Lebenseinkommen steigern: der unsichtbare Preis einer späten Beförderung

„Langfristig möchte ich Führungskraft werden“ – dieses Ziel höre ich ständig von ambitionierten Ingenieuren. Und es ist ein fatales Ziel. Nicht wegen der Führung, sondern wegen des Wortes „langfristig“: Es verführt zum Warten. Und Warten hat einen Preis, den kaum jemand sieht.

In dieser Folge geht es um genau diesen unsichtbaren Preis – den Cost of Delay einer späten Beförderung – und um zwei Effekte, die dein Lebenseinkommen massiv beeinflussen: verschenktes Einkommen und der Rosenthal-Effekt.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • „In 5–10 Jahren Führungskraft werden“ ist ein fatales Ziel: Das Wort „langfristig“ führt zum Warten – meist aus Angst, Sicherheitsdenken und „erst mehr Erfahrung sammeln“.
  • Cost of Delay: Wie bei der Produktentwicklung kostet jede Verzögerung – nur dass es hier um deine Karriere geht.
  • Zwei Effekte einer späten Beförderung: verzögerte (und damit verschenkte) Gehaltserhöhung und ein niedrigeres Spitzengehalt.
  • Die Zahlen (gehalt.de, 2019): Lebenseinkommen Führungskraft ~3,59 Mio. €, Fachkraft ~2,44 Mio. € – jedes Jahr später kostet im Schnitt ~38.000 €; 2 statt 6 Jahre bringen rund +150.000 €.
  • Der Rosenthal-Effekt (noch wertvoller als das Geld): Wer früh Verantwortung übernimmt, wird als überdurchschnittlich wahrgenommen, stärker gefördert – und mit Jobangeboten überhäuft.
  • Der Ausweg: nicht warten, sondern proaktiv werden – auch wenn es Mut und einen Schritt aus der Komfortzone kostet.

Lebenseinkommen steigern: die Kernidee

Das fatale Ziel: „langfristig“

Viele setzen sich „in 5 bis 10 Jahren Führungskraft werden“ als vermeintlich realistisches Ziel. Die Gefahr steckt im Wort „langfristig“: Es führt zum Warten – „ich bin noch nicht so weit“, „ich habe ja noch Zeit“, „erst will ich mehr Erfahrung sammeln“. Oft steckt Angst dahinter (Führung ist Verantwortung) und die Suche nach Sicherheit. Das Ergebnis: Ein großer Teil des Weges zur ersten Führungsrolle ist selbst gewählte, vermeidbare Wartezeit. In Führung zu kommen geht meist deutlich schneller als gedacht – und der beste Weg, zu testen, ob es zu dir passt, ist, es zu tun. Es ist völlig in Ordnung, nach zwei Jahren zu sagen „das war es nicht“. Wer unnötig wartet, zahlt einen hohen, unsichtbaren Preis.

Cost of Delay

„Cost of Delay“ (Kosten der Verzögerung) stammt aus der Produktentwicklung: Je später ein Produkt auf den Markt kommt, desto später entsteht Umsatz – verpasster Umsatz, oft in Millionenhöhe. Denselben Mechanismus gibt es in deiner Karriere. Ob du in zwei oder in sechs Jahren in Führung kommst, macht einen großen Unterschied – über zwei Effekte.

Zwei Effekte – und die Zahlen

Erstens: Eine spätere Beförderung bedeutet eine spätere Gehaltserhöhung – also verschenktes Einkommen. Zweitens: oft ein niedrigeres Spitzengehalt am Ende. Eine Studie von gehalt.de (2019) zeigt: Das durchschnittliche Lebenseinkommen einer Führungskraft mit Studienabschluss in Deutschland liegt bei rund 3,59 Mio. €, das einer Fachkraft bei rund 2,44 Mio. € – eine Lücke von ~1,2 Mio. €. Heruntergebrochen kostet jedes Jahr, das man später in Führung kommt, im Schnitt rund 38.000 €. Wer also schon nach 2 statt erst nach 6 Jahren Führungskraft wird, erhöht sein Lebenseinkommen um rund 150.000 € – oder anders: Wer sechs Jahre wartet, hat einen Cost of Delay von ~150.000 €. Darüber spricht kaum jemand, weil der Unterschied sich klein anfühlt.

Der Rosenthal-Effekt – noch wertvoller als das Geld

Eine berühmte Studie von Rosenthal und Jacobson (1966): Lehrern wurde gesagt, zufällig ausgewählte Schüler seien hochbegabt und würden sich überdurchschnittlich entwickeln. Ein Jahr später schnitten genau diese (zufällig gewählten) Kinder messbar besser ab – eine selbsterfüllende Prophezeiung. Übertragen: Wer früh Verantwortung übernimmt, wird von außen als überdurchschnittlich und besonders kompetent wahrgenommen, dadurch stärker gefördert, entwickelt ein stärkeres Selbstbild – und erhält im weiteren Verlauf deutlich bessere und vielfältigere Jobangebote. Es gibt Menschen Anfang 30, die nie eine Bewerbung geschrieben haben und deren Postfach voller Angebote ist – nicht, weil sie smarter sind, sondern weil sie von diesem Effekt profitieren.

Der Ausweg: nicht warten

Die „Ich warte noch“-Mentalität ist teuer – und der Preis ist unsichtbar. Der Worst Case: mit 40 oder 50 zu realisieren, was alles möglich gewesen wäre. Sich davon zu lösen ist nicht leicht, gerade wenn das Umfeld („Führungskraft wird man nicht vor 40″) in die Gegenrichtung zieht. Es braucht Mut und einen Schritt aus der Komfortzone. Aber die Ingenieure, die am Ende die guten Jobs und die Angebote ohne Ende haben, sind die Proaktiven, die die Initiative ergreifen.

Der Hebel gegen den Cost of Delay ist, früh in Führung zu kommen: Wie du den größten Denkfehler dabei vermeidest, zeigt Führungskraft werden, und wie du die Beförderung gezielt herbeiführst, Beförderung bekommen. Die übrigen Hebel für mehr Einkommen bündelt Gehalt steigern: 5 Wege. Die visualisierte Kurzfassung dieser Folge findest du im Artikel Lebenseinkommen.

Häufige Fragen zum Lebenseinkommen

Was ist der „Cost of Delay“ in der Karriere? Der unsichtbare Preis dafür, dass man später als möglich in eine Führungsrolle kommt. Wie bei einer verzögerten Produkteinführung Umsatz entgeht, entgeht dir durch eine späte Beförderung Einkommen – im Schnitt rund 38.000 € pro Jahr Verzögerung.

Wie viel kostet es, später Führungskraft zu werden? Laut gehalt.de (2019) liegt das durchschnittliche Lebenseinkommen einer Führungskraft mit Studienabschluss bei ~3,59 Mio. €, das einer Fachkraft bei ~2,44 Mio. €. Pro Jahr späterer Beförderung sind das im Schnitt ~38.000 € – wer 2 statt 6 Jahre braucht, gewinnt rund 150.000 €.

Was ist der Rosenthal-Effekt? Eine selbsterfüllende Prophezeiung: Wer früh als kompetent und überdurchschnittlich wahrgenommen wird (z. B. durch frühe Verantwortung), wird stärker gefördert, entwickelt ein stärkeres Selbstbild und bekommt bessere Chancen. Dieser Effekt ist langfristig oft wertvoller als das höhere Gehalt selbst.

Wie steigere ich mein Lebenseinkommen? Indem du nicht wartest: früh Verantwortung übernimmst, proaktiv in eine Führungsrolle kommst und so beide Effekte zu deinen Gunsten nutzt – früheres und höheres Einkommen plus den Rosenthal-Effekt. Das erfordert Mut und einen bewussten Schritt aus der Komfortzone.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Studie gehalt.de (2019): Lebenseinkommen von Führungskräften vs. Fachkräften mit Studienabschluss.
  • Rosenthal & Jacobson (1966): der Rosenthal- bzw. Pygmalion-Effekt als selbsterfüllende Prophezeiung.
  • Cost of Delay: Konzept aus der Produktentwicklung, übertragen auf die Karriere.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Finanzen.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema mehr Gehalt verdienen und Karriere als Ingenieur.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge 119: Wie du dein Lebenseinkommen steigerst – Cost of Delay, oder: der unsichtbare Nachteil einer späten Beförderung. Je früher du das in deiner Laufbahn hörst, desto besser; wenn du jemanden kennst, der frisch im Beruf ist, empfiehl ihm diese Folge. Begleitend habe ich einen Artikel mit Visualisierungen geschrieben – unter mentorwerk.de/lebenseinkommen kannst du ihn nachlesen.

Womit fangen wir an? Bei einem Ziel, das ich immer wieder höre: „Langfristig möchte ich Führungskraft werden.“ Das ist ein fatales Ziel – und das Problem liegt im Wort „langfristig“. In einem Workshop habe ich Übungen zum Thema realistische Ziele gemacht. Viele halten „in 5 bis 10 Jahren Führungskraft werden“ für realistisch und alles andere für unrealistisch. Die Gefahr dieser langfristigen Ziele ist, dass man wartet. Warten heißt: „Ich bin noch nicht so weit“, „ich habe noch Zeit“, „ich will erst mehr Erfahrung sammeln“. Das hat viel mit Angst zu tun – eine Führungsrolle ist Verantwortung – und mit der Suche nach Sicherheit. Unterm Strich ist ein großer Teil des Weges zur ersten Führungsrolle vermeidbare, selbst gewählte Wartezeit. In Führung zu kommen geht in der Regel deutlich schneller, als man für möglich hält. Der beste Weg, zu testen, ob Führung etwas für dich ist, ist, Führungskraft zu werden – und es ist nicht schlimm, nach zwei Jahren zu sagen: „Das war es nicht, ich habe viel gelernt, aber es ist nicht meine Zukunft.“ Wer unnötig lange wartet, zahlt einen hohen Preis – und den sehen die meisten nicht. Er ist unsichtbar.

Dieser Preis heißt Cost of Delay – Kosten der Verzögerung. Das Konzept kommt aus der Produktentwicklung: Je länger man braucht, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen, desto später generiert es Umsatz. Bringe ich es diesen Monat, erzielt es sofort Umsatz; brauche ich drei Monate länger, verpasse ich drei Monate Umsatz – bei Produkten wie einem neuen Tesla schnell Millionenbeträge. Übrigens: Schau auf deine Prioritätenliste – große Projekte, die liegen bleiben, haben alle einen Cost of Delay. Genau diesen Mechanismus gibt es auch in der Karriere. Ob du in sechs oder in zwei Jahren Führungskraft wirst, macht einen sehr großen Unterschied.

Wer unnötig wartet und erst mit Verzögerung Führungskraft wird, erlebt zwei folgenschwere Effekte. Der erste ist offensichtlich: Mit einer Beförderung geht fast immer eine Gehaltserhöhung einher – kommst du später dran, bekommst du diese Erhöhung später, also verschenktes Einkommen. Der zweite Effekt: ein geringeres Spitzengehalt, oft erreichst du dein mögliches Top-Gehalt nie, wenn du zu lange wartest. Im Artikel gibt es dazu eine sehr aussagekräftige Abbildung. Laut einer Studie der Plattform gehalt.de aus dem Jahr 2019 beträgt das durchschnittliche Lebenseinkommen eines Arbeitnehmers mit Studienabschluss in Deutschland bei Führungskräften rund 3,59 Millionen Euro – das gesamte über die Karriere summierte Gehalt. Fachkräfte, die nie Führungskraft wurden (darunter viele Entwicklungs- oder Prozessingenieure), landen im Schnitt bei rund 2,44 Millionen Euro. Die Lücke liegt also bei knapp 1,2 Millionen Euro. Heruntergebrochen kostet jedes Jahr, das man später Führungskraft wird, im Schnitt rund 38.000 Euro. Wer schon nach 2 statt erst nach 6 Jahren Führungskraft wird, erhöht sein Lebenseinkommen um rund 150.000 Euro; wer sechs Jahre wartet, hat einen Cost of Delay von etwa 150.000 Euro. Darüber redet keiner, weil sich der Unterschied klein anfühlt. Wenn dein Umfeld dir einredet „Führungskraft wird man nicht vor 40″, wachsen deine Cost of Delay mit jedem Jahr. Ich habe in über 1.500 Gesprächen mit ambitionierten Ingenieuren alles gesehen: Führungskräfte und Betriebsleiter Mitte 20. Aus meinem eigenen Werdegang weiß ich, dass das geht. Es ist realistisch – man muss einiges dafür tun, aber es ist möglich.

Und damit sind wir noch nicht am Ende, denn das war nur die finanzielle Brille. Es gibt einen weiteren, noch größeren Vorteil: den Rosenthal-Effekt. Dazu eine berühmte Studie aus dem Jahr 1966 von den Psychologen Rosenthal und Jacobson. Sie wählten in einer Grundschulklasse zufällig Kinder aus und erzählten den Lehrern, diese Kinder seien hochbegabt und würden sich im nächsten Jahr überdurchschnittlich entwickeln. Ein Jahr später schnitten genau diese zufällig gewählten Kinder in einem Intelligenztest deutlich besser ab als ihre Mitschüler – eine selbsterfüllende Prophezeiung. Übertragen: Personen, die früh Führungsverantwortung übernehmen, werden von Außenstehenden als überdurchschnittlich und besonders kompetent wahrgenommen. Das wirkt wie eine selbsterfüllende Prophezeiung: Sie werden mehr gefördert, ihr Selbstbild entwickelt sich stärker, sie investieren selbst mehr – und sie erhalten im weiteren Verlauf deutlich bessere und vielfältigere Jobangebote und Chancen. Ich kenne viele Menschen Anfang oder Mitte 30, die nie eine Bewerbung geschrieben haben und deren Postfach voller Jobangebote ist. Nicht, weil sie smarter sind – sondern weil sie von diesem Effekt profitieren.

Was bedeutet das für dich? Die „Ich warte noch“-Mentalität ist teuer. Mir ist klar, dass das oft kein bewusster Prozess ist und viele Ängste mitspielen – gerade, wenn in deiner Familie oder deinem Umfeld noch nie jemand Führungskraft war, ist dieser Schritt aus der Komfortzone schwer. Aber wenn du in dieser reaktiven „Ich warte, bis mein Chef den nächsten Schritt geht“-Haltung bleibst, zahlst du einen hohen, unsichtbaren Preis – finanziell und in anderer Form. Der Worst Case ist, erst mit 40 oder 50 zu realisieren, was möglich gewesen wäre. Es braucht Mut für die ersten Schritte; Proaktivität ist nicht leicht und erfordert Übung. Mein Rat: Warte nicht. Denn die Ingenieure, die am Ende die guten Jobs und die Angebote ohne Ende haben, sind die Proaktiven, die die Initiative ergreifen. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Lebenseinkommen steigern: der unsichtbare Preis einer späten Beförderung

„Langfristig möchte ich Führungskraft werden“ – dieses Ziel höre ich ständig von ambitionierten Ingenieuren. Und es ist ein fatales Ziel. Nicht wegen der Führung, sondern wegen des Wortes „langfristig“: Es verführt zum Warten. Und Warten hat einen Preis, den kaum jemand sieht.

In dieser Folge geht es um genau diesen unsichtbaren Preis – den Cost of Delay einer späten Beförderung – und um zwei Effekte, die dein Lebenseinkommen massiv beeinflussen: verschenktes Einkommen und der Rosenthal-Effekt.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • „In 5–10 Jahren Führungskraft werden“ ist ein fatales Ziel: Das Wort „langfristig“ führt zum Warten – meist aus Angst, Sicherheitsdenken und „erst mehr Erfahrung sammeln“.
  • Cost of Delay: Wie bei der Produktentwicklung kostet jede Verzögerung – nur dass es hier um deine Karriere geht.
  • Zwei Effekte einer späten Beförderung: verzögerte (und damit verschenkte) Gehaltserhöhung und ein niedrigeres Spitzengehalt.
  • Die Zahlen (gehalt.de, 2019): Lebenseinkommen Führungskraft ~3,59 Mio. €, Fachkraft ~2,44 Mio. € – jedes Jahr später kostet im Schnitt ~38.000 €; 2 statt 6 Jahre bringen rund +150.000 €.
  • Der Rosenthal-Effekt (noch wertvoller als das Geld): Wer früh Verantwortung übernimmt, wird als überdurchschnittlich wahrgenommen, stärker gefördert – und mit Jobangeboten überhäuft.
  • Der Ausweg: nicht warten, sondern proaktiv werden – auch wenn es Mut und einen Schritt aus der Komfortzone kostet.

Lebenseinkommen steigern: die Kernidee

Das fatale Ziel: „langfristig“

Viele setzen sich „in 5 bis 10 Jahren Führungskraft werden“ als vermeintlich realistisches Ziel. Die Gefahr steckt im Wort „langfristig“: Es führt zum Warten – „ich bin noch nicht so weit“, „ich habe ja noch Zeit“, „erst will ich mehr Erfahrung sammeln“. Oft steckt Angst dahinter (Führung ist Verantwortung) und die Suche nach Sicherheit. Das Ergebnis: Ein großer Teil des Weges zur ersten Führungsrolle ist selbst gewählte, vermeidbare Wartezeit. In Führung zu kommen geht meist deutlich schneller als gedacht – und der beste Weg, zu testen, ob es zu dir passt, ist, es zu tun. Es ist völlig in Ordnung, nach zwei Jahren zu sagen „das war es nicht“. Wer unnötig wartet, zahlt einen hohen, unsichtbaren Preis.

Cost of Delay

„Cost of Delay“ (Kosten der Verzögerung) stammt aus der Produktentwicklung: Je später ein Produkt auf den Markt kommt, desto später entsteht Umsatz – verpasster Umsatz, oft in Millionenhöhe. Denselben Mechanismus gibt es in deiner Karriere. Ob du in zwei oder in sechs Jahren in Führung kommst, macht einen großen Unterschied – über zwei Effekte.

Zwei Effekte – und die Zahlen

Erstens: Eine spätere Beförderung bedeutet eine spätere Gehaltserhöhung – also verschenktes Einkommen. Zweitens: oft ein niedrigeres Spitzengehalt am Ende. Eine Studie von gehalt.de (2019) zeigt: Das durchschnittliche Lebenseinkommen einer Führungskraft mit Studienabschluss in Deutschland liegt bei rund 3,59 Mio. €, das einer Fachkraft bei rund 2,44 Mio. € – eine Lücke von ~1,2 Mio. €. Heruntergebrochen kostet jedes Jahr, das man später in Führung kommt, im Schnitt rund 38.000 €. Wer also schon nach 2 statt erst nach 6 Jahren Führungskraft wird, erhöht sein Lebenseinkommen um rund 150.000 € – oder anders: Wer sechs Jahre wartet, hat einen Cost of Delay von ~150.000 €. Darüber spricht kaum jemand, weil der Unterschied sich klein anfühlt.

Der Rosenthal-Effekt – noch wertvoller als das Geld

Eine berühmte Studie von Rosenthal und Jacobson (1966): Lehrern wurde gesagt, zufällig ausgewählte Schüler seien hochbegabt und würden sich überdurchschnittlich entwickeln. Ein Jahr später schnitten genau diese (zufällig gewählten) Kinder messbar besser ab – eine selbsterfüllende Prophezeiung. Übertragen: Wer früh Verantwortung übernimmt, wird von außen als überdurchschnittlich und besonders kompetent wahrgenommen, dadurch stärker gefördert, entwickelt ein stärkeres Selbstbild – und erhält im weiteren Verlauf deutlich bessere und vielfältigere Jobangebote. Es gibt Menschen Anfang 30, die nie eine Bewerbung geschrieben haben und deren Postfach voller Angebote ist – nicht, weil sie smarter sind, sondern weil sie von diesem Effekt profitieren.

Der Ausweg: nicht warten

Die „Ich warte noch“-Mentalität ist teuer – und der Preis ist unsichtbar. Der Worst Case: mit 40 oder 50 zu realisieren, was alles möglich gewesen wäre. Sich davon zu lösen ist nicht leicht, gerade wenn das Umfeld („Führungskraft wird man nicht vor 40″) in die Gegenrichtung zieht. Es braucht Mut und einen Schritt aus der Komfortzone. Aber die Ingenieure, die am Ende die guten Jobs und die Angebote ohne Ende haben, sind die Proaktiven, die die Initiative ergreifen.

Der Hebel gegen den Cost of Delay ist, früh in Führung zu kommen: Wie du den größten Denkfehler dabei vermeidest, zeigt Führungskraft werden, und wie du die Beförderung gezielt herbeiführst, Beförderung bekommen. Die übrigen Hebel für mehr Einkommen bündelt Gehalt steigern: 5 Wege. Die visualisierte Kurzfassung dieser Folge findest du im Artikel Lebenseinkommen.

Häufige Fragen zum Lebenseinkommen

Was ist der „Cost of Delay“ in der Karriere? Der unsichtbare Preis dafür, dass man später als möglich in eine Führungsrolle kommt. Wie bei einer verzögerten Produkteinführung Umsatz entgeht, entgeht dir durch eine späte Beförderung Einkommen – im Schnitt rund 38.000 € pro Jahr Verzögerung.

Wie viel kostet es, später Führungskraft zu werden? Laut gehalt.de (2019) liegt das durchschnittliche Lebenseinkommen einer Führungskraft mit Studienabschluss bei ~3,59 Mio. €, das einer Fachkraft bei ~2,44 Mio. €. Pro Jahr späterer Beförderung sind das im Schnitt ~38.000 € – wer 2 statt 6 Jahre braucht, gewinnt rund 150.000 €.

Was ist der Rosenthal-Effekt? Eine selbsterfüllende Prophezeiung: Wer früh als kompetent und überdurchschnittlich wahrgenommen wird (z. B. durch frühe Verantwortung), wird stärker gefördert, entwickelt ein stärkeres Selbstbild und bekommt bessere Chancen. Dieser Effekt ist langfristig oft wertvoller als das höhere Gehalt selbst.

Wie steigere ich mein Lebenseinkommen? Indem du nicht wartest: früh Verantwortung übernimmst, proaktiv in eine Führungsrolle kommst und so beide Effekte zu deinen Gunsten nutzt – früheres und höheres Einkommen plus den Rosenthal-Effekt. Das erfordert Mut und einen bewussten Schritt aus der Komfortzone.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Studie gehalt.de (2019): Lebenseinkommen von Führungskräften vs. Fachkräften mit Studienabschluss.
  • Rosenthal & Jacobson (1966): der Rosenthal- bzw. Pygmalion-Effekt als selbsterfüllende Prophezeiung.
  • Cost of Delay: Konzept aus der Produktentwicklung, übertragen auf die Karriere.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Finanzen.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema mehr Gehalt verdienen und Karriere als Ingenieur.

Transkript

Herzlich willkommen zur Folge 119: Wie du dein Lebenseinkommen steigerst – Cost of Delay, oder: der unsichtbare Nachteil einer späten Beförderung. Je früher du das in deiner Laufbahn hörst, desto besser; wenn du jemanden kennst, der frisch im Beruf ist, empfiehl ihm diese Folge. Begleitend habe ich einen Artikel mit Visualisierungen geschrieben – unter mentorwerk.de/lebenseinkommen kannst du ihn nachlesen.

Womit fangen wir an? Bei einem Ziel, das ich immer wieder höre: „Langfristig möchte ich Führungskraft werden.“ Das ist ein fatales Ziel – und das Problem liegt im Wort „langfristig“. In einem Workshop habe ich Übungen zum Thema realistische Ziele gemacht. Viele halten „in 5 bis 10 Jahren Führungskraft werden“ für realistisch und alles andere für unrealistisch. Die Gefahr dieser langfristigen Ziele ist, dass man wartet. Warten heißt: „Ich bin noch nicht so weit“, „ich habe noch Zeit“, „ich will erst mehr Erfahrung sammeln“. Das hat viel mit Angst zu tun – eine Führungsrolle ist Verantwortung – und mit der Suche nach Sicherheit. Unterm Strich ist ein großer Teil des Weges zur ersten Führungsrolle vermeidbare, selbst gewählte Wartezeit. In Führung zu kommen geht in der Regel deutlich schneller, als man für möglich hält. Der beste Weg, zu testen, ob Führung etwas für dich ist, ist, Führungskraft zu werden – und es ist nicht schlimm, nach zwei Jahren zu sagen: „Das war es nicht, ich habe viel gelernt, aber es ist nicht meine Zukunft.“ Wer unnötig lange wartet, zahlt einen hohen Preis – und den sehen die meisten nicht. Er ist unsichtbar.

Dieser Preis heißt Cost of Delay – Kosten der Verzögerung. Das Konzept kommt aus der Produktentwicklung: Je länger man braucht, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen, desto später generiert es Umsatz. Bringe ich es diesen Monat, erzielt es sofort Umsatz; brauche ich drei Monate länger, verpasse ich drei Monate Umsatz – bei Produkten wie einem neuen Tesla schnell Millionenbeträge. Übrigens: Schau auf deine Prioritätenliste – große Projekte, die liegen bleiben, haben alle einen Cost of Delay. Genau diesen Mechanismus gibt es auch in der Karriere. Ob du in sechs oder in zwei Jahren Führungskraft wirst, macht einen sehr großen Unterschied.

Wer unnötig wartet und erst mit Verzögerung Führungskraft wird, erlebt zwei folgenschwere Effekte. Der erste ist offensichtlich: Mit einer Beförderung geht fast immer eine Gehaltserhöhung einher – kommst du später dran, bekommst du diese Erhöhung später, also verschenktes Einkommen. Der zweite Effekt: ein geringeres Spitzengehalt, oft erreichst du dein mögliches Top-Gehalt nie, wenn du zu lange wartest. Im Artikel gibt es dazu eine sehr aussagekräftige Abbildung. Laut einer Studie der Plattform gehalt.de aus dem Jahr 2019 beträgt das durchschnittliche Lebenseinkommen eines Arbeitnehmers mit Studienabschluss in Deutschland bei Führungskräften rund 3,59 Millionen Euro – das gesamte über die Karriere summierte Gehalt. Fachkräfte, die nie Führungskraft wurden (darunter viele Entwicklungs- oder Prozessingenieure), landen im Schnitt bei rund 2,44 Millionen Euro. Die Lücke liegt also bei knapp 1,2 Millionen Euro. Heruntergebrochen kostet jedes Jahr, das man später Führungskraft wird, im Schnitt rund 38.000 Euro. Wer schon nach 2 statt erst nach 6 Jahren Führungskraft wird, erhöht sein Lebenseinkommen um rund 150.000 Euro; wer sechs Jahre wartet, hat einen Cost of Delay von etwa 150.000 Euro. Darüber redet keiner, weil sich der Unterschied klein anfühlt. Wenn dein Umfeld dir einredet „Führungskraft wird man nicht vor 40″, wachsen deine Cost of Delay mit jedem Jahr. Ich habe in über 1.500 Gesprächen mit ambitionierten Ingenieuren alles gesehen: Führungskräfte und Betriebsleiter Mitte 20. Aus meinem eigenen Werdegang weiß ich, dass das geht. Es ist realistisch – man muss einiges dafür tun, aber es ist möglich.

Und damit sind wir noch nicht am Ende, denn das war nur die finanzielle Brille. Es gibt einen weiteren, noch größeren Vorteil: den Rosenthal-Effekt. Dazu eine berühmte Studie aus dem Jahr 1966 von den Psychologen Rosenthal und Jacobson. Sie wählten in einer Grundschulklasse zufällig Kinder aus und erzählten den Lehrern, diese Kinder seien hochbegabt und würden sich im nächsten Jahr überdurchschnittlich entwickeln. Ein Jahr später schnitten genau diese zufällig gewählten Kinder in einem Intelligenztest deutlich besser ab als ihre Mitschüler – eine selbsterfüllende Prophezeiung. Übertragen: Personen, die früh Führungsverantwortung übernehmen, werden von Außenstehenden als überdurchschnittlich und besonders kompetent wahrgenommen. Das wirkt wie eine selbsterfüllende Prophezeiung: Sie werden mehr gefördert, ihr Selbstbild entwickelt sich stärker, sie investieren selbst mehr – und sie erhalten im weiteren Verlauf deutlich bessere und vielfältigere Jobangebote und Chancen. Ich kenne viele Menschen Anfang oder Mitte 30, die nie eine Bewerbung geschrieben haben und deren Postfach voller Jobangebote ist. Nicht, weil sie smarter sind – sondern weil sie von diesem Effekt profitieren.

Was bedeutet das für dich? Die „Ich warte noch“-Mentalität ist teuer. Mir ist klar, dass das oft kein bewusster Prozess ist und viele Ängste mitspielen – gerade, wenn in deiner Familie oder deinem Umfeld noch nie jemand Führungskraft war, ist dieser Schritt aus der Komfortzone schwer. Aber wenn du in dieser reaktiven „Ich warte, bis mein Chef den nächsten Schritt geht“-Haltung bleibst, zahlst du einen hohen, unsichtbaren Preis – finanziell und in anderer Form. Der Worst Case ist, erst mit 40 oder 50 zu realisieren, was möglich gewesen wäre. Es braucht Mut für die ersten Schritte; Proaktivität ist nicht leicht und erfordert Übung. Mein Rat: Warte nicht. Denn die Ingenieure, die am Ende die guten Jobs und die Angebote ohne Ende haben, sind die Proaktiven, die die Initiative ergreifen. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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