Jeder ambitionierte Ingenieur steht unter Druck. Manche gehen stark und gelassen damit um, andere zerbrechen daran. Der Unterschied sind keine Talente, sondern Prinzipien, die du trainieren kannst.
In dieser Folge bekommst du fünf Grundprinzipien für mehr Resilienz: wie du Stress, Unsicherheit und Kritik souverän begegnest – und mental stärker wirst, ohne dich zu verhärten.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Struggle ist normal. Jede erfolgreiche Person hat harte Phasen durchlebt, die niemand gesehen hat. Du kannst den Struggle nicht überspringen, wenn du die Erfolgsstory willst.
- Drei Typen im Umgang mit Druck (nach Tony Robbins): der Dabbler (springt ab), der Stresser (kämpft sich blind durch – Burnout-Gefahr) und der Master (versteht Erfolg als Prozess und passt seine Strategie an).
- Kenne deine Trigger. Situationen, Emotionen oder Gedanken lösen automatische Negativ-Reaktionen aus. Wer seine Trigger sieht, entwaffnet sie – Bewusstsein ist der erste Schritt.
- Jammern ist eine miserable Strategie. Probleme erkennen: ja. Sich wünschen, die Welt wäre anders: nein. Das führt nur in den Opfermodus.
- Circle of Influence. Konzentriere deine Energie auf das, was du beeinflussen kannst (dein Tun, Sagen, Denken) – nicht auf das, was andere tun, sagen oder denken.
- Sei ein Happy Winner. Zufrieden und erfolgreich: Vergangenheit loslassen, Gegenwart realistisch sehen, Zukunft radikal optimistisch. An dich selbst zu glauben ist ein Vollzeitjob.
Die 5 Prinzipien für mehr Resilienz im Detail
1. Die richtige Erwartungshaltung: Struggle ist normal. Wer hohe Ziele hat, erlebt nie einen geradlinigen Weg. Herausforderungen, Druck und emotionale Achterbahn gehören dazu. Tony Robbins beschreibt drei Typen: Der Dabbler startet begeistert und springt ab, sobald die ersten Probleme kommen – er wird in nichts richtig gut. Der Stresser glaubt, jedes Problem lasse sich nur mit Biss und „härter arbeiten“ lösen – auf Dauer droht Burnout. Der Master versteht Erfolg als Prozess: Ein Plateau oder ein Problem ist kein Drama, sondern ein Signal, zu reflektieren und die Strategie anzupassen. Mal braucht es Durchhaltevermögen, mal einen neuen Weg. Ein hilfreiches Motto: Eines Tages wirst du zurückblicken und erkennen, dass die Struggle-Jahre die lehrreichsten waren.
2. Kenne deine Trigger. Macht dich Stress unsicher? Kritik wütend? Angst passiv? Trigger bringen die schlechteste Version in dir zum Vorschein – und nur wer sie kennt, kann souverän reagieren. Eine einfache Übung aus The Happiness Trap (Russ Harris): Schreib ein großes „V“ auf ein Blatt. Unten der Trigger (Situation, Emotion oder Gedanke). Die linke Linie ist die Away-Reaktion (du verhältst dich, wie du eigentlich nicht sein willst), die rechte die Towards-Reaktion (so, wie du sein möchtest). Reflektiere zwei Wochen lang: Wann hattest du eine starke negative Reaktion – und was kam unmittelbar davor? Das ist der Trigger. Schon das Sichtbarmachen entwaffnet ihn. James Clear nennt das in Atomic Habits den Habit Loop aus Auslöser und Reaktion – nur geht es hier um Denk- und Gefühlsgewohnheiten, nicht nur um Handlungen.
3. Jammern ist eine miserable Strategie. Probleme realistisch zu sehen ist wichtig. Aber die Haltung „die Welt sollte anders sein“ ändert nichts und führt direkt in den Opfermodus. Resiliente Ingenieure verschwenden keine Energie aufs Jammern. Sie fragen stattdessen: Wie kann ich in dieser Welt erfolgreich handeln?
4. Der Circle of Influence (Stoa). Die stoische Philosophie – stark gemacht u. a. von Ryan Holiday – dreht sich im Kern um Resilienz. Stephen Covey nennt es den Circle of Influence: Beeinflussen kannst du, was du tust, sagst und denkst. Nicht beeinflussen kannst du, was andere tun, sagen und denken. Wer seine Energie nur dorthin lenkt, wo er wirklich etwas bewegt, wird automatisch gelassener. Ein großer Resilienz-Killer ist dabei der Wunsch nach sozialer Anerkennung: Wer sein Verhalten ständig danach ausrichtet, wie andere ihn sehen, arbeitet außerhalb seines Einflussbereichs – und gerät leichter ins Wanken.
5. Sei ein Happy Winner. Manche sind erfolgreich, aber unzufrieden; andere zufrieden, aber erfolglos. Du willst beides. Das Mindset dahinter besteht aus drei Teilen: die Vergangenheit loslassen, die Gegenwart realistisch sehen und die Zukunft radikal optimistisch erwarten. Dazu gehört positiver Selbst-Dialog – denn ständige Selbstkritik ist selbst ein Trigger. An dich selbst zu glauben ist ein Vollzeitjob.
Resilienz ist wie ein Muskel – du baust sie über Reps auf. Wie du im Alltag gelassener und geduldiger wirst, vertiefe ich in Gelassenheit lernen. Die Trigger-Übung entfaltet ihre Wirkung am besten schriftlich – wie du Selbstreflexion zur Gewohnheit machst, hörst du in Journaling. Und warum ein radikal optimistischer Blick keine Naivität, sondern Training ist, zeigt Optimismus lernen.
Häufige Fragen zur Resilienz
Was ist Resilienz? Die Fähigkeit, mit Stress, Druck, Unsicherheit und Kritik souverän umzugehen, ohne daran zu zerbrechen. Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, sondern lässt sich über Prinzipien und Übung wie ein Muskel aufbauen.
Wie werde ich resilienter? Über fünf Prinzipien: Struggle als normalen Teil des Wegs akzeptieren, deine Trigger kennenlernen, aufhören zu jammern, deine Energie auf deinen Einflussbereich konzentrieren und ein „Happy-Winner“-Mindset entwickeln (Vergangenheit loslassen, Gegenwart realistisch, Zukunft optimistisch).
Was sind Trigger und wie erkenne ich sie? Trigger sind Situationen, Emotionen oder Gedanken, die automatisch eine negative Reaktion auslösen. Du erkennst sie über die „V“-Übung aus The Happiness Trap: Notiere über zwei Wochen, wann du stark negativ reagiert hast, und finde heraus, was unmittelbar davor passiert ist.
Was ist der Circle of Influence? Ein Konzept aus der Stoa, populär gemacht von Stephen Covey: Konzentriere dich auf das, was du beeinflussen kannst (dein Tun, Sagen, Denken), statt auf das, was außerhalb deiner Kontrolle liegt (was andere tun, sagen, denken). Das reduziert Stress und stärkt die Gelassenheit.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
- Russ Harris – The Happiness Trap: über gedankliche Gewohnheiten und die Trigger-Übung (das „V“ mit Away- und Towards-Reaktion).
- James Clear – Atomic Habits / Die 1%-Methode: der Habit Loop aus Auslöser und Reaktion – hier übertragen auf Denkgewohnheiten.
- Ryan Holiday – stoische Werke: The Obstacle Is the Way, Dein Ego ist dein Feind und Stillness Is the Key.
- Stephen Covey – Die 7 Wege zur Effektivität: Ursprung des Circle of Influence.
Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit.
Transkript
Jeder ambitionierte Ingenieur steht unter Druck. Es gibt einige, die damit besser klarkommen, die stark und gelassen damit umgehen – und andere, die daran zerbrechen. Stress, Unsicherheit, Kritik: All das kann dich aus dem Gleichgewicht bringen. Doch es gibt Prinzipien, die dich mental stärker machen und helfen, Herausforderungen souverän zu meistern. Genau darum geht es in dieser Folge.
Vor einigen Tagen habe ich mit einem guten Freund über die Frage gesprochen: Wie kann man resilienter werden? Ich habe das zum Anlass genommen, fünf Grundprinzipien herauszuarbeiten – die Basis für Resilienz, um gelassener mit Druck umzugehen und mentale Stärke aufzubauen.
Erstens: die richtige Erwartungshaltung. Struggle ist normal. Jede erfolgreiche Person, die du bewunderst, hat irgendwann eine harte Phase durchlebt, die niemand gesehen hat. Wenn du also auch mal struggelst – Herausforderung, Stress, Druck, eine emotionale Achterbahn –, dann ist das völlig normal, gerade wenn du ambitioniert bist. Du kannst den Struggle nicht überspringen, wenn du die Erfolgsstory möchtest. Tony Robbins beschreibt drei Typen im Umgang damit. Der erste ist der Dabbler: Er startet ein Projekt, ist begeistert von etwas Neuem, verliert aber das Interesse, sobald die ersten Probleme auftauchen, und springt zur nächsten vermeintlich besseren Idee. Er geht dem Struggle aus dem Weg. Der zweite ist der Stresser: Er glaubt, jedes Problem lasse sich nur mit Grit, mit Biss, mit Durchhaltevermögen meistern, und kämpft sich durch jedes Problem, ohne seine Strategie zu hinterfragen. Sein Motto ist „immer härter arbeiten“ – auf Dauer läuft er Gefahr zu zerbrechen, Stichwort Burnout. Der dritte Typ ist der Master: Er versteht, dass Erfolg ein Prozess ist. Sobald ein Plateau oder ein Problem auftaucht, ist das eine Chance zur Weiterentwicklung – eine Chance, zu reflektieren und die Strategie zu hinterfragen. Mal heißt das Durchhaltevermögen, mal die Strategie ändern. Dafür brauchst du Fokus, Klarheit und Geduld.
Der Master ist nicht überrascht, wenn etwas nicht klappt, und nicht emotional am Boden zerstört. Ein Satz, der mir hilft: Eines Tages, wenn du zurückblickst, wirst du erkennen, dass die Struggle-Jahre die schönsten – oder besser: die lehrreichsten – waren. Das sind meist die Jahre, in denen man große Erkenntnisse gesammelt und bedeutende Entscheidungen getroffen hat, die eine wichtige positive Wendung genommen haben. Punkt eins ist also Erwartungsmanagement: zu verstehen, dass Struggle dazugehört.
Zweitens: Kenne deine Trigger. Macht Stress dich unsicher? Macht Kritik dich wütend? Führt Angst dazu, dass du passiv wirst, prokrastinierst oder ins Overthinking kommst? Trigger bringen die schlechteste Version in dir zum Vorschein – sie destabilisieren dich. Nur wenn du weißt, was dich aus dem Gleichgewicht bringt, kannst du lernen, souverän zu reagieren. Ich habe dazu ein sehr spannendes Buch gelesen: The Happiness Trap. Es funktioniert gewissermaßen neben Atomic Habits von James Clear. Bei Atomic Habits geht es um Handlungsgewohnheiten – den Habit Loop mit einem Auslöser (Trigger) und einer Reaktion. Ein Beispiel: Auf dem Küchentisch liegt eine Tafel Schokolade (Trigger), du isst sie (Reaktion). In The Happiness Trap geht es um gedankliche Gewohnheiten.
Eine sehr einfache Übung dazu: Du brauchst nur Zettel und Stift und schreibst ein großes „V“. Unter das V gehören die Trigger. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie du auf einen Trigger reagierst. Die linke Linie des V ist der „Away“-Part: Du reagierst so, wie du eigentlich nicht sein möchtest. Die rechte Linie ist der „Towards“-Part: Du verhältst dich so, wie du idealerweise sein willst – hin zu der Persönlichkeit, die du sein möchtest. Trigger sind Situationen, Emotionen oder Gedanken, die eine negative Reaktion auslösen, und in den meisten Fällen sind sie dir unbekannt. Reflektiere: Wann hattest du in den letzten Wochen eine starke negative Reaktion? Hast du gemeckert, gelästert, warst wütend oder sehr traurig? Was ist unmittelbar davor passiert? Das war der Trigger.
Ein plakatives Beispiel: Du bist Führungskraft, ein Mitarbeiter bringt dir eine schlechte Nachricht, und sofort wirst du wütend, meckerst oder suchst nach Schuldigen – und bereust es danach, weil du so nicht sein möchtest. Wenn du diesen Zusammenhang einmal für dich skizzierst und deine Trigger kennst, ist das fast sofort entwaffnend. Beim nächsten Mal reagierst du weniger stark, weil du erkennst: Das ist eine Denk- oder Gefühlsgewohnheit, die du dir über Jahre antrainiert hast. Bewusstsein ist immer der erste Schritt zur Besserung. Viele Menschen sind stark von ihren Triggern getrieben, weil sie sich nie damit beschäftigt haben – und sind deshalb weniger resilient.
Drittens: Jammern ist eine miserable Strategie. Probleme zu erkennen ist wichtig – die Welt realistisch zu betrachten, auch deinen beruflichen und privaten Kontext, und sich nicht selbst zu belügen. Aber die Haltung „die Welt sollte anders sein“ ändert nichts. Wer ständig im Jammermodus ist, ist automatisch im Opfermodus. Mental starke, resiliente Ingenieure verschwenden keine Energie aufs Jammern oder darauf, sich zu wünschen, die Welt wäre anders. Sie fragen sich: Wie kann ich in dieser Welt erfolgreich handeln?
Viertens: die stoische Philosophie und der Circle of Influence. Die Stoa dreht sich stark um Resilienz. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, kann ich dir Ryan Holiday sehr empfehlen – er hat viele Bücher über die stoische Philosophie geschrieben, etwa The Obstacle Is the Way, Ego Is the Enemy oder Stillness Is the Key, dazu einen guten YouTube-Kanal. Ein fundamentales Element ist das, was Stephen Covey den Circle of Influence nennt und das ursprünglich aus der Stoa stammt: Beeinflussen kannst du, was du tust, was du sagst und was du denkst. Nicht beeinflussen kannst du, was andere Menschen tun, sagen oder denken. Resiliente Ingenieure setzen ihre Energie dort ein, wo sie wirklich etwas bewegen. Was außerhalb deines Einflussbereichs liegt (Covey nennt es den Circle of Concern), stresst dich automatisch weniger, weil du weißt: Ich kann es ohnehin nicht ändern.
Dazu gehört ein wichtiger Punkt: der Wunsch nach sozialer Anerkennung. Er ist uns aus evolutionären Gründen einprogrammiert, aber er ist ein großer Feind des klaren Denkens und der Resilienz. Wenn du dein Verhalten immer danach ausrichtest, was andere von dir halten, arbeitest du außerhalb deines Einflussbereichs – denn das kannst du nur indirekt, nie direkt steuern. Davon Abstand zu nehmen ist schwer, weil es etwas Psychologisches ist. Aber Resilienz ist generell wie ein Muskel.
Fünftens: Sei ein Happy Winner. Manche Ingenieure sind erfolgreich, aber unzufrieden. Andere sind zufrieden, aber erfolglos. Du willst die Kombination: zufrieden und erfolgreich. Das Mindset dieser Menschen besteht aus drei Dingen: Erstens ignorieren sie die Vergangenheit (denn dort verharren ist oft mit negativen Emotionen verbunden). Zweitens sehen sie die Gegenwart realistisch. Drittens blicken sie radikal optimistisch in die Zukunft. Und ein wichtiger Satz: An dich selbst zu glauben ist ein Vollzeitjob. Positiver Selbst-Dialog ist ein zentrales Element von Resilienz – wer ständig schlecht über sich spricht, hat einen Trigger und eine negative Gewohnheit, die zur Away-Seite des V gehört.
Zusammengefasst: Erstens, Erwartungshaltung – Struggle ist normal, und du kannst ihn nicht überspringen, wenn du die Erfolgsstory willst (Dabbler, Stresser, Master). Zweitens, kenne deine Trigger – sie bringen die schlechteste Version in dir zum Vorschein; die V-Übung hilft. Drittens, jammern ist eine miserable Strategie – frag dich, wie du in dieser Welt erfolgreich handelst. Viertens, der Circle of Influence – investiere deine Energie nur dort, wo du etwas bewirken kannst, und mach dich frei vom Wunsch nach ständiger Anerkennung. Fünftens, das Happy-Winner-Mindset – Vergangenheit loslassen, Gegenwart realistisch sehen, Zukunft radikal optimistisch.
Es gibt noch viele weitere Wege, an Resilienz zu arbeiten, über die ich hier nicht gesprochen habe – etwa Journaling oder psychologisches Coaching bzw. Psychotherapie. Das wird immer weniger stigmatisiert und ist ein wertvolles Instrument, um viel über sich zu lernen. Wenn du gerade in einer großen Struggle-Phase bist und dich nach Resilienz sehnst, kann genau das der richtige Weg sein. Ich hoffe, da waren einige Impulse für dich dabei. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.
