Die Kunst der Initiativbewerbung

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Jobsuche

Kurz gesagt: Eine Initiativbewerbung ist eine Bewerbung an ein Unternehmen, das keine passende Stelle ausgeschrieben hat. Statt auf Ausschreibungen zu warten, gehst du aktiv auf interessante Unternehmen zu – und bekommst Zugang zu Stellen, die nie öffentlich werden (dem verdeckten Stellenmarkt).

Für die meisten Ingenieure ist es das normalste der Welt: Wenn sie den nächsten Karriereschritt gehen wollen, dann müssen sie nach passenden Stellen suchen und sich darauf bewerben.

99 % aller Ingenieure gehen diesen klassischen Weg.

Die restlichen 1 % sind Ingenieure mit Unternehmer-Mindset. Sie schreiben keine klassischen Bewerbungen. Sie kennen einen besseren Weg und haben das unternehmerische Skillset, diesen Weg auch zu gehen.

Disclaimer: Dieser Weg ist kein normales Vorgehen zum Bewerbungsprozess. Er erfordert ein Unternehmer-Mindset. Die meisten Ingenieure trauen sich nicht, diese Dinge umzusetzen, sondern bleiben lieber beim Bewährten.

Der Weg eines Intrapreneurs ist kein 0815-Berufsweg. Ganz nach dem Motto von Helen Keller:

„Life is either a daring adventure or nothing at all.“

Der Berufsweg eines Intrapreneurs ist kein Weg von einer Stelle zur nächsten Stelle. Es ist ein Weg von Abenteuer zu Abenteuer.

Wenn du ein bisschen mehr Abenteuer in deinem Berufsleben haben möchtest, dann ist dieser Artikel für dich.

Wie kommt eine neue Stelle zustande?

Zuallererst wollen wir die Perspektive wechseln: Wie kommt eigentlich eine neue Stelle im Unternehmen zustande? Der Ablauf sieht wie folgt aus (variiert von Unternehmen zu Unternehmen):

  1. Eine Person innerhalb eines Unternehmens hat ein Problem. Zum Beispiel: das Unternehmen wächst und der Workload wird nicht mehr geschafft. Oder es fehlt eine bestimmte Expertise, wodurch man Potenzial verschenkt. Was es auch ist, es führt immer zu …
  2. Eine Person einzustellen, wird als beste Lösung für das Problem gesehen. Manchmal ist genau das die offensichtliche Lösung. Manchmal gibt es alternative Lösungswege. Außerdem findet hier eine erste Abwägung zur Budgetfrage statt: „Haben wir Budget für eine Personen-Lösung?“ Wenn Einigkeit herrscht und Budget vorhanden ist, folgt:
  3. Die Lösungssuche im direkten Umfeld. Auf die Frage „Wen brauchen wir?“ folgt unmittelbar „Kennen wir jemanden, der das mitbringt?“ Gerade in kleineren Unternehmen ist das direkte Umfeld immer die erste Anlaufstelle. Wenn man dort nicht fündig wird, folgt …
  4. Die Beauftragung eines Headhunters. Bei großen Unternehmen und Manager-Stellen nicht selten. Ansonsten folgt …
  5. Eine öffentliche Ausschreibung bei LinkedIn, Stepstone und Co.

Fazit: Es passiert eine ganze Menge, bis so ein Stellenbedarf auf dem öffentlichen Stellenmarkt landet.

Intrapreneure haben ein Abundance Mindset

Es gibt zu jeder Zeit eine riesengroße Auswahl an Stellen. Diese Denkweise nennt man Abundance Mindset (Überflussdenken).

Das Gegenteil ist ein Scarcity Mindset. Es zeichnet sich durch folgende Gedanken aus: „Im Unternehmen sind alle Führungspositionen bereits besetzt.“ „Es gibt einfach keine passenden Stellen für mich.“ „Gibt es denn aktuell genug Jobs – wegen der Wirtschaftslage?“

Die Makro-Ebene – allgemeine Trends und Wirtschaftsnachrichten – ist irrelevant. Die Mikro-Ebene ist entscheidend. Der Aufbau eines Unternehmens ist eine unendliche Problemkette:

  1. Es tritt ein Problem auf.
  2. Man entwickelt eine Lösung.
  3. Dadurch entsteht ein neues Problem.

Dieser Kreislauf hört niemals auf. Immer da, wo es Personen gibt, die ein Unternehmen aufbauen oder weiterentwickeln wollen, gibt es Probleme und dadurch auch Stellenbedarf.

Das Wichtige dabei:

  • Die besten Jobs werden nicht selten abgefangen, bevor sie offen ausgeschrieben werden.
  • Besonders attraktive Stellen, die es doch auf den offenen Stellenmarkt schaffen, sind sehr gefragt.

Der öffentliche Stellenmarkt ist ein Haifischbecken. Ziel ist natürlich, Zugriff auf den verdeckten Stellenmarkt zu bekommen.

Der verdeckte Stellenmarkt besteht aus 2 Teilen:

Also, wie bekommt man Zugriff auf diese vielen, verdeckten Optionen?

Der Prozess der Initiativbewerbung

Der Prozess ist simpel und besteht aus 4 Schritten:

1 Person → 2 Kontakt → 3 Business Case → 4 Angebot

  1. Finde interessante Personen oder Unternehmenskulturen.
  2. Nimm Kontakt zu ihnen auf (das ist die klassische Initiativbewerbung).
  3. Erzeuge einen „Need“ und kreiere deinen Business Case.
  4. Mache ein (Gegen-)Angebot.

Die Schritte 1 und 2 sind allseits bekannt – ich gebe dir einige Tipps für bessere Ergebnisse. Die Magie steckt in den Schritten 3 und 4. Das sind die eigentlichen Erfolgsfaktoren einer Initiativbewerbung. Traurig ist, dass diese Schritte kaum jemand beachtet (oder überhaupt kennt).

Schritt 1: Finde interessante Personen und Unternehmen

1/ Wie man interessante Personen findet

Deine Aufmerksamkeit fließt in der Regel zu den Themen, die dich begeistern. Der beste Weg, interessante Personen zu finden, besteht also darin, zu schauen, wo deine Aufmerksamkeit hinfließt und in den letzten Wochen hingeflossen ist. Mache eine digitale Recherche:

  • Welche Podcasts hörst du?
  • Welche Bücher hast du gelesen?
  • Welchen Personen folgst du auf Social Media?
  • Welche Blog- oder Zeitungsartikel hast du gelesen?
  • Welche Internetseiten hast du in den letzten Wochen besucht?

Schau in alle Verläufe. Je nach Unternehmen kannst du auch eine unternehmensinterne Recherche machen (Intranet & Co.). Erstelle eine Liste mit allen Namen, die dir begegnen. In der Regel ist diese Liste länger, als du vorher denkst.

2/ Wie man interessante Unternehmenskulturen findet

Beeindruckende Unternehmenskulturen gibt es überall. Die meisten sind nur nicht geübt darin, sie zu sehen. Eine Unternehmenskultur ist die Summe der Personen des Unternehmens. Herausragende Kulturen sind also ein Indiz für spannende Persönlichkeiten. Die Kernfrage: Woran erkennt man eine gute Unternehmenskultur? Es kommt auf dein Leitbild – deine Ziele und Werte – an:

Das Ergebnis dieser kurzen Recherche sollten 1–3 Namen sein von Personen, die du spannend findest.

Schritt 2: Nimm Kontakt zu ihnen auf

Die meisten Menschen bekommen nie das, was sie sich wünschen, weil sie schlichtweg nicht fragen.

Steve Jobs hat Bill Hewlett (den Gründer von HP) angerufen, als er 12 Jahre alt war (seine Telefonnummer stand im Telefonbuch): „Hallo, ich bin Steve Jobs. Ich bin 12 Jahre alt und in der Highschool. Ich möchte einen Frequency Counter bauen. Habt ihr vielleicht Ersatzteile, die ich dafür haben kann?“ Er bekam die Ersatzteile – und einen Job bei HP.

„I’ve never found anyone who said no or hung up the phone when I called. I just asked. Most people never pick up the phone and call. Most people never ask. And that’s what separates the people that do things from the people that just dream about them. You gotta act. You’ve got to be willing to fail.“

Was ist eine Cold Message? „Cold“ bedeutet, dass du für den Empfänger ein „kalter“ Kontakt bist – die Person hat noch nie von dir gehört. Eine Cold Message zu schreiben, ist eine Kunst für sich. Mit der richtigen Cold Message kannst du Kontakt zu inspirierenden Personen aufnehmen, Mentoren gewinnen oder Jobangebote erhalten.

Initiativbewerbung: 2 Vorlagen (Muster) für bessere Cold Messages

Vorlage 1 – Der Cold-Message-Erstkontakt

Lieber [Name Empfänger],

ich weiß, dass du sehr beschäftigt bist und viele Mails bekommst, daher wirst du für diese nur 60 Sekunden zum Lesen brauchen.

[1–2 Sätze: Wer du bist + Warum sollte man dir zuhören (Expertenstatus, Vertrauenswürdigkeit)]
[Stelle deine ganz konkrete Frage]

Ich verstehe vollkommen, wenn du zu beschäftigt bist, um zu antworten, aber selbst eine ein- oder zweizeilige Antwort wäre für mich ein echtes Highlight.

Liebe Grüße, [Dein Name]

Wann diese Nachricht gut ist:

  • Für einen ersten Kontakt zu einer Person, zu der du wenig Vertrauen hast und die (aus deiner Perspektive) im Alltag sehr gefragt ist.
  • Die Nachricht steht und fällt mit deinem individuellen Teil. Sei in deiner Vorstellung in 1–2 Sätzen sehr spezifisch; nenne gemeinsame Kontakte oder Gemeinsamkeiten.
  • Deine Frage sollte nicht zu „deep“ sein. „Wie geht es dir?“ ist einfacher zu beantworten als „Was ist der Sinn des Lebens?“ Verwende Fragen, für die der Empfänger nicht lang braucht.

Vorlage 2 – Die Cold-Message-Bewerbung

Hi [Name Empfänger],

ich war zwar nicht die Hauptzielgruppe, aber trotzdem nahm ich für meine Firma [Firmenname] an der Konferenz „Women 2.0″ teil und hatte die Möglichkeit, dich auf der Bühne zu sehen. Ziemlich beeindruckend, was du mit deinem Team aufgebaut hast.

Ich war 6 Jahre lang bei [Firmenname] und habe mit der unglaublichen Führungskraft [Name] (den du gut kennst) zusammengearbeitet. Ich sehe riesiges Potenzial in deinem Unternehmen und würde mich freuen, in irgendeiner Weise etwas beizutragen. Mein primärer Fokus liegt auf Marketing, und ich habe viel Erfahrung mit genau eurer Zielgruppe. Ich würde dir gerne mehr über meine Fähigkeiten erzählen und bin überzeugt, dass sie euch helfen könnten, eure Wachstumsziele zu übertreffen.

Gratuliere dir zu deinem Erfolg. Ich würde mich freuen, wenn wir einen Termin finden.

Liebe Grüße, [Dein Name]

Warum diese Cold Message gut ist:

  • Sie erwähnt ein persönliches Detail (auf der Bühne gesehen).
  • Sie macht ein ehrliches Kompliment.
  • Sie sagt klar, dass man für dieses Unternehmen arbeiten möchte – nicht irgendeines.
  • Zwei Sätze zur Erfahrung reichen als Einstieg.
  • Sie nennt einen gemeinsamen Bekannten zur Referenz.
  • Sie schlägt nichts Konkretes vor, das zu viel Druck macht (z. B. „30 Minuten morgen“).

Schritt 3: Erzeuge einen „Need“ und kreiere deinen Business Case

Jedes Unternehmen, das eine Stelle ausschreibt, ist überzeugt, dass die Besetzung sinnvoll ist – eine gute Investition von Zeit und Geld. Bei Initiativbewerbungen ist dieser „Business Case einer Stelle“ in der Regel (noch) nicht vorhanden. Es ist deine Aufgabe, ihn zu erarbeiten. Die zentrale Frage:

„Wie kannst du dazu beitragen, die größten Probleme dieser Person, des Teams oder des Unternehmens zu lösen?“

Daraus ergeben sich 3 Aufgaben: Informationen sammeln · Need erzeugen (Business Case) · Vertrauen gewinnen. Dafür ist eine Methodik besonders wichtig: SPIN Selling. SPIN steht für vier Arten von Fragen:

  • (1) Situation Questions – verstehen die Situation. Schnell zu beantworten, wenig Mehrwert. „Wer ist eure Zielgruppe?“ „Was ist euer Kern-Angebot?“
  • (2) Problem Questions – identifizieren Probleme. „The pain is the pitch“: Je größer das Problem, desto besser dein Business Case. „Was sind aktuell die größten Herausforderungen, um weiterzuwachsen?“ „Was ist die eine Sache, die alles andere einfacher machen würde?“
  • (3) Implication Questions – zeigen die (negativen) Auswirkungen der Probleme. Besonders wichtig, um Need zu erzeugen. „Warum stört euch das Problem?“ „Welche Auswirkungen hätte es langfristig, wenn ihr es nicht löst?“
  • (4) Need-Payoff Questions – zeigen die Benefits einer Lösung. „Was wären die Auswirkungen, wenn ihr das Problem löst?“ „Was würde sich alles zum Positiven verändern?“

Dein Ziel vor, während und nach dem ersten Kennenlerngespräch: diese vier Fragearten stellen. Allein durch diese fundierte Analyse erzeugst du Mehrwert – du hilfst bei der gezielten Reflexion.

Schritt 4: Mache ein (Gegen-)Angebot

Vertrauen aufzubauen braucht Zeit. Gerade in kleinen Unternehmen übersteigt das Risiko, dich spontan anzustellen, meist die wahrgenommenen Chancen. Im Berufsleben gibt es zwei Arten von Vermögenswerten:

  • Hard Assets: dein Gehalt, ein Firmenwagen, ein Bonus.
  • Soft Assets: dein Wissen und deine Fähigkeiten, dein Netzwerk, aufgebautes Vertrauen, deine Reputation, deine Personal Brand.

Soft Assets lassen sich nicht direkt gegen Geld eintauschen (und sind meist nicht sichtbar), Hard Assets schon. Die meisten Ingenieure unterschätzen den Wert von Soft Assets maßlos und fokussieren sich zu sehr auf Hard Assets.

Mache nicht den gleichen Fehler. Es ist 100-mal wertvoller, 3 Jahre lang der persönliche Assistent von Elon Musk zu sein und 0 € zu verdienen – als einen Job mit 100.000 € Gehalt inkl. Firmenwagen auszuüben, in dem man vollkommen stagniert und nichts lernt. Auch Hard Assets aufzubauen ist wichtig, keine Frage. Aber wenn du im Berufsleben wirklich etwas bewegen möchtest, unterschätze niemals die Power der richtigen Soft Assets.

Vergiss nicht: Das Ziel dieses proaktiven Wegs ist nicht der perfekte Job mit maximaler Bezahlung, sondern ein Schritt in die richtige Richtung.

Fazit

Egal, wie gut deine Unternehmer-Skills heute ausgeprägt sind – jede Person kann von einer Initiativbewerbung profitieren. Wenn du ambitioniert bist, solltest du es zumindest einmal testen.

Wir bei Mentorwerk ermöglichen ambitionierten Ingenieuren ein Berufsleben mit mehr Impact, mehr Selbstbestimmung und ohne Stagnation, indem wir ihnen helfen, sich zu Intrapreneuren zu entwickeln.

Häufige Fragen zur Initiativbewerbung (FAQ)

Was ist eine Initiativbewerbung? Eine Initiativbewerbung ist eine Bewerbung an ein Unternehmen, das keine passende Stelle ausgeschrieben hat. Du gehst aktiv auf interessante Unternehmen zu, statt auf öffentliche Ausschreibungen zu warten – und erhältst so Zugang zum verdeckten Stellenmarkt.

Wann ist eine Initiativbewerbung sinnvoll? Immer dann, wenn du den nächsten Karriereschritt aktiv gestalten willst. Da jedes wachsende Unternehmen laufend Probleme und damit Stellenbedarf hat, lohnt sich der proaktive Weg – besonders für ambitionierte Menschen, die nicht im „Haifischbecken“ des öffentlichen Stellenmarkts konkurrieren wollen.

Wie ist eine Initiativbewerbung aufgebaut? In vier Schritten: (1) interessante Person/Unternehmen finden, (2) Kontakt aufnehmen (die klassische Initiativbewerbung bzw. Cold Message), (3) einen Business Case erarbeiten und einen „Need“ erzeugen, (4) ein (Gegen-)Angebot machen.

Wie schreibe ich das Anschreiben (die Cold Message)? Kurz, persönlich und spezifisch: Sage in 1–2 Sätzen, wer du bist und warum man dir zuhören sollte, nimm Bezug auf etwas Konkretes am Unternehmen und stelle eine leicht zu beantwortende Frage bzw. ein klares Anliegen. Zwei Vorlagen findest du oben im Artikel.

Was unterscheidet eine erfolgreiche Initiativbewerbung von einer erfolglosen? Der Business Case. Die meisten konzentrieren sich nur auf Kontaktaufnahme. Erfolgreich wird es, wenn du mit den richtigen Fragen (SPIN Selling) das größte Problem des Unternehmens identifizierst und zeigst, wie du es löst – „the pain is the pitch“.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Autor

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Die Kunst der Initiativbewerbung

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Kurz gesagt: Eine Initiativbewerbung ist eine Bewerbung an ein Unternehmen, das keine passende Stelle ausgeschrieben hat. Statt auf Ausschreibungen zu warten, gehst du aktiv auf interessante Unternehmen zu – und bekommst Zugang zu Stellen, die nie öffentlich werden (dem verdeckten Stellenmarkt).

Für die meisten Ingenieure ist es das normalste der Welt: Wenn sie den nächsten Karriereschritt gehen wollen, dann müssen sie nach passenden Stellen suchen und sich darauf bewerben.

99 % aller Ingenieure gehen diesen klassischen Weg.

Die restlichen 1 % sind Ingenieure mit Unternehmer-Mindset. Sie schreiben keine klassischen Bewerbungen. Sie kennen einen besseren Weg und haben das unternehmerische Skillset, diesen Weg auch zu gehen.

Disclaimer: Dieser Weg ist kein normales Vorgehen zum Bewerbungsprozess. Er erfordert ein Unternehmer-Mindset. Die meisten Ingenieure trauen sich nicht, diese Dinge umzusetzen, sondern bleiben lieber beim Bewährten.

Der Weg eines Intrapreneurs ist kein 0815-Berufsweg. Ganz nach dem Motto von Helen Keller:

„Life is either a daring adventure or nothing at all.“

Der Berufsweg eines Intrapreneurs ist kein Weg von einer Stelle zur nächsten Stelle. Es ist ein Weg von Abenteuer zu Abenteuer.

Wenn du ein bisschen mehr Abenteuer in deinem Berufsleben haben möchtest, dann ist dieser Artikel für dich.

Wie kommt eine neue Stelle zustande?

Zuallererst wollen wir die Perspektive wechseln: Wie kommt eigentlich eine neue Stelle im Unternehmen zustande? Der Ablauf sieht wie folgt aus (variiert von Unternehmen zu Unternehmen):

  1. Eine Person innerhalb eines Unternehmens hat ein Problem. Zum Beispiel: das Unternehmen wächst und der Workload wird nicht mehr geschafft. Oder es fehlt eine bestimmte Expertise, wodurch man Potenzial verschenkt. Was es auch ist, es führt immer zu …
  2. Eine Person einzustellen, wird als beste Lösung für das Problem gesehen. Manchmal ist genau das die offensichtliche Lösung. Manchmal gibt es alternative Lösungswege. Außerdem findet hier eine erste Abwägung zur Budgetfrage statt: „Haben wir Budget für eine Personen-Lösung?“ Wenn Einigkeit herrscht und Budget vorhanden ist, folgt:
  3. Die Lösungssuche im direkten Umfeld. Auf die Frage „Wen brauchen wir?“ folgt unmittelbar „Kennen wir jemanden, der das mitbringt?“ Gerade in kleineren Unternehmen ist das direkte Umfeld immer die erste Anlaufstelle. Wenn man dort nicht fündig wird, folgt …
  4. Die Beauftragung eines Headhunters. Bei großen Unternehmen und Manager-Stellen nicht selten. Ansonsten folgt …
  5. Eine öffentliche Ausschreibung bei LinkedIn, Stepstone und Co.

Fazit: Es passiert eine ganze Menge, bis so ein Stellenbedarf auf dem öffentlichen Stellenmarkt landet.

Intrapreneure haben ein Abundance Mindset

Es gibt zu jeder Zeit eine riesengroße Auswahl an Stellen. Diese Denkweise nennt man Abundance Mindset (Überflussdenken).

Das Gegenteil ist ein Scarcity Mindset. Es zeichnet sich durch folgende Gedanken aus: „Im Unternehmen sind alle Führungspositionen bereits besetzt.“ „Es gibt einfach keine passenden Stellen für mich.“ „Gibt es denn aktuell genug Jobs – wegen der Wirtschaftslage?“

Die Makro-Ebene – allgemeine Trends und Wirtschaftsnachrichten – ist irrelevant. Die Mikro-Ebene ist entscheidend. Der Aufbau eines Unternehmens ist eine unendliche Problemkette:

  1. Es tritt ein Problem auf.
  2. Man entwickelt eine Lösung.
  3. Dadurch entsteht ein neues Problem.

Dieser Kreislauf hört niemals auf. Immer da, wo es Personen gibt, die ein Unternehmen aufbauen oder weiterentwickeln wollen, gibt es Probleme und dadurch auch Stellenbedarf.

Das Wichtige dabei:

  • Die besten Jobs werden nicht selten abgefangen, bevor sie offen ausgeschrieben werden.
  • Besonders attraktive Stellen, die es doch auf den offenen Stellenmarkt schaffen, sind sehr gefragt.

Der öffentliche Stellenmarkt ist ein Haifischbecken. Ziel ist natürlich, Zugriff auf den verdeckten Stellenmarkt zu bekommen.

Der verdeckte Stellenmarkt besteht aus 2 Teilen:

Also, wie bekommt man Zugriff auf diese vielen, verdeckten Optionen?

Der Prozess der Initiativbewerbung

Der Prozess ist simpel und besteht aus 4 Schritten:

1 Person → 2 Kontakt → 3 Business Case → 4 Angebot

  1. Finde interessante Personen oder Unternehmenskulturen.
  2. Nimm Kontakt zu ihnen auf (das ist die klassische Initiativbewerbung).
  3. Erzeuge einen „Need“ und kreiere deinen Business Case.
  4. Mache ein (Gegen-)Angebot.

Die Schritte 1 und 2 sind allseits bekannt – ich gebe dir einige Tipps für bessere Ergebnisse. Die Magie steckt in den Schritten 3 und 4. Das sind die eigentlichen Erfolgsfaktoren einer Initiativbewerbung. Traurig ist, dass diese Schritte kaum jemand beachtet (oder überhaupt kennt).

Schritt 1: Finde interessante Personen und Unternehmen

1/ Wie man interessante Personen findet

Deine Aufmerksamkeit fließt in der Regel zu den Themen, die dich begeistern. Der beste Weg, interessante Personen zu finden, besteht also darin, zu schauen, wo deine Aufmerksamkeit hinfließt und in den letzten Wochen hingeflossen ist. Mache eine digitale Recherche:

  • Welche Podcasts hörst du?
  • Welche Bücher hast du gelesen?
  • Welchen Personen folgst du auf Social Media?
  • Welche Blog- oder Zeitungsartikel hast du gelesen?
  • Welche Internetseiten hast du in den letzten Wochen besucht?

Schau in alle Verläufe. Je nach Unternehmen kannst du auch eine unternehmensinterne Recherche machen (Intranet & Co.). Erstelle eine Liste mit allen Namen, die dir begegnen. In der Regel ist diese Liste länger, als du vorher denkst.

2/ Wie man interessante Unternehmenskulturen findet

Beeindruckende Unternehmenskulturen gibt es überall. Die meisten sind nur nicht geübt darin, sie zu sehen. Eine Unternehmenskultur ist die Summe der Personen des Unternehmens. Herausragende Kulturen sind also ein Indiz für spannende Persönlichkeiten. Die Kernfrage: Woran erkennt man eine gute Unternehmenskultur? Es kommt auf dein Leitbild – deine Ziele und Werte – an:

Das Ergebnis dieser kurzen Recherche sollten 1–3 Namen sein von Personen, die du spannend findest.

Schritt 2: Nimm Kontakt zu ihnen auf

Die meisten Menschen bekommen nie das, was sie sich wünschen, weil sie schlichtweg nicht fragen.

Steve Jobs hat Bill Hewlett (den Gründer von HP) angerufen, als er 12 Jahre alt war (seine Telefonnummer stand im Telefonbuch): „Hallo, ich bin Steve Jobs. Ich bin 12 Jahre alt und in der Highschool. Ich möchte einen Frequency Counter bauen. Habt ihr vielleicht Ersatzteile, die ich dafür haben kann?“ Er bekam die Ersatzteile – und einen Job bei HP.

„I’ve never found anyone who said no or hung up the phone when I called. I just asked. Most people never pick up the phone and call. Most people never ask. And that’s what separates the people that do things from the people that just dream about them. You gotta act. You’ve got to be willing to fail.“

Was ist eine Cold Message? „Cold“ bedeutet, dass du für den Empfänger ein „kalter“ Kontakt bist – die Person hat noch nie von dir gehört. Eine Cold Message zu schreiben, ist eine Kunst für sich. Mit der richtigen Cold Message kannst du Kontakt zu inspirierenden Personen aufnehmen, Mentoren gewinnen oder Jobangebote erhalten.

Initiativbewerbung: 2 Vorlagen (Muster) für bessere Cold Messages

Vorlage 1 – Der Cold-Message-Erstkontakt

Lieber [Name Empfänger],

ich weiß, dass du sehr beschäftigt bist und viele Mails bekommst, daher wirst du für diese nur 60 Sekunden zum Lesen brauchen.

[1–2 Sätze: Wer du bist + Warum sollte man dir zuhören (Expertenstatus, Vertrauenswürdigkeit)]
[Stelle deine ganz konkrete Frage]

Ich verstehe vollkommen, wenn du zu beschäftigt bist, um zu antworten, aber selbst eine ein- oder zweizeilige Antwort wäre für mich ein echtes Highlight.

Liebe Grüße, [Dein Name]

Wann diese Nachricht gut ist:

  • Für einen ersten Kontakt zu einer Person, zu der du wenig Vertrauen hast und die (aus deiner Perspektive) im Alltag sehr gefragt ist.
  • Die Nachricht steht und fällt mit deinem individuellen Teil. Sei in deiner Vorstellung in 1–2 Sätzen sehr spezifisch; nenne gemeinsame Kontakte oder Gemeinsamkeiten.
  • Deine Frage sollte nicht zu „deep“ sein. „Wie geht es dir?“ ist einfacher zu beantworten als „Was ist der Sinn des Lebens?“ Verwende Fragen, für die der Empfänger nicht lang braucht.

Vorlage 2 – Die Cold-Message-Bewerbung

Hi [Name Empfänger],

ich war zwar nicht die Hauptzielgruppe, aber trotzdem nahm ich für meine Firma [Firmenname] an der Konferenz „Women 2.0″ teil und hatte die Möglichkeit, dich auf der Bühne zu sehen. Ziemlich beeindruckend, was du mit deinem Team aufgebaut hast.

Ich war 6 Jahre lang bei [Firmenname] und habe mit der unglaublichen Führungskraft [Name] (den du gut kennst) zusammengearbeitet. Ich sehe riesiges Potenzial in deinem Unternehmen und würde mich freuen, in irgendeiner Weise etwas beizutragen. Mein primärer Fokus liegt auf Marketing, und ich habe viel Erfahrung mit genau eurer Zielgruppe. Ich würde dir gerne mehr über meine Fähigkeiten erzählen und bin überzeugt, dass sie euch helfen könnten, eure Wachstumsziele zu übertreffen.

Gratuliere dir zu deinem Erfolg. Ich würde mich freuen, wenn wir einen Termin finden.

Liebe Grüße, [Dein Name]

Warum diese Cold Message gut ist:

  • Sie erwähnt ein persönliches Detail (auf der Bühne gesehen).
  • Sie macht ein ehrliches Kompliment.
  • Sie sagt klar, dass man für dieses Unternehmen arbeiten möchte – nicht irgendeines.
  • Zwei Sätze zur Erfahrung reichen als Einstieg.
  • Sie nennt einen gemeinsamen Bekannten zur Referenz.
  • Sie schlägt nichts Konkretes vor, das zu viel Druck macht (z. B. „30 Minuten morgen“).

Schritt 3: Erzeuge einen „Need“ und kreiere deinen Business Case

Jedes Unternehmen, das eine Stelle ausschreibt, ist überzeugt, dass die Besetzung sinnvoll ist – eine gute Investition von Zeit und Geld. Bei Initiativbewerbungen ist dieser „Business Case einer Stelle“ in der Regel (noch) nicht vorhanden. Es ist deine Aufgabe, ihn zu erarbeiten. Die zentrale Frage:

„Wie kannst du dazu beitragen, die größten Probleme dieser Person, des Teams oder des Unternehmens zu lösen?“

Daraus ergeben sich 3 Aufgaben: Informationen sammeln · Need erzeugen (Business Case) · Vertrauen gewinnen. Dafür ist eine Methodik besonders wichtig: SPIN Selling. SPIN steht für vier Arten von Fragen:

  • (1) Situation Questions – verstehen die Situation. Schnell zu beantworten, wenig Mehrwert. „Wer ist eure Zielgruppe?“ „Was ist euer Kern-Angebot?“
  • (2) Problem Questions – identifizieren Probleme. „The pain is the pitch“: Je größer das Problem, desto besser dein Business Case. „Was sind aktuell die größten Herausforderungen, um weiterzuwachsen?“ „Was ist die eine Sache, die alles andere einfacher machen würde?“
  • (3) Implication Questions – zeigen die (negativen) Auswirkungen der Probleme. Besonders wichtig, um Need zu erzeugen. „Warum stört euch das Problem?“ „Welche Auswirkungen hätte es langfristig, wenn ihr es nicht löst?“
  • (4) Need-Payoff Questions – zeigen die Benefits einer Lösung. „Was wären die Auswirkungen, wenn ihr das Problem löst?“ „Was würde sich alles zum Positiven verändern?“

Dein Ziel vor, während und nach dem ersten Kennenlerngespräch: diese vier Fragearten stellen. Allein durch diese fundierte Analyse erzeugst du Mehrwert – du hilfst bei der gezielten Reflexion.

Schritt 4: Mache ein (Gegen-)Angebot

Vertrauen aufzubauen braucht Zeit. Gerade in kleinen Unternehmen übersteigt das Risiko, dich spontan anzustellen, meist die wahrgenommenen Chancen. Im Berufsleben gibt es zwei Arten von Vermögenswerten:

  • Hard Assets: dein Gehalt, ein Firmenwagen, ein Bonus.
  • Soft Assets: dein Wissen und deine Fähigkeiten, dein Netzwerk, aufgebautes Vertrauen, deine Reputation, deine Personal Brand.

Soft Assets lassen sich nicht direkt gegen Geld eintauschen (und sind meist nicht sichtbar), Hard Assets schon. Die meisten Ingenieure unterschätzen den Wert von Soft Assets maßlos und fokussieren sich zu sehr auf Hard Assets.

Mache nicht den gleichen Fehler. Es ist 100-mal wertvoller, 3 Jahre lang der persönliche Assistent von Elon Musk zu sein und 0 € zu verdienen – als einen Job mit 100.000 € Gehalt inkl. Firmenwagen auszuüben, in dem man vollkommen stagniert und nichts lernt. Auch Hard Assets aufzubauen ist wichtig, keine Frage. Aber wenn du im Berufsleben wirklich etwas bewegen möchtest, unterschätze niemals die Power der richtigen Soft Assets.

Vergiss nicht: Das Ziel dieses proaktiven Wegs ist nicht der perfekte Job mit maximaler Bezahlung, sondern ein Schritt in die richtige Richtung.

Fazit

Egal, wie gut deine Unternehmer-Skills heute ausgeprägt sind – jede Person kann von einer Initiativbewerbung profitieren. Wenn du ambitioniert bist, solltest du es zumindest einmal testen.

Wir bei Mentorwerk ermöglichen ambitionierten Ingenieuren ein Berufsleben mit mehr Impact, mehr Selbstbestimmung und ohne Stagnation, indem wir ihnen helfen, sich zu Intrapreneuren zu entwickeln.

Häufige Fragen zur Initiativbewerbung (FAQ)

Was ist eine Initiativbewerbung? Eine Initiativbewerbung ist eine Bewerbung an ein Unternehmen, das keine passende Stelle ausgeschrieben hat. Du gehst aktiv auf interessante Unternehmen zu, statt auf öffentliche Ausschreibungen zu warten – und erhältst so Zugang zum verdeckten Stellenmarkt.

Wann ist eine Initiativbewerbung sinnvoll? Immer dann, wenn du den nächsten Karriereschritt aktiv gestalten willst. Da jedes wachsende Unternehmen laufend Probleme und damit Stellenbedarf hat, lohnt sich der proaktive Weg – besonders für ambitionierte Menschen, die nicht im „Haifischbecken“ des öffentlichen Stellenmarkts konkurrieren wollen.

Wie ist eine Initiativbewerbung aufgebaut? In vier Schritten: (1) interessante Person/Unternehmen finden, (2) Kontakt aufnehmen (die klassische Initiativbewerbung bzw. Cold Message), (3) einen Business Case erarbeiten und einen „Need“ erzeugen, (4) ein (Gegen-)Angebot machen.

Wie schreibe ich das Anschreiben (die Cold Message)? Kurz, persönlich und spezifisch: Sage in 1–2 Sätzen, wer du bist und warum man dir zuhören sollte, nimm Bezug auf etwas Konkretes am Unternehmen und stelle eine leicht zu beantwortende Frage bzw. ein klares Anliegen. Zwei Vorlagen findest du oben im Artikel.

Was unterscheidet eine erfolgreiche Initiativbewerbung von einer erfolglosen? Der Business Case. Die meisten konzentrieren sich nur auf Kontaktaufnahme. Erfolgreich wird es, wenn du mit den richtigen Fragen (SPIN Selling) das größte Problem des Unternehmens identifizierst und zeigst, wie du es löst – „the pain is the pitch“.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Autor

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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