Unternehmer werden oder angestellt bleiben? Welchen Weg du wählst

Eigener Chef sein, frei entscheiden wann und wo du arbeitest, deine Ideen voll einbringen, dein Einkommen ohne Deckel nach oben entwickeln – das sind die großen Versprechen der Selbstständigkeit. Aber muss es wirklich der Sprung ins kalte Wasser sein, um genau das zu bekommen?

In dieser Folge geht es um die drei Wege, unternehmerisch wirklich etwas zu bewegen: selbst von null gründen, ein bestehendes Unternehmen kaufen oder in einem jungen Wachstumsunternehmen vom ersten Tag an mitgestalten. Und um die wichtigste Aufgabe, an der jede Gründung zuerst entschieden wird – den Product-Market-Founder-Fit.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Freiheit, Gestaltungsspielraum und ein Einkommen ohne Deckel bekommst du nicht nur über den Sprung in die Selbstständigkeit – es gibt mehrere unternehmerische Wege dorthin.
  • Phase 1 – Product-Market-Founder-Fit: Drei Zahnräder müssen ineinandergreifen – ein großes Problem einer homogenen Zielgruppe, ein passendes Angebot und ein Thema, das dich als Gründer begeistert.
  • Du brauchst keine geniale Idee, sondern ein großes Problem. „Schmerzmittel statt Vitamin“: Menschen zahlen für die Lösung echter Schmerzen, nicht für Nice-to-haves.
  • Lean Startup statt Businessplan: schlank, nebenberuflich und iterativ starten. „Sharpen ideas in your market, not in your mind.“ 80 % deiner Zeit fließen anfangs in Sales und Marketing.
  • Phase 2 beginnt, wenn der Proof of Concept steht: stabiler Cashflow, erste Kunden, und der nächste Engpass ist deine Zeit – das Thema Teamaufbau drängt sich auf.
  • Phase 1 lässt sich überspringen: ein Unternehmen in Phase 2 kaufen oder als Mitgestalter in ein junges Wachstumsunternehmen einsteigen – „You’re only a man of time until you become an owner.“

Drei unternehmerische Wege: die Kernidee

Der Denkfehler: Freiheit gibt es nur in der Selbstständigkeit

Ausgangspunkt war das Gespräch mit einem Mentee, der mit der Selbstständigkeit liebäugelt, aber unsicher ist, ob sie das Richtige für ihn ist. Was ihn reizt: eigener Chef sein, Freiheitsgrade, Ideen voll einbringen, ein Gehalt ohne Limit. Der entscheidende Denkfehler dabei: Für all das musst du dich gar nicht zwingend selbstständig machen. Diese Folge ist deshalb für drei Gruppen gedacht – für ein klares Ja zur Selbstständigkeit, für Unentschlossene und ausdrücklich auch für alle, die in der Konzernwelt bleiben und sich dort entfalten wollen.

Phase 1: der Product-Market-Founder-Fit

Wer von null gründet, hat genau eine wichtigste Aufgabe: den Product-Market-Founder-Fit zu finden. Drei Kreise, die ineinandergreifen müssen. Erstens der Markt – ein großes Problem einer homogenen Zielgruppe. Die Leitfrage: Was lässt diese Zielgruppe nachts wach liegen? Du brauchst keine Idee, du brauchst ein großes Problem. Zweitens das Angebot – die Lösung für genau dieses Problem, meist der einfachere Teil. Drittens der Founder-Aspekt: Markt und Angebot sollten Themen sein, die dich persönlich begeistern und zu deinen Stärken passen. Geld allein reißt dich morgens nicht aus dem Bett. Den Fit findest du nicht am Schreibtisch, sondern im Markt – durch 30 bis 50 Gespräche mit deiner Zielgruppe (idealerweise deinen Wunschkunden), durch Zuhören und Beobachten.

Lean Startup statt dickem Businessplan

Die Gedanken stammen aus der Lean-Startup-Philosophie (Eric Ries): schlank, in kleinen Schritten, idealerweise nebenberuflich starten. „Sharpen ideas in your market, not in your mind – marketing is just the fancy word for test.“ Eine Idee ist eine Hypothese, die du so schnell wie möglich im Markt prüfst. Der Dreiklang: ein attraktiver Markt wiegt am schwersten, dann ein attraktives Angebot, erst danach deine Sales-Kompetenz – ein starker Markt und ein gutes Angebot kompensieren schwache Verkaufsfähigkeiten. „80 % deiner Zeit fließen anfangs ins Verkaufen deines Kernprodukts.“ Das Gegenbeispiel ist der Segway: viel Investorengeld, ein erdachtes Zukunftsprodukt – nur nie im Markt getestet, und ein großer Flop. Wie ein Wissenschaftler vorgehen statt auf Glück hoffen, das ist der schnellste Weg persönlichen Wachstums – und gleichzeitig zäh, einsam und eine Achterbahn der Gefühle.

Phase 2 – und drei Wege, Phase 1 abzukürzen

Phase 2 ist erreicht, wenn der Proof of Concept steht: keine Überraschungen mehr in Gesprächen, erste Kunden, stabiler Cashflow, erste Rücklagen – und der nächste Engpass ist deine Zeit, sodass sich Teamaufbau aufdrängt. Daraus ergeben sich die drei Wege. Erstens: selbst von null gründen und Phase 1 voll durchlaufen – Pflichtprogramm, wenn du dich selbstständig machen willst. Zweitens: ein Unternehmen kaufen, das bereits in Phase 2 ist (Stichwort „Buy Then Build“, Acquisition Entrepreneurship) – gerade in den kommenden Jahren der Unternehmensnachfolge eine reale Option, oft eher mit 40 als mit Mitte 20. Drittens – der Weg, den Tim am meisten empfiehlt: in ein junges Wachstumsunternehmen in Phase 2 einsteigen und dich von Tag eins unternehmerisch einbringen. Per LinkedIn-Suche (mit Booleschen Operatoren, z. B. nach technischen Startups) die Gründer finden, proaktiv anschreiben, ungefragt helfen – „helfen, helfen, helfen“ statt sich zu bewerben. Wer als Person Nummer 6 oder 30 in ein Unternehmen kommt, das auf 900 wachsen kann, gewinnt enorm – ohne die schlaflosen Nächte einer Gründung von null.

Wer den dritten Weg gehen will, ohne sofort alles auf eine Karte zu setzen, kann das Ganze nebenberuflich antesten und ein Side Business starten. Und die wichtigste Vorbedingung für jeden dieser Wege ist, zuerst in dich selbst zu investieren – denn die Sales-, Marketing- und Founder-Kompetenzen entscheiden über den Fit.

Häufige Fragen zu den unternehmerischen Wegen

Muss ich mich selbstständig machen, um mehr Freiheit und Einkommen zu haben? Nein. Eigener Chef sein, frei über Zeit und Ort entscheiden, eigene Ideen umsetzen und das Einkommen ohne Deckel entwickeln – das gewinnst du auch, indem du in ein junges Wachstumsunternehmen einsteigst und dich dort unternehmerisch einbringst oder ein bestehendes Unternehmen kaufst. Der Sprung in die Selbstständigkeit von null ist nur einer von drei Wegen.

Was ist der Product-Market-Founder-Fit? Das Ineinandergreifen von drei Faktoren: ein großes Problem einer homogenen Zielgruppe (Markt), eine passende Lösung dafür (Produkt) und ein Thema, das dich als Gründer begeistert und zu deinen Stärken passt (Founder). Diesen Fit zu finden ist die wichtigste Aufgabe der ersten Phase – und du findest ihn nur durch viele Gespräche im Markt, nicht am Schreibtisch.

Brauche ich eine geniale Geschäftsidee, um zu gründen? Nein. Der häufigste Denkfehler ist „Ich brauche eine Idee“. Du brauchst stattdessen ein großes Problem einer klar abgegrenzten Zielgruppe. Die Lösung ergibt sich meist fast von selbst – schwerer ist es, das wirklich große Problem zu identifizieren. Faustregel: ein Schmerzmittel anbieten, kein Vitamin.

Wie kann ich die mühsame Anfangsphase abkürzen? Über zwei Wege. Du kaufst ein Unternehmen, das bereits in Phase 2 ist (stabiler Cashflow, Proof of Concept) – oder du steigst in ein junges Wachstumsunternehmen ein, das gerade Phase 2 erreicht hat, und bringst dich dort von Anfang an unternehmerisch ein. Der einfachste Einstieg: passende Gründer per LinkedIn finden, proaktiv anschreiben und zunächst ungefragt helfen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Eric Ries – The Lean Startup: schlank, iterativ und im Markt testen statt am Schreibtisch planen.
  • Rob Fitzpatrick – The Mom Test: wie du Kunden richtig interviewst und ein ehrliches Bild des Problems bekommst.
  • Alex Hormozi – $100M Offers: Angebote gestalten, zu denen die Zielgruppe schwer Nein sagen kann.
  • Michael Masterson – Ready, Fire, Aim: die Phasen der Unternehmensentwicklung von null bis zum skalierten Unternehmen.
  • Walker Deibel – Buy Then Build: ein bestehendes Unternehmen kaufen statt von null gründen (Acquisition Entrepreneurship).
  • Phil Knight – Shoe Dog: die Achterbahn der Gefühle und das Durchhaltevermögen einer Gründungsgeschichte.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema unternehmerisch denken & gründen und Karriere als Ingenieur.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge 139: Unternehmer, Intrapreneur oder Angestellter – welchen Weg wählst du? Ausgangspunkt war ein Austausch mit einem unserer Mentees zum Thema Selbstständigkeit. Er war unsicher, ob die Selbstständigkeit überhaupt das Richtige für ihn ist. Das Thema reizt und begeistert ihn – und das kann ich gut verstehen. Es gibt viele Argumente dafür: der eigene Chef sein, Freiheitsgrade haben, also selbst entscheiden, wann und wo du arbeitest, eigenständig gestalten und deine Ideen voll einfließen lassen, und auch deiner Gehaltsentwicklung sind kaum Grenzen gesetzt. Seine Ausgangssituation: Er hatte in der Vergangenheit schon einiges probiert, einige Ideen umgesetzt, aber nichts ist so richtig zum Erfolg geworden. Und so stand die Frage im Raum: Ist das Ganze überhaupt das Richtige für mich – und wie gehe ich weiter vor?

Die Punkte in dieser Folge sind vereinfachte Gedanken zu den unterschiedlichen Phasen einer Unternehmensentwicklung. Kleiner Disclaimer: Das sind meine Erfahrungen, viele basieren auf First Principles und meiner Grundphilosophie, aber ich bin natürlich von meinem persönlichen Weg geprägt. Das heißt nicht, dass das hier der einzige Weg zum Erfolg im Unternehmertum ist. Aber ich habe in den letzten Jahren eine ganze Menge gelernt, gelesen, gehört und in vielen Austauschen mit unterschiedlichen Unternehmen über diese Frage erfahren. Es ist im Grunde die dritte Folge zum Thema Selbstständigkeit in diesem Podcast – die ersten beiden sind Folge 52 (Die wichtigste Kompetenz beim Start in die Selbstständigkeit, Teil 1) und Folge 53 (Der Erfolgsfaktor Nummer 1, Teil 2). Hör da gern rein, wenn dich das Thema interessiert.

Diese Folge ist aber nicht nur für Menschen, die sich für die Selbstständigkeit interessieren. Im Gegenteil: Auch wenn du sagst, die Selbstständigkeit ist gar nicht mein Thema, ich möchte in der Konzernwelt bleiben, mir ist diese Sicherheit wichtig – auch dann sind all die genannten Punkte (Freiheitsgrade, Ideen einbringen, langfristige Gehaltsentwicklung) erreichbar. Dafür musst du nicht den Weg in die Selbstständigkeit gehen. Das ist ein großer Denkfehler, den ich selbst gelernt habe. Egal also, ob ein klares Ja, ein Unentschlossen oder ein klares Nein zur Selbstständigkeit – für alle drei Optionen ist diese Folge spannend, allein um zu verstehen, wie Gründungs- und Unternehmensentwicklung normalerweise abläuft und welche Phasen es gibt.

Ich spreche vor allem über zwei Phasen. Die erste Phase nenne ich die Phase des Product-Market-Founder-Fit. Vielleicht hast du davon schon gehört. Vieles davon wusste ich vorher nicht in dieser Form – ich habe das meiste entlang des Weges gelernt. Nach meinem Maschinenbau-Bachelor habe ich einen Master in Unternehmensführung gemacht, also eine Art MBA, und dort viele Grundlagen zum Aufbau von Unternehmen gelernt. Im Rückblick war das wertvoll, aber lange nicht so hilfreich, wie ich es gebraucht hätte. Nach dem Studium habe ich noch zwei Jahre in einem mittelständischen Unternehmen gearbeitet und bin dann in die Selbstständigkeit gesprungen – und da ging meine Lernkurve erst richtig los. Der Gedanke „Ich muss noch mehr lernen“ ist oft die verführerische Form der Prokrastination. Nach diesen drei Podcastfolgen hast du alles, was du brauchst, um anzufangen.

Viele Gedanken kommen aus der Lean-Startup-Philosophie, ursprünglich von Eric Ries, geprägt durch das Silicon Valley. Der Grundgedanke: schlank starten, in kleinen Schritten, idealerweise nebenberuflich. Der wichtigste Gedanke ist der Product-Market-Founder-Fit. Oft spricht man nur vom Product-Market-Fit; ich finde die Variante mit dem Founder deutlich besser. Stell dir drei Kreise oder Zahnräder vor, die ineinandergreifen müssen. Der erste Startpunkt ist der Markt: Du möchtest ein großes Problem einer homogenen Zielgruppe identifizieren. Die Leitfrage, die mir sehr geholfen hat: Was lässt diese Zielgruppe nachts wach liegen? Es gibt den schönen Spruch: Du möchtest ein Schmerzmittel anbieten, kein Vitamin. Menschen tendieren viel eher dazu, ihre Schmerzen zu lösen, als präventiv zu investieren. Deshalb baust du deinen Business Case auf einem großen Problem auf, nicht auf einem Nice-to-have. Krisenbeständige Unternehmen – etwa in Phasen wie Corona – sind meist die, die auf einem großen Problem einer homogenen Gruppe aufsetzen.

Ein klassischer Fehler ist die Denkweise „Ich brauche eine Idee“. Du brauchst keine Idee, du brauchst ein großes Problem. Dann kommt der Produktteil: ein Angebot, eine Lösung für genau dieses Problem – meist gar nicht so kompliziert. Viel schwerer ist es, das große Problem zu identifizieren. Darauf baut der Founder-Aspekt auf: Markt und Angebot sollten Themen sein, die dich persönlich begeistern und in denen du idealerweise schon Kompetenzen hast. Sonst wird es schwer, durchzuhalten. Es mag vernünftig klingen, einen Markt mit hohen Margen zu wählen – aber Geld verdienen ist nicht die Motivation, die dich morgens aus dem Bett reißt. Es sind Themen, die dich begeistern.

Die wichtigste Kompetenz in dieser ersten Phase sind Sales und Marketing. Es geht darum, Daten zu sammeln und mit so vielen Menschen wie möglich zu sprechen. Ein hilfreicher Gedanke war für mich der der Wunschkunden: Mit wem möchtest du dich idealerweise die nächsten Jahre umgeben? Wenn du gern Zeit mit deinen Kunden verbringst, ist das eine ideale Voraussetzung. Du brauchst keinen Businessplan – du brauchst ein Telefon, vielleicht LinkedIn, um mit der Zielgruppe ins Gespräch zu kommen. Ich habe in meiner Anfangsphase mit 30 bis 50 Personen gesprochen, sie interviewt und versucht herauszufinden: Was lässt diese Zielgruppe nachts wach liegen? Bei mir ging es um die Frage der beruflichen Entwicklung, die homogene Zielgruppe der ambitionierten Ingenieure. Product-Market-Founder-Fit heißt auch: Ich bin selbst ambitionierter Ingenieur, daher die volle Begeisterung von meiner Seite.

In der Anfangsphase brauchst du Fokus: eine Zielgruppe mit einem konkreten großen Problem, einen einzigen Verkaufskanal, der funktioniert, und ein simples Angebot, das darauf aufsetzt. Wenn du ein großes Problem identifiziert und viele Interviews dazu geführt hast, werden die Leute oft selbst neugierig und fragen, ob du ihnen helfen kannst – dann sind Marketing und Verkauf besonders leicht. Es gibt einen Dreiklang: Erstens der Markt – ein großes, attraktives Problem einer homogenen Zielgruppe. Zweitens ein attraktives Angebot. Erst in dritter Priorität deine Sales- und Marketing-Kompetenz. Wenn du einen starken Sog im Markt und ein klasse Angebot hast, kompensiert das schwache Verkaufskompetenzen. Umgekehrt: kleines Problem, mittelmäßiges Angebot, aber erstklassige Verkaufskompetenzen – dann steht dein Geschäftsmodell auf wackligen Füßen.

Das Ganze ist ein sehr iterativer Prozess. Du musst wenig vorausdenken: zum Hörer greifen, in der Praxis Dinge notieren, reflektieren, mit vielen Leuten sprechen – und mit der Zeit formt sich das Bild des Product-Market-Founder-Fit. Das geht nur, indem du im Markt testest, nicht am Schreibtisch. Der Gegensatz dazu ist der klassische Gründungsgedanke: ein fancy Businessplan, ein halbes Jahr einschließen, ein Produkt entwickeln, viel Investorengeld – und am Ende kommt ein Produkt heraus, das niemand braucht. Klassisches Beispiel: der Segway. Er sollte die Mobilität in den Städten revolutionieren, war aber ein riesiger Flop, weil man vergessen hat, das Ganze zu testen. Diesen Prozess kannst du nicht abkürzen. Wenn du ein neues Unternehmen von null gründest, gibt es keinen Weg daran vorbei: Du musst wie ein Wissenschaftler vorgehen und nicht auf Glück hoffen.

Ein Vergleich, den ich gern ziehe: der zwischen Arzt und Unternehmer. Beim Arzt ist klar, dass man eine langwierige Ausbildung braucht. Aus irgendwelchen Gründen glauben die meisten, beim Unternehmertum sei das anders – man brauche nur eine goldene Idee, der Rest käme von allein. Das ist Quatsch. Auch im Unternehmertum brauchst du eine Ausbildung, nur gibt es dafür kein klassisches Studium. Die meisten Entrepreneurship-Studiengänge sind mir zu theoretisch. Ein ideales Studium wäre, innerhalb von zwei, drei Jahren ein Unternehmen aufzubauen, den Product-Market-Founder-Fit in der Praxis zu testen und am Ende ein fertiges Unternehmen zu haben.

Ich möchte einige Gedanken aus meinem persönlichen Leitbild teilen – die Idee des Leitbilds stammt von Stephen Covey aus „Die 7 Wege zur Effektivität“. Genau das machen wir auch mit unseren Mentees: zu Beginn das Fundament eines Leitbilds aufbauen. Man trifft damit deutlich bessere Karriereentscheidungen, handelt authentischer und hat ein besseres Gefühl für die langfristige Ausrichtung. Ein Teil meines Leitbilds besteht aus Grundprinzipien, viele davon im Original Englisch. Die ersten beiden: „Sharpen ideas in your market, not in your mind“ und „Marketing is just the fancy word for test“. Ideen solltest du nicht am Schreibtisch ausarbeiten, sondern im Markt. Eine Idee ist eine Hypothese, die du so schnell wie möglich testest. Der Gedanke „Ich habe eine goldene Idee und verrate sie keinem“ ist ein Trugschluss – so verbaust du dir das Feedback des Marktes.

Weitere Gedanken: „It’s hard to beat the man who never gives up.“ Und: „Show up every day for two years.“ Gerade die Anfangsphase kann zäh sein. Fortschritt ist der größte Motivator, und das Gefühl von Fortschritt kommt durch Rückmeldungen. Es kann frustrierend sein, fünf Ideen zu testen, die nicht funktionieren, und das Gefühl zu haben, nach drei Monaten noch am Anfang zu stehen. Deshalb sind Durchhaltevermögen und Grit so wichtig. Dann: „It matters both where you aim and how hard you go.“ Du kannst rund um die Uhr hart rudern – wichtiger ist die smarte Entscheidung, welche Zielgruppe du wählst. „If you start a business, 80 percent of your time must be selling your lead product.“ Gerade Ingenieuren ist das oft Neuland. Sales- und Marketing-Kompetenzen sind die wichtigste Aufgabe dieser Phase; alles andere ist Ablenkung und Prokrastination.

Ein wichtiger Satz: „Loneliness is without doubt the hardest part of being a founder.“ Meist gründet man allein. Ich hatte zwar viele Unternehmerfreunde und Supporter, aber du wirst immer wieder den Gedanken haben, ob du das Richtige tust. Es wird ein Auf und Ab der Gefühle. Darauf solltest du dich vorbereiten – du wirst resilienter, aber es wird auch kräftezehrend. Das lernt man auch aus vielen Unternehmerbiografien; ein Paradebeispiel ist „Shoe Dog“, die Biografie des Nike-Gründers – meine Buchempfehlung Nummer eins zum Thema Durchhaltevermögen. Dazu ein Gedanke von James Clear: „Some forms of energy are already flowing downhill. Create products that tap into the desire people already have. Work on projects that play to your strengths.“ Die Idee ist, bergab zu sprinten, nicht bergauf zu kämpfen – wähle einen Markt mit hohem Bedarf und Projekte, die auf deinen Stärken aufbauen.

Drei Buchempfehlungen zu Phase 1: „Ready, Fire, Aim“ über die Phasen der Unternehmensentwicklung; vor allem aber „The Mom Test“ – eines der wichtigsten Frameworks, um den Product-Market-Founder-Fit zu finden und Kunden richtig zu interviewen; und „$100M Offers“ darüber, wie du ein so attraktives Angebot gestaltest, dass Menschen sich dumm vorkämen, Nein zu sagen. Phase 1 fühlt sich an wie ein stehendes Auto anzuschieben, vielleicht sogar mit angezogener Handbremse. Es kann Jahre dauern, bis du den Product-Market-Founder-Fit gefunden hast.

Jetzt zu Phase 2. Es gibt keinen konkreten Tag, aber Indizien: Du hast den Proof of Concept, den Product-Market-Founder-Fit gefunden. Es gibt keine Überraschungen mehr in Interviews, du hast erste Kunden gewonnen, einen stabilen Cashflow, vielleicht erste Rücklagen und finanzielle Reichweite. Der nächste Engpass sind deine Ressourcen, also deine Zeit – das Thema Teamaufbau drängt sich auf (eine Folge für sich). Wenn sich das auftut, ist Phase 2 erreicht. Was in Phase 2 wichtig ist, kannst du in „Ready, Fire, Aim“ nachlesen; dort gibt es auch Phase 3 und 4. Viel spannender ist hier die Eingangsfrage: Möchte ich diese Phase 1 überhaupt meistern, mich ins kalte Wasser stürzen? Wenn dich das reizt: Los geht’s, dann bist du mit Phase 1 unterwegs.

Wenn du aber unsicher bist und dir Alternativen anhören möchtest: Du kannst Phase 1 überspringen. Dafür gibt es zwei Wege. Der erste: ein Unternehmen kaufen, das bereits in Phase 2 ist – mit Proof of Concept, stabilem Cashflow, ersten Rücklagen, vielleicht einem kleinen Team. Solche Unternehmen gibt es gar nicht selten zu kaufen. Eine Buchempfehlung dazu ist „Buy Then Build“ über Acquisition Entrepreneurship. Du musst die Achterbahn der Gefühle nicht von neuem durchlaufen. Gerade jetzt überlegen viele ältere Unternehmer, wie sie ihr Unternehmen an junge Nachfolger abgeben – in den nächsten Jahren wird das noch viel mehr. Das muss man nicht mit Mitte 20 oder Anfang 30 machen; viele werden erst mit 40 selbstständig und haben dann Rücklagen, um ein Unternehmen zu kaufen und gleich in Phase 2 zu starten.

Die zweite Option finde ich sehr spannend, und dabei begleiten wir viele unserer Mentees: Such dir ein junges Unternehmen, das sich in Phase 2 befindet. Beispiel: Wir mit Mentorwerk befinden uns in Phase 2 beziehungsweise am Sprung dorthin. Tim Engelbert und Sebastian Richter aus meinem Team haben genau das gemacht – sie sind mit Phase 1 gestartet und haben dann gemerkt: Ich schließe mich lieber einem ganz jungen Unternehmen mit spannendem Wachstum an. Beide haben unglaublichen Drive und mich proaktiv kontaktiert, es gab keinen klassischen Bewerbungsprozess. Ich habe drei Jahre quasi allein in Phase 1 an diesem Fit gearbeitet. Mit dem Erreichen von Phase 2 kommt ruhigeres Fahrwasser – aber es ist nicht weniger spannend, sich unternehmerisch einzubringen.

Was heißt „junges Unternehmen“? Das kann eine Einzelperson sein, wie ich es damals war, oder schon 10, 15, 30 Personen. Stell dir vor, ein Unternehmen mit 30 Personen wird in zehn Jahren eines mit 900 – und du bist Person Nummer 30 und bringst dich von Tag eins proaktiv und unternehmerisch ein. Dann wirst du enorm schnell wachsen. Eines meiner Lieblingszitate: „You’re only a man of time until you become an owner.“ Vielen Mentees helfen wir genau bei diesem Weg – die Phase 1 anzutesten, hineinzuschnuppern, aber dann in Phase 2 einzutauchen und sich mehr und mehr als Mitgestalter einzubringen. Das kann eine enorme Abkürzung sein und dich vor vielen schlaflosen Nächten bewahren, wenn du an das richtige Team und die richtige Kultur kommst.

Der einfachste Weg dahin ist die LinkedIn-Suche. Nutze die Booleschen Suchoperatoren – zum Beispiel ein Stichwort AND „Engineer“ oder „Ingenieur“. Du wirst feststellen: Es gibt sehr viele technische Startups in Deutschland, oft aus der Wissenschaft, finanziell vom Staat und von Investoren unterstützt, mit einem Proof of Concept, ersten großen Kunden und enormem Wachstumspotenzial. Wenn du als Mitarbeiter Nummer 6 dazukommst, ist das unglaublich spannend. Schreib die Gründer und CEOs einfach an – meist junge Leute. Die Startup-Kultur in Deutschland ist gerade so spannend: moderne Mobilität, erneuerbare Energien, 3D-Druck und vieles mehr.

Die Grundphilosophie dabei: helfen, helfen, helfen. Du willst dich nicht bewerben, sondern einfach helfen – vielleicht drei oder sechs Monate nebenberuflich, auch unentgeltlich. Stelle nicht von vornherein Forderungen, sondern lerne das Unternehmen kennen und finde heraus, wo du deine Kompetenzen einbringen kannst. Manchmal ist es nicht leicht, an die Personen heranzukommen – das kann man lernen; Folge 130 hilft in diesem Kontext, wie du an die richtigen Personen herankommst und ins Gespräch kommst. Es braucht keine offene Stelle zu geben, und selbst ausgeschriebene Stellen kannst du ignorieren. In dieser Phase werden Stellen geschaffen, je nachdem welche Personen mit welchem Skillset auftauchen. Denk langfristig: „You’re only a man of time until you become an owner.“

Damit zurück zum Anfang: Ein Unternehmen zu gründen und sich selbstständig zu machen ist definitiv nicht der einzige Weg, eigener Chef zu sein, Freiheitsgrade zu haben und finanziell kein Limit zu kennen. Wenn du den Weg des Mitgestalters in jungen Unternehmen gehst oder ein Unternehmen kaufst, kannst du hinter jedes dieser Kriterien langfristig einen grünen Haken setzen. Der Weg der Selbstständigkeit ist gerade in den ersten Jahren kein Goldesel – wer von passivem Einkommen und schnellem Geld spricht, hat es meist noch nie gemacht. Finanzielle Freiheit ist ein langfristiger Gedanke. Viel spannender ist es, sich unternehmerisch einzubringen, dieses Spiel zu lernen und etwas zu tun, das dich jeden Tag begeistert – etwas, womit du auch dann weitermachen würdest, wenn du zehn Millionen auf dem Konto hättest. Der Gedanke der Rente ist für mich unattraktiv.

Zusammengefasst: Phase 1 dient dem Product-Market-Founder-Fit – ein großes Problem einer homogenen Zielgruppe identifizieren, ein attraktives Angebot darauf aufsetzen, und beides sollte dich als Persönlichkeit begeistern. Dann heißt es lernen, lernen, lernen und testen, testen, testen. Danach kommt Phase 2. Wenn du vor der Entscheidung stehst, ob du dich selbstständig machst, ist vielleicht der spannendere Gedanke: ein Unternehmen in Phase 2 zu kaufen oder dir ein junges Unternehmen am Anfang von Phase 2 zu suchen, in dem du dich unternehmerisch einbringen kannst, um langfristig vom Wachstum zu profitieren. Ich hoffe, da waren einige Impulse für dich dabei. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Unternehmer werden oder angestellt bleiben? Welchen Weg du wählst

Eigener Chef sein, frei entscheiden wann und wo du arbeitest, deine Ideen voll einbringen, dein Einkommen ohne Deckel nach oben entwickeln – das sind die großen Versprechen der Selbstständigkeit. Aber muss es wirklich der Sprung ins kalte Wasser sein, um genau das zu bekommen?

In dieser Folge geht es um die drei Wege, unternehmerisch wirklich etwas zu bewegen: selbst von null gründen, ein bestehendes Unternehmen kaufen oder in einem jungen Wachstumsunternehmen vom ersten Tag an mitgestalten. Und um die wichtigste Aufgabe, an der jede Gründung zuerst entschieden wird – den Product-Market-Founder-Fit.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Freiheit, Gestaltungsspielraum und ein Einkommen ohne Deckel bekommst du nicht nur über den Sprung in die Selbstständigkeit – es gibt mehrere unternehmerische Wege dorthin.
  • Phase 1 – Product-Market-Founder-Fit: Drei Zahnräder müssen ineinandergreifen – ein großes Problem einer homogenen Zielgruppe, ein passendes Angebot und ein Thema, das dich als Gründer begeistert.
  • Du brauchst keine geniale Idee, sondern ein großes Problem. „Schmerzmittel statt Vitamin“: Menschen zahlen für die Lösung echter Schmerzen, nicht für Nice-to-haves.
  • Lean Startup statt Businessplan: schlank, nebenberuflich und iterativ starten. „Sharpen ideas in your market, not in your mind.“ 80 % deiner Zeit fließen anfangs in Sales und Marketing.
  • Phase 2 beginnt, wenn der Proof of Concept steht: stabiler Cashflow, erste Kunden, und der nächste Engpass ist deine Zeit – das Thema Teamaufbau drängt sich auf.
  • Phase 1 lässt sich überspringen: ein Unternehmen in Phase 2 kaufen oder als Mitgestalter in ein junges Wachstumsunternehmen einsteigen – „You’re only a man of time until you become an owner.“

Drei unternehmerische Wege: die Kernidee

Der Denkfehler: Freiheit gibt es nur in der Selbstständigkeit

Ausgangspunkt war das Gespräch mit einem Mentee, der mit der Selbstständigkeit liebäugelt, aber unsicher ist, ob sie das Richtige für ihn ist. Was ihn reizt: eigener Chef sein, Freiheitsgrade, Ideen voll einbringen, ein Gehalt ohne Limit. Der entscheidende Denkfehler dabei: Für all das musst du dich gar nicht zwingend selbstständig machen. Diese Folge ist deshalb für drei Gruppen gedacht – für ein klares Ja zur Selbstständigkeit, für Unentschlossene und ausdrücklich auch für alle, die in der Konzernwelt bleiben und sich dort entfalten wollen.

Phase 1: der Product-Market-Founder-Fit

Wer von null gründet, hat genau eine wichtigste Aufgabe: den Product-Market-Founder-Fit zu finden. Drei Kreise, die ineinandergreifen müssen. Erstens der Markt – ein großes Problem einer homogenen Zielgruppe. Die Leitfrage: Was lässt diese Zielgruppe nachts wach liegen? Du brauchst keine Idee, du brauchst ein großes Problem. Zweitens das Angebot – die Lösung für genau dieses Problem, meist der einfachere Teil. Drittens der Founder-Aspekt: Markt und Angebot sollten Themen sein, die dich persönlich begeistern und zu deinen Stärken passen. Geld allein reißt dich morgens nicht aus dem Bett. Den Fit findest du nicht am Schreibtisch, sondern im Markt – durch 30 bis 50 Gespräche mit deiner Zielgruppe (idealerweise deinen Wunschkunden), durch Zuhören und Beobachten.

Lean Startup statt dickem Businessplan

Die Gedanken stammen aus der Lean-Startup-Philosophie (Eric Ries): schlank, in kleinen Schritten, idealerweise nebenberuflich starten. „Sharpen ideas in your market, not in your mind – marketing is just the fancy word for test.“ Eine Idee ist eine Hypothese, die du so schnell wie möglich im Markt prüfst. Der Dreiklang: ein attraktiver Markt wiegt am schwersten, dann ein attraktives Angebot, erst danach deine Sales-Kompetenz – ein starker Markt und ein gutes Angebot kompensieren schwache Verkaufsfähigkeiten. „80 % deiner Zeit fließen anfangs ins Verkaufen deines Kernprodukts.“ Das Gegenbeispiel ist der Segway: viel Investorengeld, ein erdachtes Zukunftsprodukt – nur nie im Markt getestet, und ein großer Flop. Wie ein Wissenschaftler vorgehen statt auf Glück hoffen, das ist der schnellste Weg persönlichen Wachstums – und gleichzeitig zäh, einsam und eine Achterbahn der Gefühle.

Phase 2 – und drei Wege, Phase 1 abzukürzen

Phase 2 ist erreicht, wenn der Proof of Concept steht: keine Überraschungen mehr in Gesprächen, erste Kunden, stabiler Cashflow, erste Rücklagen – und der nächste Engpass ist deine Zeit, sodass sich Teamaufbau aufdrängt. Daraus ergeben sich die drei Wege. Erstens: selbst von null gründen und Phase 1 voll durchlaufen – Pflichtprogramm, wenn du dich selbstständig machen willst. Zweitens: ein Unternehmen kaufen, das bereits in Phase 2 ist (Stichwort „Buy Then Build“, Acquisition Entrepreneurship) – gerade in den kommenden Jahren der Unternehmensnachfolge eine reale Option, oft eher mit 40 als mit Mitte 20. Drittens – der Weg, den Tim am meisten empfiehlt: in ein junges Wachstumsunternehmen in Phase 2 einsteigen und dich von Tag eins unternehmerisch einbringen. Per LinkedIn-Suche (mit Booleschen Operatoren, z. B. nach technischen Startups) die Gründer finden, proaktiv anschreiben, ungefragt helfen – „helfen, helfen, helfen“ statt sich zu bewerben. Wer als Person Nummer 6 oder 30 in ein Unternehmen kommt, das auf 900 wachsen kann, gewinnt enorm – ohne die schlaflosen Nächte einer Gründung von null.

Wer den dritten Weg gehen will, ohne sofort alles auf eine Karte zu setzen, kann das Ganze nebenberuflich antesten und ein Side Business starten. Und die wichtigste Vorbedingung für jeden dieser Wege ist, zuerst in dich selbst zu investieren – denn die Sales-, Marketing- und Founder-Kompetenzen entscheiden über den Fit.

Häufige Fragen zu den unternehmerischen Wegen

Muss ich mich selbstständig machen, um mehr Freiheit und Einkommen zu haben? Nein. Eigener Chef sein, frei über Zeit und Ort entscheiden, eigene Ideen umsetzen und das Einkommen ohne Deckel entwickeln – das gewinnst du auch, indem du in ein junges Wachstumsunternehmen einsteigst und dich dort unternehmerisch einbringst oder ein bestehendes Unternehmen kaufst. Der Sprung in die Selbstständigkeit von null ist nur einer von drei Wegen.

Was ist der Product-Market-Founder-Fit? Das Ineinandergreifen von drei Faktoren: ein großes Problem einer homogenen Zielgruppe (Markt), eine passende Lösung dafür (Produkt) und ein Thema, das dich als Gründer begeistert und zu deinen Stärken passt (Founder). Diesen Fit zu finden ist die wichtigste Aufgabe der ersten Phase – und du findest ihn nur durch viele Gespräche im Markt, nicht am Schreibtisch.

Brauche ich eine geniale Geschäftsidee, um zu gründen? Nein. Der häufigste Denkfehler ist „Ich brauche eine Idee“. Du brauchst stattdessen ein großes Problem einer klar abgegrenzten Zielgruppe. Die Lösung ergibt sich meist fast von selbst – schwerer ist es, das wirklich große Problem zu identifizieren. Faustregel: ein Schmerzmittel anbieten, kein Vitamin.

Wie kann ich die mühsame Anfangsphase abkürzen? Über zwei Wege. Du kaufst ein Unternehmen, das bereits in Phase 2 ist (stabiler Cashflow, Proof of Concept) – oder du steigst in ein junges Wachstumsunternehmen ein, das gerade Phase 2 erreicht hat, und bringst dich dort von Anfang an unternehmerisch ein. Der einfachste Einstieg: passende Gründer per LinkedIn finden, proaktiv anschreiben und zunächst ungefragt helfen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Eric Ries – The Lean Startup: schlank, iterativ und im Markt testen statt am Schreibtisch planen.
  • Rob Fitzpatrick – The Mom Test: wie du Kunden richtig interviewst und ein ehrliches Bild des Problems bekommst.
  • Alex Hormozi – $100M Offers: Angebote gestalten, zu denen die Zielgruppe schwer Nein sagen kann.
  • Michael Masterson – Ready, Fire, Aim: die Phasen der Unternehmensentwicklung von null bis zum skalierten Unternehmen.
  • Walker Deibel – Buy Then Build: ein bestehendes Unternehmen kaufen statt von null gründen (Acquisition Entrepreneurship).
  • Phil Knight – Shoe Dog: die Achterbahn der Gefühle und das Durchhaltevermögen einer Gründungsgeschichte.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema unternehmerisch denken & gründen und Karriere als Ingenieur.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge 139: Unternehmer, Intrapreneur oder Angestellter – welchen Weg wählst du? Ausgangspunkt war ein Austausch mit einem unserer Mentees zum Thema Selbstständigkeit. Er war unsicher, ob die Selbstständigkeit überhaupt das Richtige für ihn ist. Das Thema reizt und begeistert ihn – und das kann ich gut verstehen. Es gibt viele Argumente dafür: der eigene Chef sein, Freiheitsgrade haben, also selbst entscheiden, wann und wo du arbeitest, eigenständig gestalten und deine Ideen voll einfließen lassen, und auch deiner Gehaltsentwicklung sind kaum Grenzen gesetzt. Seine Ausgangssituation: Er hatte in der Vergangenheit schon einiges probiert, einige Ideen umgesetzt, aber nichts ist so richtig zum Erfolg geworden. Und so stand die Frage im Raum: Ist das Ganze überhaupt das Richtige für mich – und wie gehe ich weiter vor?

Die Punkte in dieser Folge sind vereinfachte Gedanken zu den unterschiedlichen Phasen einer Unternehmensentwicklung. Kleiner Disclaimer: Das sind meine Erfahrungen, viele basieren auf First Principles und meiner Grundphilosophie, aber ich bin natürlich von meinem persönlichen Weg geprägt. Das heißt nicht, dass das hier der einzige Weg zum Erfolg im Unternehmertum ist. Aber ich habe in den letzten Jahren eine ganze Menge gelernt, gelesen, gehört und in vielen Austauschen mit unterschiedlichen Unternehmen über diese Frage erfahren. Es ist im Grunde die dritte Folge zum Thema Selbstständigkeit in diesem Podcast – die ersten beiden sind Folge 52 (Die wichtigste Kompetenz beim Start in die Selbstständigkeit, Teil 1) und Folge 53 (Der Erfolgsfaktor Nummer 1, Teil 2). Hör da gern rein, wenn dich das Thema interessiert.

Diese Folge ist aber nicht nur für Menschen, die sich für die Selbstständigkeit interessieren. Im Gegenteil: Auch wenn du sagst, die Selbstständigkeit ist gar nicht mein Thema, ich möchte in der Konzernwelt bleiben, mir ist diese Sicherheit wichtig – auch dann sind all die genannten Punkte (Freiheitsgrade, Ideen einbringen, langfristige Gehaltsentwicklung) erreichbar. Dafür musst du nicht den Weg in die Selbstständigkeit gehen. Das ist ein großer Denkfehler, den ich selbst gelernt habe. Egal also, ob ein klares Ja, ein Unentschlossen oder ein klares Nein zur Selbstständigkeit – für alle drei Optionen ist diese Folge spannend, allein um zu verstehen, wie Gründungs- und Unternehmensentwicklung normalerweise abläuft und welche Phasen es gibt.

Ich spreche vor allem über zwei Phasen. Die erste Phase nenne ich die Phase des Product-Market-Founder-Fit. Vielleicht hast du davon schon gehört. Vieles davon wusste ich vorher nicht in dieser Form – ich habe das meiste entlang des Weges gelernt. Nach meinem Maschinenbau-Bachelor habe ich einen Master in Unternehmensführung gemacht, also eine Art MBA, und dort viele Grundlagen zum Aufbau von Unternehmen gelernt. Im Rückblick war das wertvoll, aber lange nicht so hilfreich, wie ich es gebraucht hätte. Nach dem Studium habe ich noch zwei Jahre in einem mittelständischen Unternehmen gearbeitet und bin dann in die Selbstständigkeit gesprungen – und da ging meine Lernkurve erst richtig los. Der Gedanke „Ich muss noch mehr lernen“ ist oft die verführerische Form der Prokrastination. Nach diesen drei Podcastfolgen hast du alles, was du brauchst, um anzufangen.

Viele Gedanken kommen aus der Lean-Startup-Philosophie, ursprünglich von Eric Ries, geprägt durch das Silicon Valley. Der Grundgedanke: schlank starten, in kleinen Schritten, idealerweise nebenberuflich. Der wichtigste Gedanke ist der Product-Market-Founder-Fit. Oft spricht man nur vom Product-Market-Fit; ich finde die Variante mit dem Founder deutlich besser. Stell dir drei Kreise oder Zahnräder vor, die ineinandergreifen müssen. Der erste Startpunkt ist der Markt: Du möchtest ein großes Problem einer homogenen Zielgruppe identifizieren. Die Leitfrage, die mir sehr geholfen hat: Was lässt diese Zielgruppe nachts wach liegen? Es gibt den schönen Spruch: Du möchtest ein Schmerzmittel anbieten, kein Vitamin. Menschen tendieren viel eher dazu, ihre Schmerzen zu lösen, als präventiv zu investieren. Deshalb baust du deinen Business Case auf einem großen Problem auf, nicht auf einem Nice-to-have. Krisenbeständige Unternehmen – etwa in Phasen wie Corona – sind meist die, die auf einem großen Problem einer homogenen Gruppe aufsetzen.

Ein klassischer Fehler ist die Denkweise „Ich brauche eine Idee“. Du brauchst keine Idee, du brauchst ein großes Problem. Dann kommt der Produktteil: ein Angebot, eine Lösung für genau dieses Problem – meist gar nicht so kompliziert. Viel schwerer ist es, das große Problem zu identifizieren. Darauf baut der Founder-Aspekt auf: Markt und Angebot sollten Themen sein, die dich persönlich begeistern und in denen du idealerweise schon Kompetenzen hast. Sonst wird es schwer, durchzuhalten. Es mag vernünftig klingen, einen Markt mit hohen Margen zu wählen – aber Geld verdienen ist nicht die Motivation, die dich morgens aus dem Bett reißt. Es sind Themen, die dich begeistern.

Die wichtigste Kompetenz in dieser ersten Phase sind Sales und Marketing. Es geht darum, Daten zu sammeln und mit so vielen Menschen wie möglich zu sprechen. Ein hilfreicher Gedanke war für mich der der Wunschkunden: Mit wem möchtest du dich idealerweise die nächsten Jahre umgeben? Wenn du gern Zeit mit deinen Kunden verbringst, ist das eine ideale Voraussetzung. Du brauchst keinen Businessplan – du brauchst ein Telefon, vielleicht LinkedIn, um mit der Zielgruppe ins Gespräch zu kommen. Ich habe in meiner Anfangsphase mit 30 bis 50 Personen gesprochen, sie interviewt und versucht herauszufinden: Was lässt diese Zielgruppe nachts wach liegen? Bei mir ging es um die Frage der beruflichen Entwicklung, die homogene Zielgruppe der ambitionierten Ingenieure. Product-Market-Founder-Fit heißt auch: Ich bin selbst ambitionierter Ingenieur, daher die volle Begeisterung von meiner Seite.

In der Anfangsphase brauchst du Fokus: eine Zielgruppe mit einem konkreten großen Problem, einen einzigen Verkaufskanal, der funktioniert, und ein simples Angebot, das darauf aufsetzt. Wenn du ein großes Problem identifiziert und viele Interviews dazu geführt hast, werden die Leute oft selbst neugierig und fragen, ob du ihnen helfen kannst – dann sind Marketing und Verkauf besonders leicht. Es gibt einen Dreiklang: Erstens der Markt – ein großes, attraktives Problem einer homogenen Zielgruppe. Zweitens ein attraktives Angebot. Erst in dritter Priorität deine Sales- und Marketing-Kompetenz. Wenn du einen starken Sog im Markt und ein klasse Angebot hast, kompensiert das schwache Verkaufskompetenzen. Umgekehrt: kleines Problem, mittelmäßiges Angebot, aber erstklassige Verkaufskompetenzen – dann steht dein Geschäftsmodell auf wackligen Füßen.

Das Ganze ist ein sehr iterativer Prozess. Du musst wenig vorausdenken: zum Hörer greifen, in der Praxis Dinge notieren, reflektieren, mit vielen Leuten sprechen – und mit der Zeit formt sich das Bild des Product-Market-Founder-Fit. Das geht nur, indem du im Markt testest, nicht am Schreibtisch. Der Gegensatz dazu ist der klassische Gründungsgedanke: ein fancy Businessplan, ein halbes Jahr einschließen, ein Produkt entwickeln, viel Investorengeld – und am Ende kommt ein Produkt heraus, das niemand braucht. Klassisches Beispiel: der Segway. Er sollte die Mobilität in den Städten revolutionieren, war aber ein riesiger Flop, weil man vergessen hat, das Ganze zu testen. Diesen Prozess kannst du nicht abkürzen. Wenn du ein neues Unternehmen von null gründest, gibt es keinen Weg daran vorbei: Du musst wie ein Wissenschaftler vorgehen und nicht auf Glück hoffen.

Ein Vergleich, den ich gern ziehe: der zwischen Arzt und Unternehmer. Beim Arzt ist klar, dass man eine langwierige Ausbildung braucht. Aus irgendwelchen Gründen glauben die meisten, beim Unternehmertum sei das anders – man brauche nur eine goldene Idee, der Rest käme von allein. Das ist Quatsch. Auch im Unternehmertum brauchst du eine Ausbildung, nur gibt es dafür kein klassisches Studium. Die meisten Entrepreneurship-Studiengänge sind mir zu theoretisch. Ein ideales Studium wäre, innerhalb von zwei, drei Jahren ein Unternehmen aufzubauen, den Product-Market-Founder-Fit in der Praxis zu testen und am Ende ein fertiges Unternehmen zu haben.

Ich möchte einige Gedanken aus meinem persönlichen Leitbild teilen – die Idee des Leitbilds stammt von Stephen Covey aus „Die 7 Wege zur Effektivität“. Genau das machen wir auch mit unseren Mentees: zu Beginn das Fundament eines Leitbilds aufbauen. Man trifft damit deutlich bessere Karriereentscheidungen, handelt authentischer und hat ein besseres Gefühl für die langfristige Ausrichtung. Ein Teil meines Leitbilds besteht aus Grundprinzipien, viele davon im Original Englisch. Die ersten beiden: „Sharpen ideas in your market, not in your mind“ und „Marketing is just the fancy word for test“. Ideen solltest du nicht am Schreibtisch ausarbeiten, sondern im Markt. Eine Idee ist eine Hypothese, die du so schnell wie möglich testest. Der Gedanke „Ich habe eine goldene Idee und verrate sie keinem“ ist ein Trugschluss – so verbaust du dir das Feedback des Marktes.

Weitere Gedanken: „It’s hard to beat the man who never gives up.“ Und: „Show up every day for two years.“ Gerade die Anfangsphase kann zäh sein. Fortschritt ist der größte Motivator, und das Gefühl von Fortschritt kommt durch Rückmeldungen. Es kann frustrierend sein, fünf Ideen zu testen, die nicht funktionieren, und das Gefühl zu haben, nach drei Monaten noch am Anfang zu stehen. Deshalb sind Durchhaltevermögen und Grit so wichtig. Dann: „It matters both where you aim and how hard you go.“ Du kannst rund um die Uhr hart rudern – wichtiger ist die smarte Entscheidung, welche Zielgruppe du wählst. „If you start a business, 80 percent of your time must be selling your lead product.“ Gerade Ingenieuren ist das oft Neuland. Sales- und Marketing-Kompetenzen sind die wichtigste Aufgabe dieser Phase; alles andere ist Ablenkung und Prokrastination.

Ein wichtiger Satz: „Loneliness is without doubt the hardest part of being a founder.“ Meist gründet man allein. Ich hatte zwar viele Unternehmerfreunde und Supporter, aber du wirst immer wieder den Gedanken haben, ob du das Richtige tust. Es wird ein Auf und Ab der Gefühle. Darauf solltest du dich vorbereiten – du wirst resilienter, aber es wird auch kräftezehrend. Das lernt man auch aus vielen Unternehmerbiografien; ein Paradebeispiel ist „Shoe Dog“, die Biografie des Nike-Gründers – meine Buchempfehlung Nummer eins zum Thema Durchhaltevermögen. Dazu ein Gedanke von James Clear: „Some forms of energy are already flowing downhill. Create products that tap into the desire people already have. Work on projects that play to your strengths.“ Die Idee ist, bergab zu sprinten, nicht bergauf zu kämpfen – wähle einen Markt mit hohem Bedarf und Projekte, die auf deinen Stärken aufbauen.

Drei Buchempfehlungen zu Phase 1: „Ready, Fire, Aim“ über die Phasen der Unternehmensentwicklung; vor allem aber „The Mom Test“ – eines der wichtigsten Frameworks, um den Product-Market-Founder-Fit zu finden und Kunden richtig zu interviewen; und „$100M Offers“ darüber, wie du ein so attraktives Angebot gestaltest, dass Menschen sich dumm vorkämen, Nein zu sagen. Phase 1 fühlt sich an wie ein stehendes Auto anzuschieben, vielleicht sogar mit angezogener Handbremse. Es kann Jahre dauern, bis du den Product-Market-Founder-Fit gefunden hast.

Jetzt zu Phase 2. Es gibt keinen konkreten Tag, aber Indizien: Du hast den Proof of Concept, den Product-Market-Founder-Fit gefunden. Es gibt keine Überraschungen mehr in Interviews, du hast erste Kunden gewonnen, einen stabilen Cashflow, vielleicht erste Rücklagen und finanzielle Reichweite. Der nächste Engpass sind deine Ressourcen, also deine Zeit – das Thema Teamaufbau drängt sich auf (eine Folge für sich). Wenn sich das auftut, ist Phase 2 erreicht. Was in Phase 2 wichtig ist, kannst du in „Ready, Fire, Aim“ nachlesen; dort gibt es auch Phase 3 und 4. Viel spannender ist hier die Eingangsfrage: Möchte ich diese Phase 1 überhaupt meistern, mich ins kalte Wasser stürzen? Wenn dich das reizt: Los geht’s, dann bist du mit Phase 1 unterwegs.

Wenn du aber unsicher bist und dir Alternativen anhören möchtest: Du kannst Phase 1 überspringen. Dafür gibt es zwei Wege. Der erste: ein Unternehmen kaufen, das bereits in Phase 2 ist – mit Proof of Concept, stabilem Cashflow, ersten Rücklagen, vielleicht einem kleinen Team. Solche Unternehmen gibt es gar nicht selten zu kaufen. Eine Buchempfehlung dazu ist „Buy Then Build“ über Acquisition Entrepreneurship. Du musst die Achterbahn der Gefühle nicht von neuem durchlaufen. Gerade jetzt überlegen viele ältere Unternehmer, wie sie ihr Unternehmen an junge Nachfolger abgeben – in den nächsten Jahren wird das noch viel mehr. Das muss man nicht mit Mitte 20 oder Anfang 30 machen; viele werden erst mit 40 selbstständig und haben dann Rücklagen, um ein Unternehmen zu kaufen und gleich in Phase 2 zu starten.

Die zweite Option finde ich sehr spannend, und dabei begleiten wir viele unserer Mentees: Such dir ein junges Unternehmen, das sich in Phase 2 befindet. Beispiel: Wir mit Mentorwerk befinden uns in Phase 2 beziehungsweise am Sprung dorthin. Tim Engelbert und Sebastian Richter aus meinem Team haben genau das gemacht – sie sind mit Phase 1 gestartet und haben dann gemerkt: Ich schließe mich lieber einem ganz jungen Unternehmen mit spannendem Wachstum an. Beide haben unglaublichen Drive und mich proaktiv kontaktiert, es gab keinen klassischen Bewerbungsprozess. Ich habe drei Jahre quasi allein in Phase 1 an diesem Fit gearbeitet. Mit dem Erreichen von Phase 2 kommt ruhigeres Fahrwasser – aber es ist nicht weniger spannend, sich unternehmerisch einzubringen.

Was heißt „junges Unternehmen“? Das kann eine Einzelperson sein, wie ich es damals war, oder schon 10, 15, 30 Personen. Stell dir vor, ein Unternehmen mit 30 Personen wird in zehn Jahren eines mit 900 – und du bist Person Nummer 30 und bringst dich von Tag eins proaktiv und unternehmerisch ein. Dann wirst du enorm schnell wachsen. Eines meiner Lieblingszitate: „You’re only a man of time until you become an owner.“ Vielen Mentees helfen wir genau bei diesem Weg – die Phase 1 anzutesten, hineinzuschnuppern, aber dann in Phase 2 einzutauchen und sich mehr und mehr als Mitgestalter einzubringen. Das kann eine enorme Abkürzung sein und dich vor vielen schlaflosen Nächten bewahren, wenn du an das richtige Team und die richtige Kultur kommst.

Der einfachste Weg dahin ist die LinkedIn-Suche. Nutze die Booleschen Suchoperatoren – zum Beispiel ein Stichwort AND „Engineer“ oder „Ingenieur“. Du wirst feststellen: Es gibt sehr viele technische Startups in Deutschland, oft aus der Wissenschaft, finanziell vom Staat und von Investoren unterstützt, mit einem Proof of Concept, ersten großen Kunden und enormem Wachstumspotenzial. Wenn du als Mitarbeiter Nummer 6 dazukommst, ist das unglaublich spannend. Schreib die Gründer und CEOs einfach an – meist junge Leute. Die Startup-Kultur in Deutschland ist gerade so spannend: moderne Mobilität, erneuerbare Energien, 3D-Druck und vieles mehr.

Die Grundphilosophie dabei: helfen, helfen, helfen. Du willst dich nicht bewerben, sondern einfach helfen – vielleicht drei oder sechs Monate nebenberuflich, auch unentgeltlich. Stelle nicht von vornherein Forderungen, sondern lerne das Unternehmen kennen und finde heraus, wo du deine Kompetenzen einbringen kannst. Manchmal ist es nicht leicht, an die Personen heranzukommen – das kann man lernen; Folge 130 hilft in diesem Kontext, wie du an die richtigen Personen herankommst und ins Gespräch kommst. Es braucht keine offene Stelle zu geben, und selbst ausgeschriebene Stellen kannst du ignorieren. In dieser Phase werden Stellen geschaffen, je nachdem welche Personen mit welchem Skillset auftauchen. Denk langfristig: „You’re only a man of time until you become an owner.“

Damit zurück zum Anfang: Ein Unternehmen zu gründen und sich selbstständig zu machen ist definitiv nicht der einzige Weg, eigener Chef zu sein, Freiheitsgrade zu haben und finanziell kein Limit zu kennen. Wenn du den Weg des Mitgestalters in jungen Unternehmen gehst oder ein Unternehmen kaufst, kannst du hinter jedes dieser Kriterien langfristig einen grünen Haken setzen. Der Weg der Selbstständigkeit ist gerade in den ersten Jahren kein Goldesel – wer von passivem Einkommen und schnellem Geld spricht, hat es meist noch nie gemacht. Finanzielle Freiheit ist ein langfristiger Gedanke. Viel spannender ist es, sich unternehmerisch einzubringen, dieses Spiel zu lernen und etwas zu tun, das dich jeden Tag begeistert – etwas, womit du auch dann weitermachen würdest, wenn du zehn Millionen auf dem Konto hättest. Der Gedanke der Rente ist für mich unattraktiv.

Zusammengefasst: Phase 1 dient dem Product-Market-Founder-Fit – ein großes Problem einer homogenen Zielgruppe identifizieren, ein attraktives Angebot darauf aufsetzen, und beides sollte dich als Persönlichkeit begeistern. Dann heißt es lernen, lernen, lernen und testen, testen, testen. Danach kommt Phase 2. Wenn du vor der Entscheidung stehst, ob du dich selbstständig machst, ist vielleicht der spannendere Gedanke: ein Unternehmen in Phase 2 zu kaufen oder dir ein junges Unternehmen am Anfang von Phase 2 zu suchen, in dem du dich unternehmerisch einbringen kannst, um langfristig vom Wachstum zu profitieren. Ich hoffe, da waren einige Impulse für dich dabei. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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