Gelassenheit lernen: 3 Ideen für mehr Geduld im Job

Die meisten Menschen wollen schnelle Erfolge und sofortige Ergebnisse – meisterhafte Skills, ohne wie bei Malcolm Gladwell 10.000 Stunden zu investieren. Sie sind ständig ungeduldig, auf der Suche nach Abkürzungen. Das Problem: Einige Dinge im Leben lassen sich einfach nicht beschleunigen.

In dieser Folge bekommst du 3 Ideen für mehr Geduld und Gelassenheit – das Tragzeit-Modell, das Prinzip „No Zero Days“ und eine Frage, die deine innere Ruhe verändert.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Tragzeit: Manche Prozesse haben eine unverkürzbare Zeit. „Es dauert 9 Monate, ein Baby zu bekommen – mit neun Frauen wird daraus kein Monat.“
  • Auch im Job gibt es Tragzeit: Vertrauen, Reputation, Reife als Führungspersönlichkeit, ein Unternehmen aufbauen – das braucht Jahre. „Good things take time.“
  • No Zero Days: Jeden Tag ein kleiner Fortschritt – „never skip twice“.
  • Naval Ravikant: „Sei ungeduldig mit deinen Handlungen, aber geduldig mit den Ergebnissen.“
  • Wie günstig ist deine Zufriedenheit? Manche lassen sich von einem kritischen Wort den Tag vermiesen – andere bleiben gelassen.
  • Zufriedenheit ist ein Muskel: Gelassenheit lässt sich trainieren – sie hängt nicht von äußeren Umständen ab.

Die 3 Ideen im Detail

Idee 1: Das Tragzeit-Modell. „Es dauert neun Monate, ein Baby zur Welt zu bringen – diesen Prozess mit neun Frauen auf einen Monat zu verkürzen, ist unmöglich.“ Tomaten wachsen nicht über Nacht, ein Wald lässt sich nicht in einem Jahr züchten. Diese unverkürzbare Zeit nennt man Tragzeit – und sie gibt es nicht nur in der Biologie, sondern auch im Beruf: Das Vertrauen eines neuen Vorgesetzten zu gewinnen dauert Monate, eine gute Reputation und ein Netzwerk Jahre, die Reife zur souveränen Führungspersönlichkeit ebenfalls, und ein nachhaltiges Unternehmen aufzubauen Jahrzehnte. Die Tragzeit hängt dabei nicht nur vom Ziel ab, sondern auch vom Kontext (im stark bürokratischen Konzern dauert die erste Führungsrolle oft viel länger als im Mittelstand). Wer das nicht versteht, lebt ein Leben voller Ungeduld und Frust. Ein Freund hatte ein Bild im Büro hängen mit vier Worten: „Good things take time.“

Idee 2: No Zero Days. Das Leben eines unternehmerisch denkenden Menschen ist geprägt von drei heiligen Worten: No Zero Days. Jeden Tag ein kleines bisschen Fortschritt, jeden Tag in die eigene Entwicklung investieren – und nie zweimal hintereinander aussetzen („never skip twice“). Naval Ravikant bringt es perfekt mit der Tragzeit zusammen: „Sei ungeduldig mit deinen Handlungen, aber geduldig mit den Ergebnissen.“ Du kannst die Samen täglich pflegen, aber nicht erzwingen, dass sie schneller wachsen – du musst ihnen Zeit und Raum geben.

Idee 3: Wie günstig ist deine Zufriedenheit? Manche Menschen sind in Sekunden unzufrieden – ein kritisches Wort oder ein kleiner Fehler reicht, und der Tag ist vermiest. Ihre Zufriedenheit ist „günstig zu erkaufen“. Andere lassen sich durch nichts aus der inneren Ruhe bringen – ihre Zufriedenheit ist „teuer“. Das hat mit Resilienz und einer stoischen Haltung zu tun. Die gute Nachricht: Zufriedenheit ist ein Muskel. Du bist kein Opfer der Umstände – Gelassenheit lässt sich trainieren, etwa durch Meditation und Achtsamkeit.

Idee 1 wird im Job vor allem beim Thema Vertrauen konkret – mehr dazu in Vertrauen aufbauen. Warum nicht Kompetenz, sondern wahrgenommene Kompetenz zählt, hörst du in Sichtbarkeit im Job. Und wie du das No-Zero-Days-Prinzip in eine echte Routine übersetzt, zeigt In dich selbst investieren. Das vollständige Modell findest du auch im Artikel Das Tragzeit-Modell.

Häufige Fragen

Was ist das Tragzeit-Modell? Die Idee, dass manche Prozesse eine unverkürzbare „Tragzeit“ haben – wie eine Schwangerschaft. Egal wie viel Energie du investierst, bestimmte Ergebnisse (Vertrauen, Reputation, Reife, ein Unternehmen) brauchen schlicht Zeit.

Wie kann ich gelassener werden? Indem du verstehst, dass viele Ziele eine lange Tragzeit haben („good things take time“), dich auf deine täglichen Handlungen konzentrierst (No Zero Days) und akzeptierst, dass du die Ergebnisse nicht erzwingen kannst.

Was bedeutet „Sei ungeduldig mit den Handlungen, geduldig mit den Ergebnissen“? Ein Prinzip von Naval Ravikant: Investiere jeden Tag konsequent in deine Entwicklung (das ist in deinem Einflussbereich), aber bleib geduldig mit dem Tempo der Resultate (das ist es nicht).

Kann man Zufriedenheit trainieren? Ja. Zufriedenheit ist ein Muskel und hängt nicht von äußeren Umständen ab. Mit Achtsamkeit, Meditation und dem Training von Resilienz lässt sich Gelassenheit gezielt aufbauen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit.

Transkript

Die meisten Menschen wollen schnelle Erfolge. Sie wollen sofortige Ergebnisse – nach den ersten Trainingseinheiten meisterhafte Skills, ohne, wie Malcolm Gladwell es formulieren würde, 10.000 Stunden investieren zu müssen. Sie sind ständig ungeduldig, getrieben von der Suche nach Abkürzungen, nach Shortcuts. Doch es gibt ein Problem: Einige Dinge im Leben lassen sich einfach nicht beschleunigen.

Heute möchte ich über das Thema der Tragzeit sprechen. Ich bin ihm vor einigen Wochen erstmalig begegnet, durch den Satz: „Es dauert neun Monate, ein Baby zur Welt zu bringen; diesen Prozess mit neun Frauen auf einen Monat zu verkürzen, ist unmöglich.“ Das ist die Idee hinter der Tragzeit. Sie kommt ursprünglich aus der Biologie: Tomaten wachsen nicht über Nacht, und ein Wald lässt sich nicht innerhalb eines Jahres züchten. Vieles im Leben benötigt einfach Zeit, und du kannst es nicht beschleunigen – einige Prozesse kann man nicht abkürzen. Genau diese unverkürzbare Zeit nennt man Tragzeit.

Das Entscheidende: Diese Tragzeit gibt es nicht nur in der Biologie, sondern auch im Berufsleben. Es dauert Monate, das Vertrauen eines neuen Vorgesetzten zu gewinnen; wenn du ein Netzwerk aufbauen und das Vertrauen deines Umfelds gewinnen möchtest, eine gute Reputation, dann dauert dieser Prozess nicht nur Monate, sondern Jahre, vielleicht Jahrzehnte. Es dauert auch Jahre, sich zu einer souveränen Führungspersönlichkeit zu entwickeln und zu dieser Reife heranzuwachsen. Selbst wenn du das Glück hast, schnell eine Teamleiterrolle zu bekommen, dauert der Reifeprozess deiner Persönlichkeit Jahre – du kannst ihn beschleunigen, aber nicht beliebig abkürzen. Das Gleiche gilt – davon kann ich aus der Brille von Mentorwerk ein Lied singen –, wenn es darum geht, ein erfolgreiches, langlebiges, nachhaltiges Unternehmen aufzubauen: Das dauert Jahre, eher Jahrzehnte.

Schneller Erfolg ist in vielerlei Hinsicht eine Illusion – egal, ob es um deine persönliche Entwicklung geht, ums Wachsen als Führungspersönlichkeit, darum, dein Team zu Höchstleistung zu bringen, oder darum, ein Unternehmen aufzubauen. All das braucht Zeit. Diese Dinge erfordern Geduld und Raum, um zu wachsen. Du kannst viel Energie hineinstecken, aber die Ergebnisse brauchen Zeit, weil jedes dieser Dinge eine gewisse Tragzeit hat. Wer dieses Konzept nicht versteht, führt in der Regel ein Leben voller Ungeduld und Frust – so wie jemand, der erwartet, dass eine Schwangerschaft nach drei statt nach neun Monaten endet.

Die Krux ist, dass nicht offensichtlich ist, wie lang die Tragzeit für bestimmte Dinge ist. Die Tragzeit, um Führungskraft zu werden, variiert von Unternehmen zu Unternehmen: In sehr großen, stark bürokratischen Konzernen kann sie enorm lang sein – ich habe von Leuten gehört, die zehn Jahre arbeiten mussten, um das erste Mal Teamleiter zu werden, weil die Prozesse es nicht anders zuließen. Im Mittelstand ist die Tragzeit für dieses Ziel oft deutlich geringer; ich kenne viele, die in jungen Jahren früh Führungserfahrung übertragen bekommen haben. Die Tragzeit hängt also nicht nur vom Ziel ab, sondern auch vom Kontext.

Eines meiner wichtigsten Learnings: Stille Performer haben das Nachsehen. Nicht deine Kompetenz zählt, sondern die wahrgenommene Kompetenz – und die hängt stark davon ab, wie viel Vertrauen du aufgebaut hast, wie viele Kontaktpunkte es gibt und wie stark deine Reputation ist. Daran kann man aktiv arbeiten, das sollte man nicht dem Zufall überlassen. Aber das passiert nicht von heute auf morgen: Wenn deine Vorgesetzten dir noch nicht vertrauen und Sätze fallen wie „Du bist noch nicht so weit für Führungsverantwortung“, dann ist es deine Aufgabe, dieses Vertrauen aktiv aufzubauen – und dieser Prozess hat eine lange Tragzeit. Ein Freund hatte früher, als wir uns ein Büro geteilt haben, ein großes Bild hinter sich hängen mit vier Worten: „Good things take time.“ Für mich heute ein Reminder, den ich nie wieder vergessen möchte. Langfristiges Denken und das Verständnis von Zinseszins- und exponentiellen Effekten sind unglaublich wichtig – und genau hier spielt die Tragzeit eine zentrale Rolle. Wer sie verinnerlicht, gewinnt eine enorme Gelassenheit.

Damit zur zweiten Idee, die du vielleicht schon kennst, wenn du den Podcast länger verfolgst – eines meiner wertvollsten Learnings: die drei heiligen Worte „No Zero Days“. Keinen Nulltag. Dieses Leitprinzip steht für das Streben, sich jeden Tag zu verbessern, jeden Tag als Chance zu sehen, über sich hinauszuwachsen und die Zukunft mitzugestalten. Es bedeutet, den Mut zu haben, bedeutende Probleme anzupacken, voller Tatendrang nach Lösungen zu suchen und sich weder von Kritik noch von Rückschlägen entmutigen zu lassen. Naval Ravikant hat dazu eine Philosophie, die perfekt zur Tragzeit passt: „Sei ungeduldig mit deinen Handlungen, aber geduldig mit den Ergebnissen.“ No Zero Days heißt: Sei ungeduldig mit deinen Handlungen, investiere jeden Tag ein kleines bisschen in deine Entwicklung, lass keine Tage aus – es gibt den schönen Satz „never skip twice“. Und auf der anderen Seite, im Sinne der Tragzeit: Sei geduldig mit den Ergebnissen. Du kannst nur das beeinflussen, was in deinem Einflussbereich liegt – die täglichen Handlungen. Du kannst die Samen sehen und sie täglich pflegen, aber nicht erzwingen, dass sie schneller wachsen; du musst ihnen Zeit und Raum geben.

Die dritte Idee ist eine Frage, die ich vor Kurzem erstmalig gehört habe: Wie günstig ist deine Zufriedenheit? Es gibt Menschen, die sind unglaublich schnell unzufrieden. Ein kritisches Wort macht sie wütend, ein klitzekleiner Fehler – ihrer selbst oder anderer – verärgert sie sofort; sie sind genervt, gereizt, aufgebracht, und das in wenigen Sekunden. Die Zufriedenheit dieser Person ist sehr günstig: Es braucht nicht viel, um ihr den ganzen Tag zu vermiesen. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die sich durch nichts aus der Bahn bringen lassen, die immer gelassen und innerlich zufrieden sind, nahezu immun gegen äußere Umstände – egal, mit welcher Kritik oder welchen Fehlern sie konfrontiert sind. Ihre Zufriedenheit ist sehr teuer. Egal, wie günstig oder teuer deine Zufriedenheit heute ist: Es lohnt sich, daran zu arbeiten. Das Leben ist zu kurz, um ständig unzufrieden zu sein. Stell dir die Frage und beobachte dein Umfeld – du wirst merken, bei manchen ist die Zufriedenheit sehr günstig zu holen, bei anderen sehr teuer.

Das hat mit Resilienz und einer stoischen Philosophie zu tun. Eine Buchempfehlung dazu ist „Search Inside Yourself“, über das ich vor Ewigkeiten schon einmal gesprochen habe. Die zentrale Botschaft: Zufriedenheit ist ein Muskel. Du bist kein Opfer der Umstände – du kannst sie aktiv beeinflussen, du kannst Zufriedenheit trainieren. Sie ist etwas, das in dir passiert und nicht von äußeren Umständen abhängt; Gelassenheit lässt sich trainieren, und das Buch ist voll von Möglichkeiten dafür, etwa durch Meditation. Jeder kennt cholerische Kollegen, die superschnell aufgebracht sind und keine gute emotionale Intelligenz haben – deren Zufriedenheit ist sehr günstig zu erkaufen, und das ist nichts, was man im Leben anstreben sollte.

Zusammengefasst: drei Ideen für mehr Geduld und Gelassenheit. Erstens und am wichtigsten das Konzept der Tragzeit – es dauert neun Monate, ein Baby zu bekommen, Tomaten wachsen nicht über Nacht, ein Wald nicht in einem Jahr. Diese unverkürzbare Zeit gibt es auch im Beruf: Monate für Vertrauen und Netzwerk, Jahre für die Reife als Führungspersönlichkeit, Jahrzehnte für ein starkes Unternehmen. Good things take time – wer das nicht versteht, lebt voller Ungeduld und Frust. Zweitens Navals Philosophie in Kombination mit No Zero Days: Sei ungeduldig mit deinen Handlungen, aber geduldig mit den Ergebnissen. Und drittens die Frage: Wie günstig ist deine Zufriedenheit? Es lohnt sich, daran zu arbeiten – das Leben ist zu kurz, um ständig unzufrieden zu sein. Ich hoffe, du konntest etwas mitnehmen, um geduldiger und gelassener zu sein und die Tragzeit deiner Ziele besser zu verstehen. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Gelassenheit lernen: 3 Ideen für mehr Geduld im Job

Die meisten Menschen wollen schnelle Erfolge und sofortige Ergebnisse – meisterhafte Skills, ohne wie bei Malcolm Gladwell 10.000 Stunden zu investieren. Sie sind ständig ungeduldig, auf der Suche nach Abkürzungen. Das Problem: Einige Dinge im Leben lassen sich einfach nicht beschleunigen.

In dieser Folge bekommst du 3 Ideen für mehr Geduld und Gelassenheit – das Tragzeit-Modell, das Prinzip „No Zero Days“ und eine Frage, die deine innere Ruhe verändert.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Tragzeit: Manche Prozesse haben eine unverkürzbare Zeit. „Es dauert 9 Monate, ein Baby zu bekommen – mit neun Frauen wird daraus kein Monat.“
  • Auch im Job gibt es Tragzeit: Vertrauen, Reputation, Reife als Führungspersönlichkeit, ein Unternehmen aufbauen – das braucht Jahre. „Good things take time.“
  • No Zero Days: Jeden Tag ein kleiner Fortschritt – „never skip twice“.
  • Naval Ravikant: „Sei ungeduldig mit deinen Handlungen, aber geduldig mit den Ergebnissen.“
  • Wie günstig ist deine Zufriedenheit? Manche lassen sich von einem kritischen Wort den Tag vermiesen – andere bleiben gelassen.
  • Zufriedenheit ist ein Muskel: Gelassenheit lässt sich trainieren – sie hängt nicht von äußeren Umständen ab.

Die 3 Ideen im Detail

Idee 1: Das Tragzeit-Modell. „Es dauert neun Monate, ein Baby zur Welt zu bringen – diesen Prozess mit neun Frauen auf einen Monat zu verkürzen, ist unmöglich.“ Tomaten wachsen nicht über Nacht, ein Wald lässt sich nicht in einem Jahr züchten. Diese unverkürzbare Zeit nennt man Tragzeit – und sie gibt es nicht nur in der Biologie, sondern auch im Beruf: Das Vertrauen eines neuen Vorgesetzten zu gewinnen dauert Monate, eine gute Reputation und ein Netzwerk Jahre, die Reife zur souveränen Führungspersönlichkeit ebenfalls, und ein nachhaltiges Unternehmen aufzubauen Jahrzehnte. Die Tragzeit hängt dabei nicht nur vom Ziel ab, sondern auch vom Kontext (im stark bürokratischen Konzern dauert die erste Führungsrolle oft viel länger als im Mittelstand). Wer das nicht versteht, lebt ein Leben voller Ungeduld und Frust. Ein Freund hatte ein Bild im Büro hängen mit vier Worten: „Good things take time.“

Idee 2: No Zero Days. Das Leben eines unternehmerisch denkenden Menschen ist geprägt von drei heiligen Worten: No Zero Days. Jeden Tag ein kleines bisschen Fortschritt, jeden Tag in die eigene Entwicklung investieren – und nie zweimal hintereinander aussetzen („never skip twice“). Naval Ravikant bringt es perfekt mit der Tragzeit zusammen: „Sei ungeduldig mit deinen Handlungen, aber geduldig mit den Ergebnissen.“ Du kannst die Samen täglich pflegen, aber nicht erzwingen, dass sie schneller wachsen – du musst ihnen Zeit und Raum geben.

Idee 3: Wie günstig ist deine Zufriedenheit? Manche Menschen sind in Sekunden unzufrieden – ein kritisches Wort oder ein kleiner Fehler reicht, und der Tag ist vermiest. Ihre Zufriedenheit ist „günstig zu erkaufen“. Andere lassen sich durch nichts aus der inneren Ruhe bringen – ihre Zufriedenheit ist „teuer“. Das hat mit Resilienz und einer stoischen Haltung zu tun. Die gute Nachricht: Zufriedenheit ist ein Muskel. Du bist kein Opfer der Umstände – Gelassenheit lässt sich trainieren, etwa durch Meditation und Achtsamkeit.

Idee 1 wird im Job vor allem beim Thema Vertrauen konkret – mehr dazu in Vertrauen aufbauen. Warum nicht Kompetenz, sondern wahrgenommene Kompetenz zählt, hörst du in Sichtbarkeit im Job. Und wie du das No-Zero-Days-Prinzip in eine echte Routine übersetzt, zeigt In dich selbst investieren. Das vollständige Modell findest du auch im Artikel Das Tragzeit-Modell.

Häufige Fragen

Was ist das Tragzeit-Modell? Die Idee, dass manche Prozesse eine unverkürzbare „Tragzeit“ haben – wie eine Schwangerschaft. Egal wie viel Energie du investierst, bestimmte Ergebnisse (Vertrauen, Reputation, Reife, ein Unternehmen) brauchen schlicht Zeit.

Wie kann ich gelassener werden? Indem du verstehst, dass viele Ziele eine lange Tragzeit haben („good things take time“), dich auf deine täglichen Handlungen konzentrierst (No Zero Days) und akzeptierst, dass du die Ergebnisse nicht erzwingen kannst.

Was bedeutet „Sei ungeduldig mit den Handlungen, geduldig mit den Ergebnissen“? Ein Prinzip von Naval Ravikant: Investiere jeden Tag konsequent in deine Entwicklung (das ist in deinem Einflussbereich), aber bleib geduldig mit dem Tempo der Resultate (das ist es nicht).

Kann man Zufriedenheit trainieren? Ja. Zufriedenheit ist ein Muskel und hängt nicht von äußeren Umständen ab. Mit Achtsamkeit, Meditation und dem Training von Resilienz lässt sich Gelassenheit gezielt aufbauen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit.

Transkript

Die meisten Menschen wollen schnelle Erfolge. Sie wollen sofortige Ergebnisse – nach den ersten Trainingseinheiten meisterhafte Skills, ohne, wie Malcolm Gladwell es formulieren würde, 10.000 Stunden investieren zu müssen. Sie sind ständig ungeduldig, getrieben von der Suche nach Abkürzungen, nach Shortcuts. Doch es gibt ein Problem: Einige Dinge im Leben lassen sich einfach nicht beschleunigen.

Heute möchte ich über das Thema der Tragzeit sprechen. Ich bin ihm vor einigen Wochen erstmalig begegnet, durch den Satz: „Es dauert neun Monate, ein Baby zur Welt zu bringen; diesen Prozess mit neun Frauen auf einen Monat zu verkürzen, ist unmöglich.“ Das ist die Idee hinter der Tragzeit. Sie kommt ursprünglich aus der Biologie: Tomaten wachsen nicht über Nacht, und ein Wald lässt sich nicht innerhalb eines Jahres züchten. Vieles im Leben benötigt einfach Zeit, und du kannst es nicht beschleunigen – einige Prozesse kann man nicht abkürzen. Genau diese unverkürzbare Zeit nennt man Tragzeit.

Das Entscheidende: Diese Tragzeit gibt es nicht nur in der Biologie, sondern auch im Berufsleben. Es dauert Monate, das Vertrauen eines neuen Vorgesetzten zu gewinnen; wenn du ein Netzwerk aufbauen und das Vertrauen deines Umfelds gewinnen möchtest, eine gute Reputation, dann dauert dieser Prozess nicht nur Monate, sondern Jahre, vielleicht Jahrzehnte. Es dauert auch Jahre, sich zu einer souveränen Führungspersönlichkeit zu entwickeln und zu dieser Reife heranzuwachsen. Selbst wenn du das Glück hast, schnell eine Teamleiterrolle zu bekommen, dauert der Reifeprozess deiner Persönlichkeit Jahre – du kannst ihn beschleunigen, aber nicht beliebig abkürzen. Das Gleiche gilt – davon kann ich aus der Brille von Mentorwerk ein Lied singen –, wenn es darum geht, ein erfolgreiches, langlebiges, nachhaltiges Unternehmen aufzubauen: Das dauert Jahre, eher Jahrzehnte.

Schneller Erfolg ist in vielerlei Hinsicht eine Illusion – egal, ob es um deine persönliche Entwicklung geht, ums Wachsen als Führungspersönlichkeit, darum, dein Team zu Höchstleistung zu bringen, oder darum, ein Unternehmen aufzubauen. All das braucht Zeit. Diese Dinge erfordern Geduld und Raum, um zu wachsen. Du kannst viel Energie hineinstecken, aber die Ergebnisse brauchen Zeit, weil jedes dieser Dinge eine gewisse Tragzeit hat. Wer dieses Konzept nicht versteht, führt in der Regel ein Leben voller Ungeduld und Frust – so wie jemand, der erwartet, dass eine Schwangerschaft nach drei statt nach neun Monaten endet.

Die Krux ist, dass nicht offensichtlich ist, wie lang die Tragzeit für bestimmte Dinge ist. Die Tragzeit, um Führungskraft zu werden, variiert von Unternehmen zu Unternehmen: In sehr großen, stark bürokratischen Konzernen kann sie enorm lang sein – ich habe von Leuten gehört, die zehn Jahre arbeiten mussten, um das erste Mal Teamleiter zu werden, weil die Prozesse es nicht anders zuließen. Im Mittelstand ist die Tragzeit für dieses Ziel oft deutlich geringer; ich kenne viele, die in jungen Jahren früh Führungserfahrung übertragen bekommen haben. Die Tragzeit hängt also nicht nur vom Ziel ab, sondern auch vom Kontext.

Eines meiner wichtigsten Learnings: Stille Performer haben das Nachsehen. Nicht deine Kompetenz zählt, sondern die wahrgenommene Kompetenz – und die hängt stark davon ab, wie viel Vertrauen du aufgebaut hast, wie viele Kontaktpunkte es gibt und wie stark deine Reputation ist. Daran kann man aktiv arbeiten, das sollte man nicht dem Zufall überlassen. Aber das passiert nicht von heute auf morgen: Wenn deine Vorgesetzten dir noch nicht vertrauen und Sätze fallen wie „Du bist noch nicht so weit für Führungsverantwortung“, dann ist es deine Aufgabe, dieses Vertrauen aktiv aufzubauen – und dieser Prozess hat eine lange Tragzeit. Ein Freund hatte früher, als wir uns ein Büro geteilt haben, ein großes Bild hinter sich hängen mit vier Worten: „Good things take time.“ Für mich heute ein Reminder, den ich nie wieder vergessen möchte. Langfristiges Denken und das Verständnis von Zinseszins- und exponentiellen Effekten sind unglaublich wichtig – und genau hier spielt die Tragzeit eine zentrale Rolle. Wer sie verinnerlicht, gewinnt eine enorme Gelassenheit.

Damit zur zweiten Idee, die du vielleicht schon kennst, wenn du den Podcast länger verfolgst – eines meiner wertvollsten Learnings: die drei heiligen Worte „No Zero Days“. Keinen Nulltag. Dieses Leitprinzip steht für das Streben, sich jeden Tag zu verbessern, jeden Tag als Chance zu sehen, über sich hinauszuwachsen und die Zukunft mitzugestalten. Es bedeutet, den Mut zu haben, bedeutende Probleme anzupacken, voller Tatendrang nach Lösungen zu suchen und sich weder von Kritik noch von Rückschlägen entmutigen zu lassen. Naval Ravikant hat dazu eine Philosophie, die perfekt zur Tragzeit passt: „Sei ungeduldig mit deinen Handlungen, aber geduldig mit den Ergebnissen.“ No Zero Days heißt: Sei ungeduldig mit deinen Handlungen, investiere jeden Tag ein kleines bisschen in deine Entwicklung, lass keine Tage aus – es gibt den schönen Satz „never skip twice“. Und auf der anderen Seite, im Sinne der Tragzeit: Sei geduldig mit den Ergebnissen. Du kannst nur das beeinflussen, was in deinem Einflussbereich liegt – die täglichen Handlungen. Du kannst die Samen sehen und sie täglich pflegen, aber nicht erzwingen, dass sie schneller wachsen; du musst ihnen Zeit und Raum geben.

Die dritte Idee ist eine Frage, die ich vor Kurzem erstmalig gehört habe: Wie günstig ist deine Zufriedenheit? Es gibt Menschen, die sind unglaublich schnell unzufrieden. Ein kritisches Wort macht sie wütend, ein klitzekleiner Fehler – ihrer selbst oder anderer – verärgert sie sofort; sie sind genervt, gereizt, aufgebracht, und das in wenigen Sekunden. Die Zufriedenheit dieser Person ist sehr günstig: Es braucht nicht viel, um ihr den ganzen Tag zu vermiesen. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die sich durch nichts aus der Bahn bringen lassen, die immer gelassen und innerlich zufrieden sind, nahezu immun gegen äußere Umstände – egal, mit welcher Kritik oder welchen Fehlern sie konfrontiert sind. Ihre Zufriedenheit ist sehr teuer. Egal, wie günstig oder teuer deine Zufriedenheit heute ist: Es lohnt sich, daran zu arbeiten. Das Leben ist zu kurz, um ständig unzufrieden zu sein. Stell dir die Frage und beobachte dein Umfeld – du wirst merken, bei manchen ist die Zufriedenheit sehr günstig zu holen, bei anderen sehr teuer.

Das hat mit Resilienz und einer stoischen Philosophie zu tun. Eine Buchempfehlung dazu ist „Search Inside Yourself“, über das ich vor Ewigkeiten schon einmal gesprochen habe. Die zentrale Botschaft: Zufriedenheit ist ein Muskel. Du bist kein Opfer der Umstände – du kannst sie aktiv beeinflussen, du kannst Zufriedenheit trainieren. Sie ist etwas, das in dir passiert und nicht von äußeren Umständen abhängt; Gelassenheit lässt sich trainieren, und das Buch ist voll von Möglichkeiten dafür, etwa durch Meditation. Jeder kennt cholerische Kollegen, die superschnell aufgebracht sind und keine gute emotionale Intelligenz haben – deren Zufriedenheit ist sehr günstig zu erkaufen, und das ist nichts, was man im Leben anstreben sollte.

Zusammengefasst: drei Ideen für mehr Geduld und Gelassenheit. Erstens und am wichtigsten das Konzept der Tragzeit – es dauert neun Monate, ein Baby zu bekommen, Tomaten wachsen nicht über Nacht, ein Wald nicht in einem Jahr. Diese unverkürzbare Zeit gibt es auch im Beruf: Monate für Vertrauen und Netzwerk, Jahre für die Reife als Führungspersönlichkeit, Jahrzehnte für ein starkes Unternehmen. Good things take time – wer das nicht versteht, lebt voller Ungeduld und Frust. Zweitens Navals Philosophie in Kombination mit No Zero Days: Sei ungeduldig mit deinen Handlungen, aber geduldig mit den Ergebnissen. Und drittens die Frage: Wie günstig ist deine Zufriedenheit? Es lohnt sich, daran zu arbeiten – das Leben ist zu kurz, um ständig unzufrieden zu sein. Ich hoffe, du konntest etwas mitnehmen, um geduldiger und gelassener zu sein und die Tragzeit deiner Ziele besser zu verstehen. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Als Nächstes lesen