Diese Folge ist anders als sonst – drei kurze, persönliche Geschichten. Auf den ersten Blick haben sie nichts miteinander zu tun. Doch darunter liegt ein Prinzip, das mir viel bedeutet und an das ich mich selbst immer wieder erinnern muss.
Es geht um Ownership: die Entscheidung, in kleinen Momenten aktiv zu sein statt passiv – auch dann, wenn du das Problem nicht verursacht hast und niemand hinsieht.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Ownership heißt: aktiv Verantwortung übernehmen. Auch für Dinge, die du nicht verursacht hast – weil du den Moment siehst und handeln kannst.
- Dein Körper signalisiert dir diese Momente. Meist spürst du sofort, dass du gerade handeln könntest. Die meisten ignorieren dieses Signal.
- „Was machst du, wenn keiner hinsieht?“ Genau da entscheidet sich Ownership – im kleinen, unbeobachteten Moment.
- Als Repräsentant zählt Awareness. Wer für ein Team oder Unternehmen steht, sieht Probleme und handelt – auch ungefragt und auch bei Kleinigkeiten.
- Es ist eine Entscheidung: aktiv oder passiv. Ownership ist der kleine Geber-Modus, den du jeden Tag üben kannst.
Ownership Mindset in drei Geschichten
Geschichte 1: die Karte im Gras. Ich gehe fast täglich durch einen Park in meiner Nähe, meist mit Kopfhörern und in einen Podcast vertieft. An einem Frühlingstag komme ich an einem Fitnessstudio vorbei, kaum jemand unterwegs. Aus dem Augenwinkel sehe ich auf dem Grünstreifen eine kleine graue Plastikkarte – offensichtlich eine Mitgliedskarte. Mein Körper signalisiert mir sofort etwas. Und im ersten Moment ignoriere ich das Signal und gehe weiter. Nach 30, 40 Metern wird das Signal so laut, dass ich stehen bleibe, umdrehe, die Karte aufhebe und sie am Empfang abgebe.
Geschichte 2: der enttäuschte Geschäftsführer. Einige Jahre her, bei meinem alten Arbeitgeber. Zehn Uhr, wöchentliches Meeting im Führungskreis, vier bis fünf Personen – ich der Jüngste. Zum Start ergreift der geschäftsführende Gesellschafter das Wort: Er sei enttäuscht. Von jedem im Raum. Wir verstehen nur Bahnhof. Dann fragt er, ob uns beim Reinkommen etwas aufgefallen sei. Niemandem war etwas aufgefallen – und genau das war sein Punkt. Am Eingang, durch den auch alle Kunden, Lieferanten und Besucher kommen, war der Türgriff voller Vogelkot. Das gesamte Führungsteam war unabhängig voneinander hereingekommen, hatte es ignoriert und sich an den Schreibtisch gesetzt. Es wäre ein Leichtes gewesen, einen Lappen zu nehmen. Niemand tat es. Seine Erwartung: Awareness und Ownership – Verantwortung übernehmen, auch wenn man es nicht verursacht hat, weil man das Unternehmen repräsentiert.
Geschichte 3: Flo und die Plastikflasche. Vor wenigen Tagen hatte ich zwei Freunde zum Brunch, David und Flo. Danach ein Spaziergang, im selben Park. An einer Ampel stehen neben uns drei Jungs, vielleicht 13 bis 15. Einer springt auf eine leere Plastikflasche, um sie zum Platzen zu bringen, dann wollen sie weiter – die Flasche bleibt liegen. Flo ruft ihnen zu: „Hey Jungs, was ist mit eurem Müll?“ Sichtlich verlegen heben sie die Flasche auf und bringen sie zum Mülleimer. Flo hätte nichts sagen müssen. Er hat es trotzdem getan.
Der gemeinsame Nenner: Ownership. In allen drei Momenten war niemand von uns für das Problem verantwortlich. Ich hatte nichts mit dem Fitnessstudio zu tun, nicht mit dem Eingang, nicht mit den Jungs. Und doch gab es jedes Mal die Chance, Ownership zu übernehmen und eine aktive Rolle zu spielen. Es gibt einen schönen Satz: Wie verhältst du dich, wenn keiner hinsieht? Genau das ist das Prinzip. Ich habe es im Nachhinein bereut, wenn ich solche Signale unterdrückt habe. Und ich weiß heute: Es sind lauter kleine Momente, in denen du dich entscheiden kannst – aktiv oder passiv, Geber-Modus oder wegsehen. Ich möchte den aktiven Weg gehen.
Wie du diese Haltung im Job systematisch lebst, vertiefe ich in Verantwortung übernehmen. Warum ein Geber-Modus überhaupt so wirksam ist, erkläre ich über das positive Menschenbild. Und wie aus Eigeninitiative echte berufliche Entwicklung wird, zeigt das Modell der drei Level von Angestellten.
Häufige Fragen zum Ownership Mindset
Was bedeutet Ownership? Ownership bedeutet, in einem Moment aktiv Verantwortung zu übernehmen – auch wenn du das Problem nicht verursacht hast und niemand von dir erwartet, dass du handelst. Es ist die bewusste Entscheidung, aktiv statt passiv zu sein.
Was bedeutet „Ownership Mindset“ im Job? Ein Ownership Mindset heißt, Probleme im eigenen Umfeld zu sehen und zu lösen, statt sie an andere zu delegieren oder wegzusehen. Wer ein Team oder Unternehmen repräsentiert, handelt auch ungefragt und bei Kleinigkeiten – weil er sich zuständig fühlt.
Wie übe ich Ownership im Alltag? Achte auf die kleinen Signale: die heruntergefallene Karte, der verschmutzte Eingang, der liegen gelassene Müll. In jedem dieser Momente hast du die Wahl, aktiv zu werden. Je öfter du dem Signal folgst, desto natürlicher wird die Haltung.
Was ist der Unterschied zwischen aktiv und passiv? Passiv heißt, das Signal zu unterdrücken und weiterzugehen, weil man nicht zuständig ist oder niemand hinsieht. Aktiv – der Geber-Modus – heißt, den kleinen Aufwand zu übernehmen und die Situation zu verbessern.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
In dieser Folge geht es um Haltung, nicht um Bücher. Passende Titel zu Charakter und innerer Stärke findest du in meinen Buchempfehlungen zum Thema Charakter.
Diese Folge gehört zum Thema Persönlichkeit.
Transkript
Diese Folge ist etwas anders. Ich habe heute drei persönliche Geschichten mitgebracht. Sie sind ziemlich kurz und haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Aber es gibt etwas, das sie verbindet: ein Prinzip, das mir persönlich sehr wichtig ist. Ein Wert, an den ich mich immer wieder selbst erinnern muss und an den mich genau diese Geschichten erinnern.
Fangen wir an mit Geschichte Nummer eins. Bei mir in der Gegend gibt es einen Park, in dem ich viel spazieren gehe. Teilweise mehrmals am Tag, auf jeden Fall mehrmals in der Woche. Am Ende dieses Spaziergangs komme ich an einem Fitnessstudio vorbei. So war es auch Anfang des Jahres, im Frühling, schönes Wetter, als ich diesen Spaziergang gemacht habe.
Eines muss ich dazu sagen: Meistens habe ich beim Spazierengehen Kopfhörer in den Ohren. Ich bin dann in einem Podcast oder Hörbuch vertieft, mache mir manchmal Notizen, manchmal genieße ich einfach die Natur. An diesem Tag hatte ich etwas auf den Ohren.
Normalerweise ist vor dem Fitnessstudio viel Betrieb. Aber mitten am Tag war kaum jemand da, ich war allein. Ich gehe also vorbei, dann noch dreißig, vierzig Meter um die Ecke. Links von mir ein kleiner Grünstreifen. Und aus dem Augenwinkel sehe ich dort eine kleine graue Plastikkarte liegen.
Ich war gedanklich gar nicht richtig präsent, sondern in meinem Podcast. Trotzdem wusste ich sofort, was das bedeutet. Ich habe ja selbst Fitnessstudio-Erfahrung. Vielleicht kennst du das: In dem Moment, in dem ich die Karte gesehen habe, hat mein Körper mir etwas signalisiert. Und ehrlicherweise habe ich dieses Signal erst ignoriert. Ich bin einfach weitergegangen. Dreißig, vierzig Meter. Dann wurde das Signal immer lauter.
Ich bin stehen geblieben. Habe mich umgedreht, bin zu der Karte zurück, habe sie aufgehoben und bin rein ins Fitnessstudio zum Empfang. Da standen ein Mädel und ein Typ, die haben mich ganz verdutzt angeguckt. Ich habe ihnen einfach die Karte in die Hand gedrückt, gesagt, die habe ich draußen gefunden, und bin wieder rausgegangen. Das war Geschichte Nummer eins.
Geschichte Nummer zwei ist einige Jahre her und spielt bei meinem alten Arbeitgeber. Ich bin damals immer so zwischen sieben und acht Uhr morgens zur Arbeit gekommen, so wie die meisten dort. Ich habe mich an meinen Schreibtisch gesetzt und gearbeitet. Um zehn Uhr hatten wir ein Meeting im Führungskreis. Wir waren damals so vier bis fünf Personen. Ich war der Jüngste, die anderen waren Ende vierzig oder in den Fünfzigern.
Es war ein ganz gewöhnliches Abstimmungsmeeting, wie jede Woche. Aber der Start war ungewöhnlich. Zuerst kam der Geschäftsführer zu Wort, der geschäftsführende Gesellschafter. Er sagte, er möchte kurz etwas an die Runde richten. Seine ersten Worte waren: Er ist enttäuscht. Enttäuscht von jedem in diesem Raum. Er habe eine andere Erwartungshaltung an uns.
Wir haben uns angeguckt und wussten überhaupt nicht, wovon er sprach. Dann hat er uns gefragt, ob uns etwas aufgefallen ist, als wir heute zur Arbeit gekommen sind. Dazu muss man wissen: Es gab einen Haupteingang, durch den wir alle kamen. Eine kleine Tür, die bei diesem Gebäude fast wie eine Seitentür wirkte. Aber durch diesen Eingang kamen alle: alle Führungskräfte, alle Mitarbeiter. Der Geschäftsführer war an diesem Tag als Allerletzter gekommen.
Wir haben uns wieder angeguckt, und tatsächlich, in dem Moment ist uns nichts eingefallen. Dann sagte er: Und genau das ist der Punkt. Euch ist nichts aufgefallen, und davon bin ich enttäuscht. Und dann hat er uns erklärt, was ihm aufgefallen war.
Es war derselbe Eingang, den auch alle unsere Kunden nutzen, wenn sie uns besuchen. Besucher, Lieferanten, externe Personen, alle kamen durch diese Tür. Wir waren das Führungsteam und hatten einen entscheidenden Fakt nicht bemerkt. Für den einen oder anderen im Raum wirkte es wie eine Kleinigkeit. Für ihn war es das ganz und gar nicht.
Was er entdeckt hatte, als er zur Arbeit kam, waren die Hinterlassenschaften eines Vogels, oder mehrerer Vögel, auf dem Türgriff und über die ganze Tür verteilt. Ich weiß nicht, was da passiert war, aber der ganze Eingangsbereich war voll davon. Und wir als Führungsteam sind alle unabhängig voneinander zur Arbeit gekommen, haben das ignoriert oder gar nicht wahrgenommen, sind an unsere Plätze gegangen und haben gearbeitet.
Davon war er enttäuscht. Er erwartet von einem Führungsteam diese Awareness, diesen Ownership-Gedanken. Verantwortung zu übernehmen, auch wenn wir es nicht verursacht haben, auch wenn wir damit eigentlich nichts zu tun haben. Wir sind Repräsentanten für das Unternehmen, und dieser Eingangsbereich ist die Außenwirkung. Wenn Kunden zu Besuch kamen, war das der erste Eindruck, den sie von uns hatten. Es wäre ein Leichtes gewesen, einen Lappen zu nehmen und das Ganze zu beseitigen. Aber niemand hat es getan. Das war Geschichte Nummer zwei.
Kommen wir zu Geschichte Nummer drei. Die ist erst wenige Tage her. Ich hatte vor Kurzem zwei Freunde zum Brunch eingeladen, morgens zum Frühstück: David und Flo. Nachdem wir gemeinsam gegessen und uns über verschiedene Dinge ausgetauscht hatten, haben wir gesagt: Lass uns an die frische Luft. Wir sind in Richtung desselben Parks gegangen, von dem ich in der ersten Geschichte erzählt habe, und wollten spazieren gehen.
Wir waren in unser Gespräch vertieft, weit und breit kaum jemand zu sehen. Irgendwann standen wir an einer Ampel, und neben uns waren drei jüngere Jungs. Hier in der Gegend ist auch eine kleine Schule. Ich schätze, die drei waren so vierzehn, fünfzehn Jahre alt. Sie haben herumgealbert und Faxen gemacht, so wie man das in dem Alter eben tut. Wir haben sie kaum beachtet, wir standen an der roten Ampel und waren in unser Gespräch vertieft.
Die drei Jungs hatten eine Plastikflasche. Und einer von ihnen ist auf diese geschlossene Flasche gesprungen, wollte sie wohl irgendwie zum Platzen bringen. Vielleicht hast du so etwas selbst schon mal gemacht oder beobachtet. Dann waren sie fertig, haben sich umgedreht und wollten weitergehen. Und plötzlich ruft Flo ihnen etwas zu: Hey Jungs, was ist mit eurem Müll? Wollt ihr euren Müll nicht mitnehmen?
Die drei Jungs haben sich ganz verlegen angeguckt. Sie hatten die Flasche einfach auf dem Fußweg liegen lassen. Flo hatte es aus dem Augenwinkel gesehen und sie darauf angesprochen. Sie waren super verlegen, haben sich gegenseitig angeschaut, so nach dem Motto, ey, du warst das doch. Aber dann haben sie die Flasche aufgehoben und zum Müll gebracht.
Und jetzt komme ich zum gemeinsamen Nenner. Du hast es wahrscheinlich schon herausgehört. Es geht um das Thema Ownership. Im Leben gibt es immer wieder Momente, in denen du eigentlich gar nicht verantwortlich bist für das, was passiert. Ich war nicht verantwortlich für diese Karte, ich hatte mit dem Fitnessstudio nichts zu tun. Ich war nicht verantwortlich für den Eingangsbereich. Und ich war auch nicht verantwortlich für das, was die Jungs machen. Aber in all diesen drei Momenten gab es jedes Mal die Möglichkeit, Ownership zu übernehmen, das Ganze ernst zu nehmen und eine aktive Rolle zu spielen.
Das ist es, was ich mit der ersten Geschichte meinte. Mein Körper hat mir signalisiert: Das hier ist so ein Moment. Ein ganz kleiner Moment, in dem du Ownership übernehmen kannst. Für jeden ist klar, dass das eine nette, gute Geste ist, die man eigentlich tun sollte. Aber wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, und wenn du ehrlich zu dir selbst bist, gibt es immer wieder Momente, in denen man solche Möglichkeiten ignoriert. In denen man diese Signale unterdrückt und sich ein bisschen raussneakt, weil es ja gerade niemand sieht.
Es gibt einen schönen Satz: Was machst du, wenn keiner hinsieht? Genau das ist dieses Prinzip. Flo hätte die drei Jungs nicht ansprechen müssen. Und damals habe ich es im Nachhinein bereut, dass ich nicht den Lappen genommen und die Tür sauber gemacht habe. Ich hätte es auch bereut, wenn ich die Karte nicht abgegeben hätte. Heute weiß ich: Das sind alles kleine Geschichten, kleine Reminder, mit denen ich mich immer wieder daran erinnern will, wie wichtig mir dieses Prinzip des Ownerships ist.
Es gibt so viele Momente im Leben, in denen du diesen kleinen Geber-Modus haben kannst. In denen du Ownership übernehmen kannst und die Entscheidung triffst, aktiv zu sein statt passiv. Genau deshalb sind mir diese Geschichten so wichtig. In solchen Momenten möchte ich die aktive Rolle übernehmen.
Ownership ist für mich ein wichtiges Prinzip. Vielleicht ist es das für dich auch. Vielleicht sind das kleine Inspirationsgeschichten für das nächste Mal, wenn du am Fitnessstudio vorbeiläufst und etwas siehst. Es kann auch bedeuten, dass jemandem auf der Straße etwas herunterfällt und er es nicht merkt, und du läufst hinterher und gibst es ihm zurück. In jedem dieser kleinen Momente hast du die Wahl, aktiv oder passiv zu sein.
Ich möchte dich mit dieser Folge ermutigen, den aktiven Weg zu gehen und dich dafür zu entscheiden, Ownership zu übernehmen. Das soll es gewesen sein für diese Folge. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.