Manchmal lohnt es sich, ein Problem von hinten zu denken. Nicht: „Was macht eine großartige Karriere aus?“ Sondern: „Was ruiniert sie zuverlässig?“
In dieser Folge gehe ich 12 Karrierefehler durch – 12 Wege, um sicherzustellen, dass du beruflich stehen bleibst. Klingt paradox, ist aber der schnellste Weg, um zu verstehen, was du besser lassen solltest.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Inversion (rückwärts denken) ist oft stärker als das Suchen nach genialen Lösungen: Wir Menschen sind besser darin, Dummheiten zu vermeiden, als brillante Erfolgsrezepte zu finden.
- Statt nach Erfolgsfaktoren zu fahnden, fragst du: Was sind die Ursachen für eine miserable Karriere? Die zu meiden, ist meist einfacher und wirkungsvoller.
- Die meisten Karrierefehler sind Haltungen, keine Einzelereignisse: nicht weiterlernen, nichts umsetzen, alles allein machen wollen.
- Dein Umfeld entscheidet mit: Mentoren und Partner, die deine Ambitionen nicht tragen, bremsen dich stiller, als du denkst.
- Warten ist der gefährlichste Fehler: Wer auf den perfekten Moment, die Beförderung oder die freie Stelle wartet, gibt die Kontrolle ab. Perfekte Bedingungen gibt es nicht.
Die 12 Karrierefehler im Detail
Den Rahmen für diese Folge liefert ein Gedanke von Charlie Munger. Sein Zitat: „Das Einzige, was ich wissen will, ist, wo ich sterben werde – damit ich niemals dorthin gehe.“ Diese Art, über Probleme nachzudenken, nennt man Inversion – rückwärts denken. Es reicht nicht, ein schwieriges Problem nur vorwärts zu durchdenken („Wie ernähre ich mich gesund, damit ich länger lebe?“). Genauso wertvoll ist die Rückwärtsfrage: „Wo ist der Ort, an dem ich scheitere – und wie meide ich ihn?“
Auf die Karriere übertragen: Statt zu fragen, was die Erfolgsfaktoren einer gelungenen Laufbahn sind, fragen wir, was die Ursachen einer miserablen Karriere sind. Denn wir Menschen sind deutlich besser darin, Dummheiten zu identifizieren und zu vermeiden, als geniale Lösungen zu finden. Hier sind also 12 Wege, um sicherzustellen, dass du beruflich stehen bleibst.
1. Ausgelernt. Lies keine Bücher, bilde dich nicht weiter, mach dir keine Notizen – und glaube fest, dass du bereits alles weißt, was du brauchst. Wenn du das einhältst, stagnierst du garantiert, zumindest in deiner persönlichen Entwicklung.
2. Umsetzungsschwach. Selbst wenn du viele Bücher liest: Mach nichts damit. Bleib in der Theorie, überleg nie, was du in der Praxis daraus machen könntest. Rede viel und tue wenig. So kommst du verlässlich kaum voran.
3. Einzelkämpfer. Hol dir keine Mentoren, keine Ratschläge, keine Tipps, keine Ideen. Und wenn doch, dann nur von Menschen, die selbst keine Ambitionen haben oder keine Erfahrung auf dem Gebiet, auf dem du dich entwickeln willst.
4. Fatale Partnerwahl. Wähle einen Partner – Freund, Freundin, Ehepartner –, der deine Träume nicht unterstützt. Und sprich mit ihm oder ihr niemals über deine Ambitionen. Ein stiller, aber mächtiger Hebel, um nicht voranzukommen.
5. Jammern und Opfermodus. Gib den Umständen immer die Schuld. Beklage dich, dass es keine Stellen gibt, dass die Wirtschaftslage schlecht ist. Fokussiere dich konsequent auf die Dinge, die du nicht kontrollieren kannst – das hält dich zuverlässig fest.
6. Falsche Sicherheit. Erwarte, dass dir das Unternehmen einen sicheren Job garantiert. Sorge nicht selbst für deine Sicherheit, sondern verlasse dich darauf, dass jemand anderes das für dich erledigt.
7. Komfortzone. Vermeide unbequeme oder schwierige Situationen, wo immer es geht. Such dir nie eine echte Herausforderung. Bleib im Kreis deiner Komfortzone und verlasse ihn niemals.
8. Mittelmaß. Toleriere es, mittelmäßig zu sein. Setz dir keine hohen Ziele. Hab immer das Gefühl, alles, was du tust, sei gut genug. Wer Mittelmaß in jeder Form akzeptiert, kommt beruflich nicht voran.
9. Defokus. Vermeide es, an dem zu arbeiten, was am wichtigsten ist. Verbring viel Zeit im Social-Media-Feed, sei für jeden immer und überall erreichbar, sag nie nein. So hast du kaum Fokus für die wenigen Dinge, die wirklich zählen – und trägst langfristig keine Früchte.
10. Kein Commitment. Starte etwas Neues, dann wieder etwas Neues, dann wieder – so oft wie möglich. „Shiny Object Syndrome“ nennt man das. Geh nie ein echtes Commitment ein, dann kommst du nirgends in die Tiefe.
11. Pessimismus. Starte gar nicht erst, weil es am Ende sowieso nicht funktionieren wird. Sei bei allem, was du tust, pessimistisch. Dann stellst du in den meisten Fällen sicher, dass du nicht einmal anfängst.
12. Warten. Einer der wichtigsten Punkte. Warte aufs Jahresgespräch. Warte, bis du befördert wirst. Warte, bis sich andere Gedanken über deine Entwicklung machen. Warte, bis das Projekt abgeschlossen ist, bis eine Stelle frei wird. Warte auf die perfekten Bedingungen. Das kleine Geheimnis: Perfekte Bedingungen gibt es nicht.
Die Umkehr. Jetzt hast du 12 Punkte an der Hand, um sicherzustellen, dass du dich nicht entwickelst. Genau hier liegt die Stärke der Inversion: Du brauchst keine geniale Lösung zu finden. Du musst dich nur daran halten, diese 12 Karrierefehler zu vermeiden – und schon sorgst du dafür, dass du nicht irgendwo stecken bleibst, sondern vorankommst. Denke das Problem ruhig öfter andersherum: nicht „Was sind die Erfolgsfaktoren?“, sondern „Was sind die Ursachen, die mich ausbremsen?“
Wer Karrierefehler vermeiden will, denkt langfristig und übernimmt Verantwortung für die eigene Entwicklung. Wie du verhinderst, dauerhaft auf der Stelle zu treten, vertieft Stagnation vermeiden. Warum sich harte Arbeit auf dem falschen Ziel rächt, zeigt der falsche Berg. Und wenn dich der Trott im Job festhält, hörst du in Monotonie im Job, wie du wieder in Bewegung kommst.
Häufige Fragen zu Karrierefehlern
Was sind die häufigsten Karrierefehler? Die zwölf in dieser Folge genannten: ausgelernt sein, umsetzungsschwach bleiben, Einzelkämpfer sein, eine Partnerwahl ohne Rückhalt, Jammern und Opfermodus, falsche Sicherheit, das Meiden der Komfortzone, Mittelmaß tolerieren, Defokus, fehlendes Commitment, Pessimismus und Warten auf perfekte Bedingungen.
Was bedeutet Inversion (rückwärts denken)? Inversion ist ein Denkmodell, das auf Charlie Munger zurückgeht: Statt zu fragen, wie du ein Ziel erreichst, fragst du, wie du sicher scheiterst – und meidest dann genau diese Wege. Auf die Karriere bezogen: Nicht die Erfolgsfaktoren suchen, sondern die Ursachen einer miserablen Karriere identifizieren und konsequent vermeiden.
Warum ist Warten ein so gefährlicher Karrierefehler? Weil du damit die Kontrolle über deine Entwicklung an andere oder an die Umstände abgibst – an den Chef, das Jahresgespräch, die freie Stelle. Du wartest auf perfekte Bedingungen, die es nicht gibt, statt selbst aktiv zu werden.
Wie hilft das Vermeiden von Fehlern mehr als die Suche nach Erfolgsrezepten? Weil Menschen besser darin sind, Dummheiten zu erkennen und zu meiden, als brillante Lösungen zu finden. Konsequent die bekannten Karrierefehler zu vermeiden, ist meist einfacher und wirkungsvoller, als nach dem einen genialen Erfolgsfaktor zu suchen.
Diese Folge gehört zum Thema Karriere.
Transkript
Herzlich willkommen zur Podcast-Folge Nummer 118: 12 Ursachen für eine miserable Karriere. Ich möchte diese Folge mit einem Zitat von Charlie Munger starten – über ihn habe ich ja in der letzten Folge einiges erzählt, hör da gern noch mal rein. Hier das Zitat: „Das Einzige, was ich wissen will, ist, wo ich sterben werde. Damit ich niemals dorthin gehe.“
Ich wiederhole das noch mal: Das Einzige, was ich wissen will, ist, wo ich sterben werde, damit ich niemals dorthin gehe. Diese Art, über Probleme nachzudenken, nennt man Inversion – das heißt so viel wie rückwärts denken. Wenn ich weiß, an welchem Ort ich sterben werde, und dann niemals dorthin gehe, habe ich das Problem natürlich gelöst.
Wichtig ist: Es reicht nicht aus, über schwierige Probleme nur auf eine Weise nachzudenken, also vorwärts gedacht – etwa: Wie kann ich mich gesund ernähren, damit ich länger lebe? Sondern eben auch rückwärts gedacht: Wo ist der Ort, an dem ich sterben werde? Dann würde ich dort niemals hingehen. Alles natürlich hypothetisch.
Ein anderes Beispiel für vorwärts denken: Was sind Erfolgsfaktoren für eine gelungene Karriere? Und rückwärts gedacht: Was sind die Ursachen für eine miserable Karriere? Wir Menschen sind deutlich besser darin, Probleme zu identifizieren – also Dummheiten zu vermeiden – als geniale Lösungen zu finden. Die Frage, welche Ursachen hinter einer miserablen Karriere stehen, sie zu identifizieren und dann zu vermeiden, ist für uns meist deutlich einfacher, als Erfolgsfaktoren für gelungene Karrieren zu finden und umzusetzen.
Das war das kleine Intro, denn genau darum soll es gehen. Hier sind 12 Wege, um sicherzustellen, dass du beruflich niemals erfolgreich wirst und im Laufe deiner beruflichen Entwicklung garantiert stehen bleibst. Es sind relativ kurze Punkte, ich gehe sie nacheinander durch.
Punkt Nummer 1: ausgelernt. Lies keine Bücher, bilde dich nicht weiter, mach dir niemals Notizen und glaube auf jeden Fall, dass du bereits alles weißt, was du brauchst. Ich glaube, es ist offensichtlich: Wenn du diesen Punkt einhältst, stellst du sicher, dass du stehen bleibst – zumindest in der persönlichen Entwicklung.
Punkt Nummer 2: umsetzungsschwach. Selbst wenn du viele Bücher liest, mach nichts damit. Komm nie in die Umsetzung, beschäftige dich immer nur mit der Theorie, aber überleg nicht, was du damit in der Praxis machen kannst. Vor allem: Rede viel und tue wenig. Ein wichtiger Grundsatz, um wenig umzusetzen und dadurch kaum voranzukommen.
Punkt Nummer 3: sei ein Einzelkämpfer. Was heißt das? Hab keine Mentoren, hol dir keine Ratschläge, keine Tipps und keine Ideen. Und wenn doch, dann nur von Personen, die keine Ambitionen haben oder überhaupt keine Erfahrung auf dem Gebiet, auf dem du dich weiterentwickeln möchtest.
Punkt Nummer 4: fatale Partnerwahl. Ein spannender Punkt. Wähle einen Partner – einen Freund, eine Freundin, eine Frau, einen Ehemann –, der oder die deine Träume nicht unterstützt. Sprich auch niemals über deine Ambitionen mit ihnen. Ein ganz wichtiger Punkt, um sicherzustellen, dass du niemals vorankommst.
Punkt Nummer 5: Jammern, der Opfermodus. Gib den Umständen immer die Schuld. Beklage dich ständig, dass du keinen neuen Job findest, dass es keine Stellen gibt, dass die Wirtschaftslage gerade so schlecht ist. Fokussiere dich auf jeden Fall auf die Dinge, die du nicht kontrollieren kannst – damit stellst du sicher, dass du beruflich nicht vorankommst.
Punkt Nummer 6: falsche Sicherheit. Erwarte, dass dir das Unternehmen einen sicheren Job gibt. Sorge nicht selbst für deine Sicherheit, sondern erwarte, dass dir das Unternehmen die vollste Sicherheit geben muss – und dass das seine Aufgabe ist.
Punkt Nummer 7: Komfortzone. Vermeide, wenn möglich, jede unbequeme oder schwierige Situation. Such dir niemals eine Challenge. Bleib immer im Kreis deiner Komfortzone und begib dich da niemals raus. Auch ein wichtiger Punkt, um sicherzustellen, dass du dich nicht entwickelst.
Punkt Nummer 8: Mittelmaß. Toleriere es zu jeder Zeit, mittelmäßig zu sein. Setz dir keine hohen Ziele. Hab immer das Gefühl, alles, was du machst, sei gut genug. Toleriere Mittelmaß in jeder Form – dann stellst du sicher, dass du beruflich nicht vorankommst.
Punkt Nummer 9: Defokus. Vermeide es, an dem zu arbeiten, was am wichtigsten ist. Verbring viel Zeit im Social-Media-Feed. Sei für jeden immer und überall erreichbar. Sorg dafür, dass du kaum Fokus und Zeit für die wichtigen Themen hast. Verlier dich bei LinkedIn, YouTube, Instagram und Co., ein Video nach dem nächsten. Sag nie nein, wenn andere Leute dich fragen. Dann erzielst du keinen Fortschritt bei den wichtigen Themen und bleibst langfristig stehen.
Punkt Nummer 10: kein Commitment. Starte etwas Neues, dann wieder etwas Neues, dann wieder und dann wieder – so oft wie möglich. Es gibt das schöne „Shiny Object Syndrome“, nimm dir das zu Herzen. Starte immer wieder etwas Neues, geh niemals ein Commitment ein. Dann kommst du definitiv nie in die Tiefe.
Punkt Nummer 11: Pessimismus. Ein wichtiger Satz: Starte gar nicht erst, das wird am Ende sowieso nicht funktionieren. Sei pessimistisch mit allem, was du tust. Dann stellst du sicher, dass du in den meisten Fällen nicht einmal anfängst.
Punkt Nummer 12: warte. Wenn es möglich ist, dann warte. Warte bis zum nächsten Jahresgespräch. Warte, bis du befördert wirst. Warte, bis dein Chef oder das Unternehmen dich weiterentwickeln möchte. Warte, bis sich jemand bei dir meldet. Warte, bis das Projekt abgeschlossen ist, bevor du den nächsten Schritt gehst. Warte, bis eine Stelle frei wird, anstatt selbst aktiv zu sein. Warte immer auf perfekte Bedingungen. Kleines Geheimnis an der Stelle: Es gibt keine perfekten Bedingungen – aber das ist ein Thema für eine andere Folge.
Jetzt hast du einige Punkte an der Hand, um wirklich sicherzustellen, dass du dich nicht entwickelst. Wenn du dir das zu Herzen nimmst, versichere ich dir: Du wirst stehen bleiben. Aber kommen wir zum Anfang zurück. Es ist immer leichter, diese Probleme, diese Dummheiten zu vermeiden. Du musst keine genialen Lösungen finden – halte dich nur daran, diese 12 Punkte zu vermeiden, und du stellst sicher, dass du dich beruflich entwickelst und nicht irgendwo stecken bleibst.
Vor diesem Hintergrund: Denk immer an die Inversion, das Rückwärtsdenken. Manchmal ist es smarter, Probleme andersherum zu denken und nicht zu überlegen, was die Erfolgsfaktoren für eine hervorragende Karriere sind, sondern was die Ursachen für eine miserable Karriere sind. Ich habe dir 12 genannt. Hör die Folge gern noch mal an, da waren einige Punkte dabei. Und dann drücke ich dir die Daumen, dass du so wenige Punkte wie möglich aus dieser Folge umsetzt.
Das soll es gewesen sein für diese Folge. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.