Selbstbestimmt arbeiten: wie du mehr Autonomie im Job gewinnst

Selbstbestimmt zu arbeiten ist für viele ambitionierte Ingenieure der größte Wunsch. Fremdbestimmt zu sein fühlt sich dagegen für viele wie ein Gefängnis an.

Das Spannende: Mehr Selbstbestimmung hängt nicht nur an deinem Umfeld. Sie hängt vor allem an einer Kompetenz, die du heute schon trainieren kannst – dem Mut, Grenzen zu setzen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Selbstbestimmt arbeiten ist eine Kompetenz, kein Zufall. Viele fühlen sich fremdbestimmt, obwohl sie heute schon selbstbestimmter arbeiten könnten.
  • Der Schlüssel heißt: Grenzen setzen. Wer keine Grenzen zieht, lässt andere über die eigene Zeit bestimmen.
  • Niemand wird aufhören, deine Zeit in Anspruch zu nehmen. Du selbst bist dafür verantwortlich, wo deine Grenzen liegen.
  • Ambition und Grenzen schließen sich nicht aus. Du darfst die Extra-Meile gehen – nach deinen eigenen Spielregeln, nicht nach denen anderer.
  • Selbstbestimmte Intensität macht Freude, fremdbestimmte Intensität macht krank. Derselbe Aufwand wirkt völlig anders, je nachdem, ob du dich selbst dafür entscheidest.
  • Die Angst vor dem Nein ist meist unbegründet. Meistens passiert nichts, und niemand hält dich für einen schlechten Performer.

Selbstbestimmt arbeiten im Detail

Fremdbestimmung ist für viele ein riesiger Demotivator. Immer wenn ich mit ambitionierten Ingenieurinnen und Ingenieuren spreche, taucht derselbe Wunsch auf: beruflich vorankommen und dabei noch selbstbestimmter arbeiten. Was ich dabei festgestellt habe: Das hat nicht nur mit deinem Unternehmen und deinen aktuellen Aufgaben zu tun. Es hat vor allem mit einer Kompetenz zu tun, die du mitbringen kannst – dem Mut, Grenzen zu setzen.

Die Geschichte aus „Lean In“. Sheryl Sandberg beschreibt ihren Berufseinstieg Mitte der Neunziger bei McKinsey im Büro in Washington, D.C. Der Leiter dieses Büros berief eines Tages eine Versammlung ein, um etwas zu verkünden. Er hatte beobachtet, dass der Hauptgrund für Kündigungen Burnout war: Die Leute waren überarbeitet, müde von langen Arbeitstagen und vielen Reisen, und oft voller Frust. Was er nicht verstehen konnte: Alle, die gekündigt hatten, hatten ungenutzte Urlaubstage übrig – Zeit, die sie sich hätten nehmen können, um auszusteigen und sich zu erholen. Keiner hat es getan. Alle taten genau das, was das Unternehmen von ihnen verlangte.

Seine Botschaft. Das Unternehmen wird niemals aufhören, eure Zeit in Anspruch zu nehmen. Ihr seid dafür verantwortlich, Grenzen zu setzen. Er ermutigte alle, die Kontrolle über die eigene Zeit und die eigene Karriere zu übernehmen. Denn jeder muss für sich selbst entscheiden, wo die eigenen Grenzen liegen.

Warum diese Geschichte so viele trifft. Gerade beim Berufseinstieg erkennen sich viele darin wieder. Du bist froh, überhaupt einen Job zu haben. Du stürzt dich rein und denkst: Urlaub mache ich später, ausruhen kann ich mich, wenn ich in Rente bin. Genau so entsteht die Gefahr, irgendwann völlig übermüdet und erschöpft die Reißleine ziehen zu müssen – ohne einen einzigen Urlaubstag genutzt zu haben.

Selbstbestimmt versus fremdbestimmt. Hier liegt der entscheidende Unterschied. Es ist vollkommen in Ordnung, Vollgas zu geben, wenn du dich selbst dafür entscheidest. Problematisch wird es, wenn du das Gefühl hast: Ich habe keine Wahl, ich bin fremdbestimmt, und es wird einfach zu viel von mir verlangt. Adam Grant erzählt in Geben und Nehmen von einer Frau, die nahe am Burnout war, weil sie sich fremdbestimmt fühlte. Sie übernahm zusätzlich ein eigenes Projekt – sie betreute bedürftige Kinder. Sie machte also mehr, nicht weniger. Aber weil dieses Engagement selbstbestimmt war, gab es ihr Energie und Freude statt sie auszulaugen.

Stell dir die ehrliche Frage. Wie fühlst du dich in deinem aktuellen Umfeld? Bist du schon selbstbestimmt unterwegs, oder eher fremdbestimmt? Und falls fremdbestimmt: Wie viel davon liegt am Umfeld – und wie viele Möglichkeiten hast du eigentlich, selbst Grenzen zu setzen? Man unterschätzt das oft. Hinter dem ausbleibenden Nein steckt meist Angst: die Sorge, andere könnten dich als jemanden entlarven, der nicht alles gibt. Dabei passiert in den meisten Fällen gar nichts. Die Aufgabe übernimmt jemand anderes, und niemand hält dich für böse, weil du eine Grenze gezogen hast.

Teste es in kleinen Schritten. Wenn bei dir alles im grünen Bereich ist und das Vollgas einfach Spaß macht – wunderbar, dann weiter so. Aber wenn du ungern Urlaubstage nimmst, weil du das Team nicht im Stich lassen willst, und sich das Ganze fremdbestimmt anfühlt, dann solltest du das hinterfragen. Frag dich: Was wäre ein erster kleiner Schritt? Schau dir auch alle deine Lebensbereiche an – Familie, Freunde, Hobbys, Themen, die dich begeistern. Schlummert dort eine versteckte Unzufriedenheit, ein Frust, der früher oder später zum Vorschein kommt?

Dient deine Arbeit deinem Leben – oder dein Leben deiner Arbeit? Das ist die Kernfrage. Bei Fremdbestimmung hast du das Gefühl, dein ganzes Leben drehe sich nur ums Arbeiten – und es macht dich nie wirklich glücklich. Es ist verrückt, wie viele Menschen im Berufsleben unglücklich sind, weil sie sich fremdbestimmt fühlen und nicht nach ihren eigenen Bedürfnissen und Werten leben. Sich damit auseinanderzusetzen ist ein Prozess. Ambition ist gut, intensive Phasen sind etwas, worauf du stolz sein darfst. Die Gefahr liegt allein darin, dass wichtige Beziehungen den Bach runtergehen und du es später bereust. Bleib dir selbst treu – das führt langfristig nicht nur zu mehr Zufriedenheit, sondern auch zu mehr Erfolg.

Wenn du beim Thema Grenzen ansetzen willst, helfen dir verwandte Folgen weiter: Reflektiere zuerst, was dir wirklich wichtig ist und wo du fremdbestimmt bist, mit der Idee der Selbstbestimmung und besseren Entscheidungen. Wer die Kontrolle über die eigene Zeit zurückgewinnen will, findet konkrete Hebel im Selbstmanagement und in der Frage, wie du die richtigen Prioritäten setzt, statt nur effizient zu sein. Und wenn dich der Job innerlich auslaugt, weil zu viel Routine und Frust mitschwingen, hilft die Folge über Monotonie im Job und den Weg raus aus dem Mittelmaß.

Häufige Fragen zum selbstbestimmten Arbeiten

Was bedeutet selbstbestimmt arbeiten? Selbstbestimmt arbeiten heißt, nach den eigenen Spielregeln zu handeln statt nach denen anderer. Du entscheidest selbst, wo deine Grenzen liegen, und übernimmst die Kontrolle über deine Zeit und deine Karriere – statt sie vollständig von Umfeld und Vorgesetzten bestimmen zu lassen.

Wie kann ich heute schon selbstbestimmter arbeiten? Indem du die Kompetenz trainierst, Grenzen zu setzen. Niemand wird von sich aus aufhören, deine Zeit in Anspruch zu nehmen – das ist deine Verantwortung. Fang in kleinen Schritten an: Lehne eine zusätzliche Aufgabe ab, wenn dein Zeitkontingent voll ist, oder nimm einen Urlaubstag, den du dir verdient hast.

Warum laufen ambitionierte Menschen so oft in den Burnout? Weil sie die Extra-Meile gehen wollen, sich aber nicht trauen, Grenzen zu setzen. Sie lassen ungenutzte Urlaubstage verfallen und arbeiten, bis sie völlig erschöpft sind. Der Kern des Problems ist meist die Angst, als jemand zu gelten, der nicht alles gibt.

Ist es schlimm, viel zu arbeiten und Vollgas zu geben? Nein – wenn es selbstbestimmt geschieht. Viel zu arbeiten ist völlig in Ordnung, solange du dich selbst dafür entscheidest. Krank macht nicht der Aufwand an sich, sondern das Gefühl, fremdbestimmt zu sein und keine Wahl zu haben.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Sheryl Sandberg – Lean In: Quelle der Geschichte über McKinsey und ungenutzte Urlaubstage – ein starkes Plädoyer dafür, die Verantwortung für die eigenen Grenzen zu übernehmen.
  • Adam Grant – Geben und Nehmen: zeigt am Beispiel einer überlasteten Frau, warum selbstbestimmtes Engagement Energie gibt, während fremdbestimmte Arbeit auslaugt.

Weitere Buchempfehlungen findest du in meiner Bibliothek für Ingenieure.

Mehr zum Thema

Mehr Impulse rund um Selbstreflexion, Mut und Selbstbestimmung findest du im Hub Persönlichkeit.

Transkript

Herzlich willkommen zu Podcast-Folge Nummer 85: Wie du selbstbestimmter arbeitest.

Selbstbestimmtes Arbeiten war für mich immer schon und ist es bis heute besonders wichtig. Das zieht sich durch mein gesamtes Berufsleben. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist – aber fremdbestimmt zu sein, ist für mich ein unfassbar großer Demotivator. Und so geht es ganz vielen Menschen.

Immer wenn ich mit ambitionierten Persönlichkeiten spreche, mit ambitionierten Ingenieurinnen und Ingenieuren, dann ist das ein großer Wunsch: sich beruflich zu entwickeln, um noch selbstbestimmter zu arbeiten. Was ich persönlich festgestellt und immer wieder mitbekommen habe: Das Ganze hat nicht nur etwas mit dem Umfeld zu tun, also mit dem Unternehmen und deinen aktuellen Aufgaben. Es ist auch eine ganz wichtige Kompetenz, die du mitbringen kannst, um heute schon selbstbestimmter zu arbeiten – und zwar die Kompetenz, Grenzen zu setzen.

Ich teile gleich eine Story, die ich gerade gelesen habe und die ich sehr spannend fand und die gut hierzu passt. Viele sind fremdbestimmt oder fühlen sich fremdbestimmt, obwohl sie es gar nicht sein müssten – obwohl sie eigentlich schon heute selbstbestimmter arbeiten könnten. Denn es hat viel damit zu tun, den Mut aufzubringen, Grenzen zu setzen.

Man bewegt sich da immer zwischen zwei Welten: auf der einen Seite sehr ambitioniert sein und die Extra-Meile gehen wollen. Aber genau da liegt die Gefahr, sich Richtung Burnout und Frust zu bewegen, wenn man das Ganze falsch angeht.

In dem Buch „Lean In“ von Sheryl Sandberg habe ich eine Geschichte gelesen, die ich sehr spannend fand und in der sich viele wiederfinden können. Sheryl Sandberg hat ihren Berufseinstieg Mitte der Neunziger bei McKinsey gemacht, im Büro in Washington, D.C., in den USA. Dort gab es den Leiter dieses Büros. McKinsey ist, wie du wahrscheinlich weißt, ein großes Beratungsunternehmen.

Eines Tages berief der Leiter dieses Büros ein Meeting ein, eine Versammlung, und wollte etwas verkünden. Er war derjenige, der das Office verantwortete. Die Personen, die in den letzten Monaten gekündigt hatten, kamen immer zu ihm. Und er hatte festgestellt: Der Hauptgrund, warum Menschen kündigen, ist Burnout. Die Leute sind überarbeitet, müde von langen Arbeitstagen und von vielen Reisen, und oft voller Frust. Er konnte das alles nachvollziehen. Wenn er ihnen ins Gesicht schaute, sah er die Müdigkeit, die Überarbeitung, den Burnout – alles unglaublich ambitionierte Leute.

Was er aber nicht verstehen konnte: Wirklich alle, die gekündigt hatten, hatten ungenutzte Urlaubstage. Sie hatten Überstunden und übrige Urlaubstage, die sie hätten nutzen können, um sich eine Auszeit zu nehmen. Aber keiner hat es getan. Alle haben das getan, was McKinsey von ihnen verlangte.

Und er sagte: McKinsey wird niemals aufhören, eure Zeit in Anspruch zu nehmen. Ihr seid dafür verantwortlich, Grenzen zu setzen. Er ermutigte alle in diesem Meeting, Grenzen zu setzen, um die Kontrolle über die eigene Zeit und die eigene Karriere zu übernehmen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wo die eigenen Grenzen liegen.

Ich weiß nicht, wie es dir geht. Ich persönlich habe mich gerade rund um meinen Berufseinstieg sehr in dieser Story wiedererkannt. Genauso hätte es mir auch passieren können: völlig überarbeitet zu sein, keinen einzigen Urlaubstag zu nutzen und am Ende so ermüdet und erschöpft zu sein, dass ich die Reißleine ziehen muss. So ging es diesen Leuten, und so geht es ganz vielen ambitionierten Persönlichkeiten, die die Extra-Meile gehen wollen – gerade, wenn sie Vorgesetzte haben, die sehr viel verlangen, und sich nicht trauen, den Mut aufzubringen, Grenzen zu setzen und zu sagen: Nein, das passt gerade nicht, ich nehme mir jetzt Urlaub.

Das war auch die Botschaft aus der Story von Sheryl Sandberg: Sie ermutigt jeden, Grenzen zu setzen – langfristig nicht nur für die Zufriedenheit, sondern auch für den Erfolg, wenn man sich selbst treu bleibt. Man kann ambitioniert sein und die Extra-Meile gehen und trotzdem in einem gesunden Rahmen bleiben, nach den eigenen Spielregeln spielen und nicht nach den Spielregeln anderer Leute. Das ist unglaublich einfach gesagt und schwer umzusetzen.

Gerade beim Berufseinstieg sind viele froh, überhaupt einen Job zu haben, und stürzen sich rein in die Arbeitswelt: Urlaub nehme ich später, ausruhen kann ich mich, wenn ich in Rente bin. Ich kann nur sagen: Es ist etwas, das jeder mit der Zeit für sich selbst herausfinden muss – wo die eigenen Grenzen liegen.

Eine Übung, die ich auch gerne in Workshops mit den Menschen mache, die ich begleite: sich alle Lebensbereiche anzuschauen. Welche Lebensbereiche hast du – Familie, Freunde, Hobbys, andere Themen, die dich begeistern? Und dann zu schauen: Schlummert da eine versteckte Unzufriedenheit, ein Frust, der kurz oder lang zum Vorschein kommt?

Ich rede immer wieder mit Leuten – gerade neulich hatte ich das Thema in einem Workshop: berufsbegleitendes Studium. Also Vollgas im Job beim Berufseinstieg, alles geben wollen, und dann noch ein berufsbegleitendes Studium dranhängen und am besten noch die Eins-Komma-Null holen. Die Gefahr liegt darin, dass man irgendwann das Gefühl hat, Freunde und andere wichtige Beziehungen gehen den Bach runter, und dass man das später bereuen würde.

Solche Phasen wird es immer geben. Wer ambitioniert ist, hat das, und das macht auch Sinn. Auf diese Ambition kann man stolz sein und sie in intensive Phasen umsetzen. Ich habe das selbst in meinem berufsbegleitenden Masterstudium erlebt und habe mich vollkommen reingestürzt. Die Gefahr ist nur das, was er in seiner Story beschreibt: dass man irgendwann so übermüdet ist und feststellt: Hey, ich habe keinen Urlaubstag genutzt.

Und damit komme ich zum ursprünglichen Thema: Es ist in Ordnung, wenn man das selbstbestimmt macht – wenn man sich selbst dafür entscheidet, Vollgas zu geben. Wenn man aber das Gefühl hat, ich habe keine Wahl, ich bin hier fremdbestimmt und es wird so viel von mir verlangt, dann ist die Gefahr groß, dass es krank machen kann.

Dazu gibt es eine spannende Story von Adam Grant aus dem Buch „Geben und Nehmen“. Er beschreibt eine Frau, die nahe am Burnout ist, weil sie sich fremdbestimmt fühlt – überarbeitet, voller Frust. Sie hätte gerne ihre Energie für andere Dinge verwendet. Es war sogar so, dass diese Frau dann ein Zusatzprojekt übernommen hat, etwas aus einem ganz anderen Bereich: Sie hat bedürftige Kinder betreut. Sie hat also noch mehr gemacht. Aber weil sie dabei selbstbestimmt war, hat ihr das Freude und Energie gegeben.

Viel zu arbeiten hat also immer damit zu tun, ob es fremdbestimmt oder selbstbestimmt ist. Fremdbestimmtes ist das Krankmachende. Frag dich selbst mal: Wie fühlst du dich heute? In deinem aktuellen Umfeld – bist du schon sehr selbstbestimmt unterwegs, oder bist du fremdbestimmt? Und wenn du fremdbestimmt bist: Wie viel Anteil hat das Umfeld, und wie viele Möglichkeiten hast du eigentlich, eigene Grenzen zu setzen?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Man unterschätzt das oft. Es ist die Angst, zu sagen: Nein, das passt mir gerade nicht, ich setze hier meine Grenze, dieses zusätzliche Projekt oder diese Aufgabe kann ich nicht machen, weil mein Zeitkontingent begrenzt ist. Meistens passiert dann gar nichts. Die Aufgabe übernimmt jemand anderes, und keiner ist böse, weil man Grenzen setzt. Aber oft herrscht diese Angst, dass die anderen einen entlarven als jemanden, der nicht alles gibt. Und genau da möchte ich dich ermutigen, es einfach zu testen und Grenzen zu setzen – in kleinen Schritten.

Wenn du gerade zuhörst und das Gefühl hast, alles ist im grünen Bereich, du bist selbstbestimmt unterwegs und es macht einfach Spaß, Gas zu geben – dann weiter so, dann ist das kein Thema. Aber wenn du nach dieser Story aus dem Buch von Sheryl Sandberg das Gefühl hast, du nimmst ungern Urlaubstage oder Freizeit, weil du das Team nicht im Stich lassen willst, oder du gehst die Extra-Meile, fühlst dich aber fremdbestimmt, dann ist das etwas, was du infragestellen solltest.

Das Buch „Lean In“ von Sheryl Sandberg hat einige spannende Punkte. Es wurde mir vor einiger Zeit von einer ambitionierten Ingenieurin empfohlen, die ich begleitet habe – eine sehr wertvolle Empfehlung. Ich kann jedem nur ans Herz legen, sich dieses Buch anzuschauen und sich mit diesen Themen zu befassen.

Um es zusammenzufassen: Es geht um das Thema selbstbestimmt versus fremdbestimmt. Wenn du das Gefühl hast, es würde dir guttun, mal Grenzen zu setzen, aber du findest den Mut nicht – dann versuch es in kleinen Schritten. Was könnte eine erste kleine Möglichkeit sein? Schau auch mal hier im Podcast: Ich habe schon einiges zum Thema Neinsagen, zum Thema Angst überwinden und Mut aufbringen gesagt. Da sind viele Tipps dabei.

Ich kann dich nur ermutigen, mal die Kontrolle zu übernehmen und dich zu fragen: Wie würde es eigentlich aussehen, wenn ich es selbst gestalten würde? Es ist verrückt, wie viele Menschen im Berufsleben unglücklich sind, weil sie das Gefühl haben, sie sind fremdbestimmt und leben nicht nach ihren eigenen Bedürfnissen und Werten. Sich damit überhaupt erst auseinanderzusetzen, ist ein Prozess – und dann sich auch zuzutrauen, etwas zu ändern.

Ich habe vor Kurzem dazu auch einen Beitrag geschrieben, zum Thema: Dient deine Arbeit deinem Leben, oder dient dein Leben deiner Arbeit? Oft ist es bei Fremdbestimmung so, dass sich dein ganzes Leben nur ums Arbeiten dreht – und es macht dich nie wirklich glücklich. Andersrum ist es definitiv wertvoller. Das solltest du für dich persönlich infragestellen. Kleine Schritte helfen. Mach ein kleines Brainstorming: Was könnten kleine mögliche Schritte sein, da rauszukommen?

Das soll es für diese Folge gewesen sein – ein kleiner Impuls. Ich hoffe, du konntest etwas mitnehmen, und ich hoffe, du traust dich.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Selbstbestimmt arbeiten: wie du mehr Autonomie im Job gewinnst

Selbstbestimmt zu arbeiten ist für viele ambitionierte Ingenieure der größte Wunsch. Fremdbestimmt zu sein fühlt sich dagegen für viele wie ein Gefängnis an.

Das Spannende: Mehr Selbstbestimmung hängt nicht nur an deinem Umfeld. Sie hängt vor allem an einer Kompetenz, die du heute schon trainieren kannst – dem Mut, Grenzen zu setzen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Selbstbestimmt arbeiten ist eine Kompetenz, kein Zufall. Viele fühlen sich fremdbestimmt, obwohl sie heute schon selbstbestimmter arbeiten könnten.
  • Der Schlüssel heißt: Grenzen setzen. Wer keine Grenzen zieht, lässt andere über die eigene Zeit bestimmen.
  • Niemand wird aufhören, deine Zeit in Anspruch zu nehmen. Du selbst bist dafür verantwortlich, wo deine Grenzen liegen.
  • Ambition und Grenzen schließen sich nicht aus. Du darfst die Extra-Meile gehen – nach deinen eigenen Spielregeln, nicht nach denen anderer.
  • Selbstbestimmte Intensität macht Freude, fremdbestimmte Intensität macht krank. Derselbe Aufwand wirkt völlig anders, je nachdem, ob du dich selbst dafür entscheidest.
  • Die Angst vor dem Nein ist meist unbegründet. Meistens passiert nichts, und niemand hält dich für einen schlechten Performer.

Selbstbestimmt arbeiten im Detail

Fremdbestimmung ist für viele ein riesiger Demotivator. Immer wenn ich mit ambitionierten Ingenieurinnen und Ingenieuren spreche, taucht derselbe Wunsch auf: beruflich vorankommen und dabei noch selbstbestimmter arbeiten. Was ich dabei festgestellt habe: Das hat nicht nur mit deinem Unternehmen und deinen aktuellen Aufgaben zu tun. Es hat vor allem mit einer Kompetenz zu tun, die du mitbringen kannst – dem Mut, Grenzen zu setzen.

Die Geschichte aus „Lean In“. Sheryl Sandberg beschreibt ihren Berufseinstieg Mitte der Neunziger bei McKinsey im Büro in Washington, D.C. Der Leiter dieses Büros berief eines Tages eine Versammlung ein, um etwas zu verkünden. Er hatte beobachtet, dass der Hauptgrund für Kündigungen Burnout war: Die Leute waren überarbeitet, müde von langen Arbeitstagen und vielen Reisen, und oft voller Frust. Was er nicht verstehen konnte: Alle, die gekündigt hatten, hatten ungenutzte Urlaubstage übrig – Zeit, die sie sich hätten nehmen können, um auszusteigen und sich zu erholen. Keiner hat es getan. Alle taten genau das, was das Unternehmen von ihnen verlangte.

Seine Botschaft. Das Unternehmen wird niemals aufhören, eure Zeit in Anspruch zu nehmen. Ihr seid dafür verantwortlich, Grenzen zu setzen. Er ermutigte alle, die Kontrolle über die eigene Zeit und die eigene Karriere zu übernehmen. Denn jeder muss für sich selbst entscheiden, wo die eigenen Grenzen liegen.

Warum diese Geschichte so viele trifft. Gerade beim Berufseinstieg erkennen sich viele darin wieder. Du bist froh, überhaupt einen Job zu haben. Du stürzt dich rein und denkst: Urlaub mache ich später, ausruhen kann ich mich, wenn ich in Rente bin. Genau so entsteht die Gefahr, irgendwann völlig übermüdet und erschöpft die Reißleine ziehen zu müssen – ohne einen einzigen Urlaubstag genutzt zu haben.

Selbstbestimmt versus fremdbestimmt. Hier liegt der entscheidende Unterschied. Es ist vollkommen in Ordnung, Vollgas zu geben, wenn du dich selbst dafür entscheidest. Problematisch wird es, wenn du das Gefühl hast: Ich habe keine Wahl, ich bin fremdbestimmt, und es wird einfach zu viel von mir verlangt. Adam Grant erzählt in Geben und Nehmen von einer Frau, die nahe am Burnout war, weil sie sich fremdbestimmt fühlte. Sie übernahm zusätzlich ein eigenes Projekt – sie betreute bedürftige Kinder. Sie machte also mehr, nicht weniger. Aber weil dieses Engagement selbstbestimmt war, gab es ihr Energie und Freude statt sie auszulaugen.

Stell dir die ehrliche Frage. Wie fühlst du dich in deinem aktuellen Umfeld? Bist du schon selbstbestimmt unterwegs, oder eher fremdbestimmt? Und falls fremdbestimmt: Wie viel davon liegt am Umfeld – und wie viele Möglichkeiten hast du eigentlich, selbst Grenzen zu setzen? Man unterschätzt das oft. Hinter dem ausbleibenden Nein steckt meist Angst: die Sorge, andere könnten dich als jemanden entlarven, der nicht alles gibt. Dabei passiert in den meisten Fällen gar nichts. Die Aufgabe übernimmt jemand anderes, und niemand hält dich für böse, weil du eine Grenze gezogen hast.

Teste es in kleinen Schritten. Wenn bei dir alles im grünen Bereich ist und das Vollgas einfach Spaß macht – wunderbar, dann weiter so. Aber wenn du ungern Urlaubstage nimmst, weil du das Team nicht im Stich lassen willst, und sich das Ganze fremdbestimmt anfühlt, dann solltest du das hinterfragen. Frag dich: Was wäre ein erster kleiner Schritt? Schau dir auch alle deine Lebensbereiche an – Familie, Freunde, Hobbys, Themen, die dich begeistern. Schlummert dort eine versteckte Unzufriedenheit, ein Frust, der früher oder später zum Vorschein kommt?

Dient deine Arbeit deinem Leben – oder dein Leben deiner Arbeit? Das ist die Kernfrage. Bei Fremdbestimmung hast du das Gefühl, dein ganzes Leben drehe sich nur ums Arbeiten – und es macht dich nie wirklich glücklich. Es ist verrückt, wie viele Menschen im Berufsleben unglücklich sind, weil sie sich fremdbestimmt fühlen und nicht nach ihren eigenen Bedürfnissen und Werten leben. Sich damit auseinanderzusetzen ist ein Prozess. Ambition ist gut, intensive Phasen sind etwas, worauf du stolz sein darfst. Die Gefahr liegt allein darin, dass wichtige Beziehungen den Bach runtergehen und du es später bereust. Bleib dir selbst treu – das führt langfristig nicht nur zu mehr Zufriedenheit, sondern auch zu mehr Erfolg.

Wenn du beim Thema Grenzen ansetzen willst, helfen dir verwandte Folgen weiter: Reflektiere zuerst, was dir wirklich wichtig ist und wo du fremdbestimmt bist, mit der Idee der Selbstbestimmung und besseren Entscheidungen. Wer die Kontrolle über die eigene Zeit zurückgewinnen will, findet konkrete Hebel im Selbstmanagement und in der Frage, wie du die richtigen Prioritäten setzt, statt nur effizient zu sein. Und wenn dich der Job innerlich auslaugt, weil zu viel Routine und Frust mitschwingen, hilft die Folge über Monotonie im Job und den Weg raus aus dem Mittelmaß.

Häufige Fragen zum selbstbestimmten Arbeiten

Was bedeutet selbstbestimmt arbeiten? Selbstbestimmt arbeiten heißt, nach den eigenen Spielregeln zu handeln statt nach denen anderer. Du entscheidest selbst, wo deine Grenzen liegen, und übernimmst die Kontrolle über deine Zeit und deine Karriere – statt sie vollständig von Umfeld und Vorgesetzten bestimmen zu lassen.

Wie kann ich heute schon selbstbestimmter arbeiten? Indem du die Kompetenz trainierst, Grenzen zu setzen. Niemand wird von sich aus aufhören, deine Zeit in Anspruch zu nehmen – das ist deine Verantwortung. Fang in kleinen Schritten an: Lehne eine zusätzliche Aufgabe ab, wenn dein Zeitkontingent voll ist, oder nimm einen Urlaubstag, den du dir verdient hast.

Warum laufen ambitionierte Menschen so oft in den Burnout? Weil sie die Extra-Meile gehen wollen, sich aber nicht trauen, Grenzen zu setzen. Sie lassen ungenutzte Urlaubstage verfallen und arbeiten, bis sie völlig erschöpft sind. Der Kern des Problems ist meist die Angst, als jemand zu gelten, der nicht alles gibt.

Ist es schlimm, viel zu arbeiten und Vollgas zu geben? Nein – wenn es selbstbestimmt geschieht. Viel zu arbeiten ist völlig in Ordnung, solange du dich selbst dafür entscheidest. Krank macht nicht der Aufwand an sich, sondern das Gefühl, fremdbestimmt zu sein und keine Wahl zu haben.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Sheryl Sandberg – Lean In: Quelle der Geschichte über McKinsey und ungenutzte Urlaubstage – ein starkes Plädoyer dafür, die Verantwortung für die eigenen Grenzen zu übernehmen.
  • Adam Grant – Geben und Nehmen: zeigt am Beispiel einer überlasteten Frau, warum selbstbestimmtes Engagement Energie gibt, während fremdbestimmte Arbeit auslaugt.

Weitere Buchempfehlungen findest du in meiner Bibliothek für Ingenieure.

Mehr zum Thema

Mehr Impulse rund um Selbstreflexion, Mut und Selbstbestimmung findest du im Hub Persönlichkeit.

Transkript

Herzlich willkommen zu Podcast-Folge Nummer 85: Wie du selbstbestimmter arbeitest.

Selbstbestimmtes Arbeiten war für mich immer schon und ist es bis heute besonders wichtig. Das zieht sich durch mein gesamtes Berufsleben. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist – aber fremdbestimmt zu sein, ist für mich ein unfassbar großer Demotivator. Und so geht es ganz vielen Menschen.

Immer wenn ich mit ambitionierten Persönlichkeiten spreche, mit ambitionierten Ingenieurinnen und Ingenieuren, dann ist das ein großer Wunsch: sich beruflich zu entwickeln, um noch selbstbestimmter zu arbeiten. Was ich persönlich festgestellt und immer wieder mitbekommen habe: Das Ganze hat nicht nur etwas mit dem Umfeld zu tun, also mit dem Unternehmen und deinen aktuellen Aufgaben. Es ist auch eine ganz wichtige Kompetenz, die du mitbringen kannst, um heute schon selbstbestimmter zu arbeiten – und zwar die Kompetenz, Grenzen zu setzen.

Ich teile gleich eine Story, die ich gerade gelesen habe und die ich sehr spannend fand und die gut hierzu passt. Viele sind fremdbestimmt oder fühlen sich fremdbestimmt, obwohl sie es gar nicht sein müssten – obwohl sie eigentlich schon heute selbstbestimmter arbeiten könnten. Denn es hat viel damit zu tun, den Mut aufzubringen, Grenzen zu setzen.

Man bewegt sich da immer zwischen zwei Welten: auf der einen Seite sehr ambitioniert sein und die Extra-Meile gehen wollen. Aber genau da liegt die Gefahr, sich Richtung Burnout und Frust zu bewegen, wenn man das Ganze falsch angeht.

In dem Buch „Lean In“ von Sheryl Sandberg habe ich eine Geschichte gelesen, die ich sehr spannend fand und in der sich viele wiederfinden können. Sheryl Sandberg hat ihren Berufseinstieg Mitte der Neunziger bei McKinsey gemacht, im Büro in Washington, D.C., in den USA. Dort gab es den Leiter dieses Büros. McKinsey ist, wie du wahrscheinlich weißt, ein großes Beratungsunternehmen.

Eines Tages berief der Leiter dieses Büros ein Meeting ein, eine Versammlung, und wollte etwas verkünden. Er war derjenige, der das Office verantwortete. Die Personen, die in den letzten Monaten gekündigt hatten, kamen immer zu ihm. Und er hatte festgestellt: Der Hauptgrund, warum Menschen kündigen, ist Burnout. Die Leute sind überarbeitet, müde von langen Arbeitstagen und von vielen Reisen, und oft voller Frust. Er konnte das alles nachvollziehen. Wenn er ihnen ins Gesicht schaute, sah er die Müdigkeit, die Überarbeitung, den Burnout – alles unglaublich ambitionierte Leute.

Was er aber nicht verstehen konnte: Wirklich alle, die gekündigt hatten, hatten ungenutzte Urlaubstage. Sie hatten Überstunden und übrige Urlaubstage, die sie hätten nutzen können, um sich eine Auszeit zu nehmen. Aber keiner hat es getan. Alle haben das getan, was McKinsey von ihnen verlangte.

Und er sagte: McKinsey wird niemals aufhören, eure Zeit in Anspruch zu nehmen. Ihr seid dafür verantwortlich, Grenzen zu setzen. Er ermutigte alle in diesem Meeting, Grenzen zu setzen, um die Kontrolle über die eigene Zeit und die eigene Karriere zu übernehmen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wo die eigenen Grenzen liegen.

Ich weiß nicht, wie es dir geht. Ich persönlich habe mich gerade rund um meinen Berufseinstieg sehr in dieser Story wiedererkannt. Genauso hätte es mir auch passieren können: völlig überarbeitet zu sein, keinen einzigen Urlaubstag zu nutzen und am Ende so ermüdet und erschöpft zu sein, dass ich die Reißleine ziehen muss. So ging es diesen Leuten, und so geht es ganz vielen ambitionierten Persönlichkeiten, die die Extra-Meile gehen wollen – gerade, wenn sie Vorgesetzte haben, die sehr viel verlangen, und sich nicht trauen, den Mut aufzubringen, Grenzen zu setzen und zu sagen: Nein, das passt gerade nicht, ich nehme mir jetzt Urlaub.

Das war auch die Botschaft aus der Story von Sheryl Sandberg: Sie ermutigt jeden, Grenzen zu setzen – langfristig nicht nur für die Zufriedenheit, sondern auch für den Erfolg, wenn man sich selbst treu bleibt. Man kann ambitioniert sein und die Extra-Meile gehen und trotzdem in einem gesunden Rahmen bleiben, nach den eigenen Spielregeln spielen und nicht nach den Spielregeln anderer Leute. Das ist unglaublich einfach gesagt und schwer umzusetzen.

Gerade beim Berufseinstieg sind viele froh, überhaupt einen Job zu haben, und stürzen sich rein in die Arbeitswelt: Urlaub nehme ich später, ausruhen kann ich mich, wenn ich in Rente bin. Ich kann nur sagen: Es ist etwas, das jeder mit der Zeit für sich selbst herausfinden muss – wo die eigenen Grenzen liegen.

Eine Übung, die ich auch gerne in Workshops mit den Menschen mache, die ich begleite: sich alle Lebensbereiche anzuschauen. Welche Lebensbereiche hast du – Familie, Freunde, Hobbys, andere Themen, die dich begeistern? Und dann zu schauen: Schlummert da eine versteckte Unzufriedenheit, ein Frust, der kurz oder lang zum Vorschein kommt?

Ich rede immer wieder mit Leuten – gerade neulich hatte ich das Thema in einem Workshop: berufsbegleitendes Studium. Also Vollgas im Job beim Berufseinstieg, alles geben wollen, und dann noch ein berufsbegleitendes Studium dranhängen und am besten noch die Eins-Komma-Null holen. Die Gefahr liegt darin, dass man irgendwann das Gefühl hat, Freunde und andere wichtige Beziehungen gehen den Bach runter, und dass man das später bereuen würde.

Solche Phasen wird es immer geben. Wer ambitioniert ist, hat das, und das macht auch Sinn. Auf diese Ambition kann man stolz sein und sie in intensive Phasen umsetzen. Ich habe das selbst in meinem berufsbegleitenden Masterstudium erlebt und habe mich vollkommen reingestürzt. Die Gefahr ist nur das, was er in seiner Story beschreibt: dass man irgendwann so übermüdet ist und feststellt: Hey, ich habe keinen Urlaubstag genutzt.

Und damit komme ich zum ursprünglichen Thema: Es ist in Ordnung, wenn man das selbstbestimmt macht – wenn man sich selbst dafür entscheidet, Vollgas zu geben. Wenn man aber das Gefühl hat, ich habe keine Wahl, ich bin hier fremdbestimmt und es wird so viel von mir verlangt, dann ist die Gefahr groß, dass es krank machen kann.

Dazu gibt es eine spannende Story von Adam Grant aus dem Buch „Geben und Nehmen“. Er beschreibt eine Frau, die nahe am Burnout ist, weil sie sich fremdbestimmt fühlt – überarbeitet, voller Frust. Sie hätte gerne ihre Energie für andere Dinge verwendet. Es war sogar so, dass diese Frau dann ein Zusatzprojekt übernommen hat, etwas aus einem ganz anderen Bereich: Sie hat bedürftige Kinder betreut. Sie hat also noch mehr gemacht. Aber weil sie dabei selbstbestimmt war, hat ihr das Freude und Energie gegeben.

Viel zu arbeiten hat also immer damit zu tun, ob es fremdbestimmt oder selbstbestimmt ist. Fremdbestimmtes ist das Krankmachende. Frag dich selbst mal: Wie fühlst du dich heute? In deinem aktuellen Umfeld – bist du schon sehr selbstbestimmt unterwegs, oder bist du fremdbestimmt? Und wenn du fremdbestimmt bist: Wie viel Anteil hat das Umfeld, und wie viele Möglichkeiten hast du eigentlich, eigene Grenzen zu setzen?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Man unterschätzt das oft. Es ist die Angst, zu sagen: Nein, das passt mir gerade nicht, ich setze hier meine Grenze, dieses zusätzliche Projekt oder diese Aufgabe kann ich nicht machen, weil mein Zeitkontingent begrenzt ist. Meistens passiert dann gar nichts. Die Aufgabe übernimmt jemand anderes, und keiner ist böse, weil man Grenzen setzt. Aber oft herrscht diese Angst, dass die anderen einen entlarven als jemanden, der nicht alles gibt. Und genau da möchte ich dich ermutigen, es einfach zu testen und Grenzen zu setzen – in kleinen Schritten.

Wenn du gerade zuhörst und das Gefühl hast, alles ist im grünen Bereich, du bist selbstbestimmt unterwegs und es macht einfach Spaß, Gas zu geben – dann weiter so, dann ist das kein Thema. Aber wenn du nach dieser Story aus dem Buch von Sheryl Sandberg das Gefühl hast, du nimmst ungern Urlaubstage oder Freizeit, weil du das Team nicht im Stich lassen willst, oder du gehst die Extra-Meile, fühlst dich aber fremdbestimmt, dann ist das etwas, was du infragestellen solltest.

Das Buch „Lean In“ von Sheryl Sandberg hat einige spannende Punkte. Es wurde mir vor einiger Zeit von einer ambitionierten Ingenieurin empfohlen, die ich begleitet habe – eine sehr wertvolle Empfehlung. Ich kann jedem nur ans Herz legen, sich dieses Buch anzuschauen und sich mit diesen Themen zu befassen.

Um es zusammenzufassen: Es geht um das Thema selbstbestimmt versus fremdbestimmt. Wenn du das Gefühl hast, es würde dir guttun, mal Grenzen zu setzen, aber du findest den Mut nicht – dann versuch es in kleinen Schritten. Was könnte eine erste kleine Möglichkeit sein? Schau auch mal hier im Podcast: Ich habe schon einiges zum Thema Neinsagen, zum Thema Angst überwinden und Mut aufbringen gesagt. Da sind viele Tipps dabei.

Ich kann dich nur ermutigen, mal die Kontrolle zu übernehmen und dich zu fragen: Wie würde es eigentlich aussehen, wenn ich es selbst gestalten würde? Es ist verrückt, wie viele Menschen im Berufsleben unglücklich sind, weil sie das Gefühl haben, sie sind fremdbestimmt und leben nicht nach ihren eigenen Bedürfnissen und Werten. Sich damit überhaupt erst auseinanderzusetzen, ist ein Prozess – und dann sich auch zuzutrauen, etwas zu ändern.

Ich habe vor Kurzem dazu auch einen Beitrag geschrieben, zum Thema: Dient deine Arbeit deinem Leben, oder dient dein Leben deiner Arbeit? Oft ist es bei Fremdbestimmung so, dass sich dein ganzes Leben nur ums Arbeiten dreht – und es macht dich nie wirklich glücklich. Andersrum ist es definitiv wertvoller. Das solltest du für dich persönlich infragestellen. Kleine Schritte helfen. Mach ein kleines Brainstorming: Was könnten kleine mögliche Schritte sein, da rauszukommen?

Das soll es für diese Folge gewesen sein – ein kleiner Impuls. Ich hoffe, du konntest etwas mitnehmen, und ich hoffe, du traust dich.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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