann reißt sie alle anderen mit. Unternehmen scheitern unter anderem daran, dass zu sehr auf einzelne, vermeintlich allwissende Personen gesetzt wird. Antworten zu geben hält Menschen tendenziell klein und abhängig. Fragen sind der einfache, effektive Gegenweg: Sie machen Menschen groß und bringen ihr Potenzial zur Entfaltung. Gute Fragen regen zum Nachdenken an. Und auch wenn es banal klingt: Fragen zu stellen ist schwerer als zu antworten. Deine Kernkompetenz als Führungskraft ist es, gute Fragen stellen zu können – ein Muskel, den du trainieren kannst.

Die drei wirksamen Fragen. Du kannst ein Gespräch direkt mit ihnen beginnen, und sie funktionieren in jeder Konversation – mit Mitarbeitenden genauso wie mit Freunden oder Kollegen.

Frage 1: „Was beschäftigt dich gerade?“ Diese Einstiegsfrage bringt dein Gegenüber sofort ins Nachdenken: Was treibt ihn um, vor welcher Herausforderung steht er? Wichtig ist, neugierig zu bleiben. Oft haben wir das Gefühl, die Antwort schon zu kennen – und liefern sie vorschnell. Damit lösen wir womöglich das falsche Problem, eines, das gar nicht existiert. Die erste Frage zielt darauf ab, die wirkliche Herausforderung überhaupt erst zu finden.

Frage 2: „Und was noch?“ Deine Aufgabe ist es, deinem Gegenüber zu helfen, sein Thema selbst zu ergründen. Geh nicht davon aus, dass er von Anfang an genau weiß, was seine Herausforderung ist. Wenn du nachschiebst – „Und was noch?“ –, kommen fast immer weitere relevante Punkte zum Vorschein. Lass deinem Gegenüber die Zeit zum Nachdenken; da kommt definitiv noch mehr. Genau das schafft Verbindung: Dein Gegenüber fühlt sich abgeholt und merkt, dass sich jemand ernsthaft mit seinem Anliegen auseinandersetzt. Das ist auch ein Kernprinzip aus Dale Carnegies Wie man Freunde gewinnt: Jeder beschäftigt sich vor allem mit den eigenen Problemen. Wenn du nach dem Problem der anderen Person fragst, hast du schon viel gewonnen.

Frage 3: „Was ist die wirkliche Herausforderung für dich?“ Wenn du fragst, was jemanden beschäftigt, reden viele zunächst von äußeren Umständen, von anderen Menschen, von Dingen außerhalb ihres Einflusses. Diese dritte Frage fokussiert auf das Wesentliche – auf das, was dein Gegenüber tatsächlich beeinflussen kann. Diesen Dreiklang musst du nicht starr abspulen; im Gespräch dient er eher als innerer Leitfaden. Erst wenn das Problem offengelegt und die Herausforderung klar herausgearbeitet ist, lohnt es sich, in die Lösungsfindung zu gehen – gemeinsam, nicht von oben herab.

Acht Wege, richtig zu fragen. Die Fragen zu kennen ist das eine. Sie richtig zu stellen, das andere.

1. Eine Frage zur Zeit stellen. Niemand mag es, mit Fragen bombardiert zu werden. Stell eine Frage, dann gib Raum. Lass die Frage wirken, lass dein Gegenüber nachdenken. Geh erst zur nächsten Frage über, wenn du merkst, dass die Richtung nicht passt. Nicht unterbrechen, nicht hetzen – das ist Übungssache.

2. Das Intro überspringen und die Frage stellen. Du brauchst keinen ewigen Smalltalk. Fragen wie „Was beschäftigt dich gerade?“ kannst du relativ früh in einer Unterhaltung stellen. Auch zu Beginn eines Meetings funktioniert das hervorragend: Wirf die Frage in die Runde, jeder antwortet kurz – ein starker Auftakt.

3. Keine rhetorischen Fragen stellen. Rhetorische Fragen sind keine echten Fragen – sie sind Ratschläge mit einem Fragezeichen. Damit gibst du die Antwort vor. Genau das willst du in diesem Prozess vermeiden.

4. Fragen stellen, die mit „Was“ beginnen. Die drei wirksamen Fragen tun das nicht zufällig. Vermeide „Warum“-Fragen: Sie triggern eine defensive Haltung, weil du damit die Gedanken und Handlungen deines Gegenübers infrage stellst. Vermeide am Anfang auch „Wie“-Fragen – sie lenken den Fokus zu früh auf die Umsetzung („Wie machen wir das?“), bevor die Herausforderung überhaupt offen liegt. „Wie“-Fragen kommen erst nach den drei „Was“-Fragen.

5. Die Stille aushalten. Das ist vielleicht der wichtigste Punkt. Manche dieser Fragen sind keine Alltagsfragen; sie kosten Energie. Menschen reagieren unterschiedlich – manche wiederholen deine Frage, um die Stille zu füllen und sich Zeit zu verschaffen, andere werden einfach still und denken nach. Du wirst den Drang spüren, die Stille zu füllen, und vielleicht eine zweite Frage hinterherwerfen. Tu es nicht. Stell die Frage, lehn dich zurück, halt den Mund. Dein Gegenüber wird die Stille füllen. Auch wenn sich zehn bis zwanzig Sekunden sehr lang anfühlen: Diesen Raum braucht dein Gegenüber zum Nachdenken.

6. Auf die Antwort hören. Wie Stephen Covey in Die 7 Wege zur Effektivität schreibt: Die meisten Menschen hören nicht zu, um zu verstehen, sondern um zu antworten. Sein Schlüssel zwischenmenschlicher Kommunikation lautet: erst verstehen, dann verstanden werden. Das ist leichter gesagt als getan, denn der Kopf springt automatisch in den Modus „Was sage ich als Nächstes?“. Bleib stattdessen anwesend, gib volle Aufmerksamkeit und bleib so lange wie möglich neugierig. Geh durch neue Fragen tiefer in das, was dein Gegenüber gesagt hat, statt sofort eine Antwort zu liefern.

7. Die Antwort bestätigen. Aktives Zuhören heißt auch, immer wieder eine kurze Rückmeldung einzustreuen – damit dein Gegenüber merkt, dass es gehört wird. Du brauchst dafür keine große Technik. Wer ernsthaft interessiert und neugierig ist, tut das ganz automatisch. Es hat etwas Empathisches: Dein Gegenüber spürt, dass du wirklich bei der Sache bist und versuchst, es zu verstehen.

8. Alle Kanäle nutzen. Du musst nicht im Vier-Augen-Gespräch sitzen, um gut zu fragen. Die Fragen und die Wege, sie zu stellen, funktionieren über jeden Kanal: E-Mail, Messenger, Telefon. Nutze sie alle, um auf den Kern zu kommen, neugierig zu bleiben und Fragen als dein Führungswerkzeug einzusetzen.

Vom Werkzeug zur Gewohnheit. Am Ende eines Gesprächs kannst du auch fragen: „Was nimmst du als großes Learning mit?“ oder „Was willst du in Zukunft ändern?“ – das festigt das Gelernte. Bau dir nach und nach dein eigenes Set an Fragen für den Alltag auf. Reflektiere ehrlich: Nutzt du Fragen schon als Werkzeug? Wenn nicht, verschenkst du Potenzial. Fang an zu üben – dieses Werkzeug ist erstaunlich mächtig.

Wer Fragen als Führungswerkzeug ernst nimmt, baut auf den Grundlagen guter Führung auf – was eine gute Führungskraft wirklich ausmacht, vertieft eine eigene Folge. Welche Führungsqualitäten dahinterstehen, hörst du in der direkt anschließenden Episode. Wie du Fragen gezielt im strukturierten Mitarbeitergespräch führen einsetzt, zeigt eine weitere Folge. Und warum gute Fragen über die Führung hinaus dein Denken schärfen, vertieft bessere Fragen stellen.

Häufige Fragen zum Führen mit Fragen

Warum sind Fragen das wichtigste Führungswerkzeug? Weil Führung im Kern bedeutet, andere erfolgreich zu machen. Wer ständig Antworten gibt, hält Menschen klein und abhängig – und geht das Risiko ein, mit einer falschen Antwort alle mitzureißen. Gute Fragen dagegen regen zum Nachdenken an, machen Menschen groß und bringen ihr Potenzial zur Entfaltung.

Welche drei Fragen sollte ich als Führungskraft stellen? Erstens: „Was beschäftigt dich gerade?“ – um die wirkliche Herausforderung zu finden. Zweitens: „Und was noch?“ – weil fast immer weitere, relevante Punkte folgen. Drittens: „Was ist die wirkliche Herausforderung für dich?“ – um vom Äußeren auf das zu fokussieren, was dein Gegenüber tatsächlich beeinflussen kann.

Warum soll ich keine „Warum“-Fragen stellen? „Warum“-Fragen triggern eine defensive, verteidigende Haltung, weil sie die Gedanken und Handlungen deines Gegenübers infrage stellen. „Was“-Fragen öffnen das Gespräch, statt es zu verengen. „Wie“-Fragen sind nicht falsch, kommen aber erst, wenn die Herausforderung klar herausgearbeitet ist – sonst springst du zu früh in die Umsetzung.

Wie gehe ich mit Stille im Gespräch um? Halte sie aus. Stell deine Frage, lehn dich zurück und schweige – auch wenn sich zehn bis zwanzig Sekunden sehr lang anfühlen. Dein Gegenüber braucht diesen Raum zum Nachdenken und wird die Stille fast immer selbst füllen. Wirfst du vorschnell eine zweite Frage hinterher, störst du genau diesen Prozess.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Dale Carnegie – Wie man Freunde gewinnt: das Basiswerk zur Kommunikation – jeder beschäftigt sich mit den eigenen Problemen, also frag nach denen der anderen.
  • Stephen Covey – Die 7 Wege zur Effektivität: Quelle des Prinzips „erst verstehen, dann verstanden werden“ – Zuhören, um zu verstehen, nicht um zu antworten.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Führung.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Führung.

Transkript

Herzlich willkommen zum Podcast, Episode zweiundzwanzig. In dieser Episode geht es um das beste Werkzeug zur Führung. In der letzten Episode habe ich beim Thema der drei zentralen Führungsqualitäten schon einige Worte dazu verloren – jetzt vertiefen wir es.

Worum geht es? Führung heißt letzten Endes, andere erfolgreich zu machen. Das ist zumindest die Führungsphilosophie, die unter anderem bei Google im Onboarding vermittelt wird. Und Götz Werner, Gründer von dm, hat dazu eine sehr spannende Unternehmenskultur aufgebaut. Von ihm stammt sinngemäß der Gedanke: Führung ist heute nur noch legitim, wenn sie die Selbstführung der anvertrauten Mitmenschen zum Ziel hat.

Eines der wichtigsten Werkzeuge – und genau darum geht es heute – ist das Fragenstellen. Führung heißt in erster Linie, Fragen zu stellen und nicht Antworten zu geben.

Warum überhaupt Fragen stellen? Warum ist das so wichtig? Man kann sich das Gegenteil vorstellen: Führungskräfte, die von sich behaupten, allwissend zu sein, bei denen sich alles um sie dreht. Diese Haltung geht ein sehr hohes Risiko ein. Stell dir die Frage: Was passiert, wenn diese Menschen falsch liegen? Dann reißen sie im Grunde alle anderen mit. Das kann ein Grund sein, warum Unternehmen scheitern – wenn sie zu sehr auf einzelne Personen setzen, die glauben, allwissend zu sein und alle Antworten zu haben.

Antworten zu geben hält Menschen tendenziell eher klein und abhängig. Fragen dagegen sind ein einfacher und effektiver Weg, um Menschen groß zu machen und ihr Potenzial zur Entfaltung zu bringen. Gute Fragen regen zum Nachdenken an. Das klingt banal, aber Fragen stellen klingt zwar einfach, ist aber überhaupt nicht leicht. Die richtige Frage zu stellen ist viel schwerer, als die Antwort zu geben – das garantiere ich dir.

In dieser Episode gebe ich dir drei wirksame Fragen mit, die du sofort nutzen kannst, in jeder Konversation. Und acht Wege, wie du richtig fragen kannst.

Ich hoffe, der erste Punkt ist klar geworden: Warum es so wichtig ist, als Führungskraft Fragen zu stellen, statt zu glauben, man müsse immer Antworten geben. Das ist ein häufiger Denkfehler. Deine Kernkompetenz als Führungskraft sollte darin bestehen, gute Fragen stellen zu können. Das ist ein Muskel, den du trainieren kannst. Nutze die Dinge, die ich dir jetzt mitgebe, am besten direkt nach der Folge. Fragen kannst du in jeder Kommunikation, in jedem Gespräch, mit jeder Person hervorragend einsetzen. Wenn du das Buch Wie man Freunde gewinnt von Dale Carnegie gelesen oder gehört hast, wirst du davon wissen – das gehört zu den absoluten Basics.

Kommen wir zu den drei wirksamen Fragen. Frage Nummer eins: Du kannst ein Gespräch teilweise direkt mit dieser Frage beginnen. Sie lautet: „Was beschäftigt dich gerade?“ – oder in einer Abwandlung: „Was geht dir gerade durch den Kopf?“ Das sorgt beim Gegenüber dafür, dass es wirklich ins Nachdenken kommt: Was sind die Themen, die es umtreiben, was ist die Herausforderung, vor der es gerade steht? Es ist eine starke Einstiegsfrage, um das Gespräch auf eine tiefere Ebene zu bringen.

Wichtig zu wissen: Du musst nicht funkensprühend sein, um sie anzuwenden – das klappt auch ganz ruhig. Wichtig ist, neugierig zu bleiben. Oft haben wir das Gefühl, die Antwort schon zu kennen, und gehen damit das Risiko ein, die Antwort vorschnell zu liefern – und lösen dann das falsche Problem. Eine Herausforderung, die das Gegenüber gar nicht hat, sondern die wir ihm nur unterstellen. Diese erste Frage zielt darauf ab, die wirkliche Herausforderung herauszufinden.

Frage Nummer zwei – und jetzt kommt ein ganz wichtiger Punkt: „Und was noch?“ Deine Aufgabe ist es, deinem Gegenüber zu helfen, das Ganze zu ergründen. Geh nicht davon aus, dass dein Gegenüber genau weiß, was seine Herausforderungen sind. Du hilfst ihm mit den Fragen, das herauszufinden und herauszuarbeiten. Wenn du fragst „Und was noch?“, garantiere ich dir: Du bekommst immer wieder weitere relevante Punkte genannt, weitere Herausforderungen und Themen, die deinem Gegenüber durch den Kopf gehen. Es gibt immer noch mehr. Wichtig ist, deinem Gegenüber die Zeit zum Nachdenken zu lassen, denn da kommt definitiv noch mehr. Und dein Gegenüber fühlt sich abgeholt – es hat das Gefühl, dass sich jemand wirklich mit seinen Themen auseinandersetzt. Das ist ein Kernprinzip aus Wie man Freunde gewinnt: Jeder beschäftigt sich in der Regel mit seinen eigenen Problemen. Wenn du um die Ecke kommst und nach dem Problem der anderen Person fragst, hast du schon viel gewonnen.

Frage Nummer drei: „Was ist die wirkliche Herausforderung für dich?“ Wenn du fragst, was jemanden beschäftigt, wirst du feststellen, dass viele Menschen zunächst von äußeren Umständen reden, von anderen Dingen, von anderen Personen. Diese Frage fokussiert auf das Relevante und Wesentliche – auf das, was dein Gegenüber auch beeinflussen kann.

In diesem Dreiklang liegt viel Kraft. Du musst die drei Fragen nicht starr nacheinander abspulen, aber im Gespräch können sie als Leitfaden dienen, um wirklich herauszufinden, was die Themen und Herausforderungen sind. Wenn du als Führungskraft diese Vorarbeit geleistet hast, kannst du auch Antworten geben und gemeinsam in die Lösungsfindung gehen. Aber vorher muss das Problem offengelegt, die Herausforderung klar herausgearbeitet werden. Das ist etwas, das ihr gemeinsam tut – und du unterstützt dein Gegenüber, indem du diese Fragen stellst.

Noch einmal kurz: „Was beschäftigt dich gerade?“, „Und was noch?“, „Was ist die wirkliche Herausforderung für dich?“ Das sind die drei wirksamen Fragen. Du kannst sie ruhig erst einmal mit einem Freund, einer Freundin oder Kollegen testen und einfach üben.

Kommen wir zu den acht Wegen, richtig Fragen zu stellen. Denn die Fragen zu kennen ist das eine – sie richtig zu stellen, das andere.

Punkt eins: Eine Frage zur Zeit stellen. Niemand mag es, mit Fragen bombardiert zu werden. Stell eine Frage nach der anderen und lass wirklich Raum zum Nachdenken. Gib deinem Gegenüber die Möglichkeit, die Frage wirken zu lassen. Erst wenn du merkst, dass die Antwort in die falsche Richtung geht, gehst du zur nächsten Frage über. Nicht unterbrechen, lass dir Zeit, sei nicht überhastet. Das ist Übungssache. Mit der Zeit ist es fast eine Kunst, die richtigen Fragen zur richtigen Zeit parat zu haben. Das ist letzten Endes dein eigener Lernzyklus: Du findest heraus, welche Fragen in welchen Momenten besser funktionieren und welche weniger gut.

Punkt zwei: Überspring das Intro und stell die Frage. Eine Frage wie „Was beschäftigt dich gerade?“ kannst du relativ am Anfang einer Unterhaltung stellen – du brauchst keinen ewig langen Smalltalk. Das sind Einstiegsfragen, die zu Beginn einer Unterhaltung Spannung erzeugen. Auch in der Folge über Meetings habe ich das schon erwähnt: Wenn ihr im Meeting in der Check-in-Runde seid, kannst du die Frage in die Runde werfen – „Was beschäftigt euch gerade?“ – und jeder gibt seine Antwort. Das kann ein starker Auftakt für ein Meeting sein.

Punkt drei: Keine rhetorischen Fragen stellen. Das sage ich dir ganz klar: Rhetorische Fragen sind in diesem Kontext keine Fragen. Rhetorische Fragen sind Ratschläge mit einem Fragezeichen. Mit einer rhetorischen Frage gibst du die Antwort vor. Wenn du als Führungskraft in diesem Prozess unterwegs bist, solltest du auf rhetorische Fragen verzichten.

Punkt vier: Stell Fragen, die mit „Was“ beginnen. Das gilt für die drei genannten Fragen: „Was beschäftigt dich gerade?“, „Und was noch?“, „Was ist die wirkliche Herausforderung für dich?“ – alles „Was“-Fragen. Der Hintergrund: „Warum“-Fragen triggern eine defensive, verteidigende Haltung, weil du damit die Gedanken, Ideen oder Handlungen deines Gegenübers infrage stellst. Deshalb solltest du „Warum“-Fragen vermeiden – genauso wie „Wie“-Fragen am Anfang. Eine „Wie“-Frage – „Wie willst du das machen?“ – legt den Fokus auf die Handlung statt auf das Problem: „Wie machen wir das jetzt, wie setzen wir das um?“ Wenn du solche Fragen am Anfang stellst, begrenzt du dich selbst in der Möglichkeit, die Herausforderung offenzulegen. „Wie“-Fragen folgen erst auf die drei genannten Fragen.

Punkt fünf – einer der wichtigsten Punkte: Lerne, die Stille auszuhalten. Du wirst merken, dass die zweite Frage für dein Gegenüber teilweise gar nicht so leicht ist, weil das keine Alltagsfragen sind. Solche Fragen werden nicht jeden Tag gestellt und erfordern Energie und Kraft, um sie zu beantworten. Menschen reagieren unterschiedlich: Manche wiederholen sofort deine Frage, um die Stille zu füllen und sich selbst Zeit zum Nachdenken zu geben. Andere sind einfach still und denken nach. Du wirst das Gefühl haben, diese Stille füllen zu müssen – das geht jedem so. Aber genau jetzt geht es darum, das zu lernen und zu trainieren: die Stille auszuhalten, auch wenn sie zehn bis zwanzig Sekunden andauert. Das fühlt sich sehr komisch an, das garantiere ich dir aus eigener Erfahrung. Aber erstens: Stell die Frage. Zweitens: Sei ruhig, lehn dich zurück und warte ab. Dein Gegenüber wird die Stille in jedem Fall füllen. Häufig passiert das Gegenteil: Du bekommst das Gefühl, die Stille füllen zu müssen, und wirfst eine zweite Frage hinterher – und das fördert die Unterhaltung nicht wirklich, weil dein Gegenüber den Raum zum Nachdenken braucht.

Punkt sechs – auch ein ganz wichtiger Punkt: Höre auf die Antwort. Das klingt banal. Stephen Covey hat es in seinem Buch Die 7 Wege zur Effektivität schön gesagt: Die meisten Menschen hören nicht zu, um zu verstehen – sie hören zu, um zu antworten. Sein Schlüssel zwischenmenschlicher Kommunikation lautet: erst verstehen, dann verstanden werden. Das ist nicht leicht, es ist leichter gesagt als getan, weil man automatisch in den Modus geht und darüber nachdenkt, was man als Nächstes sagen kann – auch weil man die Stille vermeiden möchte. Auch das kannst du lernen und üben. Sei anwesend, gib deinem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit. Je öfter du das machst, desto mehr Sicherheit hast du, dass dir eine nächste Frage einfällt. Bleib so lange wie möglich neugierig, geh durch neue Fragen tiefer in das, was gesagt wurde, statt sofort eine Antwort zu geben.

Punkt sieben: Bestätige die Antwort, die du bekommst. Das gehört zum aktiven Zuhören – streu immer wieder eine kurze Rückmeldung ein, damit dein Gegenüber das Gefühl hat, gehört zu werden. Es gibt viele verschiedene Techniken, aber tatsächlich brauchst du keine große Technik. Wer wirklich ernsthaft interessiert und neugierig ist, macht das automatisch – man gibt dem Gegenüber das Gefühl, gehört zu werden und dass man bei der Sache ist. Es hat etwas Empathisches. Ich verweise hier gern noch einmal auf die letzte Folge zu den drei zentralen Führungsqualitäten – da gibt es spannende Verknüpfungspunkte zu dieser Episode.

Punkt acht – ganz wichtig: Nutze alle Kanäle, um Fragen zu stellen. Du musst nicht im Vier-Augen-Gespräch sitzen, um diese Dinge – die Fragen selbst, aber auch die Wege, sie zu stellen – zu nutzen. Das funktioniert über jeden Kanal: E-Mail, Messenger, Telefon. Nutze jeden Kanal, um gute Fragen zu stellen, auf den Kern zu kommen, neugierig zu bleiben und Fragen als dein Führungswerkzeug einzusetzen.

Das waren die Punkte – ich hoffe, du konntest einiges mitnehmen. Das Wichtigste ist, dass du wirklich in die Praxis und ins Üben gehst. Beim Thema Fragenstellen sind das hier nur drei Beispielfragen. Es gibt ganze Bücher, die sich damit beschäftigen, welche Fragen man wann und in welchem Szenario stellen kann. Du wirst merken: Dieses Werkzeug, Fragen zu stellen, ist unglaublich mächtig. Zu lernen, wann, wie und wo du welche Fragen stellst, um auf den Kern zu kommen und dein Gegenüber zu unterstützen, ist ein eigener Lernprozess.

Am Ende einer Unterhaltung kannst du auch fragen: „Was war dein großes Learning aus diesem Gespräch?“ oder „Was nimmst du mit, was willst du in Zukunft ändern?“ Damit festigst du das Gelernte. Wichtig ist, dir nach und nach dein eigenes Set an Fragen aufzubauen, die du im Alltag nutzen kannst. Und reflektiere ehrlich: Nutzt du Fragen schon als Werkzeug? Wenn nicht, verschenkst du Potenzial – also fang an zu üben.

Und ich habe es zweimal erwähnt: Lies unbedingt Wie man Freunde gewinnt. Es ist zum Thema Kommunikation ein Basiswerk. Lass dich nicht vom Titel irritieren – Dale Carnegie ist Pflichtlektüre für jede Person. Danach hast du ein viel besseres Verständnis dafür, warum Fragen funktionieren und warum du sie nutzen solltest.

Noch einmal ganz kurz: Die drei wirksamen Fragen waren – erstens „Was beschäftigt dich gerade?“, zweitens „Und was noch?“, drittens „Was ist die wirkliche Herausforderung für dich?“ Und die acht Wege, richtig zu fragen, waren: erstens eine Frage zur Zeit stellen, zweitens das Intro überspringen und die Frage stellen, drittens keine rhetorischen Fragen stellen, viertens Fragen stellen, die mit „Was“ beginnen, fünftens die Stille aushalten, sechstens auf die Antwort hören, siebtens die Antwort bestätigen, achtens alle Kanäle nutzen, um Fragen zu stellen.

Ich hoffe, du konntest für dich einiges mitnehmen. Geh direkt in die Umsetzung.

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Führen mit Fragen: das stärkste Werkzeug, das du als Führungskraft hast

Die meisten glauben, eine gute Führungskraft müsse vor allem eines können: Antworten geben. Auf jede Frage eine Lösung, auf jedes Problem einen Plan. Doch genau das hält Menschen klein und abhängig.

Das wirksamste Führungswerkzeug ist ein anderes – und es ist verblüffend einfach: Fragen stellen. In dieser Folge bekommst du drei Fragen, die du sofort einsetzen kannst, und acht Wege, sie so zu stellen, dass sie wirklich wirken.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Führung heißt, andere erfolgreich zu machen – nicht, selbst alle Antworten zu haben. Wer sich als allwissend versteht, geht ein hohes Risiko ein: Liegt er falsch, reißt er alle anderen mit.
  • Antworten halten Menschen klein und abhängig. Gute Fragen machen sie groß und bringen ihr Potenzial zur Entfaltung.
  • Fragen stellen klingt einfach, ist aber nicht leicht. Die richtige Frage zu stellen ist schwerer, als die Antwort zu geben – es ist ein Muskel, den du trainieren kannst.
  • Drei wirksame Fragen: „Was beschäftigt dich gerade?“, „Und was noch?“, „Was ist die wirkliche Herausforderung für dich?“ – ein Dreiklang, der das eigentliche Problem freilegt.
  • Acht Wege, richtig zu fragen – von einer Frage pro Mal über das Aushalten der Stille bis hin zum echten Zuhören.
  • Erst das Problem offenlegen, dann gemeinsam lösen. Deine Vorarbeit als Führungskraft ist die gute Frage; die Lösung erarbeitet ihr danach gemeinsam.

Führen mit Fragen im Detail

Warum überhaupt Fragen? Führung heißt im Kern, andere erfolgreich zu machen. Das ist keine weiche Floskel, sondern eine Haltung, die von Google bis dm gelebt wird – Götz Werner, Gründer von dm, sagte sinngemäß, Führung sei heute nur noch legitim, wenn sie der Selbstführung der anvertrauten Menschen dient. Stell dir das Gegenteil vor: eine Führungskraft, die glaubt, allwissend zu sein und alle Antworten zu haben. Das ist riskant. Denn was passiert, wenn diese Person falsch liegt? Dann reißt sie alle anderen mit. Unternehmen scheitern unter anderem daran, dass zu sehr auf einzelne, vermeintlich allwissende Personen gesetzt wird. Antworten zu geben hält Menschen tendenziell klein und abhängig. Fragen sind der einfache, effektive Gegenweg: Sie machen Menschen groß und bringen ihr Potenzial zur Entfaltung. Gute Fragen regen zum Nachdenken an. Und auch wenn es banal klingt: Fragen zu stellen ist schwerer als zu antworten. Deine Kernkompetenz als Führungskraft ist es, gute Fragen stellen zu können – ein Muskel, den du trainieren kannst.

Die drei wirksamen Fragen. Du kannst ein Gespräch direkt mit ihnen beginnen, und sie funktionieren in jeder Konversation – mit Mitarbeitenden genauso wie mit Freunden oder Kollegen.

Frage 1: „Was beschäftigt dich gerade?“ Diese Einstiegsfrage bringt dein Gegenüber sofort ins Nachdenken: Was treibt ihn um, vor welcher Herausforderung steht er? Wichtig ist, neugierig zu bleiben. Oft haben wir das Gefühl, die Antwort schon zu kennen – und liefern sie vorschnell. Damit lösen wir womöglich das falsche Problem, eines, das gar nicht existiert. Die erste Frage zielt darauf ab, die wirkliche Herausforderung überhaupt erst zu finden.

Frage 2: „Und was noch?“ Deine Aufgabe ist es, deinem Gegenüber zu helfen, sein Thema selbst zu ergründen. Geh nicht davon aus, dass er von Anfang an genau weiß, was seine Herausforderung ist. Wenn du nachschiebst – „Und was noch?“ –, kommen fast immer weitere relevante Punkte zum Vorschein. Lass deinem Gegenüber die Zeit zum Nachdenken; da kommt definitiv noch mehr. Genau das schafft Verbindung: Dein Gegenüber fühlt sich abgeholt und merkt, dass sich jemand ernsthaft mit seinem Anliegen auseinandersetzt. Das ist auch ein Kernprinzip aus Dale Carnegies Wie man Freunde gewinnt: Jeder beschäftigt sich vor allem mit den eigenen Problemen. Wenn du nach dem Problem der anderen Person fragst, hast du schon viel gewonnen.

Frage 3: „Was ist die wirkliche Herausforderung für dich?“ Wenn du fragst, was jemanden beschäftigt, reden viele zunächst von äußeren Umständen, von anderen Menschen, von Dingen außerhalb ihres Einflusses. Diese dritte Frage fokussiert auf das Wesentliche – auf das, was dein Gegenüber tatsächlich beeinflussen kann. Diesen Dreiklang musst du nicht starr abspulen; im Gespräch dient er eher als innerer Leitfaden. Erst wenn das Problem offengelegt und die Herausforderung klar herausgearbeitet ist, lohnt es sich, in die Lösungsfindung zu gehen – gemeinsam, nicht von oben herab.

Acht Wege, richtig zu fragen. Die Fragen zu kennen ist das eine. Sie richtig zu stellen, das andere.

1. Eine Frage zur Zeit stellen. Niemand mag es, mit Fragen bombardiert zu werden. Stell eine Frage, dann gib Raum. Lass die Frage wirken, lass dein Gegenüber nachdenken. Geh erst zur nächsten Frage über, wenn du merkst, dass die Richtung nicht passt. Nicht unterbrechen, nicht hetzen – das ist Übungssache.

2. Das Intro überspringen und die Frage stellen. Du brauchst keinen ewigen Smalltalk. Fragen wie „Was beschäftigt dich gerade?“ kannst du relativ früh in einer Unterhaltung stellen. Auch zu Beginn eines Meetings funktioniert das hervorragend: Wirf die Frage in die Runde, jeder antwortet kurz – ein starker Auftakt.

3. Keine rhetorischen Fragen stellen. Rhetorische Fragen sind keine echten Fragen – sie sind Ratschläge mit einem Fragezeichen. Damit gibst du die Antwort vor. Genau das willst du in diesem Prozess vermeiden.

4. Fragen stellen, die mit „Was“ beginnen. Die drei wirksamen Fragen tun das nicht zufällig. Vermeide „Warum“-Fragen: Sie triggern eine defensive Haltung, weil du damit die Gedanken und Handlungen deines Gegenübers infrage stellst. Vermeide am Anfang auch „Wie“-Fragen – sie lenken den Fokus zu früh auf die Umsetzung („Wie machen wir das?“), bevor die Herausforderung überhaupt offen liegt. „Wie“-Fragen kommen erst nach den drei „Was“-Fragen.

5. Die Stille aushalten. Das ist vielleicht der wichtigste Punkt. Manche dieser Fragen sind keine Alltagsfragen; sie kosten Energie. Menschen reagieren unterschiedlich – manche wiederholen deine Frage, um die Stille zu füllen und sich Zeit zu verschaffen, andere werden einfach still und denken nach. Du wirst den Drang spüren, die Stille zu füllen, und vielleicht eine zweite Frage hinterherwerfen. Tu es nicht. Stell die Frage, lehn dich zurück, halt den Mund. Dein Gegenüber wird die Stille füllen. Auch wenn sich zehn bis zwanzig Sekunden sehr lang anfühlen: Diesen Raum braucht dein Gegenüber zum Nachdenken.

6. Auf die Antwort hören. Wie Stephen Covey in Die 7 Wege zur Effektivität schreibt: Die meisten Menschen hören nicht zu, um zu verstehen, sondern um zu antworten. Sein Schlüssel zwischenmenschlicher Kommunikation lautet: erst verstehen, dann verstanden werden. Das ist leichter gesagt als getan, denn der Kopf springt automatisch in den Modus „Was sage ich als Nächstes?“. Bleib stattdessen anwesend, gib volle Aufmerksamkeit und bleib so lange wie möglich neugierig. Geh durch neue Fragen tiefer in das, was dein Gegenüber gesagt hat, statt sofort eine Antwort zu liefern.

7. Die Antwort bestätigen. Aktives Zuhören heißt auch, immer wieder eine kurze Rückmeldung einzustreuen – damit dein Gegenüber merkt, dass es gehört wird. Du brauchst dafür keine große Technik. Wer ernsthaft interessiert und neugierig ist, tut das ganz automatisch. Es hat etwas Empathisches: Dein Gegenüber spürt, dass du wirklich bei der Sache bist und versuchst, es zu verstehen.

8. Alle Kanäle nutzen. Du musst nicht im Vier-Augen-Gespräch sitzen, um gut zu fragen. Die Fragen und die Wege, sie zu stellen, funktionieren über jeden Kanal: E-Mail, Messenger, Telefon. Nutze sie alle, um auf den Kern zu kommen, neugierig zu bleiben und Fragen als dein Führungswerkzeug einzusetzen.

Vom Werkzeug zur Gewohnheit. Am Ende eines Gesprächs kannst du auch fragen: „Was nimmst du als großes Learning mit?“ oder „Was willst du in Zukunft ändern?“ – das festigt das Gelernte. Bau dir nach und nach dein eigenes Set an Fragen für den Alltag auf. Reflektiere ehrlich: Nutzt du Fragen schon als Werkzeug? Wenn nicht, verschenkst du Potenzial. Fang an zu üben – dieses Werkzeug ist erstaunlich mächtig.

Wer Fragen als Führungswerkzeug ernst nimmt, baut auf den Grundlagen guter Führung auf – was eine gute Führungskraft wirklich ausmacht, vertieft eine eigene Folge. Welche Führungsqualitäten dahinterstehen, hörst du in der direkt anschließenden Episode. Wie du Fragen gezielt im strukturierten Mitarbeitergespräch führen einsetzt, zeigt eine weitere Folge. Und warum gute Fragen über die Führung hinaus dein Denken schärfen, vertieft bessere Fragen stellen.

Häufige Fragen zum Führen mit Fragen

Warum sind Fragen das wichtigste Führungswerkzeug? Weil Führung im Kern bedeutet, andere erfolgreich zu machen. Wer ständig Antworten gibt, hält Menschen klein und abhängig – und geht das Risiko ein, mit einer falschen Antwort alle mitzureißen. Gute Fragen dagegen regen zum Nachdenken an, machen Menschen groß und bringen ihr Potenzial zur Entfaltung.

Welche drei Fragen sollte ich als Führungskraft stellen? Erstens: „Was beschäftigt dich gerade?“ – um die wirkliche Herausforderung zu finden. Zweitens: „Und was noch?“ – weil fast immer weitere, relevante Punkte folgen. Drittens: „Was ist die wirkliche Herausforderung für dich?“ – um vom Äußeren auf das zu fokussieren, was dein Gegenüber tatsächlich beeinflussen kann.

Warum soll ich keine „Warum“-Fragen stellen? „Warum“-Fragen triggern eine defensive, verteidigende Haltung, weil sie die Gedanken und Handlungen deines Gegenübers infrage stellen. „Was“-Fragen öffnen das Gespräch, statt es zu verengen. „Wie“-Fragen sind nicht falsch, kommen aber erst, wenn die Herausforderung klar herausgearbeitet ist – sonst springst du zu früh in die Umsetzung.

Wie gehe ich mit Stille im Gespräch um? Halte sie aus. Stell deine Frage, lehn dich zurück und schweige – auch wenn sich zehn bis zwanzig Sekunden sehr lang anfühlen. Dein Gegenüber braucht diesen Raum zum Nachdenken und wird die Stille fast immer selbst füllen. Wirfst du vorschnell eine zweite Frage hinterher, störst du genau diesen Prozess.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Dale Carnegie – Wie man Freunde gewinnt: das Basiswerk zur Kommunikation – jeder beschäftigt sich mit den eigenen Problemen, also frag nach denen der anderen.
  • Stephen Covey – Die 7 Wege zur Effektivität: Quelle des Prinzips „erst verstehen, dann verstanden werden“ – Zuhören, um zu verstehen, nicht um zu antworten.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Führung.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Führung.

Transkript

Herzlich willkommen zum Podcast, Episode zweiundzwanzig. In dieser Episode geht es um das beste Werkzeug zur Führung. In der letzten Episode habe ich beim Thema der drei zentralen Führungsqualitäten schon einige Worte dazu verloren – jetzt vertiefen wir es.

Worum geht es? Führung heißt letzten Endes, andere erfolgreich zu machen. Das ist zumindest die Führungsphilosophie, die unter anderem bei Google im Onboarding vermittelt wird. Und Götz Werner, Gründer von dm, hat dazu eine sehr spannende Unternehmenskultur aufgebaut. Von ihm stammt sinngemäß der Gedanke: Führung ist heute nur noch legitim, wenn sie die Selbstführung der anvertrauten Mitmenschen zum Ziel hat.

Eines der wichtigsten Werkzeuge – und genau darum geht es heute – ist das Fragenstellen. Führung heißt in erster Linie, Fragen zu stellen und nicht Antworten zu geben.

Warum überhaupt Fragen stellen? Warum ist das so wichtig? Man kann sich das Gegenteil vorstellen: Führungskräfte, die von sich behaupten, allwissend zu sein, bei denen sich alles um sie dreht. Diese Haltung geht ein sehr hohes Risiko ein. Stell dir die Frage: Was passiert, wenn diese Menschen falsch liegen? Dann reißen sie im Grunde alle anderen mit. Das kann ein Grund sein, warum Unternehmen scheitern – wenn sie zu sehr auf einzelne Personen setzen, die glauben, allwissend zu sein und alle Antworten zu haben.

Antworten zu geben hält Menschen tendenziell eher klein und abhängig. Fragen dagegen sind ein einfacher und effektiver Weg, um Menschen groß zu machen und ihr Potenzial zur Entfaltung zu bringen. Gute Fragen regen zum Nachdenken an. Das klingt banal, aber Fragen stellen klingt zwar einfach, ist aber überhaupt nicht leicht. Die richtige Frage zu stellen ist viel schwerer, als die Antwort zu geben – das garantiere ich dir.

In dieser Episode gebe ich dir drei wirksame Fragen mit, die du sofort nutzen kannst, in jeder Konversation. Und acht Wege, wie du richtig fragen kannst.

Ich hoffe, der erste Punkt ist klar geworden: Warum es so wichtig ist, als Führungskraft Fragen zu stellen, statt zu glauben, man müsse immer Antworten geben. Das ist ein häufiger Denkfehler. Deine Kernkompetenz als Führungskraft sollte darin bestehen, gute Fragen stellen zu können. Das ist ein Muskel, den du trainieren kannst. Nutze die Dinge, die ich dir jetzt mitgebe, am besten direkt nach der Folge. Fragen kannst du in jeder Kommunikation, in jedem Gespräch, mit jeder Person hervorragend einsetzen. Wenn du das Buch Wie man Freunde gewinnt von Dale Carnegie gelesen oder gehört hast, wirst du davon wissen – das gehört zu den absoluten Basics.

Kommen wir zu den drei wirksamen Fragen. Frage Nummer eins: Du kannst ein Gespräch teilweise direkt mit dieser Frage beginnen. Sie lautet: „Was beschäftigt dich gerade?“ – oder in einer Abwandlung: „Was geht dir gerade durch den Kopf?“ Das sorgt beim Gegenüber dafür, dass es wirklich ins Nachdenken kommt: Was sind die Themen, die es umtreiben, was ist die Herausforderung, vor der es gerade steht? Es ist eine starke Einstiegsfrage, um das Gespräch auf eine tiefere Ebene zu bringen.

Wichtig zu wissen: Du musst nicht funkensprühend sein, um sie anzuwenden – das klappt auch ganz ruhig. Wichtig ist, neugierig zu bleiben. Oft haben wir das Gefühl, die Antwort schon zu kennen, und gehen damit das Risiko ein, die Antwort vorschnell zu liefern – und lösen dann das falsche Problem. Eine Herausforderung, die das Gegenüber gar nicht hat, sondern die wir ihm nur unterstellen. Diese erste Frage zielt darauf ab, die wirkliche Herausforderung herauszufinden.

Frage Nummer zwei – und jetzt kommt ein ganz wichtiger Punkt: „Und was noch?“ Deine Aufgabe ist es, deinem Gegenüber zu helfen, das Ganze zu ergründen. Geh nicht davon aus, dass dein Gegenüber genau weiß, was seine Herausforderungen sind. Du hilfst ihm mit den Fragen, das herauszufinden und herauszuarbeiten. Wenn du fragst „Und was noch?“, garantiere ich dir: Du bekommst immer wieder weitere relevante Punkte genannt, weitere Herausforderungen und Themen, die deinem Gegenüber durch den Kopf gehen. Es gibt immer noch mehr. Wichtig ist, deinem Gegenüber die Zeit zum Nachdenken zu lassen, denn da kommt definitiv noch mehr. Und dein Gegenüber fühlt sich abgeholt – es hat das Gefühl, dass sich jemand wirklich mit seinen Themen auseinandersetzt. Das ist ein Kernprinzip aus Wie man Freunde gewinnt: Jeder beschäftigt sich in der Regel mit seinen eigenen Problemen. Wenn du um die Ecke kommst und nach dem Problem der anderen Person fragst, hast du schon viel gewonnen.

Frage Nummer drei: „Was ist die wirkliche Herausforderung für dich?“ Wenn du fragst, was jemanden beschäftigt, wirst du feststellen, dass viele Menschen zunächst von äußeren Umständen reden, von anderen Dingen, von anderen Personen. Diese Frage fokussiert auf das Relevante und Wesentliche – auf das, was dein Gegenüber auch beeinflussen kann.

In diesem Dreiklang liegt viel Kraft. Du musst die drei Fragen nicht starr nacheinander abspulen, aber im Gespräch können sie als Leitfaden dienen, um wirklich herauszufinden, was die Themen und Herausforderungen sind. Wenn du als Führungskraft diese Vorarbeit geleistet hast, kannst du auch Antworten geben und gemeinsam in die Lösungsfindung gehen. Aber vorher muss das Problem offengelegt, die Herausforderung klar herausgearbeitet werden. Das ist etwas, das ihr gemeinsam tut – und du unterstützt dein Gegenüber, indem du diese Fragen stellst.

Noch einmal kurz: „Was beschäftigt dich gerade?“, „Und was noch?“, „Was ist die wirkliche Herausforderung für dich?“ Das sind die drei wirksamen Fragen. Du kannst sie ruhig erst einmal mit einem Freund, einer Freundin oder Kollegen testen und einfach üben.

Kommen wir zu den acht Wegen, richtig Fragen zu stellen. Denn die Fragen zu kennen ist das eine – sie richtig zu stellen, das andere.

Punkt eins: Eine Frage zur Zeit stellen. Niemand mag es, mit Fragen bombardiert zu werden. Stell eine Frage nach der anderen und lass wirklich Raum zum Nachdenken. Gib deinem Gegenüber die Möglichkeit, die Frage wirken zu lassen. Erst wenn du merkst, dass die Antwort in die falsche Richtung geht, gehst du zur nächsten Frage über. Nicht unterbrechen, lass dir Zeit, sei nicht überhastet. Das ist Übungssache. Mit der Zeit ist es fast eine Kunst, die richtigen Fragen zur richtigen Zeit parat zu haben. Das ist letzten Endes dein eigener Lernzyklus: Du findest heraus, welche Fragen in welchen Momenten besser funktionieren und welche weniger gut.

Punkt zwei: Überspring das Intro und stell die Frage. Eine Frage wie „Was beschäftigt dich gerade?“ kannst du relativ am Anfang einer Unterhaltung stellen – du brauchst keinen ewig langen Smalltalk. Das sind Einstiegsfragen, die zu Beginn einer Unterhaltung Spannung erzeugen. Auch in der Folge über Meetings habe ich das schon erwähnt: Wenn ihr im Meeting in der Check-in-Runde seid, kannst du die Frage in die Runde werfen – „Was beschäftigt euch gerade?“ – und jeder gibt seine Antwort. Das kann ein starker Auftakt für ein Meeting sein.

Punkt drei: Keine rhetorischen Fragen stellen. Das sage ich dir ganz klar: Rhetorische Fragen sind in diesem Kontext keine Fragen. Rhetorische Fragen sind Ratschläge mit einem Fragezeichen. Mit einer rhetorischen Frage gibst du die Antwort vor. Wenn du als Führungskraft in diesem Prozess unterwegs bist, solltest du auf rhetorische Fragen verzichten.

Punkt vier: Stell Fragen, die mit „Was“ beginnen. Das gilt für die drei genannten Fragen: „Was beschäftigt dich gerade?“, „Und was noch?“, „Was ist die wirkliche Herausforderung für dich?“ – alles „Was“-Fragen. Der Hintergrund: „Warum“-Fragen triggern eine defensive, verteidigende Haltung, weil du damit die Gedanken, Ideen oder Handlungen deines Gegenübers infrage stellst. Deshalb solltest du „Warum“-Fragen vermeiden – genauso wie „Wie“-Fragen am Anfang. Eine „Wie“-Frage – „Wie willst du das machen?“ – legt den Fokus auf die Handlung statt auf das Problem: „Wie machen wir das jetzt, wie setzen wir das um?“ Wenn du solche Fragen am Anfang stellst, begrenzt du dich selbst in der Möglichkeit, die Herausforderung offenzulegen. „Wie“-Fragen folgen erst auf die drei genannten Fragen.

Punkt fünf – einer der wichtigsten Punkte: Lerne, die Stille auszuhalten. Du wirst merken, dass die zweite Frage für dein Gegenüber teilweise gar nicht so leicht ist, weil das keine Alltagsfragen sind. Solche Fragen werden nicht jeden Tag gestellt und erfordern Energie und Kraft, um sie zu beantworten. Menschen reagieren unterschiedlich: Manche wiederholen sofort deine Frage, um die Stille zu füllen und sich selbst Zeit zum Nachdenken zu geben. Andere sind einfach still und denken nach. Du wirst das Gefühl haben, diese Stille füllen zu müssen – das geht jedem so. Aber genau jetzt geht es darum, das zu lernen und zu trainieren: die Stille auszuhalten, auch wenn sie zehn bis zwanzig Sekunden andauert. Das fühlt sich sehr komisch an, das garantiere ich dir aus eigener Erfahrung. Aber erstens: Stell die Frage. Zweitens: Sei ruhig, lehn dich zurück und warte ab. Dein Gegenüber wird die Stille in jedem Fall füllen. Häufig passiert das Gegenteil: Du bekommst das Gefühl, die Stille füllen zu müssen, und wirfst eine zweite Frage hinterher – und das fördert die Unterhaltung nicht wirklich, weil dein Gegenüber den Raum zum Nachdenken braucht.

Punkt sechs – auch ein ganz wichtiger Punkt: Höre auf die Antwort. Das klingt banal. Stephen Covey hat es in seinem Buch Die 7 Wege zur Effektivität schön gesagt: Die meisten Menschen hören nicht zu, um zu verstehen – sie hören zu, um zu antworten. Sein Schlüssel zwischenmenschlicher Kommunikation lautet: erst verstehen, dann verstanden werden. Das ist nicht leicht, es ist leichter gesagt als getan, weil man automatisch in den Modus geht und darüber nachdenkt, was man als Nächstes sagen kann – auch weil man die Stille vermeiden möchte. Auch das kannst du lernen und üben. Sei anwesend, gib deinem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit. Je öfter du das machst, desto mehr Sicherheit hast du, dass dir eine nächste Frage einfällt. Bleib so lange wie möglich neugierig, geh durch neue Fragen tiefer in das, was gesagt wurde, statt sofort eine Antwort zu geben.

Punkt sieben: Bestätige die Antwort, die du bekommst. Das gehört zum aktiven Zuhören – streu immer wieder eine kurze Rückmeldung ein, damit dein Gegenüber das Gefühl hat, gehört zu werden. Es gibt viele verschiedene Techniken, aber tatsächlich brauchst du keine große Technik. Wer wirklich ernsthaft interessiert und neugierig ist, macht das automatisch – man gibt dem Gegenüber das Gefühl, gehört zu werden und dass man bei der Sache ist. Es hat etwas Empathisches. Ich verweise hier gern noch einmal auf die letzte Folge zu den drei zentralen Führungsqualitäten – da gibt es spannende Verknüpfungspunkte zu dieser Episode.

Punkt acht – ganz wichtig: Nutze alle Kanäle, um Fragen zu stellen. Du musst nicht im Vier-Augen-Gespräch sitzen, um diese Dinge – die Fragen selbst, aber auch die Wege, sie zu stellen – zu nutzen. Das funktioniert über jeden Kanal: E-Mail, Messenger, Telefon. Nutze jeden Kanal, um gute Fragen zu stellen, auf den Kern zu kommen, neugierig zu bleiben und Fragen als dein Führungswerkzeug einzusetzen.

Das waren die Punkte – ich hoffe, du konntest einiges mitnehmen. Das Wichtigste ist, dass du wirklich in die Praxis und ins Üben gehst. Beim Thema Fragenstellen sind das hier nur drei Beispielfragen. Es gibt ganze Bücher, die sich damit beschäftigen, welche Fragen man wann und in welchem Szenario stellen kann. Du wirst merken: Dieses Werkzeug, Fragen zu stellen, ist unglaublich mächtig. Zu lernen, wann, wie und wo du welche Fragen stellst, um auf den Kern zu kommen und dein Gegenüber zu unterstützen, ist ein eigener Lernprozess.

Am Ende einer Unterhaltung kannst du auch fragen: „Was war dein großes Learning aus diesem Gespräch?“ oder „Was nimmst du mit, was willst du in Zukunft ändern?“ Damit festigst du das Gelernte. Wichtig ist, dir nach und nach dein eigenes Set an Fragen aufzubauen, die du im Alltag nutzen kannst. Und reflektiere ehrlich: Nutzt du Fragen schon als Werkzeug? Wenn nicht, verschenkst du Potenzial – also fang an zu üben.

Und ich habe es zweimal erwähnt: Lies unbedingt Wie man Freunde gewinnt. Es ist zum Thema Kommunikation ein Basiswerk. Lass dich nicht vom Titel irritieren – Dale Carnegie ist Pflichtlektüre für jede Person. Danach hast du ein viel besseres Verständnis dafür, warum Fragen funktionieren und warum du sie nutzen solltest.

Noch einmal ganz kurz: Die drei wirksamen Fragen waren – erstens „Was beschäftigt dich gerade?“, zweitens „Und was noch?“, drittens „Was ist die wirkliche Herausforderung für dich?“ Und die acht Wege, richtig zu fragen, waren: erstens eine Frage zur Zeit stellen, zweitens das Intro überspringen und die Frage stellen, drittens keine rhetorischen Fragen stellen, viertens Fragen stellen, die mit „Was“ beginnen, fünftens die Stille aushalten, sechstens auf die Antwort hören, siebtens die Antwort bestätigen, achtens alle Kanäle nutzen, um Fragen zu stellen.

Ich hoffe, du konntest für dich einiges mitnehmen. Geh direkt in die Umsetzung.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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