Was erfolgreiche Führung ausmacht

„Führung ist nicht Rang, Privilegien, Titel oder Geld. Führung ist Verantwortung.“ Dieses Zitat von Peter Drucker, dem Management-Vordenker des 20. Jahrhunderts, bringt den Kern dieser Folge auf den Punkt. Führung wird oft mit einer Position im Unternehmen verwechselt – sie ist aber viel mehr: Verantwortung zu übernehmen.

Und das ist nicht nur für Führungskräfte relevant. In der modernen Wissensarbeit muss jeder, der kreativ und eigenverantwortlich arbeitet, zumindest Selbstführung beherrschen. In dieser Folge bekommst du drei Gedanken dazu, was erfolgreiche Führung ausmacht.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Führung = Verantwortung (Peter Drucker) – nicht Rang, Titel oder Geld.
  • Level-5-Führung (Jim Collins): professionelle Entschlossenheit + persönliche Bescheidenheit (Ego zurückstellen).
  • Fenster & Spiegel: Bei Erfolg schaut die Führungskraft aus dem Fenster (Gründe bei anderen), bei Misserfolg in den Spiegel (Verantwortung bei sich).
  • Extreme Ownership (Jocko Willink): „Es gibt keine schlechten Teams, nur schlechte Führungskräfte.“
  • Voraussetzung: ein positives Menschenbild (Theorie X vs. Y).
  • Circle of Influence (Stephen Covey): Konzentriere dich proaktiv auf das, was du beeinflussen kannst.

Die 3 Gedanken im Detail

1. Level-5-Führung (Jim Collins). In Der Weg zu den Besten (Good to Great) analysierte Collins über Jahre Spitzenunternehmen. Der zentrale Erfolgsfaktor: „Level-5-Führungskräfte“. Sie verbinden professionelle Entschlossenheit (fokussiert auf Ergebnisse und das große Ziel) mit persönlicher Bescheidenheit (das Ego zurückstellen). Sein Zitat zum Verantwortungsbewusstsein: „Geht alles gut, schauen erfolgreiche Führungskräfte aus dem Fenster und suchen draußen nach Gründen für ihren Erfolg. Läuft es nicht gut, werfen sie einen Blick in den Spiegel und übernehmen selbst die Verantwortung.“ Das Gegenteil – jammern, meckern, andere beschuldigen, von „Pech“ reden, in der Opferrolle stecken – ist schlechte Führung, und sie beginnt bei einem selbst.

2. Extreme Ownership (Jocko Willink). In seinem Buch (und TED-Talk) Extreme Ownership steht die Kernaussage: „Es gibt keine schlechten Teams, nur schlechte Führungskräfte.“ Als Führungskraft ist alles, was in deinem Team passiert, deine Verantwortung – wirklich alles. Macht ein Mitarbeiter einen Fehler, frag zuerst: Was kann ich beim nächsten Mal besser machen? In der Praxis wird stattdessen oft über Mitarbeiter gelästert. Voraussetzung für diese Haltung ist ein positives Menschenbild (Theorie X vs. Y nach Douglas McGregor).

3. Circle of Influence (Stephen Covey). Aus Die 7 Wege zur Effektivität. Aristoteles: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ Stell dir zwei Kreise vor: Der äußere ist der Circle of Concern – alles, was dich betrifft (Wetter, Nachrichten, das Verhalten anderer). Der innere ist der Circle of Influence – alles, was du tatsächlich beeinflussen kannst, allen voran deine Reaktion auf Ereignisse, deine Worte, was du liest, wo du arbeitest. Wer sich auf den Circle of Influence konzentriert, übernimmt Verantwortung und ist proaktiv – wer nur über Wetter und Chef meckert, ist reaktiv. Du erkennst es an der Sprache: „Ich kann nichts ändern, so bin ich halt“ (reaktiv) gegenüber „Schauen wir, welche Alternativen wir haben, ich wähle einen anderen Weg“ (proaktiv).

Idee 2 baut auf einem positiven Menschenbild auf. Weitere Attribute erfolgreicher Führung hörst du in Was eine gute Führungskraft ausmacht, und die proaktive Selbstführung dahinter vertieft Selbstmanagement.

Häufige Fragen

Was macht erfolgreiche Führung aus? Vor allem Verantwortung. Erfolgreiche Führungskräfte verbinden Entschlossenheit mit Bescheidenheit (Level 5), übernehmen für alles im Team die Verantwortung (Extreme Ownership) und konzentrieren sich proaktiv auf ihren Einflussbereich.

Was ist Level-5-Führung? Ein Konzept von Jim Collins: die höchste Stufe, auf der professionelle Entschlossenheit (Fokus auf Ergebnisse) und persönliche Bescheidenheit (Ego zurückstellen) zusammenkommen.

Was bedeutet Extreme Ownership? Die Haltung von Jocko Willink, dass eine Führungskraft die volle Verantwortung für alles im Team trägt – „es gibt keine schlechten Teams, nur schlechte Führungskräfte“.

Ist Führung nur etwas für Führungskräfte? Nein. Jeder, der eigenverantwortlich und kreativ arbeitet, braucht Selbstführung. Verantwortung zu übernehmen und proaktiv zu handeln ist für jeden relevant, der beruflich vorankommen will.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Führung.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema moderne Führung und persönliche Entwicklung.

Transkript

In dieser Folge geht es darum, was erfolgreiche Führung ausmacht. Ich starte mit einem Zitat von Peter Drucker, dem Management-Vordenker des 20. Jahrhunderts: „Führung ist nicht Rang, Privilegien, Titel oder Geld. Führung ist Verantwortung.“ Das wird häufig verwechselt: Bei „Führung“ denkt man schnell an eine Führungsposition im Unternehmen. Damit geht zwar Verantwortung einher, aber Führung ist viel mehr als das. Ich gehe auf drei Gedanken zu Führung und Verantwortung ein.

Vorab: Für wen ist das relevant? In erster Linie für jeden, der eine Führungsposition innehat oder anstrebt. Aber nicht nur: Wie Peter Drucker vom „Wissensarbeiter“ sprach, muss heute fast jeder in der modernen Arbeitswelt, der etwas Kreatives macht und nicht klassisch an der Maschine steht, zumindest Selbstführung und Selbstmanagement beherrschen – und da ist Verantwortung ein ganz zentrales Thema. Führung und Verantwortung sind also ein Schlüsselthema für jeden, der beruflich vorankommen möchte.

Gedanke eins kommt von Jim Collins, über den ich schon gesprochen habe. Sein prägendes Buch „Good to Great“, auf Deutsch „Der Weg zu den Besten“, entstand um das Jahr 2000. Damals wurde auch Jeff Bezos auf ihn aufmerksam und hat mit ihm die zukünftige Strategie von Amazon und die Grundlage für das Wachstum erarbeitet – daher stammt auch das Konzept des Schwungrads (Flywheel). Collins‘ erster Gedanke ist der Zusammenhang von Führung und Verantwortung: die Level-5-Führung. In seiner Forschung analysierte sein Team über Jahre Spitzenunternehmen. Der zentrale Erfolgsfaktor waren Level-5-Führungskräfte. Stell dir eine Hierarchie von Level 1 bis 5 vor; Level 5 ist die Kombination aus professioneller Entschlossenheit – sich fokussiert auf die Ergebnisse zu konzentrieren – und persönlicher Bescheidenheit, also das Ego zurückzustellen und das größere Ziel des Unternehmens vor Augen zu haben, statt aus Ego-Bedürfnissen zu handeln. Am besten bringt es sein Zitat auf den Punkt: „Geht alles gut, schauen die erfolgreichen Führungskräfte aus dem Fenster und suchen draußen nach Gründen für ihren Erfolg. Läuft es nicht so gut, werfen sie einen Blick in den Spiegel und übernehmen selbst die Verantwortung.“ Das Gegenteil – schlechte Führung – beginnt bei einem selbst: jammern, meckern, andere beschuldigen, von Pech reden, äußere Umstände verantwortlich machen, in der Opferrolle stecken. „Der Weg zu den Besten“ ist aus meiner Sicht eines der lesenswertesten Managementbücher überhaupt.

Gedanke zwei ist Extreme Ownership. Dazu gibt es einen sehenswerten, etwa zwölf- bis dreizehnminütigen TED-Talk und ein Buch von Jocko Willink – eine starke, militärisch geprägte Persönlichkeit. Verantwortung ist für ihn das zentrale Element der Führung. Eine Kernaussage, die ich mitgenommen habe: Er erzählt von Teams im militärischen Lager, denen jeweils eine Führungskraft zugeordnet war, und seine Erkenntnis war: „Es gibt keine schlechten Teams, nur schlechte Führungskräfte.“ Als Führungskraft ist alles, was in deinem Team passiert, deine Verantwortung – wirklich alles. Macht ein Mitarbeiter einen Fehler oder verhält er sich unproduktiv, ist auch das die Verantwortung der Führungskraft. Wenn man von dieser vollen Verantwortung ausgeht, stimmt der Satz absolut. In der Praxis sieht man oft das Gegenteil: Es wird über Mitarbeiter gelästert, statt Selbstreflexion zu betreiben und zu fragen: Was kann ich beim nächsten Mal besser machen? Sich zuerst an die eigene Nase zu fassen, setzt aber etwas voraus: ein positives Menschenbild. Schau dir dazu gern das Thema Theorie X und Theorie Y von Douglas McGregor an – dazu mache ich noch eine eigene Folge.

Gedanke drei ist der Circle of Influence, ein Klassiker aus „Die 7 Wege zur Effektivität“ von Stephen Covey. Ein passendes Zitat von Aristoteles: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ Das Konzept besteht aus zwei Kreisen. Der äußere ist der Circle of Concern – alle Themen, die dich in irgendeiner Weise betreffen: das Wetter, die Nachrichten, das Verhalten deines Chefs oder deiner Kollegen. Der innere Kreis ist der Circle of Influence – alle Themen, die du direkt oder indirekt beeinflussen kannst: vor allem deine Reaktion auf Ereignisse, aber auch was du sagst, welche Bücher du liest, für welchen Arbeitgeber du dich entscheidest, was du kaufst, wie du deine Freizeit gestaltest. Du übernimmst Verantwortung, wenn du dich auf deinen Einflussbereich fokussierst. Wer nur übers Wetter, die Nachrichten oder den schlechten Chef meckert, hat eine reaktive Sichtweise und übernimmt keine Verantwortung. Deshalb konsumiere ich zum Beispiel sehr wenig Nachrichten: Was in München oder anderswo passiert, kann ich nicht beeinflussen, also ist es nicht Teil meines Circle of Influence.

Covey spricht klar von Proaktivität: Bist du proaktiv oder reaktiv? Das erkennst du an deiner Sprache und der deines Umfelds. Achte in den nächsten Tagen darauf. Reaktive Sprache klingt so: „Es gibt nichts, was ich ändern könnte“, „So bin ich halt“, „Er macht mich so wütend“, „Ich muss das tun, ich kann nicht anders“. Proaktive Sprache klingt so: „Schauen wir, welche Alternativen wir haben“, „Ich kann eine andere Herangehensweise wählen“, „Ich kontrolliere meine Emotionen“, „Ich ziehe es vor“. Das ist nicht in Stein gemeißelt und kann sich in jeder Lebensphase wandeln. Reflektiere auch deinen Chef: Ist er proaktiv und ein Vorbild – oder meckert er reaktiv über andere?

Unabhängig davon, wo du stehst, ist das Thema für jeden wichtig: Fokussiere dich nicht auf die Dinge, die du nicht beeinflussen kannst, sondern sei proaktiv und konzentriere dich auf deinen Einflussbereich. Ein guter erster Schritt ist, dein Umfeld und dich selbst zu beobachten, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wer das Heft in der Hand hat. Und das muss nichts mit Position zu tun haben: Es gibt viele, die eine Führungsposition haben – die Frage ist, ob sie Verantwortung übernehmen, proaktiv an ihren Zielen arbeiten und sich auf ihren Einflussbereich konzentrieren. Ich hoffe, diese Gedanken unterstützen dich dabei, proaktiver zu werden und Verantwortung zu übernehmen – zuerst für dich selbst, und wenn du in einer Führungsrolle bist, auch für dein Team. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Was erfolgreiche Führung ausmacht

„Führung ist nicht Rang, Privilegien, Titel oder Geld. Führung ist Verantwortung.“ Dieses Zitat von Peter Drucker, dem Management-Vordenker des 20. Jahrhunderts, bringt den Kern dieser Folge auf den Punkt. Führung wird oft mit einer Position im Unternehmen verwechselt – sie ist aber viel mehr: Verantwortung zu übernehmen.

Und das ist nicht nur für Führungskräfte relevant. In der modernen Wissensarbeit muss jeder, der kreativ und eigenverantwortlich arbeitet, zumindest Selbstführung beherrschen. In dieser Folge bekommst du drei Gedanken dazu, was erfolgreiche Führung ausmacht.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Führung = Verantwortung (Peter Drucker) – nicht Rang, Titel oder Geld.
  • Level-5-Führung (Jim Collins): professionelle Entschlossenheit + persönliche Bescheidenheit (Ego zurückstellen).
  • Fenster & Spiegel: Bei Erfolg schaut die Führungskraft aus dem Fenster (Gründe bei anderen), bei Misserfolg in den Spiegel (Verantwortung bei sich).
  • Extreme Ownership (Jocko Willink): „Es gibt keine schlechten Teams, nur schlechte Führungskräfte.“
  • Voraussetzung: ein positives Menschenbild (Theorie X vs. Y).
  • Circle of Influence (Stephen Covey): Konzentriere dich proaktiv auf das, was du beeinflussen kannst.

Die 3 Gedanken im Detail

1. Level-5-Führung (Jim Collins). In Der Weg zu den Besten (Good to Great) analysierte Collins über Jahre Spitzenunternehmen. Der zentrale Erfolgsfaktor: „Level-5-Führungskräfte“. Sie verbinden professionelle Entschlossenheit (fokussiert auf Ergebnisse und das große Ziel) mit persönlicher Bescheidenheit (das Ego zurückstellen). Sein Zitat zum Verantwortungsbewusstsein: „Geht alles gut, schauen erfolgreiche Führungskräfte aus dem Fenster und suchen draußen nach Gründen für ihren Erfolg. Läuft es nicht gut, werfen sie einen Blick in den Spiegel und übernehmen selbst die Verantwortung.“ Das Gegenteil – jammern, meckern, andere beschuldigen, von „Pech“ reden, in der Opferrolle stecken – ist schlechte Führung, und sie beginnt bei einem selbst.

2. Extreme Ownership (Jocko Willink). In seinem Buch (und TED-Talk) Extreme Ownership steht die Kernaussage: „Es gibt keine schlechten Teams, nur schlechte Führungskräfte.“ Als Führungskraft ist alles, was in deinem Team passiert, deine Verantwortung – wirklich alles. Macht ein Mitarbeiter einen Fehler, frag zuerst: Was kann ich beim nächsten Mal besser machen? In der Praxis wird stattdessen oft über Mitarbeiter gelästert. Voraussetzung für diese Haltung ist ein positives Menschenbild (Theorie X vs. Y nach Douglas McGregor).

3. Circle of Influence (Stephen Covey). Aus Die 7 Wege zur Effektivität. Aristoteles: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ Stell dir zwei Kreise vor: Der äußere ist der Circle of Concern – alles, was dich betrifft (Wetter, Nachrichten, das Verhalten anderer). Der innere ist der Circle of Influence – alles, was du tatsächlich beeinflussen kannst, allen voran deine Reaktion auf Ereignisse, deine Worte, was du liest, wo du arbeitest. Wer sich auf den Circle of Influence konzentriert, übernimmt Verantwortung und ist proaktiv – wer nur über Wetter und Chef meckert, ist reaktiv. Du erkennst es an der Sprache: „Ich kann nichts ändern, so bin ich halt“ (reaktiv) gegenüber „Schauen wir, welche Alternativen wir haben, ich wähle einen anderen Weg“ (proaktiv).

Idee 2 baut auf einem positiven Menschenbild auf. Weitere Attribute erfolgreicher Führung hörst du in Was eine gute Führungskraft ausmacht, und die proaktive Selbstführung dahinter vertieft Selbstmanagement.

Häufige Fragen

Was macht erfolgreiche Führung aus? Vor allem Verantwortung. Erfolgreiche Führungskräfte verbinden Entschlossenheit mit Bescheidenheit (Level 5), übernehmen für alles im Team die Verantwortung (Extreme Ownership) und konzentrieren sich proaktiv auf ihren Einflussbereich.

Was ist Level-5-Führung? Ein Konzept von Jim Collins: die höchste Stufe, auf der professionelle Entschlossenheit (Fokus auf Ergebnisse) und persönliche Bescheidenheit (Ego zurückstellen) zusammenkommen.

Was bedeutet Extreme Ownership? Die Haltung von Jocko Willink, dass eine Führungskraft die volle Verantwortung für alles im Team trägt – „es gibt keine schlechten Teams, nur schlechte Führungskräfte“.

Ist Führung nur etwas für Führungskräfte? Nein. Jeder, der eigenverantwortlich und kreativ arbeitet, braucht Selbstführung. Verantwortung zu übernehmen und proaktiv zu handeln ist für jeden relevant, der beruflich vorankommen will.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Führung.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema moderne Führung und persönliche Entwicklung.

Transkript

In dieser Folge geht es darum, was erfolgreiche Führung ausmacht. Ich starte mit einem Zitat von Peter Drucker, dem Management-Vordenker des 20. Jahrhunderts: „Führung ist nicht Rang, Privilegien, Titel oder Geld. Führung ist Verantwortung.“ Das wird häufig verwechselt: Bei „Führung“ denkt man schnell an eine Führungsposition im Unternehmen. Damit geht zwar Verantwortung einher, aber Führung ist viel mehr als das. Ich gehe auf drei Gedanken zu Führung und Verantwortung ein.

Vorab: Für wen ist das relevant? In erster Linie für jeden, der eine Führungsposition innehat oder anstrebt. Aber nicht nur: Wie Peter Drucker vom „Wissensarbeiter“ sprach, muss heute fast jeder in der modernen Arbeitswelt, der etwas Kreatives macht und nicht klassisch an der Maschine steht, zumindest Selbstführung und Selbstmanagement beherrschen – und da ist Verantwortung ein ganz zentrales Thema. Führung und Verantwortung sind also ein Schlüsselthema für jeden, der beruflich vorankommen möchte.

Gedanke eins kommt von Jim Collins, über den ich schon gesprochen habe. Sein prägendes Buch „Good to Great“, auf Deutsch „Der Weg zu den Besten“, entstand um das Jahr 2000. Damals wurde auch Jeff Bezos auf ihn aufmerksam und hat mit ihm die zukünftige Strategie von Amazon und die Grundlage für das Wachstum erarbeitet – daher stammt auch das Konzept des Schwungrads (Flywheel). Collins‘ erster Gedanke ist der Zusammenhang von Führung und Verantwortung: die Level-5-Führung. In seiner Forschung analysierte sein Team über Jahre Spitzenunternehmen. Der zentrale Erfolgsfaktor waren Level-5-Führungskräfte. Stell dir eine Hierarchie von Level 1 bis 5 vor; Level 5 ist die Kombination aus professioneller Entschlossenheit – sich fokussiert auf die Ergebnisse zu konzentrieren – und persönlicher Bescheidenheit, also das Ego zurückzustellen und das größere Ziel des Unternehmens vor Augen zu haben, statt aus Ego-Bedürfnissen zu handeln. Am besten bringt es sein Zitat auf den Punkt: „Geht alles gut, schauen die erfolgreichen Führungskräfte aus dem Fenster und suchen draußen nach Gründen für ihren Erfolg. Läuft es nicht so gut, werfen sie einen Blick in den Spiegel und übernehmen selbst die Verantwortung.“ Das Gegenteil – schlechte Führung – beginnt bei einem selbst: jammern, meckern, andere beschuldigen, von Pech reden, äußere Umstände verantwortlich machen, in der Opferrolle stecken. „Der Weg zu den Besten“ ist aus meiner Sicht eines der lesenswertesten Managementbücher überhaupt.

Gedanke zwei ist Extreme Ownership. Dazu gibt es einen sehenswerten, etwa zwölf- bis dreizehnminütigen TED-Talk und ein Buch von Jocko Willink – eine starke, militärisch geprägte Persönlichkeit. Verantwortung ist für ihn das zentrale Element der Führung. Eine Kernaussage, die ich mitgenommen habe: Er erzählt von Teams im militärischen Lager, denen jeweils eine Führungskraft zugeordnet war, und seine Erkenntnis war: „Es gibt keine schlechten Teams, nur schlechte Führungskräfte.“ Als Führungskraft ist alles, was in deinem Team passiert, deine Verantwortung – wirklich alles. Macht ein Mitarbeiter einen Fehler oder verhält er sich unproduktiv, ist auch das die Verantwortung der Führungskraft. Wenn man von dieser vollen Verantwortung ausgeht, stimmt der Satz absolut. In der Praxis sieht man oft das Gegenteil: Es wird über Mitarbeiter gelästert, statt Selbstreflexion zu betreiben und zu fragen: Was kann ich beim nächsten Mal besser machen? Sich zuerst an die eigene Nase zu fassen, setzt aber etwas voraus: ein positives Menschenbild. Schau dir dazu gern das Thema Theorie X und Theorie Y von Douglas McGregor an – dazu mache ich noch eine eigene Folge.

Gedanke drei ist der Circle of Influence, ein Klassiker aus „Die 7 Wege zur Effektivität“ von Stephen Covey. Ein passendes Zitat von Aristoteles: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ Das Konzept besteht aus zwei Kreisen. Der äußere ist der Circle of Concern – alle Themen, die dich in irgendeiner Weise betreffen: das Wetter, die Nachrichten, das Verhalten deines Chefs oder deiner Kollegen. Der innere Kreis ist der Circle of Influence – alle Themen, die du direkt oder indirekt beeinflussen kannst: vor allem deine Reaktion auf Ereignisse, aber auch was du sagst, welche Bücher du liest, für welchen Arbeitgeber du dich entscheidest, was du kaufst, wie du deine Freizeit gestaltest. Du übernimmst Verantwortung, wenn du dich auf deinen Einflussbereich fokussierst. Wer nur übers Wetter, die Nachrichten oder den schlechten Chef meckert, hat eine reaktive Sichtweise und übernimmt keine Verantwortung. Deshalb konsumiere ich zum Beispiel sehr wenig Nachrichten: Was in München oder anderswo passiert, kann ich nicht beeinflussen, also ist es nicht Teil meines Circle of Influence.

Covey spricht klar von Proaktivität: Bist du proaktiv oder reaktiv? Das erkennst du an deiner Sprache und der deines Umfelds. Achte in den nächsten Tagen darauf. Reaktive Sprache klingt so: „Es gibt nichts, was ich ändern könnte“, „So bin ich halt“, „Er macht mich so wütend“, „Ich muss das tun, ich kann nicht anders“. Proaktive Sprache klingt so: „Schauen wir, welche Alternativen wir haben“, „Ich kann eine andere Herangehensweise wählen“, „Ich kontrolliere meine Emotionen“, „Ich ziehe es vor“. Das ist nicht in Stein gemeißelt und kann sich in jeder Lebensphase wandeln. Reflektiere auch deinen Chef: Ist er proaktiv und ein Vorbild – oder meckert er reaktiv über andere?

Unabhängig davon, wo du stehst, ist das Thema für jeden wichtig: Fokussiere dich nicht auf die Dinge, die du nicht beeinflussen kannst, sondern sei proaktiv und konzentriere dich auf deinen Einflussbereich. Ein guter erster Schritt ist, dein Umfeld und dich selbst zu beobachten, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wer das Heft in der Hand hat. Und das muss nichts mit Position zu tun haben: Es gibt viele, die eine Führungsposition haben – die Frage ist, ob sie Verantwortung übernehmen, proaktiv an ihren Zielen arbeiten und sich auf ihren Einflussbereich konzentrieren. Ich hoffe, diese Gedanken unterstützen dich dabei, proaktiver zu werden und Verantwortung zu übernehmen – zuerst für dich selbst, und wenn du in einer Führungsrolle bist, auch für dein Team. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Als Nächstes lesen