Ziele schneller erreichen: die richtigen Ratschläge nutzen

Wissen ist Macht – die wenigsten haben das Ausmaß dieses Satzes wirklich verinnerlicht. Der einzige Unterschied zwischen jemandem, der ein Ziel in zehn Jahren erreicht, und jemandem, der dasselbe in zwei Jahren schafft, ist Wissen, Erfahrung und Kompetenz. Und der schnellste Weg dorthin führt über die richtigen Ratschläge von den richtigen Menschen.

In dieser Folge geht es darum, wie du deine Ziele bis zu zehnmal schneller erreichst: warum „Wer kann mir helfen?“ die wichtigste Frage ist, welche sechs Ebenen von Ratgebern es gibt (Ebene 1 ist Gold, Ebene 6 solltest du ignorieren) und warum selbst der beste Ratschlag zur falschen Zeit wertlos ist.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Wissen ist Macht: Der einzige Unterschied zwischen langsam und 10x schneller ist Wissen und Erfahrung – die meisten unterschätzen das aus Ignoranz.
  • Die wichtigste Frage lautet „Wer?“, nicht „Was?“: Statt „Was soll ich tun?“ frage „Wer kann mir helfen?“. Die richtigen Menschen um Rat zu bitten, ist eine Kernkompetenz.
  • 6 Ebenen von Ratgebern: von „hat dein Ziel selbst erreicht UND anderen dabei geholfen“ (Ebene 1, der heilige Gral) bis „alle anderen“ (Ebene 6, ignorieren).
  • Bewerte jeden Ratschlag nach Herkunft: Ein smart klingender Rat von einer inkompetenten Quelle klingt wie ein Rat von einem Profi – frag nach dem Kontext dahinter.
  • Timing schlägt Qualität: „Don’t apply the right advice from smart people at the wrong time.“ Der beste Rat zur falschen Zeit bremst dich.
  • Vorsicht vor FUCMFrequently Unasked-for Consulting & Mentoring: ungefragte Ratschläge, wenn du mit deinen Zielen hausieren gehst.

Ziele schneller erreichen: die Kernidee

Wissen ist Macht – und der Hebel heißt „Wer kann mir helfen?“

Die größte Gefahr für jeden, der ein Ziel verfolgt, ist Ignoranz: zu selbstsicher zu sein und den eigenen blinden Fleck nicht zu sehen. Morgan Housel bringt es in „Die Psychologie des Geldes“ auf den Punkt: Deine persönlichen Erfahrungen machen einen verschwindend kleinen Bruchteil dessen aus, was in der Welt passiert ist – aber vielleicht 80 % dessen, was du glaubst, wie die Welt funktioniert. Deshalb ist die mit Abstand wichtigste Frage nicht „Was soll ich tun?“, sondern „Wer kann mir helfen?“. Die Kunst, die richtigen Personen um Rat zu bitten – sie zu finden und ihre Ratschläge zu bewerten – ist eine der wertvollsten Kompetenzen überhaupt. Genau deshalb erreichen erfahrene Unternehmer beim zweiten Anlauf in zwei Jahren, wofür sie beim ersten Mal zehn brauchten.

Die 6 Ebenen: von wem du Ratschläge annehmen solltest

Nicht jeder Ratschlag ist gleich wertvoll. Es gibt sechs Ebenen – Ebene 1 ist die beste, Ebene 6 die schlechteste:

  1. Hat dein Ziel selbst erreicht UND anderen wie dir dabei geholfen – der heilige Gral, absolutes Gold.
  2. Hat anderen geholfen, das Ziel zu erreichen (aber nicht selbst erreicht).
  3. Hat das Ziel selbst erreicht (aber noch niemandem geholfen).
  4. Hat den Prozess mehrfach miterlebt/beobachtet (ohne Verantwortung).
  5. Hat den Prozess einmal miterlebt.
  6. Alle anderen – ungetestete Meinungen und Hypothesen ohne „Proof“. Hier solltest du sehr skeptisch sein.

Beispiel: Für eine EN-9100-Zertifizierung im Mittelstand ist ein Berater, der sie selbst mehrfach eigenverantwortlich umgesetzt und vielen Unternehmen dabei geholfen hat (Ebene 1), um Längen wertvoller als ein Kollege, der so etwas einmal im Konzern beobachtet hat (Ebene 5). Genauso bei „mit unter 30 Führungskraft werden“: Such gezielt jemanden, der das selbst geschafft und andere dorthin begleitet hat.

Bewerte die Quelle – nicht den Klang

Das ist deine Aufgabe: Ein Ratschlag von einer hochkompetenten Person kann genauso smart klingen wie der einer völlig inkompetenten. Über gezielte Fragen findest du heraus, woher ein Rat kommt und welcher Kontext dahintersteckt – nur so erkennst du seine echte Qualität. Sei besonders wachsam vor „FUCM“ (Frequently Unasked-for Consulting & Mentoring): Sobald du mit deinen Zielen hausieren gehst, bekommst du ungefragt Ratschläge von Ebene 6.

Timing schlägt Qualität

Der Satz, den du nie vergessen solltest: „Don’t apply the right advice from smart people at the wrong time.“ Selbst ein hervorragender Rat kann in deiner aktuellen Situation falsch sein – frag dich daher immer: Was würde diese Person mir raten, wenn sie meinen konkreten Kontext kennen würde? Gerade bei Podcasts, YouTube und Büchern fehlt diese Kontext-Komponente. Erst die Basis legen, dann ins Detail gehen – der richtige Ratschlag braucht das richtige Timing. Und wenn ein Rat bei dir nicht funktioniert hat: Wirf keine Steine auf den Ratgeber – für jemand anderen mit anderem Kontext war er vielleicht Gold wert.

Dass der richtige Rat zur richtigen Zeit kommt, ist dieselbe Logik wie Just-in-Time-Learning – wie du gezielt das lernst, was deinen aktuellen Engpass löst, hörst du in Probleme lösen. Warum Wissen und ein starkes Netzwerk dein wichtigstes Kapital sind, vertieft In sich selbst investieren. Und wie du zu den Menschen, die dir helfen können, überhaupt erst Zugang bekommst, zeigt Vertrauen aufbauen.

Kompakt zum Nachlesen findest du den Kerngedanken im Artikel Wen du bei wichtigen Entscheidungen um Rat fragst.

Häufige Fragen zum schneller Ziele erreichen

Wie erreiche ich meine Ziele schneller? Indem du nicht alles allein machst, sondern die richtigen Menschen um Rat bittest. Wissen und Erfahrung sind der einzige echte Unterschied zwischen langsam und schnell. Stelle die Frage „Wer kann mir helfen?“ statt „Was soll ich tun?“ – und such gezielt Ratgeber, die dein Ziel selbst erreicht und andere dorthin begleitet haben.

Welche Ratschläge sollte ich ignorieren? Ratschläge von Ebene 6 – Menschen, die dein Ziel weder erreicht noch jemanden dabei begleitet noch den Prozess beobachtet haben. Das sind ungetestete Meinungen. Sei besonders skeptisch bei ungefragten Ratschlägen, wenn du mit deinen Zielen hausieren gehst.

Woran erkenne ich einen guten Ratgeber? An seiner Erfahrung mit genau deinem Ziel: Hat er es selbst erreicht (Ebene 3), anderen dabei geholfen (Ebene 2) oder beides (Ebene 1)? Frag nach dem Kontext hinter einem Ratschlag – ein smart klingender Rat sagt allein nichts über seine Qualität aus.

Warum ist Timing bei Ratschlägen so wichtig? Weil der beste Rat zur falschen Zeit dich bremst: „Don’t apply the right advice from smart people at the wrong time.“ Erst die Basis legen, dann ins Detail. Frag dich, ob ein Ratschlag zu deinem aktuellen Kontext und Fokus passt – oder erst in einem halben Jahr.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Morgan Housel – Die Psychologie des Geldes: wie wenig persönliche Erfahrung über die Realität aussagt.
  • Nassim Taleb – Der Schwarze Schwan: seltene, prägende Ausnahme-Ereignisse (z. B. mit 26 kurz vor der Geschäftsführung).
  • Network Intelligence (Reid Hoffman): das Netzwerk als wiederholt nutzbares Asset, um Ratgeber zu finden.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit und Produktivität.

Transkript

Wissen ist Macht. Ich glaube, jeder hat diesen Spruch schon gehört – aber die wenigsten haben das Ausmaß dieser Aussage wirklich verinnerlicht. Ich habe in den letzten Jahren ein ganz neues Verständnis davon gewonnen. Kürzlich habe ich mit einer Person telefoniert, die sich frisch selbstständig gemacht hat, und dabei poppte ein Gedanke auf: Wenn ich heute in derselben Situation neu starten würde, würde ich alles zehnmal so schnell hinbekommen wie damals. Genau das steckt hinter „Wissen ist Macht“ – der einzige Unterschied ist das Wissen, die Erfahrung und die Kompetenz, die ich in diesem Kontext aufgebaut habe. Dasselbe gilt für Ingenieure, die frisch in die Berufswelt einsteigen: Die größte Gefahr ist Ignoranz – zu selbstsicher zu sein und nicht zu sehen, was man nicht weiß.

Es gibt ein verzerrtes Bild von Bildung – als wäre damit Schule oder Studium gemeint. Das ist nur eine Art von Bildung. Morgan Housel schreibt in „Die Psychologie des Geldes“: Deine persönlichen Erfahrungen machen vielleicht 0,00000001 Prozent dessen aus, was in der Welt wirklich passiert ist – aber 80 Prozent dessen, was du glaubst, wie die Welt funktioniert. Die meisten haben das Gefühl, sie hätten die Welt ganz gut verstanden, und sehen ihren großen blinden Fleck nicht. Deshalb ist die mit Abstand wichtigste Frage – gerade für jemanden, der frisch in die Selbstständigkeit springt –: Wer kann mir helfen? Nicht „Was soll ich tun?“, sondern „Wer?“. Die Kunst, die richtigen Personen um Rat zu bitten – sie zu finden und ihre Ratschläge zu bewerten – ist die wichtigste Kompetenz überhaupt.

In diesem Telefonat habe ich gemerkt: Meine Erfahrungen waren für die Person unglaublich wertvoll; man kann sich damit Jahre sparen. Es gibt einen Grund, warum Unternehmer, die zehn Jahre für den Aufbau gebraucht haben, beim zweiten Mal denselben Prozess in zwei Jahren schaffen. Ich möchte dir sechs Ebenen vorstellen – von wem du Ratschläge annehmen solltest und von wem nicht. Ebene 1 ist die beste, Ebene 6 die schlechteste. Vorab: Es muss Klarheit über deine persönlichen Ziele herrschen, denn ein Ratschlag macht nur Sinn, wenn der Kontext passt. Beispiele aus meinem Werdegang: unter 30 Führungskraft, unter 30 Betriebsleiter, unter 35 Geschäftsführer – oder etwas Fachliches wie eine EN-9100-Zertifizierung, eine Qualitätsmanagement-Zertifizierung für die Luft- und Raumfahrtbranche, die ich eigenverantwortlich umgesetzt habe.

Ebene 1 ist der Goldfund: eine Person, die erstens dein Ziel selbst erreicht und zweitens anderen Personen wie dir dabei geholfen hat, dieses Ziel zu erreichen. Hier zeigt sich, warum ein Netzwerk so wertvoll ist – nicht nur ein einzelner Mentor, sondern viele Kontakte, deren „Network Intelligence“ du immer wieder anzapfen kannst. Als ich die EN-9100-Zertifizierung in unserem mittelständischen Unternehmen implementieren wollte, war der Gedanke, das allein zu machen, absurd – ich hätte zehnmal so lange gebraucht und tausend Fehler gemacht. Also: Wer kann uns helfen? Am Ende stieß ich auf einen Berater, der diese Zertifizierung schon oft selbst eigenverantwortlich umgesetzt und vielen Unternehmen dabei geholfen hatte. Der Prozess war dadurch deutlich einfacher, schneller und weit weniger nervenaufreibend. Andere sagten mir, EN 9100 müsse ein hartes Thema gewesen sein – ich empfand es als einfach, und das lag genau an dieser einen Person, die sich alle zwei Wochen mit mir zusammensetzte, den Prozess strukturierte, Feedback und Mentoring gab und vieles abnahm. So eine Person zu haben ist Gold wert. Dasselbe gilt fürs Thema Führungskraft: Wenn du mit 27 Führungskraft werden willst, ist eine Person, die selbst mit unter 30 Führungskraft wurde, eine ganz andere Hausnummer als jemand, der es erst mit 47 wurde.

Das ist auch ein Grund, warum wir bei Mentorwerk so großen Wert darauf legen, selbst Ingenieurs-Background zu haben. Das Team – Tim Engelbert, Sebastian Richter, Christoph Kupke und ich – ist den Weg vom ambitionierten Ingenieur zum Intrapreneur selbst gegangen, alle mit Führungserfahrung. Wir haben das Ziel selbst erreicht und begleiten andere dorthin. Wäre das nicht so, wäre unser Ratschlag nicht so gut.

Ebene 1 ist der heilige Gral, aber man trifft nicht immer auf solche Personen, deshalb gibt es Abstufungen. Ebene 2: Personen, die anderen wie dir bereits geholfen haben, das Ziel zu erreichen, es aber nicht selbst erreicht haben. Ebene 3: Personen, die das Ziel selbst erreicht, aber noch niemandem geholfen haben. Beim EN-9100-Beispiel: Ein Qualitätsmanager aus einem ähnlichen Industrieunternehmen wäre ein wertvoller Kontakt (Ebene 3), aber nicht so wertvoll wie der Berater, der schon zehn Unternehmen begleitet hat. Ebene 4: Personen, die den Prozess mehrfach miterlebt bzw. beobachtet haben, ohne in der Verantwortung gewesen zu sein – etwa ein Berater, der EN 9100 oft begleitet, aber nie eigenverantwortlich geführt hat, oder ein Kollege, der im Konzern acht Leute mit unter 30 Führungskraft werden sah und benennen kann, woran es lag. Ebene 5: Personen, die den Prozess nur einmal miterlebt haben. Du siehst die enorme Abstufung von 1 bis 5. Ebene 6 sind alle anderen – und deren Ratschläge solltest du ignorieren. Menschen haben schnell eine Meinung und werfen mit ungetesteten Hypothesen um sich, die keinen „Proof“ haben. Es gibt den Spruch: Beware of FUCM – Frequently Unasked-for Consulting & Mentoring. Sobald du mit deinen Zielen hausieren gehst, bekommst du ungefragt Ratschläge. Dann sollten die Alarmglocken läuten: Woher kommt der Rat? Hat die Person das selbst erreicht, anderen geholfen, es beobachtet – oder redet sie einfach?

Der größte Fehler ist Ignoranz: den Wert von Ratschlägen nicht zu erkennen. Der zweite Schritt ist, die Quelle einzuordnen. Meist hörst du einen Ratschlag und kannst nicht beurteilen, wie wertvoll er ist – ein Rat von einer kompetenten und einer inkompetenten Person können beide smart klingen. Deine Aufgabe ist es, über Fragen herauszufinden, woher der Rat kommt und welcher Kontext dahintersteckt.

Jetzt zum Bonus-Gedanken, einem Satz, den ich mir vor Ewigkeiten ins Lebensbuch geschrieben habe: „Don’t apply the right advice from smart people at the wrong time.“ Vermeide es, richtig gute Ratschläge von sehr smarten Personen zur falschen Zeit anzuwenden. Deine Situation hat einen Kontext, und das Timing spielt eine große Rolle. Gerade bei Podcasts, YouTube oder Büchern fehlt die Komponente, dass der Ratgeber deinen persönlichen Kontext kennt. Frag dich deshalb immer: Was würde diese Person mir in einem Einzelgespräch raten, wenn sie meinen Kontext kennen würde? Oft ist ein Rat gut, aber gerade jetzt nicht optimal – erst solltest du die Basis legen. Wenn du einen Ratschlag umgesetzt hast und es nicht funktioniert hat, wirf keine Steine auf den Ratgeber: Für eine andere Person mit anderem Kontext kann derselbe Rat Gold wert sein; bei dir war es nur das falsche Timing.

Zusammengefasst: Wissen ist Macht – die meisten unterschätzen das und sehen ihren blinden Fleck nicht. Ich habe in den letzten Jahren mit Hunderten, ja Tausenden Ingenieuren gesprochen und Dinge gesehen, die viele nie gesehen haben: Menschen, die mit 26, 27 Jahren 100 Mitarbeiter führen und kurz vor der Geschäftsführung stehen. Das ist der „schwarze Schwan“ – seltene Ereignisse, kein reines Zufallsprodukt, sondern eine Mischung aus Chancen und Kompetenz. Viele sehen gar nicht, was möglich ist und wie sie ihre Ziele zehnmal schneller erreichen könnten. Sei offen für neues Wissen, halte Ausschau nach „Wer kann mir helfen?“ statt „Was muss ich tun?“. Erinnere dich an die sechs Ebenen und daran, jeden Ratschlag auf deinen persönlichen Kontext und das Timing zu adaptieren. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Ziele schneller erreichen: die richtigen Ratschläge nutzen

Wissen ist Macht – die wenigsten haben das Ausmaß dieses Satzes wirklich verinnerlicht. Der einzige Unterschied zwischen jemandem, der ein Ziel in zehn Jahren erreicht, und jemandem, der dasselbe in zwei Jahren schafft, ist Wissen, Erfahrung und Kompetenz. Und der schnellste Weg dorthin führt über die richtigen Ratschläge von den richtigen Menschen.

In dieser Folge geht es darum, wie du deine Ziele bis zu zehnmal schneller erreichst: warum „Wer kann mir helfen?“ die wichtigste Frage ist, welche sechs Ebenen von Ratgebern es gibt (Ebene 1 ist Gold, Ebene 6 solltest du ignorieren) und warum selbst der beste Ratschlag zur falschen Zeit wertlos ist.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Wissen ist Macht: Der einzige Unterschied zwischen langsam und 10x schneller ist Wissen und Erfahrung – die meisten unterschätzen das aus Ignoranz.
  • Die wichtigste Frage lautet „Wer?“, nicht „Was?“: Statt „Was soll ich tun?“ frage „Wer kann mir helfen?“. Die richtigen Menschen um Rat zu bitten, ist eine Kernkompetenz.
  • 6 Ebenen von Ratgebern: von „hat dein Ziel selbst erreicht UND anderen dabei geholfen“ (Ebene 1, der heilige Gral) bis „alle anderen“ (Ebene 6, ignorieren).
  • Bewerte jeden Ratschlag nach Herkunft: Ein smart klingender Rat von einer inkompetenten Quelle klingt wie ein Rat von einem Profi – frag nach dem Kontext dahinter.
  • Timing schlägt Qualität: „Don’t apply the right advice from smart people at the wrong time.“ Der beste Rat zur falschen Zeit bremst dich.
  • Vorsicht vor FUCMFrequently Unasked-for Consulting & Mentoring: ungefragte Ratschläge, wenn du mit deinen Zielen hausieren gehst.

Ziele schneller erreichen: die Kernidee

Wissen ist Macht – und der Hebel heißt „Wer kann mir helfen?“

Die größte Gefahr für jeden, der ein Ziel verfolgt, ist Ignoranz: zu selbstsicher zu sein und den eigenen blinden Fleck nicht zu sehen. Morgan Housel bringt es in „Die Psychologie des Geldes“ auf den Punkt: Deine persönlichen Erfahrungen machen einen verschwindend kleinen Bruchteil dessen aus, was in der Welt passiert ist – aber vielleicht 80 % dessen, was du glaubst, wie die Welt funktioniert. Deshalb ist die mit Abstand wichtigste Frage nicht „Was soll ich tun?“, sondern „Wer kann mir helfen?“. Die Kunst, die richtigen Personen um Rat zu bitten – sie zu finden und ihre Ratschläge zu bewerten – ist eine der wertvollsten Kompetenzen überhaupt. Genau deshalb erreichen erfahrene Unternehmer beim zweiten Anlauf in zwei Jahren, wofür sie beim ersten Mal zehn brauchten.

Die 6 Ebenen: von wem du Ratschläge annehmen solltest

Nicht jeder Ratschlag ist gleich wertvoll. Es gibt sechs Ebenen – Ebene 1 ist die beste, Ebene 6 die schlechteste:

  1. Hat dein Ziel selbst erreicht UND anderen wie dir dabei geholfen – der heilige Gral, absolutes Gold.
  2. Hat anderen geholfen, das Ziel zu erreichen (aber nicht selbst erreicht).
  3. Hat das Ziel selbst erreicht (aber noch niemandem geholfen).
  4. Hat den Prozess mehrfach miterlebt/beobachtet (ohne Verantwortung).
  5. Hat den Prozess einmal miterlebt.
  6. Alle anderen – ungetestete Meinungen und Hypothesen ohne „Proof“. Hier solltest du sehr skeptisch sein.

Beispiel: Für eine EN-9100-Zertifizierung im Mittelstand ist ein Berater, der sie selbst mehrfach eigenverantwortlich umgesetzt und vielen Unternehmen dabei geholfen hat (Ebene 1), um Längen wertvoller als ein Kollege, der so etwas einmal im Konzern beobachtet hat (Ebene 5). Genauso bei „mit unter 30 Führungskraft werden“: Such gezielt jemanden, der das selbst geschafft und andere dorthin begleitet hat.

Bewerte die Quelle – nicht den Klang

Das ist deine Aufgabe: Ein Ratschlag von einer hochkompetenten Person kann genauso smart klingen wie der einer völlig inkompetenten. Über gezielte Fragen findest du heraus, woher ein Rat kommt und welcher Kontext dahintersteckt – nur so erkennst du seine echte Qualität. Sei besonders wachsam vor „FUCM“ (Frequently Unasked-for Consulting & Mentoring): Sobald du mit deinen Zielen hausieren gehst, bekommst du ungefragt Ratschläge von Ebene 6.

Timing schlägt Qualität

Der Satz, den du nie vergessen solltest: „Don’t apply the right advice from smart people at the wrong time.“ Selbst ein hervorragender Rat kann in deiner aktuellen Situation falsch sein – frag dich daher immer: Was würde diese Person mir raten, wenn sie meinen konkreten Kontext kennen würde? Gerade bei Podcasts, YouTube und Büchern fehlt diese Kontext-Komponente. Erst die Basis legen, dann ins Detail gehen – der richtige Ratschlag braucht das richtige Timing. Und wenn ein Rat bei dir nicht funktioniert hat: Wirf keine Steine auf den Ratgeber – für jemand anderen mit anderem Kontext war er vielleicht Gold wert.

Dass der richtige Rat zur richtigen Zeit kommt, ist dieselbe Logik wie Just-in-Time-Learning – wie du gezielt das lernst, was deinen aktuellen Engpass löst, hörst du in Probleme lösen. Warum Wissen und ein starkes Netzwerk dein wichtigstes Kapital sind, vertieft In sich selbst investieren. Und wie du zu den Menschen, die dir helfen können, überhaupt erst Zugang bekommst, zeigt Vertrauen aufbauen.

Kompakt zum Nachlesen findest du den Kerngedanken im Artikel Wen du bei wichtigen Entscheidungen um Rat fragst.

Häufige Fragen zum schneller Ziele erreichen

Wie erreiche ich meine Ziele schneller? Indem du nicht alles allein machst, sondern die richtigen Menschen um Rat bittest. Wissen und Erfahrung sind der einzige echte Unterschied zwischen langsam und schnell. Stelle die Frage „Wer kann mir helfen?“ statt „Was soll ich tun?“ – und such gezielt Ratgeber, die dein Ziel selbst erreicht und andere dorthin begleitet haben.

Welche Ratschläge sollte ich ignorieren? Ratschläge von Ebene 6 – Menschen, die dein Ziel weder erreicht noch jemanden dabei begleitet noch den Prozess beobachtet haben. Das sind ungetestete Meinungen. Sei besonders skeptisch bei ungefragten Ratschlägen, wenn du mit deinen Zielen hausieren gehst.

Woran erkenne ich einen guten Ratgeber? An seiner Erfahrung mit genau deinem Ziel: Hat er es selbst erreicht (Ebene 3), anderen dabei geholfen (Ebene 2) oder beides (Ebene 1)? Frag nach dem Kontext hinter einem Ratschlag – ein smart klingender Rat sagt allein nichts über seine Qualität aus.

Warum ist Timing bei Ratschlägen so wichtig? Weil der beste Rat zur falschen Zeit dich bremst: „Don’t apply the right advice from smart people at the wrong time.“ Erst die Basis legen, dann ins Detail. Frag dich, ob ein Ratschlag zu deinem aktuellen Kontext und Fokus passt – oder erst in einem halben Jahr.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Morgan Housel – Die Psychologie des Geldes: wie wenig persönliche Erfahrung über die Realität aussagt.
  • Nassim Taleb – Der Schwarze Schwan: seltene, prägende Ausnahme-Ereignisse (z. B. mit 26 kurz vor der Geschäftsführung).
  • Network Intelligence (Reid Hoffman): das Netzwerk als wiederholt nutzbares Asset, um Ratgeber zu finden.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit und Produktivität.

Transkript

Wissen ist Macht. Ich glaube, jeder hat diesen Spruch schon gehört – aber die wenigsten haben das Ausmaß dieser Aussage wirklich verinnerlicht. Ich habe in den letzten Jahren ein ganz neues Verständnis davon gewonnen. Kürzlich habe ich mit einer Person telefoniert, die sich frisch selbstständig gemacht hat, und dabei poppte ein Gedanke auf: Wenn ich heute in derselben Situation neu starten würde, würde ich alles zehnmal so schnell hinbekommen wie damals. Genau das steckt hinter „Wissen ist Macht“ – der einzige Unterschied ist das Wissen, die Erfahrung und die Kompetenz, die ich in diesem Kontext aufgebaut habe. Dasselbe gilt für Ingenieure, die frisch in die Berufswelt einsteigen: Die größte Gefahr ist Ignoranz – zu selbstsicher zu sein und nicht zu sehen, was man nicht weiß.

Es gibt ein verzerrtes Bild von Bildung – als wäre damit Schule oder Studium gemeint. Das ist nur eine Art von Bildung. Morgan Housel schreibt in „Die Psychologie des Geldes“: Deine persönlichen Erfahrungen machen vielleicht 0,00000001 Prozent dessen aus, was in der Welt wirklich passiert ist – aber 80 Prozent dessen, was du glaubst, wie die Welt funktioniert. Die meisten haben das Gefühl, sie hätten die Welt ganz gut verstanden, und sehen ihren großen blinden Fleck nicht. Deshalb ist die mit Abstand wichtigste Frage – gerade für jemanden, der frisch in die Selbstständigkeit springt –: Wer kann mir helfen? Nicht „Was soll ich tun?“, sondern „Wer?“. Die Kunst, die richtigen Personen um Rat zu bitten – sie zu finden und ihre Ratschläge zu bewerten – ist die wichtigste Kompetenz überhaupt.

In diesem Telefonat habe ich gemerkt: Meine Erfahrungen waren für die Person unglaublich wertvoll; man kann sich damit Jahre sparen. Es gibt einen Grund, warum Unternehmer, die zehn Jahre für den Aufbau gebraucht haben, beim zweiten Mal denselben Prozess in zwei Jahren schaffen. Ich möchte dir sechs Ebenen vorstellen – von wem du Ratschläge annehmen solltest und von wem nicht. Ebene 1 ist die beste, Ebene 6 die schlechteste. Vorab: Es muss Klarheit über deine persönlichen Ziele herrschen, denn ein Ratschlag macht nur Sinn, wenn der Kontext passt. Beispiele aus meinem Werdegang: unter 30 Führungskraft, unter 30 Betriebsleiter, unter 35 Geschäftsführer – oder etwas Fachliches wie eine EN-9100-Zertifizierung, eine Qualitätsmanagement-Zertifizierung für die Luft- und Raumfahrtbranche, die ich eigenverantwortlich umgesetzt habe.

Ebene 1 ist der Goldfund: eine Person, die erstens dein Ziel selbst erreicht und zweitens anderen Personen wie dir dabei geholfen hat, dieses Ziel zu erreichen. Hier zeigt sich, warum ein Netzwerk so wertvoll ist – nicht nur ein einzelner Mentor, sondern viele Kontakte, deren „Network Intelligence“ du immer wieder anzapfen kannst. Als ich die EN-9100-Zertifizierung in unserem mittelständischen Unternehmen implementieren wollte, war der Gedanke, das allein zu machen, absurd – ich hätte zehnmal so lange gebraucht und tausend Fehler gemacht. Also: Wer kann uns helfen? Am Ende stieß ich auf einen Berater, der diese Zertifizierung schon oft selbst eigenverantwortlich umgesetzt und vielen Unternehmen dabei geholfen hatte. Der Prozess war dadurch deutlich einfacher, schneller und weit weniger nervenaufreibend. Andere sagten mir, EN 9100 müsse ein hartes Thema gewesen sein – ich empfand es als einfach, und das lag genau an dieser einen Person, die sich alle zwei Wochen mit mir zusammensetzte, den Prozess strukturierte, Feedback und Mentoring gab und vieles abnahm. So eine Person zu haben ist Gold wert. Dasselbe gilt fürs Thema Führungskraft: Wenn du mit 27 Führungskraft werden willst, ist eine Person, die selbst mit unter 30 Führungskraft wurde, eine ganz andere Hausnummer als jemand, der es erst mit 47 wurde.

Das ist auch ein Grund, warum wir bei Mentorwerk so großen Wert darauf legen, selbst Ingenieurs-Background zu haben. Das Team – Tim Engelbert, Sebastian Richter, Christoph Kupke und ich – ist den Weg vom ambitionierten Ingenieur zum Intrapreneur selbst gegangen, alle mit Führungserfahrung. Wir haben das Ziel selbst erreicht und begleiten andere dorthin. Wäre das nicht so, wäre unser Ratschlag nicht so gut.

Ebene 1 ist der heilige Gral, aber man trifft nicht immer auf solche Personen, deshalb gibt es Abstufungen. Ebene 2: Personen, die anderen wie dir bereits geholfen haben, das Ziel zu erreichen, es aber nicht selbst erreicht haben. Ebene 3: Personen, die das Ziel selbst erreicht, aber noch niemandem geholfen haben. Beim EN-9100-Beispiel: Ein Qualitätsmanager aus einem ähnlichen Industrieunternehmen wäre ein wertvoller Kontakt (Ebene 3), aber nicht so wertvoll wie der Berater, der schon zehn Unternehmen begleitet hat. Ebene 4: Personen, die den Prozess mehrfach miterlebt bzw. beobachtet haben, ohne in der Verantwortung gewesen zu sein – etwa ein Berater, der EN 9100 oft begleitet, aber nie eigenverantwortlich geführt hat, oder ein Kollege, der im Konzern acht Leute mit unter 30 Führungskraft werden sah und benennen kann, woran es lag. Ebene 5: Personen, die den Prozess nur einmal miterlebt haben. Du siehst die enorme Abstufung von 1 bis 5. Ebene 6 sind alle anderen – und deren Ratschläge solltest du ignorieren. Menschen haben schnell eine Meinung und werfen mit ungetesteten Hypothesen um sich, die keinen „Proof“ haben. Es gibt den Spruch: Beware of FUCM – Frequently Unasked-for Consulting & Mentoring. Sobald du mit deinen Zielen hausieren gehst, bekommst du ungefragt Ratschläge. Dann sollten die Alarmglocken läuten: Woher kommt der Rat? Hat die Person das selbst erreicht, anderen geholfen, es beobachtet – oder redet sie einfach?

Der größte Fehler ist Ignoranz: den Wert von Ratschlägen nicht zu erkennen. Der zweite Schritt ist, die Quelle einzuordnen. Meist hörst du einen Ratschlag und kannst nicht beurteilen, wie wertvoll er ist – ein Rat von einer kompetenten und einer inkompetenten Person können beide smart klingen. Deine Aufgabe ist es, über Fragen herauszufinden, woher der Rat kommt und welcher Kontext dahintersteckt.

Jetzt zum Bonus-Gedanken, einem Satz, den ich mir vor Ewigkeiten ins Lebensbuch geschrieben habe: „Don’t apply the right advice from smart people at the wrong time.“ Vermeide es, richtig gute Ratschläge von sehr smarten Personen zur falschen Zeit anzuwenden. Deine Situation hat einen Kontext, und das Timing spielt eine große Rolle. Gerade bei Podcasts, YouTube oder Büchern fehlt die Komponente, dass der Ratgeber deinen persönlichen Kontext kennt. Frag dich deshalb immer: Was würde diese Person mir in einem Einzelgespräch raten, wenn sie meinen Kontext kennen würde? Oft ist ein Rat gut, aber gerade jetzt nicht optimal – erst solltest du die Basis legen. Wenn du einen Ratschlag umgesetzt hast und es nicht funktioniert hat, wirf keine Steine auf den Ratgeber: Für eine andere Person mit anderem Kontext kann derselbe Rat Gold wert sein; bei dir war es nur das falsche Timing.

Zusammengefasst: Wissen ist Macht – die meisten unterschätzen das und sehen ihren blinden Fleck nicht. Ich habe in den letzten Jahren mit Hunderten, ja Tausenden Ingenieuren gesprochen und Dinge gesehen, die viele nie gesehen haben: Menschen, die mit 26, 27 Jahren 100 Mitarbeiter führen und kurz vor der Geschäftsführung stehen. Das ist der „schwarze Schwan“ – seltene Ereignisse, kein reines Zufallsprodukt, sondern eine Mischung aus Chancen und Kompetenz. Viele sehen gar nicht, was möglich ist und wie sie ihre Ziele zehnmal schneller erreichen könnten. Sei offen für neues Wissen, halte Ausschau nach „Wer kann mir helfen?“ statt „Was muss ich tun?“. Erinnere dich an die sechs Ebenen und daran, jeden Ratschlag auf deinen persönlichen Kontext und das Timing zu adaptieren. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

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Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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