Strategischer Jahres-Check: 3 Fragen für deine Jahresreflexion

Jeder weiß, wie wertvoll eine Jahresreflexion ist – aber kaum jemand bringt die Disziplin auf, sie wirklich zu machen. Dabei lohnt es sich, einmal im Jahr bewusst zurückzuschauen und das ganze Jahr zu reflektieren.

In dieser Folge bekommst du einen sehr konzentrierten, knackigen Prozess: einen strategischen Jahres-Check mit drei Fragen, den du in 30 bis 45 Minuten umsetzen kannst. Es geht um Rückblick, nicht um Planung – darum, ehrlich zu sehen, ob du dich in die richtige Richtung bewegst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Knackig statt aufwendig: 30–45 Minuten, ruhiger Ort, Timer – und am besten digital, weil du Kalender und Notizen brauchst.
  • Frage 1 – Was hat mein Jahr geprägt? In Quartalen denken (das löst Erinnerungen) und Aktivitäten, Entscheidungen, Projekte festhalten – was hat vorangebracht, was nicht?
  • Frage 2 – Wofür habe ich faktisch optimiert? Nicht, worauf du optimieren willst, sondern worauf deine realen Handlungen hinausliefen – inkl. des Trade-offs (was es dir gab und was es dich kostete).
  • Abgleich: Entspricht das dem, wofür du eigentlich optimieren willst? (ja/nein + kurze Begründung)
  • Frage 3 – Was beenden, reduzieren oder verstärken? Die Feinjustierung fürs nächste Jahr.
  • Mach ein Artefakt daraus: als PDF speichern – über Jahre nebeneinandergelegt zeigt es deinen Fortschritt.

Jahresreflexion: die Kernidee

Setting & Werkzeug

Es gibt hunderte Wege, eine Jahresreflexion zu machen – von ausführlichem Journaling über mehrere Tage bis zu diesem konzentrierten Format in 30–45 Minuten. Such dir einen ruhigen, ungestörten Ort und stell einen Timer (45 Minuten sind oft das richtige Maß, 30 zu knapp). Mach es digital: Du brauchst Zugriff auf deinen Kalender, deine Projekte, Entscheidungen und Notizen – die meisten haben das ohnehin online. Eine fertige Vorlage auf einer DIN-A4-Seite findest du unter mentorwerk.de/check (Kopie erstellen, digital ausfüllen, am Ende als PDF speichern).

Frage 1: Was hat mein Jahr geprägt?

Geh deinen Kalender durch und halte pro Quartal ein paar Stichpunkte fest: Welche Aktivitäten, Entscheidungen und Projekte haben dein Jahr geprägt? In Quartalen zu denken ist wichtig – sonst denkst du nur an die letzten Monate, während dir bei Q1 bis Q4 vieles wieder einfällt, das du längst vergessen hattest. Positives wie Negatives gehört dazu. Plane ruhig fast die Hälfte der Zeit allein dafür ein, dir dein Jahr wieder ins Gedächtnis zu rufen – die Vergessenskurve ist steil. Anschließend sortierst du grob: Was davon hat mich wirklich vorangebracht, was nicht? (Kein Perfektionismus – es geht um den einen bewussten Blick aufs ganze Jahr.)

Frage 2: Wofür habe ich faktisch optimiert?

Die wichtigste Frage – und ihr Clou liegt im Wort „faktisch“. Die meisten rutschen sofort in den Leitbild-Modus („worauf würde ich gern optimieren?“). Hier geht es um etwas anderes: Schau dir all deine Aktivitäten, Entscheidungen und Projekte an und frag ehrlich, worauf das alles tatsächlich hinauslief. War es Karriere, Anerkennung, Sicherheit, Geld, Freiheit, Lernen, Gesundheit, innere Ruhe, Familie oder Sinn? Du hast auf etwas optimiert – die Frage ist nur, ob es dir bewusst war. Dann der entscheidende zweite Schritt: Jedes Optimieren ist ein Trade-off. „Das hat mir ___ gegeben und mich ___ gekostet.“ Optimierst du auf Karriere, gab dir das vielleicht Gehalt und Anerkennung – und kostete dich Gesundheit, Beziehungen oder innere Ruhe. Und schließlich der Abgleich: Entspricht das, wofür du dieses Jahr optimiert hast, dem, wofür du eigentlich optimieren willst? (ja/nein + kurze Begründung.)

Frage 3: Was beenden, reduzieren oder verstärken?

Jetzt fällt die Feinjustierung leicht: Was möchtest du im nächsten Jahr beenden oder reduzieren – und was verstärken? Wichtig: Das hier ist Rückblick, keine Jahresplanung. Es geht nicht ums Ziele-Setzen, sondern darum, in kurzer Zeit den Kern zu treffen: Was hat mein Jahr geprägt, wofür habe ich faktisch optimiert, bewege ich mich in die richtige Richtung – und wo justiere ich nach?

Diese kompakte Reflexion ist die jährliche Variante einer regelmäßigen Denkpraxis: Wie du dir auch unterm Jahr bewusst Denkraum schaffst, zeigt die Thinking Session. Die „beenden/reduzieren“-Spalte ist im Kern ein strategischer Hebel – mehr dazu in Eliminieren statt Optimieren. Und wie du die Trade-offs deiner Entscheidungen zu Ende denkst, vertieft Second-Order Thinking.

Häufige Fragen zur Jahresreflexion

Wie mache ich eine Jahresreflexion? Nimm dir 30–45 Minuten an einem ruhigen Ort, am besten digital (mit Zugriff auf Kalender und Notizen), und beantworte drei Fragen: Was hat mein Jahr geprägt? Wofür habe ich faktisch optimiert? Was sollte ich nächstes Jahr beenden, reduzieren oder verstärken? Speichere das Ergebnis als PDF, um es über die Jahre zu vergleichen.

Was ist der Unterschied zwischen Jahresreflexion und Jahresplanung? Die Reflexion ist ein Rückblick: Sie schaut auf das vergangene Jahr und deine tatsächliche Ausrichtung. Die Planung ist der Ausblick mit Zielen für das kommende Jahr. Dieser Jahres-Check ist bewusst nur der Rückblick – er schafft die Grundlage, bevor du planst.

Was bedeutet „wofür habe ich faktisch optimiert“? Nicht, worauf du optimieren wolltest, sondern worauf deine realen Handlungen, Entscheidungen und Projekte tatsächlich hinausliefen. Dazu gehört, den Trade-off zu erkennen: Was hat dir diese Ausrichtung gegeben – und was hat sie dich gekostet?

Wie lange dauert der strategische Jahres-Check? 30 bis 45 Minuten. Etwa die Hälfte der Zeit brauchst du allein dafür, dir dein Jahr über die vier Quartale wieder ins Gedächtnis zu rufen – der Rest entfällt auf die drei Fragen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit und Produktivität.

Transkript

Jeder weiß, wie wertvoll es ist, aber kaum jemand bringt die Disziplin auf, es wirklich zu tun – die Jahresreflexion, das Jahresreview. Einmal im Jahr macht es Sinn, aufs gesamte Jahr zu schauen und es zu reflektieren. Ich gebe dir drei Fragen und einen sehr simplen Prozess, wie du das in kurzer Zeit umsetzt.

Es gibt hunderte Wege, eine Jahresreflexion zu machen. Diese Variante ist sehr konzentriert und knackig – du schaffst sie in 30 bis 45 Minuten. Ich habe das Ganze auf einer DIN-A4-Seite zusammengefasst: mentorwerk.de/check. Das ist ein Formular bzw. der Jahres-Check auf einem Blatt, das du als Kopie erstellst und digital ausfüllst. Ich empfehle es dir sehr, weil es den Prozess deutlich einfacher macht.

Wie funktioniert es? Erst das Setting: ruhiger Ort, ungestört, 45 Minuten, Timer stellen. 30 Minuten waren mir, als ich es selbst angewendet habe, zu knapp; 45 Minuten waren genau richtig. Fülle es digital aus – das ist bewusst so ausgelegt, weil du deinen Kalender, Projekte, Entscheidungen und Notizen brauchst, und die meisten haben das online. Es ist eine Google-Docs-Datei: Datei → Kopie erstellen, dann digital ausfüllen. Am Ende kannst du es als PDF speichern – so schaffst du ein Artefakt, das du in den nächsten Jahren immer wieder anschauen kannst. Anders als eine veränderbare Notiz ist dieses PDF quasi eingefroren.

Frage 1: Was hat mein Jahr geprägt? Hier kommt dein Kalender ins Spiel. Schreib zu jedem Quartal ein paar Stichpunkte auf: Welche Aktivitäten, Entscheidungen und Projekte haben dein Jahr geprägt? In Quartalen zu denken hilft enorm – ohne diese Zeitabschnitte denkst du nur an die letzten Monate, aber wenn du gezielt an Q1, Q2, Q3 und Q4 denkst, fällt dir vieles wieder ein, das du längst vergessen hattest. Es muss nicht nur Positives sein, auch Negatives gehört dazu. Wundere dich nicht, dass dieser Teil lange dauert – fast die Hälfte der Zeit verbringst du nur damit, dir dein Jahr wieder ins Gedächtnis zu rufen. Die Vergessenskurve des Menschen ist steil; was vor drei Monaten passiert ist, ist kaum noch präsent. Dann der zweite Abschnitt: Was von all dem hat dich wirklich vorangebracht und was nicht? Dazu gibt es eine kleine Tabelle. Es geht nicht um Perfektionismus – in einer Dreiviertelstunde kannst du nicht alle Facetten beurteilen, sondern bewusst einmal über das ganze Jahr nachdenken. Schon das allein ist extrem wertvoll.

Frage 2 ist die wichtigste: Wofür habe ich dieses Jahr faktisch optimiert? Wenn ich Leute frage „worauf optimierst du?“, rutschen sie sofort in den Leitbild-Modus und überlegen, worauf sie gern optimieren würden – sie sprechen über Werte und Ziele. Darum geht es hier nicht. Schau dir all deine Aktivitäten, Entscheidungen und Projekte an und frag: Worauf optimiert das alles faktisch, wenn ich ehrlich bin? War das Karriere, Anerkennung, Sicherheit und Stabilität, Geld und Vermögensaufbau, Freiheit und Flexibilität, Spaß, Lernen, Gesundheit und Fitness, innere Gelassenheit, Familie und Freunde oder Sinn? Du hast auf irgendetwas optimiert – die meisten sind sich dessen nur nicht bewusst. Und jetzt kommt der Punkt, den ebenfalls die wenigsten sehen: Wenn du auf etwas optimierst, ist das immer ein Trade-off. Es gibt dir etwas und kostet dich gleichzeitig etwas anderes. Der Satz lautet: „Das hat mir ___ gegeben und mich ___ gekostet.“ Optimierst du auf Karriere, hat dir das vielleicht Gehalt, Anerkennung und eine Beförderung gegeben – und dich Gesundheit, Freundschaften, Zeit mit der Familie oder innere Ruhe gekostet. Diesen Trade-off bewusst zu machen, ist extrem wertvoll. Und schließlich: Entspricht das, wofür du dieses Jahr optimiert hast, dem, wofür du eigentlich optimieren willst? Eine Zeile ja oder nein und eine kurze Begründung. Wir sind alle durch den Alltag getrieben und verlieren dabei manchmal aus den Augen, was uns wirklich wichtig ist.

Frage 3: Was sollte ich nächstes Jahr beenden, reduzieren oder verstärken? Eine kleine Tabelle – beenden/reduzieren in den einen Bereich, verstärken in den anderen. Vor dem Hintergrund von Frage 1 und 2 fällt es dir jetzt leicht, ein paar Stichpunkte zu notieren. Wichtig: Bei diesem ganzen Prozess geht es um Jahresreflexion, also um Rückblick – nicht um Ausblick oder Jahresplanung, nicht ums Ziele-Setzen. Es geht darum, die Magie eines einzigen strategischen Jahres-Checks zu nutzen und sich in 30 bis 45 Minuten die wirklich wichtigen Fragen zu stellen: Was hat mein Jahr geprägt, wofür habe ich faktisch optimiert, entspricht das dem, wo ich hinmöchte – und was reduziere oder verstärke ich?

Idealerweise bleibt es nicht bei den 45 Minuten am Schreibtisch: Sehr wertvoll ist es, mit Gleichgesinnten oder einem Sparringspartner darüber zu sprechen. Aber das hier ist der minimalste, geradlinige Weg, eine solche Reflexion wirklich umzusetzen. Die meisten wissen, wie wertvoll das ist – es scheitert an der Disziplin, und dieses Tool soll dir helfen, weniger Disziplin zu brauchen, weil es einfacher ist. Wenn du das drei, vier Jahre in Folge machst und die Blätter nebeneinanderlegst, ist es eine echte Freude, den eigenen Fortschritt zu sehen. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Strategischer Jahres-Check: 3 Fragen für deine Jahresreflexion

Jeder weiß, wie wertvoll eine Jahresreflexion ist – aber kaum jemand bringt die Disziplin auf, sie wirklich zu machen. Dabei lohnt es sich, einmal im Jahr bewusst zurückzuschauen und das ganze Jahr zu reflektieren.

In dieser Folge bekommst du einen sehr konzentrierten, knackigen Prozess: einen strategischen Jahres-Check mit drei Fragen, den du in 30 bis 45 Minuten umsetzen kannst. Es geht um Rückblick, nicht um Planung – darum, ehrlich zu sehen, ob du dich in die richtige Richtung bewegst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Knackig statt aufwendig: 30–45 Minuten, ruhiger Ort, Timer – und am besten digital, weil du Kalender und Notizen brauchst.
  • Frage 1 – Was hat mein Jahr geprägt? In Quartalen denken (das löst Erinnerungen) und Aktivitäten, Entscheidungen, Projekte festhalten – was hat vorangebracht, was nicht?
  • Frage 2 – Wofür habe ich faktisch optimiert? Nicht, worauf du optimieren willst, sondern worauf deine realen Handlungen hinausliefen – inkl. des Trade-offs (was es dir gab und was es dich kostete).
  • Abgleich: Entspricht das dem, wofür du eigentlich optimieren willst? (ja/nein + kurze Begründung)
  • Frage 3 – Was beenden, reduzieren oder verstärken? Die Feinjustierung fürs nächste Jahr.
  • Mach ein Artefakt daraus: als PDF speichern – über Jahre nebeneinandergelegt zeigt es deinen Fortschritt.

Jahresreflexion: die Kernidee

Setting & Werkzeug

Es gibt hunderte Wege, eine Jahresreflexion zu machen – von ausführlichem Journaling über mehrere Tage bis zu diesem konzentrierten Format in 30–45 Minuten. Such dir einen ruhigen, ungestörten Ort und stell einen Timer (45 Minuten sind oft das richtige Maß, 30 zu knapp). Mach es digital: Du brauchst Zugriff auf deinen Kalender, deine Projekte, Entscheidungen und Notizen – die meisten haben das ohnehin online. Eine fertige Vorlage auf einer DIN-A4-Seite findest du unter mentorwerk.de/check (Kopie erstellen, digital ausfüllen, am Ende als PDF speichern).

Frage 1: Was hat mein Jahr geprägt?

Geh deinen Kalender durch und halte pro Quartal ein paar Stichpunkte fest: Welche Aktivitäten, Entscheidungen und Projekte haben dein Jahr geprägt? In Quartalen zu denken ist wichtig – sonst denkst du nur an die letzten Monate, während dir bei Q1 bis Q4 vieles wieder einfällt, das du längst vergessen hattest. Positives wie Negatives gehört dazu. Plane ruhig fast die Hälfte der Zeit allein dafür ein, dir dein Jahr wieder ins Gedächtnis zu rufen – die Vergessenskurve ist steil. Anschließend sortierst du grob: Was davon hat mich wirklich vorangebracht, was nicht? (Kein Perfektionismus – es geht um den einen bewussten Blick aufs ganze Jahr.)

Frage 2: Wofür habe ich faktisch optimiert?

Die wichtigste Frage – und ihr Clou liegt im Wort „faktisch“. Die meisten rutschen sofort in den Leitbild-Modus („worauf würde ich gern optimieren?“). Hier geht es um etwas anderes: Schau dir all deine Aktivitäten, Entscheidungen und Projekte an und frag ehrlich, worauf das alles tatsächlich hinauslief. War es Karriere, Anerkennung, Sicherheit, Geld, Freiheit, Lernen, Gesundheit, innere Ruhe, Familie oder Sinn? Du hast auf etwas optimiert – die Frage ist nur, ob es dir bewusst war. Dann der entscheidende zweite Schritt: Jedes Optimieren ist ein Trade-off. „Das hat mir ___ gegeben und mich ___ gekostet.“ Optimierst du auf Karriere, gab dir das vielleicht Gehalt und Anerkennung – und kostete dich Gesundheit, Beziehungen oder innere Ruhe. Und schließlich der Abgleich: Entspricht das, wofür du dieses Jahr optimiert hast, dem, wofür du eigentlich optimieren willst? (ja/nein + kurze Begründung.)

Frage 3: Was beenden, reduzieren oder verstärken?

Jetzt fällt die Feinjustierung leicht: Was möchtest du im nächsten Jahr beenden oder reduzieren – und was verstärken? Wichtig: Das hier ist Rückblick, keine Jahresplanung. Es geht nicht ums Ziele-Setzen, sondern darum, in kurzer Zeit den Kern zu treffen: Was hat mein Jahr geprägt, wofür habe ich faktisch optimiert, bewege ich mich in die richtige Richtung – und wo justiere ich nach?

Diese kompakte Reflexion ist die jährliche Variante einer regelmäßigen Denkpraxis: Wie du dir auch unterm Jahr bewusst Denkraum schaffst, zeigt die Thinking Session. Die „beenden/reduzieren“-Spalte ist im Kern ein strategischer Hebel – mehr dazu in Eliminieren statt Optimieren. Und wie du die Trade-offs deiner Entscheidungen zu Ende denkst, vertieft Second-Order Thinking.

Häufige Fragen zur Jahresreflexion

Wie mache ich eine Jahresreflexion? Nimm dir 30–45 Minuten an einem ruhigen Ort, am besten digital (mit Zugriff auf Kalender und Notizen), und beantworte drei Fragen: Was hat mein Jahr geprägt? Wofür habe ich faktisch optimiert? Was sollte ich nächstes Jahr beenden, reduzieren oder verstärken? Speichere das Ergebnis als PDF, um es über die Jahre zu vergleichen.

Was ist der Unterschied zwischen Jahresreflexion und Jahresplanung? Die Reflexion ist ein Rückblick: Sie schaut auf das vergangene Jahr und deine tatsächliche Ausrichtung. Die Planung ist der Ausblick mit Zielen für das kommende Jahr. Dieser Jahres-Check ist bewusst nur der Rückblick – er schafft die Grundlage, bevor du planst.

Was bedeutet „wofür habe ich faktisch optimiert“? Nicht, worauf du optimieren wolltest, sondern worauf deine realen Handlungen, Entscheidungen und Projekte tatsächlich hinausliefen. Dazu gehört, den Trade-off zu erkennen: Was hat dir diese Ausrichtung gegeben – und was hat sie dich gekostet?

Wie lange dauert der strategische Jahres-Check? 30 bis 45 Minuten. Etwa die Hälfte der Zeit brauchst du allein dafür, dir dein Jahr über die vier Quartale wieder ins Gedächtnis zu rufen – der Rest entfällt auf die drei Fragen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit und Produktivität.

Transkript

Jeder weiß, wie wertvoll es ist, aber kaum jemand bringt die Disziplin auf, es wirklich zu tun – die Jahresreflexion, das Jahresreview. Einmal im Jahr macht es Sinn, aufs gesamte Jahr zu schauen und es zu reflektieren. Ich gebe dir drei Fragen und einen sehr simplen Prozess, wie du das in kurzer Zeit umsetzt.

Es gibt hunderte Wege, eine Jahresreflexion zu machen. Diese Variante ist sehr konzentriert und knackig – du schaffst sie in 30 bis 45 Minuten. Ich habe das Ganze auf einer DIN-A4-Seite zusammengefasst: mentorwerk.de/check. Das ist ein Formular bzw. der Jahres-Check auf einem Blatt, das du als Kopie erstellst und digital ausfüllst. Ich empfehle es dir sehr, weil es den Prozess deutlich einfacher macht.

Wie funktioniert es? Erst das Setting: ruhiger Ort, ungestört, 45 Minuten, Timer stellen. 30 Minuten waren mir, als ich es selbst angewendet habe, zu knapp; 45 Minuten waren genau richtig. Fülle es digital aus – das ist bewusst so ausgelegt, weil du deinen Kalender, Projekte, Entscheidungen und Notizen brauchst, und die meisten haben das online. Es ist eine Google-Docs-Datei: Datei → Kopie erstellen, dann digital ausfüllen. Am Ende kannst du es als PDF speichern – so schaffst du ein Artefakt, das du in den nächsten Jahren immer wieder anschauen kannst. Anders als eine veränderbare Notiz ist dieses PDF quasi eingefroren.

Frage 1: Was hat mein Jahr geprägt? Hier kommt dein Kalender ins Spiel. Schreib zu jedem Quartal ein paar Stichpunkte auf: Welche Aktivitäten, Entscheidungen und Projekte haben dein Jahr geprägt? In Quartalen zu denken hilft enorm – ohne diese Zeitabschnitte denkst du nur an die letzten Monate, aber wenn du gezielt an Q1, Q2, Q3 und Q4 denkst, fällt dir vieles wieder ein, das du längst vergessen hattest. Es muss nicht nur Positives sein, auch Negatives gehört dazu. Wundere dich nicht, dass dieser Teil lange dauert – fast die Hälfte der Zeit verbringst du nur damit, dir dein Jahr wieder ins Gedächtnis zu rufen. Die Vergessenskurve des Menschen ist steil; was vor drei Monaten passiert ist, ist kaum noch präsent. Dann der zweite Abschnitt: Was von all dem hat dich wirklich vorangebracht und was nicht? Dazu gibt es eine kleine Tabelle. Es geht nicht um Perfektionismus – in einer Dreiviertelstunde kannst du nicht alle Facetten beurteilen, sondern bewusst einmal über das ganze Jahr nachdenken. Schon das allein ist extrem wertvoll.

Frage 2 ist die wichtigste: Wofür habe ich dieses Jahr faktisch optimiert? Wenn ich Leute frage „worauf optimierst du?“, rutschen sie sofort in den Leitbild-Modus und überlegen, worauf sie gern optimieren würden – sie sprechen über Werte und Ziele. Darum geht es hier nicht. Schau dir all deine Aktivitäten, Entscheidungen und Projekte an und frag: Worauf optimiert das alles faktisch, wenn ich ehrlich bin? War das Karriere, Anerkennung, Sicherheit und Stabilität, Geld und Vermögensaufbau, Freiheit und Flexibilität, Spaß, Lernen, Gesundheit und Fitness, innere Gelassenheit, Familie und Freunde oder Sinn? Du hast auf irgendetwas optimiert – die meisten sind sich dessen nur nicht bewusst. Und jetzt kommt der Punkt, den ebenfalls die wenigsten sehen: Wenn du auf etwas optimierst, ist das immer ein Trade-off. Es gibt dir etwas und kostet dich gleichzeitig etwas anderes. Der Satz lautet: „Das hat mir ___ gegeben und mich ___ gekostet.“ Optimierst du auf Karriere, hat dir das vielleicht Gehalt, Anerkennung und eine Beförderung gegeben – und dich Gesundheit, Freundschaften, Zeit mit der Familie oder innere Ruhe gekostet. Diesen Trade-off bewusst zu machen, ist extrem wertvoll. Und schließlich: Entspricht das, wofür du dieses Jahr optimiert hast, dem, wofür du eigentlich optimieren willst? Eine Zeile ja oder nein und eine kurze Begründung. Wir sind alle durch den Alltag getrieben und verlieren dabei manchmal aus den Augen, was uns wirklich wichtig ist.

Frage 3: Was sollte ich nächstes Jahr beenden, reduzieren oder verstärken? Eine kleine Tabelle – beenden/reduzieren in den einen Bereich, verstärken in den anderen. Vor dem Hintergrund von Frage 1 und 2 fällt es dir jetzt leicht, ein paar Stichpunkte zu notieren. Wichtig: Bei diesem ganzen Prozess geht es um Jahresreflexion, also um Rückblick – nicht um Ausblick oder Jahresplanung, nicht ums Ziele-Setzen. Es geht darum, die Magie eines einzigen strategischen Jahres-Checks zu nutzen und sich in 30 bis 45 Minuten die wirklich wichtigen Fragen zu stellen: Was hat mein Jahr geprägt, wofür habe ich faktisch optimiert, entspricht das dem, wo ich hinmöchte – und was reduziere oder verstärke ich?

Idealerweise bleibt es nicht bei den 45 Minuten am Schreibtisch: Sehr wertvoll ist es, mit Gleichgesinnten oder einem Sparringspartner darüber zu sprechen. Aber das hier ist der minimalste, geradlinige Weg, eine solche Reflexion wirklich umzusetzen. Die meisten wissen, wie wertvoll das ist – es scheitert an der Disziplin, und dieses Tool soll dir helfen, weniger Disziplin zu brauchen, weil es einfacher ist. Wenn du das drei, vier Jahre in Folge machst und die Blätter nebeneinanderlegst, ist es eine echte Freude, den eigenen Fortschritt zu sehen. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

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Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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