Es gibt ein Kommunikationsmittel, das im Beruf massiv unterschätzt wird: das Schreiben. Du bekommst täglich E-Mails ohne Ende (weltweit sind es hunderte Milliarden pro Tag) und schreibst selbst welche – dazu Berichte, Reportings, Präsentationen, Bewerbungen. Schlechte Texte sind ein Graus; gute Texte überzeugen und lassen dich kompetent wirken.
Jeff Bezos sagt: Klar und deutlich schreiben zu können, fördert dein Denken – und damit auch deine Entscheidungen und deine mündliche Kommunikation. In dieser Folge bekommst du die wichtigsten Regeln für überzeugendes Schreiben im Berufskontext.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Schreiben fördert Denken & Entscheidungen (Jeff Bezos / Amazons „Writing Culture“: 6-Seiten-Memos statt PowerPoint).
- Grundsatz 1 – Einfach schreiben ist überzeugend: kurz fassen, unnötige Wörter weglassen, ein Gedanke pro Satz.
- Objekt zuerst: „Alle Gehirne funktionieren so“ ist leichter zu erfassen als „So funktionieren alle Gehirne“.
- Grundsatz 2 – Der erste Satz muss packen: Betreff/Headline wecken Neugier (Marketing-Instrument).
- Grundsatz 3 (Stephen King): „Um gut zu schreiben, muss man zwei Dinge tun: viel lesen und viel schreiben.“
- Großer Hebel: Gerade für verbal eher zurückhaltende Menschen ist gutes Schreiben die Chance, herauszustechen.
Die Regeln im Detail
Grundsatz 1: Einfach schreiben ist überzeugend. Die meisten haben verlernt, einfach zu schreiben – wissenschaftliches Schreiben verkompliziert oft, weil man wie ein Experte wirken will. Dabei gilt: „Ein gutes Argument in 5 Sätzen überzeugt mehr Menschen als ein brillantes in 100 Sätzen.“ Das Ideal ist „Explain it like I’m five„. Konkret:
- Fasse dich kurz: Erst runterschreiben, dann kürzen. „Entschuldige die lange Mail, ich hatte keine Zeit für eine kürzere“ – lang kann jeder, kurz ist die Kunst.
- Lass unnötige Wörter weg: „Er war sehr glücklich“ → „Er war glücklich“.
- Ein Gedanke pro Satz: Auch Experten sind dankbar für kurze, klare Sätze.
- Objekt zuerst: Das Gehirn denkt in Bildern. „Alle Gehirne funktionieren so“ ist sofort greifbar – „So funktionieren alle Gehirne“ nicht.
Wie beim Buch (First Draft → Editor) oder beim Film (Szenen werden herausgeschnitten) gilt: Streiche, was den Kern nicht braucht.
Grundsatz 2: Der erste Satz muss den Leser packen. Geh nie davon aus, dass deine Mail gelesen wird – es ist deine Aufgabe, Neugier zu wecken. Investiere deutlich mehr Zeit in den Betreff bzw. die Headline und den ersten Satz als in den Rest. Bedien dich der Instrumente aus Marketing und Verkauf: Du sprichst die Psychologie deines Lesers an. Ein Beispiel aus einer Bewerbung auf eine erste Führungsrolle: Statt „Hiermit bewerbe ich mich auf Stelle XY“ begann das Anschreiben mit Michael Phelps – warum der erfolgreichste Olympionike inspiriert und was man von ihm lernt. Solche Bewerbungen bleiben hängen; im besten Fall steht der Personaler auf und zeigt sie dem Kollegen.
Grundsatz 3: Viel lesen, viel schreiben (Stephen King). „Um gut zu schreiben, muss man nur zwei Dinge tun: viel lesen und viel schreiben.“ Sachbücher zu lesen verbessert automatisch dein Schreiben – die besten Bücher leben genau diese Prinzipien vor. Und beim nächsten Text: reflektiere bewusst „Geht es noch einfacher? Was kann ich streichen? Wecke ich Neugier?“
Wie du das auf den mündlichen Kanal überträgst, hörst du in Besser kommunizieren und Überzeugend präsentieren. Und warum „viel lesen“ der Schlüssel ist, zeigt Warum Lesen wichtig ist.
Häufige Fragen
Wie schreibe ich überzeugende E-Mails? Schreibe einfach und kurz (ein Gedanke pro Satz, unnötige Wörter weg), investiere besonders viel in Betreff und ersten Satz, um Neugier zu wecken, und bring deine Message klar auf den Punkt.
Warum ist Schreiben eine wichtige Karrierekompetenz? Weil klar schreiben zu können das Denken und die Entscheidungsfindung fördert (Jeff Bezos) und weil du über gute Texte als kompetent und souverän wahrgenommen wirst – gerade als verbal eher zurückhaltender Mensch.
Was bedeutet „einfach schreiben ist überzeugend“? Dass klare, kurze Formulierungen mehr überzeugen als komplizierte. Ein gutes Argument in fünf Sätzen wirkt stärker als ein brillantes in hundert.
Wie werde ich besser im Schreiben? Nach Stephen King mit zwei Dingen über längere Zeit: viel lesen und viel schreiben – und jeden Text bewusst auf Einfachheit und einen packenden Einstieg hin reflektieren.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
- Stephen King – On Writing (Das Leben und das Schreiben): viel lesen, viel schreiben.
- Scott Adams – „The Day You Became a Better Writer“ (Blog): kompakte Grundregeln.
- Jeff Bezos – Amazon Shareholder Letters & „Writing Culture“: Schreiben statt PowerPoint.
Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Kommunikation.
Diese Folge gehört zum Thema Kommunikation.
Transkript
Willkommen zu Folge 108: Kommunikation verbessern – wie du überzeugend formulierst und dich besser ausdrückst. Es geht um ein Kommunikationsmittel, das häufig unterschätzt wird: das Schreiben. Du bekommst wahrscheinlich E-Mails ohne Ende und musst selbst welche schreiben – weltweit werden mehrere hundert Milliarden Mails pro Tag verschickt. Die E-Mail ist im Berufsalltag immer noch das Standardkommunikationsmittel, daneben Chatprogramme wie MS Teams. Aber auch Bewerbungen, Berichte, Reportings, Präsentationen, Marketingtexte, Akquise-Mails oder Anweisungen sind Text. Schlechte Texte sind der absolute Graus; gute Texte können den Unterschied machen, überzeugen und Kompetenz ausstrahlen. Mein damaliger Coach hat darauf extrem viel Wert gelegt – gerade wenn du Meetings vorbereitest und mehr Verantwortung übernehmen willst, ist das ein wichtiges Mittel.
Auch Jeff Bezos sagt: Die Kompetenz, klar und deutlich zu schreiben und darin besser zu werden, fördert dein Denken und dadurch alle anderen Bereiche – deine Entscheidungsfindung und deine mündliche Kommunikation. Das Ziel beim Schreiben im Berufskontext ist Klarheit – die Message klar rüberbringen – und Überzeugungskraft, also andere von Ideen zu überzeugen und Begeisterung auszulösen. Als Inspiration dienen ein hervorragender, sehr prägnanter Blogbeitrag namens „The Day You Became a Better Writer“ (unbedingt lesen) und meine rund zwei Jahre, in denen ich täglich einen LinkedIn-Beitrag poste und daran feile, Ideen mit wenigen Zeilen auf den Punkt zu bringen.
Eine kleine Randnotiz: Jeff Bezos hat in seinem Führungskreis vor Jahren PowerPoint verbannt und die Amazon-Writing-Culture etabliert. Wer eine Idee einbringen will, schreibt sie als kurzes Papier auf – das verbessert Denken und Entscheidungsfindung.
Grundsatz 1, einer der wichtigsten überhaupt: Einfaches Schreiben ist überzeugend. Wenn du deine Message rüberbringen willst, musst du lernen, einfach zu schreiben – leichter gesagt als getan. 99 Prozent der Leute haben es verlernt; wer eine Bachelor- oder Masterarbeit geschrieben hat, kennt das wissenschaftliche Schreiben, das Dinge oft verkompliziert. Das typische Dilemma: Wer wie ein Experte wirken will, schreibt kompliziert. Ein paar Punkte, wie du einfacher und damit überzeugender schreibst. Erstens: Fasse dich kurz. Einer der wichtigsten Leitsätze: Ein gutes Argument in fünf Sätzen überzeugt mehr Menschen als ein brillantes in hundert Sätzen. Kennst du „Explain it like I’m five“? Wenn du komplexe Inhalte so runterbrichst, dass sie sogar Kinder verstehen, ist das der Idealzustand. Hast du zehn Minuten für eine Mail, schreib sie erst runter und kürze dann: Was kannst du rausstreichen, wie komprimierst du, wie machst du aus zwei Sätzen einen? Es gibt den schönen Satz: „Entschuldige die lange Mail, ich hatte nicht genug Zeit für eine kürzere.“ Lang schreiben kann jeder, kurz ist die Kunst.
Zweitens: Lass unnötige Wörter weg. „Er war sehr glücklich“ – besser „Er war glücklich“. Wir glauben oft, Wörter wie „sehr“ brächten Mehrwert; tun sie meist nicht. Drittens: Nur einen Gedanken pro Satz. Auch wenn du an Experten schreibst – jeder ist dir dankbar für einen Gedanken, kurz auf den Punkt gebracht. Viertens, ein spannender Punkt: Lerne, wie Gehirne Ideen organisieren. Für Menschen ist es leichter, zuerst das Objekt zu erfassen. Beispiel: „Alle Gehirne funktionieren so“ ist deutlich einfacher zu verstehen als „So funktionieren alle Gehirne“, weil das Gehirn eher in Bildern denkt und „Gehirne“ greifbarer ist. Wie beim Buch (First Draft, dann ein Editor, der streicht) oder beim Film (viele Szenen werden herausgeschnitten) gilt: Ein kürzerer Text ist fast immer besser.
Grundsatz 2: Der erste Satz muss den Leser packen. Nur weil du eine Mail schreibst, ist nicht gesagt, dass sie gelesen wird – es ist deine Aufgabe, Neugier zu wecken und dafür zu sorgen, dass Leute Spaß am Lesen haben. Oft sehe ich super sachliche Betreffzeilen mit nüchternen Fakten. Fakten sind wichtig, aber du willst sie mit der Psychologie des Menschen verbinden, die Leute abholen und ihre Aufmerksamkeit gewinnen. Achte deshalb besonders auf den Betreff und den ersten Satz. Ich investiere in jede Headline – den ersten Satz, den Einstieg – sehr viel mehr Zeit als in den Rest. Formuliere deine Mail, und überarbeite dann das Intro und den Betreff besonders sorgfältig; überlege zwei, drei Alternativen. Bedien dich der Instrumente aus Marketing und Verkauf. Ein Beispiel aus einer Bewerbung auf eine erste disziplinarische Führungsrolle: Statt „Hiermit bewerbe ich mich auf Stelle XY“ begann das Anschreiben mit Michael Phelps, dem erfolgreichsten Olympioniken aller Zeiten – warum er inspiriert und was man von ihm (etwa über Routinen) lernt. Wer so eine Bewerbung liest, steht im besten Fall auf und sagt zum Kollegen: „Schau mal, sowas habe ich noch nie gelesen.“ Genau das willst du auch mit Mails und allen anderen Texten erzeugen.
Wir haben also zwei Grundsätze: Erstens, schreib so einfach wie möglich – dann ist deine Message automatisch überzeugend. Zweitens, der erste Satz gewinnt die Aufmerksamkeit; das ist ein Marketinginstrument, das die Psychologie deiner Leser anspricht. Und ein dritter Punkt, ein Satz von Stephen King, der Dutzende Romane geschrieben hat: „Um gut zu schreiben, muss man nur zwei Dinge tun: viel lesen und viel schreiben.“ Ich bin überzeugt, dass Sachbücher zu lesen ein zentrales Element ist, um ambitionierte Ziele zu erreichen und neugierig zu bleiben – und es verbessert automatisch dein Schreiben, weil die besten Bücher genau diese Aspekte vorleben. Und „viel schreiben“: Reflektiere beim nächsten Text bewusst – ist das wirklich einfach, geht es noch einfacher, was sind die essentiellen Punkte, und wecke ich mit der Formulierung Neugier? Das lernt man nicht über Nacht, sondern über einen längeren Zeitraum durch viel Lesen und viel Schreiben.
Das waren rund 80 Prozent der Regeln für gutes Schreiben. Unterschätze das nicht: Bei jedem Wort im Berufskontext hast du die Möglichkeit, dich zu präsentieren – und gerade für Menschen, die verbal nicht so stark sind, ist gutes Schreiben die Chance, herauszustechen. Jede Minute, die du mehr in eine Formulierung steckst, kommt dir langfristig zugute. Denk an die jährlichen „Letters to Shareholders“ von Jeff Bezos oder Warren Buffett – sehr lesenswert. Spätestens wenn du als Führungskraft Mails an die gesamte Belegschaft oder Strategiepapiere schreibst, hast du einen großen Hebel: gute Texte wirken stark, schlechte ebenso – im negativen Sinne. Eine Kompetenz, die maßlos unterschätzt wird. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.
