Decision Journal: die einfache Gewohnheit für bessere Entscheidungen

Es gibt eine Gewohnheit, die die meisten Ingenieure sofort abtun. Zu banal, zu unwichtig, klingt nach Kindertagebuch. Genau das ist der Fehler.

Ich spreche von Journaling. Für mich ist es ein Meta-Skill: reflektiertes Schreiben, das dir Klarheit gibt und dir hilft, bessere Entscheidungen zu treffen. Ein Decision Journal ist dabei die Königsdisziplin.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Journaling ist ein Meta-Skill. Es ist kein Tagebuch über die Vergangenheit, sondern ein täglicher Reminder daran, wer du sein willst.
  • Fang klein an. Tägliches Micro-Journaling heißt: ein Satz Minimum, fünf Sätze Maximum. Der häufigste Fehler ist, am ersten Tag drei Seiten zu schreiben und dann aufzugeben.
  • Schreib den Kopf frei. „Screaming on the Page“ ist ein Braindump für Momente ohne Klarheit. Du schreibst unsortiert drauflos und wirst am Ende ruhiger und klarer.
  • Dokumentiere Entscheidungen. Ein Decision Journal hält fest, warum du eine Entscheidung für richtig hältst. Nach Monaten liest du nach und lernst, wie du wirklich denkst.
  • Drei Denk-Tools ergänzen sich. Laut denken, visualisieren und schreiben bringen dir Klarheit, wenn deine Gedanken im Kreis laufen.

Journaling für bessere Entscheidungen im Detail

Tägliches Micro-Journaling. Das ist der beste Einstieg. Schreib wenig: mindestens einen Satz, höchstens fünf pro Tag. Ich halte Highlights, Erkenntnisse oder Stimmungen fest, digital oder handschriftlich, seit Jahren jeden Tag. Der Aufwand ist minimal, oft verbinde ich es mit einem Spaziergang. Gerade weil es so klein ist, hältst du es durch. Wer eine konkrete Anleitung und eine 30-Tage-Challenge dazu sucht, findet sie in „No Zero Days“.

Screaming on the Page. Diesen Begriff nutzt Greg McKeown, der Autor von „Essentialism“. Es ist ein Braindump für Momente, in denen dir Klarheit fehlt und nur Chaos im Kopf ist. Du bringst deine Gedanken unsortiert zu Papier, stellst dir selbst Fragen wie „Was ist eigentlich das Problem?“ und schreibst weiter. Ich habe das schon nachts um zwei gemacht, wenn mich eine Entscheidung nicht losließ. Am Ende der 20 bis 30 Minuten hast du mehr Klarheit und die Emotionen liegen am Rand. Das ist keine Routine, sondern ein Werkzeug für akute Momente.

Das Decision Journal. Immer wenn eine wichtige Entscheidung ansteht, halte ich sie fest. Du hast eine Hypothese, warum genau diese Entscheidung die richtige ist. Genau diesen Gedankengang schreibst du auf. Ich führe dafür kein eigenes Buch, sondern nutze ein Notizbuch mit Datum. Das Entscheidende passiert später: Wenn du nach drei bis sechs Monaten zurückblätterst, siehst du, wie du damals gedacht hast. „Journaling is a snapshot of your mind.“ Du lernst über dich selbst, wie du denkst und was dir Stress gemacht hat. Genau das macht dich mit der Zeit zu einem besseren Entscheider.

Drei Denk-Tools. Für mich gehören drei Werkzeuge zusammen. Erstens: laut denken. Gedanken auszusprechen, im Sparring oder Gespräch, bringt mir sofort Klarheit. Zweitens: visualisieren. Whiteboard-Sessions oder eine Skizze auf einem Blatt Papier. Wenn du etwas nicht visualisieren kannst, hast du es nicht verstanden. Drittens: schreiben. Journaling, Braindump, die Thinking Session mit einem 45-Minuten-Timer. Alle drei helfen dir, deine Gedanken zu sortieren, wenn du ständig grübelst und nicht vorankommst.

Wenn du tiefer einsteigen willst, hör dir die Grundlagen zum Journaling an. Wie du daraus konkret bessere Beschlüsse ableitest, zeige ich dir in Entscheidungen treffen und in smarte Entscheidungen treffen. So wird aus der Gewohnheit ein System.

Häufige Fragen zu Journaling und Decision Journal

Was ist Journaling? Journaling ist das bewusste Aufschreiben von Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen. Es ist die Kunst des reflektierten Schreibens und kein Tagebuch über die Vergangenheit, sondern ein täglicher Reminder daran, wer du sein willst.

Was ist ein Decision Journal? Ein Decision Journal ist ein Notizbuch, in dem du wichtige Entscheidungen dokumentierst. Du hältst fest, warum du eine Entscheidung für richtig hältst. Nach Monaten liest du nach und lernst, wie gut deine Annahmen waren und wie du denkst.

Wie fange ich mit Journaling an? Fang klein an. Schreib täglich einen bis maximal fünf Sätze, zum Beispiel Highlights, Erkenntnisse oder deine Stimmung. Ob digital oder handschriftlich ist egal. Entscheidend ist nur, dass du eine dauerhafte Routine daraus machst.

Hilft Journaling bei besseren Entscheidungen? Ja. Schreiben zwingt dich, deine Gedanken zu sortieren und zu benennen. Ein Braindump schafft Klarheit in verwirrten Momenten, und ein Decision Journal zeigt dir über die Zeit, wie du denkst. Beides macht dich zu einem klareren Entscheider.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Mark Levy – Accidental Genius: ein sehr praktisches Buch über Free Writing, freies Schreiben als Werkzeug, um auf unbewusste Erkenntnisse zuzugreifen. Für mich ein Augenöffner zum Thema Journaling.
  • Tim Schmaddebeck – No Zero Days: enthält eine konkrete Anleitung und eine 30-Tage-Challenge für tägliches Micro-Journaling.
  • Greg McKeown – Essentialismus: weniger, aber besser – schafft Klarheit über die wirklich wichtigen Entscheidungen.

Weitere Titel dazu findest du in meinen Buchempfehlungen zu Entscheidungen.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Entscheidungen.

Transkript

In der Engineer Alliance gab es diese Woche eine Diskussion zu einer sehr unterschätzten Gewohnheit. Ich habe diese Gewohnheit in diesem Podcast schon ein paar Mal erwähnt, und auch in meinem Buch „No Zero Days“ habe ich kurz darüber geschrieben. Heute möchte ich sie mir genauer anschauen.

Es gibt einen Grund, warum ich nicht gleich zu Beginn dieser Folge verrate, um welche Gewohnheit es geht. Sobald man sie ausspricht, schalten die meisten Ingenieure ab, weil sie sie für zu banal und zu unwichtig halten. Genau das möchte ich vorwegnehmen: Es ist ein Tool, das jeder ambitionierte Ingenieur und jede ambitionierte Ingenieurin im Werkzeugkasten haben sollte. Es ist extrem unterschätzt. Die meisten denken an ein Kindertagebuch. Ich spreche von Journaling.

Journaling ist das bewusste Aufschreiben von Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen. Es ist die Kunst des reflektierten Schreibens. In den letzten Jahren habe ich damit sehr viel Erfahrung gesammelt, und die möchte ich heute teilen. Journaling ist kein Tagebuch über die Vergangenheit. Es ist ein täglicher Reminder daran, wer du sein willst.

Es gibt hunderte verschiedene Arten, Journaling zu betreiben. Ich nutze drei davon sehr regelmäßig, und sie helfen mir enorm, beim Denken Klarheit zu gewinnen und bessere Entscheidungen zu treffen.

Die erste habe ich in „No Zero Days“ beschrieben, weil ich glaube, dass es für jeden extrem wertvoll ist, damit zu starten: das tägliche Micro-Journaling. Das war für mich der wichtigste Tipp beim Journaling überhaupt. Schreib wenig. Fang mit wenig an: mindestens ein Satz, maximal fünf Sätze pro Tag. Ich halte jeden Tag Highlights, Erkenntnisse oder auch Gefühle und Stimmungen fest. Das mache ich schon seit einigen Jahren, meistens digital, manchmal auch handschriftlich. Da bin ich nicht verkrampft und wechsle ab und zu das Medium. Aber ich mache es täglich, seit Jahren.

Natürlich gab es auch Tage, an denen ich das nicht getan habe. Aber es ist klar zu sehen, dass ich es regelmäßig tue. Es ist eines meiner wichtigsten Tools, um regelmäßig zurückzuschauen: Was gab es für Herausforderungen, was für Erkenntnisse, welche Themen. Oft verbinde ich es mit einem Spaziergang, gerade im Sommer. Im Winter ist es ein bisschen anders. Ganz unkompliziert einen Satz aufschreiben. Wir schreiben den ganzen Tag sowieso eine Menge, deswegen ist es überhaupt kein Aufwand, ein bis fünf Sätze festzuhalten.

Den größten Fehler beim Journaling machen die meisten so: Sie sind motiviert und schreiben am ersten Tag drei, vier Seiten. Am zweiten Tag fühlen sie sich schon überfordert, weil sie denken, sie müssten wieder eine Stunde investieren. Deswegen: Fünf Minuten reichen. Ein bis fünf Sätze pro Tag. Wie gesagt mache ich das seit mehreren Jahren täglich. Wenn du eine Anleitung brauchst, schau in „No Zero Days“ – ich glaube, es ist Kapitel drei. Da findest du eine sehr konkrete Anleitung und erste Impulse. Viele tun sich schwer, mit einem weißen Blatt Papier zu starten, ohne Kontext. Deswegen gibt es dort eine kleine Challenge für die ersten 30 Tage, mit der du gut in dieses Micro-Journaling reinkommst.

Die zweite Art, wie ich Journaling betreibe, ist etwas fortgeschrittener. Aber wirklich jeder sollte sie im Werkzeugkasten haben. Greg McKeown, der Autor von „Essentialism“, einem meiner Lieblingsbücher, nennt das „Screaming on the Page“. Ich nutze Journaling in Momenten, in denen mir Klarheit fehlt, in denen ich verwirrt bin und nur Chaos im Kopf habe. Dann schreibe ich einfach drauflos und bringe meine Gedanken unsortiert zu Papier, wieder digital oder handschriftlich.

Ich habe das tatsächlich schon gemacht, wenn ich um zwei Uhr nachts aufgewacht bin und nervös war, weil ich eine Entscheidung treffen musste und mir Klarheit fehlte. Dann habe ich eine halbe Stunde lang um zwei Uhr nachts gejournalt, über mehrere Tage sogar. Das kann ich jedem empfehlen, der in stressigen Phasen steckt. „Screaming on the Page“ bedeutet: Auch wenn du sauer bist, verwirrt bist oder eine negative Emotion hast, machst du einen Braindump und bringst alles zu Papier. Das ist extrem wertvoll.

Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich das tue. Komplett unsortiert schreibe ich drauflos. Am Anfang steht vielleicht nur, dass ich gerade sauer oder verwirrt bin oder ein Problem nicht gelöst bekomme. Dann stelle ich mir selbst Fragen: Was ist eigentlich das Problem? Und ich schreibe weiter. Das hilft enorm. Am Ende dieser 20 bis 30 Minuten habe ich plötzlich deutlich mehr Klarheit, und die Emotionen liegen am Rand. Man wird deutlich gelassener. Das ist keine Routine, das mache ich nicht regelmäßig, sondern ad hoc – dann, wenn ich Probleme habe und das Gefühl habe, nicht voranzukommen. Als Tool hilft es mir enorm.

Der letzte Baustein geht damit einher. Immer wenn wichtige Entscheidungen anstehen, nutze ich ein sogenanntes Decision Journal. Das kannst du gerne googeln, dazu gibt es interessante Blogartikel, zum Beispiel von Farnam Street. Ein Decision Journal bedeutet, dass du lernen kannst, bessere Entscheidungen zu treffen. Wenn ich merke, das ist eine ziemlich wichtige Entscheidung, dann habe ich eine gewisse Hypothese, warum genau diese Entscheidung die richtige ist. Das halte ich fest. Ich schreibe auf, warum ich glaube, dass diese Entscheidung gerade die richtige ist, und bringe meinen gesamten Gedankengang zu Papier.

Warum ist das aufschlussreich? Auch das Micro-Journaling und das „Screaming on the Page“ sind im Moment hilfreich. Aber richtig wertvoll wird es, wenn du das Ganze drei bis sechs Monate später wieder zur Hand nimmst. Ich führe kein extra Decision Journal als Buch, sondern habe einfach ein Notizbuch. Ich mache ein Datum rein und schreibe, was mir gerade in den Kopf kommt. Oft geht es um Entscheidungen, oft um „Screaming on the Page“ und manchmal einfach um eine kurze Erkenntnis des Tages.

Drei bis sechs Monate später das Ganze wieder in die Hand zu nehmen, ist extrem wertvoll. „Journaling is a snapshot of your mind.“ Diesen Satz habe ich vor einiger Zeit gelesen. Du wirst überrascht sein, was du vor sechs oder zwölf Monaten gedacht hast. Es ist ein Snapshot des Moments und der Situation, in der du warst. Mit ein paar Monaten Abstand wirken viele Dinge richtig banal. In diesem Prozess lernst du mehr über dich selbst: wie du denkst, welche Probleme du hattest, welche Probleme Stress ausgelöst haben. Das hilft dir, bessere Entscheidungen zu treffen. Es ist ein sehr interessantes Tool der Selbstreflexion.

Für mich persönlich habe ich drei Thinking-Tools im Köcher, in meinem Werkzeugkasten. Da ist jeder unterschiedlich. Das erste ist „say your thoughts out loud“, also laut denken, in Form von Sparring, Coaching und Gesprächen mit Gleichgesinnten. Das ist super wertvoll für mich. Mir hilft es enorm, Dinge auszusprechen, egal mit wem. Ich brauche gar keine Diskussion. Sobald ich meine Gedanken ausspreche, bringt mir das Klarheit.

Das zweite Tool ist Visualisieren. Mir gibt das extrem viel. Ich mache sehr häufig Whiteboard-Sessions und Strategy-Mapping. Das kann man auch einfach mit einem A4-Blatt machen. Wenn du etwas nicht visualisieren kannst, dann hast du es nicht verstanden. Diese Devise gilt für mich auf jeden Fall. Ich versuche, viele Dinge zu visualisieren, und das hilft mir beim Denken und beim Klarheit gewinnen.

Das dritte Tool ist das Schreiben, über das ich in dieser Folge gesprochen habe. Ich habe in anderen Podcast-Folgen schon über die Thinking Session gesprochen. Die Thinking Session ist genau so etwas: Du stellst dir einen Timer auf eine Dreiviertelstunde und schreibst einfach. Das ist Journaling, das ist Braindump, das ist „Screaming on the Page“. Einfach Dinge zu Papier bringen. Das hilft mir enorm, meine Gedanken zu sortieren. Es kann um wichtige Elemente in deinem Berufsleben oder Privatleben gehen, gerade wenn du vor wichtigen Entscheidungen stehst. Wenn du das Gefühl hast, ständig zu grübeln und nicht weiterzukommen, dann bring das alles zu Papier. Das ist extrem hilfreich. Genau deswegen würde ich jedem empfehlen, sich diesen Skill anzueignen.

Ich habe tatsächlich eine Buchempfehlung. Mir ist aufgefallen, dass ich dieses Buch, glaube ich, noch nie jemandem empfohlen habe. Das hat mir gezeigt, dass ich viel zu selten über dieses Thema spreche. Es ist das Buch „Accidental Genius“ von Mark Levy. Der Titel sagt schon viel: Er spricht über das sogenannte Free Writing, freies Schreiben. Am Ende ist das nichts anderes als Journaling. Wer Journaling lernen will, sollte es unbedingt lesen.

Wie ich am Anfang gesagt habe: Es ist eine unterschätzte Gewohnheit, ein unterschätzter Skill. Es ist ein universeller Skill, ein Meta-Skill, der dir in allen Bereichen hilft, klarer zu denken. Wer die Kunst beherrscht, regelmäßig und klar zu schreiben, wird klarer denken und Klarheit haben. Es gibt einen schönen Satz: Es gibt zwei Arten von Menschen auf der Welt, diejenigen, die lost sind, und diejenigen, die wissen, dass sie lost sind. Jeder von uns ist lost. Jeder hat Momente, in denen er verwirrt ist und ihm Klarheit fehlt. In diesen Momenten das zu akzeptieren und schneller zu dem Punkt zu kommen, an dem man sagt: Ich nutze ein Tool aus meinem Werkzeugkasten – das ist entscheidend.

Für mich sind es drei Tools. Erstens: Gibt es Personen, mit denen du sprechen kannst? Zweitens: die Möglichkeit, das zu visualisieren. Einfach mal eine halbe Stunde ans Whiteboard stellen oder auf einem Blatt eine Art Mindmap skizzieren. Drittens: das Schreiben, das Journaling, die Thinking Session und Free Writing.

Das Buch „Accidental Genius“ ist für mich ein Augenöffner gewesen. Es hat unglaublich viele Tipps und Tricks, ein sehr praktisches Buch. Er spricht zum Beispiel von einem Writing-Marathon: Wenn du wirklich große und schwerwiegende Probleme hast, nimm dir drei Stunden in halbstündigen Blöcken mit kurzen Pausen und bring einfach alles zu Papier. Er nennt es „Accidental Genius“, weil du mit diesem Prozess irgendwann auf unbewusste Erkenntnisse zugreifst, die dir vorher gar nicht so bewusst waren. Die erschließt du dir erst, wenn du längere Zeit nur mit dir selbst, Stift und Papier verbringst und wirklich einen Deep Dive machst. Wenn dich das Thema interessiert, kann ich dir das Buch empfehlen.

Tägliches Micro-Journaling würde ich dir auf jeden Fall ans Herz legen. Journaling ist das bewusste Aufschreiben von Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen, die Kunst des reflektierten Schreibens. Es ist kein Tagebuch über die Vergangenheit, sondern ein täglicher Reminder daran, wer du wirklich sein willst. Es gibt viele verschiedene Arten. In „Accidental Genius“ lernst du sie kennen, auch die Schwierigkeiten und praktische Tipps.

Drei Möglichkeiten habe ich genannt. Erstens das Micro-Journaling auf täglicher Basis. Der große Tipp war, wenig zu schreiben: Minimum ein Satz, maximal fünf. Halte einfach Highlights, Erkenntnisse oder eine Stimmung fest, egal ob digital oder handschriftlich, solange du eine Routine hast. Dann zwei Elemente, die für mich sehr wertvoll sind, digital oder im Notizbuch: „Screaming on the Page“ und das Decision Journal. Einmal einen Braindump machen und Dinge unsortiert zu Papier bringen. Und ab und zu über Entscheidungen reflektieren, deine Hypothese und deine Gedankengänge festhalten, wenn du sagst: Diese Entscheidung treffe ich jetzt.

Das ist deswegen wertvoll, weil du in drei bis sechs Monaten darauf zurückblickst. Es ist ein Snapshot deines Kopfes in diesem Moment. Wir vergessen das häufig. Unsere Gedanken sind sehr flüchtig. Du hast unter der Dusche einen tollen Einfall und zehn Minuten später hast du ihn schon vergessen, wenn du ihn nicht aufgeschrieben hast. Deswegen ist das extrem wertvoll.

Ich nutze diese drei Thinking-Tools immer dann, wenn ich das Gefühl habe, dass mir Klarheit fehlt und ich meine Gedanken sortieren muss. Auf der einen Seite Sparring, Coaching, Mentoring – laut denken, die Verwirrung einfach aussprechen. Ich habe häufig das Gefühl, wenn ich mit Ingenieuren spreche, dass sie sagen: Ich möchte erst Klarheit über meine nächsten Schritte, bevor ich starte. Das ist unlogisch. Denn genau dafür ist ein Umfeld da: Sparringspartner, mit denen du deine unsortierten Gedanken aussprechen und durch den Prozess Klarheit gewinnen kannst. Der beste Moment, um zu starten, ist, wenn du vollkommen verwirrt bist. Dann bekommst du ein Umfeld, in dem du durch „thinking out loud“ viel schneller zur Klarheit kommst.

Dann noch zwei weitere Dinge: das Visualisieren, also Whiteboard-Session oder Strategy-Mapping. Und das Schreiben: Journaling, Braindump, „Screaming on the Page“. Alles Dinge, die für mich extrem wertvoll sind. „Accidental Genius“ von Mark Levy zum Thema Free Writing hat mir persönlich großen Spaß gemacht, das ist schon ein paar Jahre her. Es ist ein sehr wertvoller, universeller Skill, den jeder im Werkzeugkasten haben sollte.

Ich drücke die Daumen und wünsche dir viel Spaß mit den ganzen Gedanken. Ich hoffe, es waren einige Impulse für dich dabei.

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Decision Journal: die einfache Gewohnheit für bessere Entscheidungen

Es gibt eine Gewohnheit, die die meisten Ingenieure sofort abtun. Zu banal, zu unwichtig, klingt nach Kindertagebuch. Genau das ist der Fehler.

Ich spreche von Journaling. Für mich ist es ein Meta-Skill: reflektiertes Schreiben, das dir Klarheit gibt und dir hilft, bessere Entscheidungen zu treffen. Ein Decision Journal ist dabei die Königsdisziplin.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Journaling ist ein Meta-Skill. Es ist kein Tagebuch über die Vergangenheit, sondern ein täglicher Reminder daran, wer du sein willst.
  • Fang klein an. Tägliches Micro-Journaling heißt: ein Satz Minimum, fünf Sätze Maximum. Der häufigste Fehler ist, am ersten Tag drei Seiten zu schreiben und dann aufzugeben.
  • Schreib den Kopf frei. „Screaming on the Page“ ist ein Braindump für Momente ohne Klarheit. Du schreibst unsortiert drauflos und wirst am Ende ruhiger und klarer.
  • Dokumentiere Entscheidungen. Ein Decision Journal hält fest, warum du eine Entscheidung für richtig hältst. Nach Monaten liest du nach und lernst, wie du wirklich denkst.
  • Drei Denk-Tools ergänzen sich. Laut denken, visualisieren und schreiben bringen dir Klarheit, wenn deine Gedanken im Kreis laufen.

Journaling für bessere Entscheidungen im Detail

Tägliches Micro-Journaling. Das ist der beste Einstieg. Schreib wenig: mindestens einen Satz, höchstens fünf pro Tag. Ich halte Highlights, Erkenntnisse oder Stimmungen fest, digital oder handschriftlich, seit Jahren jeden Tag. Der Aufwand ist minimal, oft verbinde ich es mit einem Spaziergang. Gerade weil es so klein ist, hältst du es durch. Wer eine konkrete Anleitung und eine 30-Tage-Challenge dazu sucht, findet sie in „No Zero Days“.

Screaming on the Page. Diesen Begriff nutzt Greg McKeown, der Autor von „Essentialism“. Es ist ein Braindump für Momente, in denen dir Klarheit fehlt und nur Chaos im Kopf ist. Du bringst deine Gedanken unsortiert zu Papier, stellst dir selbst Fragen wie „Was ist eigentlich das Problem?“ und schreibst weiter. Ich habe das schon nachts um zwei gemacht, wenn mich eine Entscheidung nicht losließ. Am Ende der 20 bis 30 Minuten hast du mehr Klarheit und die Emotionen liegen am Rand. Das ist keine Routine, sondern ein Werkzeug für akute Momente.

Das Decision Journal. Immer wenn eine wichtige Entscheidung ansteht, halte ich sie fest. Du hast eine Hypothese, warum genau diese Entscheidung die richtige ist. Genau diesen Gedankengang schreibst du auf. Ich führe dafür kein eigenes Buch, sondern nutze ein Notizbuch mit Datum. Das Entscheidende passiert später: Wenn du nach drei bis sechs Monaten zurückblätterst, siehst du, wie du damals gedacht hast. „Journaling is a snapshot of your mind.“ Du lernst über dich selbst, wie du denkst und was dir Stress gemacht hat. Genau das macht dich mit der Zeit zu einem besseren Entscheider.

Drei Denk-Tools. Für mich gehören drei Werkzeuge zusammen. Erstens: laut denken. Gedanken auszusprechen, im Sparring oder Gespräch, bringt mir sofort Klarheit. Zweitens: visualisieren. Whiteboard-Sessions oder eine Skizze auf einem Blatt Papier. Wenn du etwas nicht visualisieren kannst, hast du es nicht verstanden. Drittens: schreiben. Journaling, Braindump, die Thinking Session mit einem 45-Minuten-Timer. Alle drei helfen dir, deine Gedanken zu sortieren, wenn du ständig grübelst und nicht vorankommst.

Wenn du tiefer einsteigen willst, hör dir die Grundlagen zum Journaling an. Wie du daraus konkret bessere Beschlüsse ableitest, zeige ich dir in Entscheidungen treffen und in smarte Entscheidungen treffen. So wird aus der Gewohnheit ein System.

Häufige Fragen zu Journaling und Decision Journal

Was ist Journaling? Journaling ist das bewusste Aufschreiben von Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen. Es ist die Kunst des reflektierten Schreibens und kein Tagebuch über die Vergangenheit, sondern ein täglicher Reminder daran, wer du sein willst.

Was ist ein Decision Journal? Ein Decision Journal ist ein Notizbuch, in dem du wichtige Entscheidungen dokumentierst. Du hältst fest, warum du eine Entscheidung für richtig hältst. Nach Monaten liest du nach und lernst, wie gut deine Annahmen waren und wie du denkst.

Wie fange ich mit Journaling an? Fang klein an. Schreib täglich einen bis maximal fünf Sätze, zum Beispiel Highlights, Erkenntnisse oder deine Stimmung. Ob digital oder handschriftlich ist egal. Entscheidend ist nur, dass du eine dauerhafte Routine daraus machst.

Hilft Journaling bei besseren Entscheidungen? Ja. Schreiben zwingt dich, deine Gedanken zu sortieren und zu benennen. Ein Braindump schafft Klarheit in verwirrten Momenten, und ein Decision Journal zeigt dir über die Zeit, wie du denkst. Beides macht dich zu einem klareren Entscheider.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Mark Levy – Accidental Genius: ein sehr praktisches Buch über Free Writing, freies Schreiben als Werkzeug, um auf unbewusste Erkenntnisse zuzugreifen. Für mich ein Augenöffner zum Thema Journaling.
  • Tim Schmaddebeck – No Zero Days: enthält eine konkrete Anleitung und eine 30-Tage-Challenge für tägliches Micro-Journaling.
  • Greg McKeown – Essentialismus: weniger, aber besser – schafft Klarheit über die wirklich wichtigen Entscheidungen.

Weitere Titel dazu findest du in meinen Buchempfehlungen zu Entscheidungen.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Entscheidungen.

Transkript

In der Engineer Alliance gab es diese Woche eine Diskussion zu einer sehr unterschätzten Gewohnheit. Ich habe diese Gewohnheit in diesem Podcast schon ein paar Mal erwähnt, und auch in meinem Buch „No Zero Days“ habe ich kurz darüber geschrieben. Heute möchte ich sie mir genauer anschauen.

Es gibt einen Grund, warum ich nicht gleich zu Beginn dieser Folge verrate, um welche Gewohnheit es geht. Sobald man sie ausspricht, schalten die meisten Ingenieure ab, weil sie sie für zu banal und zu unwichtig halten. Genau das möchte ich vorwegnehmen: Es ist ein Tool, das jeder ambitionierte Ingenieur und jede ambitionierte Ingenieurin im Werkzeugkasten haben sollte. Es ist extrem unterschätzt. Die meisten denken an ein Kindertagebuch. Ich spreche von Journaling.

Journaling ist das bewusste Aufschreiben von Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen. Es ist die Kunst des reflektierten Schreibens. In den letzten Jahren habe ich damit sehr viel Erfahrung gesammelt, und die möchte ich heute teilen. Journaling ist kein Tagebuch über die Vergangenheit. Es ist ein täglicher Reminder daran, wer du sein willst.

Es gibt hunderte verschiedene Arten, Journaling zu betreiben. Ich nutze drei davon sehr regelmäßig, und sie helfen mir enorm, beim Denken Klarheit zu gewinnen und bessere Entscheidungen zu treffen.

Die erste habe ich in „No Zero Days“ beschrieben, weil ich glaube, dass es für jeden extrem wertvoll ist, damit zu starten: das tägliche Micro-Journaling. Das war für mich der wichtigste Tipp beim Journaling überhaupt. Schreib wenig. Fang mit wenig an: mindestens ein Satz, maximal fünf Sätze pro Tag. Ich halte jeden Tag Highlights, Erkenntnisse oder auch Gefühle und Stimmungen fest. Das mache ich schon seit einigen Jahren, meistens digital, manchmal auch handschriftlich. Da bin ich nicht verkrampft und wechsle ab und zu das Medium. Aber ich mache es täglich, seit Jahren.

Natürlich gab es auch Tage, an denen ich das nicht getan habe. Aber es ist klar zu sehen, dass ich es regelmäßig tue. Es ist eines meiner wichtigsten Tools, um regelmäßig zurückzuschauen: Was gab es für Herausforderungen, was für Erkenntnisse, welche Themen. Oft verbinde ich es mit einem Spaziergang, gerade im Sommer. Im Winter ist es ein bisschen anders. Ganz unkompliziert einen Satz aufschreiben. Wir schreiben den ganzen Tag sowieso eine Menge, deswegen ist es überhaupt kein Aufwand, ein bis fünf Sätze festzuhalten.

Den größten Fehler beim Journaling machen die meisten so: Sie sind motiviert und schreiben am ersten Tag drei, vier Seiten. Am zweiten Tag fühlen sie sich schon überfordert, weil sie denken, sie müssten wieder eine Stunde investieren. Deswegen: Fünf Minuten reichen. Ein bis fünf Sätze pro Tag. Wie gesagt mache ich das seit mehreren Jahren täglich. Wenn du eine Anleitung brauchst, schau in „No Zero Days“ – ich glaube, es ist Kapitel drei. Da findest du eine sehr konkrete Anleitung und erste Impulse. Viele tun sich schwer, mit einem weißen Blatt Papier zu starten, ohne Kontext. Deswegen gibt es dort eine kleine Challenge für die ersten 30 Tage, mit der du gut in dieses Micro-Journaling reinkommst.

Die zweite Art, wie ich Journaling betreibe, ist etwas fortgeschrittener. Aber wirklich jeder sollte sie im Werkzeugkasten haben. Greg McKeown, der Autor von „Essentialism“, einem meiner Lieblingsbücher, nennt das „Screaming on the Page“. Ich nutze Journaling in Momenten, in denen mir Klarheit fehlt, in denen ich verwirrt bin und nur Chaos im Kopf habe. Dann schreibe ich einfach drauflos und bringe meine Gedanken unsortiert zu Papier, wieder digital oder handschriftlich.

Ich habe das tatsächlich schon gemacht, wenn ich um zwei Uhr nachts aufgewacht bin und nervös war, weil ich eine Entscheidung treffen musste und mir Klarheit fehlte. Dann habe ich eine halbe Stunde lang um zwei Uhr nachts gejournalt, über mehrere Tage sogar. Das kann ich jedem empfehlen, der in stressigen Phasen steckt. „Screaming on the Page“ bedeutet: Auch wenn du sauer bist, verwirrt bist oder eine negative Emotion hast, machst du einen Braindump und bringst alles zu Papier. Das ist extrem wertvoll.

Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich das tue. Komplett unsortiert schreibe ich drauflos. Am Anfang steht vielleicht nur, dass ich gerade sauer oder verwirrt bin oder ein Problem nicht gelöst bekomme. Dann stelle ich mir selbst Fragen: Was ist eigentlich das Problem? Und ich schreibe weiter. Das hilft enorm. Am Ende dieser 20 bis 30 Minuten habe ich plötzlich deutlich mehr Klarheit, und die Emotionen liegen am Rand. Man wird deutlich gelassener. Das ist keine Routine, das mache ich nicht regelmäßig, sondern ad hoc – dann, wenn ich Probleme habe und das Gefühl habe, nicht voranzukommen. Als Tool hilft es mir enorm.

Der letzte Baustein geht damit einher. Immer wenn wichtige Entscheidungen anstehen, nutze ich ein sogenanntes Decision Journal. Das kannst du gerne googeln, dazu gibt es interessante Blogartikel, zum Beispiel von Farnam Street. Ein Decision Journal bedeutet, dass du lernen kannst, bessere Entscheidungen zu treffen. Wenn ich merke, das ist eine ziemlich wichtige Entscheidung, dann habe ich eine gewisse Hypothese, warum genau diese Entscheidung die richtige ist. Das halte ich fest. Ich schreibe auf, warum ich glaube, dass diese Entscheidung gerade die richtige ist, und bringe meinen gesamten Gedankengang zu Papier.

Warum ist das aufschlussreich? Auch das Micro-Journaling und das „Screaming on the Page“ sind im Moment hilfreich. Aber richtig wertvoll wird es, wenn du das Ganze drei bis sechs Monate später wieder zur Hand nimmst. Ich führe kein extra Decision Journal als Buch, sondern habe einfach ein Notizbuch. Ich mache ein Datum rein und schreibe, was mir gerade in den Kopf kommt. Oft geht es um Entscheidungen, oft um „Screaming on the Page“ und manchmal einfach um eine kurze Erkenntnis des Tages.

Drei bis sechs Monate später das Ganze wieder in die Hand zu nehmen, ist extrem wertvoll. „Journaling is a snapshot of your mind.“ Diesen Satz habe ich vor einiger Zeit gelesen. Du wirst überrascht sein, was du vor sechs oder zwölf Monaten gedacht hast. Es ist ein Snapshot des Moments und der Situation, in der du warst. Mit ein paar Monaten Abstand wirken viele Dinge richtig banal. In diesem Prozess lernst du mehr über dich selbst: wie du denkst, welche Probleme du hattest, welche Probleme Stress ausgelöst haben. Das hilft dir, bessere Entscheidungen zu treffen. Es ist ein sehr interessantes Tool der Selbstreflexion.

Für mich persönlich habe ich drei Thinking-Tools im Köcher, in meinem Werkzeugkasten. Da ist jeder unterschiedlich. Das erste ist „say your thoughts out loud“, also laut denken, in Form von Sparring, Coaching und Gesprächen mit Gleichgesinnten. Das ist super wertvoll für mich. Mir hilft es enorm, Dinge auszusprechen, egal mit wem. Ich brauche gar keine Diskussion. Sobald ich meine Gedanken ausspreche, bringt mir das Klarheit.

Das zweite Tool ist Visualisieren. Mir gibt das extrem viel. Ich mache sehr häufig Whiteboard-Sessions und Strategy-Mapping. Das kann man auch einfach mit einem A4-Blatt machen. Wenn du etwas nicht visualisieren kannst, dann hast du es nicht verstanden. Diese Devise gilt für mich auf jeden Fall. Ich versuche, viele Dinge zu visualisieren, und das hilft mir beim Denken und beim Klarheit gewinnen.

Das dritte Tool ist das Schreiben, über das ich in dieser Folge gesprochen habe. Ich habe in anderen Podcast-Folgen schon über die Thinking Session gesprochen. Die Thinking Session ist genau so etwas: Du stellst dir einen Timer auf eine Dreiviertelstunde und schreibst einfach. Das ist Journaling, das ist Braindump, das ist „Screaming on the Page“. Einfach Dinge zu Papier bringen. Das hilft mir enorm, meine Gedanken zu sortieren. Es kann um wichtige Elemente in deinem Berufsleben oder Privatleben gehen, gerade wenn du vor wichtigen Entscheidungen stehst. Wenn du das Gefühl hast, ständig zu grübeln und nicht weiterzukommen, dann bring das alles zu Papier. Das ist extrem hilfreich. Genau deswegen würde ich jedem empfehlen, sich diesen Skill anzueignen.

Ich habe tatsächlich eine Buchempfehlung. Mir ist aufgefallen, dass ich dieses Buch, glaube ich, noch nie jemandem empfohlen habe. Das hat mir gezeigt, dass ich viel zu selten über dieses Thema spreche. Es ist das Buch „Accidental Genius“ von Mark Levy. Der Titel sagt schon viel: Er spricht über das sogenannte Free Writing, freies Schreiben. Am Ende ist das nichts anderes als Journaling. Wer Journaling lernen will, sollte es unbedingt lesen.

Wie ich am Anfang gesagt habe: Es ist eine unterschätzte Gewohnheit, ein unterschätzter Skill. Es ist ein universeller Skill, ein Meta-Skill, der dir in allen Bereichen hilft, klarer zu denken. Wer die Kunst beherrscht, regelmäßig und klar zu schreiben, wird klarer denken und Klarheit haben. Es gibt einen schönen Satz: Es gibt zwei Arten von Menschen auf der Welt, diejenigen, die lost sind, und diejenigen, die wissen, dass sie lost sind. Jeder von uns ist lost. Jeder hat Momente, in denen er verwirrt ist und ihm Klarheit fehlt. In diesen Momenten das zu akzeptieren und schneller zu dem Punkt zu kommen, an dem man sagt: Ich nutze ein Tool aus meinem Werkzeugkasten – das ist entscheidend.

Für mich sind es drei Tools. Erstens: Gibt es Personen, mit denen du sprechen kannst? Zweitens: die Möglichkeit, das zu visualisieren. Einfach mal eine halbe Stunde ans Whiteboard stellen oder auf einem Blatt eine Art Mindmap skizzieren. Drittens: das Schreiben, das Journaling, die Thinking Session und Free Writing.

Das Buch „Accidental Genius“ ist für mich ein Augenöffner gewesen. Es hat unglaublich viele Tipps und Tricks, ein sehr praktisches Buch. Er spricht zum Beispiel von einem Writing-Marathon: Wenn du wirklich große und schwerwiegende Probleme hast, nimm dir drei Stunden in halbstündigen Blöcken mit kurzen Pausen und bring einfach alles zu Papier. Er nennt es „Accidental Genius“, weil du mit diesem Prozess irgendwann auf unbewusste Erkenntnisse zugreifst, die dir vorher gar nicht so bewusst waren. Die erschließt du dir erst, wenn du längere Zeit nur mit dir selbst, Stift und Papier verbringst und wirklich einen Deep Dive machst. Wenn dich das Thema interessiert, kann ich dir das Buch empfehlen.

Tägliches Micro-Journaling würde ich dir auf jeden Fall ans Herz legen. Journaling ist das bewusste Aufschreiben von Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen, die Kunst des reflektierten Schreibens. Es ist kein Tagebuch über die Vergangenheit, sondern ein täglicher Reminder daran, wer du wirklich sein willst. Es gibt viele verschiedene Arten. In „Accidental Genius“ lernst du sie kennen, auch die Schwierigkeiten und praktische Tipps.

Drei Möglichkeiten habe ich genannt. Erstens das Micro-Journaling auf täglicher Basis. Der große Tipp war, wenig zu schreiben: Minimum ein Satz, maximal fünf. Halte einfach Highlights, Erkenntnisse oder eine Stimmung fest, egal ob digital oder handschriftlich, solange du eine Routine hast. Dann zwei Elemente, die für mich sehr wertvoll sind, digital oder im Notizbuch: „Screaming on the Page“ und das Decision Journal. Einmal einen Braindump machen und Dinge unsortiert zu Papier bringen. Und ab und zu über Entscheidungen reflektieren, deine Hypothese und deine Gedankengänge festhalten, wenn du sagst: Diese Entscheidung treffe ich jetzt.

Das ist deswegen wertvoll, weil du in drei bis sechs Monaten darauf zurückblickst. Es ist ein Snapshot deines Kopfes in diesem Moment. Wir vergessen das häufig. Unsere Gedanken sind sehr flüchtig. Du hast unter der Dusche einen tollen Einfall und zehn Minuten später hast du ihn schon vergessen, wenn du ihn nicht aufgeschrieben hast. Deswegen ist das extrem wertvoll.

Ich nutze diese drei Thinking-Tools immer dann, wenn ich das Gefühl habe, dass mir Klarheit fehlt und ich meine Gedanken sortieren muss. Auf der einen Seite Sparring, Coaching, Mentoring – laut denken, die Verwirrung einfach aussprechen. Ich habe häufig das Gefühl, wenn ich mit Ingenieuren spreche, dass sie sagen: Ich möchte erst Klarheit über meine nächsten Schritte, bevor ich starte. Das ist unlogisch. Denn genau dafür ist ein Umfeld da: Sparringspartner, mit denen du deine unsortierten Gedanken aussprechen und durch den Prozess Klarheit gewinnen kannst. Der beste Moment, um zu starten, ist, wenn du vollkommen verwirrt bist. Dann bekommst du ein Umfeld, in dem du durch „thinking out loud“ viel schneller zur Klarheit kommst.

Dann noch zwei weitere Dinge: das Visualisieren, also Whiteboard-Session oder Strategy-Mapping. Und das Schreiben: Journaling, Braindump, „Screaming on the Page“. Alles Dinge, die für mich extrem wertvoll sind. „Accidental Genius“ von Mark Levy zum Thema Free Writing hat mir persönlich großen Spaß gemacht, das ist schon ein paar Jahre her. Es ist ein sehr wertvoller, universeller Skill, den jeder im Werkzeugkasten haben sollte.

Ich drücke die Daumen und wünsche dir viel Spaß mit den ganzen Gedanken. Ich hoffe, es waren einige Impulse für dich dabei.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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