Mit dem Studium endet der formelle Bildungsweg. Danach bist du auf dich allein gestellt – und genau hier entscheidet sich, wer sich wirklich weiterentwickelt.
Ultralearning ist die Fähigkeit, schwierige Kompetenzen gezielt, schnell und in der Tiefe zu lernen. Aus meiner Sicht ist es eine der wichtigsten Kompetenzen überhaupt – beruflich wie persönlich. In dieser Folge zeige ich dir, wie du dein eigenes Ultralearning-Projekt wählst, planst und zum Erfolg führst.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Lernen lernen ist die Basiskompetenz. Die meisten lernen nur passiv. Wer aktiv und systematisch lernt, baut Kompetenzen schneller auf als alle anderen.
- Ultralearning ist eine Lernstrategie. Der Begriff stammt von Scott Young und seinem gleichnamigen Buch. Du nimmst dir ein konkretes Projekt vor und tauchst fokussiert in die Tiefe.
- Das Gegenteil ist „Deep Linking“. Hier und da in ein Buch reinschnuppern, ohne Plan – so bleiben die meisten an der Oberfläche.
- Drei Schritte für die Planung: ein Projekt wählen und sich committen, das Format und die Zeit planen, und dann „Meta-Learning“ betreiben – also verstehen, wie man das Thema am besten lernt.
- Aktiv statt passiv lernen. „Directness“ heißt: das, was du können willst, direkt üben. Nicht nur Bücher lesen, sondern eine Sprache sprechen, programmieren, Vorträge halten.
- Feedback und langfristiges Lernen. Geh an die Öffentlichkeit, hol dir Feedback und lerne nachhaltig – nicht das kurzfristige „Bulimie-Lernen“ vor der Klausur.
Ultralearning im Detail
Was Ultralearning ist – und was nicht
Den Begriff Ultralearning hat Scott Young geprägt. Er ist selbst durch eigene Challenges darauf gestoßen. Seine bekannteste: die „MIT Challenge“. Nach seinem Studium hatte er das Gefühl, er müsse Computer Science nachholen, um am Puls der Zeit zu sein – hatte aber keine Lust auf ein weiteres langwieriges Studium. Also fragte er sich: Warum nicht das vierjährige MIT-Studium in einem einzigen Jahr abwickeln? Genau das tat er. Und das brauchte eine ganz andere Form des Lernens.
Ein zweites Experiment von ihm: Sprachen lernen. Young kommt aus den USA und hat ein Jahr lang auf seine Muttersprache verzichtet. Mit einem Freund bereiste er vier Länder – Spanien, Brasilien, China und Südkorea – und sprach vom ersten Tag an nur die jeweilige Landessprache. Wer drei Monate komplett in eine Sprache eintaucht, baut deutlich mehr Fähigkeiten auf als jemand, der nach Feierabend eine Stunde pro Woche eine Sprach-App durchklickt.
Das Gegenteil von Ultralearning nenne ich „Deep Linking“. Das betreiben viele unbewusst – gerade wissbegierige Menschen. Mal hier ein bisschen am Englisch arbeiten, mal dort ein bisschen zum Thema Führung, mal ein bisschen bessere Vorträge. Ohne echten Plan, ohne in die Tiefe zu gehen. Manchmal hilft so eine Phase, um das richtige Thema zu finden. Aber die meisten verharren dort und committen sich nie wirklich.
Schritt 1: Ein Projekt wählen und sich committen
Das Entscheidende ist das Commitment auf ein Projekt. Schau dir Elon Musk an. Nach dem Verkauf von PayPal fragte er sich: Was mache ich als Nächstes? Über mehrere Zufälle kam er auf das Thema Raumfahrt. In einer Story aus dem „Business Wars“-Podcast wird es schön deutlich: Musk wollte ein erstes Raumschiff kaufen und verhandelte mit Russen, die 120 Millionen Dollar wollten – aus seiner Sicht viel zu viel. Er war in dem Bereich ein absoluter Neuling, ein Amateur in Rocket Science.
Also arbeitete er sich ein. Nach dem Treffen baute er eine eigene Excel-Kalkulation für ein komplettes Raumschiff auf – akkurat und fundiert. Heute ist Musk ein anerkannter Experte im Bereich Raumfahrt, und SpaceX hat die ganze Branche revolutioniert. Auch wenn er es nie so genannt hätte: Das war nichts anderes als ein Ultralearning-Projekt. Er hat sich committet und ist in die Tiefe eingetaucht.
Schritt 2: Format und Zeit planen
Überleg dir: Was ist das eine Thema, auf das ich mich fokussiere? Und dann die Zeitplanung: Ist das ein Drei-Jahres-, ein Sechs-Monats- oder vielleicht nur ein Ein-Monats-Projekt?
Für die Integration in den Alltag gibt es drei Wege:
- Vollzeit. Sinnvoll, wenn du zwischen zwei Jobs bist – etwa wenn du in einem Monat eine neue Rolle antrittst und die Zeit nutzen willst.
- Eine Anzahl Stunden pro Woche ohne festen Termin, zum Beispiel drei Stunden, flexibel von Woche zu Woche.
- Ein fester Tag und feste Uhrzeit, zum Beispiel freitags von 16 bis 18 Uhr. Das ist mein Mittel der Wahl. Auch bei Google nutzen Mitarbeiter den Freitag, um eigene Projekte zu starten.
Und ganz wichtig: Teste deinen Plan. Du kannst dir vieles ausdenken – aber passt es überhaupt in deinen Lebensstil? Wenn du jeden Freitag demotiviert bist oder andere Dinge dazwischenkommen, dann passe die Planung an.
Schritt 3: Meta-Learning
Jetzt kommt der wichtigste Punkt – und den machen wir viel zu selten: Meta-Learning. Das ist nichts anderes, als zu lernen und zu verstehen, wie man das, was man lernen möchte, am besten lernt.
Zu fast jedem Thema gibt es Menschen, die diese Kompetenz schon gemeistert haben und über ihre Erfolgsfaktoren berichten – in Büchern, in Kursen, online. Recherchiere die besten Wege. Nimm das Beispiel Englisch: Du könntest einen Abendkurs machen, Online-Kurse oder Apps nutzen, mit Karteikarten arbeiten, Aufsätze schreiben oder dir einen persönlichen Coach suchen. Es gibt Dutzende Wege. Bau dir am Anfang ruhig eine Mind-Map und finde heraus, welche Wege dich ansprechen und zum Erfolg führen.
Die Umsetzung: Directness und Project-Based Learning
In der Umsetzung gilt: „Directness“ – aktives Lernen statt passives. Ein Ultralearning-Projekt sollte immer sehr aktiv sein.
Schau dir James Clear an. Er wollte vor knapp zehn Jahren ein begeisternder Autor werden. Sein Ultralearning-Projekt: Er blockte sich jede Woche ein Zeitfenster und veröffentlichte jede Woche einen Artikel. Sein langfristiges Ziel war ein Buch. Am Ende formte er aus der Summe seiner Artikel sein Buch „Atomic Habits“. Es ist also nichts anderes als ein Buch, das über zehn Jahre in einzelnen Artikeln entstanden ist.
Ein zweites Beispiel beschreibt Young in seinem Buch: das Spiel „Stardew Valley“. Eric Barone wollte programmieren lernen, weil er es als Zukunftskompetenz sah. Statt nur Bücher zu lesen, hat er ein ganzes Spiel programmiert – alle Facetten, alle Figuren, sogar die Musik selbst komponiert. Nach etwa viereinhalb Jahren veröffentlichte er es, und es verkaufte sich millionenfach. Das nennt man „Project-Based Learning“: sich ein konkretes Projekt schnappen und es als Vehikel nutzen, um den Skill aufzubauen.
Auch mein eigenes Beispiel passt hier: das Thema Verkaufen. Aus der Industrie kommend, war Sales eine Kompetenz, die mir fehlte, aber unbedingt nötig war. Mein „Directness“-Schritt: Ich habe in einem Jahr 300 bis 500 Telefonate geführt und Hunderte Interviews. So lernt man diesen Skill – ergänzt um Bücher und Kurse. Es war ein Zwölf-Monats-Projekt.
Feedback und langfristiges Lernen
Zwei Dinge machen den Unterschied. Erstens: Feedback. James Clears Artikel wären nicht halb so wertvoll gewesen, wenn sie in der Schublade gelandet wären. Der entscheidende Schritt ist, an die Öffentlichkeit zu gehen, Freunde, Bekannte, Experten und Mentoren um Feedback zu bitten und zu experimentieren.
Zweitens: langfristiges Lernen. Jeder kennt die Vergessenskurve. Lerne nachhaltig statt kurzfristig – das sogenannte „Bulimie-Lernen“ vor der Klausur bringt nichts. Ein guter Hebel ist, anderen Menschen die Inhalte zu erklären oder sie sich selbst zu erklären (die Feynman-Technik).
Egal ob du selbstsicherer werden, programmieren oder Change Management meistern willst: Schwammige Ziele musst du konkretisieren. „Besser werden“ ist zu allgemein. Brich es herunter in ein konkretes Projekt – dann beherrschst du den Skill am Ende wirklich.
Wenn du das Thema vertiefen willst, hör dir an, wie du in Schneller lernen konkrete Techniken aufbaust und warum lebenslanges Lernen zur Grundkompetenz wird. Wer gezielt in Kompetenzen investiert, schließt seine Talent Debt und lernt am schnellsten, indem er von den Besten lernt.
Häufige Fragen zum Ultralearning
Was ist Ultralearning? Ultralearning ist eine Lernstrategie, bei der du dir ein konkretes Projekt vornimmst und dich fokussiert, aktiv und in der Tiefe darauf konzentrierst, um eine schwierige Kompetenz so schnell und effektiv wie möglich zu meistern. Der Begriff stammt von Scott Young.
Wie starte ich ein Ultralearning-Projekt? In drei Schritten: Erstens ein konkretes Projekt wählen und dich committen. Zweitens Format und Zeit planen – ob Vollzeit, einige Stunden pro Woche oder ein fester Tag. Drittens Meta-Learning betreiben, also recherchieren, wie man dieses Thema am besten lernt.
Was ist der Unterschied zwischen aktivem und passivem Lernen? Passives Lernen heißt, nur zu konsumieren – etwa Bücher zu lesen. Aktives Lernen, im Ultralearning „Directness“ genannt, bedeutet, das Können direkt zu üben: eine Sprache sprechen, ein Spiel programmieren, Vorträge halten oder Verkaufsgespräche führen. Aktives Lernen ist deutlich effektiver.
Was ist Meta-Learning? Meta-Learning ist der Schritt, bei dem du verstehst, wie du ein Thema am besten lernst. Du recherchierst Best Practices und Erfolgsfaktoren von Menschen, die die Kompetenz bereits gemeistert haben, und baust dir daraus einen Plan – oft als Mind-Map.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
- Scott Young – Ultralearning: Das namensgebende Buch, das das Konzept beschreibt und die Beispiele von der MIT Challenge bis zu Stardew Valley liefert.
- James Clear – Die 1%-Methode (Atomic Habits): Über zehn Jahre in einzelnen Artikeln entstanden – selbst das Ergebnis eines Ultralearning-Projekts.
Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Produktivität.
Diese Folge gehört zum Thema Produktivität.
Transkript
Herzlich willkommen zu Podcast-Episode Nummer 73: Ultralearning – die wichtigste Kompetenz für deine Entwicklung. Falls du diesen Begriff noch nie gehört hast: kein Problem. Es geht darum, schnell und effektiv zu lernen. Wenn man mich fragt, ist das wirklich eine der wichtigsten Kompetenzen für die persönliche und natürlich auch berufliche Entwicklung. Ich gebe dir einige spannende Storys mit an die Hand, aber auch Konzepte, wie du besser lernen kannst.
Mir fällt immer wieder auf: Gerade wenn wir mit dem Studium fertig sind, durchlaufen wir diesen formellen Bildungsprozess – und danach sind wir auf uns allein gestellt. Klar, der eine besucht mal Workshops oder Kurse, vielleicht sogar ein weiteres Studium parallel. Aber das ist der formelle Weg. Ich möchte heute darüber sprechen, wie man das in Eigeninitiative und sehr systematisch machen kann.
Es gibt einen schönen Spruch von James Clear, den ich live kennengelernt habe und den ich hundertprozentig unterstreiche: Die meisten Menschen lernen nur passiv. Scott Young, der den Begriff Ultralearning geprägt hat, spricht von genau diesem Thema. Der Begriff stammt aus seinem gleichnamigen Buch „Ultralearning“, das er vor ein paar Jahren geschrieben hat. Darauf bin ich gestoßen. Es geht darum, wirklich schnell und in der Tiefe zu lernen – sich schwierige Kompetenzen und Wissen anzueignen.
Ultralearning ist also eine Lernstrategie. Und nicht ohne Grund bin ich ein großer Fan dieses Gedankens. Es klingt fast banal: lernen zu lernen. Aber es ist unglaublich essenziell. Ich würde behaupten, dass ich ein guter Lerner bin und in den letzten Jahren viel dazugelernt habe – wie man sich Dinge selbst aneignet, die richtigen Quellen findet und so die Abkürzung nehmen kann, um Kompetenzen aufzubauen und sich persönlich wie beruflich weiterzuentwickeln.
Kurz zum Background. Scott Young ist durch eigene Challenges auf das Thema gestoßen. Seine bekannteste ist die sogenannte MIT Challenge. Nach seinem Studium hatte er das Gefühl, er müsse Computer Science nachholen, um am Puls der Zeit zu sein – hatte aber keine Lust auf ein weiteres langwieriges Studium. Also fragte er sich: Warum nicht das normale vierjährige MIT-Studium im Bereich Computer Science in einem einzigen Jahr abwickeln? Genau das war seine MIT Challenge: ein vierjähriges Studium in einem Jahr zu absolvieren. Und das braucht eine ganz andere Form des Lernens – dahinter verbirgt sich der Begriff Ultralearning. Man spricht später von einem Ultralearning-Projekt: Man nimmt sich ein Thema heraus, um es schnellstmöglich, effizient und effektiv zu lernen.
Ein zweites, sehr griffiges Experiment von ihm war, Sprachen zu lernen. Young kommt aus den USA. Er hat ein Jahr lang auf seine Muttersprache Englisch verzichtet und stattdessen mit einem Freund vier Länder bereist: Spanien, Brasilien, China und Südkorea. In jedem Land sagten sie sich: Wir versuchen, nur diese Sprache zu sprechen, kein Englisch. In Spanien also vom ersten Moment an nur Spanisch. Jeder kann sich vorstellen, dass dieses praktische Üben einen enormen Benefit hat. Wenn man drei Monate lang in die Sprache eintaucht, baut man deutlich mehr Fähigkeiten auf, als wenn man nach Feierabend eine Stunde pro Woche eine Sprach-App durchläuft. Das ist der Grundgedanke hinter Ultralearning.
Das Gegenteil nenne ich „Deep Linking“. Das betreiben viele im Alltag, oft unbewusst – gerade wissbegierige Leute. Auch ich habe das in der Vergangenheit getan. Deep Linking ist nichts anderes, als hier und da mal in ein Buch reinzuschnuppern, ohne wirklich einen Plan zu haben. Das kann sinnvoll sein, um zur Vorbereitung auf ein Ultralearning-Projekt das richtige Thema zu finden, auf das man sich dann committet. Aber die meisten verharren in diesem Deep Linking und gehen gar nicht in die Tiefe. Mal ein bisschen am Englisch arbeiten, mal ein bisschen zum Thema Führung, mal ein bisschen bessere Vorträge – sie nehmen sich nie wirklich ein Projekt vor.
Die klassische Lernstrategie, die jeder von uns kennt, ist die formelle Bildung: Universität, danach Workshops und Seminare. Das kann sinnvoll sein, um Nachweise zu sammeln – Zertifikate und Abschlüsse. In der Berufswelt verschließen sich ohne Studium teilweise halbautomatisch Türen, und das ist in manchen Unternehmen stärker ausgeprägt als in anderen. Es kann also hilfreich sein, ist aber nicht die alleinige Wahrheit. Denn das weiß auch jeder: Es ist nicht der effektivste Weg, um Kompetenzen wirklich aufzubauen.
Bevor wir gleich einsteigen, wie man sein eigenes Ultralearning-Projekt wählt, plant und in die Tiefe geht, eine spannende Geschichte. Ich habe letztens wieder in den „Business Wars“-Podcast reingehört, den ich absolut empfehlen kann. Dort werden immer zwei oder mehrere Firmen dargestellt, die in einem Markt konkurrieren. Ich habe eine Serie zum Thema Raumfahrt gehört – SpaceX und Blue Origin von Jeff Bezos. In Folge eins ging es um SpaceX und Elon Musk. Jeder weiß: Musk kommt von PayPal, das er sehr erfolgreich verkauft hat. Nach dem Verkauf fragte er sich, was er mit dem Geld macht, und kam über mehrere Zufälle auf das Thema Rocket Science, also Raumfahrt.
In einer Situation ging es darum, dass er ein erstes Raumschiff kaufen wollte. Er führte ein Gespräch mit Russen, die ein Raumschiff verkaufen wollten – für 120 Millionen Dollar. Aus seiner Sicht deutlich zu viel. Er reiste gemeinsam mit einem Partner hin, der Musk beobachtete und seine Eindrücke schilderte: Musk war wirklich ein Neuling, ein Amateur im Bereich Rocket Science, und kannte sich mit dem Thema nicht aus. Doch dann arbeitete er sich ein. Nach dem Treffen baute er nach eigener Recherche eine komplette Excel-Kalkulation für ein ganzes Raumschiff auf – sehr akkurat und sehr gut. Wer sich mit SpaceX befasst hat, dem kann ich empfehlen, sich auf YouTube ein, zwei Videos anzuschauen. Diese Launches, die Experimente, die Tests – allein die Unternehmenskultur zu sehen, ist beeindruckend.
Super revolutionär, was SpaceX in den letzten Jahren gemacht hat. Und das alles, begründet durch einen Elon Musk, der dieses Thema weder studiert hatte noch sich je damit auseinandergesetzt hatte und absolutes Amateurwissen besaß. Mittlerweile haben sie nicht nur revolutioniert, sondern bringen die ganze Raumfahrt voran – angefangen wirklich bei null. Auch wenn er es nie so betitelt hätte: Das ist nichts anderes als ein Ultralearning-Projekt. Er hat sich auf ein Projekt fokussiert, sich committet, ist in die Tiefe eingetaucht, hat enorm schnelle Fortschritte gemacht und ist heute ein anerkannter Experte im Bereich der Raumfahrt. Schau dir das gerne mal an, sehr spannend.
Jetzt etwas konkreter: Was zeichnet ein Ultralearning-Projekt aus, und warum ist es anders? Wie schon gesagt, ist es das Commitment auf ein Projekt. Bei Elon Musk lag das Thema auf der Hand – wobei man im Podcast gut heraushört, dass das rückblickend so wirkt. Er hatte unfassbar viel Geld auf dem Konto und fragte sich: Was kommt als Nächstes? Aus diesem Deep-Linking-Modus, in dem man links und rechts schaut, fällte er irgendwann die Entscheidung: Das ist es, darauf committe ich mich.
Der Unterschied zwischen einem Ultralearning-Projekt und Deep Linking ist also wirklich das Commitment. Und die Planung. Überleg dir selbst: Was ist das eine Thema, das eine Projekt, auf das ich mich fokussieren möchte? Und dann die Zeitplanung. Das klingt banal, aber am Ende ist es entscheidend: Ist das ein Drei-Jahres-Projekt, ein Sechs-Monats-Projekt oder vielleicht nur ein Ein-Monats-Projekt?
Es gibt drei Möglichkeiten, das Ganze in den Alltag zu integrieren. Erstens: Vollzeit. Das kann sinnvoll sein, wenn du zwischen zwei Jobs bist – zum Beispiel, wenn du eine Führungsrolle antrittst und noch einen Monat Zeit hast. Dann kannst du in diesem Monat ein Ultralearning-Projekt in Vollzeit starten. Wenn du das nicht in Vollzeit machen kannst oder willst, gibt es zwei andere Wege. Entweder du legst eine Anzahl Stunden pro Woche fest, etwa drei Stunden, ohne konkreten Termin und flexibel von Woche zu Woche. Oder du legst einen festen Tag fest und sagst zum Beispiel: freitags von 16 bis 18 Uhr widme ich mich jede Woche meinem Ultralearning-Projekt. Das ist übrigens mein Mittel der Wahl. Auch bei Google habe ich gelesen oder gehört, dass man den Freitag nutzt, damit jeder seine eigenen Projekte startet. Überleg dir: Gibt es ein Zwei- bis Drei-Stunden-Fenster, von dem du sagen kannst: Das ist mein Ultralearning-Fenster, da committe ich mich auf dieses Thema?
Ganz wichtig ist auch, das Ganze zu testen. Bei der Planung kann man sich schöne Sachen überlegen, aber viel wichtiger ist es zu testen: Passt es überhaupt in den Lebensstil? Wenn ich sage, ich möchte freitags von 16 bis 18 Uhr etwas machen, es passt aber nicht rein und ich bin jedes Mal demotiviert oder habe andere Dinge vor der Brust, dann sollte ich meine Planung anpassen und überarbeiten.
Diese beiden Dinge sind nicht so trivial. Die Themenauswahl, sich auf ein Thema zu committen, ist einfacher gesagt als getan. Nimm ein plakatives Beispiel: Wenn ich sage, ich möchte Englisch lernen, dann ist das super unkonkret. Sage ich aber, ich habe dreimal drei Wochen Zeit und möchte besser im Englischen werden, dann sollte ich das herunterbrechen: Was kann ich in drei Wochen ganz konkret machen? „Besser werden“ ist sehr allgemein. Auf einen dreiwöchigen Zeitraum sieht das ganz anders aus als auf sechs Monate.
Jetzt kommt der allerwichtigste Punkt von Ultralearning, und er nennt sich Meta-Learning. Aus meiner Sicht machen wir das viel zu selten. Meta-Learning ist nichts anderes, als zu lernen und zu verstehen, wie man das, was man lernen möchte, am besten lernt. Es ist Best Practice: Es gibt immer Menschen, die die Fähigkeit, die man aufbauen möchte, schon gemeistert haben. Recherchiere, was die besten Wege sind, um den Skill zu lernen.
Das kann ein bisschen dauern. Gerade wenn man am Anfang mit einem Thema unsicher ist oder sich nicht auskennt und noch nicht viele Bücher gelesen hat, fällt es schwer – vor allem bei einem schwammigen, allgemeinen Thema. Genau deshalb ist Meta-Learning so wichtig: zu verstehen, wie ich wirklich effektiv lerne. Beim Thema Englisch könnte ich einen Abendkurs machen, Online-Kurse oder Apps verwenden, ganz klassisch mit Karteikarten arbeiten und mich selbst abfragen, Aufsätze schreiben oder mir einen persönlichen Coach als Nachhilfelehrer suchen. Es gibt Dutzende Wege. Schau, welche dich ansprechen und wo du glaubst, dass sie dich zum Erfolg führen.
Frag nach den Erfolgsfaktoren. Zu praktisch jedem Thema gibt es online jemanden, der es gemeistert hat und darüber berichtet – auch über seine Erfolgsfaktoren. Vieles findest du in Büchern, in denen Menschen über ihre Erfahrungen schreiben. Am Anfang kann es sehr wertvoll sein, sich eine Mind-Map zu machen, um zu verstehen: Wie lerne ich dieses Thema am besten, welche Möglichkeiten gibt es und wie gehe ich am besten ran?
Diese drei Dinge sind für die Planung sehr wichtig: Fokus auf ein Projekt, dann die Zeitplanung und das Format, und dann Meta-Learning. Ich habe diese Prinzipien in der Vergangenheit angewandt, ohne den Begriff Ultralearning zu benutzen. Bestes Beispiel ist meine Selbstständigkeit. Ich kam aus der Industrie und war sehr fachlich geprägt – Qualitätsmanagement, Prozessoptimierung und auch Führung. Womit ich aber kaum Berührungspunkte hatte, war Sales, also Verkaufen lernen: wie man seine Dienstleistungen und Produkte authentisch am Markt anbietet. Diese Kompetenz war definitiv notwendig.
Was habe ich gemacht? Ich bin sehr praktisch vorgegangen. Ich habe mir gesagt: Ich spreche mit Leuten, ich muss die Menschen verstehen, die ich unterstützen möchte. Ich habe Hunderte Interviews geführt – ich habe heute noch die Listen, in denen ich festgehalten habe, wann ich telefoniert habe und wie lange es gedauert hat. Jedes Mal habe ich mir Feedback eingeholt. Parallel zu diesem aktiven Telefonieren habe ich mir natürlich auch Bücher und Kurse zugelegt, um dieses Feld zu ergründen. Für mich war das ein Zwölf-Monats-Projekt. Ein Jahr habe ich gebraucht, um tief einzutauchen und das Thema zu meistern. Heute habe ich das Gefühl, ein gutes Verständnis und eine gewisse Kompetenz aufgebaut zu haben – natürlich nicht so gut wie echte Experten, aber mit gutem Überblick.
Heute stehen für mich ganz andere Themen auf der Agenda. Wenn es um meine nächste Themenauswahl geht, also das nächste Projekt, das ich meistern möchte, fällt mir spontan einiges ein. Ein Thema, das schon lange ansteht: Podcast-Interviews. Ein großes Vorbild von mir ist Tim Ferriss, dessen Podcast nur aus Interviews besteht. Da könnte ich „all in“ gehen. Ich habe mich schon ein bisschen eingelesen, bin aber noch nicht voll eingetaucht und habe es nicht gemeistert. Das könnte ein Ultralearning-Projekt sein. Genauso ist es mir wichtig, Workshops und Vorträge zu halten – auch das könnte ein Projekt sein: zu sagen, ich möchte ein besserer Redner werden, bessere Vorträge und Workshops halten, und mich „all in“ darauf committen. Genauso steht in meinem Leitbild, dass ich mal einen Bestseller schreiben möchte. Wer mir auf LinkedIn folgt, weiß, dass ich viel Text schreibe – Artikel und Ähnliches. Dieses Thema Schreiben und kreativ werden, auch Non-Fiction, begeistert mich unglaublich.
Was genau mein Projekt sein wird, möchte ich noch nicht verraten – das erfährst du in zukünftigen Folgen, denn es ist definitiv etwas am Laufen. So weit zur Themenauswahl. Bei jedem dieser Themen geht es dann darum, zu überlegen: Vollzeit klappt bei mir wegen des laufenden Geschäfts nicht, aber einen Tag oder einen halben Tag die Woche zu blocken, funktioniert in jedem Fall. Und dann das Thema Meta-Learning: zu schauen, welche Bücher es gibt, welche Personen Experten in dem Bereich sind, welche Bücher diese Personen empfehlen, ob es Kurse gibt oder Experten, die Coaching anbieten – und dann für sich selbst zu planen, wie das Ganze aktiv aussehen kann.
Wichtig bei der Umsetzung ist „Directness“. Scott Young spricht in seinem Buch davon: aktives Lernen statt passives Lernen. Ein Ultralearning-Projekt sollte immer sehr aktiv sein. Ich lasse mich da viel von einem meiner Vorbilder inspirieren: James Clear und sein Buch „Atomic Habits“. Wie ist das entstanden? James Clear hat das Vorwort zu Scott Youngs „Ultralearning“ geschrieben und beschreibt darin, wie sein Buch entstanden ist. Vor knapp zehn Jahren war er in der Situation, dass er unglaublich gerne gut im Schreiben werden wollte – Texte schreiben, die begeistern, inspirieren und andere zum Denken und Handeln anregen. Was hat er gemacht? Er hat sein Ultralearning-Projekt so gestaltet, dass er sich jede Woche ein Zeitfenster geblockt und jede Woche einen Artikel veröffentlicht hat – am Ende über zweihundert Artikel auf seinem Blog. Sein langfristiges Ziel war ein Buch. Und am Ende hat er die Summe der Artikel betrachtet und daraus ein Buch geformt. „Atomic Habits“ ist also nichts anderes als ein Buch, das über zehn Jahre in einzelnen Artikeln entstanden ist. Dabei hat er gelernt, wie man bestmöglich schreibt.
Mein Beispiel für „Directness“ war Verkaufen lernen: 300 bis 500 Telefonate in einem Jahr. So lernt man diesen Skill. Ein weiteres spannendes Ultralearning-Projekt, das Scott Young in seinem Buch beschreibt, dreht sich ums Programmieren. Vielleicht hast du vom Spiel „Stardew Valley“ gehört. Eric Barone hat es programmiert, und die spannende Geschichte dahinter: Der Startpunkt lag etwa fünf Jahre vor der Veröffentlichung. Er sagte sich, er möchte programmieren lernen, weil er das Gefühl hatte, das sei eine Zukunftskompetenz. Also designte er sein Ultralearning-Projekt: Statt nur Bücher durchzulesen und theoretisch zu lernen, hat er einfach ein Spiel programmiert. Er hat alle Facetten selbst gebaut, alle Figuren selbst gestaltet und sogar die Musik selbst komponiert, weil er von dem Gedanken begeistert war. Das nennt man übrigens „Project-Based Learning“ – ein sehr moderner Ansatz: sich ein Projekt suchen und es meistern. Er hat das Vehikel „ein Spiel programmieren“ genutzt, weil er danach natürlich besser programmieren konnte.
Ein anderes Beispiel: Wenn du selbstsicherer werden willst, ist das etwas sehr Allgemeines. Um ein Ultralearning- bzw. Project-Based-Learning-Projekt daraus zu machen, musst du es konkretisieren. Es gibt viele praktische Wege, um Souveränität und Selbstsicherheit aufzubauen. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass du dir eine Vortrags-Challenge machst: Du hältst jede Woche einen Vortrag. Es gibt übrigens eine bekannte, weltweit organisierte Rednerorganisation, bei der man so etwas machen kann. Du könntest dir ein Projekt setzen und sagen: Für die nächsten drei Monate halte ich jede Woche einen Vortrag zu einem Thema. Ich versichere dir, danach bist du selbstsicherer, weil du gelernt hast, vor einer Gruppe ein Thema zu vertreten – und du entwickelst dabei ganz viele Skills, unabhängig davon, ob du im Nachgang ein Experte im Vorträge-Halten bist.
Eric Barone wollte also programmieren lernen, hat „Stardew Valley“ programmiert, nach viereinhalb Jahren veröffentlicht und millionenfach verkauft. Das ist sicher nicht die Regel, aber der Gedanke, sich wirklich ein Projekt zu schnappen und sich darauf zu committen, ist unglaublich wertvoll.
Es gibt natürlich noch viele weitere Dinge, die Scott Young in seinem Buch beschreibt – wie man den Lernprozess in der Umsetzung verbessert. Zum Beispiel Feedback einholen. James Clears Thema Schreiben wäre lange nicht so effektiv gewesen, wenn er jede Woche einen Artikel geschrieben hätte und dieser in der Schublade gelandet wäre. Ein essenzieller Schritt ist, wirklich an die Öffentlichkeit zu gehen und sich Feedback einzuholen – von Freunden und Bekannten, die es lesen, und von Experten und Mentoren. Genauso bei Workshops und Vorträgen: direktes Feedback einzusammeln ist ein unheimlich wichtiger Punkt. Genauso wichtig ist es zu experimentieren, Neues zu wagen und zu testen – nach links und rechts zu schauen.
Und ganz wichtig: die Vergessenskurve. Jeder kennt das. Deshalb ist langfristiges Lernen entscheidend. Das Gegenteil ist das sogenannte „Bulimie-Lernen“: wie man sich vor der Klausur im Studium kurzfristig Wissen angeeignet hat, das danach wieder weg war. Wichtig ist langfristiges Lernen. In einer früheren Folge zum Thema effektives Lesen habe ich über die Feynman-Technik gesprochen. Es kann sehr wertvoll sein, anderen Menschen Dinge aus dem Feld zu erklären – oder sich die Inhalte durch die Feynman-Technik selbst zu erklären.
Ich hoffe, das hat dir einen guten Eindruck vom Thema Ultralearning gegeben und davon, wie du dir diese Kompetenz aneignen kannst – die Fähigkeit, effektiv und schnell zu lernen. Je mehr ich mich damit befasse, desto begeisterter bin ich selbst, und ich stecke alle im Umkreis an, jetzt ein Ultralearning-Projekt zu starten. Wenn du Ideen, Gedanken oder Fragen zu deinem eigenen Projekt hast, schreib mir jederzeit bei LinkedIn – meine Tür ist immer offen. Das würde mich brennend interessieren.
Ich habe von vielen Seiten gehört, dass es gar nicht leicht ist, das Thema zu finden. Auf der einen Seite hat man Ziele und das Gefühl: Ich möchte selbstsicherer werden. Aber solche schwammigen Themen herunterzubrechen und zu sagen, wie ich das wirklich in ein Projekt packe, ist die eigentliche Kunst. Genau das ist der Unterschied. In einem Workshop sagte mir jemand, er wolle das Thema Change Management meistern. Ein typisches Thema, zu dem es in der formellen Bildung – an der Uni und Ähnlichem – Kurse gibt. Wenn es aber darum geht, ein ganz konkretes Projekt zu machen, ist es plötzlich gar nicht mehr so leicht. Dann spricht man nämlich nicht mehr nur von Konzepten, sondern darüber, wie man diese Kompetenz in der Praxis wirklich aufbaut – nicht nur leeres Wissen, sondern wie man es im Alltag umsetzt. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Es ist nicht einfach, aber in jedem Fall zielführend, sich darüber Gedanken zu machen: Wofür brauche ich Change Management, in welchen Situationen äußert sich das, und wie kann ich das aktiv in mein Ultralearning-Projekt einbauen, damit ich danach diesen Skill wirklich beherrsche?
Ich fasse zusammen. Ultralearning ist einfach eine effektive Art und Weise zu lernen – schnell und effektiv. Für mich ist es eine der Basiskompetenzen, über die viel zu wenig gesprochen wird. Denn aus meiner Sicht haben die meisten, selbst wenn sie wissbegierig sind, das Lernen nicht systematisiert. Wichtig ist zuerst die Themenauswahl: Fokus auf ein Projekt und sich darauf committen. Dann das Format und die Zeitplanung: Wie lange soll das Projekt dauern, mache ich es in Vollzeit oder an einem Tag die Woche, wie viel Zeit passt aktuell in meinen Lebensstil? Und dann das große Thema Meta-Learning: zu verstehen, wie ich diesen Skill überhaupt meistern kann, welche Ressourcen und Best Practices es gibt und welche Erfolgsfaktoren – und sich daraus eine Mind-Map aufzubauen.
In der Umsetzung gilt: so praktisch wie möglich, „Directness“ ist das Stichwort, also wirklich aktives Lernen. Ein Projekt heißt „Project-Based Learning“ – versuch, dir ein Projekt zu kreieren, auch wenn du ein bisschen um die Ecke denken musst. Sammle entlang des Weges Feedback ein und habe immer das langfristige Lernen im Vordergrund, nicht das kurzfristige „Bulimie-Lernen“.
Ich bin hoch interessiert daran, welche Ultralearning-Projekte du startest. Die Motivation kann aus zwei Richtungen kommen: entweder um konkrete berufliche Ziele zu erreichen, oder einfach aus Interesse. Wenn jemand Gitarre lernen möchte, muss ihn das nicht zwangsweise beruflich weiterbringen – aber wenn du Lust darauf hast, kann auch das ein spannendes Thema sein.
Das soll es für diese Folge gewesen sein. Melde dich jederzeit bei mir auf LinkedIn. Liebe Grüße aus Hamburg – ich freue mich, wenn du das nächste Mal wieder vorbeischaust. Bis zum nächsten Mal.