Erste 100 Tage als Führungskraft: so gelingt der Einstieg

Die erste Führungsposition ist fast immer ein Sprung ins kalte Wasser. Trotzdem entscheidet kaum etwas so sehr über deinen Start wie eine gute Vorbereitung – sie bewahrt dich vor vielen Fehlern.

In dieser Folge bekommst du eine klare Struktur für die ersten Wochen und Monate: warum Ruhe und Beobachten am Anfang wichtiger sind als Aktionismus, und wie du Rolle, Team und Unternehmen systematisch verstehst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Ruhe bewahren statt Aktionismus. Der größte Fehler junger Führungskräfte ist, sofort Dinge umzusetzen. Am Anfang geht es ums Verstehen, nicht ums Handeln.
  • Geh in die Beobachter-Rolle: Fragen stellen, zuhören, verstehen – und über Zeit Vertrauen gewinnen (gerade bei skeptischen, erfahrenen Kollegen).
  • Erstelle deinen eigenen Einarbeitungsplan. Verlass dich nicht auf das Unternehmen (oft stiefmütterlich behandelt) – werde proaktiv.
  • Verstehe Rolle, Team und Unternehmen in drei Bereichen: Anforderungen an deine Rolle, Mitarbeiter (1:1 mit jedem), Unternehmenskontext (Strategie, Prozesse, Systeme, Kultur).
  • Entwickle deinen eigenen Führungsstil. Reflektiere deine Werte, beobachte die Führungskultur, hol dir Mentoren – es gibt nicht den einen Stil, sondern deinen.
  • Just-in-Time-Learning: Gerade in dieser Phase voller neuer Eindrücke beschleunigen gezielte Impulse (Bücher, Austausch) deine Lernkurve enorm.

Der Einstieg als Führungskraft im Detail

Das Wichtigste zuerst: Ruhe bewahren. In der Anfangsphase geht es nicht darum, sofort etwas umzusetzen – im Gegenteil. Der häufigste Fehler ist, dem Tatendrang nachzugeben und voreilig zu handeln. Mach dir bewusst: Als junge Führungskraft begegnet dir oft Skepsis, gerade von älteren Kollegen. Vertrauen entsteht nicht über Nacht. Dein Fokus am Anfang ist die Beobachter-Rolle: Fragen stellen, zuhören, Dinge verstehen.

Erstelle deinen eigenen Einarbeitungsplan. Verlass dich nicht darauf, dass das Unternehmen dich gut einarbeitet – häufig passiert das stiefmütterlich. Werde proaktiv und plane deine ersten Wochen (bis Monate) selbst, ob auf Papier, in Excel oder Word. Das beginnt schon vor dem ersten Tag: Wie stellst du dich dem Team vor? Wie willst du wahrgenommen werden? Mit wem sprichst du wann? Der Plan ist dynamisch – du wirst ihn in den ersten Tagen laufend anpassen.

1. Anforderungen an deine Rolle verstehen. Was sind deine Kernaufgaben? Warum wurdest du eingestellt, und wann bist du in dieser Rolle erfolgreich? Wie sieht ein idealer Tages- und Wochenablauf aus? Leite das aus den Erwartungen deines direkten Vorgesetzten und des Unternehmens ab. Wenn möglich, interviewe deinen Vorgänger oder deinen Chef – aber bilde dir immer auch deine eigene Meinung. Die Stellenbeschreibung ist oft Außendarstellung; entscheidend ist, worauf es real ankommt.

2. Team und Mitarbeiter verstehen. Führe mit jedem Mitarbeiter ein Einzelgespräch, um die Menschen kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Verstehe die Kultur und die Beziehungen: Wer ist neu, wer alteingesessen, wo gibt es Konflikte, wer ist besonders ambitioniert und will Verantwortung übernehmen? Achte nicht nur auf Fachliches, sondern auch auf persönliche Ziele. Mach dir viele Notizen und systematisiere sie (bei zwei Mitarbeitern anders als bei dreißig). Ein Fragenkatalog hilft – gute Fragen dafür liefert The Coaching Habit.

3. Unternehmenskontext und Strukturen verstehen. Beginne mit der Strategie: Wie ist die langfristige Ausrichtung, was sind die strategischen Handlungsfelder, und wie zahlt dein Team darauf ein (Team-Strategie, Team- und Mitarbeiterziele)? Verstehe die Prozessarchitektur und Wertschöpfungskette (wo sind Engpässe und Verbesserungspotenziale?), Technologie und Infrastruktur (Systeme, ERP, je nach Bereich Maschinenpark/Instandhaltung) sowie Gewohnheiten und Routinen (welche Standard-Meetings, Dailies, welches QM-System?). Sauge alles auf und notiere viel.

Reflektieren und den eigenen Führungsstil entwickeln. Plane dir bewusst Zeit zum Reflektieren ein – auch wenn manchmal ein Unwohlsein aufkommt, weil du das Gefühl hast, keinen Beitrag zu leisten. Genau diese Grundlagenarbeit als Beobachter ist das Fundament für späteren Erfolg; widersteh dem Drang, deinen Tag sofort mit operativen Dingen zu füllen. Frag dich: Welche Art von Führungskraft willst du sein – für welche Führungskraft würdest du selbst gern arbeiten? Geh deinen Werten auf den Grund (es gibt nicht den einen pauschalen Stil, sondern deine Handschrift), und beobachte die Führungskultur im Unternehmen. Such dir Mentoren. Und nutze Just-in-Time-Learning: In dieser eindrucksreichen Phase sind gezielte Impulse und Bücher ein großer Hebel für eine steile Lernkurve.

Warum der größte Denkfehler angehender Führungskräfte vermeidbar ist, hörst du in Führungskraft werden. Wie du deinen eigenen, authentischen Stil findest, vertieft Führungsstil entwickeln. Und wie du die wichtigen 1:1-Gespräche meisterst, zeigt Mitarbeitergespräch führen.

Häufige Fragen zum Einstieg als Führungskraft

Was ist in den ersten 100 Tagen als Führungskraft am wichtigsten? Ruhe bewahren und in die Beobachter-Rolle gehen: Fragen stellen, zuhören, Rolle, Team und Unternehmen verstehen und Vertrauen aufbauen. Nicht sofort Veränderungen umsetzen – das Verstehen ist die eigentliche Arbeit dieser Phase.

Wie erstelle ich einen Einarbeitungsplan als neue Führungskraft? Erstelle ihn selbst (verlass dich nicht auf das Unternehmen) und plane deine ersten Wochen systematisch entlang von drei Bereichen: Anforderungen an deine Rolle, Team/Mitarbeiter und Unternehmenskontext. Der Plan ist dynamisch und wird laufend angepasst.

Sollte ich als neue Führungskraft sofort Veränderungen umsetzen? Nein. Voreiliges Handeln ist der häufigste Fehler. Verstehe zuerst die Zusammenhänge und gewinne Vertrauen – gerade als junge Führungskraft, der anfangs oft mit Skepsis begegnet wird.

Wie lerne ich mein Team als neue Führungskraft kennen? Führe mit jedem Mitarbeiter ein Einzelgespräch. Nutze einen Fragenkatalog, verstehe Stärken, Ziele, Beziehungen und die Konfliktkultur – und mach dir konsequent Notizen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Michael Bungay Stanier – The Coaching Habit: liefert gute Fragen für deine Mitarbeitergespräche und den Führungsalltag.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Führung.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Führung und Karriere für Ingenieure.

Transkript

In dieser Folge geht es um die erste Führungsposition – wie der Einstieg als Führungskraft gelingt. Das ist vor allem für dich spannend, wenn du neu in der Rolle bist; aber auch wer Führungskraft werden will oder in eine neue Rolle wechselt, profitiert. Eine neue Führungsrolle ist trotz Vorbereitung immer ein Sprung ins kalte Wasser – und genau deshalb ist Vorbereitung so wichtig: Sie bewahrt dich vor vielen Fehlern.

Das Allerwichtigste zuerst: Ruhe bewahren. In der Anfangsphase geht es nicht darum, sofort Dinge umzusetzen – im Gegenteil. Der größte Fehler, den ich immer wieder sehe, ist, dem Drang nachzugeben, schnell und voreilig zu handeln. Vielleicht bist du voller Tatendrang und hast viele Ideen. Mach dir aber bewusst: Gerade einer jungen Führungskraft begegnet man häufig mit Skepsis, oft von älteren Kollegen. Es geht darum, Vertrauen zu gewinnen, und das passiert nicht von heute auf morgen. Dein Fokus am Anfang ist die Beobachter-Rolle: Fragen stellen, zuhören, beobachten, die Dinge verstehen.

Das Allerwichtigste, um das systematisch anzugehen, ist ein Einarbeitungsplan. Verlass dich dabei nicht auf das Unternehmen – ich habe immer wieder festgestellt, dass das stiefmütterlich behandelt wird. Werde proaktiv, warte nicht auf andere und ärgere dich nicht, wenn du schlecht eingearbeitet wirst: Du hast es selbst in der Hand, wie gut deine ersten Schritte werden. Erstelle dir einen Einarbeitungsplan, ganz wie du möchtest – auf Papier, in Excel, Word oder einem vergleichbaren Tool. Es geht darum, deine Zeit für die nächsten Wochen systematisch zu planen. Das beginnt schon, bevor du die Rolle antrittst: Wie möchtest du dich dem Team vorstellen? Wie möchtest du wahrgenommen werden? Mit welchen Mitarbeitern und Personen aus anderen Bereichen möchtest du wann sprechen? Wann und wie willst du die Strukturen und Systeme des Unternehmens verstehen? Das ist ein dynamischer Plan – ein paar grundlegende Gedanken vorab, der Rest wird in den ersten Tagen und Wochen laufend angepasst. Er ist die Grundlage für die ersten Wochen in der neuen Rolle.

Erster großer Punkt: die Anforderungen und Erwartungen an dich und an die Rolle verstehen. Was sind deine Kernaufgaben, warum wurdest du eingestellt, und wann bist du in deiner Rolle erfolgreich? Wie sieht ein idealer Tagesablauf aus, wie könnte deine Wochenplanung aussehen? All das leitest du von den Anforderungen deines direkten Vorgesetzten und des Unternehmens ab. Wenn du Glück hast, kannst du deinen Vorgänger interviewen, oder deinen jetzigen Chef, der die Position vorher bekleidet hat. Wichtig ist: Alle Interviews und Fragen helfen, dein Bild zu formen – aber bilde dir immer auch deine eigene Meinung. Leite daraus ab, wie du effektiv arbeiten kannst und was die typischen Kernaktivitäten sind, die dich in der Rolle erfolgreich machen.

Nächster Punkt: Team und Mitarbeiter verstehen. Nach der Vorstellung im Team gilt es, sukzessive die Kultur und vor allem die Mitarbeiter selbst zu verstehen. Ich empfehle, mit jedem Mitarbeiter ein Einzelgespräch zu führen, um die Person kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Verstehe die Beziehungen untereinander: Gibt es Konflikte? Wer ist relativ neu, wer schon lange dabei? Wer hat welches Fachwissen, wer ist besonders ambitioniert und will Verantwortung übernehmen? Mach dir dazu Notizen – generell ist es in dieser Phase sehr wertvoll, viel zu notieren und zu reflektieren. Achte auch auf das Persönliche: Wo steht jeder beruflich und privat, was sind die persönlichen Ziele? Systematisiere das, ruhig in einer einfachen Tabelle, damit du den Überblick behältst. Bei zwei Mitarbeitern ist das etwas anderes als bei dreißig, aber fang im Kleinen an. Hilfreich ist ein Fragenkatalog – ich habe dazu mal ein Buch empfohlen, The Coaching Habit, in dem einige Fragen stecken, die gerade im Führungskontext helfen, etwa nach der größten Herausforderung oder den persönlichen Zielen. Sieh die ersten Mitarbeitergespräche als Lernprozess; sie müssen nicht zu formell sein, aber mach dir Gedanken zur Agenda. Geh in die Beobachter-Rolle, nimm auch an Meetings und Projektbesprechungen teil, ohne gleich die Moderation zu übernehmen – sei ein stiller Beobachter.

Nächster Punkt: den Unternehmenskontext und die Strukturen verstehen. Das beginnt mit der Strategie: Wie ist die langfristige Ausrichtung, was sind die langfristigen Ziele und strategischen Handlungsfelder, die das ganze Unternehmen betreffen? Heruntergebrochen: Inwieweit zahlen dein Team und dein Bereich darauf ein? Gibt es eine Team-Strategie, Team- und Mitarbeiterziele? Dann die Prozessarchitektur: die Geschäftsprozesse und die Wertschöpfungskette, etwa Produktionsprozesse – wo sind Verbesserungspotenziale und Engpässe? Diese Fragen kannst du auch deinem Team stellen. Dazu Technologie und Infrastruktur, je nach Bereich: Maschinenpark und Instandhaltung im Produktionsbetrieb, oder ERP- und IT-Systeme. Und schließlich Gewohnheiten und Routinen: Welche Standard-Meetings gibt es, gibt es Dailies oder wöchentliche Meetings, wie sieht das Qualitätsmanagementsystem aus? Sauge all das auf und mach dir so viele Notizen wie möglich.

Und damit zum wichtigsten Punkt dieser Anfangsphase: Nimm dir Zeit zum Reflektieren – plane sie bewusst ein. Ich habe von vielen gehört, dass in der Anfangsphase ein Unwohlsein aufkommt, weil man das Gefühl hat, man müsse sofort die Ärmel hochkrempeln und loslegen. Dagegen musst du dich wehren. Auch wenn du manchmal das Gefühl hast, keinen Beitrag zu leisten: Diese fundamentale Arbeit als Beobachter ist die wichtigste Arbeit, um später in der Rolle erfolgreich zu sein. Widersteh dem Drang, deinen Tag direkt mit operativen Dingen zu füllen. Neben den drei Themen – Rolle, Mitarbeiter und Unternehmenskontext – solltest du immer auch an deinem Führungsverständnis und deinem eigenen Führungsstil arbeiten. Frag dich: Welche Art von Führungskraft willst du sein? Eine hilfreiche Frage ist, wie die Führungskraft aussieht, für die du selbst gern arbeiten würdest. Geh deinen Werten auf den Grund – sie sind die Basis für deinen persönlichen Führungsstil. Es gibt nicht den einen pauschalen Stil, der immer funktioniert; es ist dein authentischer, eigener Stil, deine Handschrift. Beobachte dabei die Führungskultur im Unternehmen: Welche Führungskräfte gibt es, welche Stile werden angewandt, wie ist der Umgang mit Mitarbeitern? Vielleicht findest du auch Mentoren im Unternehmen, unabhängig von deinem Chef.

Eine der wichtigsten Komponenten in diesem Reflexionsprozess ist – neben dem Austausch mit Mentoren – das Just-in-Time-Learning. Wenn du neu in die Führungsrolle einsteigst, gewinnst du sehr viele neue Eindrücke, und gerade dann ist es wichtig, gezielt zu lernen und Impulse zu bekommen, die dein Reflektieren anregen. Es gibt viele tolle Bücher, die in diesem Kontext helfen. Just-in-Time-Learning ist für mich ein großer Hebel, um in der Anfangsphase dein Führungsverständnis reifen zu lassen, dir deiner Werte bewusst zu werden und Schritt für Schritt deinen eigenen Stil zu entwickeln.

Zusammengefasst: Das Wichtigste am Anfang ist, Ruhe zu bewahren und den Fokus auf die Beobachter-Rolle zu legen – verstehen, indem du Fragen stellst, Interviews führst und zuhörst. Mach nicht den Fehler, voreilig zu handeln, und arbeite daran, Vertrauen zu gewinnen. Dein Einarbeitungsplan ist das Leitdokument dieser Phase: dein Zeitplan, die Anforderungen an die Rolle (Stellenbeschreibung vs. Realität), Team und Mitarbeiter (Kernaufgaben, Stärken, Kultur, Konfliktkultur) und der Unternehmenskontext (Strategie, Prozesse, Technologie, Systeme). Nutze die Zeit, um in die Lernphase einzusteigen, zu reflektieren und deinen eigenen Führungsstil zu entwickeln. Wenn du gerade in dieser Situation bist: Glückwunsch zur ersten Rolle – das ist eine spannende Phase, in der du unglaublich viel lernen kannst. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Erste 100 Tage als Führungskraft: so gelingt der Einstieg

Die erste Führungsposition ist fast immer ein Sprung ins kalte Wasser. Trotzdem entscheidet kaum etwas so sehr über deinen Start wie eine gute Vorbereitung – sie bewahrt dich vor vielen Fehlern.

In dieser Folge bekommst du eine klare Struktur für die ersten Wochen und Monate: warum Ruhe und Beobachten am Anfang wichtiger sind als Aktionismus, und wie du Rolle, Team und Unternehmen systematisch verstehst.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Ruhe bewahren statt Aktionismus. Der größte Fehler junger Führungskräfte ist, sofort Dinge umzusetzen. Am Anfang geht es ums Verstehen, nicht ums Handeln.
  • Geh in die Beobachter-Rolle: Fragen stellen, zuhören, verstehen – und über Zeit Vertrauen gewinnen (gerade bei skeptischen, erfahrenen Kollegen).
  • Erstelle deinen eigenen Einarbeitungsplan. Verlass dich nicht auf das Unternehmen (oft stiefmütterlich behandelt) – werde proaktiv.
  • Verstehe Rolle, Team und Unternehmen in drei Bereichen: Anforderungen an deine Rolle, Mitarbeiter (1:1 mit jedem), Unternehmenskontext (Strategie, Prozesse, Systeme, Kultur).
  • Entwickle deinen eigenen Führungsstil. Reflektiere deine Werte, beobachte die Führungskultur, hol dir Mentoren – es gibt nicht den einen Stil, sondern deinen.
  • Just-in-Time-Learning: Gerade in dieser Phase voller neuer Eindrücke beschleunigen gezielte Impulse (Bücher, Austausch) deine Lernkurve enorm.

Der Einstieg als Führungskraft im Detail

Das Wichtigste zuerst: Ruhe bewahren. In der Anfangsphase geht es nicht darum, sofort etwas umzusetzen – im Gegenteil. Der häufigste Fehler ist, dem Tatendrang nachzugeben und voreilig zu handeln. Mach dir bewusst: Als junge Führungskraft begegnet dir oft Skepsis, gerade von älteren Kollegen. Vertrauen entsteht nicht über Nacht. Dein Fokus am Anfang ist die Beobachter-Rolle: Fragen stellen, zuhören, Dinge verstehen.

Erstelle deinen eigenen Einarbeitungsplan. Verlass dich nicht darauf, dass das Unternehmen dich gut einarbeitet – häufig passiert das stiefmütterlich. Werde proaktiv und plane deine ersten Wochen (bis Monate) selbst, ob auf Papier, in Excel oder Word. Das beginnt schon vor dem ersten Tag: Wie stellst du dich dem Team vor? Wie willst du wahrgenommen werden? Mit wem sprichst du wann? Der Plan ist dynamisch – du wirst ihn in den ersten Tagen laufend anpassen.

1. Anforderungen an deine Rolle verstehen. Was sind deine Kernaufgaben? Warum wurdest du eingestellt, und wann bist du in dieser Rolle erfolgreich? Wie sieht ein idealer Tages- und Wochenablauf aus? Leite das aus den Erwartungen deines direkten Vorgesetzten und des Unternehmens ab. Wenn möglich, interviewe deinen Vorgänger oder deinen Chef – aber bilde dir immer auch deine eigene Meinung. Die Stellenbeschreibung ist oft Außendarstellung; entscheidend ist, worauf es real ankommt.

2. Team und Mitarbeiter verstehen. Führe mit jedem Mitarbeiter ein Einzelgespräch, um die Menschen kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Verstehe die Kultur und die Beziehungen: Wer ist neu, wer alteingesessen, wo gibt es Konflikte, wer ist besonders ambitioniert und will Verantwortung übernehmen? Achte nicht nur auf Fachliches, sondern auch auf persönliche Ziele. Mach dir viele Notizen und systematisiere sie (bei zwei Mitarbeitern anders als bei dreißig). Ein Fragenkatalog hilft – gute Fragen dafür liefert The Coaching Habit.

3. Unternehmenskontext und Strukturen verstehen. Beginne mit der Strategie: Wie ist die langfristige Ausrichtung, was sind die strategischen Handlungsfelder, und wie zahlt dein Team darauf ein (Team-Strategie, Team- und Mitarbeiterziele)? Verstehe die Prozessarchitektur und Wertschöpfungskette (wo sind Engpässe und Verbesserungspotenziale?), Technologie und Infrastruktur (Systeme, ERP, je nach Bereich Maschinenpark/Instandhaltung) sowie Gewohnheiten und Routinen (welche Standard-Meetings, Dailies, welches QM-System?). Sauge alles auf und notiere viel.

Reflektieren und den eigenen Führungsstil entwickeln. Plane dir bewusst Zeit zum Reflektieren ein – auch wenn manchmal ein Unwohlsein aufkommt, weil du das Gefühl hast, keinen Beitrag zu leisten. Genau diese Grundlagenarbeit als Beobachter ist das Fundament für späteren Erfolg; widersteh dem Drang, deinen Tag sofort mit operativen Dingen zu füllen. Frag dich: Welche Art von Führungskraft willst du sein – für welche Führungskraft würdest du selbst gern arbeiten? Geh deinen Werten auf den Grund (es gibt nicht den einen pauschalen Stil, sondern deine Handschrift), und beobachte die Führungskultur im Unternehmen. Such dir Mentoren. Und nutze Just-in-Time-Learning: In dieser eindrucksreichen Phase sind gezielte Impulse und Bücher ein großer Hebel für eine steile Lernkurve.

Warum der größte Denkfehler angehender Führungskräfte vermeidbar ist, hörst du in Führungskraft werden. Wie du deinen eigenen, authentischen Stil findest, vertieft Führungsstil entwickeln. Und wie du die wichtigen 1:1-Gespräche meisterst, zeigt Mitarbeitergespräch führen.

Häufige Fragen zum Einstieg als Führungskraft

Was ist in den ersten 100 Tagen als Führungskraft am wichtigsten? Ruhe bewahren und in die Beobachter-Rolle gehen: Fragen stellen, zuhören, Rolle, Team und Unternehmen verstehen und Vertrauen aufbauen. Nicht sofort Veränderungen umsetzen – das Verstehen ist die eigentliche Arbeit dieser Phase.

Wie erstelle ich einen Einarbeitungsplan als neue Führungskraft? Erstelle ihn selbst (verlass dich nicht auf das Unternehmen) und plane deine ersten Wochen systematisch entlang von drei Bereichen: Anforderungen an deine Rolle, Team/Mitarbeiter und Unternehmenskontext. Der Plan ist dynamisch und wird laufend angepasst.

Sollte ich als neue Führungskraft sofort Veränderungen umsetzen? Nein. Voreiliges Handeln ist der häufigste Fehler. Verstehe zuerst die Zusammenhänge und gewinne Vertrauen – gerade als junge Führungskraft, der anfangs oft mit Skepsis begegnet wird.

Wie lerne ich mein Team als neue Führungskraft kennen? Führe mit jedem Mitarbeiter ein Einzelgespräch. Nutze einen Fragenkatalog, verstehe Stärken, Ziele, Beziehungen und die Konfliktkultur – und mach dir konsequent Notizen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Michael Bungay Stanier – The Coaching Habit: liefert gute Fragen für deine Mitarbeitergespräche und den Führungsalltag.

Mehr dazu in meinen Buchempfehlungen zu Führung.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Führung und Karriere für Ingenieure.

Transkript

In dieser Folge geht es um die erste Führungsposition – wie der Einstieg als Führungskraft gelingt. Das ist vor allem für dich spannend, wenn du neu in der Rolle bist; aber auch wer Führungskraft werden will oder in eine neue Rolle wechselt, profitiert. Eine neue Führungsrolle ist trotz Vorbereitung immer ein Sprung ins kalte Wasser – und genau deshalb ist Vorbereitung so wichtig: Sie bewahrt dich vor vielen Fehlern.

Das Allerwichtigste zuerst: Ruhe bewahren. In der Anfangsphase geht es nicht darum, sofort Dinge umzusetzen – im Gegenteil. Der größte Fehler, den ich immer wieder sehe, ist, dem Drang nachzugeben, schnell und voreilig zu handeln. Vielleicht bist du voller Tatendrang und hast viele Ideen. Mach dir aber bewusst: Gerade einer jungen Führungskraft begegnet man häufig mit Skepsis, oft von älteren Kollegen. Es geht darum, Vertrauen zu gewinnen, und das passiert nicht von heute auf morgen. Dein Fokus am Anfang ist die Beobachter-Rolle: Fragen stellen, zuhören, beobachten, die Dinge verstehen.

Das Allerwichtigste, um das systematisch anzugehen, ist ein Einarbeitungsplan. Verlass dich dabei nicht auf das Unternehmen – ich habe immer wieder festgestellt, dass das stiefmütterlich behandelt wird. Werde proaktiv, warte nicht auf andere und ärgere dich nicht, wenn du schlecht eingearbeitet wirst: Du hast es selbst in der Hand, wie gut deine ersten Schritte werden. Erstelle dir einen Einarbeitungsplan, ganz wie du möchtest – auf Papier, in Excel, Word oder einem vergleichbaren Tool. Es geht darum, deine Zeit für die nächsten Wochen systematisch zu planen. Das beginnt schon, bevor du die Rolle antrittst: Wie möchtest du dich dem Team vorstellen? Wie möchtest du wahrgenommen werden? Mit welchen Mitarbeitern und Personen aus anderen Bereichen möchtest du wann sprechen? Wann und wie willst du die Strukturen und Systeme des Unternehmens verstehen? Das ist ein dynamischer Plan – ein paar grundlegende Gedanken vorab, der Rest wird in den ersten Tagen und Wochen laufend angepasst. Er ist die Grundlage für die ersten Wochen in der neuen Rolle.

Erster großer Punkt: die Anforderungen und Erwartungen an dich und an die Rolle verstehen. Was sind deine Kernaufgaben, warum wurdest du eingestellt, und wann bist du in deiner Rolle erfolgreich? Wie sieht ein idealer Tagesablauf aus, wie könnte deine Wochenplanung aussehen? All das leitest du von den Anforderungen deines direkten Vorgesetzten und des Unternehmens ab. Wenn du Glück hast, kannst du deinen Vorgänger interviewen, oder deinen jetzigen Chef, der die Position vorher bekleidet hat. Wichtig ist: Alle Interviews und Fragen helfen, dein Bild zu formen – aber bilde dir immer auch deine eigene Meinung. Leite daraus ab, wie du effektiv arbeiten kannst und was die typischen Kernaktivitäten sind, die dich in der Rolle erfolgreich machen.

Nächster Punkt: Team und Mitarbeiter verstehen. Nach der Vorstellung im Team gilt es, sukzessive die Kultur und vor allem die Mitarbeiter selbst zu verstehen. Ich empfehle, mit jedem Mitarbeiter ein Einzelgespräch zu führen, um die Person kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Verstehe die Beziehungen untereinander: Gibt es Konflikte? Wer ist relativ neu, wer schon lange dabei? Wer hat welches Fachwissen, wer ist besonders ambitioniert und will Verantwortung übernehmen? Mach dir dazu Notizen – generell ist es in dieser Phase sehr wertvoll, viel zu notieren und zu reflektieren. Achte auch auf das Persönliche: Wo steht jeder beruflich und privat, was sind die persönlichen Ziele? Systematisiere das, ruhig in einer einfachen Tabelle, damit du den Überblick behältst. Bei zwei Mitarbeitern ist das etwas anderes als bei dreißig, aber fang im Kleinen an. Hilfreich ist ein Fragenkatalog – ich habe dazu mal ein Buch empfohlen, The Coaching Habit, in dem einige Fragen stecken, die gerade im Führungskontext helfen, etwa nach der größten Herausforderung oder den persönlichen Zielen. Sieh die ersten Mitarbeitergespräche als Lernprozess; sie müssen nicht zu formell sein, aber mach dir Gedanken zur Agenda. Geh in die Beobachter-Rolle, nimm auch an Meetings und Projektbesprechungen teil, ohne gleich die Moderation zu übernehmen – sei ein stiller Beobachter.

Nächster Punkt: den Unternehmenskontext und die Strukturen verstehen. Das beginnt mit der Strategie: Wie ist die langfristige Ausrichtung, was sind die langfristigen Ziele und strategischen Handlungsfelder, die das ganze Unternehmen betreffen? Heruntergebrochen: Inwieweit zahlen dein Team und dein Bereich darauf ein? Gibt es eine Team-Strategie, Team- und Mitarbeiterziele? Dann die Prozessarchitektur: die Geschäftsprozesse und die Wertschöpfungskette, etwa Produktionsprozesse – wo sind Verbesserungspotenziale und Engpässe? Diese Fragen kannst du auch deinem Team stellen. Dazu Technologie und Infrastruktur, je nach Bereich: Maschinenpark und Instandhaltung im Produktionsbetrieb, oder ERP- und IT-Systeme. Und schließlich Gewohnheiten und Routinen: Welche Standard-Meetings gibt es, gibt es Dailies oder wöchentliche Meetings, wie sieht das Qualitätsmanagementsystem aus? Sauge all das auf und mach dir so viele Notizen wie möglich.

Und damit zum wichtigsten Punkt dieser Anfangsphase: Nimm dir Zeit zum Reflektieren – plane sie bewusst ein. Ich habe von vielen gehört, dass in der Anfangsphase ein Unwohlsein aufkommt, weil man das Gefühl hat, man müsse sofort die Ärmel hochkrempeln und loslegen. Dagegen musst du dich wehren. Auch wenn du manchmal das Gefühl hast, keinen Beitrag zu leisten: Diese fundamentale Arbeit als Beobachter ist die wichtigste Arbeit, um später in der Rolle erfolgreich zu sein. Widersteh dem Drang, deinen Tag direkt mit operativen Dingen zu füllen. Neben den drei Themen – Rolle, Mitarbeiter und Unternehmenskontext – solltest du immer auch an deinem Führungsverständnis und deinem eigenen Führungsstil arbeiten. Frag dich: Welche Art von Führungskraft willst du sein? Eine hilfreiche Frage ist, wie die Führungskraft aussieht, für die du selbst gern arbeiten würdest. Geh deinen Werten auf den Grund – sie sind die Basis für deinen persönlichen Führungsstil. Es gibt nicht den einen pauschalen Stil, der immer funktioniert; es ist dein authentischer, eigener Stil, deine Handschrift. Beobachte dabei die Führungskultur im Unternehmen: Welche Führungskräfte gibt es, welche Stile werden angewandt, wie ist der Umgang mit Mitarbeitern? Vielleicht findest du auch Mentoren im Unternehmen, unabhängig von deinem Chef.

Eine der wichtigsten Komponenten in diesem Reflexionsprozess ist – neben dem Austausch mit Mentoren – das Just-in-Time-Learning. Wenn du neu in die Führungsrolle einsteigst, gewinnst du sehr viele neue Eindrücke, und gerade dann ist es wichtig, gezielt zu lernen und Impulse zu bekommen, die dein Reflektieren anregen. Es gibt viele tolle Bücher, die in diesem Kontext helfen. Just-in-Time-Learning ist für mich ein großer Hebel, um in der Anfangsphase dein Führungsverständnis reifen zu lassen, dir deiner Werte bewusst zu werden und Schritt für Schritt deinen eigenen Stil zu entwickeln.

Zusammengefasst: Das Wichtigste am Anfang ist, Ruhe zu bewahren und den Fokus auf die Beobachter-Rolle zu legen – verstehen, indem du Fragen stellst, Interviews führst und zuhörst. Mach nicht den Fehler, voreilig zu handeln, und arbeite daran, Vertrauen zu gewinnen. Dein Einarbeitungsplan ist das Leitdokument dieser Phase: dein Zeitplan, die Anforderungen an die Rolle (Stellenbeschreibung vs. Realität), Team und Mitarbeiter (Kernaufgaben, Stärken, Kultur, Konfliktkultur) und der Unternehmenskontext (Strategie, Prozesse, Technologie, Systeme). Nutze die Zeit, um in die Lernphase einzusteigen, zu reflektieren und deinen eigenen Führungsstil zu entwickeln. Wenn du gerade in dieser Situation bist: Glückwunsch zur ersten Rolle – das ist eine spannende Phase, in der du unglaublich viel lernen kannst. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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