Passion Paradox: warum die richtige Frage alles verändert

Wie mache ich meine Leidenschaft zum Beruf? Wie finde ich eine Arbeit, die mich wirklich erfüllt? Diese Frage stellen sich viele Ingenieure – oft mitten in einer Quarterlife Crisis, in der die aktuelle berufliche Situation einfach nicht passt. Die meisten denken dabei sofort an Spaß, Freude und Begeisterung.

Doch genau hier liegt ein Denkfehler. Das Wort Passion bedeutet ursprünglich nicht „Begeisterung“, sondern „Leiden“. Diese Folge zeigt dir drei kleine, unkonventionelle Ideen mit großer Wirkung: das Passion Paradox, die Glasball-Story und den Anti-Butterfly-Effekt.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Das Wort „Passion“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „leiden“ – nicht Spaß oder Begeisterung.
  • Eine Berufung bedeutet nicht, keine Probleme zu haben. Sie bedeutet, dir die Probleme auszusuchen, die du gut findest.
  • Bessere Frage: Nicht „Was macht mir Spaß?“, sondern „Wofür bin ich bereit zu leiden?“
  • Im Leben geht es nie um keine Probleme, sondern um bessere Probleme (die Problemkette).
  • Die Glasball-Story: Der Ball der Arbeit ist aus Gummi, die Bälle Familie, Gesundheit, Freunde und Integrität sind aus Glas.
  • Der Anti-Butterfly-Effekt: Wir glauben, kleine Dinge in der Vergangenheit hätten alles verändert – aber kaum jemand glaubt das für die Gegenwart.

Das Passion Paradox im Detail

Die Suche nach der eigenen Leidenschaft prägt viele Berufsbiografien. Bücher wie „Start with Why“, „Das Café am Rande der Welt“ oder „Big Five for Life“ verstärken die Frage: Was will ich mit meinem Berufsleben anfangen? Wer in einer Quarterlife Crisis steckt, kennt das Gefühl, mit der aktuellen Situation nicht zufrieden zu sein und immer wieder um Berufung, Leidenschaft und Passion zu kreisen.

Das eigentliche Problem steckt in der Definition. Die meisten Ingenieure verbinden Leidenschaft mit Spaß, Freude und Begeisterung. Doch der Ursprung des Wortes erzählt etwas anderes.

Passion heißt „leiden“. Das lateinische Wort hinter „Passion“ bedeutet leiden – kein Wunder, wenn man die deutsche Übersetzung anschaut: Leiden-schaft. Genau hier setzt das Paradox an. Die gängige Frage „Was macht mir besonders viel Spaß, woran habe ich Freude, was begeistert mich?“ führt oft in die Irre.

Dreh die Frage um. Statt nur nach Spaß zu fragen, frage dich: Wofür bin ich bereit zu leiden? Eine Berufung bedeutet nicht, keine Probleme zu haben. Sie bedeutet, dir die Probleme auszusuchen, die du gut findest. Jede Person hat Probleme – die Frage ist nur, welche.

Es geht um bessere Probleme. In „The Subtle Art of Not Giving a F*ck“ beschreibt Mark Manson die sogenannte Problemkette. Im Leben geht es nicht darum, keine Probleme zu haben, sondern bessere Probleme. Bei der Berufswahl heißt das: Überlege dir, mit welchen Problemen du dich gerne befasst und wo du in einen Flow-Zustand kommst.

Warum das praktisch hilft. Wenn du eine Hypothese aufstellst, was deine Passion ist, und dann den Weg gehst, stellst du fest: Überall gibt es Probleme. Alles ist voll mit Problemen. Die Frage umzudrehen schützt dich vor der Enttäuschung, dass der vermeintliche Traumweg auch Mühe kostet. Wenn du den nächsten Schritt gehen möchtest, frag dich: Welche Probleme löst du gerne? Mit welchen befasst du dich besonders gerne?

Idee 2 – die Glasball-Story. Dieser Satz stammt aus einem persönlichen Leitbild: „Lass die Glasbälle niemals fallen.“ Ohne Kontext sagt er nichts, doch dahinter steckt eine bekannte Rede von Brian Dyson, dem früheren CEO von Coca-Cola. Stell dir dein Leben wie ein Spiel vor, in dem du fünf Bälle jonglierst: Arbeit, Familie, Gesundheit, Freunde und Integrität. Der Ball der Arbeit ist aus Gummi – lässt du ihn fallen, springt er wieder hoch. Die anderen vier Bälle sind aus Glas. Lässt du nur einen davon fallen, wird er zerkratzt, beschädigt oder zerbricht ganz und ist nie wieder der gleiche. Sich in die Arbeit zu stürzen, kann erfüllend sein und dich antreiben. Aber es ist genauso wichtig, sie loszulassen, um die anderen Bereiche zu pflegen. Wer die Arbeit für Wochen oder Monate ruhen lässt, startet oft an einer ähnlichen Stelle wieder – die Glasbälle verzeihen so eine Pause nicht. (Eine gute Quelle für ein persönliches Leitbild sind „Die 7 Wege zur Effektivität“ von Stephen Covey.)

Idee 3 – der Anti-Butterfly-Effekt. Wenn Menschen über Zeitreisen sprechen, glauben sie meist: Eine winzige Änderung in der Vergangenheit hätte die Gegenwart radikal verändert. Eine andere Entscheidung, ein anderer Weg, eine Kleinigkeit – und das ganze Leben sähe anders aus. Das Paradoxe: Kaum jemand glaubt umgekehrt, dass man die Zukunft heute durch etwas Kleines verändern kann. Genau das ist der Kern der 1%-Methode aus „Atomic Habits“ von James Clear: Klitzekleine Gewohnheiten und Entscheidungen, täglich wiederholt, haben über die Zeit eine riesige Wirkung. Das gilt nicht nur für Gewohnheiten, sondern für jede kleine Entscheidung, die du heute triffst. Die menschliche Psyche denkt eben nicht logisch, sondern psychologisch.

Diese drei Ideen kreisen um Sinn, Berufung und Charakter. Wenn dich die Frage nach dem richtigen Weg umtreibt, hör auch in die Folge zu, warum die Suche nach der Berufung oft der falsche Weg ist, wie du Erfüllung im Job auf dem zweiten Berg findest, ob du gerade den falschen Berg besteigst und warum es sich lohnt, die Komfortzone zu verlassen.

Häufige Fragen zum Passion Paradox

Was bedeutet das Passion Paradox? Das Passion Paradox beschreibt, dass „Passion“ ursprünglich nicht Spaß oder Begeisterung meint, sondern „leiden“. Eine Berufung bedeutet deshalb nicht, keine Probleme zu haben, sondern sich die Probleme auszusuchen, die man gerne löst.

Welche Frage sollte ich mir bei der Berufswahl stellen? Nicht nur „Was macht mir Spaß?“, sondern auch „Wofür bin ich bereit zu leiden?“. Diese umgekehrte Frage zeigt, mit welchen Problemen du dich gerne befasst und wo du in einen Flow-Zustand kommst.

Worum geht es in der Glasball-Story? Sie stammt aus einer Rede von Brian Dyson, dem früheren CEO von Coca-Cola. Du jonglierst fünf Bälle: Arbeit (aus Gummi) sowie Familie, Gesundheit, Freunde und Integrität (aus Glas). Den Gummiball kannst du auffangen, die Glasbälle zerbrechen bei Vernachlässigung.

Was ist der Anti-Butterfly-Effekt? Wir glauben, kleine Änderungen in der Vergangenheit hätten unser ganzes Leben verändert – aber kaum jemand glaubt das für die Gegenwart. Dabei haben kleine Entscheidungen und Gewohnheiten, die du heute triffst, langfristig eine große Wirkung.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr Bücher zu Sinn und Berufung findest du in den Buchempfehlungen zu Sinn & Berufung.

Mehr zum Thema

Wenn dich diese Folge angesprochen hat, findest du weitere Impulse im Hub Persönlichkeit.

Transkript (bereinigt)

Wie mache ich meine Leidenschaft zum Beruf? Wie finde ich eine Arbeit, die mich wirklich erfüllt, meine wahre Passion? Ich habe in den letzten Jahren mit ganz vielen Ingenieuren und Ingenieurinnen gesprochen, die sich genau diese Frage stellen – nicht zuletzt geprägt durch Bücher wie „Start with Why“ von Simon Sinek, „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky oder „Big Five for Life“. Wer diese Bücher liest, stellt sich definitiv die Frage: Was will ich mit meinem Berufsleben anfangen?

Ich selbst habe vor einigen Jahren ebenfalls sehr intensiv über diese Fragen nachgedacht. Vielleicht hast du auch schon von der Quarterlife Crisis gehört. Ich habe viele Personen kennengelernt, die mit ihrer aktuellen beruflichen Situation überhaupt nicht zufrieden sind und sich immer wieder Fragen zu Berufung, Leidenschaft und Passion stellen.

Die meisten Ingenieure denken bei diesen Themen sofort an Worte wie Spaß, Freude und Begeisterung – also Erfüllung. Doch mit dieser Definition gibt es ein Problem, auf das ich in den letzten Wochen gestoßen bin: Diese Worte haben sehr wenig mit dem ursprünglichen Gedanken von Passion oder Leidenschaft zu tun. Der Ursprung des Wortes „Passion“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet leiden. Kein Wunder, wenn man sich die deutsche Übersetzung anschaut: Leidenschaft.

Das kann dir helfen, wenn du gerade in dieser Phase steckst und mit deinem Berufsleben nicht ganz zufrieden bist. Stell dir nicht nur die Frage, was dir besonders viel Spaß macht, woran du Freude hast und was dich begeistert. Dreh die Frage um und frage dich: Wofür bin ich bereit zu leiden? Eine Berufung bedeutet nicht, keine Probleme zu haben, sondern dir die Probleme auszusuchen, die du gut findest. Egal welche Person du dir anschaust – alle Personen haben Probleme.

Das habe ich auch in dem Buch „The Subtle Art of Not Giving a F*ck“ gelesen: die sogenannte Problemkette. Im Leben geht es nicht darum, keine Probleme zu haben, sondern bessere Probleme. Bei deiner Berufswahl, bei der Frage nach deiner Leidenschaft und deiner Berufung, geht es genau darum, dir zu überlegen: Was sind die Probleme, mit denen du dich gerne befasst? Wo kommst du in einen Flow-Zustand?

Diese Frage umzudrehen und nicht nur an Spaß, Freude und Begeisterung zu denken, sondern auch auf die Problemseite zu achten, ist besonders wichtig. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Wenn man eine Hypothese aufgestellt hat, was die Passion ist, und dann den Weg geht, stellt man fest, dass es überall Probleme gibt. Alles ist voll mit Problemen. Diese Hilfestellung – die Frage umzudrehen – kann sehr spannend sein. Das ist das sogenannte Passion Paradox: Wenn du den nächsten Schritt gehen möchtest, vielleicht gerade in einer Quarterlife Crisis steckst, dann dreh die Frage mal um und überlege dir, welche Probleme du gerne löst und mit welchen Problemen du dich gerne befasst. Das ist Idee Nummer 1.

Punkt Nummer 2: ein Thema aus einer ganz anderen Richtung. Es ist ein Satz, den ich vor Kurzem in meinem persönlichen Leitbild wiederentdeckt habe und hinter dem eine Story steckt. Der Satz lautet: „Lass die Glasbälle niemals fallen.“ Dieser Satz erinnert mich immer wieder an ein ganz wichtiges Prinzip im Leben. Ohne Kontext sagt er einem gar nichts, aber er stammt aus einer bekannten Rede von Brian Dyson. Brian Dyson war früher CEO von Coca-Cola. Es gibt dazu leider keine Videos, aber wenn man nach Brian Dyson und seiner Rede sucht, findet man sie vielfältig wieder – sie ist sehr bekannt.

Er erzählt eine Story, die ungefähr so geht: Stell dir dein Leben wie ein Spiel vor, in dem du fünf Bälle jonglierst – Arbeit, Familie, Gesundheit, Freunde und Integrität. Du darfst keinen dieser Bälle fallen lassen. Das ist deine Aufgabe, das ist das Spiel: alle fünf Bälle gleichzeitig jonglieren, ohne einen fallen zu lassen. Das ist die Metapher für das, was wir alle im Leben erleben. Der Ball der Arbeit ist aus Gummi. Wenn du ihn fallen lässt, springt er wieder hoch. Die anderen vier Bälle – Familie, Gesundheit, Freunde und Integrität – sind aus Glas. Wenn du nur einen von ihnen fallen lässt, ist er irreparabel beschädigt, zerkratzt oder zerbricht im schlechtesten Fall ganz. Dieser Ball wird nie wieder der gleiche sein.

Sich in die Arbeit zu stürzen, kann Spaß machen, erfüllend sein und dich antreiben. Es ist aber genauso wichtig, sie mal loszulassen, um die anderen Bereiche deines Lebens zu pflegen. Gerade für ambitionierte Ingenieure – und ich spreche da auch zu mir selbst – ist das eine wichtige Story und Metapher gewesen: Lass die Glasbälle niemals fallen. Wenn man die Arbeit und die eigenen Ambitionen für eine gewisse Zeit ruhen lässt, startet man nach einigen Wochen oder Monaten oft an einer ähnlichen Stelle, an der man aufgehört hat. Der Ball der Arbeit ist aus Gummi, die anderen vier sind deutlich schneller irreparabel verletzt. Wenn du noch kein persönliches Leitbild hast, solltest du dich definitiv damit befassen. Eine Quelle, die ich empfehlen kann, sind „Die 7 Wege zur Effektivität“ von Stephen Covey. Du kannst auch nach „persönliches Leitbild“ oder „persönliches Mission Statement“ suchen, dort findest du einige Impulse.

Jetzt kommen wir zum dritten Punkt, zum dritten kleinen Impuls, den ich auch extrem spannend fand. Ich habe das Ganze den Anti-Butterfly-Effekt genannt. Vielleicht kennst du die Filme zum Butterfly Effect. Das Thema geht so: Wenn Menschen über Reisen in die Vergangenheit sprechen – immer hypothetisch –, dann denken sie meist daran, dass sie die Gegenwart durch etwas Kleines radikal verändern könnten. Stell dir vor, du könntest zehn Jahre zurückreisen und mit deinem früheren Ich sprechen oder irgendetwas anders machen. Man hat meist das Gefühl: Wenn ich eine einzige Entscheidung anders getroffen, einen anderen Weg gewählt oder eine Kleinigkeit anders gemacht hätte, hätte das eine riesengroße Auswirkung auf die heutige Situation.

Das ist ein typischer Effekt – der Butterfly-Effekt: Du hast das Gefühl, eine kleine Sache aus der Vergangenheit hätte große Auswirkungen auf deine heutige Lebenssituation. Das Paradoxe daran ist, dass kaum jemand in der Gegenwart, also heute, glaubt, dass man die Zukunft durch etwas Kleines verändern kann. Wenn du zehn Jahre zurückreist und etwas Kleines veränderst, zum Beispiel deine Studienwahl, würde sich dein gesamtes Leben verändern: die Menschen, mit denen du dich umgibst, und deine gesamten Lebensumstände.

Das Gleiche gilt aber auch für heute. Und da kommen wir zu „Atomic Habits“ von James Clear, oder anders gesagt: zur 1%-Methode. Seine Devise ist: Kleine, klitzekleine Entscheidungen und Gewohnheiten können eine riesengroße Auswirkung auf die Zukunft haben. Er bezieht das auf Gewohnheiten – kleine Aktivitäten, täglich wiederholt über einen längeren Zeitraum, haben große Auswirkungen. Aber das Gleiche gilt für kleine Entscheidungen generell, für Entscheidungen, die du heute triffst.

Das ist einfach ein Gedanke, den ich als sehr spannendes Phänomen empfinde, weil er zeigt: Die menschliche Psyche ist manchmal ein bisschen irrational. Wir denken nicht ohne Grund nicht logisch, sondern psychologisch. Es ist ein guter Reminder daran, dass jede kleine Entscheidung im Alltag hilft. Wenn du das Buch „The Slight Edge“ von Jeff Olson nicht kennst, ist es auf jeden Fall eine Buchempfehlung Nummer 1 – nicht nur aus dieser Folge, sondern generell. Denn in diesem Buch dreht sich alles darum, ein Bewusstsein für all die kleinen Entscheidungen zu schaffen, die du jeden Tag triffst. Jede Entscheidung zählt. In jeder Situation hast du viele verschiedene Wege, die du gehen kannst. Sich dessen bewusst zu sein, das zu reflektieren und bewusst darauf zu achten, welche Entscheidungen du den ganzen Tag triffst, ist sehr hilfreich.

Das waren die drei kleinen Ideen mit großer Wirkung, wenn man sie ernst nimmt: das Passion Paradox, das Thema der Glasbälle und der Anti-Butterfly-Effekt. Das soll es gewesen sein für diese Folge. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Passion Paradox: warum die richtige Frage alles verändert

Wie mache ich meine Leidenschaft zum Beruf? Wie finde ich eine Arbeit, die mich wirklich erfüllt? Diese Frage stellen sich viele Ingenieure – oft mitten in einer Quarterlife Crisis, in der die aktuelle berufliche Situation einfach nicht passt. Die meisten denken dabei sofort an Spaß, Freude und Begeisterung.

Doch genau hier liegt ein Denkfehler. Das Wort Passion bedeutet ursprünglich nicht „Begeisterung“, sondern „Leiden“. Diese Folge zeigt dir drei kleine, unkonventionelle Ideen mit großer Wirkung: das Passion Paradox, die Glasball-Story und den Anti-Butterfly-Effekt.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Das Wort „Passion“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „leiden“ – nicht Spaß oder Begeisterung.
  • Eine Berufung bedeutet nicht, keine Probleme zu haben. Sie bedeutet, dir die Probleme auszusuchen, die du gut findest.
  • Bessere Frage: Nicht „Was macht mir Spaß?“, sondern „Wofür bin ich bereit zu leiden?“
  • Im Leben geht es nie um keine Probleme, sondern um bessere Probleme (die Problemkette).
  • Die Glasball-Story: Der Ball der Arbeit ist aus Gummi, die Bälle Familie, Gesundheit, Freunde und Integrität sind aus Glas.
  • Der Anti-Butterfly-Effekt: Wir glauben, kleine Dinge in der Vergangenheit hätten alles verändert – aber kaum jemand glaubt das für die Gegenwart.

Das Passion Paradox im Detail

Die Suche nach der eigenen Leidenschaft prägt viele Berufsbiografien. Bücher wie „Start with Why“, „Das Café am Rande der Welt“ oder „Big Five for Life“ verstärken die Frage: Was will ich mit meinem Berufsleben anfangen? Wer in einer Quarterlife Crisis steckt, kennt das Gefühl, mit der aktuellen Situation nicht zufrieden zu sein und immer wieder um Berufung, Leidenschaft und Passion zu kreisen.

Das eigentliche Problem steckt in der Definition. Die meisten Ingenieure verbinden Leidenschaft mit Spaß, Freude und Begeisterung. Doch der Ursprung des Wortes erzählt etwas anderes.

Passion heißt „leiden“. Das lateinische Wort hinter „Passion“ bedeutet leiden – kein Wunder, wenn man die deutsche Übersetzung anschaut: Leiden-schaft. Genau hier setzt das Paradox an. Die gängige Frage „Was macht mir besonders viel Spaß, woran habe ich Freude, was begeistert mich?“ führt oft in die Irre.

Dreh die Frage um. Statt nur nach Spaß zu fragen, frage dich: Wofür bin ich bereit zu leiden? Eine Berufung bedeutet nicht, keine Probleme zu haben. Sie bedeutet, dir die Probleme auszusuchen, die du gut findest. Jede Person hat Probleme – die Frage ist nur, welche.

Es geht um bessere Probleme. In „The Subtle Art of Not Giving a F*ck“ beschreibt Mark Manson die sogenannte Problemkette. Im Leben geht es nicht darum, keine Probleme zu haben, sondern bessere Probleme. Bei der Berufswahl heißt das: Überlege dir, mit welchen Problemen du dich gerne befasst und wo du in einen Flow-Zustand kommst.

Warum das praktisch hilft. Wenn du eine Hypothese aufstellst, was deine Passion ist, und dann den Weg gehst, stellst du fest: Überall gibt es Probleme. Alles ist voll mit Problemen. Die Frage umzudrehen schützt dich vor der Enttäuschung, dass der vermeintliche Traumweg auch Mühe kostet. Wenn du den nächsten Schritt gehen möchtest, frag dich: Welche Probleme löst du gerne? Mit welchen befasst du dich besonders gerne?

Idee 2 – die Glasball-Story. Dieser Satz stammt aus einem persönlichen Leitbild: „Lass die Glasbälle niemals fallen.“ Ohne Kontext sagt er nichts, doch dahinter steckt eine bekannte Rede von Brian Dyson, dem früheren CEO von Coca-Cola. Stell dir dein Leben wie ein Spiel vor, in dem du fünf Bälle jonglierst: Arbeit, Familie, Gesundheit, Freunde und Integrität. Der Ball der Arbeit ist aus Gummi – lässt du ihn fallen, springt er wieder hoch. Die anderen vier Bälle sind aus Glas. Lässt du nur einen davon fallen, wird er zerkratzt, beschädigt oder zerbricht ganz und ist nie wieder der gleiche. Sich in die Arbeit zu stürzen, kann erfüllend sein und dich antreiben. Aber es ist genauso wichtig, sie loszulassen, um die anderen Bereiche zu pflegen. Wer die Arbeit für Wochen oder Monate ruhen lässt, startet oft an einer ähnlichen Stelle wieder – die Glasbälle verzeihen so eine Pause nicht. (Eine gute Quelle für ein persönliches Leitbild sind „Die 7 Wege zur Effektivität“ von Stephen Covey.)

Idee 3 – der Anti-Butterfly-Effekt. Wenn Menschen über Zeitreisen sprechen, glauben sie meist: Eine winzige Änderung in der Vergangenheit hätte die Gegenwart radikal verändert. Eine andere Entscheidung, ein anderer Weg, eine Kleinigkeit – und das ganze Leben sähe anders aus. Das Paradoxe: Kaum jemand glaubt umgekehrt, dass man die Zukunft heute durch etwas Kleines verändern kann. Genau das ist der Kern der 1%-Methode aus „Atomic Habits“ von James Clear: Klitzekleine Gewohnheiten und Entscheidungen, täglich wiederholt, haben über die Zeit eine riesige Wirkung. Das gilt nicht nur für Gewohnheiten, sondern für jede kleine Entscheidung, die du heute triffst. Die menschliche Psyche denkt eben nicht logisch, sondern psychologisch.

Diese drei Ideen kreisen um Sinn, Berufung und Charakter. Wenn dich die Frage nach dem richtigen Weg umtreibt, hör auch in die Folge zu, warum die Suche nach der Berufung oft der falsche Weg ist, wie du Erfüllung im Job auf dem zweiten Berg findest, ob du gerade den falschen Berg besteigst und warum es sich lohnt, die Komfortzone zu verlassen.

Häufige Fragen zum Passion Paradox

Was bedeutet das Passion Paradox? Das Passion Paradox beschreibt, dass „Passion“ ursprünglich nicht Spaß oder Begeisterung meint, sondern „leiden“. Eine Berufung bedeutet deshalb nicht, keine Probleme zu haben, sondern sich die Probleme auszusuchen, die man gerne löst.

Welche Frage sollte ich mir bei der Berufswahl stellen? Nicht nur „Was macht mir Spaß?“, sondern auch „Wofür bin ich bereit zu leiden?“. Diese umgekehrte Frage zeigt, mit welchen Problemen du dich gerne befasst und wo du in einen Flow-Zustand kommst.

Worum geht es in der Glasball-Story? Sie stammt aus einer Rede von Brian Dyson, dem früheren CEO von Coca-Cola. Du jonglierst fünf Bälle: Arbeit (aus Gummi) sowie Familie, Gesundheit, Freunde und Integrität (aus Glas). Den Gummiball kannst du auffangen, die Glasbälle zerbrechen bei Vernachlässigung.

Was ist der Anti-Butterfly-Effekt? Wir glauben, kleine Änderungen in der Vergangenheit hätten unser ganzes Leben verändert – aber kaum jemand glaubt das für die Gegenwart. Dabei haben kleine Entscheidungen und Gewohnheiten, die du heute triffst, langfristig eine große Wirkung.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Mehr Bücher zu Sinn und Berufung findest du in den Buchempfehlungen zu Sinn & Berufung.

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Wenn dich diese Folge angesprochen hat, findest du weitere Impulse im Hub Persönlichkeit.

Transkript (bereinigt)

Wie mache ich meine Leidenschaft zum Beruf? Wie finde ich eine Arbeit, die mich wirklich erfüllt, meine wahre Passion? Ich habe in den letzten Jahren mit ganz vielen Ingenieuren und Ingenieurinnen gesprochen, die sich genau diese Frage stellen – nicht zuletzt geprägt durch Bücher wie „Start with Why“ von Simon Sinek, „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky oder „Big Five for Life“. Wer diese Bücher liest, stellt sich definitiv die Frage: Was will ich mit meinem Berufsleben anfangen?

Ich selbst habe vor einigen Jahren ebenfalls sehr intensiv über diese Fragen nachgedacht. Vielleicht hast du auch schon von der Quarterlife Crisis gehört. Ich habe viele Personen kennengelernt, die mit ihrer aktuellen beruflichen Situation überhaupt nicht zufrieden sind und sich immer wieder Fragen zu Berufung, Leidenschaft und Passion stellen.

Die meisten Ingenieure denken bei diesen Themen sofort an Worte wie Spaß, Freude und Begeisterung – also Erfüllung. Doch mit dieser Definition gibt es ein Problem, auf das ich in den letzten Wochen gestoßen bin: Diese Worte haben sehr wenig mit dem ursprünglichen Gedanken von Passion oder Leidenschaft zu tun. Der Ursprung des Wortes „Passion“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet leiden. Kein Wunder, wenn man sich die deutsche Übersetzung anschaut: Leidenschaft.

Das kann dir helfen, wenn du gerade in dieser Phase steckst und mit deinem Berufsleben nicht ganz zufrieden bist. Stell dir nicht nur die Frage, was dir besonders viel Spaß macht, woran du Freude hast und was dich begeistert. Dreh die Frage um und frage dich: Wofür bin ich bereit zu leiden? Eine Berufung bedeutet nicht, keine Probleme zu haben, sondern dir die Probleme auszusuchen, die du gut findest. Egal welche Person du dir anschaust – alle Personen haben Probleme.

Das habe ich auch in dem Buch „The Subtle Art of Not Giving a F*ck“ gelesen: die sogenannte Problemkette. Im Leben geht es nicht darum, keine Probleme zu haben, sondern bessere Probleme. Bei deiner Berufswahl, bei der Frage nach deiner Leidenschaft und deiner Berufung, geht es genau darum, dir zu überlegen: Was sind die Probleme, mit denen du dich gerne befasst? Wo kommst du in einen Flow-Zustand?

Diese Frage umzudrehen und nicht nur an Spaß, Freude und Begeisterung zu denken, sondern auch auf die Problemseite zu achten, ist besonders wichtig. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Wenn man eine Hypothese aufgestellt hat, was die Passion ist, und dann den Weg geht, stellt man fest, dass es überall Probleme gibt. Alles ist voll mit Problemen. Diese Hilfestellung – die Frage umzudrehen – kann sehr spannend sein. Das ist das sogenannte Passion Paradox: Wenn du den nächsten Schritt gehen möchtest, vielleicht gerade in einer Quarterlife Crisis steckst, dann dreh die Frage mal um und überlege dir, welche Probleme du gerne löst und mit welchen Problemen du dich gerne befasst. Das ist Idee Nummer 1.

Punkt Nummer 2: ein Thema aus einer ganz anderen Richtung. Es ist ein Satz, den ich vor Kurzem in meinem persönlichen Leitbild wiederentdeckt habe und hinter dem eine Story steckt. Der Satz lautet: „Lass die Glasbälle niemals fallen.“ Dieser Satz erinnert mich immer wieder an ein ganz wichtiges Prinzip im Leben. Ohne Kontext sagt er einem gar nichts, aber er stammt aus einer bekannten Rede von Brian Dyson. Brian Dyson war früher CEO von Coca-Cola. Es gibt dazu leider keine Videos, aber wenn man nach Brian Dyson und seiner Rede sucht, findet man sie vielfältig wieder – sie ist sehr bekannt.

Er erzählt eine Story, die ungefähr so geht: Stell dir dein Leben wie ein Spiel vor, in dem du fünf Bälle jonglierst – Arbeit, Familie, Gesundheit, Freunde und Integrität. Du darfst keinen dieser Bälle fallen lassen. Das ist deine Aufgabe, das ist das Spiel: alle fünf Bälle gleichzeitig jonglieren, ohne einen fallen zu lassen. Das ist die Metapher für das, was wir alle im Leben erleben. Der Ball der Arbeit ist aus Gummi. Wenn du ihn fallen lässt, springt er wieder hoch. Die anderen vier Bälle – Familie, Gesundheit, Freunde und Integrität – sind aus Glas. Wenn du nur einen von ihnen fallen lässt, ist er irreparabel beschädigt, zerkratzt oder zerbricht im schlechtesten Fall ganz. Dieser Ball wird nie wieder der gleiche sein.

Sich in die Arbeit zu stürzen, kann Spaß machen, erfüllend sein und dich antreiben. Es ist aber genauso wichtig, sie mal loszulassen, um die anderen Bereiche deines Lebens zu pflegen. Gerade für ambitionierte Ingenieure – und ich spreche da auch zu mir selbst – ist das eine wichtige Story und Metapher gewesen: Lass die Glasbälle niemals fallen. Wenn man die Arbeit und die eigenen Ambitionen für eine gewisse Zeit ruhen lässt, startet man nach einigen Wochen oder Monaten oft an einer ähnlichen Stelle, an der man aufgehört hat. Der Ball der Arbeit ist aus Gummi, die anderen vier sind deutlich schneller irreparabel verletzt. Wenn du noch kein persönliches Leitbild hast, solltest du dich definitiv damit befassen. Eine Quelle, die ich empfehlen kann, sind „Die 7 Wege zur Effektivität“ von Stephen Covey. Du kannst auch nach „persönliches Leitbild“ oder „persönliches Mission Statement“ suchen, dort findest du einige Impulse.

Jetzt kommen wir zum dritten Punkt, zum dritten kleinen Impuls, den ich auch extrem spannend fand. Ich habe das Ganze den Anti-Butterfly-Effekt genannt. Vielleicht kennst du die Filme zum Butterfly Effect. Das Thema geht so: Wenn Menschen über Reisen in die Vergangenheit sprechen – immer hypothetisch –, dann denken sie meist daran, dass sie die Gegenwart durch etwas Kleines radikal verändern könnten. Stell dir vor, du könntest zehn Jahre zurückreisen und mit deinem früheren Ich sprechen oder irgendetwas anders machen. Man hat meist das Gefühl: Wenn ich eine einzige Entscheidung anders getroffen, einen anderen Weg gewählt oder eine Kleinigkeit anders gemacht hätte, hätte das eine riesengroße Auswirkung auf die heutige Situation.

Das ist ein typischer Effekt – der Butterfly-Effekt: Du hast das Gefühl, eine kleine Sache aus der Vergangenheit hätte große Auswirkungen auf deine heutige Lebenssituation. Das Paradoxe daran ist, dass kaum jemand in der Gegenwart, also heute, glaubt, dass man die Zukunft durch etwas Kleines verändern kann. Wenn du zehn Jahre zurückreist und etwas Kleines veränderst, zum Beispiel deine Studienwahl, würde sich dein gesamtes Leben verändern: die Menschen, mit denen du dich umgibst, und deine gesamten Lebensumstände.

Das Gleiche gilt aber auch für heute. Und da kommen wir zu „Atomic Habits“ von James Clear, oder anders gesagt: zur 1%-Methode. Seine Devise ist: Kleine, klitzekleine Entscheidungen und Gewohnheiten können eine riesengroße Auswirkung auf die Zukunft haben. Er bezieht das auf Gewohnheiten – kleine Aktivitäten, täglich wiederholt über einen längeren Zeitraum, haben große Auswirkungen. Aber das Gleiche gilt für kleine Entscheidungen generell, für Entscheidungen, die du heute triffst.

Das ist einfach ein Gedanke, den ich als sehr spannendes Phänomen empfinde, weil er zeigt: Die menschliche Psyche ist manchmal ein bisschen irrational. Wir denken nicht ohne Grund nicht logisch, sondern psychologisch. Es ist ein guter Reminder daran, dass jede kleine Entscheidung im Alltag hilft. Wenn du das Buch „The Slight Edge“ von Jeff Olson nicht kennst, ist es auf jeden Fall eine Buchempfehlung Nummer 1 – nicht nur aus dieser Folge, sondern generell. Denn in diesem Buch dreht sich alles darum, ein Bewusstsein für all die kleinen Entscheidungen zu schaffen, die du jeden Tag triffst. Jede Entscheidung zählt. In jeder Situation hast du viele verschiedene Wege, die du gehen kannst. Sich dessen bewusst zu sein, das zu reflektieren und bewusst darauf zu achten, welche Entscheidungen du den ganzen Tag triffst, ist sehr hilfreich.

Das waren die drei kleinen Ideen mit großer Wirkung, wenn man sie ernst nimmt: das Passion Paradox, das Thema der Glasbälle und der Anti-Butterfly-Effekt. Das soll es gewesen sein für diese Folge. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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