Stell dir vor, du stehst vor drei Spielautomaten. Jeder kostet 5 Euro Einsatz, jeder hat die gleiche Gewinnchance. Der erste zahlt bis zu 50 Euro aus, der zweite bis zu 500, der dritte bis zu 5.000. Welchen wählst du?
Das ist ein Nobrainer. Natürlich den dritten. Im Berufsleben aber entscheiden sich viele Ingenieure freiwillig für den ersten – und übersehen, dass direkt daneben der große Automat auf sie wartet. In dieser Folge geht es um asymmetrische Chancen: wenig Einsatz, kleines Risiko, riesige Upside.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Eine asymmetrische Upside bedeutet: geringer Aufwand, begrenzte Downside, aber die Chance auf einen großen Gewinn.
- Eine asymmetrische Downside ist das Gegenteil – minimaler Gewinn, aber enormes Risiko. Die solltest du aus deinem Berufsleben verbannen.
- Buffett und Munger erklären ihren Erfolg vor allem damit, konsequent „nicht dumm“ zu sein, statt besonders intelligent sein zu wollen.
- Das wahrgenommene Risiko und das reale Risiko sind oft zwei verschiedene Dinge.
- Dein persönliches Wachstum ist begrenzt vom Wachstum deines Unternehmens – und das vom Wachstum des Marktes.
- Wer regelmäßig auf asymmetrische Chancen setzt, baut sich über die Jahre einen unfairen Vorteil auf.
Unfairer Vorteil im Detail
Der Kern dieser Folge ist das Gefühl für asymmetrische Chancen. Im Casino-Beispiel ist die Wahl ein Nobrainer. Im Berufsleben ist sie es nicht – das Gefühl dafür ist nicht selbstverständlich, man muss es lernen. Es gibt zwei Arten: die asymmetrische Upside (die Möglichkeit zu gewinnen ist deutlich größer als der Einsatz) und die asymmetrische Downside (geringe Upside, aber immenses Risiko). Das Ziel ist klar: einen Alltag, der voll ist mit Tätigkeiten, die wenig Risiko und wenig Aufwand haben, aber die Chance auf einen großen Gewinn bergen.
Die asymmetrische Downside zuerst vermeiden. Das plakativste Beispiel kommt aus dem Sport: Free Solo, das Klettern ohne jede Sicherung. Die Dokumentation über den Freeclimber Alex Honnold zeigt es eindrücklich. Die Upside ist ein Adrenalinkick, die Downside ist der Tod. Ein noch härteres Bild ist russisches Roulette: ein Kick, falls die Waffe nicht abfeuert – bei unumstritten hohem Risiko. Genau solche Verhältnisse gilt es zu meiden. Warren Buffett und Charlie Munger nennen das als ihr wichtigstes Erfolgsrezept: keine unnötigen Risiken eingehen. Munger formuliert es so: „Es ist bemerkenswert, wie viele Langzeitvorteile Menschen wie wir aus dem Versuch gezogen haben, konsequent nicht dumm zu sein, anstatt zu versuchen, sehr intelligent zu sein.“ Erst das Risiko vermeiden, dann auf die Chancen setzen.
Und nun die fünf Beispiele für eine asymmetrische Upside:
- Einen Beitrag auf LinkedIn veröffentlichen. Ein Beitrag kostet vielleicht 30 Minuten und kann über 10.000 Menschen erreichen. Stell dir vor, du sprichst 30 Sekunden lang vor 10.000 Menschen. Schon eine einzige Person, die sich angesprochen fühlt und sich meldet, kann dein Netzwerk auf Jahre bereichern. Die Downside ist minimal – meist nur die Angst vor der Meinung der Kollegen und der Gedanke „Was kann ich schon sagen?“. Du musst nicht allwissend sein. Es reicht, einen kleinen Schritt voraus zu sein und diese Erfahrung zu teilen. Peter Drucker hat es auf den Punkt gebracht: Die richtige Frage ist nicht, wie man erfolgreich wird, sondern wie man nützlich ist.
- In ein junges, wachsendes Unternehmen wechseln. Die meisten halten ein kleines Unternehmen für riskanter als einen Konzern. Sie übersehen zwei Dinge. Erstens ist das reale Risiko oft kleiner als das wahrgenommene – du entwickelst dich persönlich schneller, baust echte Skills und Soft Assets auf und wirst eher zum Full-Stack-Leader. Das macht dich unabhängiger von äußeren Umständen. Zweitens ist die finanzielle Upside in einer Wachstumsumgebung nicht selten zehnmal größer. Wichtig ist die Reihenfolge: Markt, Unternehmen, Person. Dein Wachstum als Person ist begrenzt vom Wachstum des Unternehmens, das wiederum vom Wachstum des Marktes. Gemeint ist dabei kein Start-up in der Gründungsphase, sondern ein Unternehmen mit klarem Product-Market-Fit, das schon ein Fundament hat.
- Dem Vorgesetzten von den eigenen Zielen erzählen. Ein einziges Gespräch kann dazu führen, dass dich deine Führungskraft mit anderen Augen sieht und stärker fördert. Viele tun das nie und wundern sich dann, warum sie nicht unterstützt werden. Oft fehlt der Führungskraft schlicht die Information – eine Disbalance, die du selbst auflösen kannst. Es hilft auch dir, deine Ziele klarer zu fassen. Das gilt für jede Stufe: vom Berufseinstieg bis zum Gespräch mit dem Geschäftsführer über den Wunsch, selbst Geschäftsführer zu werden. Reine Upside, keine Downside.
- Eine Idee für ein Optimierungsprojekt vorstellen. Ein einziger Projektvorschlag kann dich zum Projektleiter machen, dir ein eigenes Team verschaffen oder sogar zum Kopf einer Ausgründung. Führe ein Ideenbuch, halte Augen und Ohren offen, notiere Potenziale und teste sie in Gesprächen. Hier zählt nicht Qualität, sondern Quantität – durch die Quantität kommt die Qualität. Wer 100 Ideen vorschlägt, stößt mit großer Wahrscheinlichkeit auf die eine, die wirklich Interesse weckt und es wert ist, ausgearbeitet und gepitcht zu werden.
- In die eigene Entwicklung investieren. Eine einzige Idee von einem Seminar für 800 Euro kann eine Entscheidung auslösen, die dein Lebenseinkommen um ein Vielfaches steigert. Das gilt für Zeit, Energie und Geld – für Seminare, Mentoring, Coaching, Bücher und auch für diese Podcast-Folge. Solche Investitionen sind im Vergleich zum möglichen Lebenseinkommen meist marginal. Das Problem: Die meisten können ihr Lebenseinkommen nicht quantifizieren, deshalb fällt langfristiges Denken hier schwer. Aber der Wert ist real, auch wenn er schwer messbar ist.
Der unfaire Vorteil ist am Ende einfach: Wer im hohen Maße auf asymmetrische Chancen setzt, profitiert langfristig überdurchschnittlich. Schau in deinen Kalender. Was hast du diese Woche gemacht – Dinge mit echter Upside, oder mittelmäßigen Aufwand für mittelmäßigen Output?
Dieser Blick auf Risiko und Chance hängt eng damit zusammen, Chancen zu erkennen und in sich selbst zu investieren. Wer früh auf die richtigen Hebel setzt, kann seinen Marktwert steigern und langfristig sein Lebenseinkommen steigern. All das gehört zum großen Thema Karriere.
Häufige Fragen zum unfairen Vorteil
Was ist eine asymmetrische Chance? Eine asymmetrische Chance hat ein ungleiches Verhältnis von Einsatz und Ergebnis. Bei einer asymmetrischen Upside ist der mögliche Gewinn deutlich größer als der Einsatz und das Risiko. Bei einer asymmetrischen Downside ist es umgekehrt – kleiner Gewinn, riesiges Risiko.
Was ist der unfaire Vorteil im Berufsleben? Der unfaire Vorteil entsteht, wenn du deinen Alltag konsequent mit Tätigkeiten füllst, die wenig Aufwand und kleine Downside, aber große Upside haben. Wer das über Jahre tut, profitiert langfristig überdurchschnittlich.
Warum ist ein Wechsel in ein kleines Unternehmen oft weniger riskant als gedacht? Weil das reale Risiko meist kleiner ist als das wahrgenommene. Du entwickelst dich schneller, baust mehr Skills und Soft Assets auf und wirst dadurch unabhängiger von äußeren Umständen – das schafft mehr Sicherheit als ein vermeintlich sicherer Konzernjob.
Was meinen Buffett und Munger mit „nicht dumm sein“? Statt besonders intelligent agieren zu wollen, konzentrieren sie sich darauf, große, vermeidbare Fehler und unnötige Risiken auszuschließen. Munger sieht darin den größten Langzeitvorteil – die asymmetrische Downside konsequent zu vermeiden.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
- Tim Ferriss – Die 4-Stunden-Woche: enthält die Methode des Fear-Settings, mit der du fiktive Ängste vor Sichtbarkeit von realen Risiken trennst.
Mehr Lesestoff zum Berufsweg findest du im Cluster Karriere-Bücher.
Diese Folge ist Teil des Themen-Hubs Karriere.
Transkript
Herzlich willkommen zu Folge 162: Unfairer Vorteil – fünf Chancen, die jeder ambitionierte Ingenieur nutzen sollte.
Stell dir folgendes Szenario vor: Du stehst im Casino vor drei unterschiedlichen Spielautomaten. Auf jedem steht, dass du 5 Euro Einsatz brauchst, um spielen zu können. Beim ersten Automaten kannst du bis zu 50 Euro gewinnen, beim zweiten bis zu 500 Euro, beim dritten bis zu 5.000 Euro. Ein wichtiger Zusatz: Jeder Automat hat die gleiche Gewinnchance. Die entscheidende Frage ist also: Für welches Spiel entscheidest du dich?
Darüber muss man nicht lange nachdenken. Diese Entscheidung ist ein Nobrainer – natürlich Spiel Nummer drei. Bei gleichem Einsatz und gleicher Gewinnchance nehme ich selbstverständlich den Automaten mit 5.000 Euro.
Das Spannende ist: Im Berufsleben kommt es überraschenderweise anders. Es gibt Dutzende Ingenieure, die sich stattdessen für Spiel eins entscheiden, ohne zu merken, dass sie direkt neben einem Automaten vom Typ drei stehen, der eigentlich auf sie wartet. Scheinbare Nobrainer-Entscheidungen werden im Berufsleben sehr häufig falsch interpretiert und schlichtweg übersehen. Warum ist es im einfachen Szenario klar, im Berufsleben aber nicht? Warum entscheiden sich einige bei ihrer Karriereplanung freiwillig für Spiel eins und begrenzen damit ihre Upside – bei gleichem Einsatz, gleicher Energie?
Das entscheidende Thema heißt asymmetrische Chancen. Vielen Menschen fehlt das Gefühl dafür. Im Berufsleben ist dieses Gefühl nicht selbstverständlich, man muss es lernen – es ist kein Nobrainer wie im Casino-Szenario. Es gibt im Grunde zwei Arten von asymmetrischen Chancen. Einmal die asymmetrische Upside: Die Möglichkeit zu gewinnen ist deutlich höher als der Einsatz und das Risiko. Auf der anderen Seite die asymmetrische Downside: Ich habe geringes Upside-Potenzial, aber eine immense Downside.
Das Ziel ist, dass dein Tag voll geplant ist mit Tätigkeiten, die ein geringes Risiko und im besten Fall geringen Aufwand haben, aber die Möglichkeit auf einen großen Gewinn bieten – also große Upside bei geringer Downside. Die meisten machen sich darüber keine Gedanken, wenn sie auf ihren Kalender schauen. Manchmal ist das Problem auch, dass man nur innerhalb seines eigenen Kosmos unterwegs ist und gar nicht weiß, wie der Alltag von Menschen aussieht, die sehr stark darin sind, asymmetrische Chancen in ihren Berufsweg zu integrieren.
Beginnen wir mit der asymmetrischen Downside. Dazu habe ich ein sehr plakatives Beispiel mitgebracht. Es kommt nicht ganz aus der Berufswelt, ist aber trotzdem ein gutes Beispiel: die Sportart Free Solo. Free Solo ist eine absolut verrückte Form des Kletterns. Du kletterst outdoor, vollkommen ohne Sicherung, ohne Seil, ungesichert in der Wand. Ich lade dich ein, mal bei YouTube nach Free Solo zu suchen. Es gibt auch eine faszinierende Dokumentation – bei keiner anderen Dokumentation hatte ich so lange so schwitzige Hände wie bei „Free Solo“ auf Netflix. Es geht um den Freeclimber Alex Honnold, einen der bekanntesten Free-Solo-Sportler. Wenn du das siehst, wird man schon beim Zuschauen nervös.
Als Alex Honnold gefragt wurde, warum er das macht, war seine Antwort: Es gibt ihm einen Adrenalinkick. Übertragen auf die Systematik von eben: Die Upside ist ein Adrenalinkick. Was ist die Downside? Die Downside ist relativ simpel – zu sterben. Wer einen falschen Handgriff macht, fällt. Das ist das härteste Beispiel überhaupt für eine asymmetrische Downside. Aus meiner Sicht ist die Upside im Vergleich zur Downside minimal. Solche Tätigkeiten im beruflichen Alltag zu haben, erhöht nur die Wahrscheinlichkeit eines großen Verlusts. Wer russisches Roulette spielt, bekommt vielleicht einen Kick, wenn die Waffe an den Kopf gehalten wird und nicht abfeuert. Aber die Downside ist unumstritten extrem hoch und die Upside sehr gering.
Schaut man in die Finanzwelt, sagen Warren Buffett und Charlie Munger auf die Frage nach ihrem größten Erfolgsrezept etwas sehr Einfaches: keine unnötigen Risiken eingehen, im finanziellen Sinne. Und es gibt ein zweites Zitat von Charlie Munger: „Es ist bemerkenswert, wie viele Langzeitvorteile Menschen wie wir aus dem Versuch gezogen haben, konsequent nicht dumm zu sein, anstatt zu versuchen, sehr intelligent zu sein.“ Ihre Philosophie ist also nicht, sich nur auf die asymmetrische Upside zu fokussieren und so smart wie möglich zu agieren, sondern asymmetrische Downside absolut zu vermeiden – also zu vermeiden, dumm zu sein. Das klingt simpel, ist aber eine sehr wichtige Strategie, gerade im Berufsleben. Asymmetrische Downside solltest du aus deinem Berufsleben auf jeden Fall verbannen.
Jetzt zur anderen Seite, der asymmetrischen Upside. Dazu habe ich fünf Beispiele mitgebracht. Reflektiere für dich, ob du diese Tätigkeiten heute bereits in deinem Alltag umsetzt. Alle fünf haben relativ wenig Aufwand, eine begrenzte Downside, aber eine immense Chance.
Punkt Nummer eins: einen Beitrag auf LinkedIn veröffentlichen. Ein einziger Beitrag kostet über den Daumen etwa 30 Minuten und kann über 10.000 Menschen erreichen. Schon eine einzige Person, die sich davon angesprochen fühlt und sich bei dir meldet, kann dein Netzwerk für die nächsten Jahre, vielleicht Jahrzehnte, um den Faktor zehn bereichern. Das habe ich selbst erlebt, und auch viele, die ihre ersten Beiträge veröffentlichen, merken das. Stell dir vor, du stehst 30 Sekunden lang vor 10.000 Menschen, die dir zuhören, und darfst ihnen deine Message sagen. Das ist enorm. Die Downside ist minimal. Man muss Ängste überwinden, aber das ist keine reale Downside, sondern eine fiktive, die im eigenen Kopf passiert. Wenn du dieses Gefühl hast, schau gerne beim Thema Fear-Setting von Tim Ferriss vorbei.
Meist sind es zwei Hürden. Erstens: Was denken meine Kollegen? Wer etwas postet, macht sich sichtbarer und damit angreifbar. Zweitens der Gedanke: Was kann ich denn schon sagen, wie kann ich anderen helfen? Dazu gibt es ein schönes Beispiel aus dem Film „Catch Me If You Can“, der auf einer wahren Geschichte beruht. Ein Schwindler gibt vor, Geschichtsprofessor zu sein, und hält ein Semester lang eine Vorlesung an der Universität. Im Nachgang wurde er gefragt, wie das möglich war, ohne jede Erfahrung. Seine Antwort: Er hat einfach vor jeder Stunde ein Kapitel mehr gelesen als der Rest. Er war immer nur einen einzigen Schritt voraus. Das ist eine wichtige Philosophie, auch beim Teilen von Wissen auf LinkedIn. Du musst nicht allwissend sein, du musst nur einen kleinen Mikroschritt voraus sein und von dieser Erfahrung teilen. Davon profitieren viele. Es gibt eine schöne Aussage von Peter Drucker: Die richtige Frage ist nicht, wie man erfolgreich wird, sondern wie man nützlich ist – wie du anderen Mehrwert bieten kannst.
Das erste Beispiel kann übrigens auch bedeuten, im Internet zu veröffentlichen oder eine E-Mail an einen größeren Verteiler in der Firma zu schreiben.
Punkt Nummer zwei: der Wechsel in ein junges, wachsendes Unternehmen. Die meisten schätzen die Risiken eines jungen, wachsenden Unternehmens völlig falsch ein. Sie denken, ein kleines Unternehmen sei viel riskanter als ein Konzern. Was sie nicht sehen, sind zwei Dinge. Erstens: Das reale Risiko ist bedeutend kleiner als das wahrgenommene Risiko. Paradoxerweise ist der Wechsel in ein kleines Unternehmen oft sogar weniger riskant, weil man sich persönlich deutlich schneller entwickelt, die eigenen Skills und unternehmerischen Fähigkeiten besser aufbaut und sich zum Full-Stack-Leader entwickelt. Du baust Soft Assets auf, die dir unabhängig von äußeren Umständen Sicherheit bringen.
Zweitens ist die finanzielle Upside in einer Wachstumsumgebung nicht selten zehnmal größer. Dazu gibt es eine Formel: Dein Wachstum als Person ist immer begrenzt vom Wachstum deines Unternehmens, und das Wachstum des Unternehmens ist begrenzt vom Wachstum des Marktes. Wenn du persönlich eine sehr steile Lernkurve hast, das Unternehmen aber stagniert, wirst du nur einen Teil deines Potenzials nutzen können. Umgekehrt wächst eine Person in einem Unternehmen im Wachstumsmarkt fast automatisch mit. Die Reihenfolge ist: Markt, Unternehmen, Person – bei allem solltest du auf Wachstum setzen.
Wichtig: Es geht hier nicht darum, bei einer Gründung einzusteigen. Eine Gründungsphase ist nochmal etwas anderes, das lasse ich außen vor. Wenn ich von einem jungen, wachsenden Unternehmen spreche, meine ich eines, das ganz klar Product-Market-Fit hat – also ein Fundament. Erst dann, ab etwa 15 Personen als Mindestgröße, gilt das. Darunter gibt es andere Dynamiken, was die Risiken anbelangt. Aber wenn es ein schnell wachsendes Unternehmen ist und die Auftragsbücher voll sind, machst du wenig falsch, wenn du aufspringst.
Punkt Nummer drei: dem Vorgesetzten von den eigenen Zielen berichten. Ein einziges Gespräch mit deiner oder deinem Vorgesetzten kann dazu führen, dass sie oder er dich mit anderen Augen sieht, dich stärker fördert und dir Möglichkeiten im Team oder Unternehmen eröffnet, die du so noch nicht gesehen hast. Das klingt wie ein Nobrainer, aber ich stelle immer wieder fest, dass viele das nie gemacht haben. Sie hoffen, gefördert zu werden, haben aber nie sehr ausführlich vorbereitet, was sie langfristig wollen, und das mehrfach präsentiert. Viele Führungskräfte wollen einem nichts Böses, wenn sie nicht fördern – ihnen fehlt einfach die Information. Es ist eine Disbalance zwischen Information. Mit einem solchen Gespräch kannst du eine asymmetrische Upside schaffen. Auch wenn dein Vorgesetzter nicht stark in Kommunikation, Coaching und Führung ist, kannst du die proaktive Rolle übernehmen. Das gilt für alle Stufen – vom Berufseinstieg bis zum Gespräch mit dem Geschäftsführer, dem du sagst, dass du selbst gerne Geschäftsführer werden möchtest. Solche Gespräche werden viel zu selten geführt.
Punkt Nummer vier: eine Idee für ein Optimierungsprojekt vorstellen. Ein einziger Projektvorschlag kann dazu führen, dass du Projektleiter wirst, ein eigenes Team zusammenstellen darfst oder sogar Kopf einer Ausgründung wirst. Das habe ich immer wieder erlebt bei Personen, die sich intern Gedanken machen, wo Optimierungspotenziale liegen, und die Augen und Ohren offen halten. Du kannst dir in digitaler Form ein Ideenbuch anlegen, eine Ideen-Notizsammlung. Immer wenn du ein Potenzial identifizierst, notiere es, teste es in verschiedenen Gesprächen mit Vorgesetzten. Wenn du das Gefühl hast, eine große Idee gefunden zu haben, die auf Interesse stößt, dann geh die extra Meile: Bereite es vor, pitche es in einem größeren Kreis. Ich habe Personen erlebt, die von heute auf morgen plötzlich Projektleiter waren, ein eigenes Team zusammenstellen durften, ein großes Budget bekamen oder sogar einen Geschäftszweig ausgründen durften. So ein Ideenbuch zu führen hat keine Downside. Wichtig: Es geht nicht um einen Projektvorschlag und nicht um Qualität, sondern um Quantität – denn durch die Quantität kommt die Qualität. Wenn du 100 Ideen vorschlägst, stößt du mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine, die großes Interesse weckt und großes Potenzial hat. Die lohnt es sich auszuarbeiten und in einem wirklich guten Pitch einem größeren Führungsteam vorzustellen.
Punkt Nummer fünf, leider auch viel zu selten gerade in der anfänglichen Berufsphase: in die eigene Entwicklung investieren. Eine einzige Idee von einem Seminar für 800 Euro kann dazu führen, dass du eine Entscheidung triffst, durch die dein Lebenseinkommen um ein Vielfaches steigt. Investieren bedeutet auch Zeit: Dass du diesen Podcast hörst, kann die eine Idee enthalten, die dazu führt, dass du eine asymmetrische Upside provozierst – einen Beitrag schreibst, deinem Vorgesetzten von deinen Zielen erzählst, ein Projekt initiierst oder anhand der Wachstumsformel in einen Markt mit großem Wachstumspotenzial wechselst. All diese Investitionen von wenigen Minuten oder Euros sind im Vergleich zum Lebenseinkommen, das man dadurch generiert, marginal.
Die meisten Leute können ihr Lebenseinkommen nicht quantifizieren, deshalb ist es für sie schwer messbar. Soft Assets und Lebenseinkommen sind aber reale, faktische Dinge mit großem Einfluss auf deine berufliche Laufbahn und am Ende auf deine Zufriedenheit. Wenn du ein Buch für 29 Euro liest und daraus eine Idee umsetzt, wirst du in der Regel nicht quantifizieren können, was du herausgenommen hast. Vielleicht sind es aber ein Vielfaches an Lebenseinkommen, das du aus der Umsetzung einer einzigen Idee gewonnen hast. Den meisten Menschen fällt langfristiges Denken schwer, besonders wenn es sich nicht quantifizieren lässt. Aber das Leben besteht nicht nur aus null und eins. Manchmal ist der Wert schwerer messbar – das heißt nicht, dass er nicht wichtig ist. Konzentriere dich also nicht nur auf die kurzfristig messbaren Dinge. Investiere klar asymmetrisch in deine eigene Entwicklung: Zeit, Energie und Geld in vielerlei Formen.
Worüber haben wir gesprochen? Asymmetrische Chancen im Berufsleben zu erkennen ist gar nicht so leicht, und das gilt für beide Seiten – die asymmetrische Upside und die asymmetrische Downside. Schau dir Free Solo an, das Paradebeispiel für eine asymmetrische Downside: die Upside ein Kick, die Downside der Tod. Buffett und Munger sagen, es sei bemerkenswert, wie viele Langzeitvorteile sie aus dem Versuch gezogen haben, konsequent nicht dumm zu sein, statt sehr intelligent sein zu wollen. Halte die asymmetrische Downside also aus deinem Leben raus.
Auf der anderen Seite haben wir uns die asymmetrische Upside angeschaut. Bring davon so viel wie möglich in dein Berufsleben, denn dadurch provozierst du Chancen und Glück und stößt auf Personen mit immensem Einfluss auf deine weitere Laufbahn. Die fünf Beispiele waren: erstens einen LinkedIn-Beitrag veröffentlichen – wenig Zeitaufwand, aber die Chance, Zehntausende zu erreichen. Zweitens der Wechsel in ein junges, wachsendes Unternehmen – das wahrgenommene Risiko ist meist größer als das reale, und mit besseren Skills bekommst du schneller wieder einen neuen Job. Mach deine berufliche Sicherheit nicht von externen Faktoren abhängig, die sich ändern können. Und in einer Wachstumsumgebung ist die Upside nicht selten zehnmal größer. Die Reihenfolge bleibt: Markt, Unternehmen, Person.
Drittens dem Vorgesetzten von den eigenen Zielen erzählen. Fast alle, die das Gespräch geführt haben, sagen im Nachgang, wie gut es getan hat – es hilft, die eigenen Ziele klarer zu fassen, und man wird besser unterstützt. Reine Upside, keine Downside. Viertens eine Idee für ein Optimierungsprojekt vorstellen: Ideenbuch führen, Ideen sammeln, immer wieder kleine Projektvorschläge initiieren. So erhöhst du die Chance, dass etwas dabei ist, mit dem du plötzlich eine Ausgründung leitest oder ein eigenes Team gründest. Und fünftens in die eigene Entwicklung investieren – Zeit, Energie und Geld, mit langfristig immensen Vorteilen.
Was ist also der unfaire Vorteil? Diejenigen, die im hohen Maße auf asymmetrische Chancen setzen, werden langfristig überdurchschnittlich davon profitieren. Jetzt liegt es an dir: Schau in deinen Kalender und reflektiere, was du diese Woche, letzte Woche, im letzten Monat gemacht hast. Waren es Dinge mit einer asymmetrischen Upside, oder einfach nur mittelmäßiger Zeitaufwand für mittelmäßigen Output? Achte auf das Verhältnis von Input und Output und darauf, wie du bessere asymmetrische Chancen integrieren kannst. Das war es für diese Folge. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.