Führungsqualitäten: die 3, auf die es wirklich ankommt

Wenn man über Führung spricht, ist das ein riesiges Feld. In dieser Folge konzentriere ich mich bewusst auf den menschlichen Fokus – denn das Fachliche ist in einer Führungsrolle zweitrangig.

Drei Qualitäten machen dich in der Führung deutlich effektiver: Empathie, Achtsamkeit und Demut. Alle drei sind vorbelegte Begriffe, die oft missverstanden werden – deshalb definiere ich sie hier neu. Und das Beste: Alle drei kann man lernen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Menschlicher Fokus schlägt Fachlichkeit. In der Führung entscheidet der Umgang mit Menschen, nicht das Fachwissen.
  • Empathie ist echter Perspektivwechsel. Sich in die Gefühlswelt und das Weltbild des anderen hineinversetzen – aus seiner Sicht, nicht aus deiner.
  • Achtsamkeit schafft den Raum zwischen Reiz und Reaktion. Erst wahrnehmen, dann reagieren – statt von Umständen getrieben zu sein.
  • Demut heißt dienen, nicht sich kleinmachen. Eigene Grenzen kennen und das Team befähigen, statt sich selbst zum Mittelpunkt zu machen.
  • Alle drei sind trainierbar. Aktives Zuhören, bewusste Wahrnehmung und ehrliche Selbstkenntnis sind die Hebel.

Die 3 Führungsqualitäten im Detail

1. Empathie. Empathie heißt nicht, einfach warmherzig oder rein gefühlsorientiert zu sein. Sie bezeichnet die Fähigkeit, sich in die Gefühle und vor allem in das Weltbild und die Gedanken einer anderen Person hineinzuversetzen – ein echtes Gefühl dafür zu entwickeln, was für sie real ist. Der Kern ist der Perspektivwechsel. Wichtig ist die Unterscheidung: Es geht nicht darum, wie du dich in der Situation des anderen fühlen würdest, sondern darum, aus seiner Perspektive zu schauen. Ein klassisches Beispiel sind extrovertierte und introvertierte Persönlichkeiten: Der Extrovertierte fragt „Warum fällt es dir so schwer, auf Leute zuzugehen?“, der Introvertierte „Warum kann der nicht einfach mal ruhig sein?“. Echte Empathie heißt, wirklich zu verstehen, wie der andere funktioniert und warum er so handelt. Daniel Goleman hat Empathie über die emotionale Intelligenz stark mit Führung verbunden. Üben kannst du sie mit aktivem Zuhören: Pausen aushalten (die meisten füllen unangenehme Stille sofort), echte, interessierte Fragen stellen und wirklich zuhören – statt schon an deine Antwort zu denken.

2. Achtsamkeit. Achtsamkeit (Mindfulness) hat nichts mit Schweigekloster oder tagelangem Meditieren zu tun – auch wenn man sie trainieren kann. Sie bedeutet, deine Umwelt, deinen Körper und deine emotionale Lage bewusst wahrzunehmen und nicht sofort darauf zu reagieren. Du lässt dich nicht von Gedankenströmen, Erinnerungen oder starken Emotionen mitreißen und bewertest deine Wahrnehmung nicht vorschnell. Viele Menschen sind von ihrer Umwelt getrieben – das erkennst du daran, wie jemand reagiert, wenn er beschimpft wird oder einen Fehler macht. Viktor Frankl bringt es auf den Punkt: Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. Genau dieser Raum ist Achtsamkeit – erst wahrnehmen, dann reagieren. So wirst du weniger situativ getrieben und kommst stärker in die Proaktivität. Das ist eine total unterschätzte, oft falsch eingeordnete Führungsqualität.

3. Demut. Demut hat nichts Religiöses und bedeutet nicht, sich kleinzureden oder sich für wertlos zu halten. Im Führungskontext geht es darum, dich selbst und deine Grenzen besser kennenzulernen: Wo sind deine Stärken, wo deine Schwächen, und wo endet dein Wissen? Du bist nicht allwissend – und kannst es auch nicht werden. Demut heißt, den Gedanken „Ich bin besser als andere“ hintanzustellen und eine dienende Ausrichtung zu haben. Du siehst dich nicht als Mittelpunkt des Geschehens, sondern als Dienstleister für Unternehmen, Kunden und Mitarbeiter – als ein Zahnrad im Ganzen, nicht als das Ganze. Wer sich selbst zentriert sieht, neigt zu Mikromanagement und Kontrolldrang. Die eigentliche Kunst besteht darin, das Team zu befähigen, sein Potenzial zu entfalten – das schaltet ganz andere Kreativitäts- und Leistungsniveaus frei. Damit steckt Demut tief in der Servant-Leadership-Philosophie.

Die dienende Haltung hinter Punkt 3 vertiefst du in Servant Leadership. Welche Attribute herausragende Führung sonst noch ausmachen, hörst du in Was macht eine gute Führungskraft aus. Und wie du aktives Zuhören und echten Perspektivwechsel in der Praxis umsetzt, zeigt Besser kommunizieren.

Häufige Fragen zu den Führungsqualitäten

Was sind die 3 wichtigsten Führungsqualitäten? Empathie, Achtsamkeit und Demut. Sie betreffen den menschlichen Kern von Führung – nicht die fachliche Kompetenz – und entscheiden darüber, wie wirksam du Menschen führst.

Was bedeutet Empathie in der Führung? Die Fähigkeit, sich in die Gefühlswelt und das Weltbild einer anderen Person hineinzuversetzen und aus ihrer Perspektive zu schauen – nicht aus der eigenen. Üben kannst du das mit aktivem Zuhören: Pausen aushalten, echte Fragen stellen, wirklich zuhören.

Was bedeutet Demut als Führungskraft? Die eigenen Grenzen zu kennen und eine dienende Haltung einzunehmen: sich als Dienstleister für Team, Kunden und Unternehmen zu verstehen statt als Mittelpunkt. Das Gegenteil – Selbstzentrierung – führt zu Mikromanagement und Kontrolldrang.

Kann man Führungsqualitäten lernen? Ja. Empathie trainierst du über aktives Zuhören und bewussten Perspektivwechsel, Achtsamkeit über bewusste Wahrnehmung (der Raum zwischen Reiz und Reaktion), Demut über ehrliche Selbstkenntnis und eine dienende Ausrichtung.

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Transkript

Heute geht es um drei zentrale Führungsqualitäten. Wenn man über Führung und Führungsqualitäten spricht, ist das ein riesengroßes Feld. Ich möchte mich in dieser Folge bewusst auf den menschlichen Fokus konzentrieren, denn das Fachliche ist in einer Führungsrolle aus meiner Sicht zweitrangig – das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch der Status quo von Forschung und Managementliteratur. Drei Qualitäten möchte ich dir mitgeben, die dafür sorgen, dass du in der Führung effektiver bist. Egal, ob du schon Führungskraft bist oder es werden möchtest – das sind drei sehr wichtige Qualitäten. Alle drei Begriffe sind stark vorbelegt, deshalb definiere ich sie noch einmal richtig.

Der erste Begriff ist Empathie – eine essentielle Führungsqualität. Was heißt Empathie? In den letzten Jahrzehnten gab es eine große Bewegung rund um emotionale Intelligenz; Daniel Goleman war da ein Vorreiter und hat Empathie über die emotionale Führung stark mit Führung in Verbindung gebracht. Empathie heißt aber nicht, einfach warmherzig oder nur gefühlsorientiert zu sein. Empathie bezeichnet die Fähigkeit, sich in die Gefühle, aber vor allem in das Weltbild und die Gedanken einer anderen Person hineinzuversetzen – ein echtes Gefühl dafür zu entwickeln, was für die andere Person real ist. Der große Begriff dahinter ist Perspektivwechsel. Wichtig ist die Unterscheidung: Perspektivwechsel bedeutet nicht zu fragen, wie du dich in der Situation des anderen verhalten oder fühlen würdest, sondern dich wirklich in die Gefühlswelt und die Situation des anderen hineinzuversetzen und aus seiner Perspektive zu schauen.

Ein klassisches Beispiel, wo Empathie fehlt, sind extrovertierte und introvertierte Persönlichkeiten, wenn diese beiden Welten aufeinandertreffen. Der Extrovertierte sagt zum Introvertierten: „Warum fällt es dir so schwer, auf Leute zuzugehen oder einen Vortrag zu halten? Das kann doch nicht so schwer sein, mach einfach.“ Und umgekehrt sagt der Introvertierte: „Warum kann der nicht einfach mal ruhig sein, warum muss er ständig Smalltalk machen?“ Erst wenn sich der Introvertierte wirklich in den Extrovertierten hineinversetzt und versteht, warum er so handelt – und umgekehrt der Extrovertierte versteht, was Introversion bedeutet –, entsteht eine viel tiefere Ebene. Empathie kann man lernen, üben und weiterentwickeln, gerade diesen Perspektivwechsel.

Eine konkrete Übung dafür ist aktives Zuhören. Achte in der nächsten Unterhaltung bewusst darauf. Zwei, drei kurze Inputs dazu: Was die meisten Leute nicht aushalten, ist eine Pause. Beide Parteien haben oft das Verlangen, eine unangenehme Stille sofort zu füllen. Aktives Zuhören bedeutet unter anderem, diese Pausen auszuhalten und dem Gegenüber Raum zum Nachdenken zu geben. Zweitens: echte Fragen stellen, ehrliches Interesse zeigen und wirklich zuhören – und nicht währenddessen schon über deine nächste Antwort nachdenken. Das ist ein schwieriges Thema, das man üben muss. Nimm dich dabei selbst komplett heraus und versuche wirklich, dich in das Weltbild und die Gedanken der anderen Person hineinzuversetzen.

Punkt Nummer zwei ist Achtsamkeit – im Englischen Mindfulness. Auch dieser Begriff ist für viele vorbelegt: Sie haben sofort einen Meditationskurs oder ein zehntägiges Schweigekloster im Kopf. Damit hat Achtsamkeit nichts zu tun – auch wenn man sie trainieren kann. Achtsamkeit bedeutet, die Außenwelt, deinen Körper und deine emotionale Lage wahrzunehmen und nicht sofort darauf zu reagieren. Du lässt dich nicht von Gedankenströmen, Erinnerungen, Fantasien oder starken Emotionen ablenken und bewertest deine Wahrnehmung nicht vorschnell. Das klingt abstrakt, aber viele Menschen sind durch Umwelt und Umstände getrieben. Das erkennst du daran, wenn jemand einen Fehler macht oder beschimpft wird und seine emotionale Welt ihn sofort übermannt.

Einen Umsetzungstipp dazu: Schau dir das Buch Search Inside Yourself an. Es stammt von einem Google-Mitarbeiter, der dort ein internes Entwicklungs- und Trainingsprogramm für viele Mitarbeiter und Führungskräfte aufgebaut hat; das Buch extrahiert die Inhalte dieses Programms. Schon daran erkennt man: Das ist kein spiritueller Kram, sondern ein Thema für deine Performance als Führungskraft – um Situationen bewusster wahrzunehmen und weniger situativ auf die Umwelt zu reagieren. Viktor Frankl, der unglaublich beeindruckende Psychologe, der das Konzentrationslager überlebt und ein großartiges Buch geschrieben hat, sagt: Zwischen Reiz und Reaktion gibt es immer einen Raum. Genau das ist Achtsamkeit – erst wahrnehmen, dann reagieren. Wenn du nach diesem Podcast in verschiedenen Situationen darauf achtest, wirst du merken, wie oft wir von unseren Umständen getrieben sind. Achtsamer zu werden heißt, nicht mehr so getrieben zu sein, sondern in die Proaktivität zu gehen. Die Forschung zu Achtsamkeit steht noch am Anfang, aber es kristallisiert sich heraus, wie wichtig und unterschätzt sie ist.

Punkt Nummer drei ist Demut. Auch hier haben viele sofort etwas Religiöses im Kopf. Demut und Bescheidenheit bedeuten aber nicht, vorzugeben, nichts zu wissen, sanftmütig zu sein oder sich kleinzureden und zu sagen „Ich bin wertlos“. Damit hat es nichts zu tun. Bei Demut im Führungskontext geht es darum, dich selbst besser kennenzulernen und deine Grenzen zu verstehen: Wo sind deine Stärken, wo deine Schwächen? Und zu wissen: Du bist nicht allwissend und kannst es auch nicht werden. Diesen Glauben „Ich bin besser als andere“ gilt es hintanzustellen. Demut in der Führung bedeutet eine dienende Ausrichtung: Man sieht sich selbst nicht als Mittelpunkt des Geschehens, sondern als Dienstleister für das Unternehmen, die Kunden und die Mitarbeiter – um die Mitarbeiter zu befähigen, bessere Ergebnisse zu liefern, damit die Kunden mehr Mehrwert haben. Das ist der Grundgedanke von Wirtschaft, und zwar in dieser Reihenfolge.

Eine Führungskraft, die sich selbst als Mittelpunkt sieht, betreibt häufig Mikromanagement und will alles kontrollieren – das liegt daran, dass diese Qualität noch nicht ausgebaut ist. Demut heißt zu verstehen, welche Rolle man im Ganzen einnimmt: dass man ein Zahnrad ist und nicht das Ganze. Wer das nicht verinnerlicht, wird langfristig nicht erfolgreich führen. Denn die Kunst besteht darin, das Team zu befähigen, seine Potenziale zu entfalten – um ganz andere Kreativitätslevel freizuschalten und die Teamleistung zu steigern. In modernen Unternehmen ist das längst gang und gäbe, und es steckt auch tief in der Servant-Leadership-Philosophie.

Fassen wir zusammen: Punkt eins ist Empathie – willst du tiefer einsteigen, schau dir das Thema emotionale Intelligenz und emotionale Führung an. Punkt zwei ist Achtsamkeit, noch viel jünger als Forschungsfeld. Und Punkt drei ist Demut. Wenn du gerade vor der Herausforderung stehst, in die Führung zu gehen, oder dich als Führungskraft weiterentwickeln willst, dann setze diese drei Qualitäten unmittelbar in der Praxis um. Das soll es für diese Folge gewesen sein. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Führungsqualitäten: die 3, auf die es wirklich ankommt

Wenn man über Führung spricht, ist das ein riesiges Feld. In dieser Folge konzentriere ich mich bewusst auf den menschlichen Fokus – denn das Fachliche ist in einer Führungsrolle zweitrangig.

Drei Qualitäten machen dich in der Führung deutlich effektiver: Empathie, Achtsamkeit und Demut. Alle drei sind vorbelegte Begriffe, die oft missverstanden werden – deshalb definiere ich sie hier neu. Und das Beste: Alle drei kann man lernen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Menschlicher Fokus schlägt Fachlichkeit. In der Führung entscheidet der Umgang mit Menschen, nicht das Fachwissen.
  • Empathie ist echter Perspektivwechsel. Sich in die Gefühlswelt und das Weltbild des anderen hineinversetzen – aus seiner Sicht, nicht aus deiner.
  • Achtsamkeit schafft den Raum zwischen Reiz und Reaktion. Erst wahrnehmen, dann reagieren – statt von Umständen getrieben zu sein.
  • Demut heißt dienen, nicht sich kleinmachen. Eigene Grenzen kennen und das Team befähigen, statt sich selbst zum Mittelpunkt zu machen.
  • Alle drei sind trainierbar. Aktives Zuhören, bewusste Wahrnehmung und ehrliche Selbstkenntnis sind die Hebel.

Die 3 Führungsqualitäten im Detail

1. Empathie. Empathie heißt nicht, einfach warmherzig oder rein gefühlsorientiert zu sein. Sie bezeichnet die Fähigkeit, sich in die Gefühle und vor allem in das Weltbild und die Gedanken einer anderen Person hineinzuversetzen – ein echtes Gefühl dafür zu entwickeln, was für sie real ist. Der Kern ist der Perspektivwechsel. Wichtig ist die Unterscheidung: Es geht nicht darum, wie du dich in der Situation des anderen fühlen würdest, sondern darum, aus seiner Perspektive zu schauen. Ein klassisches Beispiel sind extrovertierte und introvertierte Persönlichkeiten: Der Extrovertierte fragt „Warum fällt es dir so schwer, auf Leute zuzugehen?“, der Introvertierte „Warum kann der nicht einfach mal ruhig sein?“. Echte Empathie heißt, wirklich zu verstehen, wie der andere funktioniert und warum er so handelt. Daniel Goleman hat Empathie über die emotionale Intelligenz stark mit Führung verbunden. Üben kannst du sie mit aktivem Zuhören: Pausen aushalten (die meisten füllen unangenehme Stille sofort), echte, interessierte Fragen stellen und wirklich zuhören – statt schon an deine Antwort zu denken.

2. Achtsamkeit. Achtsamkeit (Mindfulness) hat nichts mit Schweigekloster oder tagelangem Meditieren zu tun – auch wenn man sie trainieren kann. Sie bedeutet, deine Umwelt, deinen Körper und deine emotionale Lage bewusst wahrzunehmen und nicht sofort darauf zu reagieren. Du lässt dich nicht von Gedankenströmen, Erinnerungen oder starken Emotionen mitreißen und bewertest deine Wahrnehmung nicht vorschnell. Viele Menschen sind von ihrer Umwelt getrieben – das erkennst du daran, wie jemand reagiert, wenn er beschimpft wird oder einen Fehler macht. Viktor Frankl bringt es auf den Punkt: Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. Genau dieser Raum ist Achtsamkeit – erst wahrnehmen, dann reagieren. So wirst du weniger situativ getrieben und kommst stärker in die Proaktivität. Das ist eine total unterschätzte, oft falsch eingeordnete Führungsqualität.

3. Demut. Demut hat nichts Religiöses und bedeutet nicht, sich kleinzureden oder sich für wertlos zu halten. Im Führungskontext geht es darum, dich selbst und deine Grenzen besser kennenzulernen: Wo sind deine Stärken, wo deine Schwächen, und wo endet dein Wissen? Du bist nicht allwissend – und kannst es auch nicht werden. Demut heißt, den Gedanken „Ich bin besser als andere“ hintanzustellen und eine dienende Ausrichtung zu haben. Du siehst dich nicht als Mittelpunkt des Geschehens, sondern als Dienstleister für Unternehmen, Kunden und Mitarbeiter – als ein Zahnrad im Ganzen, nicht als das Ganze. Wer sich selbst zentriert sieht, neigt zu Mikromanagement und Kontrolldrang. Die eigentliche Kunst besteht darin, das Team zu befähigen, sein Potenzial zu entfalten – das schaltet ganz andere Kreativitäts- und Leistungsniveaus frei. Damit steckt Demut tief in der Servant-Leadership-Philosophie.

Die dienende Haltung hinter Punkt 3 vertiefst du in Servant Leadership. Welche Attribute herausragende Führung sonst noch ausmachen, hörst du in Was macht eine gute Führungskraft aus. Und wie du aktives Zuhören und echten Perspektivwechsel in der Praxis umsetzt, zeigt Besser kommunizieren.

Häufige Fragen zu den Führungsqualitäten

Was sind die 3 wichtigsten Führungsqualitäten? Empathie, Achtsamkeit und Demut. Sie betreffen den menschlichen Kern von Führung – nicht die fachliche Kompetenz – und entscheiden darüber, wie wirksam du Menschen führst.

Was bedeutet Empathie in der Führung? Die Fähigkeit, sich in die Gefühlswelt und das Weltbild einer anderen Person hineinzuversetzen und aus ihrer Perspektive zu schauen – nicht aus der eigenen. Üben kannst du das mit aktivem Zuhören: Pausen aushalten, echte Fragen stellen, wirklich zuhören.

Was bedeutet Demut als Führungskraft? Die eigenen Grenzen zu kennen und eine dienende Haltung einzunehmen: sich als Dienstleister für Team, Kunden und Unternehmen zu verstehen statt als Mittelpunkt. Das Gegenteil – Selbstzentrierung – führt zu Mikromanagement und Kontrolldrang.

Kann man Führungsqualitäten lernen? Ja. Empathie trainierst du über aktives Zuhören und bewussten Perspektivwechsel, Achtsamkeit über bewusste Wahrnehmung (der Raum zwischen Reiz und Reaktion), Demut über ehrliche Selbstkenntnis und eine dienende Ausrichtung.

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Heute geht es um drei zentrale Führungsqualitäten. Wenn man über Führung und Führungsqualitäten spricht, ist das ein riesengroßes Feld. Ich möchte mich in dieser Folge bewusst auf den menschlichen Fokus konzentrieren, denn das Fachliche ist in einer Führungsrolle aus meiner Sicht zweitrangig – das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch der Status quo von Forschung und Managementliteratur. Drei Qualitäten möchte ich dir mitgeben, die dafür sorgen, dass du in der Führung effektiver bist. Egal, ob du schon Führungskraft bist oder es werden möchtest – das sind drei sehr wichtige Qualitäten. Alle drei Begriffe sind stark vorbelegt, deshalb definiere ich sie noch einmal richtig.

Der erste Begriff ist Empathie – eine essentielle Führungsqualität. Was heißt Empathie? In den letzten Jahrzehnten gab es eine große Bewegung rund um emotionale Intelligenz; Daniel Goleman war da ein Vorreiter und hat Empathie über die emotionale Führung stark mit Führung in Verbindung gebracht. Empathie heißt aber nicht, einfach warmherzig oder nur gefühlsorientiert zu sein. Empathie bezeichnet die Fähigkeit, sich in die Gefühle, aber vor allem in das Weltbild und die Gedanken einer anderen Person hineinzuversetzen – ein echtes Gefühl dafür zu entwickeln, was für die andere Person real ist. Der große Begriff dahinter ist Perspektivwechsel. Wichtig ist die Unterscheidung: Perspektivwechsel bedeutet nicht zu fragen, wie du dich in der Situation des anderen verhalten oder fühlen würdest, sondern dich wirklich in die Gefühlswelt und die Situation des anderen hineinzuversetzen und aus seiner Perspektive zu schauen.

Ein klassisches Beispiel, wo Empathie fehlt, sind extrovertierte und introvertierte Persönlichkeiten, wenn diese beiden Welten aufeinandertreffen. Der Extrovertierte sagt zum Introvertierten: „Warum fällt es dir so schwer, auf Leute zuzugehen oder einen Vortrag zu halten? Das kann doch nicht so schwer sein, mach einfach.“ Und umgekehrt sagt der Introvertierte: „Warum kann der nicht einfach mal ruhig sein, warum muss er ständig Smalltalk machen?“ Erst wenn sich der Introvertierte wirklich in den Extrovertierten hineinversetzt und versteht, warum er so handelt – und umgekehrt der Extrovertierte versteht, was Introversion bedeutet –, entsteht eine viel tiefere Ebene. Empathie kann man lernen, üben und weiterentwickeln, gerade diesen Perspektivwechsel.

Eine konkrete Übung dafür ist aktives Zuhören. Achte in der nächsten Unterhaltung bewusst darauf. Zwei, drei kurze Inputs dazu: Was die meisten Leute nicht aushalten, ist eine Pause. Beide Parteien haben oft das Verlangen, eine unangenehme Stille sofort zu füllen. Aktives Zuhören bedeutet unter anderem, diese Pausen auszuhalten und dem Gegenüber Raum zum Nachdenken zu geben. Zweitens: echte Fragen stellen, ehrliches Interesse zeigen und wirklich zuhören – und nicht währenddessen schon über deine nächste Antwort nachdenken. Das ist ein schwieriges Thema, das man üben muss. Nimm dich dabei selbst komplett heraus und versuche wirklich, dich in das Weltbild und die Gedanken der anderen Person hineinzuversetzen.

Punkt Nummer zwei ist Achtsamkeit – im Englischen Mindfulness. Auch dieser Begriff ist für viele vorbelegt: Sie haben sofort einen Meditationskurs oder ein zehntägiges Schweigekloster im Kopf. Damit hat Achtsamkeit nichts zu tun – auch wenn man sie trainieren kann. Achtsamkeit bedeutet, die Außenwelt, deinen Körper und deine emotionale Lage wahrzunehmen und nicht sofort darauf zu reagieren. Du lässt dich nicht von Gedankenströmen, Erinnerungen, Fantasien oder starken Emotionen ablenken und bewertest deine Wahrnehmung nicht vorschnell. Das klingt abstrakt, aber viele Menschen sind durch Umwelt und Umstände getrieben. Das erkennst du daran, wenn jemand einen Fehler macht oder beschimpft wird und seine emotionale Welt ihn sofort übermannt.

Einen Umsetzungstipp dazu: Schau dir das Buch Search Inside Yourself an. Es stammt von einem Google-Mitarbeiter, der dort ein internes Entwicklungs- und Trainingsprogramm für viele Mitarbeiter und Führungskräfte aufgebaut hat; das Buch extrahiert die Inhalte dieses Programms. Schon daran erkennt man: Das ist kein spiritueller Kram, sondern ein Thema für deine Performance als Führungskraft – um Situationen bewusster wahrzunehmen und weniger situativ auf die Umwelt zu reagieren. Viktor Frankl, der unglaublich beeindruckende Psychologe, der das Konzentrationslager überlebt und ein großartiges Buch geschrieben hat, sagt: Zwischen Reiz und Reaktion gibt es immer einen Raum. Genau das ist Achtsamkeit – erst wahrnehmen, dann reagieren. Wenn du nach diesem Podcast in verschiedenen Situationen darauf achtest, wirst du merken, wie oft wir von unseren Umständen getrieben sind. Achtsamer zu werden heißt, nicht mehr so getrieben zu sein, sondern in die Proaktivität zu gehen. Die Forschung zu Achtsamkeit steht noch am Anfang, aber es kristallisiert sich heraus, wie wichtig und unterschätzt sie ist.

Punkt Nummer drei ist Demut. Auch hier haben viele sofort etwas Religiöses im Kopf. Demut und Bescheidenheit bedeuten aber nicht, vorzugeben, nichts zu wissen, sanftmütig zu sein oder sich kleinzureden und zu sagen „Ich bin wertlos“. Damit hat es nichts zu tun. Bei Demut im Führungskontext geht es darum, dich selbst besser kennenzulernen und deine Grenzen zu verstehen: Wo sind deine Stärken, wo deine Schwächen? Und zu wissen: Du bist nicht allwissend und kannst es auch nicht werden. Diesen Glauben „Ich bin besser als andere“ gilt es hintanzustellen. Demut in der Führung bedeutet eine dienende Ausrichtung: Man sieht sich selbst nicht als Mittelpunkt des Geschehens, sondern als Dienstleister für das Unternehmen, die Kunden und die Mitarbeiter – um die Mitarbeiter zu befähigen, bessere Ergebnisse zu liefern, damit die Kunden mehr Mehrwert haben. Das ist der Grundgedanke von Wirtschaft, und zwar in dieser Reihenfolge.

Eine Führungskraft, die sich selbst als Mittelpunkt sieht, betreibt häufig Mikromanagement und will alles kontrollieren – das liegt daran, dass diese Qualität noch nicht ausgebaut ist. Demut heißt zu verstehen, welche Rolle man im Ganzen einnimmt: dass man ein Zahnrad ist und nicht das Ganze. Wer das nicht verinnerlicht, wird langfristig nicht erfolgreich führen. Denn die Kunst besteht darin, das Team zu befähigen, seine Potenziale zu entfalten – um ganz andere Kreativitätslevel freizuschalten und die Teamleistung zu steigern. In modernen Unternehmen ist das längst gang und gäbe, und es steckt auch tief in der Servant-Leadership-Philosophie.

Fassen wir zusammen: Punkt eins ist Empathie – willst du tiefer einsteigen, schau dir das Thema emotionale Intelligenz und emotionale Führung an. Punkt zwei ist Achtsamkeit, noch viel jünger als Forschungsfeld. Und Punkt drei ist Demut. Wenn du gerade vor der Herausforderung stehst, in die Führung zu gehen, oder dich als Führungskraft weiterentwickeln willst, dann setze diese drei Qualitäten unmittelbar in der Praxis um. Das soll es für diese Folge gewesen sein. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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