Breakthrough Knowledge: die unterschätzte Fähigkeit erfolgreicher Menschen

Irgendwo auf dieser Welt gibt es gerade einen Absatz, ein Kapitel oder ein Buch, das dein Leben für immer verändern würde – wenn du es liest. Diese Art von Information nennt man Breakthrough Knowledge, im Deutschen innovatives Wissen.

Die Fähigkeit, in der heutigen Informationsflut genau dieses Wissen zu finden, ist eine der wertvollsten überhaupt. Sie wird kaum besprochen und stark unterschätzt. In dieser Folge schauen wir uns an, warum das so schwer geworden ist – und mit welchen drei Ansätzen du mehr innovatives Wissen in dein Leben holst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Ein Buch mit innovativem Wissen ist mehr wert als 1000 gute Bücher. Eine Erfahrung mit Breakthrough Knowledge dauert vielleicht nur ein paar Stunden – kann aber die Richtung deines ganzen Lebens verändern.
  • Vier Probleme verstellen den Blick. Content Schock, Echokammer, permanente Ablenkung und FOMO machen es schwer, in der Informationsflut auf das Wertvolle zu stoßen.
  • Stell die magische Frage. „Hat diese Information das Potenzial, mein Leben grundlegend zu verändern?“ trennt innovatives von inkrementellem Wissen.
  • Wissen ist wie ein Baum. Verstehe erst die Wurzeln, den Stamm und die großen Äste – also die fundamentalen Prinzipien – bevor du zu den Blättern und Details springst.
  • Lernen, wie man lernt, ist selbst eine Fähigkeit. Wer wissenschaftliches Denken, den Wert von diversem Wissen und kognitive Verzerrungen versteht, hat einen immensen Vorteil.

Breakthrough Knowledge im Detail

Jeder von uns ist schon einmal auf Breakthrough Knowledge gestoßen. Vielleicht war es ein Satz von den Eltern, einem Mentor oder einem Lehrer, der bei dir hängen geblieben ist. Vielleicht war es ein Buch, das für dich alles verändert hat. Für Warren Buffett war es „Intelligent investieren“ von Benjamin Graham, das er mit 19 Jahren las – die Philosophie darin hat sein gesamtes weiteres Leben geprägt. Für Elon Musk war es „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“, das ihm geholfen hat, größer zu denken und größere Probleme anzupacken. Und für viele ambitionierte Ingenieure ist es „Rich Dad Poor Dad“ – gerade in den ersten Berufsjahren, wenn man sich noch kaum mit persönlichen Finanzen beschäftigt hat, ist es ein echter Augenöffner.

Solche Bücher sind selten. Aber sie sind der ultimative Lernhebel. Das Problem: Wir leben in einer Welt der Informationsflut. Vier Kräfte machen es schwer, das Wertvolle zu finden.

Content Schock. Jede Sekunde werden Unmengen neuer Inhalte veröffentlicht. Niemand kann mit dieser Geschwindigkeit mithalten. Die Lücke zwischen dem gesamten kollektiven Wissen und unserer Zeit, es zu konsumieren, wird ständig größer. Es gibt unendlich viel hilfreiches Wissen, das wir vermutlich nie entdecken werden – einfach weil es so viel davon gibt.

Echokammer. Gleich und gleich gesellt sich gern. Menschen mögen andere, die ihnen ähnlich sind – das nennt man soziale Homophilie. Aus Gleichgesinnten werden Freunde, daraus formt sich eine eigene Gruppenkultur. Jede Gruppe lebt in ihrer eigenen Echokammer und hält diese für die wahre Realität. Genau das macht es schwer, dass wertvolles Wissen zwischen unterschiedlichen Gruppen wandert.

Permanente Ablenkung. Marketing-Experten und Softwareentwickler haben nie dagewesenen Zugang zu Daten über menschliches Verhalten. Social-Media-Feeds sind dafür gebaut, deine Aufmerksamkeit so lange wie möglich zu binden. Jedes Jahr fließen Milliarden in ihre Weiterentwicklung. Deine physische und virtuelle Umgebung besteht immer mehr aus Dingen, die an dir ziehen.

FOMO – Fear of Missing Out. Es gibt heute viel mehr interessante Inhalte als noch vor einem Jahrzehnt. Mehr Optionen sind aber nicht immer gut. Wer sich für eine entscheidet, verzichtet auf viele andere – und der Mensch gewichtet Verluste höher als Gewinne (Verlustaversion). Zu viele gute Optionen und zu wenig Erfahrung darüber, welche wirklich die beste ist, führen dazu, dass man seine Entscheidungen ständig infrage stellt.

Diese vier Probleme sorgen dafür, dass viele mit Wissen umgehen wie mit Fastfood in der Ernährung. In der Gesundheitspolitik spricht man von der Lebensmittelwüste – einer Region, in der es kaum gesunde Lebensmittel gibt. Für viele sieht das Internet genauso aus: eine Informationswüste, voll mit Fastfood-Wissen. Und der Trugschluss ist, zu glauben, man werde dadurch smarter. Mehr Informationen machen uns nicht klüger.

Das ist die schlechte Nachricht. Die gute: Es gibt so viel Breakthrough Knowledge wie nie zuvor. Studien zufolge wird sich die Menge an wissenschaftlichen Erkenntnissen in neun Jahren verdoppeln. Wer weiß, wie man mit der Informationsflut richtig umgeht, lebt in der besten Zeit überhaupt. Der einzige Weg, die Flut in eine Utopie zu verwandeln, ist, proaktiv damit umzugehen statt reaktiv. Drei Ansätze helfen dabei.

1. Stell die magische Frage. Unterscheide zwischen zwei Arten von Wissen. Inkrementelles Wissen bestätigt, was du schon weißt – das achte Führungsbuch vertieft, löst aber nichts Bahnbrechendes aus. Innovatives Wissen dagegen bietet eine neue Sichtweise auf die Welt und fordert dein bisheriges Weltbild heraus. Um beides zu trennen, stell bei jeder Information – jedem Buch, jedem Artikel, jedem Account, dem du folgst – eine Frage: „Hat dies das Potenzial, mein Leben grundlegend zu verändern?“ Schau mit dieser Frage auf deine Leseliste. Schnell wird offensichtlich, was nur vertieft und was wirklich blinde Flecken aufdecken kann.

2. Fokussiere dich auf fundamentales Wissen. Die Informationsflut ist ein uraltes Problem. Schon Seneca fragte: „Was nützt es, unzählige Bücher zu haben, deren Titel der Besitzer in einem ganzen Leben kaum durchlesen kann? Der Lernende wird nicht belehrt, sondern durch die Masse der Bücher belastet.“ Generationen haben nach Lösungen gesucht – eine davon: Wissen ist wie ein Baum. Elon Musk sagte sinngemäß, man solle erst die grundlegenden Prinzipien verstehen – die Wurzeln, den Stamm, die großen Äste – bevor man zu den Blättern, also den Details, kommt. News und flüchtige Social-Media-Beiträge sind meist Blätter. Bücher wie „Principles“ von Ray Dalio oder sein Video „How the Economic Machine Works“ enthalten dagegen eine hohe Dichte an First Principles – Zusammenhänge, die sich in den nächsten Jahren nicht grundlegend ändern. Konzentrier dich auf diese fundamentalen Prinzipien und mentalen Modelle.

3. Lerne, wie man lernt. Nur wenige sind sich bewusst, dass das überhaupt eine eigene Fähigkeit ist. Drei Bausteine helfen. Erstens: wissenschaftliche Methoden verstehen – warum eine wissenschaftliche Denkweise so wertvoll ist. Zweitens: den Wert von diversem Wissen erkennen. Menschen mit vielen Interessen haben laut Studien eine höhere Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein, weil sie Muster und fundamentale Prinzipien über Felder hinweg erkennen – ob in Wirtschaft, Erziehung, Führung, Sport oder Ernährung. Wer ein schlechtes Gewissen wegen zu vieler Interessen hat, sollte das als Stärke begreifen. Drittens: kognitive Verzerrungen verstehen. „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahneman ist ein guter Einstieg in diese Welt. Je mehr du über die eigene Psyche lernst, desto klarer siehst du, wo dein Denken und Lernen verzerrt sind.

Jeder Mensch in der westlichen Welt hat den gleichen Zugang zum Internet. Aber nicht jeder weiß, wie er ihn nutzt. Die einen leben in einer Informationswüste, die anderen in einer Informations-Utopie. Die Fähigkeit, mit dieser Online-Welt umzugehen, ist enorm mächtig – und wird stark unterschätzt.

Diese Folge baut auf einem Fundament, das wir an mehreren Stellen vertiefen. Warum First Principles Thinking der Schlüssel ist, um zur Wurzel eines Themas vorzudringen, hörst du in der eigenen Folge dazu. Wie du das Lernen selbst systematisch beschleunigst, zeigt Lebenslanges Lernen. Dass deine Entwicklung die wichtigste Investition ist, vertieft In sich selbst investieren. Und wie du gezielt von herausragenden Menschen profitierst, statt im Rauschen zu versinken, behandelt Von den Besten lernen.

Häufige Fragen zu Breakthrough Knowledge

Was ist Breakthrough Knowledge? Breakthrough Knowledge, im Deutschen innovatives Wissen, ist Wissen, das deine bisherige Denkweise oder dein Weltbild grundlegend verändert – im Gegensatz zu inkrementellem Wissen, das nur bestätigt und vertieft, was du bereits weißt. Eine einzige Erfahrung mit Breakthrough Knowledge kann die Richtung deines ganzen Lebens verändern und gilt als ultimativer Lernhebel.

Wie erkenne ich innovatives Wissen? Stell bei jeder Information die magische Frage: „Hat dieses Buch, dieser Artikel oder diese Quelle das Potenzial, mein Leben grundlegend zu verändern?“ Wenn die Antwort Ja lautet, ist die Chance auf Breakthrough Knowledge hoch. Wenn die Quelle nur vertieft, was du schon weißt – etwa das fünfte Buch zum selben Thema – handelt es sich meist um inkrementelles Wissen.

Warum ist es heute so schwer, innovatives Wissen zu finden? Vier Probleme stehen im Weg: der Content Schock (es wird mehr Inhalt produziert, als jemand konsumieren kann), die Echokammer (Gruppen tauschen Wissen kaum über ihre Grenzen hinweg), die permanente Ablenkung (Plattformen kämpfen gezielt um deine Aufmerksamkeit) und FOMO (zu viele gute Optionen lassen jede Entscheidung unsicher wirken).

Wie hole ich mehr Breakthrough Knowledge in mein Leben? Drei Ansätze: Stell bei jeder Quelle die magische Frage. Fokussiere dich auf fundamentales Wissen – First Principles und mentale Modelle statt flüchtiger News. Und lerne, wie man lernt: Verstehe wissenschaftliche Methoden, den Wert von diversem Wissen und kognitive Verzerrungen. Entscheidend ist, proaktiv mit der Informationsflut umzugehen statt reaktiv.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Benjamin Graham – Intelligent investieren: Für Warren Buffett mit 19 Jahren der entscheidende Augenöffner – die Grundlage seiner gesamten Investment-Philosophie.
  • Robert Kiyosaki – Rich Dad Poor Dad: Für viele ambitionierte Ingenieure das erste Buch über persönliche Finanzen – voller Denkweisen, die das bisherige Weltbild radikal infrage stellen.
  • Ray Dalio – Principles: Hohe Dichte an fundamentalen Prinzipien; zusammen mit dem Video „How the Economic Machine Works“ ein Beispiel für First-Principles-Wissen, das Bestand hat.
  • James Clear – Die 1%-Methode (Atomic Habits): Im Bereich Gewohnheiten stark von First Principles getrieben.
  • Daniel Kahneman – Schnelles Denken, langsames Denken: Ein guter Einstieg, um kognitive Verzerrungen und das eigene Denken besser zu verstehen.
  • Douglas Adams – The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy: Laut Elon Musk das Buch, das ihm geholfen hat, größer zu denken und größere Probleme anzupacken.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Mindset.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit.

Transkript

Herzlich willkommen zu Folge Nummer 140: eine unterschätzte Fähigkeit erfolgreicher Menschen. Irgendwo auf dieser Welt gibt es gerade einen Absatz, ein Kapitel oder ein Buch, das dein Leben für immer verändern würde, wenn du es liest. Diese Art von Information nennt man Breakthrough Knowledge oder im Deutschen innovatives Wissen. Und die Fähigkeit, in der heutigen Informationsflut – rund um das ganze Internet – innovatives Wissen zu finden, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die man entwickeln kann.

Ich glaube, jeder von uns ist schon einmal auf innovatives Wissen gestoßen. Vielleicht war es ein Satz von den Eltern, von einem Mentor oder einem Lehrer, der bei dir hängen geblieben ist. Oder ein bestimmtes Buch, das für dich alles verändert hat. Ein paar Beispiele: Für Warren Buffett war es das Buch „Intelligent investieren“ von Benjamin Graham, das er mit 19 Jahren gelesen hat. Die grundlegende Philosophie darin hat ihm die Augen geöffnet und sein gesamtes weiteres Leben geprägt. Für Elon Musk war es das Buch „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“. Laut seiner Aussage hat es ihm geholfen, größer zu denken und größere Probleme anzupacken – und das macht er bis zum heutigen Tag. Für viele ambitionierte Ingenieure ist es das Buch „Rich Dad Poor Dad“. Für mich war es teilweise auch ein Buch mit sehr viel innovativem Wissen, gerade weil man sich in den ersten Jahren des Berufslebens noch gar nicht so sehr mit persönlichen Finanzen auseinandergesetzt hat. Für viele ist es ein Augenöffner.

Diese Art von Büchern ist wirklich sehr selten. Ein solches Buch mit innovativem Wissen ist mehr wert als 1000 gute Bücher. Eine Erfahrung mit Breakthrough Knowledge dauert vielleicht nur ein paar Minuten oder ein paar Stunden, wenn man das Buch liest – aber sie kann die Richtung deines gesamten Lebens grundlegend verändern. Innovatives Wissen ist der ultimative Lernhebel.

Ich möchte dieses Thema etwas beleuchten. Wir leben heute in einer Welt der Informationsflut. Internet, Social Media, Smartphones – all das sorgt für einen Information Overload. Und dieser Overload ist noch deutlich facettenreicher. Deshalb möchte ich im ersten Schritt die vier Probleme genauer betrachten, die hinter diesem Information Overload stecken: Content Schock, Echokammer, permanente Ablenkung und FOMO, also Fear of Missing Out. Vier große Kernfelder. Danach schauen wir uns ein paar Lösungen an, wie du mehr Breakthrough Knowledge in dein Leben holen kannst.

Starten wir mit dem ersten Problem: Content Schock. Jede Sekunde, jeden Tag werden Unmengen an neuem Content veröffentlicht. Die Möglichkeit, dass jeder von uns diesen gesamten Content lesen kann, ist schon lange vorbei. Niemand kann mit der Geschwindigkeit mithalten, in der heute neuer Content produziert wird. Das heißt, das Gap zwischen dem gesamten kollektiven menschlichen Wissen und unserer Zeit, dieses Wissen zu konsumieren, wird immer größer. Dieses Gap zwischen Content-Produktion und Content-Konsum nennt man Content Schock. Das Problem: Da draußen gibt es unendlich viel hilfreiches Wissen, das wir vermutlich niemals entdecken werden – einfach weil es so viel davon gibt.

Das zweite Problem ist die Echokammer. Sie spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, wie man auf innovatives Wissen stößt. Du kennst wahrscheinlich das deutsche Sprichwort „Gleich und gleich gesellt sich gern“. Menschen, die sich ähnlich sind, verbringen gerne Zeit miteinander. Würde man eine Gruppe fremder Menschen in einen Raum bringen, fühlten sich die Gleichgesinnten mehr zueinander hingezogen – das nennt man soziale Homophilie, die Tendenz, Menschen zu mögen, die einem ähnlich sind. Aus Gleichgesinnten werden Freunde, aus Freunden formt sich eine eigene Gruppenkultur. Eine Echokammer ist ein Raum, in dem der Schall stark widerhallt – und genau das passiert in solchen Gruppendynamiken. Es entstehen verschiedene Silos. Dieser Effekt macht es schwer, dass Wissen zwischen den unterschiedlichen Gruppen geteilt wird. Das findest du überall – Religion, Politik, egal wo es Menschen gibt. Jede Gruppe lebt in ihrer eigenen Echokammer, die sie für die wahre Realität hält. Das hat weniger mit dem Internet zu tun als mit der Psychologie des Menschen – und macht es noch schwerer, auf innovatives Wissen zu stoßen.

Problem Nummer drei: Ablenkung. Marketing-Experten und Softwareentwickler haben einen nie dagewesenen Zugang zu Daten über menschliches Verhalten – Stichwort Big Data. Sie nutzen diese Informationen für ein Ziel, gerade im Kontext von Social Media: Wie gewinne und fessele ich die Aufmerksamkeit von Menschen? Social-Media-Feeds wurden zu genau diesem Zweck entwickelt – deine Aufmerksamkeit so lange wie möglich zu binden. Jedes Jahr fließen Milliarden in die Weiterentwicklung dieser Plattformen. Der Gründer einer Meeting-App hat einmal gesagt: „If you think this is addictive, just wait until five years from now.“ Also: Wenn du glaubst, dass das heute schon süchtig macht, dann warte ab, wie das in fünf Jahren aussieht. Deine physische und virtuelle Umgebung besteht immer mehr aus Dingen, die an dir ziehen und deine Aufmerksamkeit wollen. Dieser Hang zur permanenten Ablenkung ist ein echtes Problem, und die Tendenz wird extremer.

Das vierte Thema ist FOMO, Fear of Missing Out. Heute gibt es im Vergleich zu vor einem Jahrzehnt viel mehr interessanten Content, den man sich gerne ansehen, anhören oder durchlesen möchte. Es gibt unzählige gute Optionen. Aber mehr Optionen sind nicht immer gut – man muss auf einige sehr gute verzichten. Und dann kommt die Verlustaversion ins Spiel, ein psychologisches Phänomen: die Tendenz des Menschen, Verluste höher zu gewichten als Gewinne. Das Gefühl, da sind so viele gute Sachen, die ich mir nicht anschauen kann, ist keine gute Emotion. Soll ich mich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen, um mehr über die Zukunft zu erfahren? Oder meine Kommunikations-Skills verbessern, um eine bessere Führungskraft zu werden? Oder die neuesten Workout-Techniken, das neueste Ernährungsbuch oder den neuesten Erziehungsratgeber lesen? All diese Bereiche sind wichtig. Aber die Entscheidung, worauf man den Fokus legt, ist extrem schwer. Zu viele gute Optionen in Kombination mit zu wenig Erfahrung darüber, welche wirklich die beste ist, führen dazu, dass man seine Entscheidungen ständig infrage stellt und immer das Gefühl hat, etwas zu verpassen.

Diese vier Probleme führen dazu, dass viele Menschen mit Wissen umgehen wie mit Fastfood in der Ernährung. In der Gesundheitspolitik spricht man von der Lebensmittelwüste: einer geografischen Region, in der es kaum gesunde Lebensmittel gibt – Fastfood statt Vitamine. Genauso ist es mit Information. Lebensmittel sind der Input für deine Gesundheit und Energie, Informationen sind der Input für dein Wissen und deine Erfahrungen. Eine Informationswüste bedeutet, voll mit Fastfood-Wissen zu sein. Der Worst Case: Einige leben in dieser Informationswüste und glauben, sie würden dadurch smarter. Das ist nicht der Fall. Nur weil wir mehr Informationen haben und den ganzen Tag in einer Fülle an Informationen leben, werden wir nicht klüger.

Das mag ein dunkles Bild malen. Das Gute daran ist: Es gibt so viel Breakthrough Knowledge wie noch nie zuvor. Es gibt Studien, die besagen, dass wir in neun Jahren die Menge an wissenschaftlichen Erkenntnissen verdoppelt haben werden. Das ist eine extrem wertvolle Tendenz für die allgemeine Entwicklung. Wenn wir wissen, wie wir mit der Informationsflut richtig umgehen, leben wir in der besten Zeit überhaupt. Wer nicht damit umgehen kann, lebt in Fastfood-Wissen und wird nicht smarter. Wer es kann, lebt in einem wahren Schatz an Informationen. Menschen, die schnell auf innovatives Wissen zugreifen und gleichzeitig das Rauschen minimieren, haben einen immensen Vorteil gegenüber anderen. Genau das ist die unterschätzte Fähigkeit, die im Titel dieser Folge steckt. Der einzige Weg, die Informationsflut in eine Informations-Utopie zu verwandeln, besteht darin, proaktiv damit umzugehen statt reaktiv. Im Folgenden gebe ich dir drei Ansätze an die Hand.

Punkt Nummer eins: Stell die magische Frage. Einer der wichtigsten Punkte, wenn es ums Lernen geht, ist die Unterscheidung zwischen zwei Arten von Wissen: inkrementellem Wissen, also stufenweisem Wissen, und innovativem Wissen, also Breakthrough Knowledge. Inkrementelles Wissen bestätigt im Grunde das, was du heute bereits weißt. Das ist nicht verkehrt und nicht unwichtig. Aber wenn du ein weiteres Buch zum Thema Führung liest, obwohl du bereits acht Führungsbücher gelesen hast, wird sich das kurzfristig gut anfühlen, aber kaum etwas Bahnbrechendes auslösen. Es ist wichtig, in die Tiefe zu gehen und zu verfeinern – aber das ist kein Breakthrough Knowledge. Innovatives Wissen dagegen bietet dir eine neue Sichtweise auf die Welt und fordert deine bisherige Denkweise und dein Weltbild heraus. „Rich Dad Poor Dad“ ist für viele ambitionierte Ingenieure das erste Buch über persönliche Finanzen – voller Denkweisen, die ihr bisheriges Weltbild radikal infrage stellen. Das zweite, dritte oder vierte Buch zum selben Thema ist dann inkrementelles Wissen.

Breakthrough Knowledge zu identifizieren, ist gar nicht so schwer. Es gibt eine Frage, die hier Wunder wirkt und die ich immer wieder nutze. Es geht nicht nur um die Buchwahl, sondern um jede Information, die du konsumierst: wem du auf Social Media folgst, auf welchen Plattformen du unterwegs bist, welche Artikel du liest, welche Videos du anschaust und natürlich welche Bücher du liest. Jedes Mal solltest du dir eine Frage stellen: Hat dies das Potenzial, mein Leben grundlegend zu verändern? Schau mit dieser Frage auf deine Leseliste – auf die Bücher, die du in den nächsten Monaten lesen möchtest. Dann merkst du: Manche enthalten inkrementelles Wissen, das du nur verfestigst. Bei anderen hast du das Gefühl: Mit diesem Buch kann ich blinde Flecken aufdecken und neue Felder entdecken. Mit dieser Frage wird schnell offensichtlich, in welcher Kategorie du dich bewegst. Auch wenn du heute ein Buch liest, ist es wichtig zu reflektieren, in welcher Wissenskategorie du dich befindest.

Punkt Nummer zwei: Das Thema Informationsflut ist ein uraltes Problem mit uralten Lösungen. Es gibt ein spannendes Zitat von Seneca, dem römischen Philosophen: „Was nützt es, unzählige Bücher und Bibliotheken zu haben, deren Titel der Besitzer in einem ganzen Leben kaum durchlesen kann? Der Lernende wird nicht belehrt, sondern durch die Masse der Bücher belastet.“ Schon im Römischen Reich war die Informationsflut ein Problem. Bei jedem uralten Problem gibt es Generationen von Menschen, die versucht haben, es zu lösen. Das ist ein Indiz dafür, dass es bewährte Lösungen gibt. Eine davon: Wissen ist wie ein Baum. Elon Musk hat in einem Interview sinngemäß gesagt: Es ist wichtig, Wissen als eine Art Baum zu betrachten. Stell sicher, dass du die grundlegenden Prinzipien verstehst – die Wurzeln, den Stamm und die großen Äste – bevor du zu den Blättern, also den Details, kommst. Dazu gibt es übrigens eine eigene Folge: Folge Nummer 127, wie Elon Musk denkt, First Principles Thinking.

Betrachte vor diesem Hintergrund deine Informationsquellen: Wem folgst du auf Social Media, welche Bücher liest du, was sind deine Quellen? Sind das eher Details, die Blätter – etwa News? Ein Buch mit einer Meinung über Corona ist zum Beispiel kein First Principles Thinking. Viel besser wäre „Principles“ von Ray Dalio – in Deutschland heißt es „Die Prinzipien des Erfolgs“ – oder sein Video „How the Economic Machine Works“, das eine hohe Dichte an grundlegendem Wissen enthält. Wie wirtschaftliche Zusammenhänge funktionieren, ändert sich in den nächsten Jahren nicht grundlegend, weil es fundamentale Prinzipien sind. Das Format ist nicht immer entscheidend dafür, ob etwas First Principles enthält. Aber tendenziell sind Social-Media-Beiträge flüchtiger und weniger fundamental, während ein Buch oft mehr Substanz hat. Das ist der große Grund, warum ich das Thema Bücher lesen so stark betone und einen riesigen Wert darauf lege. Die Lösung Nummer zwei – eine uralte Lösung – ist also, sich auf fundamentales Wissen zu fokussieren: First Principles und mentale Modelle. Das sind zwei Begriffe, zu denen es viele spannende Artikel gibt. Charlie Munger, der Partner von Warren Buffett, predigt dieses Thema stark. Und auch ich versuche, in meinen Beiträgen, im Podcast und im Newsletter, fundamentale Prinzipien zu liefern – keine flüchtigen News, keine Blätter, die morgen wieder vergessen sind.

Die Lösung Nummer drei wird meist unterschätzt: lernen, wie man lernt. Nur wenige sind sich bewusst, dass „lernen, wie man lernt“ überhaupt eine eigene Fähigkeit ist. Die Folge ist, dass viele darin nicht gut sind und sich auch nicht darin verbessern. Dazu gehört, zu verstehen, wie wissenschaftliche Methoden funktionieren – warum eine wissenschaftliche Denkweise so wertvoll ist. Auch hier empfehle ich die Folge 127, wie Elon Musk denkt, weil wissenschaftliches Denken bei ihm stark verankert ist und eng mit First Principles Thinking zusammenhängt. Zweiter Punkt: den Wert von diversem Wissen verstehen. Ich habe vom Problem der Echokammern gesprochen – sich dessen bewusst zu sein, ist wichtig. Ein spannender Gedanke: Menschen, die in Anführungsstrichen zu viele Interessen haben, haben laut diverser Studien eine höhere Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein. Ich treffe viele Menschen mit schlechtem Gewissen, die sich für so viele Dinge interessieren und glauben, sie müssten sich fokussieren. Dabei sind sie enorm gut darin, zu lernen, weil Diversität stärkt: Man erkennt Muster, mentale Modelle und fundamentale Prinzipien, die über verschiedene Wissensbereiche verteilt sind – ob Wirtschaft, Erziehung, Führung, Sport oder Ernährung. Diese Felder haben viele fundamentale Prinzipien gemeinsam. Menschen mit breiten Interessen haben einen großen Vorteil, weil sie diesen Wert von diversem Wissen erkennen. Das Thema Fokus ist eine andere Baustelle und sprengt den Rahmen dieser Folge.

Der dritte Baustein zum Thema „wie man lernt“ ist ein Verständnis von kognitiven Verzerrungen, kognitiven Biases. Ich spreche an vielen Stellen in diesem Podcast immer wieder darüber. Ein ganz offensichtliches, bekanntes Buch ist „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahneman – ein guter Beginn, um in diese Welt einzutauchen. Je besser man wissenschaftliches Denken versteht und je offener man für diverses Wissen ist, desto eher liest man auch ein Buch, von dem man das Gefühl hat, überhaupt keine Ahnung davon zu haben – etwa aus dem Bereich der Physik, oder eben „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“, das Elon Musk so stark geprägt hat. Für viele liegt das außerhalb der Komfortzone, aber es macht das Wissen extrem divers. Und sich mehr mit der Psychologie des Menschen auseinanderzusetzen hilft, selbstreflektiert zu verstehen, wo man auf dem Holzweg ist und wo das eigene Denken, Lernverhalten und die Meinungsbildung verzerrt sind. Darüber zu lernen, ist unglaublich wichtig.

Das Fazit: Jeder Mensch in der westlichen Welt hat den gleichen Zugang zum Internet. Aber nicht jeder weiß gleich gut, wie er diesen Zugang nutzen kann. Die Folge ist, dass einige in einer Informations-Apokalypse leben und andere in einer Informations-Utopie. Die Fähigkeit, mit dieser Online-Umgebung umzugehen, ist extrem mächtig, wird aber stark unterschätzt – und es wird sehr wenig darüber gesprochen.

Ich fasse zusammen. Irgendwo auf der Welt gibt es gerade einen Absatz, eine Zeile, ein Kapitel oder ein Buch, das dein Leben für immer verändern würde, wenn du es liest. Diese Art von Information nennt man Breakthrough Knowledge oder innovatives Wissen. Je mehr davon du in dein Leben holst, desto spannender wird dein Lebensweg und deine Lernkurve. Zuerst habe ich vier Probleme genannt: den Content Schock als Gap zwischen Content-Produktion und Content-Konsum; die Echokammer, also das menschliche Phänomen „Gleich und gleich gesellt sich gern“; die permanente Ablenkung, weil viele Menschen Geld und Energie investieren, um deine Aufmerksamkeit zu gewinnen; und FOMO, weil es so viele gute Themen gibt, dass man nicht alles lesen kann. Diese Probleme sorgen dafür, dass viele in einer Informationswüste leben, nur mit Fastfood-Wissen und einer geringen Wahrscheinlichkeit, auf innovatives Wissen zu stoßen.

Das klingt dunkel, ist es aber nicht – denn es ist die beste Zeit überhaupt. Es gab noch nie so viel innovatives Wissen wie heute. Die Studie besagt, dass wir in neun Jahren die Menge an wissenschaftlichen Erkenntnissen verdoppelt haben werden. Schau optimistisch in die Zukunft. Menschen, die schnell auf innovatives Wissen zugreifen und gleichzeitig das Rauschen minimieren, haben einen großen Vorteil. Es geht darum, proaktiv damit umzugehen. Dafür gibt es drei einfache Lösungen. Erstens: die magische Frage stellen und den Unterschied zwischen inkrementellem und innovativem Wissen verstehen. Frag bei jedem Artikel, jedem Buch, jeder Quelle und jeder Person, der du folgst: Hat das das Potenzial, mein Leben grundlegend zu verändern? Zweitens: Verstehe, dass die Informationsflut ein uraltes Problem mit uralten Lösungen ist. Wissen ist wie ein Baum – fokussiere dich auf die grundlegenden Prinzipien, die Wurzeln, den Stamm und die großen Äste, und springe nicht zu schnell auf die Blätter und Details. First Principles Thinking und mentale Modelle. Drittens: lernen, wie man lernt – eine stark unterschätzte Fähigkeit. Verstehe die wissenschaftliche Denkweise, den Wert von diversem Wissen und kognitive Verzerrungen, und wie der Mensch generell mit Informationen umgeht.

Jeder von uns hat den gleichen Zugang zum Internet, aber nicht jeder weiß gleich gut, wie er diesen Zugang richtig nutzt. Die Fähigkeit, mit dieser Informationsflut richtig umzugehen, ist unglaublich mächtig und sehr stark unterschätzt. Ich hoffe, ich habe dir einige Impulse zur Reflexion deiner Informationsquellen mitgegeben – damit du kein Fastfood-Wissen mehr konsumierst und die Dichte an innovativem Wissen in deinem Leben weiter erhöhst. Das soll es für diese Folge gewesen sein. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Breakthrough Knowledge: die unterschätzte Fähigkeit erfolgreicher Menschen

Irgendwo auf dieser Welt gibt es gerade einen Absatz, ein Kapitel oder ein Buch, das dein Leben für immer verändern würde – wenn du es liest. Diese Art von Information nennt man Breakthrough Knowledge, im Deutschen innovatives Wissen.

Die Fähigkeit, in der heutigen Informationsflut genau dieses Wissen zu finden, ist eine der wertvollsten überhaupt. Sie wird kaum besprochen und stark unterschätzt. In dieser Folge schauen wir uns an, warum das so schwer geworden ist – und mit welchen drei Ansätzen du mehr innovatives Wissen in dein Leben holst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Ein Buch mit innovativem Wissen ist mehr wert als 1000 gute Bücher. Eine Erfahrung mit Breakthrough Knowledge dauert vielleicht nur ein paar Stunden – kann aber die Richtung deines ganzen Lebens verändern.
  • Vier Probleme verstellen den Blick. Content Schock, Echokammer, permanente Ablenkung und FOMO machen es schwer, in der Informationsflut auf das Wertvolle zu stoßen.
  • Stell die magische Frage. „Hat diese Information das Potenzial, mein Leben grundlegend zu verändern?“ trennt innovatives von inkrementellem Wissen.
  • Wissen ist wie ein Baum. Verstehe erst die Wurzeln, den Stamm und die großen Äste – also die fundamentalen Prinzipien – bevor du zu den Blättern und Details springst.
  • Lernen, wie man lernt, ist selbst eine Fähigkeit. Wer wissenschaftliches Denken, den Wert von diversem Wissen und kognitive Verzerrungen versteht, hat einen immensen Vorteil.

Breakthrough Knowledge im Detail

Jeder von uns ist schon einmal auf Breakthrough Knowledge gestoßen. Vielleicht war es ein Satz von den Eltern, einem Mentor oder einem Lehrer, der bei dir hängen geblieben ist. Vielleicht war es ein Buch, das für dich alles verändert hat. Für Warren Buffett war es „Intelligent investieren“ von Benjamin Graham, das er mit 19 Jahren las – die Philosophie darin hat sein gesamtes weiteres Leben geprägt. Für Elon Musk war es „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“, das ihm geholfen hat, größer zu denken und größere Probleme anzupacken. Und für viele ambitionierte Ingenieure ist es „Rich Dad Poor Dad“ – gerade in den ersten Berufsjahren, wenn man sich noch kaum mit persönlichen Finanzen beschäftigt hat, ist es ein echter Augenöffner.

Solche Bücher sind selten. Aber sie sind der ultimative Lernhebel. Das Problem: Wir leben in einer Welt der Informationsflut. Vier Kräfte machen es schwer, das Wertvolle zu finden.

Content Schock. Jede Sekunde werden Unmengen neuer Inhalte veröffentlicht. Niemand kann mit dieser Geschwindigkeit mithalten. Die Lücke zwischen dem gesamten kollektiven Wissen und unserer Zeit, es zu konsumieren, wird ständig größer. Es gibt unendlich viel hilfreiches Wissen, das wir vermutlich nie entdecken werden – einfach weil es so viel davon gibt.

Echokammer. Gleich und gleich gesellt sich gern. Menschen mögen andere, die ihnen ähnlich sind – das nennt man soziale Homophilie. Aus Gleichgesinnten werden Freunde, daraus formt sich eine eigene Gruppenkultur. Jede Gruppe lebt in ihrer eigenen Echokammer und hält diese für die wahre Realität. Genau das macht es schwer, dass wertvolles Wissen zwischen unterschiedlichen Gruppen wandert.

Permanente Ablenkung. Marketing-Experten und Softwareentwickler haben nie dagewesenen Zugang zu Daten über menschliches Verhalten. Social-Media-Feeds sind dafür gebaut, deine Aufmerksamkeit so lange wie möglich zu binden. Jedes Jahr fließen Milliarden in ihre Weiterentwicklung. Deine physische und virtuelle Umgebung besteht immer mehr aus Dingen, die an dir ziehen.

FOMO – Fear of Missing Out. Es gibt heute viel mehr interessante Inhalte als noch vor einem Jahrzehnt. Mehr Optionen sind aber nicht immer gut. Wer sich für eine entscheidet, verzichtet auf viele andere – und der Mensch gewichtet Verluste höher als Gewinne (Verlustaversion). Zu viele gute Optionen und zu wenig Erfahrung darüber, welche wirklich die beste ist, führen dazu, dass man seine Entscheidungen ständig infrage stellt.

Diese vier Probleme sorgen dafür, dass viele mit Wissen umgehen wie mit Fastfood in der Ernährung. In der Gesundheitspolitik spricht man von der Lebensmittelwüste – einer Region, in der es kaum gesunde Lebensmittel gibt. Für viele sieht das Internet genauso aus: eine Informationswüste, voll mit Fastfood-Wissen. Und der Trugschluss ist, zu glauben, man werde dadurch smarter. Mehr Informationen machen uns nicht klüger.

Das ist die schlechte Nachricht. Die gute: Es gibt so viel Breakthrough Knowledge wie nie zuvor. Studien zufolge wird sich die Menge an wissenschaftlichen Erkenntnissen in neun Jahren verdoppeln. Wer weiß, wie man mit der Informationsflut richtig umgeht, lebt in der besten Zeit überhaupt. Der einzige Weg, die Flut in eine Utopie zu verwandeln, ist, proaktiv damit umzugehen statt reaktiv. Drei Ansätze helfen dabei.

1. Stell die magische Frage. Unterscheide zwischen zwei Arten von Wissen. Inkrementelles Wissen bestätigt, was du schon weißt – das achte Führungsbuch vertieft, löst aber nichts Bahnbrechendes aus. Innovatives Wissen dagegen bietet eine neue Sichtweise auf die Welt und fordert dein bisheriges Weltbild heraus. Um beides zu trennen, stell bei jeder Information – jedem Buch, jedem Artikel, jedem Account, dem du folgst – eine Frage: „Hat dies das Potenzial, mein Leben grundlegend zu verändern?“ Schau mit dieser Frage auf deine Leseliste. Schnell wird offensichtlich, was nur vertieft und was wirklich blinde Flecken aufdecken kann.

2. Fokussiere dich auf fundamentales Wissen. Die Informationsflut ist ein uraltes Problem. Schon Seneca fragte: „Was nützt es, unzählige Bücher zu haben, deren Titel der Besitzer in einem ganzen Leben kaum durchlesen kann? Der Lernende wird nicht belehrt, sondern durch die Masse der Bücher belastet.“ Generationen haben nach Lösungen gesucht – eine davon: Wissen ist wie ein Baum. Elon Musk sagte sinngemäß, man solle erst die grundlegenden Prinzipien verstehen – die Wurzeln, den Stamm, die großen Äste – bevor man zu den Blättern, also den Details, kommt. News und flüchtige Social-Media-Beiträge sind meist Blätter. Bücher wie „Principles“ von Ray Dalio oder sein Video „How the Economic Machine Works“ enthalten dagegen eine hohe Dichte an First Principles – Zusammenhänge, die sich in den nächsten Jahren nicht grundlegend ändern. Konzentrier dich auf diese fundamentalen Prinzipien und mentalen Modelle.

3. Lerne, wie man lernt. Nur wenige sind sich bewusst, dass das überhaupt eine eigene Fähigkeit ist. Drei Bausteine helfen. Erstens: wissenschaftliche Methoden verstehen – warum eine wissenschaftliche Denkweise so wertvoll ist. Zweitens: den Wert von diversem Wissen erkennen. Menschen mit vielen Interessen haben laut Studien eine höhere Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein, weil sie Muster und fundamentale Prinzipien über Felder hinweg erkennen – ob in Wirtschaft, Erziehung, Führung, Sport oder Ernährung. Wer ein schlechtes Gewissen wegen zu vieler Interessen hat, sollte das als Stärke begreifen. Drittens: kognitive Verzerrungen verstehen. „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahneman ist ein guter Einstieg in diese Welt. Je mehr du über die eigene Psyche lernst, desto klarer siehst du, wo dein Denken und Lernen verzerrt sind.

Jeder Mensch in der westlichen Welt hat den gleichen Zugang zum Internet. Aber nicht jeder weiß, wie er ihn nutzt. Die einen leben in einer Informationswüste, die anderen in einer Informations-Utopie. Die Fähigkeit, mit dieser Online-Welt umzugehen, ist enorm mächtig – und wird stark unterschätzt.

Diese Folge baut auf einem Fundament, das wir an mehreren Stellen vertiefen. Warum First Principles Thinking der Schlüssel ist, um zur Wurzel eines Themas vorzudringen, hörst du in der eigenen Folge dazu. Wie du das Lernen selbst systematisch beschleunigst, zeigt Lebenslanges Lernen. Dass deine Entwicklung die wichtigste Investition ist, vertieft In sich selbst investieren. Und wie du gezielt von herausragenden Menschen profitierst, statt im Rauschen zu versinken, behandelt Von den Besten lernen.

Häufige Fragen zu Breakthrough Knowledge

Was ist Breakthrough Knowledge? Breakthrough Knowledge, im Deutschen innovatives Wissen, ist Wissen, das deine bisherige Denkweise oder dein Weltbild grundlegend verändert – im Gegensatz zu inkrementellem Wissen, das nur bestätigt und vertieft, was du bereits weißt. Eine einzige Erfahrung mit Breakthrough Knowledge kann die Richtung deines ganzen Lebens verändern und gilt als ultimativer Lernhebel.

Wie erkenne ich innovatives Wissen? Stell bei jeder Information die magische Frage: „Hat dieses Buch, dieser Artikel oder diese Quelle das Potenzial, mein Leben grundlegend zu verändern?“ Wenn die Antwort Ja lautet, ist die Chance auf Breakthrough Knowledge hoch. Wenn die Quelle nur vertieft, was du schon weißt – etwa das fünfte Buch zum selben Thema – handelt es sich meist um inkrementelles Wissen.

Warum ist es heute so schwer, innovatives Wissen zu finden? Vier Probleme stehen im Weg: der Content Schock (es wird mehr Inhalt produziert, als jemand konsumieren kann), die Echokammer (Gruppen tauschen Wissen kaum über ihre Grenzen hinweg), die permanente Ablenkung (Plattformen kämpfen gezielt um deine Aufmerksamkeit) und FOMO (zu viele gute Optionen lassen jede Entscheidung unsicher wirken).

Wie hole ich mehr Breakthrough Knowledge in mein Leben? Drei Ansätze: Stell bei jeder Quelle die magische Frage. Fokussiere dich auf fundamentales Wissen – First Principles und mentale Modelle statt flüchtiger News. Und lerne, wie man lernt: Verstehe wissenschaftliche Methoden, den Wert von diversem Wissen und kognitive Verzerrungen. Entscheidend ist, proaktiv mit der Informationsflut umzugehen statt reaktiv.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Benjamin Graham – Intelligent investieren: Für Warren Buffett mit 19 Jahren der entscheidende Augenöffner – die Grundlage seiner gesamten Investment-Philosophie.
  • Robert Kiyosaki – Rich Dad Poor Dad: Für viele ambitionierte Ingenieure das erste Buch über persönliche Finanzen – voller Denkweisen, die das bisherige Weltbild radikal infrage stellen.
  • Ray Dalio – Principles: Hohe Dichte an fundamentalen Prinzipien; zusammen mit dem Video „How the Economic Machine Works“ ein Beispiel für First-Principles-Wissen, das Bestand hat.
  • James Clear – Die 1%-Methode (Atomic Habits): Im Bereich Gewohnheiten stark von First Principles getrieben.
  • Daniel Kahneman – Schnelles Denken, langsames Denken: Ein guter Einstieg, um kognitive Verzerrungen und das eigene Denken besser zu verstehen.
  • Douglas Adams – The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy: Laut Elon Musk das Buch, das ihm geholfen hat, größer zu denken und größere Probleme anzupacken.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Mindset.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit.

Transkript

Herzlich willkommen zu Folge Nummer 140: eine unterschätzte Fähigkeit erfolgreicher Menschen. Irgendwo auf dieser Welt gibt es gerade einen Absatz, ein Kapitel oder ein Buch, das dein Leben für immer verändern würde, wenn du es liest. Diese Art von Information nennt man Breakthrough Knowledge oder im Deutschen innovatives Wissen. Und die Fähigkeit, in der heutigen Informationsflut – rund um das ganze Internet – innovatives Wissen zu finden, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die man entwickeln kann.

Ich glaube, jeder von uns ist schon einmal auf innovatives Wissen gestoßen. Vielleicht war es ein Satz von den Eltern, von einem Mentor oder einem Lehrer, der bei dir hängen geblieben ist. Oder ein bestimmtes Buch, das für dich alles verändert hat. Ein paar Beispiele: Für Warren Buffett war es das Buch „Intelligent investieren“ von Benjamin Graham, das er mit 19 Jahren gelesen hat. Die grundlegende Philosophie darin hat ihm die Augen geöffnet und sein gesamtes weiteres Leben geprägt. Für Elon Musk war es das Buch „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“. Laut seiner Aussage hat es ihm geholfen, größer zu denken und größere Probleme anzupacken – und das macht er bis zum heutigen Tag. Für viele ambitionierte Ingenieure ist es das Buch „Rich Dad Poor Dad“. Für mich war es teilweise auch ein Buch mit sehr viel innovativem Wissen, gerade weil man sich in den ersten Jahren des Berufslebens noch gar nicht so sehr mit persönlichen Finanzen auseinandergesetzt hat. Für viele ist es ein Augenöffner.

Diese Art von Büchern ist wirklich sehr selten. Ein solches Buch mit innovativem Wissen ist mehr wert als 1000 gute Bücher. Eine Erfahrung mit Breakthrough Knowledge dauert vielleicht nur ein paar Minuten oder ein paar Stunden, wenn man das Buch liest – aber sie kann die Richtung deines gesamten Lebens grundlegend verändern. Innovatives Wissen ist der ultimative Lernhebel.

Ich möchte dieses Thema etwas beleuchten. Wir leben heute in einer Welt der Informationsflut. Internet, Social Media, Smartphones – all das sorgt für einen Information Overload. Und dieser Overload ist noch deutlich facettenreicher. Deshalb möchte ich im ersten Schritt die vier Probleme genauer betrachten, die hinter diesem Information Overload stecken: Content Schock, Echokammer, permanente Ablenkung und FOMO, also Fear of Missing Out. Vier große Kernfelder. Danach schauen wir uns ein paar Lösungen an, wie du mehr Breakthrough Knowledge in dein Leben holen kannst.

Starten wir mit dem ersten Problem: Content Schock. Jede Sekunde, jeden Tag werden Unmengen an neuem Content veröffentlicht. Die Möglichkeit, dass jeder von uns diesen gesamten Content lesen kann, ist schon lange vorbei. Niemand kann mit der Geschwindigkeit mithalten, in der heute neuer Content produziert wird. Das heißt, das Gap zwischen dem gesamten kollektiven menschlichen Wissen und unserer Zeit, dieses Wissen zu konsumieren, wird immer größer. Dieses Gap zwischen Content-Produktion und Content-Konsum nennt man Content Schock. Das Problem: Da draußen gibt es unendlich viel hilfreiches Wissen, das wir vermutlich niemals entdecken werden – einfach weil es so viel davon gibt.

Das zweite Problem ist die Echokammer. Sie spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, wie man auf innovatives Wissen stößt. Du kennst wahrscheinlich das deutsche Sprichwort „Gleich und gleich gesellt sich gern“. Menschen, die sich ähnlich sind, verbringen gerne Zeit miteinander. Würde man eine Gruppe fremder Menschen in einen Raum bringen, fühlten sich die Gleichgesinnten mehr zueinander hingezogen – das nennt man soziale Homophilie, die Tendenz, Menschen zu mögen, die einem ähnlich sind. Aus Gleichgesinnten werden Freunde, aus Freunden formt sich eine eigene Gruppenkultur. Eine Echokammer ist ein Raum, in dem der Schall stark widerhallt – und genau das passiert in solchen Gruppendynamiken. Es entstehen verschiedene Silos. Dieser Effekt macht es schwer, dass Wissen zwischen den unterschiedlichen Gruppen geteilt wird. Das findest du überall – Religion, Politik, egal wo es Menschen gibt. Jede Gruppe lebt in ihrer eigenen Echokammer, die sie für die wahre Realität hält. Das hat weniger mit dem Internet zu tun als mit der Psychologie des Menschen – und macht es noch schwerer, auf innovatives Wissen zu stoßen.

Problem Nummer drei: Ablenkung. Marketing-Experten und Softwareentwickler haben einen nie dagewesenen Zugang zu Daten über menschliches Verhalten – Stichwort Big Data. Sie nutzen diese Informationen für ein Ziel, gerade im Kontext von Social Media: Wie gewinne und fessele ich die Aufmerksamkeit von Menschen? Social-Media-Feeds wurden zu genau diesem Zweck entwickelt – deine Aufmerksamkeit so lange wie möglich zu binden. Jedes Jahr fließen Milliarden in die Weiterentwicklung dieser Plattformen. Der Gründer einer Meeting-App hat einmal gesagt: „If you think this is addictive, just wait until five years from now.“ Also: Wenn du glaubst, dass das heute schon süchtig macht, dann warte ab, wie das in fünf Jahren aussieht. Deine physische und virtuelle Umgebung besteht immer mehr aus Dingen, die an dir ziehen und deine Aufmerksamkeit wollen. Dieser Hang zur permanenten Ablenkung ist ein echtes Problem, und die Tendenz wird extremer.

Das vierte Thema ist FOMO, Fear of Missing Out. Heute gibt es im Vergleich zu vor einem Jahrzehnt viel mehr interessanten Content, den man sich gerne ansehen, anhören oder durchlesen möchte. Es gibt unzählige gute Optionen. Aber mehr Optionen sind nicht immer gut – man muss auf einige sehr gute verzichten. Und dann kommt die Verlustaversion ins Spiel, ein psychologisches Phänomen: die Tendenz des Menschen, Verluste höher zu gewichten als Gewinne. Das Gefühl, da sind so viele gute Sachen, die ich mir nicht anschauen kann, ist keine gute Emotion. Soll ich mich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen, um mehr über die Zukunft zu erfahren? Oder meine Kommunikations-Skills verbessern, um eine bessere Führungskraft zu werden? Oder die neuesten Workout-Techniken, das neueste Ernährungsbuch oder den neuesten Erziehungsratgeber lesen? All diese Bereiche sind wichtig. Aber die Entscheidung, worauf man den Fokus legt, ist extrem schwer. Zu viele gute Optionen in Kombination mit zu wenig Erfahrung darüber, welche wirklich die beste ist, führen dazu, dass man seine Entscheidungen ständig infrage stellt und immer das Gefühl hat, etwas zu verpassen.

Diese vier Probleme führen dazu, dass viele Menschen mit Wissen umgehen wie mit Fastfood in der Ernährung. In der Gesundheitspolitik spricht man von der Lebensmittelwüste: einer geografischen Region, in der es kaum gesunde Lebensmittel gibt – Fastfood statt Vitamine. Genauso ist es mit Information. Lebensmittel sind der Input für deine Gesundheit und Energie, Informationen sind der Input für dein Wissen und deine Erfahrungen. Eine Informationswüste bedeutet, voll mit Fastfood-Wissen zu sein. Der Worst Case: Einige leben in dieser Informationswüste und glauben, sie würden dadurch smarter. Das ist nicht der Fall. Nur weil wir mehr Informationen haben und den ganzen Tag in einer Fülle an Informationen leben, werden wir nicht klüger.

Das mag ein dunkles Bild malen. Das Gute daran ist: Es gibt so viel Breakthrough Knowledge wie noch nie zuvor. Es gibt Studien, die besagen, dass wir in neun Jahren die Menge an wissenschaftlichen Erkenntnissen verdoppelt haben werden. Das ist eine extrem wertvolle Tendenz für die allgemeine Entwicklung. Wenn wir wissen, wie wir mit der Informationsflut richtig umgehen, leben wir in der besten Zeit überhaupt. Wer nicht damit umgehen kann, lebt in Fastfood-Wissen und wird nicht smarter. Wer es kann, lebt in einem wahren Schatz an Informationen. Menschen, die schnell auf innovatives Wissen zugreifen und gleichzeitig das Rauschen minimieren, haben einen immensen Vorteil gegenüber anderen. Genau das ist die unterschätzte Fähigkeit, die im Titel dieser Folge steckt. Der einzige Weg, die Informationsflut in eine Informations-Utopie zu verwandeln, besteht darin, proaktiv damit umzugehen statt reaktiv. Im Folgenden gebe ich dir drei Ansätze an die Hand.

Punkt Nummer eins: Stell die magische Frage. Einer der wichtigsten Punkte, wenn es ums Lernen geht, ist die Unterscheidung zwischen zwei Arten von Wissen: inkrementellem Wissen, also stufenweisem Wissen, und innovativem Wissen, also Breakthrough Knowledge. Inkrementelles Wissen bestätigt im Grunde das, was du heute bereits weißt. Das ist nicht verkehrt und nicht unwichtig. Aber wenn du ein weiteres Buch zum Thema Führung liest, obwohl du bereits acht Führungsbücher gelesen hast, wird sich das kurzfristig gut anfühlen, aber kaum etwas Bahnbrechendes auslösen. Es ist wichtig, in die Tiefe zu gehen und zu verfeinern – aber das ist kein Breakthrough Knowledge. Innovatives Wissen dagegen bietet dir eine neue Sichtweise auf die Welt und fordert deine bisherige Denkweise und dein Weltbild heraus. „Rich Dad Poor Dad“ ist für viele ambitionierte Ingenieure das erste Buch über persönliche Finanzen – voller Denkweisen, die ihr bisheriges Weltbild radikal infrage stellen. Das zweite, dritte oder vierte Buch zum selben Thema ist dann inkrementelles Wissen.

Breakthrough Knowledge zu identifizieren, ist gar nicht so schwer. Es gibt eine Frage, die hier Wunder wirkt und die ich immer wieder nutze. Es geht nicht nur um die Buchwahl, sondern um jede Information, die du konsumierst: wem du auf Social Media folgst, auf welchen Plattformen du unterwegs bist, welche Artikel du liest, welche Videos du anschaust und natürlich welche Bücher du liest. Jedes Mal solltest du dir eine Frage stellen: Hat dies das Potenzial, mein Leben grundlegend zu verändern? Schau mit dieser Frage auf deine Leseliste – auf die Bücher, die du in den nächsten Monaten lesen möchtest. Dann merkst du: Manche enthalten inkrementelles Wissen, das du nur verfestigst. Bei anderen hast du das Gefühl: Mit diesem Buch kann ich blinde Flecken aufdecken und neue Felder entdecken. Mit dieser Frage wird schnell offensichtlich, in welcher Kategorie du dich bewegst. Auch wenn du heute ein Buch liest, ist es wichtig zu reflektieren, in welcher Wissenskategorie du dich befindest.

Punkt Nummer zwei: Das Thema Informationsflut ist ein uraltes Problem mit uralten Lösungen. Es gibt ein spannendes Zitat von Seneca, dem römischen Philosophen: „Was nützt es, unzählige Bücher und Bibliotheken zu haben, deren Titel der Besitzer in einem ganzen Leben kaum durchlesen kann? Der Lernende wird nicht belehrt, sondern durch die Masse der Bücher belastet.“ Schon im Römischen Reich war die Informationsflut ein Problem. Bei jedem uralten Problem gibt es Generationen von Menschen, die versucht haben, es zu lösen. Das ist ein Indiz dafür, dass es bewährte Lösungen gibt. Eine davon: Wissen ist wie ein Baum. Elon Musk hat in einem Interview sinngemäß gesagt: Es ist wichtig, Wissen als eine Art Baum zu betrachten. Stell sicher, dass du die grundlegenden Prinzipien verstehst – die Wurzeln, den Stamm und die großen Äste – bevor du zu den Blättern, also den Details, kommst. Dazu gibt es übrigens eine eigene Folge: Folge Nummer 127, wie Elon Musk denkt, First Principles Thinking.

Betrachte vor diesem Hintergrund deine Informationsquellen: Wem folgst du auf Social Media, welche Bücher liest du, was sind deine Quellen? Sind das eher Details, die Blätter – etwa News? Ein Buch mit einer Meinung über Corona ist zum Beispiel kein First Principles Thinking. Viel besser wäre „Principles“ von Ray Dalio – in Deutschland heißt es „Die Prinzipien des Erfolgs“ – oder sein Video „How the Economic Machine Works“, das eine hohe Dichte an grundlegendem Wissen enthält. Wie wirtschaftliche Zusammenhänge funktionieren, ändert sich in den nächsten Jahren nicht grundlegend, weil es fundamentale Prinzipien sind. Das Format ist nicht immer entscheidend dafür, ob etwas First Principles enthält. Aber tendenziell sind Social-Media-Beiträge flüchtiger und weniger fundamental, während ein Buch oft mehr Substanz hat. Das ist der große Grund, warum ich das Thema Bücher lesen so stark betone und einen riesigen Wert darauf lege. Die Lösung Nummer zwei – eine uralte Lösung – ist also, sich auf fundamentales Wissen zu fokussieren: First Principles und mentale Modelle. Das sind zwei Begriffe, zu denen es viele spannende Artikel gibt. Charlie Munger, der Partner von Warren Buffett, predigt dieses Thema stark. Und auch ich versuche, in meinen Beiträgen, im Podcast und im Newsletter, fundamentale Prinzipien zu liefern – keine flüchtigen News, keine Blätter, die morgen wieder vergessen sind.

Die Lösung Nummer drei wird meist unterschätzt: lernen, wie man lernt. Nur wenige sind sich bewusst, dass „lernen, wie man lernt“ überhaupt eine eigene Fähigkeit ist. Die Folge ist, dass viele darin nicht gut sind und sich auch nicht darin verbessern. Dazu gehört, zu verstehen, wie wissenschaftliche Methoden funktionieren – warum eine wissenschaftliche Denkweise so wertvoll ist. Auch hier empfehle ich die Folge 127, wie Elon Musk denkt, weil wissenschaftliches Denken bei ihm stark verankert ist und eng mit First Principles Thinking zusammenhängt. Zweiter Punkt: den Wert von diversem Wissen verstehen. Ich habe vom Problem der Echokammern gesprochen – sich dessen bewusst zu sein, ist wichtig. Ein spannender Gedanke: Menschen, die in Anführungsstrichen zu viele Interessen haben, haben laut diverser Studien eine höhere Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein. Ich treffe viele Menschen mit schlechtem Gewissen, die sich für so viele Dinge interessieren und glauben, sie müssten sich fokussieren. Dabei sind sie enorm gut darin, zu lernen, weil Diversität stärkt: Man erkennt Muster, mentale Modelle und fundamentale Prinzipien, die über verschiedene Wissensbereiche verteilt sind – ob Wirtschaft, Erziehung, Führung, Sport oder Ernährung. Diese Felder haben viele fundamentale Prinzipien gemeinsam. Menschen mit breiten Interessen haben einen großen Vorteil, weil sie diesen Wert von diversem Wissen erkennen. Das Thema Fokus ist eine andere Baustelle und sprengt den Rahmen dieser Folge.

Der dritte Baustein zum Thema „wie man lernt“ ist ein Verständnis von kognitiven Verzerrungen, kognitiven Biases. Ich spreche an vielen Stellen in diesem Podcast immer wieder darüber. Ein ganz offensichtliches, bekanntes Buch ist „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahneman – ein guter Beginn, um in diese Welt einzutauchen. Je besser man wissenschaftliches Denken versteht und je offener man für diverses Wissen ist, desto eher liest man auch ein Buch, von dem man das Gefühl hat, überhaupt keine Ahnung davon zu haben – etwa aus dem Bereich der Physik, oder eben „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“, das Elon Musk so stark geprägt hat. Für viele liegt das außerhalb der Komfortzone, aber es macht das Wissen extrem divers. Und sich mehr mit der Psychologie des Menschen auseinanderzusetzen hilft, selbstreflektiert zu verstehen, wo man auf dem Holzweg ist und wo das eigene Denken, Lernverhalten und die Meinungsbildung verzerrt sind. Darüber zu lernen, ist unglaublich wichtig.

Das Fazit: Jeder Mensch in der westlichen Welt hat den gleichen Zugang zum Internet. Aber nicht jeder weiß gleich gut, wie er diesen Zugang nutzen kann. Die Folge ist, dass einige in einer Informations-Apokalypse leben und andere in einer Informations-Utopie. Die Fähigkeit, mit dieser Online-Umgebung umzugehen, ist extrem mächtig, wird aber stark unterschätzt – und es wird sehr wenig darüber gesprochen.

Ich fasse zusammen. Irgendwo auf der Welt gibt es gerade einen Absatz, eine Zeile, ein Kapitel oder ein Buch, das dein Leben für immer verändern würde, wenn du es liest. Diese Art von Information nennt man Breakthrough Knowledge oder innovatives Wissen. Je mehr davon du in dein Leben holst, desto spannender wird dein Lebensweg und deine Lernkurve. Zuerst habe ich vier Probleme genannt: den Content Schock als Gap zwischen Content-Produktion und Content-Konsum; die Echokammer, also das menschliche Phänomen „Gleich und gleich gesellt sich gern“; die permanente Ablenkung, weil viele Menschen Geld und Energie investieren, um deine Aufmerksamkeit zu gewinnen; und FOMO, weil es so viele gute Themen gibt, dass man nicht alles lesen kann. Diese Probleme sorgen dafür, dass viele in einer Informationswüste leben, nur mit Fastfood-Wissen und einer geringen Wahrscheinlichkeit, auf innovatives Wissen zu stoßen.

Das klingt dunkel, ist es aber nicht – denn es ist die beste Zeit überhaupt. Es gab noch nie so viel innovatives Wissen wie heute. Die Studie besagt, dass wir in neun Jahren die Menge an wissenschaftlichen Erkenntnissen verdoppelt haben werden. Schau optimistisch in die Zukunft. Menschen, die schnell auf innovatives Wissen zugreifen und gleichzeitig das Rauschen minimieren, haben einen großen Vorteil. Es geht darum, proaktiv damit umzugehen. Dafür gibt es drei einfache Lösungen. Erstens: die magische Frage stellen und den Unterschied zwischen inkrementellem und innovativem Wissen verstehen. Frag bei jedem Artikel, jedem Buch, jeder Quelle und jeder Person, der du folgst: Hat das das Potenzial, mein Leben grundlegend zu verändern? Zweitens: Verstehe, dass die Informationsflut ein uraltes Problem mit uralten Lösungen ist. Wissen ist wie ein Baum – fokussiere dich auf die grundlegenden Prinzipien, die Wurzeln, den Stamm und die großen Äste, und springe nicht zu schnell auf die Blätter und Details. First Principles Thinking und mentale Modelle. Drittens: lernen, wie man lernt – eine stark unterschätzte Fähigkeit. Verstehe die wissenschaftliche Denkweise, den Wert von diversem Wissen und kognitive Verzerrungen, und wie der Mensch generell mit Informationen umgeht.

Jeder von uns hat den gleichen Zugang zum Internet, aber nicht jeder weiß gleich gut, wie er diesen Zugang richtig nutzt. Die Fähigkeit, mit dieser Informationsflut richtig umzugehen, ist unglaublich mächtig und sehr stark unterschätzt. Ich hoffe, ich habe dir einige Impulse zur Reflexion deiner Informationsquellen mitgegeben – damit du kein Fastfood-Wissen mehr konsumierst und die Dichte an innovativem Wissen in deinem Leben weiter erhöhst. Das soll es für diese Folge gewesen sein. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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