Jobsuche: 4 Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung

Eine Bewerbung sieht je nach Situation ganz anders aus. Ob Konzern oder Mittelstand, ob Berufseinstieg oder Umorientierung, ob klassische oder Initiativbewerbung – die Abläufe unterscheiden sich.

Diese vier Tipps funktionieren trotzdem in jeder dieser Situationen. Sie sind keine Formvorschriften, sondern eine Denkweise: Wie du an die Jobsuche herangehst, eine Stelle auswählst und deine Bewerbung schreibst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Löse den nächsten Schritt nicht nur im Kopf. Du wählst deinen nächsten Job immer auf Basis deines heutigen Erfahrungsschatzes – der ist begrenzt. Geh ins Handeln statt zu grübeln: Trial and Error.
  • Keine Angst vor Fehlschlägen. Bewirbst du dich und merkst im Gespräch, dass es nicht passt, hast du nichts verloren – nur Erfahrung gewonnen. Entweder du gewinnst, oder du lernst.
  • Stelle Lernen vor den perfekten Job. Du kannst noch nicht alles, aber du kannst alles lernen. Grenze dich nicht aus, nur weil ein Anforderungsprofil hoch wirkt.
  • Setz den Fokus auf den Leser, nicht auf dich. Ziel des Anschreibens ist nur die Einladung zum Gespräch. Wecke Neugier, statt jede Frage vorab zu beantworten.
  • Show, don’t tell. Jeder kann behaupten, ehrgeizig zu sein. Zeig es an einer konkreten Geschichte – dann glaubt man es dir.

Die 4 Tipps zur Bewerbung im Detail

Tipp 1: Löse den nächsten Schritt nicht im Kopf – geh ins Handeln. Viele glauben, ein gradliniger Lebenslauf ohne Lücken komme besser an. Diese Vorstellung wird immer unwichtiger. Wichtiger ist eine andere Einsicht: Du triffst die Wahl deines nächsten Jobs immer nur auf Basis deines heutigen Erfahrungsschatzes – und der ist begrenzt. Ein Beispiel aus meinem eigenen Werdegang: 2014 stand ich nach meiner Abschlussarbeit vor der Wahl, im Unternehmen zu bleiben. Ich hatte mich als Fertigungsingenieur im Bereich Prozessoptimierung beworben. Dann kam mein damaliger Chef um die Ecke und bot mir eine Rolle als Führungskraft im Qualitätsmanagement an. Diesen Begriff musste ich erst einmal googeln – aus eigenem Antrieb wäre ich nie auf diesen Weg gekommen. Und dass ich Jahre später als Coach und Mentor arbeiten würde, hätte ich damals erst recht nicht für möglich gehalten. Genau deshalb gilt: Versuch nicht, den perfekten nächsten Schritt im Kopf durchzurechnen. Rückblickend wirkt jeder Weg logisch und aufeinander aufbauend – aber das ist nur die Geschichte, die wir uns im Nachhinein erzählen. Vorausschauend ist diese Logik nicht erkennbar. Geh stattdessen ins Handeln: Trial and Error. Hab keine Angst, dich zu bewerben. Wenn du dich auf 20 Stellen bewirbst und erst im Gespräch merkst, dass eine nicht passt, hast du nichts verloren – nur Erfahrung gewonnen. Entweder du gewinnst, oder du lernst.

Tipp 2: Stelle Lernen vor den perfekten Job. Wenn du eine Stellenausschreibung anschaust, ist die wichtigste Einstellung: Du kannst noch nicht alles, aber du kannst alles lernen. Personaler schreiben oft sehr hohe Anforderungen hinein, die in Wahrheit kaum K.-o.-Kriterien sind. Lernen gehört zu jedem Job dazu – sieh es als festen Bestandteil deiner Arbeit, egal wo du einsteigst. Jim Collins hat in Good to Great einen zentralen Erfolgsfaktor herausgearbeitet: erst wer, dann was. Übersetzt auf den Bewerbungsprozess heißt das: Immer mehr Personaler erkennen, dass die Einstellung zum Lernen und die Werte eines Menschen wichtiger sind als seine aktuellen Fachkenntnisse. Gerade im Führungsbereich kannst du erfolgreich sein, selbst wenn du die Branche noch nicht kennst. Worauf es ankommt, ist deine Lernbereitschaft und deine Neugier. Begrenze dich also nicht selbst, indem du Stellen vorschnell aussortierst, weil du dem Profil scheinbar nicht gewachsen bist. Die richtige Einstellung ist die halbe Miete – alles andere kannst du lernen.

Tipp 3: Setz den Fokus richtig – auf den Leser, nicht auf dich. Ich habe mein eigenes Anschreiben von 2014 wiedergefunden, und es taugt als Negativbeispiel. Die Einleitung lautete sinngemäß: „Sehr geehrte Damen und Herren, als angehender Absolvent des Studiengangs … der Hochschule … in Hamburg möchte ich meine Kenntnisse in Form eines Direkteinstiegs als Fertigungsingenieur bei der … GmbH anwenden und erweitern.“ Ich rede darin nur über mich – über meine Interessen, nicht darüber, was das Unternehmen von mir hat. Genau das ist der Fehler. Den Fokus richtig setzen heißt: die Perspektive wechseln und immer den Leser im Vordergrund haben. Der Personaler hat nicht nur deine Bewerbung auf dem Tisch. Lieferst du zwei Seiten Blocktext in kleiner Schrift, hat er beim ersten Blick keine Lust zu lesen. Der Leser muss Freude beim Lesen haben. Und mach dir das eigentliche Ziel klar: Das Anschreiben soll nicht die Stelle sichern und nicht jede Frage beantworten – sein einziges Ziel ist die Einladung zum Gespräch. Sobald du im Gespräch bist, zählt das Gespräch, und das Anschreiben landet in der Schublade. Statt auf Vollständigkeit und inhaltliche Lückenlosigkeit zu setzen, stell die Psychologie des Lesers in den Vordergrund. Versetz dich in ihn hinein: Wie weckst du Neugier? Du kannst bewusst Fragen offenlassen oder nur halb beantworten, damit das Gefühl entsteht: Die Person muss ich kennenlernen, das klingt spannend. Hilfreich ist hier Die Psychologie des Überzeugens. Und ein letzter Punkt: Viele Absolventen schreiben ihre Bewerbung im wissenschaftlichen Stil ihrer Abschlussarbeit. Das sind zwei verschiedene Welten – schreib dein Anschreiben auf keinen Fall wie deine Bachelor- oder Masterarbeit.

Tipp 4: Show, don’t tell – zeig deine Stärken, statt sie zu behaupten. In fast jedem Anschreiben und jedem Bewerbungsgespräch wirst du nach deinen Stärken gefragt. Jeder kann sagen, er sei ehrgeizig, wissbegierig oder durchhaltefähig. Das ist wertlos, weil es jeder sagen kann. Verinnerliche stattdessen den Leitsatz „Show, don’t tell“. Es reicht nicht zu sagen, dass du ehrgeizig bist – überleg dir, wie du es zeigst. Erzähl eine konkrete Geschichte: Welche Projekte machst du am Feierabend, was hast du in der Vergangenheit getan, woran sieht man die Eigenschaft? Ein einfacher Test: Erzählst du dieselbe Geschichte einem Freund, und er sagt von sich aus „Mensch, das klingt, als wärst du ziemlich ehrgeizig“ – dann hast du es richtig gemacht. Leg den Fokus also nicht darauf, zu behaupten, wie toll du bist, sondern darauf, es zu beweisen. Das gilt schriftlich im Anschreiben genauso wie im Gespräch.

Tiefer in den proaktiven Weg, dir Stellen zu erschließen, bevor sie ausgeschrieben werden, gehst du im Artikel Die Kunst der Initiativbewerbung. Wie du an Jobs kommst, die nie öffentlich auftauchen, hörst du in Jobs ohne Bewerbung und Der verdeckte Stellenmarkt. Und für den entscheidenden Gesprächsteil lohnen sich gleich zwei Quellen: die 8 klugen Fragen im Bewerbungsgespräch als Artikel sowie die Folge Fragen im Vorstellungsgespräch.

Häufige Fragen zur Bewerbung

Was ist der wichtigste Tipp für eine erfolgreiche Bewerbung? Komm ins Handeln, statt den perfekten nächsten Schritt im Kopf durchzurechnen. Dein heutiger Erfahrungsschatz ist begrenzt, deshalb erkennst du erst durch echte Bewerbungen und Gespräche, was zu dir passt. Trial and Error schlägt Grübeln.

Wie schreibe ich ein gutes Anschreiben? Setz den Fokus auf den Leser, nicht auf dich. Das Ziel ist nicht, jede Frage zu beantworten, sondern die Einladung zum Gespräch zu bekommen. Wecke Neugier, mach das Lesen angenehm und schreib es nicht im Stil einer wissenschaftlichen Arbeit.

Soll ich mich nur auf Stellen bewerben, deren Anforderungen ich voll erfülle? Nein. Anforderungsprofile sind oft überzogen und selten echte K.-o.-Kriterien. Entscheidend ist deine Lernbereitschaft: Du kannst noch nicht alles, aber du kannst alles lernen. Grenze dich nicht selbst aus.

Wie überzeuge ich mit meinen Stärken? Behaupte sie nicht, sondern zeig sie – „Show, don’t tell“. Statt zu schreiben, dass du ehrgeizig bist, erzähl eine konkrete Geschichte, an der man es erkennt. Ein guter Test ist, ob ein Freund die Eigenschaft aus deiner Geschichte selbst heraushört.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Karriere.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Jobsuche.

Transkript

In dieser Folge geht es um die Jobsuche – ich gebe dir vier Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung. Vorab ein Hinweis: Wie eine Bewerbung konkret aussieht, ist sehr unterschiedlich und individuell. Ob du dich im Konzern oder im Mittelstand bewirbst, ob initiativ oder auf eine ausgeschriebene Stelle – die Abläufe sehen jeweils anders aus. Die vier Tipps, die ich dir hier mitgebe, habe ich bewusst so gewählt, dass sie unabhängig von deiner Situation gelten: ob du nach dem Studium für den Berufseinstieg suchst, dich nach einigen Jahren Berufserfahrung umorientieren willst oder den nächsten Schritt gehen möchtest.

Tipp Nummer eins ist ein Gedanke, den ich immer wieder anbringe – beim Thema gradliniger Lebenslauf. Du hast wahrscheinlich selbst das Gefühl oder zumindest davon gehört, dass ein gradliniger Lebenslauf besser ankommt und keine Lücken drin sein sollten. In den letzten Jahren wurde viel darüber diskutiert, und das wird immer unwichtiger. Ich möchte dazu auf meine eigene Geschichte zurückschauen. 2014 stand ich nach dem Studium vor der Wahl, mich zu bewerben. Ich hatte die Möglichkeit, in dem Unternehmen zu bleiben, in dem ich meine Abschlussarbeit geschrieben hatte. Witzigerweise habe ich neulich noch eine meiner damaligen Bewerbungsunterlagen wiedergefunden – auf die komme ich gleich als Negativbeispiel zu sprechen. Ich hatte mich damals in verschiedene Richtungen beworben, unter anderem als Fertigungsingenieur und im Bereich Prozessoptimierung. Dann kam mein damaliger Chef um die Ecke und sagte, er sehe mich in einer Rolle als Führungskraft im Bereich Qualitätsmanagement. Diesen Begriff hatte ich überhaupt nicht auf dem Zettel. Im Gegenteil: Ich bin nach Hause gegangen und musste erst einmal googeln, was eigentlich genau hinter Qualitätsmanagement steckt. Natürlich hatte ich im Studium davon gehört, aber nicht konkret – und für mich war es zunächst keine Option, in diese Richtung weiterzugehen. Erst durch den Input meines Chefs bin ich überhaupt darauf aufmerksam geworden. Genauso hätte ich in der damaligen Situation niemals sagen können, dass ich vier, fünf Jahre später als Coach und Mentor arbeiten würde.

Damit will ich verdeutlichen: Wenn du über deinen nächsten Job nachdenkst und das im Kopf zu lösen versuchst, setzt du immer nur auf deinem aktuellen Erfahrungsschatz auf. Ich selbst kam ganz am Anfang überhaupt nicht mit Qualitätsmanagement oder mit Coaching in Berührung – deshalb waren das keine Optionen für mich. Mein wichtigster Hinweis ist deshalb: Versuch nicht, das Problem des nächsten Schritts zu sehr im Kopf zu lösen und dich dadurch einzuschränken – auch nicht bei der Frage, auf welche Stellenausschreibungen du dich bewirbst. Wichtig ist, ins Handeln zu kommen: Trial and Error. Du hast nichts zu verlieren. Hab keine Angst vor Bewerbungen. Wenn du dich bewirbst und erst im Gespräch feststellst, dass es doch nicht so gut passt, hast du nichts verloren – im Gegenteil, du hast Erfahrung gewonnen. Es gibt diesen Satz: Entweder du gewinnst, oder du lernst. Mit dieser Einstellung würde ich an die Sache herangehen. Gerade Berufseinsteiger und Absolventen – und ich hatte schon mit vielen zu tun – haben immer wieder dasselbe Thema: Der Erfahrungsschatz ist viel zu klein, um auf dieser Basis eine fundierte Entscheidung über den sinnvollen nächsten Schritt zu treffen. Es ist ein menschliches Phänomen: Rückblickend wirkt unser Weg sehr logisch und aufeinander aufbauend, wie ein Baustein auf dem anderen. In Wahrheit ist das nur die Geschichte, die wir uns selbst erzählen. Vorausschauend ist diese Logik kaum erkennbar. Deshalb empfehle ich dir dringend: Bleib nicht zu sehr im Kopf, sondern geh ins Handeln.

Damit zu Tipp Nummer zwei, der ganz wichtig ist: Ich würde grundsätzlich nicht versuchen, den perfekten Job anzusteuern, sondern immer das Thema Lernen in den Vordergrund stellen. Wenn du dir eine Stellenausschreibung anschaust, ist der wichtigste Gedanke für deine Einstellung: Du kannst noch nicht alles, aber du kannst alles lernen. Ich habe viele Personaler kennengelernt, die sehr hohe Anforderungen hineinschreiben, die in Wahrheit kaum K.-o.-Kriterien sind. Lernen gehört zu jedem Job dazu, und das sollte auch deine Haltung sein: Egal wo du einsteigst, sieh Lernen immer als Bestandteil deines Jobs. Über Jim Collins habe ich in einer der letzten Folgen schon gesprochen. In seinem Buch Good to Great, „Der Weg zu den Besten“, ist einer der wichtigen Erfolgsfaktoren erfolgreicher Unternehmen: erst wer, dann was. Auf Einstellungsprozesse übertragen heißt das – und immer mehr Personaler kommen darauf –, dass die Einstellung zum Lernen und die Werte eines Mitarbeiters viel wichtiger sind als seine aktuellen fachlichen Kompetenzen. Das hängt natürlich von der Stelle ab. Aber gerade im Führungsbereich kannst du sehr erfolgreich sein, selbst wenn du in der Branche noch nie tätig warst und das Unternehmen aus innerer Perspektive gar nicht kennst. Personaler legen immer mehr Wert auf deine Einstellung, auf deine Lernbereitschaft und auf deine Neugier. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dich in der Auswahl der Jobs nicht selbst zu begrenzen, indem du Anforderungsprofile vorschnell aussortierst, weil du das Gefühl hast, dem nicht gewachsen zu sein. Zeig, dass du die richtige Einstellung hast – das ist schon die halbe Miete. Alles andere kannst du lernen. Also: Tipp Nummer zwei – Lernen, Lernen, Lernen, wichtiger als der perfekte Job.

Tipp Nummer drei: den Fokus richtig setzen. Dazu möchte ich aus meinem Anschreiben von 2014, das ich wiedergefunden habe, einen Abschnitt vorlesen – die Einleitung. Sie lautete sinngemäß: „Sehr geehrte Damen und Herren, als angehender Absolvent des Studiengangs … der Hochschule … in Hamburg möchte ich meine Kenntnisse in Form eines Direkteinstiegs als Fertigungsingenieur bei der … GmbH anwenden und erweitern.“ Und so ging das Anschreiben weiter. Das heißt: Ich rede nur über mich. Mittlerweile weiß man, dass dieser Einstieg absolut falsch ist. Den Fokus richtig setzen heißt, die Perspektive zu wechseln: Du musst immer den Leser im Vordergrund haben, nicht dich selbst. In meinem Beispiel rede ich nur über mich und meine Interessen – und gar nicht darüber, was die Firma von mir hat. Ein weiterer Punkt: Der Leser muss Freude beim Lesen haben. Ein Personaler hat nicht nur eine Bewerbung auf dem Tisch. Wenn du zwei Seiten Blocktext in kleiner Schrift lieferst, hat er schon beim ersten Blick keine Lust, das zu lesen. Außerdem ganz wichtig: Was ist eigentlich das Ziel des Anschreibens? Ich merke bei vielen, dass sie den Fokus darauf legen, vollständig und inhaltlich korrekt zu sein. Das sind teilweise wichtige Komponenten, aber viel wichtiger ist zu verstehen: Das Ziel des Anschreibens ist immer nur die Einladung zum Bewerbungsgespräch. Sobald du im Gespräch bist, zählt das Gespräch, und das Anschreiben ist zweitrangig und längst in der Schublade gelandet. Versuch also nicht, mit dem Anschreiben sofort die Stelle zu bekommen oder auf jeden Punkt einzugehen. Statt auf inhaltliche Lückenlosigkeit zu setzen, solltest du die Psychologie des Menschen in den Vordergrund stellen. Versetz dich in den Leser hinein: Wie kannst du Neugier wecken? Das kann zum Beispiel bedeuten, bewusst Fragen nicht oder nur halb zu beantworten, um Neugier zu erzeugen und beim Gegenüber das Gefühl auszulösen: Die Person muss ich kennenlernen, das klingt spannend, ich will wissen, was dahintersteckt. Versuch also nicht, mit dem Anschreiben schon jede Frage zu beantworten und die ganze Entscheidungsgrundlage zu liefern. Du möchtest nur den nächsten Schritt: die Einladung zum Gespräch. Ich habe schon von einigen Büchern gesprochen, die hier helfen – etwa Die Psychologie des Überzeugens, in der es darum geht, andere zu überzeugen und sich selbst gut zu verkaufen. Ein letzter Punkt dazu: Viele, gerade Absolventen, kommen aus dem wissenschaftlichen Schreibstil ihrer Abschlussarbeit. Eine Bewerbung und eine Abschlussarbeit sind aber zwei verschiedene Welten. So wie du deine Bachelor- oder Masterarbeit geschrieben hast, solltest du auf keinen Fall dein Anschreiben schreiben.

Tipp Nummer vier ist ein ganz kurzer Satz: Show, don’t tell. In fast jedem Anschreiben und in jedem Bewerbungsgespräch wirst du nach deinen Stärken und Eigenschaften gefragt. Jeder kann sagen, dass er ehrgeizig ist. Jeder kann sagen, dass er wissbegierig und durchhaltefähig ist. Das kann jeder behaupten. Wichtig ist, dass du den Leitsatz verinnerlichst – ob im Anschreiben oder später im Gespräch: Show, don’t tell. Es reicht nicht zu sagen, dass du ehrgeizig bist. Überleg dir bei deinen Stärken und Werten in erster Linie: Wie kannst du sie zeigen? Wie kannst du davon erzählen, vielleicht von einer Geschichte, die zeigt, dass du ehrgeizig bist? Von einem Hobby etwa – was machst du am Feierabend, welche Projekte hast du, wie hast du dich in der Vergangenheit verhalten, was zeigt, dass du diese Eigenschaft mitbringst? Ein kleiner Test: Wenn du einem Freund die Geschichte erzählst und er sagt „Mensch, das klingt, als wärst du ziemlich ehrgeizig“ – wenn du diesen Eindruck beim Gegenüber erzeugen kannst, dann machst du es genau richtig. Leg den Fokus also nicht darauf zu erzählen, wie toll du bist – im Sinne von „ich bin ehrgeizig, ich bin wissbegierig“ –, sondern darauf, wie du es zeigen und beweisen kannst. Das ist der Leitsatz Show, don’t tell – schriftlich wie im Gespräch.

Ich fasse die vier Punkte ganz kurz zusammen. Punkt eins: gradliniger Lebenslauf – versuch nicht, den nächsten logischen Schritt im Kopf zu lösen, sondern öffne dich, hab keine Angst vor Fehlentscheidungen und wag den Schritt; lass diese Trial-and-Error-Haltung rein. Punkt zwei: Lernen, Lernen, Lernen – Lernen ist ein wichtiger Bestandteil deines Jobs, geh mit der Einstellung rein, dass du noch nicht alles mitbringst, aber alles lernen kannst, und bewirb dich ruhig auch auf Positionen, bei denen andere sagen würden, du seist noch nicht bereit. Punkt drei: den Fokus richtig setzen – gerade beim Anschreiben, aber auch später im Gespräch, ein Perspektivwechsel; sieh den Personaler oder die entscheidende Person als deinen Kunden, gestalte das Anschreiben angenehm und erinnere dich immer daran, dass sein Ziel die Einladung zum Gespräch ist; wecke Neugier und stell die Psychologie des Menschen in den Vordergrund, nicht die inhaltliche Lückenlosigkeit. Punkt vier: Show, don’t tell – jeder kann sagen, dass er ehrgeizig ist; verpack deine Stärken so, dass sie für sich allein stehen, indem du sie zeigst und beweist.

Zum Abschluss noch ein Gedanke: Vielleicht erscheint dir dein Lebenslauf im Moment nicht gradlinig. Aber wenn du zwei Jahre weiterdenkst und es einfach gemacht hast, wirkt vieles im Rückblick plötzlich wieder logisch. Trau dich also, auch mal andere Ideen und Gedanken einfließen zu lassen. Ich habe ein, zwei Geschichten von Menschen gehört, die zehn, fünfzehn Jahre als Ingenieure gearbeitet und sich dann entschieden haben, etwas ganz anderes zu machen. Das zeigt: Du kannst dich jederzeit entscheiden, dich umzuorientieren – du bist nicht gefangen in dem, was du in der Vergangenheit gemacht hast. Dieser Gedanke kann unheimlich erleichtern, wenn du in die Bewerbungsphase und in die Jobsuche gehst. Ich hoffe, du konntest einige Impulse aus dieser Folge mitnehmen. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Jobsuche: 4 Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung

Eine Bewerbung sieht je nach Situation ganz anders aus. Ob Konzern oder Mittelstand, ob Berufseinstieg oder Umorientierung, ob klassische oder Initiativbewerbung – die Abläufe unterscheiden sich.

Diese vier Tipps funktionieren trotzdem in jeder dieser Situationen. Sie sind keine Formvorschriften, sondern eine Denkweise: Wie du an die Jobsuche herangehst, eine Stelle auswählst und deine Bewerbung schreibst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Löse den nächsten Schritt nicht nur im Kopf. Du wählst deinen nächsten Job immer auf Basis deines heutigen Erfahrungsschatzes – der ist begrenzt. Geh ins Handeln statt zu grübeln: Trial and Error.
  • Keine Angst vor Fehlschlägen. Bewirbst du dich und merkst im Gespräch, dass es nicht passt, hast du nichts verloren – nur Erfahrung gewonnen. Entweder du gewinnst, oder du lernst.
  • Stelle Lernen vor den perfekten Job. Du kannst noch nicht alles, aber du kannst alles lernen. Grenze dich nicht aus, nur weil ein Anforderungsprofil hoch wirkt.
  • Setz den Fokus auf den Leser, nicht auf dich. Ziel des Anschreibens ist nur die Einladung zum Gespräch. Wecke Neugier, statt jede Frage vorab zu beantworten.
  • Show, don’t tell. Jeder kann behaupten, ehrgeizig zu sein. Zeig es an einer konkreten Geschichte – dann glaubt man es dir.

Die 4 Tipps zur Bewerbung im Detail

Tipp 1: Löse den nächsten Schritt nicht im Kopf – geh ins Handeln. Viele glauben, ein gradliniger Lebenslauf ohne Lücken komme besser an. Diese Vorstellung wird immer unwichtiger. Wichtiger ist eine andere Einsicht: Du triffst die Wahl deines nächsten Jobs immer nur auf Basis deines heutigen Erfahrungsschatzes – und der ist begrenzt. Ein Beispiel aus meinem eigenen Werdegang: 2014 stand ich nach meiner Abschlussarbeit vor der Wahl, im Unternehmen zu bleiben. Ich hatte mich als Fertigungsingenieur im Bereich Prozessoptimierung beworben. Dann kam mein damaliger Chef um die Ecke und bot mir eine Rolle als Führungskraft im Qualitätsmanagement an. Diesen Begriff musste ich erst einmal googeln – aus eigenem Antrieb wäre ich nie auf diesen Weg gekommen. Und dass ich Jahre später als Coach und Mentor arbeiten würde, hätte ich damals erst recht nicht für möglich gehalten. Genau deshalb gilt: Versuch nicht, den perfekten nächsten Schritt im Kopf durchzurechnen. Rückblickend wirkt jeder Weg logisch und aufeinander aufbauend – aber das ist nur die Geschichte, die wir uns im Nachhinein erzählen. Vorausschauend ist diese Logik nicht erkennbar. Geh stattdessen ins Handeln: Trial and Error. Hab keine Angst, dich zu bewerben. Wenn du dich auf 20 Stellen bewirbst und erst im Gespräch merkst, dass eine nicht passt, hast du nichts verloren – nur Erfahrung gewonnen. Entweder du gewinnst, oder du lernst.

Tipp 2: Stelle Lernen vor den perfekten Job. Wenn du eine Stellenausschreibung anschaust, ist die wichtigste Einstellung: Du kannst noch nicht alles, aber du kannst alles lernen. Personaler schreiben oft sehr hohe Anforderungen hinein, die in Wahrheit kaum K.-o.-Kriterien sind. Lernen gehört zu jedem Job dazu – sieh es als festen Bestandteil deiner Arbeit, egal wo du einsteigst. Jim Collins hat in Good to Great einen zentralen Erfolgsfaktor herausgearbeitet: erst wer, dann was. Übersetzt auf den Bewerbungsprozess heißt das: Immer mehr Personaler erkennen, dass die Einstellung zum Lernen und die Werte eines Menschen wichtiger sind als seine aktuellen Fachkenntnisse. Gerade im Führungsbereich kannst du erfolgreich sein, selbst wenn du die Branche noch nicht kennst. Worauf es ankommt, ist deine Lernbereitschaft und deine Neugier. Begrenze dich also nicht selbst, indem du Stellen vorschnell aussortierst, weil du dem Profil scheinbar nicht gewachsen bist. Die richtige Einstellung ist die halbe Miete – alles andere kannst du lernen.

Tipp 3: Setz den Fokus richtig – auf den Leser, nicht auf dich. Ich habe mein eigenes Anschreiben von 2014 wiedergefunden, und es taugt als Negativbeispiel. Die Einleitung lautete sinngemäß: „Sehr geehrte Damen und Herren, als angehender Absolvent des Studiengangs … der Hochschule … in Hamburg möchte ich meine Kenntnisse in Form eines Direkteinstiegs als Fertigungsingenieur bei der … GmbH anwenden und erweitern.“ Ich rede darin nur über mich – über meine Interessen, nicht darüber, was das Unternehmen von mir hat. Genau das ist der Fehler. Den Fokus richtig setzen heißt: die Perspektive wechseln und immer den Leser im Vordergrund haben. Der Personaler hat nicht nur deine Bewerbung auf dem Tisch. Lieferst du zwei Seiten Blocktext in kleiner Schrift, hat er beim ersten Blick keine Lust zu lesen. Der Leser muss Freude beim Lesen haben. Und mach dir das eigentliche Ziel klar: Das Anschreiben soll nicht die Stelle sichern und nicht jede Frage beantworten – sein einziges Ziel ist die Einladung zum Gespräch. Sobald du im Gespräch bist, zählt das Gespräch, und das Anschreiben landet in der Schublade. Statt auf Vollständigkeit und inhaltliche Lückenlosigkeit zu setzen, stell die Psychologie des Lesers in den Vordergrund. Versetz dich in ihn hinein: Wie weckst du Neugier? Du kannst bewusst Fragen offenlassen oder nur halb beantworten, damit das Gefühl entsteht: Die Person muss ich kennenlernen, das klingt spannend. Hilfreich ist hier Die Psychologie des Überzeugens. Und ein letzter Punkt: Viele Absolventen schreiben ihre Bewerbung im wissenschaftlichen Stil ihrer Abschlussarbeit. Das sind zwei verschiedene Welten – schreib dein Anschreiben auf keinen Fall wie deine Bachelor- oder Masterarbeit.

Tipp 4: Show, don’t tell – zeig deine Stärken, statt sie zu behaupten. In fast jedem Anschreiben und jedem Bewerbungsgespräch wirst du nach deinen Stärken gefragt. Jeder kann sagen, er sei ehrgeizig, wissbegierig oder durchhaltefähig. Das ist wertlos, weil es jeder sagen kann. Verinnerliche stattdessen den Leitsatz „Show, don’t tell“. Es reicht nicht zu sagen, dass du ehrgeizig bist – überleg dir, wie du es zeigst. Erzähl eine konkrete Geschichte: Welche Projekte machst du am Feierabend, was hast du in der Vergangenheit getan, woran sieht man die Eigenschaft? Ein einfacher Test: Erzählst du dieselbe Geschichte einem Freund, und er sagt von sich aus „Mensch, das klingt, als wärst du ziemlich ehrgeizig“ – dann hast du es richtig gemacht. Leg den Fokus also nicht darauf, zu behaupten, wie toll du bist, sondern darauf, es zu beweisen. Das gilt schriftlich im Anschreiben genauso wie im Gespräch.

Tiefer in den proaktiven Weg, dir Stellen zu erschließen, bevor sie ausgeschrieben werden, gehst du im Artikel Die Kunst der Initiativbewerbung. Wie du an Jobs kommst, die nie öffentlich auftauchen, hörst du in Jobs ohne Bewerbung und Der verdeckte Stellenmarkt. Und für den entscheidenden Gesprächsteil lohnen sich gleich zwei Quellen: die 8 klugen Fragen im Bewerbungsgespräch als Artikel sowie die Folge Fragen im Vorstellungsgespräch.

Häufige Fragen zur Bewerbung

Was ist der wichtigste Tipp für eine erfolgreiche Bewerbung? Komm ins Handeln, statt den perfekten nächsten Schritt im Kopf durchzurechnen. Dein heutiger Erfahrungsschatz ist begrenzt, deshalb erkennst du erst durch echte Bewerbungen und Gespräche, was zu dir passt. Trial and Error schlägt Grübeln.

Wie schreibe ich ein gutes Anschreiben? Setz den Fokus auf den Leser, nicht auf dich. Das Ziel ist nicht, jede Frage zu beantworten, sondern die Einladung zum Gespräch zu bekommen. Wecke Neugier, mach das Lesen angenehm und schreib es nicht im Stil einer wissenschaftlichen Arbeit.

Soll ich mich nur auf Stellen bewerben, deren Anforderungen ich voll erfülle? Nein. Anforderungsprofile sind oft überzogen und selten echte K.-o.-Kriterien. Entscheidend ist deine Lernbereitschaft: Du kannst noch nicht alles, aber du kannst alles lernen. Grenze dich nicht selbst aus.

Wie überzeuge ich mit meinen Stärken? Behaupte sie nicht, sondern zeig sie – „Show, don’t tell“. Statt zu schreiben, dass du ehrgeizig bist, erzähl eine konkrete Geschichte, an der man es erkennt. Ein guter Test ist, ob ein Freund die Eigenschaft aus deiner Geschichte selbst heraushört.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Karriere.

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Diese Folge gehört zum Thema Jobsuche.

Transkript

In dieser Folge geht es um die Jobsuche – ich gebe dir vier Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung. Vorab ein Hinweis: Wie eine Bewerbung konkret aussieht, ist sehr unterschiedlich und individuell. Ob du dich im Konzern oder im Mittelstand bewirbst, ob initiativ oder auf eine ausgeschriebene Stelle – die Abläufe sehen jeweils anders aus. Die vier Tipps, die ich dir hier mitgebe, habe ich bewusst so gewählt, dass sie unabhängig von deiner Situation gelten: ob du nach dem Studium für den Berufseinstieg suchst, dich nach einigen Jahren Berufserfahrung umorientieren willst oder den nächsten Schritt gehen möchtest.

Tipp Nummer eins ist ein Gedanke, den ich immer wieder anbringe – beim Thema gradliniger Lebenslauf. Du hast wahrscheinlich selbst das Gefühl oder zumindest davon gehört, dass ein gradliniger Lebenslauf besser ankommt und keine Lücken drin sein sollten. In den letzten Jahren wurde viel darüber diskutiert, und das wird immer unwichtiger. Ich möchte dazu auf meine eigene Geschichte zurückschauen. 2014 stand ich nach dem Studium vor der Wahl, mich zu bewerben. Ich hatte die Möglichkeit, in dem Unternehmen zu bleiben, in dem ich meine Abschlussarbeit geschrieben hatte. Witzigerweise habe ich neulich noch eine meiner damaligen Bewerbungsunterlagen wiedergefunden – auf die komme ich gleich als Negativbeispiel zu sprechen. Ich hatte mich damals in verschiedene Richtungen beworben, unter anderem als Fertigungsingenieur und im Bereich Prozessoptimierung. Dann kam mein damaliger Chef um die Ecke und sagte, er sehe mich in einer Rolle als Führungskraft im Bereich Qualitätsmanagement. Diesen Begriff hatte ich überhaupt nicht auf dem Zettel. Im Gegenteil: Ich bin nach Hause gegangen und musste erst einmal googeln, was eigentlich genau hinter Qualitätsmanagement steckt. Natürlich hatte ich im Studium davon gehört, aber nicht konkret – und für mich war es zunächst keine Option, in diese Richtung weiterzugehen. Erst durch den Input meines Chefs bin ich überhaupt darauf aufmerksam geworden. Genauso hätte ich in der damaligen Situation niemals sagen können, dass ich vier, fünf Jahre später als Coach und Mentor arbeiten würde.

Damit will ich verdeutlichen: Wenn du über deinen nächsten Job nachdenkst und das im Kopf zu lösen versuchst, setzt du immer nur auf deinem aktuellen Erfahrungsschatz auf. Ich selbst kam ganz am Anfang überhaupt nicht mit Qualitätsmanagement oder mit Coaching in Berührung – deshalb waren das keine Optionen für mich. Mein wichtigster Hinweis ist deshalb: Versuch nicht, das Problem des nächsten Schritts zu sehr im Kopf zu lösen und dich dadurch einzuschränken – auch nicht bei der Frage, auf welche Stellenausschreibungen du dich bewirbst. Wichtig ist, ins Handeln zu kommen: Trial and Error. Du hast nichts zu verlieren. Hab keine Angst vor Bewerbungen. Wenn du dich bewirbst und erst im Gespräch feststellst, dass es doch nicht so gut passt, hast du nichts verloren – im Gegenteil, du hast Erfahrung gewonnen. Es gibt diesen Satz: Entweder du gewinnst, oder du lernst. Mit dieser Einstellung würde ich an die Sache herangehen. Gerade Berufseinsteiger und Absolventen – und ich hatte schon mit vielen zu tun – haben immer wieder dasselbe Thema: Der Erfahrungsschatz ist viel zu klein, um auf dieser Basis eine fundierte Entscheidung über den sinnvollen nächsten Schritt zu treffen. Es ist ein menschliches Phänomen: Rückblickend wirkt unser Weg sehr logisch und aufeinander aufbauend, wie ein Baustein auf dem anderen. In Wahrheit ist das nur die Geschichte, die wir uns selbst erzählen. Vorausschauend ist diese Logik kaum erkennbar. Deshalb empfehle ich dir dringend: Bleib nicht zu sehr im Kopf, sondern geh ins Handeln.

Damit zu Tipp Nummer zwei, der ganz wichtig ist: Ich würde grundsätzlich nicht versuchen, den perfekten Job anzusteuern, sondern immer das Thema Lernen in den Vordergrund stellen. Wenn du dir eine Stellenausschreibung anschaust, ist der wichtigste Gedanke für deine Einstellung: Du kannst noch nicht alles, aber du kannst alles lernen. Ich habe viele Personaler kennengelernt, die sehr hohe Anforderungen hineinschreiben, die in Wahrheit kaum K.-o.-Kriterien sind. Lernen gehört zu jedem Job dazu, und das sollte auch deine Haltung sein: Egal wo du einsteigst, sieh Lernen immer als Bestandteil deines Jobs. Über Jim Collins habe ich in einer der letzten Folgen schon gesprochen. In seinem Buch Good to Great, „Der Weg zu den Besten“, ist einer der wichtigen Erfolgsfaktoren erfolgreicher Unternehmen: erst wer, dann was. Auf Einstellungsprozesse übertragen heißt das – und immer mehr Personaler kommen darauf –, dass die Einstellung zum Lernen und die Werte eines Mitarbeiters viel wichtiger sind als seine aktuellen fachlichen Kompetenzen. Das hängt natürlich von der Stelle ab. Aber gerade im Führungsbereich kannst du sehr erfolgreich sein, selbst wenn du in der Branche noch nie tätig warst und das Unternehmen aus innerer Perspektive gar nicht kennst. Personaler legen immer mehr Wert auf deine Einstellung, auf deine Lernbereitschaft und auf deine Neugier. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dich in der Auswahl der Jobs nicht selbst zu begrenzen, indem du Anforderungsprofile vorschnell aussortierst, weil du das Gefühl hast, dem nicht gewachsen zu sein. Zeig, dass du die richtige Einstellung hast – das ist schon die halbe Miete. Alles andere kannst du lernen. Also: Tipp Nummer zwei – Lernen, Lernen, Lernen, wichtiger als der perfekte Job.

Tipp Nummer drei: den Fokus richtig setzen. Dazu möchte ich aus meinem Anschreiben von 2014, das ich wiedergefunden habe, einen Abschnitt vorlesen – die Einleitung. Sie lautete sinngemäß: „Sehr geehrte Damen und Herren, als angehender Absolvent des Studiengangs … der Hochschule … in Hamburg möchte ich meine Kenntnisse in Form eines Direkteinstiegs als Fertigungsingenieur bei der … GmbH anwenden und erweitern.“ Und so ging das Anschreiben weiter. Das heißt: Ich rede nur über mich. Mittlerweile weiß man, dass dieser Einstieg absolut falsch ist. Den Fokus richtig setzen heißt, die Perspektive zu wechseln: Du musst immer den Leser im Vordergrund haben, nicht dich selbst. In meinem Beispiel rede ich nur über mich und meine Interessen – und gar nicht darüber, was die Firma von mir hat. Ein weiterer Punkt: Der Leser muss Freude beim Lesen haben. Ein Personaler hat nicht nur eine Bewerbung auf dem Tisch. Wenn du zwei Seiten Blocktext in kleiner Schrift lieferst, hat er schon beim ersten Blick keine Lust, das zu lesen. Außerdem ganz wichtig: Was ist eigentlich das Ziel des Anschreibens? Ich merke bei vielen, dass sie den Fokus darauf legen, vollständig und inhaltlich korrekt zu sein. Das sind teilweise wichtige Komponenten, aber viel wichtiger ist zu verstehen: Das Ziel des Anschreibens ist immer nur die Einladung zum Bewerbungsgespräch. Sobald du im Gespräch bist, zählt das Gespräch, und das Anschreiben ist zweitrangig und längst in der Schublade gelandet. Versuch also nicht, mit dem Anschreiben sofort die Stelle zu bekommen oder auf jeden Punkt einzugehen. Statt auf inhaltliche Lückenlosigkeit zu setzen, solltest du die Psychologie des Menschen in den Vordergrund stellen. Versetz dich in den Leser hinein: Wie kannst du Neugier wecken? Das kann zum Beispiel bedeuten, bewusst Fragen nicht oder nur halb zu beantworten, um Neugier zu erzeugen und beim Gegenüber das Gefühl auszulösen: Die Person muss ich kennenlernen, das klingt spannend, ich will wissen, was dahintersteckt. Versuch also nicht, mit dem Anschreiben schon jede Frage zu beantworten und die ganze Entscheidungsgrundlage zu liefern. Du möchtest nur den nächsten Schritt: die Einladung zum Gespräch. Ich habe schon von einigen Büchern gesprochen, die hier helfen – etwa Die Psychologie des Überzeugens, in der es darum geht, andere zu überzeugen und sich selbst gut zu verkaufen. Ein letzter Punkt dazu: Viele, gerade Absolventen, kommen aus dem wissenschaftlichen Schreibstil ihrer Abschlussarbeit. Eine Bewerbung und eine Abschlussarbeit sind aber zwei verschiedene Welten. So wie du deine Bachelor- oder Masterarbeit geschrieben hast, solltest du auf keinen Fall dein Anschreiben schreiben.

Tipp Nummer vier ist ein ganz kurzer Satz: Show, don’t tell. In fast jedem Anschreiben und in jedem Bewerbungsgespräch wirst du nach deinen Stärken und Eigenschaften gefragt. Jeder kann sagen, dass er ehrgeizig ist. Jeder kann sagen, dass er wissbegierig und durchhaltefähig ist. Das kann jeder behaupten. Wichtig ist, dass du den Leitsatz verinnerlichst – ob im Anschreiben oder später im Gespräch: Show, don’t tell. Es reicht nicht zu sagen, dass du ehrgeizig bist. Überleg dir bei deinen Stärken und Werten in erster Linie: Wie kannst du sie zeigen? Wie kannst du davon erzählen, vielleicht von einer Geschichte, die zeigt, dass du ehrgeizig bist? Von einem Hobby etwa – was machst du am Feierabend, welche Projekte hast du, wie hast du dich in der Vergangenheit verhalten, was zeigt, dass du diese Eigenschaft mitbringst? Ein kleiner Test: Wenn du einem Freund die Geschichte erzählst und er sagt „Mensch, das klingt, als wärst du ziemlich ehrgeizig“ – wenn du diesen Eindruck beim Gegenüber erzeugen kannst, dann machst du es genau richtig. Leg den Fokus also nicht darauf zu erzählen, wie toll du bist – im Sinne von „ich bin ehrgeizig, ich bin wissbegierig“ –, sondern darauf, wie du es zeigen und beweisen kannst. Das ist der Leitsatz Show, don’t tell – schriftlich wie im Gespräch.

Ich fasse die vier Punkte ganz kurz zusammen. Punkt eins: gradliniger Lebenslauf – versuch nicht, den nächsten logischen Schritt im Kopf zu lösen, sondern öffne dich, hab keine Angst vor Fehlentscheidungen und wag den Schritt; lass diese Trial-and-Error-Haltung rein. Punkt zwei: Lernen, Lernen, Lernen – Lernen ist ein wichtiger Bestandteil deines Jobs, geh mit der Einstellung rein, dass du noch nicht alles mitbringst, aber alles lernen kannst, und bewirb dich ruhig auch auf Positionen, bei denen andere sagen würden, du seist noch nicht bereit. Punkt drei: den Fokus richtig setzen – gerade beim Anschreiben, aber auch später im Gespräch, ein Perspektivwechsel; sieh den Personaler oder die entscheidende Person als deinen Kunden, gestalte das Anschreiben angenehm und erinnere dich immer daran, dass sein Ziel die Einladung zum Gespräch ist; wecke Neugier und stell die Psychologie des Menschen in den Vordergrund, nicht die inhaltliche Lückenlosigkeit. Punkt vier: Show, don’t tell – jeder kann sagen, dass er ehrgeizig ist; verpack deine Stärken so, dass sie für sich allein stehen, indem du sie zeigst und beweist.

Zum Abschluss noch ein Gedanke: Vielleicht erscheint dir dein Lebenslauf im Moment nicht gradlinig. Aber wenn du zwei Jahre weiterdenkst und es einfach gemacht hast, wirkt vieles im Rückblick plötzlich wieder logisch. Trau dich also, auch mal andere Ideen und Gedanken einfließen zu lassen. Ich habe ein, zwei Geschichten von Menschen gehört, die zehn, fünfzehn Jahre als Ingenieure gearbeitet und sich dann entschieden haben, etwas ganz anderes zu machen. Das zeigt: Du kannst dich jederzeit entscheiden, dich umzuorientieren – du bist nicht gefangen in dem, was du in der Vergangenheit gemacht hast. Dieser Gedanke kann unheimlich erleichtern, wenn du in die Bewerbungsphase und in die Jobsuche gehst. Ich hoffe, du konntest einige Impulse aus dieser Folge mitnehmen. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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