Kommunizieren wie ein Leader: 7 Ideen für Zuspruch und Respekt

Soft Skills und gerade Kommunikation sind für viele Ingenieure ein blinder Fleck. Wer Verantwortung übernehmen will, darf das Thema aber nicht auf die leichte Schulter nehmen – denn wie du wahrgenommen wirst, entscheidet maßgeblich über Zuspruch und Respekt.

In dieser Folge bekommst du sieben kurze, prägnante Ideen, um zu kommunizieren wie ein Leader – plus einen Bonusgedanken, wie du garantiert das Gegenteil erreichst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • 1. Verwirrte Chefs sagen Nein. Verwirrung und Komplexität sind die Feinde guter Kommunikation. Hol dein Gegenüber dort ab, wo es steht.
  • 2. Kommunikation ist, was ankommt – nicht, was gesagt wird. Versteht dich jemand nicht, liegt es an dir, nicht an ihm.
  • 3. Starte Vorträge richtig: mit einer kurzen Story oder einem überraschenden Fakt – nie mit „Herzlich willkommen, ich bin …“.
  • 4. Beende nie mit einer Danke-Folie. Schließe mit einer Frage, die nachwirkt und auf deine Kernidee einzahlt.
  • 5. Schreib keine E-Mails im Affekt. Wenn du wütend bist, schick die Mail nicht ab und tätige den Anruf nicht.
  • 6. „Ich weiß nicht genug darüber.“ Kenne deinen Circle of Competence – das wirkt kompetenter als zu allem eine Meinung zu haben.
  • 7. Die Welt ist groß, Industrien sind klein. Dein Ruf spricht sich herum und arbeitet für oder gegen dich.

Kommunizieren wie ein Leader: die Kernidee

1. Verwirrte Chefs sagen Nein

Verwirrung und Komplexität sind die Feinde guter Kommunikation. Wenn du ein Ja von Vorgesetzten, Entscheidern oder Mitarbeitern willst, musst du sie dort abholen, wo sie stehen. Wer ständig versucht, clever zu klingen, bewirkt weniger: Je mehr sich andere anstrengen müssen, dich zu verstehen, desto weniger interessieren sie sich für deine Meinung. Es braucht keine komplexen Worte, um komplexe Ideen zu erklären. Gerade Ingenieure mit starkem Fachjargon hängen Führungskräfte ab, die fachlich nicht so tief drin sind – der größte Reibungspunkt. Bau die Brücke, statt die Sachlage nur in deinem Jargon zu beschreiben, sonst wirkst du paradoxerweise inkompetent.

2. Kommunikation ist, was ankommt – nicht, was gesagt wird

Fokussiere dich darauf, was der andere versteht, nicht auf das, was du sagst. Wenn dich jemand nicht versteht, liegt es nicht an ihm und seiner Intelligenz, sondern an deinem Kommunikations-Skill. Gute Kommunikation heißt: Du machst es anderen leicht, dich zu verstehen – durch einfache Sprache und durch Perspektivwechsel. Versetz dich in die Situation deines Gegenübers: Was ist sein aktueller Wissensstand? Dann kommunizierst du zielgerichtet und empathisch.

3. Starte Vorträge mit Story oder überraschendem Fakt

Für den Einstieg in eine Rede oder Präsentation gibt es nur zwei sinnvolle Wege. Erstens Storytelling, zum Beispiel: „Mit 24 Jahren hielt ich meinen ersten Vortrag vor 100 Menschen. Nach 60 Sekunden war klar: Ich hatte einen unverzeihlichen Fehler gemacht.“ Zwei Sätze mit Drama-Faktor, die sofort Neugier erzeugen. Zweitens ein überraschender Fakt: „Wusstest du, dass 95 % der Menschen ihren ersten Eindruck nicht mehr verändern?“ Der Erfolg entscheidet sich in den ersten Sekunden – ein trockener, sachlicher Einstieg langweilt.

4. Beende nie mit einer Danke-Folie

In Unternehmen sehe ich es immer wieder: „Vielen Dank für die Aufmerksamkeit“, letzte Folie „Danke“. Mach es anders. Schließe mit einer Frage, die auf deine Big Idea einzahlt und die Entscheider in Richtung deiner Lösung lenkt – eine Frage, die nachwirkt. Zwei Beispiele: „Wie viel Potenzial bleibt aktuell ungenutzt, weil wir an alten Prozessen festhalten?“ (etwa bei einem Vortrag zur Prozessoptimierung). Oder: „Wie sieht unsere Situation in einem Jahr aus, wenn wir nichts verändern?“ – die sogenannten Cost of Delay. Solche Fragen erzeugen Dringlichkeit und Problembewusstsein.

5. Schreib keine E-Mails im Affekt

Wenn du wütend bist, schreibst du vielleicht die beste E-Mail, die du für immer bereuen wirst. Emotionen spielen im Berufskontext eine Rolle – aber mach es dir zur Gewohnheit, eine im Affekt geschriebene Mail nicht abzuschicken und den Anruf nicht zu tätigen. Die E-Mails, die du bereust, sind genau die aus der Emotion heraus.

6. „Ich weiß nicht genug darüber“

Du musst nicht zu jedem Thema deinen Senf dazugeben. Menschen, die überall eine Meinung haben, wirken nicht kompetent – im Gegenteil. Respekt bekommen die, die die Grenzen ihrer eigenen Kompetenz kennen (ihren Circle of Competence) und außerhalb davon klar sagen: „Da müsste ich mich einlesen, dazu möchte ich mich nicht aus dem Fenster lehnen.“ Du kannst Zusammenhänge beschreiben, solltest aber klarmachen, was Annahme und was Fakt ist. Wer so systematisch kommuniziert, wird als kompetent wahrgenommen.

7. Die Welt ist groß, aber Industrien sind klein

Nach ein paar Jahren kennt jeder die Qualität deiner Arbeit. Dein Ruf ist essenziell – er arbeitet für dich oder gegen dich. Ein souveränes Auftreten und gute Kommunikation sprechen sich herum, eine negative Reputation aber genauso.

Bonus: So führst du ein miserables Berufsleben

Sei unzuverlässig, unpünktlich, unglaubwürdig und unorganisiert. Das schwächt das Vertrauen, schadet deiner Reputation und limitiert deine Entwicklung. Genauso, wenn du kompliziert kommunizierst, niemand dich versteht, deine Präsentationen langweilen und deine Aussagen auf Halbwahrheiten oder bloßen Meinungen beruhen. All das sorgt dafür, dass du als Leader weniger respektiert wirst und weniger Zuspruch bekommst.

Kurz gefasst: Kommuniziere einfach statt kompliziert, denk vom Empfänger her, starte und beende Vorträge stark, halte Emotionen aus der schriftlichen Kommunikation, kenne deinen Circle of Competence und schütze deinen Ruf. So bekommst du als Leader Zuspruch und Respekt.

Wie du die Grundsätze gelungener Kommunikation systematisch trainierst, hörst du in Besser kommunizieren. Wie du komplexe Themen einfach erklärst (Idee 1 und 2), vertieft Verständlich erklären. Und wie du Vorträge und Präsentationen überzeugend hältst (Idee 3 und 4), zeigt Überzeugend präsentieren.

Häufige Fragen zum Thema kommunizieren wie ein Leader

Wie kommuniziere ich als Führungskraft überzeugender? Mach es deinem Gegenüber leicht: einfache statt komplizierter Sprache, Fokus auf das, was ankommt, starke Einstiege und Abschlüsse bei Vorträgen, keine Affekt-Mails, ehrliche Grenzen der eigenen Kompetenz – und ein sauberer Ruf. So bekommst du Zuspruch und Respekt.

Warum versteht mich mein Chef nicht? Meist liegt es nicht am Gegenüber, sondern an der Komplexität deiner Kommunikation. Gerade Fachjargon hängt Führungskräfte ab, die nicht so tief in der Materie stecken. Hol sie ab und übersetze, statt die Sachlage nur in deinem Jargon zu beschreiben.

Wie starte und beende ich eine Präsentation richtig? Starte mit einer kurzen Story oder einem überraschenden Fakt – nie mit „Herzlich willkommen, ich bin …“. Beende nie mit einer Danke-Folie, sondern mit einer Frage, die nachwirkt und auf deine Kernidee bzw. Lösung einzahlt (z. B. Cost of Delay).

Was ist der Circle of Competence? Der Bereich, in dem du wirklich kompetent bist. Wer seine Grenzen kennt und außerhalb davon ehrlich sagt „Dazu weiß ich nicht genug“, wirkt kompetenter als jemand, der zu allem eine Meinung hat. Annahmen sollte man klar von Fakten trennen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Circle of Competence: das Prinzip, die Grenzen der eigenen Kompetenz zu kennen und ehrlich zu benennen.
  • Cost of Delay: die Kosten des Nichthandelns sichtbar machen – ideal als nachwirkende Abschlussfrage einer Präsentation.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Kommunikation.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Kommunikation als Ingenieur und Führung als Ingenieur.

Transkript

Soft Skills und gerade Kommunikation sind für viele Ingenieure ein blinder Fleck. Wer Verantwortung übernehmen möchte, darf das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern sollte sich aktiv damit auseinandersetzen. Deswegen habe ich in dieser Folge sieben kurze und prägnante Ideen mitgebracht, um zu kommunizieren wie ein Leader und dadurch mehr Zuspruch und Respekt zu bekommen.

Idee Nummer 1: Verwirrte Chefs sagen Nein. Verwirrung und Komplexität sind die Feinde guter Kommunikation. Wenn du ein Ja hören willst – von Vorgesetzten, Entscheidern oder auch von Mitarbeitern –, dann musst du sie da abholen, wo sie sind. Wer ständig versucht, clever zu klingen, wird weniger bewirken. Je mehr man sich anstrengen muss, um dich zu verstehen, desto weniger wird man sich für deine Meinung interessieren. Es braucht keine komplexen Worte, um komplexe Ideen zu erklären. Jeder kennt Menschen, die nicht auf den Punkt kommen, ihre Message nicht in kurzen Sätzen rüberbringen, ausschweifend und kompliziert sprechen und ein kompliziertes Vokabular haben – vielleicht, weil sie kompetent wirken möchten. Aber das erzeugt das Gegenteil: Verwirrung. Und Verwirrung ist der schlimmste Feind. Dann wirst du nicht als kompetent wahrgenommen, erhältst wenig Zuspruch und wirst nicht respektiert.

Idee Nummer 2: Kommunikation ist das, was ankommt, und nicht das, was gesagt wird. Das hängt mit dem ersten Punkt zusammen. Wenn du gut kommunizieren möchtest, musst du dich darauf fokussieren, was der andere versteht, nicht auf das, was du sagst. Wenn andere dich nicht verstehen, liegt es nicht an ihnen – sie sind nicht blöd –, sondern an dir und deinem Kommunikations-Skill. Gute Kommunikation bedeutet, dass du es anderen leicht machst, dich zu verstehen: durch einfache statt hochtrabende Sprache und durch die Fähigkeit, die Perspektive zu wechseln, empathisch zu sein und dich in die Situation des anderen hineinzuversetzen. Was ist der aktuelle Wissensstand deines Gegenübers? Wenn du dich da hineinversetzt, kannst du zielgerichtet kommunizieren.

Idee Nummer 3 bezieht sich auf Vorträge, Reden und Präsentationen – konkret, wie man sie startet. Dafür gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Die erste ist Storytelling, zum Beispiel: „Mit 24 Jahren habe ich meinen ersten Vortrag vor 100 Menschen gehalten. Nach 60 Sekunden war bereits klar: Ich hatte einen unverzeihlichen Fehler gemacht.“ Eine super simple, kurze Story in zwei Sätzen – aber mit Drama-Faktor, der sofort Neugier erzeugt: Was war das für ein Fehler? Und dieser Fehler ist genau die Kernmessage. Wer trocken, nüchtern und sachlich anfängt, langweilt die Leute. Die zweite Möglichkeit ist ein überraschender Fakt: „Wusstest du, dass 95 % der Menschen ihren ersten Eindruck nicht mehr verändern?“ Der Erfolg einer Rede, eines Vortrags oder einer Präsentation entscheidet sich also bereits in den ersten Sekunden. Das sind die einzigen sinnvollen Möglichkeiten zu starten: mit einer kurzen Story oder einem überraschenden Fakt.

Idee Nummer 4, ein Profitipp für das Ende: Beende niemals mit einer Danke-Folie. In der Uni ist das Standard, aber auch in Firmen bin ich immer wieder überrascht, dass Leute am Ende sagen „Vielen Dank für die Aufmerksamkeit“ und die letzte Folie „Danke“ stehen bleibt. Stattdessen solltest du eine Frage stellen, die auf deine zentrale Idee, deine Big Idea, einzahlt und idealerweise die Entscheider in Richtung deiner Lösung lenkt – eine Frage, die nachwirkt. Du kannst das daran messen, ob die Personen einen Tag später noch darüber nachdenken. Zwei Beispiele: „Wie viel Potenzial bleibt aktuell ungenutzt, weil wir an alten Prozessen festhalten?“ – ideal bei einem Vortrag zur Prozessoptimierung. Oder: „Wie sieht unsere Situation in einem Jahr aus, wenn wir nichts verändern?“ – das nennt man Cost of Delay. Solche Fragen erzeugen Dringlichkeit und untermauern das Problembewusstsein. Also: Starte mit Story oder überraschendem Fakt statt „Herzlich willkommen, ich bin …“, und beende mit einer nachwirkenden Frage statt einer Danke-Folie.

Idee Nummer 5, relativ kurz: Wenn du wütend bist, schreibst du vielleicht die beste E-Mail, die du für immer bereuen wirst. Emotionen spielen im Berufskontext eine Rolle, aber mach es dir zur Gewohnheit, eine Mail im Affekt nicht abzuschicken und den Anruf nicht zu tätigen. Die E-Mails, die du bereust, sind genau die, die du aus einer Emotion heraus schreibst.

Idee Nummer 6: Vergiss nie, dass es möglich ist zu sagen: „Ich weiß nicht genug darüber, um mir eine Meinung zu bilden.“ Du brauchst nicht zu jedem Thema deinen Senf dazuzugeben. Personen, die überall eine Meinung haben, wirken nicht kompetent – im Gegenteil. Respekt und Kompetenz werden gerade den Leuten zugeschrieben, die die Grenzen ihrer eigenen Kompetenz – ihren Circle of Competence – genau kennen und, sobald sie sich außerhalb bewegen, klar sagen: „Hier müsste ich mich einlesen, da möchte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.“ Du kannst durchaus etwas sagen, etwa die Wechselwirkungen eines Problems beschreiben und wie du es aktuell verstehst, aber gleichzeitig betonen: Das sind Annahmen, keine Fakten. Wer so systematisch über Zusammenhänge kommuniziert und sich nicht sofort eine meinungsstarke Meinung bildet, wird als kompetent wahrgenommen.

Idee Nummer 7: Die Welt ist groß, aber Industrien sind klein. Nach ein paar Jahren kennt jeder die Qualität deiner Arbeit. Dein Ruf ist essenziell – er arbeitet für dich oder gegen dich. Man könnte auch sagen: Industrien sind groß und dein Unternehmen ist klein. Deine Kompetenz spricht sich schnell herum, ebenso deine Aussagen. Ein gutes, souveränes Auftreten und eine gute Art der Kommunikation sprechen sich schnell herum – aber eine negative Reputation eben auch.

Zum Schluss ein Bonusgedanke: wie man ein miserables Berufsleben führt. Relativ simpel: Sei unzuverlässig, unpünktlich, unglaubwürdig und unorganisiert. Das schwächt das Vertrauen, schadet deiner Reputation und limitiert am Ende deine persönliche und berufliche Entwicklung. So wie du als Leader wahrgenommen wirst, wird stark von deiner wahrgenommenen Kompetenz beeinflusst – davon, wie du sprichst und kommunizierst. Du wirst ein miserables Berufsleben führen, wenn du dauernd kompliziert kommunizierst, niemand dich versteht, deine Präsentationen langweilen und deine Aussagen auf Halbwahrheiten oder bloßen Meinungen beruhen. All das schadet deiner Reputation und sorgt dafür, dass du weniger respektiert wirst und weniger Zuspruch bekommst.

Ich fasse die sieben Gedanken plus den Bonus zusammen. Erstens: Verwirrte Chefs (oder Geschäftsführer, Mitarbeiter, eigentlich alle) sagen Nein – wenn du Zuspruch willst, hol die Personen da ab, wo sie sind. Gerade Komplexität und Fachjargon sind der größte Reibungspunkt mit Führungskräften, die nicht so tief in der Materie stecken; bau die Brücke, sonst hängst du dein Umfeld ab und wirkst inkompetent. Zweitens: Kommunikation ist, was ankommt, nicht was gesagt wird – versteht dich jemand nicht, liegt es an dir. Drittens und viertens: Starte Vorträge mit Storytelling oder einem überraschenden Fakt und beende mit einer nachwirkenden Frage statt einer Danke-Folie. Fünftens: keine E-Mails im Affekt. Sechstens: Kenne deinen Circle of Competence und sag ruhig „Ich weiß nicht genug darüber“. Siebtens: Schütze deinen Ruf, denn Industrien sind klein. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Kommunizieren wie ein Leader: 7 Ideen für Zuspruch und Respekt

Soft Skills und gerade Kommunikation sind für viele Ingenieure ein blinder Fleck. Wer Verantwortung übernehmen will, darf das Thema aber nicht auf die leichte Schulter nehmen – denn wie du wahrgenommen wirst, entscheidet maßgeblich über Zuspruch und Respekt.

In dieser Folge bekommst du sieben kurze, prägnante Ideen, um zu kommunizieren wie ein Leader – plus einen Bonusgedanken, wie du garantiert das Gegenteil erreichst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • 1. Verwirrte Chefs sagen Nein. Verwirrung und Komplexität sind die Feinde guter Kommunikation. Hol dein Gegenüber dort ab, wo es steht.
  • 2. Kommunikation ist, was ankommt – nicht, was gesagt wird. Versteht dich jemand nicht, liegt es an dir, nicht an ihm.
  • 3. Starte Vorträge richtig: mit einer kurzen Story oder einem überraschenden Fakt – nie mit „Herzlich willkommen, ich bin …“.
  • 4. Beende nie mit einer Danke-Folie. Schließe mit einer Frage, die nachwirkt und auf deine Kernidee einzahlt.
  • 5. Schreib keine E-Mails im Affekt. Wenn du wütend bist, schick die Mail nicht ab und tätige den Anruf nicht.
  • 6. „Ich weiß nicht genug darüber.“ Kenne deinen Circle of Competence – das wirkt kompetenter als zu allem eine Meinung zu haben.
  • 7. Die Welt ist groß, Industrien sind klein. Dein Ruf spricht sich herum und arbeitet für oder gegen dich.

Kommunizieren wie ein Leader: die Kernidee

1. Verwirrte Chefs sagen Nein

Verwirrung und Komplexität sind die Feinde guter Kommunikation. Wenn du ein Ja von Vorgesetzten, Entscheidern oder Mitarbeitern willst, musst du sie dort abholen, wo sie stehen. Wer ständig versucht, clever zu klingen, bewirkt weniger: Je mehr sich andere anstrengen müssen, dich zu verstehen, desto weniger interessieren sie sich für deine Meinung. Es braucht keine komplexen Worte, um komplexe Ideen zu erklären. Gerade Ingenieure mit starkem Fachjargon hängen Führungskräfte ab, die fachlich nicht so tief drin sind – der größte Reibungspunkt. Bau die Brücke, statt die Sachlage nur in deinem Jargon zu beschreiben, sonst wirkst du paradoxerweise inkompetent.

2. Kommunikation ist, was ankommt – nicht, was gesagt wird

Fokussiere dich darauf, was der andere versteht, nicht auf das, was du sagst. Wenn dich jemand nicht versteht, liegt es nicht an ihm und seiner Intelligenz, sondern an deinem Kommunikations-Skill. Gute Kommunikation heißt: Du machst es anderen leicht, dich zu verstehen – durch einfache Sprache und durch Perspektivwechsel. Versetz dich in die Situation deines Gegenübers: Was ist sein aktueller Wissensstand? Dann kommunizierst du zielgerichtet und empathisch.

3. Starte Vorträge mit Story oder überraschendem Fakt

Für den Einstieg in eine Rede oder Präsentation gibt es nur zwei sinnvolle Wege. Erstens Storytelling, zum Beispiel: „Mit 24 Jahren hielt ich meinen ersten Vortrag vor 100 Menschen. Nach 60 Sekunden war klar: Ich hatte einen unverzeihlichen Fehler gemacht.“ Zwei Sätze mit Drama-Faktor, die sofort Neugier erzeugen. Zweitens ein überraschender Fakt: „Wusstest du, dass 95 % der Menschen ihren ersten Eindruck nicht mehr verändern?“ Der Erfolg entscheidet sich in den ersten Sekunden – ein trockener, sachlicher Einstieg langweilt.

4. Beende nie mit einer Danke-Folie

In Unternehmen sehe ich es immer wieder: „Vielen Dank für die Aufmerksamkeit“, letzte Folie „Danke“. Mach es anders. Schließe mit einer Frage, die auf deine Big Idea einzahlt und die Entscheider in Richtung deiner Lösung lenkt – eine Frage, die nachwirkt. Zwei Beispiele: „Wie viel Potenzial bleibt aktuell ungenutzt, weil wir an alten Prozessen festhalten?“ (etwa bei einem Vortrag zur Prozessoptimierung). Oder: „Wie sieht unsere Situation in einem Jahr aus, wenn wir nichts verändern?“ – die sogenannten Cost of Delay. Solche Fragen erzeugen Dringlichkeit und Problembewusstsein.

5. Schreib keine E-Mails im Affekt

Wenn du wütend bist, schreibst du vielleicht die beste E-Mail, die du für immer bereuen wirst. Emotionen spielen im Berufskontext eine Rolle – aber mach es dir zur Gewohnheit, eine im Affekt geschriebene Mail nicht abzuschicken und den Anruf nicht zu tätigen. Die E-Mails, die du bereust, sind genau die aus der Emotion heraus.

6. „Ich weiß nicht genug darüber“

Du musst nicht zu jedem Thema deinen Senf dazugeben. Menschen, die überall eine Meinung haben, wirken nicht kompetent – im Gegenteil. Respekt bekommen die, die die Grenzen ihrer eigenen Kompetenz kennen (ihren Circle of Competence) und außerhalb davon klar sagen: „Da müsste ich mich einlesen, dazu möchte ich mich nicht aus dem Fenster lehnen.“ Du kannst Zusammenhänge beschreiben, solltest aber klarmachen, was Annahme und was Fakt ist. Wer so systematisch kommuniziert, wird als kompetent wahrgenommen.

7. Die Welt ist groß, aber Industrien sind klein

Nach ein paar Jahren kennt jeder die Qualität deiner Arbeit. Dein Ruf ist essenziell – er arbeitet für dich oder gegen dich. Ein souveränes Auftreten und gute Kommunikation sprechen sich herum, eine negative Reputation aber genauso.

Bonus: So führst du ein miserables Berufsleben

Sei unzuverlässig, unpünktlich, unglaubwürdig und unorganisiert. Das schwächt das Vertrauen, schadet deiner Reputation und limitiert deine Entwicklung. Genauso, wenn du kompliziert kommunizierst, niemand dich versteht, deine Präsentationen langweilen und deine Aussagen auf Halbwahrheiten oder bloßen Meinungen beruhen. All das sorgt dafür, dass du als Leader weniger respektiert wirst und weniger Zuspruch bekommst.

Kurz gefasst: Kommuniziere einfach statt kompliziert, denk vom Empfänger her, starte und beende Vorträge stark, halte Emotionen aus der schriftlichen Kommunikation, kenne deinen Circle of Competence und schütze deinen Ruf. So bekommst du als Leader Zuspruch und Respekt.

Wie du die Grundsätze gelungener Kommunikation systematisch trainierst, hörst du in Besser kommunizieren. Wie du komplexe Themen einfach erklärst (Idee 1 und 2), vertieft Verständlich erklären. Und wie du Vorträge und Präsentationen überzeugend hältst (Idee 3 und 4), zeigt Überzeugend präsentieren.

Häufige Fragen zum Thema kommunizieren wie ein Leader

Wie kommuniziere ich als Führungskraft überzeugender? Mach es deinem Gegenüber leicht: einfache statt komplizierter Sprache, Fokus auf das, was ankommt, starke Einstiege und Abschlüsse bei Vorträgen, keine Affekt-Mails, ehrliche Grenzen der eigenen Kompetenz – und ein sauberer Ruf. So bekommst du Zuspruch und Respekt.

Warum versteht mich mein Chef nicht? Meist liegt es nicht am Gegenüber, sondern an der Komplexität deiner Kommunikation. Gerade Fachjargon hängt Führungskräfte ab, die nicht so tief in der Materie stecken. Hol sie ab und übersetze, statt die Sachlage nur in deinem Jargon zu beschreiben.

Wie starte und beende ich eine Präsentation richtig? Starte mit einer kurzen Story oder einem überraschenden Fakt – nie mit „Herzlich willkommen, ich bin …“. Beende nie mit einer Danke-Folie, sondern mit einer Frage, die nachwirkt und auf deine Kernidee bzw. Lösung einzahlt (z. B. Cost of Delay).

Was ist der Circle of Competence? Der Bereich, in dem du wirklich kompetent bist. Wer seine Grenzen kennt und außerhalb davon ehrlich sagt „Dazu weiß ich nicht genug“, wirkt kompetenter als jemand, der zu allem eine Meinung hat. Annahmen sollte man klar von Fakten trennen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Circle of Competence: das Prinzip, die Grenzen der eigenen Kompetenz zu kennen und ehrlich zu benennen.
  • Cost of Delay: die Kosten des Nichthandelns sichtbar machen – ideal als nachwirkende Abschlussfrage einer Präsentation.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Kommunikation.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Kommunikation als Ingenieur und Führung als Ingenieur.

Transkript

Soft Skills und gerade Kommunikation sind für viele Ingenieure ein blinder Fleck. Wer Verantwortung übernehmen möchte, darf das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern sollte sich aktiv damit auseinandersetzen. Deswegen habe ich in dieser Folge sieben kurze und prägnante Ideen mitgebracht, um zu kommunizieren wie ein Leader und dadurch mehr Zuspruch und Respekt zu bekommen.

Idee Nummer 1: Verwirrte Chefs sagen Nein. Verwirrung und Komplexität sind die Feinde guter Kommunikation. Wenn du ein Ja hören willst – von Vorgesetzten, Entscheidern oder auch von Mitarbeitern –, dann musst du sie da abholen, wo sie sind. Wer ständig versucht, clever zu klingen, wird weniger bewirken. Je mehr man sich anstrengen muss, um dich zu verstehen, desto weniger wird man sich für deine Meinung interessieren. Es braucht keine komplexen Worte, um komplexe Ideen zu erklären. Jeder kennt Menschen, die nicht auf den Punkt kommen, ihre Message nicht in kurzen Sätzen rüberbringen, ausschweifend und kompliziert sprechen und ein kompliziertes Vokabular haben – vielleicht, weil sie kompetent wirken möchten. Aber das erzeugt das Gegenteil: Verwirrung. Und Verwirrung ist der schlimmste Feind. Dann wirst du nicht als kompetent wahrgenommen, erhältst wenig Zuspruch und wirst nicht respektiert.

Idee Nummer 2: Kommunikation ist das, was ankommt, und nicht das, was gesagt wird. Das hängt mit dem ersten Punkt zusammen. Wenn du gut kommunizieren möchtest, musst du dich darauf fokussieren, was der andere versteht, nicht auf das, was du sagst. Wenn andere dich nicht verstehen, liegt es nicht an ihnen – sie sind nicht blöd –, sondern an dir und deinem Kommunikations-Skill. Gute Kommunikation bedeutet, dass du es anderen leicht machst, dich zu verstehen: durch einfache statt hochtrabende Sprache und durch die Fähigkeit, die Perspektive zu wechseln, empathisch zu sein und dich in die Situation des anderen hineinzuversetzen. Was ist der aktuelle Wissensstand deines Gegenübers? Wenn du dich da hineinversetzt, kannst du zielgerichtet kommunizieren.

Idee Nummer 3 bezieht sich auf Vorträge, Reden und Präsentationen – konkret, wie man sie startet. Dafür gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Die erste ist Storytelling, zum Beispiel: „Mit 24 Jahren habe ich meinen ersten Vortrag vor 100 Menschen gehalten. Nach 60 Sekunden war bereits klar: Ich hatte einen unverzeihlichen Fehler gemacht.“ Eine super simple, kurze Story in zwei Sätzen – aber mit Drama-Faktor, der sofort Neugier erzeugt: Was war das für ein Fehler? Und dieser Fehler ist genau die Kernmessage. Wer trocken, nüchtern und sachlich anfängt, langweilt die Leute. Die zweite Möglichkeit ist ein überraschender Fakt: „Wusstest du, dass 95 % der Menschen ihren ersten Eindruck nicht mehr verändern?“ Der Erfolg einer Rede, eines Vortrags oder einer Präsentation entscheidet sich also bereits in den ersten Sekunden. Das sind die einzigen sinnvollen Möglichkeiten zu starten: mit einer kurzen Story oder einem überraschenden Fakt.

Idee Nummer 4, ein Profitipp für das Ende: Beende niemals mit einer Danke-Folie. In der Uni ist das Standard, aber auch in Firmen bin ich immer wieder überrascht, dass Leute am Ende sagen „Vielen Dank für die Aufmerksamkeit“ und die letzte Folie „Danke“ stehen bleibt. Stattdessen solltest du eine Frage stellen, die auf deine zentrale Idee, deine Big Idea, einzahlt und idealerweise die Entscheider in Richtung deiner Lösung lenkt – eine Frage, die nachwirkt. Du kannst das daran messen, ob die Personen einen Tag später noch darüber nachdenken. Zwei Beispiele: „Wie viel Potenzial bleibt aktuell ungenutzt, weil wir an alten Prozessen festhalten?“ – ideal bei einem Vortrag zur Prozessoptimierung. Oder: „Wie sieht unsere Situation in einem Jahr aus, wenn wir nichts verändern?“ – das nennt man Cost of Delay. Solche Fragen erzeugen Dringlichkeit und untermauern das Problembewusstsein. Also: Starte mit Story oder überraschendem Fakt statt „Herzlich willkommen, ich bin …“, und beende mit einer nachwirkenden Frage statt einer Danke-Folie.

Idee Nummer 5, relativ kurz: Wenn du wütend bist, schreibst du vielleicht die beste E-Mail, die du für immer bereuen wirst. Emotionen spielen im Berufskontext eine Rolle, aber mach es dir zur Gewohnheit, eine Mail im Affekt nicht abzuschicken und den Anruf nicht zu tätigen. Die E-Mails, die du bereust, sind genau die, die du aus einer Emotion heraus schreibst.

Idee Nummer 6: Vergiss nie, dass es möglich ist zu sagen: „Ich weiß nicht genug darüber, um mir eine Meinung zu bilden.“ Du brauchst nicht zu jedem Thema deinen Senf dazuzugeben. Personen, die überall eine Meinung haben, wirken nicht kompetent – im Gegenteil. Respekt und Kompetenz werden gerade den Leuten zugeschrieben, die die Grenzen ihrer eigenen Kompetenz – ihren Circle of Competence – genau kennen und, sobald sie sich außerhalb bewegen, klar sagen: „Hier müsste ich mich einlesen, da möchte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.“ Du kannst durchaus etwas sagen, etwa die Wechselwirkungen eines Problems beschreiben und wie du es aktuell verstehst, aber gleichzeitig betonen: Das sind Annahmen, keine Fakten. Wer so systematisch über Zusammenhänge kommuniziert und sich nicht sofort eine meinungsstarke Meinung bildet, wird als kompetent wahrgenommen.

Idee Nummer 7: Die Welt ist groß, aber Industrien sind klein. Nach ein paar Jahren kennt jeder die Qualität deiner Arbeit. Dein Ruf ist essenziell – er arbeitet für dich oder gegen dich. Man könnte auch sagen: Industrien sind groß und dein Unternehmen ist klein. Deine Kompetenz spricht sich schnell herum, ebenso deine Aussagen. Ein gutes, souveränes Auftreten und eine gute Art der Kommunikation sprechen sich schnell herum – aber eine negative Reputation eben auch.

Zum Schluss ein Bonusgedanke: wie man ein miserables Berufsleben führt. Relativ simpel: Sei unzuverlässig, unpünktlich, unglaubwürdig und unorganisiert. Das schwächt das Vertrauen, schadet deiner Reputation und limitiert am Ende deine persönliche und berufliche Entwicklung. So wie du als Leader wahrgenommen wirst, wird stark von deiner wahrgenommenen Kompetenz beeinflusst – davon, wie du sprichst und kommunizierst. Du wirst ein miserables Berufsleben führen, wenn du dauernd kompliziert kommunizierst, niemand dich versteht, deine Präsentationen langweilen und deine Aussagen auf Halbwahrheiten oder bloßen Meinungen beruhen. All das schadet deiner Reputation und sorgt dafür, dass du weniger respektiert wirst und weniger Zuspruch bekommst.

Ich fasse die sieben Gedanken plus den Bonus zusammen. Erstens: Verwirrte Chefs (oder Geschäftsführer, Mitarbeiter, eigentlich alle) sagen Nein – wenn du Zuspruch willst, hol die Personen da ab, wo sie sind. Gerade Komplexität und Fachjargon sind der größte Reibungspunkt mit Führungskräften, die nicht so tief in der Materie stecken; bau die Brücke, sonst hängst du dein Umfeld ab und wirkst inkompetent. Zweitens: Kommunikation ist, was ankommt, nicht was gesagt wird – versteht dich jemand nicht, liegt es an dir. Drittens und viertens: Starte Vorträge mit Storytelling oder einem überraschenden Fakt und beende mit einer nachwirkenden Frage statt einer Danke-Folie. Fünftens: keine E-Mails im Affekt. Sechstens: Kenne deinen Circle of Competence und sag ruhig „Ich weiß nicht genug darüber“. Siebtens: Schütze deinen Ruf, denn Industrien sind klein. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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