Viele Ingenieure verschwenden Monate, manche sogar Jahre. Sie arbeiten hart an ihrem nächsten großen Ziel – nur leider an den falschen Dingen. Das Tückische: Die meisten merken nicht einmal, dass sie einen Umweg gehen.
In dieser Folge erkläre ich ein simples, aber mächtiges First Principle: Distanz vs. Strecke. Du lernst, den direkten Weg von deinem heutigen Standort zu deinem nächsten Meilenstein zu finden – und die langen Umwege zu erkennen, bevor du sie gehst.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Distanz vs. Strecke. Die Distanz ist der direkte Weg von A (wo du heute stehst) nach B (dein nächster großer Meilenstein). Die Strecke ist der Weg, den du tatsächlich gehst – oft doppelt oder dreimal so lang.
- Umwege bleiben unbemerkt. Die meisten investieren in Aktivitäten, die „irgendwie in die richtige Richtung“ gehen, aber nicht auf den direkten Weg einzahlen – und verlieren so Monate oder Jahre.
- Zwei Fragen geben Klarheit. Was ist dein nächster großer Meilenstein (Punkt B)? Und was ist dein größter Engpass auf dem Weg dorthin? An den Antworten zeigt sich, wo Umwege entstehen.
- Frag wer, nicht wie. Erstmalige Ziele sind Pionierarbeit mit großen blinden Flecken. Statt „Wie schaffe ich das?“ frag „Wer hat das schon erreicht oder andere dorthin begleitet?“.
- Reverse Engineering. Geh vom Ziel rückwärts und kläre rein faktisch: Was muss konkret passieren, damit B eintritt? So legst du die kürzeste Kette von A nach B frei.
- „Bin ich bereit?“ ist die falsche Frage. Ob du bereit bist, kannst du bei einem erstmaligen Ziel gar nicht wissen – es ist ein blinder Fleck. Geh im Zweifel von Ja aus und finde die Wahrheit durch echtes Handeln heraus.
- Skills feilen statt handeln ist getarnte Prokrastination. „Ich will erst noch besser kommunizieren“ fühlt sich produktiv an, verlängert aber meist nur die Strecke.
Der direkte Weg von A nach B im Detail
Das Bild am Whiteboard. Stell dir zwei Punkte vor: Punkt A links – das ist, wo du heute stehst. Punkt B rechts – dein nächster großer Meilenstein. Die gerade Linie zwischen A und B ist die Distanz, der direkte Weg. Die zweite, geschlängelte Linie, die nach oben, nach rechts, im Kreis und erst nach vielen Schleifen bei B ankommt, ist die Strecke – der Weg, den die meisten tatsächlich gehen. Genau hier liegt das Problem: Kaum jemand denkt über die Distanz nach. Die meisten gehen die Strecke.
Zwei Fragen machen den Umweg sichtbar. Jedes meiner Kick-off-Gespräche mit Ingenieuren beginnt mit zwei Fragen. Erstens: Was ist dein nächster großer Meilenstein? Das ist Punkt B – ein neuer Job, eine erste Führungsrolle, ein höheres Gehalt, der Schritt in die Geschäftsführung. Diese grobe Richtung ist meist schnell klar. Zweitens, und hier wird es schwieriger: Was ist dein größter Engpass auf dem Weg zu B? Ein typisches Beispiel: „Ich möchte in einem anderen Unternehmen Bereichsleiter werden. Mein Engpass ist, dass ich strategischer arbeiten und besser kommunizieren will.“ Klingt vernünftig – doch besser zu kommunizieren hilft nicht auf dem direkten Weg, Bereichsleiter zu werden. Es verlängert nur die Strecke.
Frag wer, nicht wie. Die meisten ambitionierten Ziele sind erstmalige Ziele: Du wirst zum ersten Mal Bereichsleiter, wechselst zum ersten Mal die Branche. Erstmalige Ziele sind Pionierarbeit – mit großen blinden Flecken. Deshalb ist „Wie mache ich das?“ oft die schwächere Frage. Die bessere lautet: Wer ist den Weg schon gegangen oder hat andere dorthin begleitet? So wie ein Unternehmer beim dritten Mal in zwei Jahren schafft, wofür er beim ersten Mal zehn brauchte – weil er die Umwege kennt und überspringt.
Reverse Engineering: rein faktisch denken. Wenn dir niemand den Weg zeigen kann, geh vom Ziel rückwärts. Bleib dabei bei Fakten. Beispiel Bereichsleiter: Faktisch beginnt die Rolle in dem Moment, in dem du einen Vertrag unterschreibst. Damit du einen Vertrag bekommst, muss es zwei Dinge geben – einen realen Bedarf bei einer Firma und einen Entscheider, der dir vertraut. Daraus ergibt sich die kürzeste Kette: passende Unternehmen recherchieren, mit Entscheidern in Kontakt kommen, Vertrauen aufbauen, Vertrag. Im einfachsten Fall: eine Stelle auf LinkedIn finden, sich bewerben, Gespräche führen, Zusage – das kann drei Wochen dauern. Eine Person hatte sich für genau diesen Weg drei Jahre gesetzt. Drei Jahre statt drei Wochen – nur, weil sie zuerst „noch besser werden“ wollte.
„Bin ich bereit?“ führt in die Irre. Hinter den meisten Umwegen steht eine Annahme: „Ich bin noch nicht bereit.“ Das ist fast nie ein Fakt, sondern ein blinder Fleck – und eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wer von Nein ausgeht, versperrt sich den direkten Weg. Frag deshalb nicht „Traue ich mir das zu?“, sondern: Ist es grundsätzlich möglich, mit meinem heutigen Profil dorthin zu kommen? Gibt es irgendwo jemanden, der es ohne genau die Kompetenz geschafft hat, die mir angeblich fehlt? Meist lautet die Antwort Ja. Und echte Klarheit bekommst du nur durch Tests: zwanzig Bewerbungsgespräche mit konkretem Feedback sagen dir mehr über deinen echten Engpass als jede Selbsteinschätzung. Oft fehlt übrigens nicht reale Kompetenz, sondern wahrgenommene.
Der bequeme Umweg heißt Lernen. Es ist immer leichter zu sagen „Ich will erst noch meine Kommunikation verbessern“ als sich zu bewerben, das Gehaltsgespräch zu terminieren oder sich dem realen Markt zu stellen. Genau davor haben die meisten Respekt – und bleiben deshalb an der Grenze ihrer Komfortzone. Das ist eine getarnte Form von Prokrastination. Die Menschen, die in jungen Jahren viel Verantwortung und hohe Gehälter bekommen, haben eine Eigenschaft gemeinsam: Sie reden sich keine schönen Geschichten ein, nehmen ihre blinden Flecken ernst und fragen konsequent nach dem direkten Weg von A nach B.
Das „Wer, nicht Wie“-Denken ist ein klassisches mentales Modell – mehr dazu in First Principles Thinking. Warum der direkte Weg fast immer durch deine Komfortzone führt, hörst du in Komfortzone verlassen. Und wie du die richtigen Ratgeber findest und ihre Ratschläge einordnest, vertieft Ziele schneller erreichen. Den ganzen Gedanken als Artikel – inklusive der Whiteboard-Skizze – findest du unter Distanz vs. Strecke: unnötige Umwege vermeiden.
Häufige Fragen zum direkten Weg zum Ziel
Was bedeutet „Distanz vs. Strecke“? Die Distanz ist der direkte Weg von deinem heutigen Standort (A) zu deinem nächsten großen Ziel (B). Die Strecke ist der Weg, den du tatsächlich zurücklegst. Wer seine Ziele erreichen will, sollte bewusst die kurze Distanz suchen, statt unbemerkt eine lange Strecke zu gehen.
Wie finde ich den direkten Weg zu meinem Karriereziel? Über zwei Wege: Frag Menschen, die dein Ziel selbst erreicht oder andere dorthin begleitet haben. Oder betreibe Reverse Engineering – geh vom Ziel rückwärts und kläre rein faktisch, was konkret passieren muss, damit du es erreichst.
Warum gehen so viele Menschen Umwege? Weil sie in Aktivitäten investieren, die grob in die richtige Richtung wirken (Kompetenzen verbessern, mehr lernen), aber nicht auf dem direkten Weg liegen. Dahinter steckt oft die Annahme, noch nicht bereit zu sein – ein blinder Fleck, kein Fakt.
Sollte ich erst Kompetenzen aufbauen, bevor ich meinen nächsten Karriereschritt gehe? Meist nicht. „Ich bin noch nicht bereit“ ist selten überprüft. Geh im Zweifel von Ja aus und teste es in der Realität – zum Beispiel über echte Bewerbungen oder Gespräche. So findest du heraus, was dir wirklich fehlt, statt vorsorglich an Dingen zu feilen, die dich nicht näher ans Ziel bringen.
Diese Folge gehört zum Thema Karriere.
Transkript
In dieser Folge möchte ich ein sehr simples, aber mächtiges First Principle erklären: Distanz vs. Strecke. Im Kern geht es darum, wie du ambitionierte Ziele deutlich schneller erreichst und unnötige Umwege in deinem Berufsleben vermeidest.
Es gibt ein Phänomen, das ich seit Jahren immer wieder sehe: Ingenieure, die unnötige Umwege gehen. Manchmal sind das Monate, teilweise sogar Jahre, die mit Aktivitäten, Dingen und Projekten verschwendet werden, die man eigentlich gar nicht tun müsste – echte Verschwendung. Das Schlimmste daran ist, dass die meisten es nicht einmal merken. Um zu verstehen, was ich meine, schauen wir uns dieses simple Konzept an, dieses First Principle, das ich Distanz vs. Strecke nenne.
Am besten als visuelle Übung. Stell dir vor, wir stehen gemeinsam am Whiteboard, und ich zeichne zwei Punkte: links Punkt A, rechts Punkt B. Zuerst ziehe ich eine gerade Linie zwischen A und B. Das ist die Distanz – die direkte Entfernung von A nach B. Dann zeichne ich eine gestrichelte Linie, die bei A startet, erst nach oben geht, dann nach rechts, ein Stück zurück, einmal im Kreis und sich in einer Schlangenlinie langsam auf B zubewegt, bis sie irgendwann ankommt. Das ist die Strecke – der tatsächlich zurückgelegte Weg. Die Distanz ist die direkte Entfernung, die Strecke der reale Weg.
Warum gehen die meisten nicht den kürzesten Weg von A nach B, sondern eine viel längere Strecke – oft doppelt oder dreimal so lang? Ein Beispiel aus meinen Kick-off-Gesprächen. Wenn ich mit einem Ingenieur das erste Mal spreche, erörtern wir die aktuelle Situation und arbeiten idealerweise eine persönliche Roadmap aus. Das beginnt mit einer zentralen Frage: Was ist dein nächster großer Meilenstein? Das ist Punkt B. Punkt A ist, wo du heute stehst. Die grobe Zielrichtung ist von Person zu Person unterschiedlich und doch ähnlich: Manche wollen den Job oder das Unternehmen wechseln, andere ein höheres Gehalt, wieder andere den Sprung in die erste Führungsrolle, vom operativen zum strategischen Arbeiten oder den Schritt in die Geschäftsführung. Diese grobe Richtung ist meist schnell herausgearbeitet.
Viel schwieriger wird die zweite Frage: Was ist dein größter Engpass auf dem Weg zu B? Eine reale, anonymisierte Situation. Erste Frage – nächster Meilenstein: „Ich bin in der Automotive-Branche und fühle mich dort nicht mehr wohl; ich sehe wenig Chancen und würde gern die Branche und das Unternehmen wechseln. Außerdem bin ich seit einigen Jahren Projektleiter und möchte Bereichsleiter werden, also wirklich ein größeres Team führen. Ich glaube, ich bin bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen.“ Der Meilenstein ist also: Bereichsleiter werden, in einem anderen Unternehmen, in einer anderen Branche. Zweite Frage – größter Engpass: „Ich möchte lernen, strategischer zu arbeiten und besser zu kommunizieren. Und im Alltag fällt es mir manchmal schwer, klaren Fokus zu finden und zu halten.“
Bei diesen beiden Antworten wird schnell klar, wo Umwege entstehen. Die eigene Arbeitsweise und Kommunikation zu verbessern hilft nicht direkt dabei, Bereichsleiter zu werden, und auch nicht dabei, die Branche oder das Unternehmen zu wechseln. Diese Dinge verlängern nur die Strecke. So geht es fast jeder Person, mit der ich am Anfang spreche: Sie denken selten über den direkten Weg von A nach B nach, sondern machen viele Aktivitäten, die grob in Richtung B führen. Strategische Kompetenz und Kommunikation zu verbessern ist immer irgendwie relevant – aber es hilft nicht auf dem direkten Weg. Die richtig guten Leute sehen sehr klar, was jetzt der direkte Weg ist; andere gehen viel zu lange Umwege, weil sie nicht erkennen, dass es einen viel direkteren gibt.
Erstes Hilfsmittel: Frag dich nicht „wie“, frag dich „wer“. Die meisten Ziele, die Ingenieure erreichen wollen, sind erstmalige Ziele – gerade die ambitionierten. Wenn du zum ersten Mal Bereichsleiter werden oder das Unternehmen wechseln willst, ist das Pionierarbeit, und du hast große blinde Flecken. Die Frage „Wie mache ich das?“ ist dann oft gar nicht so gut, weil du die eigene Inkompetenz nicht überblickst – und das ist gefährlich, wenn du sie dir nicht bewusst machst. Ein Beispiel aus dem Unternehmertum: Beim ersten Mal brauchst du lange bis zum Erfolg, beim dritten oder vierten Mal geht es viel schneller, weil du den Weg kennst und Umwege sofort erkennst. Du kennst die Distanz und kannst die Strecke reduzieren. Genau deshalb ist die bessere Frage: Wer sind die Personen, die bereits dort sind, wo ich hin will, oder die anderen dorthin geholfen haben? Sprich mit ihnen – über Calls, über LinkedIn, auch unternehmensintern. Wenn dir jemand sagen kann „Ich habe das schon zehnmal gemacht“, ist das eine enorme Abkürzung, die die meisten unterschätzen.
Zweites Hilfsmittel: Reverse Engineering. Du musst nicht immer mit Personen sprechen, du kannst dich auch über eine klare Logik herantasten. Wichtig ist, bei Fakten zu bleiben – bei dem, was real passieren muss. Beispiel Bereichsleiter werden in einem anderen Unternehmen: Faktisch bin ich Bereichsleiter in dem Moment, in dem ich einen Vertrag für eine Bereichsleiterstelle unterschreibe. Was muss passieren, damit ich diesen Vertrag bekomme? Es muss bei einer Firma Bedarf für die Rolle geben, und es muss einen Entscheider geben, der mir vertraut und mir den Vertrag gibt. Daraus ergibt sich die Kette: Unternehmen mit Bedarf recherchieren, mit Entscheidern in Kontakt kommen, Vertrauen aufbauen, bis sie mir einen Vertrag vorlegen. Das ist die Distanz von A nach B. Der simpelste Weg könnte sein: auf LinkedIn eine Bereichsleiter-Stelle finden, sich bewerben, Gespräche führen, eine Zusage bekommen, unterschreiben – das kann drei Wochen dauern. In dem realen Fall hatte sich die Person für diesen Weg ein Zeitbudget von drei Jahren gesetzt. Daran sieht man, wie unendlich lang diese Umwege werden.
Alles fußte dabei auf einer einzigen Annahme: „Ich bin noch nicht bereit.“ Aus meiner Erfahrung stimmt das fast nie. Die Kernfrage sollte nicht sein „Bin ich bereit? Traue ich mir die Rolle zu? Habe ich die Kompetenzen?“ – denn wenn du es noch nie gemacht hast, ist das ein blinder Fleck, den du gar nicht beantworten kannst. Geh stattdessen von Ja aus. Denn ein Nein ist eine selbsterfüllende Prophezeiung: Du versperrst dir den kürzesten Weg. Eine gute Testfrage: Gibt es irgendwo auf der Welt jemanden, der ohne genau die Kompetenz, die mir angeblich fehlt, Bereichsleiter geworden ist? Ist es grundsätzlich möglich, mit meinem heutigen Profil dorthin zu kommen? Meist lautet die Antwort Ja – oder lässt sich zumindest testen.
Und Tests sind viel wertvoller als Selbsteinschätzung. Wenn du in zwanzig Bewerbungsgesprächen ein Nein und konkretes Feedback bekommst, weißt du endlich, was wirklich fehlt – und kannst gezielt an dieser einen Sache arbeiten. In den meisten Fällen fehlt übrigens nicht reale, sondern wahrgenommene Kompetenz. Gerade bei Bewerbungsprozessen läuft das in Stufen: Erst die Unterlagen – werde ich überhaupt eingeladen? Bei der Person mit mehreren Jahren Projektleitung und akademischer Laufbahn war offensichtlich: Sie ist bereit für eine disziplinarische Führungsrolle. Es lag am Ende nur an den Bewerbungsunterlagen, an der Schlagzahl und daran, die richtigen Trends und Unternehmen zu erkennen – vielleicht sogar am verdeckten Stellenmarkt, etwa über gezielte Nachrichten an spannende Personen aus interessanten Unternehmen auf LinkedIn. Wenn jemand sagt „Mein Engpass ist, dass es zu wenig Bedarf gibt und ich ihn erst erörtern muss“, dann sind wir auf Distanz-Level. Aber in den meisten Fällen stehen dort viel zu viele Annahmen und das Gefühl, noch nicht ready zu sein – und das sind Annahmen, keine Fakten. Fakten findet man nur durch Tests, indem man ins Handeln kommt.
Damit wird hoffentlich klarer, was ich mit der Whiteboard-Skizze meine. Es gibt Punkt A, wo du heute bist, und Punkt B, deinen nächsten großen Meilenstein. Geh davon aus, dass du einen blinden Fleck hast und die Distanz nicht kennst – vielleicht hast du eine Idee von der Strecke, willst aber die Distanz herausfinden. Dafür gibt es zwei Wege: Reverse Engineering – ganz konkret überlegen, was der kürzeste mögliche Weg von A nach B ist – oder der Austausch mit Personen, die diesen Weg bereits gegangen sind oder andere dorthin begleitet haben. Denn die Frage „Bin ich gerade auf dem direkten Weg oder gehe ich einen Umweg?“ ist allein sehr schwer zu beantworten.
Ich bin ein großer Fan von Just-in-Time: Es gibt unendlich viel Content und Impulse überall. Was man wirklich braucht, ist eine auf sich angepasste Roadmap, um die konkreten nächsten Schritte zu kennen. Und oft bedeutet das, die Komfortzone zu verlassen. Wenn man klar sieht „Ich bin eigentlich bereit, Bereichsleiter zu werden, und muss mich jetzt extern bewerben und Fakten schaffen“, ist das für viele beängstigend – eine Form von Prokrastination, im Kern Angst. Unbewusst pendelt man dann an der Grenze der Komfortzone. Es ist immer leichter zu sagen „Ich will noch meine Kommunikation verbessern, noch besser arbeiten lernen“, als sich wirklich zu bewerben, rauszugehen und sich dem realen Feedback zu stellen. Dasselbe beim Ziel Gehaltssteigerung: Die meisten haben Angst vor dem direkten Weg – einen Termin mit dem Vorgesetzten zu setzen, sich zu überlegen, wie man das Gespräch pitcht, sich präsentiert und Vorschläge erarbeitet. Stattdessen feilen sie lieber an ihrer Kompetenz oder lesen noch ein Buch und gehen dem direkten Weg aus dem Weg.
Die Personen, die es schaffen, ständig mutig zu sein, ihre Komfortzone zu verlassen und gleichzeitig ihre blinden Flecken ernst zu nehmen, um ganz konkret den direkten Weg von A nach B zu finden – das sind am Ende die, die in jungen Jahren viel Verantwortung bekommen und früh höhere Gehälter haben. Sie sind sehr gut darin, sich keine schönen Geschichten einzureden. Darin sind wir alle stark: uns selbst zu verkaufen, was gerade sinnvoll scheint und der nächste Weg sein könnte. Genau diese Geschichten gilt es zu zerlegen, um die Distanz herauszuarbeiten und zu verhindern, dass du unnötig lange Strecken gehst. Ich hoffe, da waren einige Impulse für dich dabei. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.
