Führungskraft werden: der größte Denkfehler angehender Führungskräfte

„Ich würde gern führen – aber erst muss ich fachlich fit sein und mehr Erfahrung sammeln.“ Diesen Satz höre ich ständig von ambitionierten Ingenieuren. Er klingt vernünftig. Und genau deshalb ist er so gefährlich: Er ist der größte Denkfehler auf dem Weg zur ersten Führungsrolle.

In dieser Folge zerlege ich die zwei Bausteine dieses Denkfehlers – und zeige dir zwei praktische Wege, wie du sofort ins Handeln kommst, statt jahrelang auf den richtigen Moment zu warten.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Eine gute Fachkraft ist nicht automatisch eine gute Führungskraft. Es sind zwei Paar Schuhe – fachliche Exzellenz und Führung haben wenig miteinander zu tun.
  • Das Peter-Prinzip: Wer nur wegen guter Fachleistung befördert wird, landet irgendwann in der Rolle, in der er nicht mehr gut ist – und bleibt dort stecken.
  • „Erfahrung sammeln“ ist eine vage Ausrede. Ein Arzt mit 20 Jahren Erfahrung ist nicht automatisch besser als einer mit 5 – es zählt relevante Erfahrung, nicht Berufsjahre.
  • Der wahre Grund fürs Zögern ist Sicherheitsdenken: Angst vor Veränderung, vor dem Verlassen der Komfortzone, vor Fehlern und dem Verlust von Anerkennung.
  • Der beste Weg, eine gute Führungskraft zu werden, ist, Führungskraft zu sein. Für die erste Rolle brauchst du weniger Vorbereitung, als du denkst – aber Lernbereitschaft und den Mut, ins kalte Wasser zu springen.
  • Führung ist eine Aufgabe, keine Position. Du kannst sie ohne Titel simulieren – ab heute.

Führungskraft werden: die Kernidee

Denkfehler 1: „Ich muss erst fachlich fit sein“

Dahinter steckt der Glaube, man müsse in der aktuellen fachlichen Rolle herausragend sein, um führen zu dürfen. Hier hilft das Peter-Prinzip: In größeren Unternehmen wird befördert, wer in seiner aktuellen Rolle gute Leistung bringt – und nicht weiter befördert, wer es nicht tut. Die Folge: Man landet genau in der Stufe der eigenen Unfähigkeit und bleibt dort stecken. Der entscheidende Punkt: Eine gute Fachkraft ist in keiner Weise automatisch eine gute Führungskraft. Das sind zwei verschiedene Welten. Ich habe das beim früheren Arbeitgeber erlebt: Die beste Fachkraft im Team wurde zum Teamleiter gemacht – und plötzlich kippte die Stimmung, eine Abwärtsspirale begann. Gleich doppelt schädlich: Dem Team fehlte die Fachkraft, und die Führungsaufgaben wurden schlecht erfüllt. Und solche Entscheidungen lassen sich kaum zurückdrehen (niemand degradiert gern, Ego kommt ins Spiel).

Denkfehler 2: „Ich muss erst Erfahrung sammeln“

„Erfahrung sammeln“ ist ein Kandidat fürs Unwort des Jahrzehnts – unfassbar unspezifisch und eine hervorragende Ausrede, die einen davor schützt, ins kalte Wasser zu springen. Frag dich konkret, was „Erfahrung sammeln“ eigentlich heißen soll – du wirst merken, dass es sich kaum benennen lässt. Ein Arzt mit 20 Jahren Erfahrung ist nicht automatisch besser als einer mit 5: Mit Erfahrung kommt nicht automatisch bessere Leistung. Nur weil du in deiner jetzigen Rolle Erfahrung sammelst, wirst du noch lange keine gute Führungskraft – dafür braucht es relevante Erfahrung.

Der wahre Grund: die Suche nach Sicherheit

Beide Sätze sind im Kern dasselbe: Sicherheitsdenken. Die eigentlichen Ursachen sind Angst vor Veränderung, der Respekt davor, die Komfortzone zu verlassen, die Scheu vor neuen Herausforderungen – und die Sorge, Fehler zu machen und die heutige Anerkennung zu verlieren. Wir Menschen sind extrem gut darin, uns plausibel zu begründen, warum etwas (noch) nicht geht. „Erst fachlich fit“, „erst Erfahrung“ – das sind die vorgeschobenen Gründe.

Praxis-Weg 1: Der beste Weg, Führungskraft zu werden, ist, Führungskraft zu sein

Es gibt nichts Besseres, als die Rolle wirklich auszuüben – nur so sammelst du relevante Erfahrung. Für die erste Führungsrolle brauchst du weniger, als du glaubst: Bereitschaft zur Veränderung, keine Angst vor Fehlern und Rückschlägen, und den eisernen Willen, zu lernen und neugierig zu bleiben. Ich bin selbst ohne jede Führungserfahrung in die Rolle eingestiegen – und das war ein riesiger Vorteil. Denn wer als Fachkraft in eine Führungsrolle wechselt, wird seine fachlichen Aufgaben oft nicht los und rutscht ins Mikromanagement. Wenn sich also die Chance ergibt: Spring ins kalte Wasser – eine steilere Lernkurve gibt es nicht. Was es vorher braucht, ist dein Commitment: Viele sagen „Führung reizt mich, aber …“. Streich das „aber“, entscheide dich – und stell dann die zweite, konkrete Frage: Was kann ich jetzt schon tun, um darauf hinzuarbeiten?

Praxis-Weg 2: Simuliere die Rolle – Führung ist eine Aufgabe, keine Position

Du brauchst keinen Titel, um zu führen. Es gibt genug Führungskräfte mit Titel, die ihre Aufgabe schlecht erfüllen. Die entscheidende Frage lautet: Was kannst du heute schon tun, um eine Führungsrolle zu simulieren und deine Führungskompetenzen zu trainieren? Übernimm mehr Verantwortung in deiner jetzigen Rolle, sprich deinen Vorgesetzten an und biete an, stärker zu unterstützen, übernimm einzelne Führungsaufgaben, bereite proaktiv Dinge vor, leite Meetings, denk ganzheitlich (Big Picture), triff eigene Entscheidungen und mach Vorschläge – statt nur abzuarbeiten, was vorgelegt wird. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Der erste Schritt zur Führung ist meist auch ein Schritt aus der Komfortzone – warum das der schnellste Wachstumsweg ist, vertieft Komfortzone verlassen. Wie du die Rolle dann auch formal bekommst, zeigt Beförderung bekommen. Und was eine wirklich gute Führungskraft ausmacht, sobald du in der Rolle bist, hörst du in Was macht eine gute Führungskraft aus?.

Häufige Fragen zum Thema Führungskraft werden

Muss ich erst fachlich exzellent sein, um Führungskraft zu werden? Nein. Fachliche Exzellenz und Führungskompetenz sind zwei verschiedene Dinge – eine gute Fachkraft ist nicht automatisch eine gute Führungskraft. Das Peter-Prinzip zeigt sogar die Kehrseite: Wer nur wegen Fachleistung befördert wird, landet irgendwann in einer Rolle, der er nicht gewachsen ist. Für die erste Führungsrolle zählt deine Lern- und Veränderungsbereitschaft mehr als fachliche Tiefe.

Brauche ich erst jahrelange Erfahrung? Nicht im Sinne von „Berufsjahren“. „Erfahrung sammeln“ ist meist eine vage Ausrede – mit Jahren kommt nicht automatisch bessere Leistung. Was zählt, ist relevante Führungserfahrung, und die sammelst du am schnellsten, indem du Führungsaufgaben tatsächlich übernimmst.

Wie werde ich Führungskraft, wenn mir niemand die Rolle gibt? Indem du Führung simulierst, denn Führung ist eine Aufgabe, keine Position. Übernimm proaktiv Verantwortung, leite Meetings, denk im Big Picture, mach Entscheidungsvorschläge – und signalisiere deinem Vorgesetzten klar dein Commitment. So baust du Kompetenz auf und wirst sichtbar für die nächste Rolle.

Was hält die meisten wirklich zurück? Sicherheitsdenken: Angst vor Veränderung, vor dem Verlassen der Komfortzone, vor Fehlern und dem Verlust von Anerkennung. „Erst fachlich fit“ und „erst Erfahrung sammeln“ sind nur die vorgeschobenen Begründungen für diese Angst.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Das Peter-Prinzip (Laurence J. Peter): Warum Menschen bis zur Stufe ihrer Unfähigkeit befördert werden – und warum Fachleistung kein Beleg für Führungseignung ist.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Führung und Karriere.

Transkript

Herzlich willkommen zur Episode 29: Der größte Denkfehler angehender Führungskräfte. Wenn du Führungskraft werden möchtest – egal in welchem zeitlichen Horizont –, ist das hier spannend für dich. Und selbst wenn du schon Führungskraft bist, bleib dran, einige Punkte betreffen auch dich. Es geht um zwei typische Denkfehler, die eigentlich einer sind, der sich aus zwei Komponenten zusammensetzt. Am Ende zeige ich dir zwei praktische Wege, die dir helfen, diese Denkfehler zu vermeiden und ins Handeln zu kommen.

Der erste Denkfehler ist der Satz, den ich immer wieder höre: „Ich muss erst fachlich fit sein, um den nächsten Schritt zu gehen und Führungskraft zu werden.“ Dazu fällt mir sofort das Peter-Prinzip ein – ein bekanntes Konzept, das man vor allem in größeren Unternehmen und Konzernen beobachtet. Es besagt: Man wird in der Regel befördert, wenn man in seiner aktuellen Rolle gute Leistung bringt, und nicht mehr befördert, wenn man keine gute Leistung mehr bringt. Die Folge: Man endet in der Stufe der eigenen Unfähigkeit und bleibt dort stecken. Dahinter steckt der Glaube, man müsse in seiner jetzigen, fachlichen Rolle sehr gut sein, um Führungskraft zu werden. Aber eines ist ganz klar: Eine gute Fachkraft ist in keiner Weise automatisch eine gute Führungskraft. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

Aus eigener Erfahrung: Bei meinem damaligen Arbeitgeber wurde eine der besten Fachkräfte im Team zum Teamleiter auserkoren. Plötzlich wunderten sich alle, warum das Team auseinanderfiel und die Stimmung schlechter wurde – eine Abwärtsspirale. Aus zwei Gründen: Erstens fehlte die Fachkraft im Team, weil sie nun Führungsaufgaben hatte. Zweitens wurden diese Führungsaufgaben schlecht bewältigt. Dazu kommen menschliche Dinge wie Ego und Bedürfnisse, die dafür sorgen, dass man so eine Entscheidung kaum zurückdrehen kann – man kann eine Führungskraft schlecht wieder degradieren. In solche Situationen will man gar nicht erst kommen. Der Glaube „Ich muss erst fachlich fit sein“ ist also ein klarer Denkfehler, weil fachliche Fitness und Führungskompetenz zwei Paar Schuhe sind.

Wenn ich mit angehenden Führungskräften darüber spreche, höre ich oft: „Ja, ich würde gern – aber erst in drei bis fünf Jahren, erst muss ich fachlich fit sein, erst muss ich mir einen Überblick verschaffen.“ Die Hauptursache für solche Aussagen ist meistens menschlich: eine Art Angst. Angst vor Veränderung, der Respekt davor, die Komfortzone zu verlassen, der Respekt vor neuen Herausforderungen, vor einem Gebiet, das man noch gar nicht kennt – und die Angst, Fehler zu machen und dadurch die Anerkennung und Akzeptanz zu verlieren, die man in der jetzigen guten Rolle hat. Wir Menschen sind sehr gut darin, uns selbst zu begründen, warum etwas nicht funktioniert – da fallen uns tausend Gründe ein. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es klappt. Man muss sich in die Tätigkeiten hineinarbeiten, und der wichtigste Faktor ist sowieso: lernen, lernen, lernen. Der wichtigste innere Zustand, den du erarbeiten solltest, ist, dass du keine Sorge hast, Fehler zu machen oder Anerkennung zu verlieren – dass du den Fokus aufs Lernen legst, die Komfortzone bewusst verlässt, neue Herausforderungen suchst und so lernst, Veränderung zu lieben.

Der zweite Punkt geht damit einher und ist fast noch vieldeutiger: „Ich muss erst Erfahrung sammeln.“ Für mich rückt das langsam in die Kategorie Unwort des Jahrzehnts. „Erfahrung sammeln“ ist unfassbar unspezifisch und eine hervorragende Ausrede, die einen davor schützt, ins kalte Wasser zu springen. Wenn du dich fragst, was „Erfahrung sammeln“ für dich konkret heißt, wirst du merken, dass es sich kaum benennen lässt. Ein Beispiel: Ein Arzt mit 20 Jahren Erfahrung ist nicht automatisch besser als einer mit 5 Jahren – mit Erfahrung kommt nicht automatisch bessere Leistung. Nur weil ich in meiner jetzigen Rolle Erfahrung sammle, heißt das noch lange nicht, dass ich eine gute Führungskraft werde.

Jetzt zu den zwei praktischen Tipps. Mein erster ist ganz klar: Der beste Weg, um Führungserfahrung zu sammeln und eine gute Führungskraft zu werden, ist, Führungskraft zu sein. Es gibt nichts Besseres, als die Rolle wirklich auszuüben – denn nur dann sammelst du relevante Erfahrung. Erfahrung ist ein breiter Begriff: Wenn ich Erfahrung darin sammle, Programmcode zu schreiben, hat das nichts mit Führung zu tun. Du brauchst weniger Erfahrung, als du glaubst – was du brauchst, ist die Bereitschaft zur Veränderung, keine Angst vor Fehlern und Rückschlägen und den eisernen Willen zu lernen und neugierig zu bleiben. Ich kenne unglaublich viele junge Führungskräfte, die sehr früh und ohne jede Erfahrung in die Rolle eingestiegen sind. Auch ich habe beim Einstieg als Führungskraft überhaupt keine Erfahrung mitgebracht – und das war ein riesiger Vorteil. Denn es ist eher ein Nachteil, wenn du als Fachkraft in eine Führungsrolle wechselst: Du wirst deine fachlichen Aufgaben nicht mehr los und kannst deinen Führungsaufgaben dadurch nicht gerecht werden. Du verfällst leicht ins Mikromanagement, weil die Leute dich weiter als Fachkraft um Rat fragen. In der Führung geht es um andere Kompetenzen – das merkst du aber erst, wenn du wirklich Führungskraft bist.

Vielleicht denkst du: „Klar, klingt logisch, aber ich kann mir nicht einfach aussuchen, Führungskraft zu werden.“ Vollkommen richtig. Worauf ich hinaus will, ist dein eigenes Commitment – daran mangelt es oft. Wenn ich mit Leuten spreche, kommt häufig: „Führung reizt mich, ich würde gern mehr Verantwortung übernehmen – aber ich habe noch nicht genug Erfahrung, ich muss erst fachlich fit werden.“ Sich davon zu befreien, ist der erste Schritt. Wenn du sagst, du willst Führungskraft werden, dann committe dich darauf, es in Angriff zu nehmen – und stell dann die konkrete zweite Frage: Was kann ich jetzt schon tun, um darauf hinzuarbeiten?

Damit zum zweiten Weg: Wenn der beste Weg ist, Führungskraft zu sein, dann ist der zweitbeste, es zu simulieren. Du brauchst keinen Titel als Führungskraft, um Führung zu übernehmen – Führung ist eine Aufgabe, keine Position. Es gibt genug Führungskräfte mit Titel, die ihre Rolle schlecht ausfüllen. Die wichtigste Frage für dich lautet also: Was kannst du heute bereits tun, um eine Führungsrolle zu simulieren und deine Führungskompetenzen zu verbessern? Das können kleine Dinge sein: Überlege, wie du in deiner jetzigen Rolle mehr Verantwortung übernehmen kannst. Geh zu deinem Vorgesetzten und biete an, stärker zu unterstützen und teilweise Führungsaufgaben zu übernehmen. Bereite proaktiv Dinge vor, mach Vorschläge, leite Meetings, denk quer und eigenständig, hab den Mut, deine Ideen zu äußern. Eine zentrale Führungskompetenz ist es, ganzheitlich zu denken, das Big Picture zu sehen, eigene Entscheidungen zu treffen und Vorschläge zu machen – statt nur das Vorgelegte abzuarbeiten. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Zusammengefasst: Der größte Denkfehler angehender Führungskräfte hängt mit der Suche nach Sicherheit zusammen – mit der Angst vor Veränderung, vor dem Verlassen der Komfortzone, vor neuen Herausforderungen und vor Fehlern, durch die man Anerkennung verlieren könnte. Vorgeschoben wird das in den Sätzen „Ich muss erst fachlich fit sein“ und „Ich muss erst Erfahrung sammeln“. Wichtig: Mit Erfahrung kommt nicht automatisch bessere Leistung – du brauchst relevante Erfahrung. Der beste Weg, eine gute Führungskraft zu werden, ist, Führungskraft zu sein: Wenn sich die Chance ergibt, spring ins kalte Wasser – eine steilere Lernkurve gibt es nicht. Im Mittelstand ist das gang und gäbe, im Konzern wirkt der Gedanke ungewohnter. Und der zweitbeste Weg ist, die Rolle zu simulieren: Führung ist eine Aufgabe, keine Position – in deiner jetzigen Rolle kannst du schon unglaublich viel übernehmen und so relevante Erfahrung sammeln. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Führungskraft werden: der größte Denkfehler angehender Führungskräfte

„Ich würde gern führen – aber erst muss ich fachlich fit sein und mehr Erfahrung sammeln.“ Diesen Satz höre ich ständig von ambitionierten Ingenieuren. Er klingt vernünftig. Und genau deshalb ist er so gefährlich: Er ist der größte Denkfehler auf dem Weg zur ersten Führungsrolle.

In dieser Folge zerlege ich die zwei Bausteine dieses Denkfehlers – und zeige dir zwei praktische Wege, wie du sofort ins Handeln kommst, statt jahrelang auf den richtigen Moment zu warten.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Eine gute Fachkraft ist nicht automatisch eine gute Führungskraft. Es sind zwei Paar Schuhe – fachliche Exzellenz und Führung haben wenig miteinander zu tun.
  • Das Peter-Prinzip: Wer nur wegen guter Fachleistung befördert wird, landet irgendwann in der Rolle, in der er nicht mehr gut ist – und bleibt dort stecken.
  • „Erfahrung sammeln“ ist eine vage Ausrede. Ein Arzt mit 20 Jahren Erfahrung ist nicht automatisch besser als einer mit 5 – es zählt relevante Erfahrung, nicht Berufsjahre.
  • Der wahre Grund fürs Zögern ist Sicherheitsdenken: Angst vor Veränderung, vor dem Verlassen der Komfortzone, vor Fehlern und dem Verlust von Anerkennung.
  • Der beste Weg, eine gute Führungskraft zu werden, ist, Führungskraft zu sein. Für die erste Rolle brauchst du weniger Vorbereitung, als du denkst – aber Lernbereitschaft und den Mut, ins kalte Wasser zu springen.
  • Führung ist eine Aufgabe, keine Position. Du kannst sie ohne Titel simulieren – ab heute.

Führungskraft werden: die Kernidee

Denkfehler 1: „Ich muss erst fachlich fit sein“

Dahinter steckt der Glaube, man müsse in der aktuellen fachlichen Rolle herausragend sein, um führen zu dürfen. Hier hilft das Peter-Prinzip: In größeren Unternehmen wird befördert, wer in seiner aktuellen Rolle gute Leistung bringt – und nicht weiter befördert, wer es nicht tut. Die Folge: Man landet genau in der Stufe der eigenen Unfähigkeit und bleibt dort stecken. Der entscheidende Punkt: Eine gute Fachkraft ist in keiner Weise automatisch eine gute Führungskraft. Das sind zwei verschiedene Welten. Ich habe das beim früheren Arbeitgeber erlebt: Die beste Fachkraft im Team wurde zum Teamleiter gemacht – und plötzlich kippte die Stimmung, eine Abwärtsspirale begann. Gleich doppelt schädlich: Dem Team fehlte die Fachkraft, und die Führungsaufgaben wurden schlecht erfüllt. Und solche Entscheidungen lassen sich kaum zurückdrehen (niemand degradiert gern, Ego kommt ins Spiel).

Denkfehler 2: „Ich muss erst Erfahrung sammeln“

„Erfahrung sammeln“ ist ein Kandidat fürs Unwort des Jahrzehnts – unfassbar unspezifisch und eine hervorragende Ausrede, die einen davor schützt, ins kalte Wasser zu springen. Frag dich konkret, was „Erfahrung sammeln“ eigentlich heißen soll – du wirst merken, dass es sich kaum benennen lässt. Ein Arzt mit 20 Jahren Erfahrung ist nicht automatisch besser als einer mit 5: Mit Erfahrung kommt nicht automatisch bessere Leistung. Nur weil du in deiner jetzigen Rolle Erfahrung sammelst, wirst du noch lange keine gute Führungskraft – dafür braucht es relevante Erfahrung.

Der wahre Grund: die Suche nach Sicherheit

Beide Sätze sind im Kern dasselbe: Sicherheitsdenken. Die eigentlichen Ursachen sind Angst vor Veränderung, der Respekt davor, die Komfortzone zu verlassen, die Scheu vor neuen Herausforderungen – und die Sorge, Fehler zu machen und die heutige Anerkennung zu verlieren. Wir Menschen sind extrem gut darin, uns plausibel zu begründen, warum etwas (noch) nicht geht. „Erst fachlich fit“, „erst Erfahrung“ – das sind die vorgeschobenen Gründe.

Praxis-Weg 1: Der beste Weg, Führungskraft zu werden, ist, Führungskraft zu sein

Es gibt nichts Besseres, als die Rolle wirklich auszuüben – nur so sammelst du relevante Erfahrung. Für die erste Führungsrolle brauchst du weniger, als du glaubst: Bereitschaft zur Veränderung, keine Angst vor Fehlern und Rückschlägen, und den eisernen Willen, zu lernen und neugierig zu bleiben. Ich bin selbst ohne jede Führungserfahrung in die Rolle eingestiegen – und das war ein riesiger Vorteil. Denn wer als Fachkraft in eine Führungsrolle wechselt, wird seine fachlichen Aufgaben oft nicht los und rutscht ins Mikromanagement. Wenn sich also die Chance ergibt: Spring ins kalte Wasser – eine steilere Lernkurve gibt es nicht. Was es vorher braucht, ist dein Commitment: Viele sagen „Führung reizt mich, aber …“. Streich das „aber“, entscheide dich – und stell dann die zweite, konkrete Frage: Was kann ich jetzt schon tun, um darauf hinzuarbeiten?

Praxis-Weg 2: Simuliere die Rolle – Führung ist eine Aufgabe, keine Position

Du brauchst keinen Titel, um zu führen. Es gibt genug Führungskräfte mit Titel, die ihre Aufgabe schlecht erfüllen. Die entscheidende Frage lautet: Was kannst du heute schon tun, um eine Führungsrolle zu simulieren und deine Führungskompetenzen zu trainieren? Übernimm mehr Verantwortung in deiner jetzigen Rolle, sprich deinen Vorgesetzten an und biete an, stärker zu unterstützen, übernimm einzelne Führungsaufgaben, bereite proaktiv Dinge vor, leite Meetings, denk ganzheitlich (Big Picture), triff eigene Entscheidungen und mach Vorschläge – statt nur abzuarbeiten, was vorgelegt wird. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Der erste Schritt zur Führung ist meist auch ein Schritt aus der Komfortzone – warum das der schnellste Wachstumsweg ist, vertieft Komfortzone verlassen. Wie du die Rolle dann auch formal bekommst, zeigt Beförderung bekommen. Und was eine wirklich gute Führungskraft ausmacht, sobald du in der Rolle bist, hörst du in Was macht eine gute Führungskraft aus?.

Häufige Fragen zum Thema Führungskraft werden

Muss ich erst fachlich exzellent sein, um Führungskraft zu werden? Nein. Fachliche Exzellenz und Führungskompetenz sind zwei verschiedene Dinge – eine gute Fachkraft ist nicht automatisch eine gute Führungskraft. Das Peter-Prinzip zeigt sogar die Kehrseite: Wer nur wegen Fachleistung befördert wird, landet irgendwann in einer Rolle, der er nicht gewachsen ist. Für die erste Führungsrolle zählt deine Lern- und Veränderungsbereitschaft mehr als fachliche Tiefe.

Brauche ich erst jahrelange Erfahrung? Nicht im Sinne von „Berufsjahren“. „Erfahrung sammeln“ ist meist eine vage Ausrede – mit Jahren kommt nicht automatisch bessere Leistung. Was zählt, ist relevante Führungserfahrung, und die sammelst du am schnellsten, indem du Führungsaufgaben tatsächlich übernimmst.

Wie werde ich Führungskraft, wenn mir niemand die Rolle gibt? Indem du Führung simulierst, denn Führung ist eine Aufgabe, keine Position. Übernimm proaktiv Verantwortung, leite Meetings, denk im Big Picture, mach Entscheidungsvorschläge – und signalisiere deinem Vorgesetzten klar dein Commitment. So baust du Kompetenz auf und wirst sichtbar für die nächste Rolle.

Was hält die meisten wirklich zurück? Sicherheitsdenken: Angst vor Veränderung, vor dem Verlassen der Komfortzone, vor Fehlern und dem Verlust von Anerkennung. „Erst fachlich fit“ und „erst Erfahrung sammeln“ sind nur die vorgeschobenen Begründungen für diese Angst.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Das Peter-Prinzip (Laurence J. Peter): Warum Menschen bis zur Stufe ihrer Unfähigkeit befördert werden – und warum Fachleistung kein Beleg für Führungseignung ist.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Führung und Karriere.

Transkript

Herzlich willkommen zur Episode 29: Der größte Denkfehler angehender Führungskräfte. Wenn du Führungskraft werden möchtest – egal in welchem zeitlichen Horizont –, ist das hier spannend für dich. Und selbst wenn du schon Führungskraft bist, bleib dran, einige Punkte betreffen auch dich. Es geht um zwei typische Denkfehler, die eigentlich einer sind, der sich aus zwei Komponenten zusammensetzt. Am Ende zeige ich dir zwei praktische Wege, die dir helfen, diese Denkfehler zu vermeiden und ins Handeln zu kommen.

Der erste Denkfehler ist der Satz, den ich immer wieder höre: „Ich muss erst fachlich fit sein, um den nächsten Schritt zu gehen und Führungskraft zu werden.“ Dazu fällt mir sofort das Peter-Prinzip ein – ein bekanntes Konzept, das man vor allem in größeren Unternehmen und Konzernen beobachtet. Es besagt: Man wird in der Regel befördert, wenn man in seiner aktuellen Rolle gute Leistung bringt, und nicht mehr befördert, wenn man keine gute Leistung mehr bringt. Die Folge: Man endet in der Stufe der eigenen Unfähigkeit und bleibt dort stecken. Dahinter steckt der Glaube, man müsse in seiner jetzigen, fachlichen Rolle sehr gut sein, um Führungskraft zu werden. Aber eines ist ganz klar: Eine gute Fachkraft ist in keiner Weise automatisch eine gute Führungskraft. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

Aus eigener Erfahrung: Bei meinem damaligen Arbeitgeber wurde eine der besten Fachkräfte im Team zum Teamleiter auserkoren. Plötzlich wunderten sich alle, warum das Team auseinanderfiel und die Stimmung schlechter wurde – eine Abwärtsspirale. Aus zwei Gründen: Erstens fehlte die Fachkraft im Team, weil sie nun Führungsaufgaben hatte. Zweitens wurden diese Führungsaufgaben schlecht bewältigt. Dazu kommen menschliche Dinge wie Ego und Bedürfnisse, die dafür sorgen, dass man so eine Entscheidung kaum zurückdrehen kann – man kann eine Führungskraft schlecht wieder degradieren. In solche Situationen will man gar nicht erst kommen. Der Glaube „Ich muss erst fachlich fit sein“ ist also ein klarer Denkfehler, weil fachliche Fitness und Führungskompetenz zwei Paar Schuhe sind.

Wenn ich mit angehenden Führungskräften darüber spreche, höre ich oft: „Ja, ich würde gern – aber erst in drei bis fünf Jahren, erst muss ich fachlich fit sein, erst muss ich mir einen Überblick verschaffen.“ Die Hauptursache für solche Aussagen ist meistens menschlich: eine Art Angst. Angst vor Veränderung, der Respekt davor, die Komfortzone zu verlassen, der Respekt vor neuen Herausforderungen, vor einem Gebiet, das man noch gar nicht kennt – und die Angst, Fehler zu machen und dadurch die Anerkennung und Akzeptanz zu verlieren, die man in der jetzigen guten Rolle hat. Wir Menschen sind sehr gut darin, uns selbst zu begründen, warum etwas nicht funktioniert – da fallen uns tausend Gründe ein. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es klappt. Man muss sich in die Tätigkeiten hineinarbeiten, und der wichtigste Faktor ist sowieso: lernen, lernen, lernen. Der wichtigste innere Zustand, den du erarbeiten solltest, ist, dass du keine Sorge hast, Fehler zu machen oder Anerkennung zu verlieren – dass du den Fokus aufs Lernen legst, die Komfortzone bewusst verlässt, neue Herausforderungen suchst und so lernst, Veränderung zu lieben.

Der zweite Punkt geht damit einher und ist fast noch vieldeutiger: „Ich muss erst Erfahrung sammeln.“ Für mich rückt das langsam in die Kategorie Unwort des Jahrzehnts. „Erfahrung sammeln“ ist unfassbar unspezifisch und eine hervorragende Ausrede, die einen davor schützt, ins kalte Wasser zu springen. Wenn du dich fragst, was „Erfahrung sammeln“ für dich konkret heißt, wirst du merken, dass es sich kaum benennen lässt. Ein Beispiel: Ein Arzt mit 20 Jahren Erfahrung ist nicht automatisch besser als einer mit 5 Jahren – mit Erfahrung kommt nicht automatisch bessere Leistung. Nur weil ich in meiner jetzigen Rolle Erfahrung sammle, heißt das noch lange nicht, dass ich eine gute Führungskraft werde.

Jetzt zu den zwei praktischen Tipps. Mein erster ist ganz klar: Der beste Weg, um Führungserfahrung zu sammeln und eine gute Führungskraft zu werden, ist, Führungskraft zu sein. Es gibt nichts Besseres, als die Rolle wirklich auszuüben – denn nur dann sammelst du relevante Erfahrung. Erfahrung ist ein breiter Begriff: Wenn ich Erfahrung darin sammle, Programmcode zu schreiben, hat das nichts mit Führung zu tun. Du brauchst weniger Erfahrung, als du glaubst – was du brauchst, ist die Bereitschaft zur Veränderung, keine Angst vor Fehlern und Rückschlägen und den eisernen Willen zu lernen und neugierig zu bleiben. Ich kenne unglaublich viele junge Führungskräfte, die sehr früh und ohne jede Erfahrung in die Rolle eingestiegen sind. Auch ich habe beim Einstieg als Führungskraft überhaupt keine Erfahrung mitgebracht – und das war ein riesiger Vorteil. Denn es ist eher ein Nachteil, wenn du als Fachkraft in eine Führungsrolle wechselst: Du wirst deine fachlichen Aufgaben nicht mehr los und kannst deinen Führungsaufgaben dadurch nicht gerecht werden. Du verfällst leicht ins Mikromanagement, weil die Leute dich weiter als Fachkraft um Rat fragen. In der Führung geht es um andere Kompetenzen – das merkst du aber erst, wenn du wirklich Führungskraft bist.

Vielleicht denkst du: „Klar, klingt logisch, aber ich kann mir nicht einfach aussuchen, Führungskraft zu werden.“ Vollkommen richtig. Worauf ich hinaus will, ist dein eigenes Commitment – daran mangelt es oft. Wenn ich mit Leuten spreche, kommt häufig: „Führung reizt mich, ich würde gern mehr Verantwortung übernehmen – aber ich habe noch nicht genug Erfahrung, ich muss erst fachlich fit werden.“ Sich davon zu befreien, ist der erste Schritt. Wenn du sagst, du willst Führungskraft werden, dann committe dich darauf, es in Angriff zu nehmen – und stell dann die konkrete zweite Frage: Was kann ich jetzt schon tun, um darauf hinzuarbeiten?

Damit zum zweiten Weg: Wenn der beste Weg ist, Führungskraft zu sein, dann ist der zweitbeste, es zu simulieren. Du brauchst keinen Titel als Führungskraft, um Führung zu übernehmen – Führung ist eine Aufgabe, keine Position. Es gibt genug Führungskräfte mit Titel, die ihre Rolle schlecht ausfüllen. Die wichtigste Frage für dich lautet also: Was kannst du heute bereits tun, um eine Führungsrolle zu simulieren und deine Führungskompetenzen zu verbessern? Das können kleine Dinge sein: Überlege, wie du in deiner jetzigen Rolle mehr Verantwortung übernehmen kannst. Geh zu deinem Vorgesetzten und biete an, stärker zu unterstützen und teilweise Führungsaufgaben zu übernehmen. Bereite proaktiv Dinge vor, mach Vorschläge, leite Meetings, denk quer und eigenständig, hab den Mut, deine Ideen zu äußern. Eine zentrale Führungskompetenz ist es, ganzheitlich zu denken, das Big Picture zu sehen, eigene Entscheidungen zu treffen und Vorschläge zu machen – statt nur das Vorgelegte abzuarbeiten. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Zusammengefasst: Der größte Denkfehler angehender Führungskräfte hängt mit der Suche nach Sicherheit zusammen – mit der Angst vor Veränderung, vor dem Verlassen der Komfortzone, vor neuen Herausforderungen und vor Fehlern, durch die man Anerkennung verlieren könnte. Vorgeschoben wird das in den Sätzen „Ich muss erst fachlich fit sein“ und „Ich muss erst Erfahrung sammeln“. Wichtig: Mit Erfahrung kommt nicht automatisch bessere Leistung – du brauchst relevante Erfahrung. Der beste Weg, eine gute Führungskraft zu werden, ist, Führungskraft zu sein: Wenn sich die Chance ergibt, spring ins kalte Wasser – eine steilere Lernkurve gibt es nicht. Im Mittelstand ist das gang und gäbe, im Konzern wirkt der Gedanke ungewohnter. Und der zweitbeste Weg ist, die Rolle zu simulieren: Führung ist eine Aufgabe, keine Position – in deiner jetzigen Rolle kannst du schon unglaublich viel übernehmen und so relevante Erfahrung sammeln. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

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Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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