Eigenschaften einer Führungspersönlichkeit: Woran du gute Führung wirklich erkennst

Gute Führung hat wenig mit dem Titel auf der Visitenkarte zu tun. Sie zeigt sich im Verhalten – Tag für Tag, in kleinen Momenten.

In dieser Folge habe ich 14 Merkmale zusammengetragen. Aus meiner eigenen Erfahrung, aus vielen Coaching-Gesprächen und aus den Antworten meiner Community, die ich dazu gefragt habe.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Führung ist Verantwortung, kein Titel. Du musst keine disziplinarische Rolle haben, um zu führen. Wer proaktiv Verantwortung übernimmt, führt schon heute.
  • Vertrauen schlägt Kontrolle. Ein Team ist dann am produktivsten, wenn niemand Angst vor Fehlern haben muss. Diesen sicheren Rahmen zu schaffen, ist Kernaufgabe.
  • „Wir“ statt „ich“. Level-5-Führungskräfte reden nachweislich mehr über das Team als über sich selbst. Das Ego tritt zurück.
  • Zuhören und Fragen stellen sind Kompetenzen. Beides lässt sich lernen und entwickeln – am Anfang hilft ein einfacher Spickzettel mit guten Fragen.
  • Gute Führung macht sich selbst überflüssig. Je unabhängiger dein Team von dir wird, desto wertvoller wirst du. Abhängigkeit ist keine Sicherheit, sondern eine Bremse.

Die 14 Merkmale im Detail

  1. Verantwortung übernehmen. Der zentralste Punkt. Führung heißt, Verantwortung zu tragen – auch ohne offiziellen Titel. Wer führen will, sucht aktiv nach mehr Verantwortung, statt sich ihr zu entziehen.
  2. Vertrauen schenken. Simon Sinek nennt es den „Circle of Safety“: Menschen leisten Höchstleistung, wenn sie sich sicher fühlen und keine Angst vor Fehlern haben müssen. Diese Vertrauensebene zu schaffen, ist Führungsarbeit.
  3. Anerkennung und Wertschätzung geben. „Wer mit Anerkennung knausert, spart am falschen Ort.“ Wertschätzung ist keine Taktik, sondern ein Grundbestandteil im Umgang mit Menschen.
  4. Begeisterung entfachen. Gute Führung wirkt über Pull, nicht über Push. Wenn du selbst für eine Sache brennst, reißt du andere mit – ganz ohne Zwang oder Anweisung.
  5. „Wir“ statt „ich“ sagen. Jim Collins hat es gemessen: Spitzen-Führungskräfte sprechen deutlich häufiger von „wir“. Achte einmal darauf, wie die Führungskräfte in deinem Umfeld reden.
  6. Zuhören und Fragen stellen. Aktives Zuhören ist leichter gesagt als getan. Hochwertige Fragen wie „Was beschäftigt dich gerade?“ oder „Wie kann ich dich unterstützen?“ verändern jede Beziehung.
  7. Sich über den Erfolg anderer freuen. Es geht nicht ums eigene Ego, sondern darum, andere besser zu machen. Das ist die Rolle des Coaches: Richtung geben und Menschen befähigen.
  8. Offen für Neues sein. Veränderungsbereitschaft ist entscheidend. Wer sich gegen jede Neuerung querstellt, wird zum Problem – gerade in Zeiten von Wandel und Digitalisierung.
  9. Entwicklung fördern. Erst bei sich selbst durch lebenslanges Lernen, dann bei anderen. Nimm dir Zeit für Eins-zu-eins-Gespräche, in denen die Ziele deiner Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen.
  10. Sich schützend vors Team stellen. Kein Finger-Pointing, kein Abwälzen von Schuld. Wer Verantwortung übernimmt, deckt sein Team – vor der eigenen Führung und vor Kunden.
  11. Toxische Mitarbeiter nicht ignorieren. Level-5-Führung verbindet Bescheidenheit mit professioneller Entschlossenheit. Wenn alle Maßnahmen scheitern, gehört auch die harte Entscheidung dazu – rechtzeitig, nicht auf die lange Bank geschoben.
  12. Resultate liefern. Das große Ganze im Blick behalten: Wer sind die Kunden, wie lösen wir ihre Probleme? Prioritäten setzen, Entscheidungen treffen, die richtigen Leute an Bord halten.
  13. Sich selbst überflüssig machen. Baue ein Team, das dich immer weniger braucht. Das klingt paradox, macht dich aber wertvoller – und befreit dich aus dem operativen Hamsterrad.
  14. Lernbereit bleiben. Kritikfähigkeit, Neugier, die Bereitschaft, diese Liste selbst zu ergänzen. Guter Führungsstil ist dynamisch und entwickelt sich ständig weiter.

Wenn du tiefer einsteigen willst, hör dir auch die Folge dazu an, was eine gute Führungskraft ausmacht. Ergänzend lohnt der Blick auf die konkreten Führungsqualitäten, die im Alltag den Unterschied machen. Und wer den roten Faden hinter vielen dieser Merkmale sucht, findet ihn im Prinzip von Servant Leadership – dienen statt herrschen.

Häufige Fragen zu Eigenschaften einer Führungspersönlichkeit

Was macht eine gute Führungspersönlichkeit aus? Eine gute Führungspersönlichkeit übernimmt Verantwortung, schenkt Vertrauen, gibt Anerkennung, hört aktiv zu und stellt das Team über das eigene Ego. Sie entwickelt Menschen, liefert Resultate und bleibt selbst lernbereit.

Braucht man einen Titel, um zu führen? Nein. Führung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – das ist auch ohne disziplinarische Rolle möglich. Wer proaktiv Verantwortung sucht, übt schon heute Führung aus.

Was ist eine Level-5-Führungskraft? Der Begriff stammt von Jim Collins. Eine Level-5-Führungskraft verbindet persönliche Bescheidenheit mit professioneller Entschlossenheit. Sie stellt das Team in den Vordergrund, handelt aber konsequent im Sinne des Unternehmens.

Warum sollte eine Führungskraft sich selbst überflüssig machen? Weil ein Team, das dich nicht ständig braucht, ein Zeichen guter Führung ist. Je unabhängiger dein Team arbeitet, desto wertvoller wirst du – und desto freier bist du für strategische Aufgaben.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Simon Sinek – Leaders Eat Last: Quelle für den „Circle of Safety“ – warum Sicherheit im Team die Basis für Höchstleistung ist.
  • Jim Collins – Der Weg zu den Besten: Ursprung des Konzepts der Level-5-Führungskraft aus Bescheidenheit und Entschlossenheit.
  • Michael Bungay Stanier – The Coaching Habit: Sieben Fragen, die deine Rolle als Coach und Führungskraft sofort im Alltag verbessern.
  • Dale Carnegie – Wie man Freunde gewinnt: Grundlagen zu Anerkennung, echtem Interesse und wertschätzendem Umgang mit Menschen.

Weitere Titel dazu findest du in meinen Buchempfehlungen zur Führung.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema Führung.

Transkript

Herzlich willkommen zu Folge 49. Das Thema heute: 14 Merkmale einer guten Führungspersönlichkeit. Ich bringe ein paar Gedanken aus meiner eigenen Erfahrung mit ein, aber auch aus vielen Coaching-Gesprächen und aus dem, was ich daraus gezogen habe. Und ich habe dieses Thema als Frage in meine Community gestellt. In den letzten Wochen kamen unglaublich tolle Antworten, die ich hier mit dir teilen möchte. Also: 14 Merkmale einer guten Führungspersönlichkeit.

Punkt eins ist ein ganz zentrales Thema: Eine gute Führungspersönlichkeit übernimmt Verantwortung. Das klingt banal, ist aber einer der zentralsten Punkte. Das Verständnis dahinter ist, dass Führungskraft zu sein nicht bedeutet, den Titel zu tragen. Du musst keinen Titel haben, um zu führen. Führung heißt, Verantwortung zu übernehmen. Gerade wer das Ziel hat, Führungskraft zu werden, kann das schon jetzt in jeder Rolle üben. Wenn du noch nicht offiziell Führungskraft bist, hast du vielleicht noch keine disziplinarische Verantwortung – aber du kannst trotzdem Verantwortung übernehmen. Und das wird sich in allen anderen Punkten widerspiegeln. Es gibt viele Führungskräfte, die versuchen, sich dieser Verantwortung zu entziehen. Wenn du führen willst, solltest du immer den Blick darauf haben: Wie kannst du proaktiv möglichst viel Verantwortung übernehmen? Eine gute Führungspersönlichkeit übernimmt Verantwortung.

Zweiter Punkt, unglaublich wichtig: Sie schenkt Vertrauen. Gerade in verschiedenen Gesprächen mit Coachees stelle ich fest, dass das oft ein Mangel im Umfeld einer Führungskraft ist – dass zu wenig Vertrauen geschenkt wird und eine gewisse Skepsis herrscht. Dazu passt ein Punkt von Simon Sinek, den „Circle of Safety“ aus seinem Buch „Leaders Eat Last“. Es gibt einen sehr inspirierenden Vortrag von ihm auf YouTube, den ich dir ans Herz lege. „Circle of Safety“ oder psychologische Sicherheit ist ein zentrales Element moderner Führung. Wenn es um High-Performance-Teams geht, um wirklich effektive Teamarbeit, dann sind Mitarbeiter am produktivsten, wenn sie sich sicher fühlen – wenn sie sich keine Sorgen machen müssen, was passiert, wenn sie einen Fehler machen, oder ob der Chef gleich hinter ihnen steht und Ärger macht. Diese Vertrauensebene im Team zu schaffen, ist eine große und wichtige Aufgabe einer Führungskraft. Eine gute Führungspersönlichkeit schenkt Vertrauen.

Punkt drei, genauso zentral: Sie gibt Anerkennung und Wertschätzung. Ich habe dazu vor Kurzem einen Post abgesetzt, und es kam eine hitzige Diskussion auf. Anerkennung und Wertschätzung sind grundlegende Dinge im Umgang mit Menschen. Wenn du das Buch „Wie man Freunde gewinnt“ von Dale Carnegie noch nicht gelesen hast, solltest du das nachholen. Es ist Pflichtlektüre für jede ambitionierte Persönlichkeit. Ein Satz daraus: Wer mit Anerkennung knausert, spart am falschen Ort. Das bringt es sehr gut auf den Punkt. Wenn man keine Anerkennung und Wertschätzung für das bekommt, was man tut, ist das ein riesiges Defizit und sorgt für einen Mangel an Motivation. Eine gute Führungspersönlichkeit hat das verinnerlicht und gibt Anerkennung – nicht taktisch und gezielt, sondern als selbstverständlichen Bestandteil ihres Charakters. Punkt drei: Sie gibt Anerkennung und Wertschätzung.

Punkt vier: Eine gute Führungspersönlichkeit entzündet das Feuer in Menschen. Diese Formulierung fand ich spannend, als ich sie gelesen habe. Es ist wirklich so, dass es entscheidend ist, ob eine Person Begeisterung übertragen kann. Solche Menschen reißen dich mit, wenn sie von etwas begeistert sind. Wichtig zu verstehen: Wenn du andere positiv beeinflussen willst – im Sinne des Teams, im Sinne des Unternehmens –, dann funktioniert das über Pull statt Push. Push bedeutet: „Ich habe diese Meinung, und du musst es so machen, wie ich sage.“ Klare Anweisung. Und du wirst merken, das funktioniert nicht gut, es erzeugt Widerstände. Was aber funktioniert, ist Pull: Wenn du echte Begeisterung für ein Thema zeigst, für das du brennst, werden andere hellhörig, stellen Fragen, werden neugierig. Und du überträgst diese Begeisterung. Wenn du wirklich für den Erfolg und die Ziele des Unternehmens brennst, wirst du automatisch merken, dass du das Feuer auch in anderen entzündest. Das gelingt, indem du dich für die Dinge begeisterst, an denen du arbeitest, und wirklich dahinterstehst.

Punkt fünf, ganz wichtig: Eine gute Führungspersönlichkeit sagt „wir“ statt „ich“. Hier verweise ich wieder auf eine Studie von Jim Collins, die er in seinem Buch „Der Weg zu den Besten“ beschreibt. Es geht um die Frage: Was zeichnet Spitzenunternehmen aus? Ein Merkmal ist eine bestimmte Art von Führungskräften – die sogenannten Level-5-Führungskräfte. Spannend ist der Hintergrund, wie diese Studie entstanden ist. Man hat quantitativ untersucht, wie sich diese Unternehmer und Geschäftsführer verhalten, zum Beispiel in öffentlichen Reden. Man hat sogar Wörter gezählt. Ein ganz klares Merkmal war: Bei den guten Führungskräften kam das Wort „wir“ deutlich häufiger vor, bei den weniger guten stand das Wort „ich“ im Vordergrund. Dieses Merkmal – „wir“ statt „ich“ – kannst du wörtlich nehmen. Reflektiere einmal in deinem Umfeld: Reden die Führungskräfte mehr aus der Ich-Perspektive oder mehr aus dem Wir?

Sechstens: Eine gute Führungspersönlichkeit hört zu. Das klingt sehr banal, aber ich merke immer wieder, dass es eine riesige Kompetenz ist, die den meisten Leuten fehlt. Aktives Zuhören ist wirklich leichter gesagt als getan, und es geht Hand in Hand mit der Kompetenz, Fragen zu stellen. Dazu eine spannende Studie: Man wollte herausfinden, was passiert, wenn Menschen sich gegenseitig besser zuhören und tiefergehende Fragen stellen. Man hat einander unbekannte Personen in Paare zusammengeführt und sie sich gegenseitig über dreißig sehr tiefgehende Fragen stellen lassen – Fragen, die man im Alltag selten stellt. Die Erkenntnis: Im Nachgang sind daraus unglaublich viele Freundschaften entstanden. Das lag an zweierlei: Erstens hört bei solchen Fragen immer eine Partei zu. Zweitens gibt man Dinge von sich preis, die man im Alltag nicht sagen würde. Das hat mir gezeigt, wie wertvoll es ist, Fragen zu stellen. Als Führungskraft empfehle ich dir das Buch „The Coaching Habit“. Am Ende bist du als Führungskraft auch Coach, und das bedeutet, Fragen zu stellen. In dem Buch bekommst du sieben, acht Fragen an die Hand, die dir unmittelbar im Alltag helfen. Hochqualitative Fragen zu stellen ist eine ganz wichtige Eigenschaft.

Falls du jetzt einwendest: „Das klingt logisch, aber mir fallen keine Fragen ein“ – kein Problem. Das ist eine Kompetenz wie jede andere, die man über die Zeit entwickelt. Am Anfang empfehle ich, einen kleinen Spickzettel zu schreiben. Gute Vorbereitung ist das A und O. Mit der Zeit wirst du besser und entwickelst einen ganzen Strauß an Fragen. Gute Basisfragen für Führungskräfte sind: „Was beschäftigt dich gerade?“, „Was ist deine größte Herausforderung?“, „Wie kann ich dich dabei unterstützen?“ Solche Fragen sollte man im Portfolio haben. Es gibt viele weitere Fragen, die deine Führungstätigkeit erleichtern und jede menschliche Beziehung beflügeln. Eine gute Führungspersönlichkeit hört zu – und dazu gehört, gute Fragen zu stellen.

Punkt sieben: Sie findet Freude am Erfolg anderer. Das rundet das Thema von Punkt fünf ab. „Wir“ statt „ich“ bedeutet auch: Es geht nicht um mich, nicht um mein Ego, sondern darum, andere besser zu machen. Dazu gehört, die Rolle des Coaches zu verstehen. Ein Coach hat zwei Aufgaben: Erstens eine klare Richtung vorgeben, priorisieren und gemeinsam mit dem Team synchronisieren – das Big Picture immer vor Augen haben. Zweitens die Mitarbeiter unterstützen und befähigen. Nimm dein Ego zur Seite und freue dich, wenn andere in deinem Umfeld Erfolge erzielen.

Punkt acht: Eine gute Führungspersönlichkeit ist offen für Neues. „Open minded“ – ganz wichtig ist das Thema Veränderungsbereitschaft. Eine kleine Story dazu: Ich habe mit jemandem telefoniert, der von einem klassischen Problem im Mittelstand erzählt hat. Mit Corona kam das Thema Digitalisierung auf den Tisch, viele mussten ins Homeoffice und sich verändern. Eine Kollegin hat sich komplett quergestellt und gesagt: „Das funktioniert nicht, ich kann nicht ins Homeoffice, weil ich immer alles ausdrucke.“ Natürlich gibt es dafür digitale Lösungen – aber darum geht es gar nicht. Es geht um die Veränderungsbereitschaft. Viele Menschen sind Gewohnheitstiere, sie fallen in Routinen, und Veränderung fällt schwer. Change-Management und persönliche Entwicklung sind zentrale Aufgaben und die größten Herausforderungen einer Führungspersönlichkeit. Wenn du als Führungskraft selbst nicht veränderungsbereit bist, ist das ein großes Problem. Eine gute Führungspersönlichkeit ist offen für Neues und hat eine gewisse Veränderungsbereitschaft – vielleicht sogar eine Liebe für Veränderung, den Wunsch nach Neuem, das Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung. Sich zu entwickeln bedeutet, sich zu verändern.

Punkt neun geht damit einher: Sie legt Wert auf Entwicklung. Das beginnt bei einem selbst – Stichwort lebenslanges Lernen und lernende Organisation. Nicht ohne Grund sage ich immer wieder: Das Thema Lesen ist ganz wichtig, weil Lesen eine zentrale Quelle des Lernens ist. Wer damit noch nicht vertraut ist, dem lege ich Bücher wie „Wie man Freunde gewinnt“ von Carnegie ans Herz. Das ist eine unglaublich tolle Quelle für Input und Inspiration zur Eigenentwicklung. Spannend ist auch: Viele Coachees, die in diesen Prozess einsteigen, sind verwundert, dass ihre Führungskräfte und ihr Umfeld überhaupt nicht lernen, dass alle stagnieren, keiner ein Sachbuch in der Hand hat und niemand je eine Buchempfehlung bekommen hat. Das ist schade und aus meiner Sicht eine Grundvoraussetzung guter Führung.

Eine gute Führungspersönlichkeit legt aber auch Wert auf die Entwicklung anderer. Als Coach bedeutet das, sich Zeit zu nehmen für Eins-zu-eins-Gespräche, in denen wirklich nur die persönlichen Ziele des Mitarbeiters im Fokus stehen. Das ist sein Meeting, seine Agenda. Eine schöne Geste, von der ich schon oft positive Rückmeldung gehört habe: eine Führungskraft, die ihrem Mitarbeiter ein Buch schenkt. Tolle Symbolik und ein gutes Mittel, um Lernkompetenz weiterzutragen. Nimm die Entwicklungsplanung deiner Mitarbeiter ernst. Jeder wünscht sich, von seiner Führungskraft entwickelt zu werden. Also frag dich: Wie gut bist du als Coach? Wie wichtig ist dir die Entwicklung deiner Mitarbeiter, und wie viel Zeit nimmst du dir wirklich dafür?

Punkt zehn kommt von zwei Menschen aus meiner Community, die es bekräftigt haben: Eine gute Führungspersönlichkeit stellt sich schützend vor ihr Team. Da sind wir wieder beim Gedanken „wir statt ich“, Ego zur Seite. Es löst unglaubliche Demotivation aus, wenn ein Chef in Führungskreisen mit dem Finger auf andere zeigt: „Ich habe es ja gesagt, aber mein Team hat es nicht umgesetzt.“ Das ist ein klares Signal dafür, dass diese Führungskraft keine Verantwortung übernimmt. Sich schützend vor das Team zu stellen, ist einer der wichtigsten Faktoren überhaupt. Wer das nicht tut, denkt nur an sein eigenes Gesicht – und verliert den Rückhalt des Teams.

Punkt elf, ebenfalls aus der Community: Eine gute Führungspersönlichkeit ignoriert toxische Mitarbeiter nicht. Hier sind wir wieder bei Collins‘ Level-5-Führungskraft. Sie zeichnet sich durch die Mischung aus Bescheidenheit und professioneller Entschlossenheit aus. Bescheidenheit heißt, das Ego steht im Hintergrund und die Erfolge des Teams stehen im Vordergrund. Professionelle Entschlossenheit heißt, immer im Sinne des Unternehmens und des Teams zu handeln. Als Coach tust du zunächst alles für die Entwicklung eines Mitarbeiters. Wenn du aber feststellst, dass alle Maßnahmen nicht funktionieren und jemand wirklich toxisch für das Team ist, dann gehört es zur guten Führung, diese Entschlossenheit zu zeigen, die harte Entscheidung zu treffen und auch ein Abmahnungs- oder Trennungsgespräch zu führen. Wichtig ist, das nicht unnötig auf die lange Bank zu schieben. Die größte Herausforderung ist, den richtigen Zeitpunkt einzuschätzen – aber auch darin wird man mit der Zeit besser.

Punkt zwölf, ebenfalls aus der Community: Get the job done. Der Fokus muss immer auf Resultaten liegen. Behalte das Big Picture vor Augen: Worum geht es im Unternehmen? Wer sind die Kunden? Wie werden sie zufrieden? Wie lösen wir ihre Probleme wirklich? Handle immer im Sinne des Unternehmens, setze die richtigen Prioritäten und triff Entscheidungen richtig. Arbeite heraus, was deine berufliche Mission ist – deine Daseinsberechtigung in deiner Rolle und die deines Teams. Denk an das Pareto-Prinzip: Mit zwanzig Prozent des Aufwands achtzig Prozent des Ergebnisses erzielen. Es kommt auf die Fähigkeit zur Priorisierung an. Eine zentrale Kompetenz ist die Entscheidungsfähigkeit. Ein Zitat, das ich sinngemäß gehört habe: Als Geschäftsführer hast du zwei Aufgaben, für die du bezahlt wirst – erstens Entscheidungen treffen, zweitens Hiring und Firing. Also die richtigen Entscheidungen treffen, um Ergebnisse zu erzielen, und durch Einstellung und Trennung dafür sorgen, dass immer das beste Team an Bord ist.

Punkt dreizehn, den ich gerade erst im Coaching mitbekommen habe und sehr spannend fand: Eine gute Führungspersönlichkeit versucht, sich selbst überflüssig zu machen. Das klingt paradox. Eine gute Führungspersönlichkeit sollte niemals das Ziel haben, das Unternehmen von sich abhängig zu machen. Je unabhängiger das Unternehmen von dir ist, desto wertvoller wirst du. Das Ziel ist, ein High-Performance-Team aufzubauen und im besten Fall dafür zu sorgen, dass es dich irgendwann nicht mehr braucht. Denn dann sagt das Unternehmen: Was für einen genialen Job hast du geleistet – jetzt übernimmst du die nächste Aufgabe, oder du steigst eine Ebene weiter, arbeitest strategischer mit, leitest den Wandel und betreibst Unternehmensentwicklung. Es geht darum, Strukturen und ein Führungssystem aufzubauen, das unabhängig von deiner Person funktioniert. Wenn du dich dagegen im operativen Geschäft verwurzelst und alles über deinen Schreibtisch läuft, baust du dir selbst Barrieren. Das tut deinem Ego vielleicht gut, weil du dich gebraucht fühlst – aber du bleibst im Hamsterrad gefangen. Eine gute Führungskraft versucht, sich selbst überflüssig zu machen.

Punkt vierzehn rundet die Liste wunderbar ab, er kommt ebenfalls aus der Community: Eine gute Führungspersönlichkeit ist immer bereit, dieser Liste noch etwas hinzuzufügen. Das vereint einige Gedanken von vorher – Kritikfähigkeit, Lernbereitschaft, den Wunsch, sich weiterzuentwickeln. Wenn du in das Thema Lesen und Lernen einsteigst und das proaktiv machst, wirst du unglaublich viel Inspiration finden. Du wirst immer Neues dazulernen, und dein eigener Führungsstil sowie dein Bild moderner Führung werden sich immer wieder anpassen und dynamisch bleiben. Offen zu sein, „open minded“, ist ein riesengroßer Punkt. Lernkompetenz, Veränderungsbereitschaft und Kritikfähigkeit sind ganz zentrale Aspekte.

Ich lade dich ein, in deinem Umfeld zu reflektieren: Wie sind deine aktuellen Führungskräfte? Wie sind die Menschen, die du kennst? Bringen sie diese zentralen Punkte mit, oder fehlen sie? Und wie möchtest du selbst als Führungspersönlichkeit wahrgenommen werden? Frag dich auch: Hast du inspirierende Vorbilder? Viele antworten mit Nein. Das ist ein natürlicher Startpunkt. Bei mir ist es witzigerweise so, dass ich beim Vorbereiten dieser Folge wieder auf eine Person gestoßen bin, die mittlerweile zu meinen großen Vorbildern gehört – über ein Buch bin ich auf sie aufmerksam geworden. Man kann das nicht alles von Minute eins an planen, aber mit der Zeit, wenn man sich an spannenden Persönlichkeiten orientiert, findet man sie. Der Austausch mit Gleichgesinnten ist unglaublich wertvoll und immer wieder eine neue Inspirationsquelle für Lernfähigkeit und Veränderungsbereitschaft.

Ein Punkt noch zum Abschluss, der mir spontan einfällt: Optimismus und eine positive Einstellung. Ganz wichtige Faktoren. Ich hoffe, du konntest einiges aus dieser Folge mitnehmen. Es war breit gefächert. Das soll es für heute gewesen sein.

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Eigenschaften einer Führungspersönlichkeit: Woran du gute Führung wirklich erkennst

Gute Führung hat wenig mit dem Titel auf der Visitenkarte zu tun. Sie zeigt sich im Verhalten – Tag für Tag, in kleinen Momenten.

In dieser Folge habe ich 14 Merkmale zusammengetragen. Aus meiner eigenen Erfahrung, aus vielen Coaching-Gesprächen und aus den Antworten meiner Community, die ich dazu gefragt habe.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Führung ist Verantwortung, kein Titel. Du musst keine disziplinarische Rolle haben, um zu führen. Wer proaktiv Verantwortung übernimmt, führt schon heute.
  • Vertrauen schlägt Kontrolle. Ein Team ist dann am produktivsten, wenn niemand Angst vor Fehlern haben muss. Diesen sicheren Rahmen zu schaffen, ist Kernaufgabe.
  • „Wir“ statt „ich“. Level-5-Führungskräfte reden nachweislich mehr über das Team als über sich selbst. Das Ego tritt zurück.
  • Zuhören und Fragen stellen sind Kompetenzen. Beides lässt sich lernen und entwickeln – am Anfang hilft ein einfacher Spickzettel mit guten Fragen.
  • Gute Führung macht sich selbst überflüssig. Je unabhängiger dein Team von dir wird, desto wertvoller wirst du. Abhängigkeit ist keine Sicherheit, sondern eine Bremse.

Die 14 Merkmale im Detail

  1. Verantwortung übernehmen. Der zentralste Punkt. Führung heißt, Verantwortung zu tragen – auch ohne offiziellen Titel. Wer führen will, sucht aktiv nach mehr Verantwortung, statt sich ihr zu entziehen.
  2. Vertrauen schenken. Simon Sinek nennt es den „Circle of Safety“: Menschen leisten Höchstleistung, wenn sie sich sicher fühlen und keine Angst vor Fehlern haben müssen. Diese Vertrauensebene zu schaffen, ist Führungsarbeit.
  3. Anerkennung und Wertschätzung geben. „Wer mit Anerkennung knausert, spart am falschen Ort.“ Wertschätzung ist keine Taktik, sondern ein Grundbestandteil im Umgang mit Menschen.
  4. Begeisterung entfachen. Gute Führung wirkt über Pull, nicht über Push. Wenn du selbst für eine Sache brennst, reißt du andere mit – ganz ohne Zwang oder Anweisung.
  5. „Wir“ statt „ich“ sagen. Jim Collins hat es gemessen: Spitzen-Führungskräfte sprechen deutlich häufiger von „wir“. Achte einmal darauf, wie die Führungskräfte in deinem Umfeld reden.
  6. Zuhören und Fragen stellen. Aktives Zuhören ist leichter gesagt als getan. Hochwertige Fragen wie „Was beschäftigt dich gerade?“ oder „Wie kann ich dich unterstützen?“ verändern jede Beziehung.
  7. Sich über den Erfolg anderer freuen. Es geht nicht ums eigene Ego, sondern darum, andere besser zu machen. Das ist die Rolle des Coaches: Richtung geben und Menschen befähigen.
  8. Offen für Neues sein. Veränderungsbereitschaft ist entscheidend. Wer sich gegen jede Neuerung querstellt, wird zum Problem – gerade in Zeiten von Wandel und Digitalisierung.
  9. Entwicklung fördern. Erst bei sich selbst durch lebenslanges Lernen, dann bei anderen. Nimm dir Zeit für Eins-zu-eins-Gespräche, in denen die Ziele deiner Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen.
  10. Sich schützend vors Team stellen. Kein Finger-Pointing, kein Abwälzen von Schuld. Wer Verantwortung übernimmt, deckt sein Team – vor der eigenen Führung und vor Kunden.
  11. Toxische Mitarbeiter nicht ignorieren. Level-5-Führung verbindet Bescheidenheit mit professioneller Entschlossenheit. Wenn alle Maßnahmen scheitern, gehört auch die harte Entscheidung dazu – rechtzeitig, nicht auf die lange Bank geschoben.
  12. Resultate liefern. Das große Ganze im Blick behalten: Wer sind die Kunden, wie lösen wir ihre Probleme? Prioritäten setzen, Entscheidungen treffen, die richtigen Leute an Bord halten.
  13. Sich selbst überflüssig machen. Baue ein Team, das dich immer weniger braucht. Das klingt paradox, macht dich aber wertvoller – und befreit dich aus dem operativen Hamsterrad.
  14. Lernbereit bleiben. Kritikfähigkeit, Neugier, die Bereitschaft, diese Liste selbst zu ergänzen. Guter Führungsstil ist dynamisch und entwickelt sich ständig weiter.

Wenn du tiefer einsteigen willst, hör dir auch die Folge dazu an, was eine gute Führungskraft ausmacht. Ergänzend lohnt der Blick auf die konkreten Führungsqualitäten, die im Alltag den Unterschied machen. Und wer den roten Faden hinter vielen dieser Merkmale sucht, findet ihn im Prinzip von Servant Leadership – dienen statt herrschen.

Häufige Fragen zu Eigenschaften einer Führungspersönlichkeit

Was macht eine gute Führungspersönlichkeit aus? Eine gute Führungspersönlichkeit übernimmt Verantwortung, schenkt Vertrauen, gibt Anerkennung, hört aktiv zu und stellt das Team über das eigene Ego. Sie entwickelt Menschen, liefert Resultate und bleibt selbst lernbereit.

Braucht man einen Titel, um zu führen? Nein. Führung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – das ist auch ohne disziplinarische Rolle möglich. Wer proaktiv Verantwortung sucht, übt schon heute Führung aus.

Was ist eine Level-5-Führungskraft? Der Begriff stammt von Jim Collins. Eine Level-5-Führungskraft verbindet persönliche Bescheidenheit mit professioneller Entschlossenheit. Sie stellt das Team in den Vordergrund, handelt aber konsequent im Sinne des Unternehmens.

Warum sollte eine Führungskraft sich selbst überflüssig machen? Weil ein Team, das dich nicht ständig braucht, ein Zeichen guter Führung ist. Je unabhängiger dein Team arbeitet, desto wertvoller wirst du – und desto freier bist du für strategische Aufgaben.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

  • Simon Sinek – Leaders Eat Last: Quelle für den „Circle of Safety“ – warum Sicherheit im Team die Basis für Höchstleistung ist.
  • Jim Collins – Der Weg zu den Besten: Ursprung des Konzepts der Level-5-Führungskraft aus Bescheidenheit und Entschlossenheit.
  • Michael Bungay Stanier – The Coaching Habit: Sieben Fragen, die deine Rolle als Coach und Führungskraft sofort im Alltag verbessern.
  • Dale Carnegie – Wie man Freunde gewinnt: Grundlagen zu Anerkennung, echtem Interesse und wertschätzendem Umgang mit Menschen.

Weitere Titel dazu findest du in meinen Buchempfehlungen zur Führung.

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Diese Folge gehört zum Thema Führung.

Transkript

Herzlich willkommen zu Folge 49. Das Thema heute: 14 Merkmale einer guten Führungspersönlichkeit. Ich bringe ein paar Gedanken aus meiner eigenen Erfahrung mit ein, aber auch aus vielen Coaching-Gesprächen und aus dem, was ich daraus gezogen habe. Und ich habe dieses Thema als Frage in meine Community gestellt. In den letzten Wochen kamen unglaublich tolle Antworten, die ich hier mit dir teilen möchte. Also: 14 Merkmale einer guten Führungspersönlichkeit.

Punkt eins ist ein ganz zentrales Thema: Eine gute Führungspersönlichkeit übernimmt Verantwortung. Das klingt banal, ist aber einer der zentralsten Punkte. Das Verständnis dahinter ist, dass Führungskraft zu sein nicht bedeutet, den Titel zu tragen. Du musst keinen Titel haben, um zu führen. Führung heißt, Verantwortung zu übernehmen. Gerade wer das Ziel hat, Führungskraft zu werden, kann das schon jetzt in jeder Rolle üben. Wenn du noch nicht offiziell Führungskraft bist, hast du vielleicht noch keine disziplinarische Verantwortung – aber du kannst trotzdem Verantwortung übernehmen. Und das wird sich in allen anderen Punkten widerspiegeln. Es gibt viele Führungskräfte, die versuchen, sich dieser Verantwortung zu entziehen. Wenn du führen willst, solltest du immer den Blick darauf haben: Wie kannst du proaktiv möglichst viel Verantwortung übernehmen? Eine gute Führungspersönlichkeit übernimmt Verantwortung.

Zweiter Punkt, unglaublich wichtig: Sie schenkt Vertrauen. Gerade in verschiedenen Gesprächen mit Coachees stelle ich fest, dass das oft ein Mangel im Umfeld einer Führungskraft ist – dass zu wenig Vertrauen geschenkt wird und eine gewisse Skepsis herrscht. Dazu passt ein Punkt von Simon Sinek, den „Circle of Safety“ aus seinem Buch „Leaders Eat Last“. Es gibt einen sehr inspirierenden Vortrag von ihm auf YouTube, den ich dir ans Herz lege. „Circle of Safety“ oder psychologische Sicherheit ist ein zentrales Element moderner Führung. Wenn es um High-Performance-Teams geht, um wirklich effektive Teamarbeit, dann sind Mitarbeiter am produktivsten, wenn sie sich sicher fühlen – wenn sie sich keine Sorgen machen müssen, was passiert, wenn sie einen Fehler machen, oder ob der Chef gleich hinter ihnen steht und Ärger macht. Diese Vertrauensebene im Team zu schaffen, ist eine große und wichtige Aufgabe einer Führungskraft. Eine gute Führungspersönlichkeit schenkt Vertrauen.

Punkt drei, genauso zentral: Sie gibt Anerkennung und Wertschätzung. Ich habe dazu vor Kurzem einen Post abgesetzt, und es kam eine hitzige Diskussion auf. Anerkennung und Wertschätzung sind grundlegende Dinge im Umgang mit Menschen. Wenn du das Buch „Wie man Freunde gewinnt“ von Dale Carnegie noch nicht gelesen hast, solltest du das nachholen. Es ist Pflichtlektüre für jede ambitionierte Persönlichkeit. Ein Satz daraus: Wer mit Anerkennung knausert, spart am falschen Ort. Das bringt es sehr gut auf den Punkt. Wenn man keine Anerkennung und Wertschätzung für das bekommt, was man tut, ist das ein riesiges Defizit und sorgt für einen Mangel an Motivation. Eine gute Führungspersönlichkeit hat das verinnerlicht und gibt Anerkennung – nicht taktisch und gezielt, sondern als selbstverständlichen Bestandteil ihres Charakters. Punkt drei: Sie gibt Anerkennung und Wertschätzung.

Punkt vier: Eine gute Führungspersönlichkeit entzündet das Feuer in Menschen. Diese Formulierung fand ich spannend, als ich sie gelesen habe. Es ist wirklich so, dass es entscheidend ist, ob eine Person Begeisterung übertragen kann. Solche Menschen reißen dich mit, wenn sie von etwas begeistert sind. Wichtig zu verstehen: Wenn du andere positiv beeinflussen willst – im Sinne des Teams, im Sinne des Unternehmens –, dann funktioniert das über Pull statt Push. Push bedeutet: „Ich habe diese Meinung, und du musst es so machen, wie ich sage.“ Klare Anweisung. Und du wirst merken, das funktioniert nicht gut, es erzeugt Widerstände. Was aber funktioniert, ist Pull: Wenn du echte Begeisterung für ein Thema zeigst, für das du brennst, werden andere hellhörig, stellen Fragen, werden neugierig. Und du überträgst diese Begeisterung. Wenn du wirklich für den Erfolg und die Ziele des Unternehmens brennst, wirst du automatisch merken, dass du das Feuer auch in anderen entzündest. Das gelingt, indem du dich für die Dinge begeisterst, an denen du arbeitest, und wirklich dahinterstehst.

Punkt fünf, ganz wichtig: Eine gute Führungspersönlichkeit sagt „wir“ statt „ich“. Hier verweise ich wieder auf eine Studie von Jim Collins, die er in seinem Buch „Der Weg zu den Besten“ beschreibt. Es geht um die Frage: Was zeichnet Spitzenunternehmen aus? Ein Merkmal ist eine bestimmte Art von Führungskräften – die sogenannten Level-5-Führungskräfte. Spannend ist der Hintergrund, wie diese Studie entstanden ist. Man hat quantitativ untersucht, wie sich diese Unternehmer und Geschäftsführer verhalten, zum Beispiel in öffentlichen Reden. Man hat sogar Wörter gezählt. Ein ganz klares Merkmal war: Bei den guten Führungskräften kam das Wort „wir“ deutlich häufiger vor, bei den weniger guten stand das Wort „ich“ im Vordergrund. Dieses Merkmal – „wir“ statt „ich“ – kannst du wörtlich nehmen. Reflektiere einmal in deinem Umfeld: Reden die Führungskräfte mehr aus der Ich-Perspektive oder mehr aus dem Wir?

Sechstens: Eine gute Führungspersönlichkeit hört zu. Das klingt sehr banal, aber ich merke immer wieder, dass es eine riesige Kompetenz ist, die den meisten Leuten fehlt. Aktives Zuhören ist wirklich leichter gesagt als getan, und es geht Hand in Hand mit der Kompetenz, Fragen zu stellen. Dazu eine spannende Studie: Man wollte herausfinden, was passiert, wenn Menschen sich gegenseitig besser zuhören und tiefergehende Fragen stellen. Man hat einander unbekannte Personen in Paare zusammengeführt und sie sich gegenseitig über dreißig sehr tiefgehende Fragen stellen lassen – Fragen, die man im Alltag selten stellt. Die Erkenntnis: Im Nachgang sind daraus unglaublich viele Freundschaften entstanden. Das lag an zweierlei: Erstens hört bei solchen Fragen immer eine Partei zu. Zweitens gibt man Dinge von sich preis, die man im Alltag nicht sagen würde. Das hat mir gezeigt, wie wertvoll es ist, Fragen zu stellen. Als Führungskraft empfehle ich dir das Buch „The Coaching Habit“. Am Ende bist du als Führungskraft auch Coach, und das bedeutet, Fragen zu stellen. In dem Buch bekommst du sieben, acht Fragen an die Hand, die dir unmittelbar im Alltag helfen. Hochqualitative Fragen zu stellen ist eine ganz wichtige Eigenschaft.

Falls du jetzt einwendest: „Das klingt logisch, aber mir fallen keine Fragen ein“ – kein Problem. Das ist eine Kompetenz wie jede andere, die man über die Zeit entwickelt. Am Anfang empfehle ich, einen kleinen Spickzettel zu schreiben. Gute Vorbereitung ist das A und O. Mit der Zeit wirst du besser und entwickelst einen ganzen Strauß an Fragen. Gute Basisfragen für Führungskräfte sind: „Was beschäftigt dich gerade?“, „Was ist deine größte Herausforderung?“, „Wie kann ich dich dabei unterstützen?“ Solche Fragen sollte man im Portfolio haben. Es gibt viele weitere Fragen, die deine Führungstätigkeit erleichtern und jede menschliche Beziehung beflügeln. Eine gute Führungspersönlichkeit hört zu – und dazu gehört, gute Fragen zu stellen.

Punkt sieben: Sie findet Freude am Erfolg anderer. Das rundet das Thema von Punkt fünf ab. „Wir“ statt „ich“ bedeutet auch: Es geht nicht um mich, nicht um mein Ego, sondern darum, andere besser zu machen. Dazu gehört, die Rolle des Coaches zu verstehen. Ein Coach hat zwei Aufgaben: Erstens eine klare Richtung vorgeben, priorisieren und gemeinsam mit dem Team synchronisieren – das Big Picture immer vor Augen haben. Zweitens die Mitarbeiter unterstützen und befähigen. Nimm dein Ego zur Seite und freue dich, wenn andere in deinem Umfeld Erfolge erzielen.

Punkt acht: Eine gute Führungspersönlichkeit ist offen für Neues. „Open minded“ – ganz wichtig ist das Thema Veränderungsbereitschaft. Eine kleine Story dazu: Ich habe mit jemandem telefoniert, der von einem klassischen Problem im Mittelstand erzählt hat. Mit Corona kam das Thema Digitalisierung auf den Tisch, viele mussten ins Homeoffice und sich verändern. Eine Kollegin hat sich komplett quergestellt und gesagt: „Das funktioniert nicht, ich kann nicht ins Homeoffice, weil ich immer alles ausdrucke.“ Natürlich gibt es dafür digitale Lösungen – aber darum geht es gar nicht. Es geht um die Veränderungsbereitschaft. Viele Menschen sind Gewohnheitstiere, sie fallen in Routinen, und Veränderung fällt schwer. Change-Management und persönliche Entwicklung sind zentrale Aufgaben und die größten Herausforderungen einer Führungspersönlichkeit. Wenn du als Führungskraft selbst nicht veränderungsbereit bist, ist das ein großes Problem. Eine gute Führungspersönlichkeit ist offen für Neues und hat eine gewisse Veränderungsbereitschaft – vielleicht sogar eine Liebe für Veränderung, den Wunsch nach Neuem, das Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung. Sich zu entwickeln bedeutet, sich zu verändern.

Punkt neun geht damit einher: Sie legt Wert auf Entwicklung. Das beginnt bei einem selbst – Stichwort lebenslanges Lernen und lernende Organisation. Nicht ohne Grund sage ich immer wieder: Das Thema Lesen ist ganz wichtig, weil Lesen eine zentrale Quelle des Lernens ist. Wer damit noch nicht vertraut ist, dem lege ich Bücher wie „Wie man Freunde gewinnt“ von Carnegie ans Herz. Das ist eine unglaublich tolle Quelle für Input und Inspiration zur Eigenentwicklung. Spannend ist auch: Viele Coachees, die in diesen Prozess einsteigen, sind verwundert, dass ihre Führungskräfte und ihr Umfeld überhaupt nicht lernen, dass alle stagnieren, keiner ein Sachbuch in der Hand hat und niemand je eine Buchempfehlung bekommen hat. Das ist schade und aus meiner Sicht eine Grundvoraussetzung guter Führung.

Eine gute Führungspersönlichkeit legt aber auch Wert auf die Entwicklung anderer. Als Coach bedeutet das, sich Zeit zu nehmen für Eins-zu-eins-Gespräche, in denen wirklich nur die persönlichen Ziele des Mitarbeiters im Fokus stehen. Das ist sein Meeting, seine Agenda. Eine schöne Geste, von der ich schon oft positive Rückmeldung gehört habe: eine Führungskraft, die ihrem Mitarbeiter ein Buch schenkt. Tolle Symbolik und ein gutes Mittel, um Lernkompetenz weiterzutragen. Nimm die Entwicklungsplanung deiner Mitarbeiter ernst. Jeder wünscht sich, von seiner Führungskraft entwickelt zu werden. Also frag dich: Wie gut bist du als Coach? Wie wichtig ist dir die Entwicklung deiner Mitarbeiter, und wie viel Zeit nimmst du dir wirklich dafür?

Punkt zehn kommt von zwei Menschen aus meiner Community, die es bekräftigt haben: Eine gute Führungspersönlichkeit stellt sich schützend vor ihr Team. Da sind wir wieder beim Gedanken „wir statt ich“, Ego zur Seite. Es löst unglaubliche Demotivation aus, wenn ein Chef in Führungskreisen mit dem Finger auf andere zeigt: „Ich habe es ja gesagt, aber mein Team hat es nicht umgesetzt.“ Das ist ein klares Signal dafür, dass diese Führungskraft keine Verantwortung übernimmt. Sich schützend vor das Team zu stellen, ist einer der wichtigsten Faktoren überhaupt. Wer das nicht tut, denkt nur an sein eigenes Gesicht – und verliert den Rückhalt des Teams.

Punkt elf, ebenfalls aus der Community: Eine gute Führungspersönlichkeit ignoriert toxische Mitarbeiter nicht. Hier sind wir wieder bei Collins‘ Level-5-Führungskraft. Sie zeichnet sich durch die Mischung aus Bescheidenheit und professioneller Entschlossenheit aus. Bescheidenheit heißt, das Ego steht im Hintergrund und die Erfolge des Teams stehen im Vordergrund. Professionelle Entschlossenheit heißt, immer im Sinne des Unternehmens und des Teams zu handeln. Als Coach tust du zunächst alles für die Entwicklung eines Mitarbeiters. Wenn du aber feststellst, dass alle Maßnahmen nicht funktionieren und jemand wirklich toxisch für das Team ist, dann gehört es zur guten Führung, diese Entschlossenheit zu zeigen, die harte Entscheidung zu treffen und auch ein Abmahnungs- oder Trennungsgespräch zu führen. Wichtig ist, das nicht unnötig auf die lange Bank zu schieben. Die größte Herausforderung ist, den richtigen Zeitpunkt einzuschätzen – aber auch darin wird man mit der Zeit besser.

Punkt zwölf, ebenfalls aus der Community: Get the job done. Der Fokus muss immer auf Resultaten liegen. Behalte das Big Picture vor Augen: Worum geht es im Unternehmen? Wer sind die Kunden? Wie werden sie zufrieden? Wie lösen wir ihre Probleme wirklich? Handle immer im Sinne des Unternehmens, setze die richtigen Prioritäten und triff Entscheidungen richtig. Arbeite heraus, was deine berufliche Mission ist – deine Daseinsberechtigung in deiner Rolle und die deines Teams. Denk an das Pareto-Prinzip: Mit zwanzig Prozent des Aufwands achtzig Prozent des Ergebnisses erzielen. Es kommt auf die Fähigkeit zur Priorisierung an. Eine zentrale Kompetenz ist die Entscheidungsfähigkeit. Ein Zitat, das ich sinngemäß gehört habe: Als Geschäftsführer hast du zwei Aufgaben, für die du bezahlt wirst – erstens Entscheidungen treffen, zweitens Hiring und Firing. Also die richtigen Entscheidungen treffen, um Ergebnisse zu erzielen, und durch Einstellung und Trennung dafür sorgen, dass immer das beste Team an Bord ist.

Punkt dreizehn, den ich gerade erst im Coaching mitbekommen habe und sehr spannend fand: Eine gute Führungspersönlichkeit versucht, sich selbst überflüssig zu machen. Das klingt paradox. Eine gute Führungspersönlichkeit sollte niemals das Ziel haben, das Unternehmen von sich abhängig zu machen. Je unabhängiger das Unternehmen von dir ist, desto wertvoller wirst du. Das Ziel ist, ein High-Performance-Team aufzubauen und im besten Fall dafür zu sorgen, dass es dich irgendwann nicht mehr braucht. Denn dann sagt das Unternehmen: Was für einen genialen Job hast du geleistet – jetzt übernimmst du die nächste Aufgabe, oder du steigst eine Ebene weiter, arbeitest strategischer mit, leitest den Wandel und betreibst Unternehmensentwicklung. Es geht darum, Strukturen und ein Führungssystem aufzubauen, das unabhängig von deiner Person funktioniert. Wenn du dich dagegen im operativen Geschäft verwurzelst und alles über deinen Schreibtisch läuft, baust du dir selbst Barrieren. Das tut deinem Ego vielleicht gut, weil du dich gebraucht fühlst – aber du bleibst im Hamsterrad gefangen. Eine gute Führungskraft versucht, sich selbst überflüssig zu machen.

Punkt vierzehn rundet die Liste wunderbar ab, er kommt ebenfalls aus der Community: Eine gute Führungspersönlichkeit ist immer bereit, dieser Liste noch etwas hinzuzufügen. Das vereint einige Gedanken von vorher – Kritikfähigkeit, Lernbereitschaft, den Wunsch, sich weiterzuentwickeln. Wenn du in das Thema Lesen und Lernen einsteigst und das proaktiv machst, wirst du unglaublich viel Inspiration finden. Du wirst immer Neues dazulernen, und dein eigener Führungsstil sowie dein Bild moderner Führung werden sich immer wieder anpassen und dynamisch bleiben. Offen zu sein, „open minded“, ist ein riesengroßer Punkt. Lernkompetenz, Veränderungsbereitschaft und Kritikfähigkeit sind ganz zentrale Aspekte.

Ich lade dich ein, in deinem Umfeld zu reflektieren: Wie sind deine aktuellen Führungskräfte? Wie sind die Menschen, die du kennst? Bringen sie diese zentralen Punkte mit, oder fehlen sie? Und wie möchtest du selbst als Führungspersönlichkeit wahrgenommen werden? Frag dich auch: Hast du inspirierende Vorbilder? Viele antworten mit Nein. Das ist ein natürlicher Startpunkt. Bei mir ist es witzigerweise so, dass ich beim Vorbereiten dieser Folge wieder auf eine Person gestoßen bin, die mittlerweile zu meinen großen Vorbildern gehört – über ein Buch bin ich auf sie aufmerksam geworden. Man kann das nicht alles von Minute eins an planen, aber mit der Zeit, wenn man sich an spannenden Persönlichkeiten orientiert, findet man sie. Der Austausch mit Gleichgesinnten ist unglaublich wertvoll und immer wieder eine neue Inspirationsquelle für Lernfähigkeit und Veränderungsbereitschaft.

Ein Punkt noch zum Abschluss, der mir spontan einfällt: Optimismus und eine positive Einstellung. Ganz wichtige Faktoren. Ich hoffe, du konntest einiges aus dieser Folge mitnehmen. Es war breit gefächert. Das soll es für heute gewesen sein.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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