Die meisten machen sich höchstens am Silvesterabend ein paar unstrukturierte Vorsätze – und nur wenige nehmen sich wirklich die Zeit, strukturiert über ihre Ziele nachzudenken. Dabei geben Ziele Orientierung: Ohne sie verliert man sie im Alltagstrott schnell aus den Augen (aus den Augen, aus dem Sinn).
Diese Folge ist als Übung angelegt: Schnapp dir Zettel und Stift und nimm dir eine halbe Stunde. Die Methode stammt vom bekannten Speaker Jim Rohn (aus The Art of Exceptional Living) – in sechs Schritten zu klaren Zielen.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Schritt 1: Was willst du in den nächsten 10 Jahren erreichen? Schreib ~50 Dinge auf – was du willst, nicht was du für machbar hältst.
- Schritt 2: Schätze für jedes Ziel den Zeitraum (1, 3, 5 oder 10 Jahre).
- Schritt 3: Markiere deine 3–4 wichtigsten Jahresziele (Prioritäten setzen).
- Schritt 4: Beantworte das Warum – warum sind diese Ziele dir wichtig?
- Schritt 5: Betrachte die Verteilung kurz- vs. langfristiger Ziele und gleiche sie aus.
- Schritt 6: Zu welcher Person musst du dich entwickeln, um diese Ziele zu erreichen?
Die 6 Schritte im Detail
Schritt 1: Was willst du in den nächsten 10 Jahren erreichen? Schreib alles untereinander – Jim Rohn empfiehlt eine Liste von rund 50 Dingen, klein wie groß. Inspiration: Orte/Reisen, Fähigkeiten und Sprachen, berufliche Ziele und Positionen, finanzielle und Luxus-Ziele (Haus, Auto), Fitness- und Gesundheitsziele, familiäre Ziele, besondere Erlebnisse (z. B. ein Fallschirmsprung). Wichtig: Es geht darum, was du willst, nicht was du heute für machbar hältst – denn du wirst dich auf dem Weg weiterentwickeln. Nimm dir 10–15 Minuten zum Brainstorming.
Schritt 2: Schätze den Zeitraum ein. Schreib hinter jedes Ziel eine 1, 3, 5 oder 10 (Jahre). Eine grobe Einschätzung reicht – so bekommst du ein Gefühl für den zeitlichen Rahmen.
Schritt 3: Markiere deine wichtigsten Jahresziele. Prioritäten sind entscheidend (Ray Dalio, Principles): Wir können nicht alles gleichzeitig anstreben. Hebe von deinen 1-Jahres-Zielen die 3–4 wichtigsten besonders hervor.
Schritt 4: Beantworte das Warum. Warum sind dir diese Ziele wichtig? Schreib 3–4 Sätze pro Top-Ziel. Wie Simon Sinek (Start with Why / Golden Circle) zeigt: Ist dein Warum klar, wird Motivation fast zum Kinderspiel – und du bleibst eher dran.
Schritt 5: Betrachte die Verteilung. Zähl, wie viele 1-, 3-, 5- und 10-Jahres-Ziele du hast. Nur kurzfristige Ziele sind riskant (Beispiel: Olympioniken fallen nach der Goldmedaille oft in ein Motivationsloch). Nur langfristige Ziele führen dazu, dass du zu viel denkst und zu wenig handelst – kurzfristige Ziele sind dann gute Meilensteine. Strebe ein Gleichgewicht an und ergänze deine Liste entsprechend.
Schritt 6: Zu welcher Person musst du dich entwickeln? Das ist die wichtigste Frage und der Inbegriff persönlicher Entwicklung. Jim Rohns Mentor riet ihm, sich vorzunehmen, Millionär zu werden – nicht des Geldes wegen, sondern um zu fragen: Wie denkt, welche Gewohnheiten und Kompetenzen hat, wie verhält sich so eine Person? Schon das Anstreben deiner Ziele entwickelt dich weiter – wer sich keine Ziele setzt, wächst weniger gezielt.
Wie du deine gesetzten Ziele dann schneller erreichst, hörst du in Ziele schneller erreichen. Den jährlichen Rückblick dazu liefert die Jahresreflexion, und den Rahmen für proaktives Dranbleiben gibt Selbstmanagement.
Häufige Fragen
Wie setze ich mir richtig Ziele? In sechs Schritten: 10-Jahres-Liste erstellen, Zeiträume schätzen, die wichtigsten Jahresziele markieren, das Warum beantworten, die Verteilung ausbalancieren und überlegen, zu welcher Person du dich entwickeln musst.
Warum sind Ziele überhaupt wichtig? Weil sie Orientierung geben. Im Alltagstrott verliert man Ziele schnell aus den Augen – wer sie sich regelmäßig vor Augen führt, bleibt motivierter und handelt fokussierter.
Wie viele Ziele sollte ich mir setzen? Beim Brainstorming ruhig viele (Jim Rohn nennt ~50), danach aber Prioritäten setzen: 3–4 wichtige Jahresziele, auf die du dich wirklich konzentrierst.
Warum ist ein ausgewogenes Verhältnis von kurz- und langfristigen Zielen wichtig? Nur kurzfristige Ziele können nach dem Erreichen demotivieren; nur langfristige Ziele lassen dich zu wenig ins Handeln kommen. Kurzfristige Ziele dienen als Meilensteine auf dem Weg zu den großen.
Bücher & Ressourcen aus der Folge
- Jim Rohn – The Art of Exceptional Living: die 6-Schritte-Übung zum Zielesetzen.
- Ray Dalio – Principles: Prioritäten setzen.
- Simon Sinek – Frag immer erst: warum (Start with Why): das Warum als Motivationsquelle.
Weitere Buchempfehlungen findest du in meiner Bibliothek für Ingenieure.
Diese Folge gehört zum Thema persönliche Entwicklung und Produktivität.
Transkript
Passend zum Jahreswechsel geht es in dieser Folge um das Thema Ziele setzen – wie du dir richtig Ziele setzt. Die meisten machen sich höchstens am Silvesterabend ein paar unstrukturierte Vorsätze. Ich kenne nur wenige, die sich wirklich die Zeit nehmen, strukturiert über ihre Ziele nachzudenken und mit Zettel und Stift vorzugehen. Genau darum geht es hier: Ich gebe dir eine strukturierte Methode an die Hand, mit der du in einer halben Stunde deutlich mehr Klarheit gewinnst. Das Ganze hat Workshop-Charakter – pausier ruhig zwischendurch und beantworte die Fragen für dich. Schnapp dir am besten Zettel und Stift.
Die Übung stammt von Jim Rohn, einem sehr bekannten Speaker aus den USA, aus seinem Buch „The Art of Exceptional Living“, das ich als Hörbuch empfehlen kann. Warum sind Ziele überhaupt wichtig? Sie geben Orientierung. Im Alltag wird man ständig abgelenkt und verliert seine Ziele schnell aus den Augen – aus den Augen, aus dem Sinn. Wer sich seine Ziele regelmäßig vor Augen führt, bleibt motivierter, sie auch anzugehen. Ich habe sechs Schritte mitgebracht.
Schritt eins, die zentrale Frage: Was möchtest du in den nächsten zehn Jahren erreichen? Von jetzt an bis in zehn Jahren – schreib alles untereinander. Jim Rohn empfiehlt eine Liste von 50 Dingen, kleine wie große. Zur Inspiration: Orte und Reiseziele, Fähigkeiten und Sprachkenntnisse, berufliche Ziele wie Positionen und Stellen, wirtschaftliche und finanzielle Ziele, Luxus- und Freizeitziele (ein Haus bauen oder kaufen, im Ausland leben, ein bestimmtes Auto), sportliche und Fitnessziele, familiäre Ziele sowie Aktivitäten und Erlebnisse, die du machen möchtest – bei einem Kollegen war es zum Beispiel ein Fallschirmsprung. Ganz wichtig: Es geht darum, was du erreichen möchtest, nicht was du glaubst erreichen zu können. Denn der Lernprozess wird oft vergessen: In zehn Jahren hältst du andere Dinge für realistisch als heute. Mach dich also frei davon und überleg, was dich reizt. Nimm dir dafür ruhig 10–15 Minuten; das ist nur der erste Wurf, solche Ziele zu setzen ist dynamisch.
Schritt zwei: Schätze den Zeitraum für jedes Ziel ein. Schreib hinter jedes Ziel eine 1, 3, 5 oder 10 – für ein, drei, fünf oder zehn Jahre. Wenn du etwa Berufseinsteiger bist und Geschäftsführer werden willst, ist das kaum in einem Jahr machbar. Eine ungefähre Einschätzung reicht völlig.
Schritt drei kommt von Ray Dalio, über den ich schon gesprochen habe – sein Buch „Principles“ kann ich sehr empfehlen. Er gründete einen der größten Hedgefonds der Welt und gibt seine Erfolgsprinzipien weiter. Ein klarer Punkt: Prioritäten sind entscheidend, denn wir können nicht alles gleichzeitig anstreben. Deshalb Schritt drei: Markiere von deinen 1-Jahres-Zielen die drei bis vier wichtigsten und hebe sie besonders hervor.
Schritt vier ist einer der wichtigsten: Beantworte für dich, warum diese Ziele dir wichtig sind. Wer sich mit Simon Sinek beschäftigt hat, kennt „Frag immer erst: warum“ („Start with Why“) und seinen Golden Circle. Wenn dein Warum, deine Leidenschaft, klar umrissen ist, wird Motivation zum Kinderspiel. Schreib für deine drei bis vier Top-Ziele jeweils drei bis vier Sätze – sobald du diese Frage klärst, löst das einen Motivationsschub aus, der dich dranbleiben lässt.
Schritt fünf: Betrachte die Verteilung deiner 1-, 3-, 5- und 10-Jahres-Ziele. Zähl zusammen, wie viele du in jeder Kategorie hast. Das zeigt, ob du eher kurz- oder langfristig denkst – beides hat Vor- und Nachteile. Nur kurzfristige Ziele sind riskant: Sportler, die etwa eine Goldmedaille erreichen, fallen danach oft in ein Motivationsloch, weil nichts mehr folgt. Hast du nur langfristige Ziele, verharrst du zu sehr im Denken und kommst zu wenig ins Handeln; kurzfristige Ziele sind dann Meilensteine auf dem Weg zu den langfristigen. Eine Gleichverteilung ist nicht verkehrt – geh deine Liste also nochmal durch, ergänze und feile.
Schritt sechs ist die wichtigste Frage und löst oft etwas ganz anderes aus: Zu was für einer Person musst du dich entwickeln, um diese Ziele zu erreichen? Das ist der Inbegriff von Persönlichkeitsentwicklung. Ein plakatives Beispiel von Jim Rohn: Sein Mentor riet ihm, sich vorzunehmen, Millionär zu werden – nicht des Geldes wegen, sondern um zu überlegen: Was zeichnet eine Person aus, die aus eigener Initiative zu Wohlstand gekommen ist? Wie denkt sie, welche Gewohnheiten und Kompetenzen hat sie, wie sieht ihr Tagesablauf aus, wie verhält sie sich gegenüber anderen? Das alles sind Themen der Persönlichkeitsentwicklung. Schon das Anstreben deiner Ziele sorgt dafür, dass du dich weiterentwickelst – wer sich keine Ziele setzt, entwickelt sich weniger proaktiv und gezielt. Übrigens lohnt es sich auch deshalb, gute Bücher mehrmals zu lesen: Liest du dasselbe Buch in fünf Jahren erneut, hältst du oft ganz andere Passagen für wichtig, weil du dich weiterentwickelt hast.
Das waren die sechs Punkte: erstens, was möchtest du in den nächsten zehn Jahren erreichen (Liste mit ~50 Dingen); zweitens, schätze den Zeitraum (1, 3, 5 oder 10 Jahre); drittens, markiere die drei bis vier wichtigsten Jahresziele; viertens, warum sind diese Ziele dir wichtig; fünftens, betrachte die Verteilung und ergänze bei Ungleichgewicht; sechstens, zu welcher Person musst du dich entwickeln. Mach das einmal, damit du etwas Greifbares hast, auf das du immer wieder schauen kannst – aus den Augen, aus dem Sinn. Nimm den Zettel regelmäßig zur Hand; mir helfen dabei feste Termine oder Erinnerungen, etwa monatlich. Das Ganze ist dynamisch, und regelmäßige Reflexion ist wichtig – spannend ist auch, in einem Jahr nochmal draufzuschauen: Was hast du erreicht, was nicht und warum? Ich hoffe, das hilft dir, deine Ziele strukturiert anzugehen. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.
