„Nur wer selbst brennt, kann andere anfeuern.“ Motivation ist einer der größten Hebel für Leistung – und trotzdem fokussieren sich viele Unternehmen bis heute auf die falsche Art davon. Diese Folge ist für alle, die führen (oder führen wollen) und ihr Team motivieren möchten – und gleichzeitig eine Einladung, über die eigene Motivation nachzudenken.
Auf Basis von Daniel Pinks Buch Drive schauen wir uns die drei Quellen der Motivation an – und vor allem, wie du die stärkste davon, die intrinsische Motivation, über Autonomie, Flow und Sinn gezielt förderst.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Es gibt 3 Quellen der Motivation (Daniel Pink, Drive): 1.0 der biologische Antrieb, 2.0 die extrinsische Motivation (Belohnung & Bestrafung), 3.0 die intrinsische Motivation.
- Belohnung & Bestrafung funktionieren nur bei Routine. Bei kreativer, konzeptioneller Arbeit kann ein Bonus die Leistung sogar verschlechtern – Geld ist hier der falsche Hebel.
- Die meisten Unternehmen setzen auf 2.0 und vernachlässigen 3.0 – den inneren Antrieb, etwas zu erschaffen, zu lernen und beizutragen.
- Intrinsische Motivation ruht auf 3 Komponenten: Autonomie, Flow und Sinn.
- Autonomie heißt, selbst über Aufgabe, Zeit, Technik und Team zu bestimmen. Als Führungskraft: Vertrauen geben, Verantwortung übergeben, Mikromanagement vermeiden.
- Flow entsteht, wenn die Aufgabe genau zu den Fähigkeiten passt (nicht zu schwer, nicht zu leicht). Sinn entsteht, wenn man das große Ganze versteht.
Mitarbeiter motivieren: die Kernidee
Die 3 Quellen der Motivation (nach Daniel Pink)
In seinem sehr empfehlenswerten Buch Drive beschreibt Daniel Pink drei Quellen der Motivation. Motivation 1.0 ist der biologische Antrieb: lebensnotwendige Bedürfnisse wie Hunger und Durst, die Ausrichtung auf Überleben und Fortpflanzung. Den hat jeder, er ist evolutionär vorprogrammiert. Motivation 2.0 ist die extrinsische Motivation: Wir streben nach Belohnung und vermeiden Bestrafung. Sie wird in der Industrie seit der industriellen Revolution stark genutzt – und funktioniert bei reinen Routinetätigkeiten sogar sehr gut. Das Problem: Immer mehr Arbeit ist heute konzeptionell und kreativ. Und je kreativer die Aufgabe, desto eher kann ein „Wenn-dann-Bonus“ die Motivation sogar senken. Pink zitiert Experimente, in denen Geld für kreative Aufgaben zu schlechteren Ergebnissen führte.
Motivation 3.0 ist die intrinsische Motivation – der innere Wunsch, etwas zu erschaffen, zu lernen und beizutragen. Bestimmte Tätigkeiten macht man einfach gern, weil sie Spaß machen, sinnvoll oder herausfordernd sind. Genau diese Quelle vernachlässigen viele Unternehmen. Sie systematisch zu fördern, ist der Kern moderner Führung (New Work / New Leadership) – auch Systeme wie OKRs (John Doerr, Measure What Matters, einer der frühen Google-Investoren) sprechen sie bewusst an. Intrinsische Motivation ruht auf drei Komponenten: Autonomie, Flow und Sinn.
1. Autonomie
Jeder möchte selbst über seine Arbeit bestimmen. Wer alles bis ins kleinste Detail vorgekaut bekommt und nur abarbeiten darf, verliert schnell die Motivation. Autonomie hat vier Facetten: die Aufgabe (was), die Zeit (wann), die Technik (wie) und das Team (mit wem). Prüf für dich: Wie viel kannst du in jedem dieser Punkte selbst entscheiden? Gerade die örtliche Frage (Homeoffice) ist heute ein starkes Autonomie-Signal – selbst klassische Industrieunternehmen wie Siemens fördern diesen Aspekt inzwischen.
Als Führungskraft ist die häufigste Ursache fehlender Autonomie mangelndes Vertrauen. Wenn dein Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ lautet, ist das das stärkste Signal für Mikromanagement – und du nimmst deinen Mitarbeitern damit Autonomie und intrinsische Motivation. Der Dreiklang: Vertrauen schenken, Verantwortung übergeben und Erwartungen klar kommunizieren (gemeinsam Ziele vereinbaren). Das ist gelebte Servant Leadership: Ziele und Prioritäten gemeinsam definieren, dann beim Umsetzen unterstützen – statt alles vorzugeben.
2. Flow
Die häufigste Quelle der Frustration sind die falschen Aufgaben. Flow entsteht, wenn der Schwierigkeitsgrad einer Aufgabe genau zu deinen Fähigkeiten passt – du vergisst Raum und Zeit. Daniel Pink: „Wenn das, was du tun musst, deine Fähigkeiten übersteigt, entstehen Angstzustände. Wenn es deine Fähigkeiten nicht genügend fordert, entsteht Langeweile. Passt beides perfekt zusammen, kann etwas Wunderbares entstehen.“ Als Führungskraft musst du diesen schmalen Grat im Blick behalten: niemanden zu sehr ins kalte Wasser werfen (Überforderung), aber auch nicht mit banalen Aufgaben langweilen (Unterforderung).
Eng damit verbunden ist das Gefühl von Fortschritt – einer der wichtigsten Motivationsfaktoren. Wer die Komfortzone verlässt und neue Kompetenzen erwirbt, erlebt Fortschritt. Eine zentrale Führungsaufgabe ist deshalb „Fortschrittsmanagement“: für jeden Mitarbeiter im Blick zu haben, ob er gerade vorankommt, und iterativ die passenden Aufgaben auszuwählen. Wenn du selbst das Gefühl von Stillstand hast, sprich es mit deiner Führungskraft an – fehlender Fortschritt ist einer der größten Demotivatoren.
3. Sinn
„Wenn Menschen nicht verstehen, warum sie tun, was sie tun – wie kann man dann erwarten, dass sie motiviert sind?“ Im Alltag geht der Sinn oft unter („keine Zeit, wir müssen liefern“). Die Geschichte der drei Steinmetze bringt es auf den Punkt: Gefragt, woran sie arbeiten, antwortet der erste „Ich behaue einen Stein“, der zweite „Ich arbeite an einem Spitzbogenfenster“, der dritte „Ich baue eine Kathedrale“. Alle drei tun dasselbe – aber der dritte hat ein ganz anderes Bild und damit eine höhere Motivation, weil er das große Ganze versteht.
Die zentrale Frage, die du fördern solltest: Wie trägt meine Tätigkeit zum großen Ganzen bei? Dazu gehört zu verstehen, wer die Kunden sind und welche Probleme man für sie löst. Adam Grant erzählt in Geben und Nehmen das Beispiel eines Callcenters, das Spenden für Stipendien einsammelt: Sobald die Mitarbeiter Stipendiaten trafen, die schilderten, wie sehr die Arbeit ihr Leben verändert hatte, schoss die Motivation – und die Ergebnisse – durch die Decke. Frag dich also: Wie kannst du für deine Mitarbeiter greifbar machen, warum ihre Arbeit wichtig ist?
Kurz gefasst: Es gibt drei Quellen der Motivation – biologisch, extrinsisch und intrinsisch. Bei kreativer Arbeit zählt vor allem die intrinsische (Motivation 3.0). Fördere sie über Autonomie (Vertrauen und Verantwortung), Flow (die richtigen Aufgaben und Fortschritt) und Sinn (das große Ganze sichtbar machen).
Wie du Autonomie schaffst, ohne die Kontrolle zu verlieren, hörst du in Richtig delegieren. Wie du deinen Mitarbeitern Sinn und das große Ganze vermittelst, vertieft Big Picture Thinking. Und warum dieser dienende Führungsstil langfristig am stärksten motiviert, zeigt Was eine moderne Führungskraft auszeichnet.
Häufige Fragen zum Thema Mitarbeiter motivieren
Wie motiviere ich meine Mitarbeiter wirklich? Nicht primär über Boni, sondern über die intrinsische Motivation (Motivation 3.0). Fördere Autonomie (Vertrauen geben, Verantwortung übergeben), Flow (Aufgaben passend zu den Fähigkeiten, Fortschritt ermöglichen) und Sinn (zeigen, wie die Arbeit zum großen Ganzen beiträgt).
Warum funktionieren Boni oft nicht? Belohnung und Bestrafung (Motivation 2.0) wirken gut bei Routinetätigkeiten. Bei kreativer, konzeptioneller Arbeit können sie die Motivation sogar senken – Experimente zeigen, dass Geld für kreative Aufgaben zu schlechteren Ergebnissen führen kann.
Was sind die 3 Komponenten intrinsischer Motivation? Autonomie (selbst über Aufgabe, Zeit, Technik und Team bestimmen), Flow (Aufgaben, deren Schwierigkeitsgrad genau zu den Fähigkeiten passt) und Sinn (verstehen, warum die eigene Arbeit wichtig ist und worauf sie einzahlt).
Wie motiviere ich mich selbst? Indem du dieselben drei Hebel auf dich anwendest: dir Freiräume und Verantwortung sichern (Autonomie), Aufgaben mit dem richtigen Anspruch und echtem Fortschritt suchen (Flow) und dir den Sinn deiner Arbeit bewusst machen. Bei Stillstand hilft Proaktivität: das Thema selbst in die Hand nehmen.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
- Daniel Pink – Drive: die drei Quellen der Motivation und warum intrinsische Motivation (Autonomie, Mastery, Sinn) entscheidend ist.
- John Doerr – Measure What Matters: wie Unternehmen wie Google mit OKRs Ziele setzen und dabei intrinsische Motivation ansprechen.
- Adam Grant – Geben und Nehmen: das Callcenter-Experiment, das zeigt, wie Sinn die Motivation vervielfacht.
Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Führung.
Diese Folge gehört zum Thema Führung.
Transkript
Herzlich willkommen zu Podcast-Episode Nummer 46. Heute geht es um das Thema Motivation 3.0 – wie du dich und deine Mitarbeiter richtig motivierst. Wenn du mir auf LinkedIn folgst, kennst du den Begriff vielleicht schon; ansonsten wirst du spätestens am Ende der Folge genau wissen, was er bedeutet und wie du ihn nutzen kannst. Diese Folge ist wie üblich für alle, die Führungskraft werden wollen, aber im Kern auch für alle Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter motivieren und ihr Team voranbringen wollen – und sie ist eine Einladung zur Selbsterkenntnis. Es gibt den Spruch: Nur wer selbst brennt, kann andere anfeuern. Du kannst aus dieser Folge also viel über deine eigene Motivation mitnehmen und reflektieren.
Ein spannender Leitsatz zum Einstieg: Mit der richtigen Motivation ist vieles möglich – auch das, was die meisten für unmöglich halten. Ich bin überzeugt, dass Motivation ein riesiger Faktor ist. Vorweg für alle, die auf eine Buchempfehlung warten: In diesem Kontext kann ich Drive von Daniel Pink sehr stark empfehlen – ein sehr guter Autor, super geschrieben, macht richtig Spaß zu lesen. Ich bringe einige Dinge aus dem Buch hier mit ein.
Eine Kernerkenntnis: Es gibt im Grunde drei Quellen der Motivation. Motivation 1.0 ist die ursprüngliche, biologische Motivation – der biologische Antrieb. Jeder von uns hat lebensnotwendige Bedürfnisse, die uns antreiben: Wenn du Hunger hast, motiviert dich das, etwas zu essen; dasselbe gilt für Durst und vieles mehr. Es geht um die Ausrichtung auf Überleben und Fortpflanzung – im Kern biologisch und evolutionär geprägte Mechanismen. Diesen Antrieb kann keiner vermeiden, er steckt in uns. Daniel Pink beschreibt das in Software-Logik: von 1.0 über 2.0 zu 3.0, im Sinne eines Updates.
Motivation 2.0 kennt jeder, auch unter dem Begriff extrinsische Motivation. Fakt ist: Jeder von uns reagiert auf Belohnung und Bestrafung im Umfeld. Wir streben nach Belohnung und vermeiden Bestrafung. Gerade im beruflichen Kontext gibt es viele Systeme, die diese extrinsische Motivation adressieren. Schon zu Beginn der industriellen Revolution – etwa bei Fließbandfertigung – kam diese Motivation sehr stark zum Vorschein, und in der Industrie ist sie bis heute stark vertreten. Das Positive: Diese Art Motivation ist nicht schlecht – sie funktioniert bei Routinetätigkeiten sogar sehr gut. Das Problem ist, dass viele Tätigkeiten in der heutigen Welt keine reinen Routinearbeiten mehr sind, sondern konzeptionell und kreativ. Und je konzeptioneller und kreativer du arbeitest, desto eher kann sich Belohnung oder Bestrafung – die extrinsische Motivation – negativ auswirken. Pink beschreibt mehrere Experimente, die zeigen: Sobald du jemandem Geld dafür anbietest, etwas Kreatives zu schaffen, kann das sogar zu schlechteren Ergebnissen führen.
Damit zur Motivation 3.0 – das ist das, was heute oft das Problem ist: Es ist noch gar nicht erkannt, wie gut man systematisch an diese intrinsische Motivation herangehen kann und wie ernst man sie nehmen sollte. Jeder von uns hat nicht nur die biologische Motivation und die Reaktion auf Belohnung und Bestrafung, sondern auch eine intrinsische Motivation – den inneren Wunsch, etwas zu erschaffen, zu lernen und aktiv daran mitzuarbeiten, die Welt zu verbessern. Bestimmte Tätigkeiten macht man einfach gern, weil sie Spaß machen, sinnvoll oder herausfordernd sind oder einen schlicht interessieren. Diese intrinsische Motivation ist keine Reaktion auf Belohnung und Bestrafung, sondern der innere Wunsch, beizutragen. Viele Unternehmen – auch historisch durch den Industriefokus – konzentrieren sich auf Motivation 2.0 und vernachlässigen Motivation 3.0, den inneren Antrieb.
Wie kann man diesen inneren Antrieb proaktiv fördern? Das ist das Thema des restlichen Podcasts. Stichwort New Work bzw. New Leadership – gerade in der Softwareentwicklung ist das schon stark vertreten. Ich habe dazu auch das Buch von John Doerr gelesen – Measure What Matters –; er war einer der ersten Investoren bei Google und beschreibt unter anderem OKRs (Objectives and Key Results), ein Performance- und Zielsystem, mit dem Google und viele erfolgreiche Unternehmen ihre Ziele und Prioritäten strukturieren. Spannend ist, dass dabei viele Elemente intrinsischer Motivation bewusst angesprochen werden.
Was zeichnet die intrinsische Motivation, den inneren Antrieb, aus? Drei Aspekte: erstens Autonomie, zweitens Flow, drittens Sinn. Es geht darum, wie du die intrinsische Motivation beeinflussen kannst – einerseits bei dir selbst (Selbsterkenntnis), andererseits als Führungskraft im Umfeld deiner Mitarbeiter.
Punkt eins: Autonomie. Jeder von uns hat Spaß daran und möchte gern selbst über die eigene Arbeit bestimmen. Wenn du in einem Arbeitsumfeld bist, in dem dir alles bis ins kleinste Detail vorgekaut wird und du nur abarbeiten musst, fehlt die Autonomie, und der innere Antrieb schrumpft. Jeder kennt das Gefühl, zu fremdgesteuert zu sein – da verliert man schnell die Motivation. Um Autonomie zu fördern, gibt es vier Punkte: erstens die Aufgabe (was ist zu tun), zweitens die Zeit (wann ist es zu tun), drittens die Technik (wie ist es zu tun), viertens mit wem es zu tun ist. Beurteile für dich: Kannst du selbst bestimmen, was du tust, oder werden dir die Aufgaben eins zu eins vorgegeben? Hast du Flexibilität bei der Zeit? Gerade die örtliche Frage – ortsunabhängiges Arbeiten, Homeoffice – ist heute sehr präsent und ein starkes Autonomie-Signal. Ich habe gerade gelesen, dass selbst Siemens eine große Aktion startet, um diesen Autonomie-Aspekt zu fördern – ein klares Signal in Richtung intrinsische Motivation und New Work. Wenn du bei jedem dieser vier Punkte sagst „alles vorgegeben“, hast du keine Autonomie, und das wirkt sich zwangsweise auf deine Motivation aus.
Wenn du Führungskraft bist oder werden möchtest: Die Ursache für fehlende Autonomie ist meistens fehlendes Vertrauen. Es ist wichtig, einen Vertrauensvorsprung zu geben und Mikromanagement zu vermeiden. Wenn dein Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ lautet, solltest du dringend daran arbeiten – das ist das stärkste Signal für Mikromanagement. Du nimmst deinen Mitarbeitern damit Autonomie und Spaß, also die intrinsische Motivation. Punkt eins: Vertrauen schenken. Punkt zwei: Verantwortung übergeben – welche Aufgaben, wann und wie sie erledigt werden. Und im gleichen Kontext: Erwartungen kommunizieren bzw. klare Ziele gemeinsam vereinbaren. Diesen Dreiklang umzusetzen ist auch langfristig die beste Strategie und folgt dem Führungsansatz, den ich immer wieder unterstreiche: Servant Leadership. Du definierst gemeinsam Ziele, gibst Prioritäten vor und unterstützt im Prozess der Umsetzung – statt im Mikromanagement alles bis ins kleinste Detail vorzugeben. Im Sinne der Selbsterkenntnis kann es auch sein, dass du mit deinem Chef ins Gespräch gehst und fragst, inwieweit du mehr Freiheitsgrade bekommen kannst – und dabei klare Ziele und mehr Verantwortung einforderst.
Punkt zwei: Flow. Die häufigste Quelle der Frustration sind die falschen Aufgaben. Dahinter stehen zwei Aspekte: der Schwierigkeitsgrad der Aufgabe im Verhältnis zu deinen Fähigkeiten und Kompetenzen. Es ist eine zentrale Aufgabe der Führungskraft, den Mitarbeitern die richtigen Aufgaben zu geben, um Frustration zu verhindern. Motivierende Aufgaben erkennst du am Flow-Zustand: Die Zeit vergeht wie im Flug, du vergisst Raum und Zeit. Daniel Pink schreibt: „Wenn das, was du tun musst, deine Fähigkeiten übersteigt, entstehen Angstzustände. Wenn das, was du tun musst, deine Fähigkeiten nicht genügend fordert, entsteht Langeweile. Passt beides jedoch perfekt zusammen, kann etwas Wunderbares daraus entstehen.“ Der Gedanke von Flow ist, dass Aufgabenschwierigkeit und Fähigkeiten genau zusammenpassen. Als Führungskraft solltest du das stetig im Blick haben: Sind die Aufgaben zu herausfordernd (Überforderung, Angstzustände) oder zu banal (Unterforderung, Langeweile)? Das ist ein schmaler Grat.
Wichtig ist in diesem Kontext auch das Thema Fortschritt. Wenn man die Komfortzone verlässt, neue herausfordernde Dinge macht und neue Kompetenzen erwirbt, hat man das Gefühl von Fortschritt – und Fortschritt ist einer der wichtigsten Faktoren für Motivation. Es gibt sogar Studien dazu: Eine der wichtigsten Aufgaben einer Führungskraft ist Fortschrittsmanagement – für jeden Mitarbeiter genau zu schauen, ob er gerade Fortschritt macht. Das hängt stark damit zusammen, die richtigen Aufgaben parat zu haben, und funktioniert nur iterativ, in enger Kommunikation und Abstimmung mit den Mitarbeitern. Wenn du selbst Mitarbeiter bist und das Gefühl hast, die Aufgaben sind zu banal oder zu herausfordernd, geh ins Gespräch mit deinem Chef und adressiere es. Fehlender Fortschritt und Stillstand sind ein riesiger Demotivator – und einer der größten Gründe, warum junge, ambitionierte Ingenieure mit mir zusammenarbeiten: Sie haben das Gefühl, im Unternehmen nicht unterstützt und entwickelt zu werden. Dann gilt es, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und proaktiv an der eigenen Entwicklung zu arbeiten. Als Führungskraft solltest du das als Führungsaufgabe sehen und deine Mitarbeiter fördern – wieder im Sinne von Servant Leadership.
Punkt drei, der letzte im Bunde: der Sinn – das Verständnis vom Sinn der Aufgabe und vom großen Ganzen. Ein wichtiger Leitsatz: Wenn Menschen nicht verstehen, warum sie tun, was sie tun, wie kann man dann erwarten, dass sie motiviert sind? Das ist im Alltag ein großes Problem. Ich habe viele Führungskräfte erlebt, die sagen: „Wir müssen diese Woche operativ liefern, wir haben keine Zeit für das große Ganze.“ Dabei ist es so wichtig. Es gibt die kleine Geschichte von den drei Steinmetzen: Alle drei üben die gleiche Tätigkeit aus und werden gefragt, woran sie arbeiten. Der erste sagt: „Ich behaue einen Stein.“ Der zweite: „Ich arbeite an einem Spitzbogenfenster.“ Der dritte: „Ich baue eine Kathedrale.“ Drei völlig unterschiedliche Antworten, die den Sinn unterschiedlich stark beleuchten. Der dritte hat ein ganz anderes Bild davon, woran er arbeitet, und eine höhere Motivation – weil er weiß, dass sein Stein ein kleines Element im großen Ganzen ist, und versteht, auf welche Ziele er einzahlt. Wer nur sagt „Ich behaue einen Stein, ich weiß aber nicht, wozu“, hat zwangsweise eine viel geringere Motivation.
Die zentrale Frage, die du als Führungskraft beantworten und bei deinen Mitarbeitern fördern solltest, ist: Wie trage ich mit meiner Tätigkeit zum großen Ganzen bei? Dazu muss verstanden werden, was das große Ganze bedeutet: Wer sind unsere Kunden, welche Probleme lösen wir für sie, welche Ergebnisse erzielen wir? Dieses Verständnis des Big Picture bei den Mitarbeitern aufzuzeigen, ist unglaublich wichtig – als Führungsaufgabe, denn im Tagesgeschäft geht es sonst unter. Ein schönes Beispiel ist eine Geschichte aus Geben und Nehmen von Adam Grant, einem meiner Lieblingsbücher. Es geht um ein Experiment in einem Callcenter, dessen Aufgabe es ist, Spenden für Stipendien einzusammeln – die Mitarbeiter telefonieren mit Geldgebern, und von dem Geld werden Stipendien für Studierende bezahlt, die sich das Studium sonst nicht leisten könnten. Man teilte die Mitarbeiter in Gruppen auf. Bei einer Gruppe initiierte man im Laufe des Prozesses Besuche der Stipendiaten: Studierende, die ein Stipendium bekommen hatten, kamen vorbei, äußerten ihre Dankbarkeit und zeigten, wie sehr die Arbeit ihr Leben verändert hatte. Ab dem Moment, in dem die Callcenter-Mitarbeiter erlebten, wie sich ihre Tätigkeit auf das Leben der Stipendiaten auswirkt, entwickelten sie eine unglaubliche Motivation – und die Zahlen gingen durch die Decke. Weil das auf die intrinsische Motivation eingezahlt hat: Sie haben verstanden, was der Sinn ihrer Tätigkeit ist und wie sie damit das Leben anderer verbessern. Frag dich also: Wie kannst du das für deine Mitarbeiter greifbarer machen?
Ganz kurz zusammengefasst: Es gibt drei Quellen der Motivation. Motivation 1.0 ist die biologische Motivation (lebensnotwendige Bedürfnisse, Überleben, Fortpflanzung, Sicherheit). Motivation 2.0 ist die extrinsische Motivation – wir reagieren auf Belohnung und Bestrafung; sie wird in der Industrie gern als Anreiz genutzt und funktioniert gut bei Routinetätigkeiten, aber bei konzeptionellen und kreativen Aufgaben stößt sie an ihre Grenzen und kann sich sogar negativ auswirken. Wenn du also kreativ-konzeptionelle Mitarbeiter fördern willst, hilft es nicht, sie mit einem Bonus zu locken. Motivation 3.0 ist die intrinsische Motivation, der innere Antrieb, den jeder hat: bestimmte Tätigkeiten zu tun, weil sie Spaß machen, sinnvoll oder herausfordernd sind. Diese Quelle bleibt oft ungenutzt. Sie besteht aus drei Komponenten: Autonomie (selbst über Aufgabe, Zeit, Technik und Team bestimmen, mit Vertrauen als Basis, Mikromanagement vermeiden, Verantwortung übergeben und Erwartungen kommunizieren), Flow (die richtigen Aufgaben wählen und Fortschrittsmanagement betreiben, Schwierigkeitsgrad passend zu den Fähigkeiten) und Sinn (Verständnis vom Sinn der Aufgabe und vom großen Ganzen, Steinmetz-Beispiel, und konkret aufzeigen, wie die Tätigkeit den Kunden zugutekommt).
Ich hoffe, du konntest einiges mitnehmen. Reflektiere für dich, wie gut ihr beim Thema New Work und Motivation 3.0 aufgestellt seid. Wenn du das Gefühl von Stillstand hast, solltest du das Thema selbst in die Hand nehmen – Proaktivität ist der Schlüssel. Zu warten, bis jemand anderes handelt, ist nicht die beste Strategie. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.