Optimismus lernen: die Kunst, optimistisch zu sein

„No one wants to follow a pessimist“ – diesen Satz von Disney-CEO Bob Iger sollte sich jede Führungskraft hinter die Ohren schreiben. Ein optimistischer Chef ist ein Segen für Motivation und Team, ein pessimistischer ein Fluch. Und die gute Nachricht: Optimismus ist – wie Pessimismus – eine antrainierte Denkgewohnheit, die du lernen kannst.

In dieser Folge geht es nicht um blindes Schönreden, sondern um zwei praktische Facetten: den Fokus auf den „Gain statt Gap“ und die „Bronze-Mentalität“ – und eine konkrete Übung, mit der du Optimismus bei dir und im Team trainierst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • „Niemand folgt einem Pessimisten“ (Bob Iger): Optimismus ist ein Führungs- und Motivationsfaktor.
  • Optimismus ist trainierbar – eine Denkgewohnheit, kein Charakterzug. Gemeint ist nicht blindes Schönreden (kritisches Denken bleibt wichtig).
  • Gain statt Gap (Dan Sullivan): Fokussiere auf den Fortschritt seit dem Start, nicht auf die Lücke zum Ziel.
  • Bronze- statt Silber-Mentalität (Derek Sivers): Bronze-Gewinner sind oft glücklicher als Silber – sie vergleichen sich nach unten.
  • Vergleiche dich mit dir von gestern, nicht mit denen, die fünf Jahre voraus sind.
  • Übung: 10 Erfolge von dir und jedem Teammitglied der letzten Wochen sammeln – Fortschritt ist der größte Motivator.

Optimismus lernen: die Kernidee

Worum es geht (und worum nicht)

Churchill: „Ein Optimist sieht eine Gelegenheit in jeder Schwierigkeit; ein Pessimist eine Schwierigkeit in jeder Gelegenheit.“ Wichtig: Gemeint ist nicht unrealistisches Schönreden. Ideen kritisch zu prüfen, Fragen zu stellen und Konflikte zuzulassen, bleibt richtig. Es geht um die grundsätzliche Denkgewohnheit – und die lässt sich trainieren.

Facette 1: Gain statt Gap

Optimisten nehmen Fortschritt anders wahr. Zwischen Startpunkt und Ziel kannst du auf zwei Dinge schauen: auf das Gap (was noch zum Ziel fehlt) oder auf den Gain (was du seit dem Start erreicht hast). Das Prinzip stammt von Dan Sullivan. Wer ständig aufs Gap schaut, ist tendenziell unzufrieden und frustriert – selbst bei großen Fortschritten – und überträgt das aufs Team. Es geht nicht darum, Ambitionen abzulegen (das Ziel bleibt hoch), sondern den Fokus auf den erzielten Fortschritt zu legen.

Facette 2: die Bronze-Mentalität

Derek Sivers‘ „Think like a bronze, not silver“: Studien zu Olympioniken zeigen, dass Bronze-Gewinner oft glücklicher sind als Silber-Gewinner. Warum? Bronze vergleicht sich nach unten („Ich hab’s aufs Podium geschafft“), Silber nach oben („fast Gold“) – und fokussiert damit auf das Verpasste. Übertrag das: Vergleiche dich nicht mit denen, die fünf Jahre voraus sind, sondern mit dir von gestern. Bei großen YouTubern lohnt der Blick auf deren erste Videos – meist erschreckend nah an deinem Start. Das motiviert.

Die Übung: Erfolge sichtbar machen

Die meisten können mühelos Ziele nennen, aber kaum ihre Erfolge. Frag dich (und dein Team): Was habe ich / haben wir in den letzten Wochen und Monaten alles erreicht? Sammle 10 Erfolge von dir und idealerweise von jedem Teammitglied. Hol das bewusst in Gesprächen hervor – Fortschritt ist der größte Motivator. So wirst du als Optimist wahrgenommen und befeuerst die Motivation des ganzen Teams.

Wie du Erfolge regelmäßig reflektierst (Gain-Fokus), zeigt die Jahresreflexion. Warum optimistische Führung Teams trägt, vertieft Was eine gute Führungskraft ausmacht. Und wie Motivation und Kultur zusammen die Teamleistung heben, hörst du in Teamleistung steigern. Den Kerngedanken gibt es kompakt im Artikel Optimisten führen besser.

Häufige Fragen zum Optimismus

Kann man Optimismus lernen? Ja. Optimismus ist – wie Pessimismus – eine antrainierte Denkgewohnheit, keine feste Eigenschaft. Du trainierst ihn, indem du bewusst auf Fortschritt (Gain) statt auf Lücken (Gap) schaust und dich nach unten statt nach oben vergleichst.

Was bedeutet „Gain statt Gap“? Ein Prinzip von Dan Sullivan: Statt auf die Lücke zum Ziel (Gap) zu schauen, fokussierst du auf den Fortschritt seit deinem Startpunkt (Gain). Das macht zufriedener und motivierter – ohne die Ambition aufzugeben.

Warum führen Optimisten besser? Weil niemand einem Pessimisten folgen will (Bob Iger). Optimistische Führung bedeutet Motivation, Energie und das Gefühl von Fortschritt im Team. Ständiger Fokus auf das Fehlende frustriert und demotiviert – egal, wie viel erreicht wurde.

Ist Optimismus nicht naiv? Nein. Gemeint ist kein blindes Schönreden. Kritisches Denken, Nachfragen und Konflikte bleiben wichtig. Es geht um die grundsätzliche Haltung, Chancen und Fortschritt zu sehen, statt alles schwarzzumalen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema moderne Führung und persönliche Entwicklung.

Transkript

Herzlich willkommen zu Folge 172: Optimisten führen besser – die seltene Kunst, optimistisch zu sein. Wir steigen ein mit einem Satz, der mitten ins Mark trifft, vom ehemaligen Disney-CEO Bob Iger: „No one wants to follow a pessimist.“ Niemand möchte einem Pessimisten folgen. Wenn du schon einmal eine optimistische Chefin oder einen optimistischen Chef hattest, weißt du: Das ist ein Segen – für die eigene Arbeit, die Motivation und das ganze Team. Ein sehr pessimistischer Chef dagegen ist ein Fluch; das gilt auch für jedes Teammitglied, das immer nur die schlechten Seiten sieht. Winston Churchill fasst es gut zusammen: Ein Optimist sieht eine Gelegenheit in jeder Schwierigkeit, ein Pessimist eine Schwierigkeit in jeder Gelegenheit.

Wichtig: Wenn ich von Optimismus spreche, meine ich nicht unrealistisches, blindes Schönreden. Es geht nicht darum, Gedanken nicht zu hinterfragen oder kritische Diskussionen zu vermeiden – im Gegenteil. Im Kern ist Optimismus, genau wie Pessimismus, eine antrainierte Gewohnheit. Ständiges Schwarzmalen ist eine negative Denkgewohnheit, Optimismus eine positive. Ich bringe zwei praktische Facetten mit, die dir helfen, optimistischer zu sein – denn Optimismus bedeutet Motivation, weniger Frust und mehr Energie, die du auch ins Team trägst.

Erste Facette: Optimisten nehmen ihren eigenen Fortschritt und den ihres Teams anders wahr – ihr Fokus liegt auf dem Gain, nicht auf dem Gap. Das Prinzip stammt von Dan Sullivan (eine Visualisierung gibt es im Artikel unter mentorwerk.de/optimisten). Stell dir einen Startpunkt und ein Ziel vor. Nach einigen Wochen hast du Fortschritt gemacht. Jetzt kannst du entweder auf das Gap schauen – was noch zum Ziel fehlt – oder auf den Gain – die Differenz zwischen Start und dem, was du erreicht hast. Optimisten fokussieren auf das bereits Erreichte. Wer ständig aufs Gap schaut, ist tendenziell unzufrieden und frustriert, selbst bei großen Fortschritten. Es geht nicht darum, Ambitionen abzulegen – das Ziel bleibt hoch –, sondern darum, den Fokus auf den Fortschritt zu legen.

Ein plakatives Beispiel von Derek Sivers: „Think like a bronze, not silver.“ Studien zu Olympia-Teilnehmern zeigen, dass Bronzemedaillen-Gewinner häufig glücklicher sind als Silber-Gewinner. Warum? Wer Bronze gewinnt, hat es aufs Podium geschafft und vergleicht sich nach unten – mit denen, die gar keine Medaille haben. Wer Silber gewinnt, vergleicht sich nach oben, mit Gold, und fokussiert auf das Verpasste – das führt zu Enttäuschung. Beide hatten vielleicht dasselbe Ziel (Gold), aber die Blickrichtung entscheidet über die Zufriedenheit. Vergleiche dich also nach unten, nicht nach oben – und vergleiche dich mit der Person, die du gestern warst. Bei großen YouTubern lohnt der Blick auf die allerersten Videos: Meist waren sie gar nicht so weit von deinem heutigen Start entfernt. Das motiviert ungemein.

Wer ständig nur aufs Gap schaut, redet vorhandenen Fortschritt klein – und damit das Gefühl von Fortschritt, dem größten Motivator. Das frustriert nicht nur dich, sondern das ganze Team, und du wirst als Pessimist wahrgenommen. Genau hier greift Igers Satz: Niemand will Teil eines Teams sein, das nur auf das schaut, was fehlt – egal, wie viel erreicht wurde.

Zur praktischen Umsetzung eine zentrale Übung, die wir in der Zusammenarbeit mit Ingenieuren ganz zu Beginn machen: Beim persönlichen Leitbild sprechen wir nicht nur über Ziele, sondern über die bisherigen Erfolge. Die Frage „Was sind deine persönlichen Erfolge der letzten Monate?“ führt meist zu Stille – viele nennen das Studium und dann wird es dünn. Würde ich sagen „Schreib 50 bis 100 Dinge auf, die du oder dein Team in den letzten Wochen erreicht habt“, wird es noch dünner. Genau das lohnt sich aber zu trainieren. Nimm dir jetzt Zettel und Stift oder deine Notizen-App und sammle 10 Erfolge von dir, 10 von deinem Team, vielleicht sogar 10 von jedem Teammitglied. Stell diese Frage in den nächsten Tagen bewusst – „Nenn mir drei Dinge, die du in den letzten Wochen erreicht hast.“ Damit hilfst du auch deinem Team, diese Denkgewohnheit zu trainieren. Es macht Spaß, löst Motivation aus, und du wirst als Optimist wahrgenommen.

Zusammengefasst: „No one wants to follow a pessimist“ (Bob Iger). Ein optimistischer Chef ist ein Segen – auch für die eigene Gesundheit; es gibt Studien, dass Optimisten länger leben, weil es Stress abbaut und Gelassenheit fördert. Optimisten erkennt man daran, dass sie den Fokus auf den Gain statt aufs Gap legen. Derek Sivers‘ Bronze-Mentalität zeigt: Vergleiche dich nach unten, nicht nach oben. Und die praktische Frage zum Mitnehmen: Was hast du oder dein Team in den letzten Wochen und Monaten alles erreicht? Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Optimismus lernen: die Kunst, optimistisch zu sein

„No one wants to follow a pessimist“ – diesen Satz von Disney-CEO Bob Iger sollte sich jede Führungskraft hinter die Ohren schreiben. Ein optimistischer Chef ist ein Segen für Motivation und Team, ein pessimistischer ein Fluch. Und die gute Nachricht: Optimismus ist – wie Pessimismus – eine antrainierte Denkgewohnheit, die du lernen kannst.

In dieser Folge geht es nicht um blindes Schönreden, sondern um zwei praktische Facetten: den Fokus auf den „Gain statt Gap“ und die „Bronze-Mentalität“ – und eine konkrete Übung, mit der du Optimismus bei dir und im Team trainierst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • „Niemand folgt einem Pessimisten“ (Bob Iger): Optimismus ist ein Führungs- und Motivationsfaktor.
  • Optimismus ist trainierbar – eine Denkgewohnheit, kein Charakterzug. Gemeint ist nicht blindes Schönreden (kritisches Denken bleibt wichtig).
  • Gain statt Gap (Dan Sullivan): Fokussiere auf den Fortschritt seit dem Start, nicht auf die Lücke zum Ziel.
  • Bronze- statt Silber-Mentalität (Derek Sivers): Bronze-Gewinner sind oft glücklicher als Silber – sie vergleichen sich nach unten.
  • Vergleiche dich mit dir von gestern, nicht mit denen, die fünf Jahre voraus sind.
  • Übung: 10 Erfolge von dir und jedem Teammitglied der letzten Wochen sammeln – Fortschritt ist der größte Motivator.

Optimismus lernen: die Kernidee

Worum es geht (und worum nicht)

Churchill: „Ein Optimist sieht eine Gelegenheit in jeder Schwierigkeit; ein Pessimist eine Schwierigkeit in jeder Gelegenheit.“ Wichtig: Gemeint ist nicht unrealistisches Schönreden. Ideen kritisch zu prüfen, Fragen zu stellen und Konflikte zuzulassen, bleibt richtig. Es geht um die grundsätzliche Denkgewohnheit – und die lässt sich trainieren.

Facette 1: Gain statt Gap

Optimisten nehmen Fortschritt anders wahr. Zwischen Startpunkt und Ziel kannst du auf zwei Dinge schauen: auf das Gap (was noch zum Ziel fehlt) oder auf den Gain (was du seit dem Start erreicht hast). Das Prinzip stammt von Dan Sullivan. Wer ständig aufs Gap schaut, ist tendenziell unzufrieden und frustriert – selbst bei großen Fortschritten – und überträgt das aufs Team. Es geht nicht darum, Ambitionen abzulegen (das Ziel bleibt hoch), sondern den Fokus auf den erzielten Fortschritt zu legen.

Facette 2: die Bronze-Mentalität

Derek Sivers‘ „Think like a bronze, not silver“: Studien zu Olympioniken zeigen, dass Bronze-Gewinner oft glücklicher sind als Silber-Gewinner. Warum? Bronze vergleicht sich nach unten („Ich hab’s aufs Podium geschafft“), Silber nach oben („fast Gold“) – und fokussiert damit auf das Verpasste. Übertrag das: Vergleiche dich nicht mit denen, die fünf Jahre voraus sind, sondern mit dir von gestern. Bei großen YouTubern lohnt der Blick auf deren erste Videos – meist erschreckend nah an deinem Start. Das motiviert.

Die Übung: Erfolge sichtbar machen

Die meisten können mühelos Ziele nennen, aber kaum ihre Erfolge. Frag dich (und dein Team): Was habe ich / haben wir in den letzten Wochen und Monaten alles erreicht? Sammle 10 Erfolge von dir und idealerweise von jedem Teammitglied. Hol das bewusst in Gesprächen hervor – Fortschritt ist der größte Motivator. So wirst du als Optimist wahrgenommen und befeuerst die Motivation des ganzen Teams.

Wie du Erfolge regelmäßig reflektierst (Gain-Fokus), zeigt die Jahresreflexion. Warum optimistische Führung Teams trägt, vertieft Was eine gute Führungskraft ausmacht. Und wie Motivation und Kultur zusammen die Teamleistung heben, hörst du in Teamleistung steigern. Den Kerngedanken gibt es kompakt im Artikel Optimisten führen besser.

Häufige Fragen zum Optimismus

Kann man Optimismus lernen? Ja. Optimismus ist – wie Pessimismus – eine antrainierte Denkgewohnheit, keine feste Eigenschaft. Du trainierst ihn, indem du bewusst auf Fortschritt (Gain) statt auf Lücken (Gap) schaust und dich nach unten statt nach oben vergleichst.

Was bedeutet „Gain statt Gap“? Ein Prinzip von Dan Sullivan: Statt auf die Lücke zum Ziel (Gap) zu schauen, fokussierst du auf den Fortschritt seit deinem Startpunkt (Gain). Das macht zufriedener und motivierter – ohne die Ambition aufzugeben.

Warum führen Optimisten besser? Weil niemand einem Pessimisten folgen will (Bob Iger). Optimistische Führung bedeutet Motivation, Energie und das Gefühl von Fortschritt im Team. Ständiger Fokus auf das Fehlende frustriert und demotiviert – egal, wie viel erreicht wurde.

Ist Optimismus nicht naiv? Nein. Gemeint ist kein blindes Schönreden. Kritisches Denken, Nachfragen und Konflikte bleiben wichtig. Es geht um die grundsätzliche Haltung, Chancen und Fortschritt zu sehen, statt alles schwarzzumalen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema moderne Führung und persönliche Entwicklung.

Transkript

Herzlich willkommen zu Folge 172: Optimisten führen besser – die seltene Kunst, optimistisch zu sein. Wir steigen ein mit einem Satz, der mitten ins Mark trifft, vom ehemaligen Disney-CEO Bob Iger: „No one wants to follow a pessimist.“ Niemand möchte einem Pessimisten folgen. Wenn du schon einmal eine optimistische Chefin oder einen optimistischen Chef hattest, weißt du: Das ist ein Segen – für die eigene Arbeit, die Motivation und das ganze Team. Ein sehr pessimistischer Chef dagegen ist ein Fluch; das gilt auch für jedes Teammitglied, das immer nur die schlechten Seiten sieht. Winston Churchill fasst es gut zusammen: Ein Optimist sieht eine Gelegenheit in jeder Schwierigkeit, ein Pessimist eine Schwierigkeit in jeder Gelegenheit.

Wichtig: Wenn ich von Optimismus spreche, meine ich nicht unrealistisches, blindes Schönreden. Es geht nicht darum, Gedanken nicht zu hinterfragen oder kritische Diskussionen zu vermeiden – im Gegenteil. Im Kern ist Optimismus, genau wie Pessimismus, eine antrainierte Gewohnheit. Ständiges Schwarzmalen ist eine negative Denkgewohnheit, Optimismus eine positive. Ich bringe zwei praktische Facetten mit, die dir helfen, optimistischer zu sein – denn Optimismus bedeutet Motivation, weniger Frust und mehr Energie, die du auch ins Team trägst.

Erste Facette: Optimisten nehmen ihren eigenen Fortschritt und den ihres Teams anders wahr – ihr Fokus liegt auf dem Gain, nicht auf dem Gap. Das Prinzip stammt von Dan Sullivan (eine Visualisierung gibt es im Artikel unter mentorwerk.de/optimisten). Stell dir einen Startpunkt und ein Ziel vor. Nach einigen Wochen hast du Fortschritt gemacht. Jetzt kannst du entweder auf das Gap schauen – was noch zum Ziel fehlt – oder auf den Gain – die Differenz zwischen Start und dem, was du erreicht hast. Optimisten fokussieren auf das bereits Erreichte. Wer ständig aufs Gap schaut, ist tendenziell unzufrieden und frustriert, selbst bei großen Fortschritten. Es geht nicht darum, Ambitionen abzulegen – das Ziel bleibt hoch –, sondern darum, den Fokus auf den Fortschritt zu legen.

Ein plakatives Beispiel von Derek Sivers: „Think like a bronze, not silver.“ Studien zu Olympia-Teilnehmern zeigen, dass Bronzemedaillen-Gewinner häufig glücklicher sind als Silber-Gewinner. Warum? Wer Bronze gewinnt, hat es aufs Podium geschafft und vergleicht sich nach unten – mit denen, die gar keine Medaille haben. Wer Silber gewinnt, vergleicht sich nach oben, mit Gold, und fokussiert auf das Verpasste – das führt zu Enttäuschung. Beide hatten vielleicht dasselbe Ziel (Gold), aber die Blickrichtung entscheidet über die Zufriedenheit. Vergleiche dich also nach unten, nicht nach oben – und vergleiche dich mit der Person, die du gestern warst. Bei großen YouTubern lohnt der Blick auf die allerersten Videos: Meist waren sie gar nicht so weit von deinem heutigen Start entfernt. Das motiviert ungemein.

Wer ständig nur aufs Gap schaut, redet vorhandenen Fortschritt klein – und damit das Gefühl von Fortschritt, dem größten Motivator. Das frustriert nicht nur dich, sondern das ganze Team, und du wirst als Pessimist wahrgenommen. Genau hier greift Igers Satz: Niemand will Teil eines Teams sein, das nur auf das schaut, was fehlt – egal, wie viel erreicht wurde.

Zur praktischen Umsetzung eine zentrale Übung, die wir in der Zusammenarbeit mit Ingenieuren ganz zu Beginn machen: Beim persönlichen Leitbild sprechen wir nicht nur über Ziele, sondern über die bisherigen Erfolge. Die Frage „Was sind deine persönlichen Erfolge der letzten Monate?“ führt meist zu Stille – viele nennen das Studium und dann wird es dünn. Würde ich sagen „Schreib 50 bis 100 Dinge auf, die du oder dein Team in den letzten Wochen erreicht habt“, wird es noch dünner. Genau das lohnt sich aber zu trainieren. Nimm dir jetzt Zettel und Stift oder deine Notizen-App und sammle 10 Erfolge von dir, 10 von deinem Team, vielleicht sogar 10 von jedem Teammitglied. Stell diese Frage in den nächsten Tagen bewusst – „Nenn mir drei Dinge, die du in den letzten Wochen erreicht hast.“ Damit hilfst du auch deinem Team, diese Denkgewohnheit zu trainieren. Es macht Spaß, löst Motivation aus, und du wirst als Optimist wahrgenommen.

Zusammengefasst: „No one wants to follow a pessimist“ (Bob Iger). Ein optimistischer Chef ist ein Segen – auch für die eigene Gesundheit; es gibt Studien, dass Optimisten länger leben, weil es Stress abbaut und Gelassenheit fördert. Optimisten erkennt man daran, dass sie den Fokus auf den Gain statt aufs Gap legen. Derek Sivers‘ Bronze-Mentalität zeigt: Vergleiche dich nach unten, nicht nach oben. Und die praktische Frage zum Mitnehmen: Was hast du oder dein Team in den letzten Wochen und Monaten alles erreicht? Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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