Stress abbauen: das Time-Confetti-Phänomen und echte Erholung

Wir haben heute mehr Freizeit als die Menschen vor 50 Jahren – und trotzdem war unsere Erholung selten so schlecht. Stress bis hin zum Burnout ist keine Seltenheit. Der Grund: Wir nutzen unsere Freizeit, ohne wirklich zu erholen.

In dieser Folge geht es um das Time-Confetti-Phänomen – warum unsere freie Zeit in winzige Schnipsel zerfällt – und wie du wieder zu echten Ruhephasen findest, um Stress abzubauen und gelassener zu werden.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Erholung ist Grundvoraussetzung für Leistung – gerade wenn du ambitionierte Ziele verfolgst (wie Spitzensportler, die Erholung meistern).
  • Time Confetti: Technik ist Fluch und Segen. Statt langer, ununterbrochener Freizeit-Blöcke zerstückeln Handy, Nachrichten und Benachrichtigungen unsere Zeit in winzige Schnipsel.
  • Die Summe der kleinen Unterbrechungen wirkt sich laut Studien viel stärker auf deine Erholung aus, als wir glauben.
  • Erster Schritt – reflektieren: Hast du am Feierabend lange Blöcke (Lesen, Sport, Freunde) oder lauter kleine Schnipsel?
  • Schaffe „unerreichbare“ Phasen: 3–5 Stunden Flugmodus. Wirst du dabei nervös oder gelangweilt, bist du Opfer des Time-Confetti-Phänomens.
  • Konkrete Gewohnheiten: Sport ohne Handy/Audio, Freunde ohne Handy auf dem Tisch, Nachrichten nicht sofort beantworten, Benachrichtigungen/Fokus-Modus bewusst einstellen.

Stress abbauen über das Time-Confetti-Phänomen

Mehr Freizeit, weniger Erholung. Vor 50, 60, 70 Jahren hatten die Menschen deutlich weniger Freizeit – wir arbeiten dank technischer Innovationen heute weniger hart und haben mehr freie Zeit. Das Problem: Wir nutzen sie schlecht. Erholung ist aber eine Grundvoraussetzung, um leistungsfähig zu sein. Wer Spitzenleistung anstrebt – in welcher Form auch immer –, muss Erholung genauso ernst nehmen wie das Training. Genau das tun Spitzensportler.

Was ist Time Confetti? Technischer Fortschritt ist Fluch und Segen zugleich. Waschmaschine, Saugroboter, E-Mail, WhatsApp – ein Segen. Der Fluch: Früher hatten wir lange, ununterbrochene Freizeit-Blöcke. Heute zerstückeln wir unsere Freizeit in winzige Schnipsel – „Time Confetti“. Eine WhatsApp hier, eine E-Mail da, kurz den Laptop auf, dann auf Instagram. Echte, ununterbrochene Erholungsblöcke gibt es kaum noch. Und Studien zeigen: Die Summe dieser vielen kleinen Unterbrechungen schadet unserer Erholung viel stärker, als wir denken.

Tipp 1 – reflektieren. Wie verbringst du deine Freizeit zwischen Feierabend und Schlafengehen? Hast du einen langen Block (z. B. Lesen oder Sport) – oder lauter Schnipsel: kochen, drei WhatsApp beantworten, TV an, kurz lesen, E-Mail, Instagram? Achte auch darauf, was du nebenbei tust: Wie viele schauen im Fitnessstudio parallel aufs Handy oder telefonieren? Triffst du Freunde wirklich präsent – oder betreibt ihr Time Confetti?

Tipp 2 – unerreichbare Phasen schaffen. Wann hattest du zuletzt einen langen Block: drei Stunden ein Buch, zwei Stunden Sport, vier Stunden mit Freunden – ohne Anruf, ohne WhatsApp, das Handy im besten Fall vergessen? Probier 3–5 Stunden Flugmodus und beobachte dich: Wirst du nach einer Viertelstunde nervös oder langweilst du dich und greifst zum Handy? Dann bist du Opfer des Time-Confetti-Phänomens.

Tipp 3 – konkrete Gewohnheiten. Mach Sport ohne Musik, Hörbuch und Handy – einfach laufen und genießen. Triff Freunde, ohne das Handy auf den Tisch zu legen. Und beantworte Nachrichten nicht sofort: Eine Nachricht zwei Stunden liegen zu lassen und erst dann zu antworten, trainiert dich Stück für Schritt aus dem Reflex heraus. Zusätzlich helfen Benachrichtigungen aus und der Fokus-/Ruhe-Modus deines Smartphones (z. B. so eingestellt, dass zu Hause nur bestimmte Apps melden dürfen).

Die Ursache ehrlich anschauen. Ist dein Arbeitsalltag dauerhaft sehr stressig, lohnt zusätzlich der Blick darauf, fokussierter und effektiver zu arbeiten und besser Nein zu sagen. Und neben Time Confetti bleiben Schlaf und Ernährung die größten Bausteine der Erholung – gerade wer Stress hat und dann schlecht schläft, sollte zuerst dort ansetzen.

Warum fokussiertes Arbeiten Stress an der Wurzel reduziert, hörst du in Mehr Fokus. Wie du mental stark und souverän mit Druck umgehst, vertieft Resilienz. Und warum Schlaf der wichtigste Erholungsbaustein ist, zeigt Besser schlafen.

Häufige Fragen zum Stress abbauen

Was ist das Time-Confetti-Phänomen? Der Effekt, dass unsere Freizeit durch ständige digitale Unterbrechungen (Handy, Nachrichten, Benachrichtigungen) in viele winzige Schnipsel zerfällt. Dadurch fehlen lange, ununterbrochene Blöcke – und echte Erholung bleibt aus.

Wie baue ich Stress ab? Schaffe wieder lange, ununterbrochene Erholungsphasen: reflektiere, wie du deine Freizeit verbringst, plane Zeiten ohne Erreichbarkeit (Flugmodus), mach Sport ohne Handy, triff Freunde präsent und beantworte Nachrichten nicht sofort. Schlaf und Ernährung gehören als Basis dazu.

Warum fühle ich mich trotz Freizeit nicht erholt? Weil zerstückelte Zeit kaum erholt. Viele kleine Unterbrechungen verhindern, dass du in tiefe Erholung kommst – ihre Summe wirkt stärker, als man denkt.

Wie merke ich, ob ich vom Time Confetti betroffen bin? Schalte für ein paar Stunden auf Flugmodus und beobachte dich: Wenn du schnell nervös oder unruhig wirst und ständig zum Handy greifen willst, ist das ein deutliches Zeichen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Brad Stulberg – Das perfekte Mindset: zur Formel aus Anspannung und Erholung – wie Spitzenleister nachhaltig Leistung bringen.

Weitere Buchempfehlungen findest du in meiner Bibliothek für Ingenieure.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema persönliche Entwicklung.

Transkript

Das Thema dieser Folge ist Stress abbauen und Freizeit mehr genießen – das Time-Confetti-Phänomen. Stress ist ein allgegenwärtiges Thema: Wer ambitionierte Ziele verfolgt, kommt nicht darum herum, und kritisch wird es, wenn Burnout auf der Agenda steht. Wenn du das Gefühl hast, dein Berufsalltag ist enorm stressig und du kannst dich kaum erholen, dann hör genau hin. Denn Erholung wird immer wichtiger, gerade bei hoher Leistung. Wenn du ambitionierte Ziele anstrebst, solltest du das Thema Erholung ernst nehmen.

Steigen wir mit einem kurzen Blick auf die Zeitachse ein. Vor 50, 60, 70 Jahren hatten die Menschen deutlich weniger Freizeit. Heute haben wir dank vieler technischer Innovationen – ein banales Beispiel ist der Saugroboter, den es früher nicht gab – mehr Freizeit, und wir arbeiten in vielen Berufen körperlich weniger hart. Punkt eins also: Wir haben heute mehr Freizeit. Punkt zwei: Wir nutzen sie enorm schlecht. Unsere Freizeit war noch nie so wenig erholsam wie heute – Stress bis hin zum Burnout ist keine Seltenheit, weil wir unsere Freizeit nicht in vollen Zügen genießen. Dabei ist Erholung eine Grundvoraussetzung für gute Leistung. In Folge 32 habe ich übers Thema Fokus und Erholung gesprochen und damals auch das Buch Das perfekte Mindset empfohlen – sehr lesenswert, weil es beschreibt, wie absolute Spitzensportler das Thema Erholung gemeistert haben. Wer Spitzenleistung anstrebt, für den ist Erholung ein essenzieller Baustein.

Eine ganz wichtige Ursache, die uns daran hindert, ist das Time-Confetti-Phänomen. Ich bin über einen Artikel darauf gestoßen – du kannst gern nach „Time Confetti“ googeln und einige Artikel dazu finden. Ich habe mich darin sehr wiedererkannt, und die meisten, mit denen ich gesprochen habe, ebenso. Es hängt mit dem technischen Fortschritt zusammen, der Fluch und Segen zugleich ist. Waschmaschine, Trockner, Saugroboter, aber auch E-Mail und WhatsApp sind ein Segen – und zugleich ein Fluch. Früher hatten wir lange, ununterbrochene Freizeit-Blöcke. Heute zerstückeln wir unsere Freizeit: Hier eine WhatsApp, da eine E-Mail, kurz den Laptop auf, dann dies und jenes. Es gibt kaum noch ununterbrochene Blöcke, in denen wir wirklich in Hobbys oder echte Erholung eintauchen. Und das zehrt. Die Studie hinter dem Time-Confetti-Phänomen stellt die These auf, dass die Summe dieser vielen kleinen Dinge viel schlimmer ist, als wir denken – mit viel größeren Auswirkungen auf unsere Ruhe- und Erholungsphasen.

Ich habe mit Menschen gesprochen, die im Burnout waren, und immer wieder gehört, dass genau das die Wurzel ist: das Gefühl, ständig will jemand etwas von einem – beruflich wie privat. Bekommst du eine WhatsApp, hast du das Gefühl, sofort antworten zu müssen, sonst ist die andere Person beleidigt; und wenn andere nicht sofort antworten, wirst du selbst nervös. Diese Dinge zerren.

Tipp eins ist deshalb die Frage: Wie verbringst du eigentlich deine Freizeit? Wenn du sie wirklich messen würdest – hast du einen langen Block von ein paar Stunden, in dem du liest oder Sport machst, oder ganz viele kleine Schnipsel: nach Hause kommen, kochen, drei WhatsApp beantworten, Fernseher an, kurz lesen, E-Mail, Instagram? Bei vielen ist es genau dieses Time Confetti – ganz viele kleine Zeitschnipsel, in denen man von Thema zu Thema springt. Reflektiere das mal für dich, auch beim Sport oder beim Treffen mit Freunden. Ich kenne aus eigener Erfahrung, dass viele im Fitnessstudio parallel am Handy sind. Triffst du Freunde wirklich drei Stunden präsent, oder betreibt ihr Time Confetti? Für mich gehören abgeschaltete Benachrichtigungen und kein Social Media auf dem Handy zu den Basics.

Tipp zwei: Wann sorgst du für Phasen, in denen du nicht erreichbar bist? Wann hattest du zuletzt einen langen Block – drei Stunden ein Buch, zwei Stunden Sport, ein langer Spaziergang, vier Stunden mit Freunden – ohne Unterbrechung, ohne dass ein Anruf oder eine WhatsApp kam, das Handy im besten Fall ganz vergessen? Auch bei mir ist das ehrlich gesagt nicht so häufig der Fall, und da kann ich noch einiges tun. Probier 3–5 Stunden, in denen du die Technik weglässt, und beobachte dich: Wirst du nervös oder langweilst du dich? Wenn du schon nach einer Viertelstunde unruhig zum Handy greifst, bist du definitiv Opfer des Time Confetti.

Tipp drei, etwas, das mir hilft: Sport ohne Musik und ohne Hörbuch, das Handy zu Hause lassen. Ich gehe regelmäßig laufen und hatte es mir zur Gewohnheit gemacht, dabei etwas zu hören und das Handy mitzunehmen – auch um Notizen aufzuschreiben. Einfach mal ohne alles eine Stunde laufen zu gehen und nur zu genießen, fiel mir anfangs schwer; es gab Zeiten, da habe ich mich fast gelangweilt. Aber es ist eine spannende Beobachtung. Tipp vier: Freunde treffen ohne Handy – nicht das Handy auf den Tisch legen und bei jeder Vibration danach greifen. Und Tipp fünf: nicht sofort antworten. Bei vielen ist es zur Angewohnheit geworden, sofort zu reagieren – und man wird jedes Mal aus dem herausgerissen, was man gerade tut. Eine Nachricht mal zwei Stunden liegen zu lassen, kann helfen, besser mit dem Time-Confetti-Phänomen umzugehen. Mir fällt es inzwischen viel leichter, nicht sofort zu antworten.

Wenn dein Berufsalltag sehr stressig ist, lohnt es zusätzlich, fokussierter und effektiver zu arbeiten und besser Nein zu sagen (siehe Folge 32). Und neben Schlaf und Ernährung ist Time Confetti ein Baustein, der dir hilft, deine Freizeit mehr zu genießen, Stress abzubauen, dich besser zu erholen und ausgeglichener zu sein. Beim Thema Erholung ist Schlaf aus meiner Sicht einer der wichtigsten Bausteine: Wer in einer Stressphase schlecht schläft, sollte zuerst dort ansetzen. Beobachte dich selbst, setz Grenzen, sag Nein – und sorge bewusst für lange Blöcke. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

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Über den Host

Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

Stress abbauen: das Time-Confetti-Phänomen und echte Erholung

Wir haben heute mehr Freizeit als die Menschen vor 50 Jahren – und trotzdem war unsere Erholung selten so schlecht. Stress bis hin zum Burnout ist keine Seltenheit. Der Grund: Wir nutzen unsere Freizeit, ohne wirklich zu erholen.

In dieser Folge geht es um das Time-Confetti-Phänomen – warum unsere freie Zeit in winzige Schnipsel zerfällt – und wie du wieder zu echten Ruhephasen findest, um Stress abzubauen und gelassener zu werden.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Erholung ist Grundvoraussetzung für Leistung – gerade wenn du ambitionierte Ziele verfolgst (wie Spitzensportler, die Erholung meistern).
  • Time Confetti: Technik ist Fluch und Segen. Statt langer, ununterbrochener Freizeit-Blöcke zerstückeln Handy, Nachrichten und Benachrichtigungen unsere Zeit in winzige Schnipsel.
  • Die Summe der kleinen Unterbrechungen wirkt sich laut Studien viel stärker auf deine Erholung aus, als wir glauben.
  • Erster Schritt – reflektieren: Hast du am Feierabend lange Blöcke (Lesen, Sport, Freunde) oder lauter kleine Schnipsel?
  • Schaffe „unerreichbare“ Phasen: 3–5 Stunden Flugmodus. Wirst du dabei nervös oder gelangweilt, bist du Opfer des Time-Confetti-Phänomens.
  • Konkrete Gewohnheiten: Sport ohne Handy/Audio, Freunde ohne Handy auf dem Tisch, Nachrichten nicht sofort beantworten, Benachrichtigungen/Fokus-Modus bewusst einstellen.

Stress abbauen über das Time-Confetti-Phänomen

Mehr Freizeit, weniger Erholung. Vor 50, 60, 70 Jahren hatten die Menschen deutlich weniger Freizeit – wir arbeiten dank technischer Innovationen heute weniger hart und haben mehr freie Zeit. Das Problem: Wir nutzen sie schlecht. Erholung ist aber eine Grundvoraussetzung, um leistungsfähig zu sein. Wer Spitzenleistung anstrebt – in welcher Form auch immer –, muss Erholung genauso ernst nehmen wie das Training. Genau das tun Spitzensportler.

Was ist Time Confetti? Technischer Fortschritt ist Fluch und Segen zugleich. Waschmaschine, Saugroboter, E-Mail, WhatsApp – ein Segen. Der Fluch: Früher hatten wir lange, ununterbrochene Freizeit-Blöcke. Heute zerstückeln wir unsere Freizeit in winzige Schnipsel – „Time Confetti“. Eine WhatsApp hier, eine E-Mail da, kurz den Laptop auf, dann auf Instagram. Echte, ununterbrochene Erholungsblöcke gibt es kaum noch. Und Studien zeigen: Die Summe dieser vielen kleinen Unterbrechungen schadet unserer Erholung viel stärker, als wir denken.

Tipp 1 – reflektieren. Wie verbringst du deine Freizeit zwischen Feierabend und Schlafengehen? Hast du einen langen Block (z. B. Lesen oder Sport) – oder lauter Schnipsel: kochen, drei WhatsApp beantworten, TV an, kurz lesen, E-Mail, Instagram? Achte auch darauf, was du nebenbei tust: Wie viele schauen im Fitnessstudio parallel aufs Handy oder telefonieren? Triffst du Freunde wirklich präsent – oder betreibt ihr Time Confetti?

Tipp 2 – unerreichbare Phasen schaffen. Wann hattest du zuletzt einen langen Block: drei Stunden ein Buch, zwei Stunden Sport, vier Stunden mit Freunden – ohne Anruf, ohne WhatsApp, das Handy im besten Fall vergessen? Probier 3–5 Stunden Flugmodus und beobachte dich: Wirst du nach einer Viertelstunde nervös oder langweilst du dich und greifst zum Handy? Dann bist du Opfer des Time-Confetti-Phänomens.

Tipp 3 – konkrete Gewohnheiten. Mach Sport ohne Musik, Hörbuch und Handy – einfach laufen und genießen. Triff Freunde, ohne das Handy auf den Tisch zu legen. Und beantworte Nachrichten nicht sofort: Eine Nachricht zwei Stunden liegen zu lassen und erst dann zu antworten, trainiert dich Stück für Schritt aus dem Reflex heraus. Zusätzlich helfen Benachrichtigungen aus und der Fokus-/Ruhe-Modus deines Smartphones (z. B. so eingestellt, dass zu Hause nur bestimmte Apps melden dürfen).

Die Ursache ehrlich anschauen. Ist dein Arbeitsalltag dauerhaft sehr stressig, lohnt zusätzlich der Blick darauf, fokussierter und effektiver zu arbeiten und besser Nein zu sagen. Und neben Time Confetti bleiben Schlaf und Ernährung die größten Bausteine der Erholung – gerade wer Stress hat und dann schlecht schläft, sollte zuerst dort ansetzen.

Warum fokussiertes Arbeiten Stress an der Wurzel reduziert, hörst du in Mehr Fokus. Wie du mental stark und souverän mit Druck umgehst, vertieft Resilienz. Und warum Schlaf der wichtigste Erholungsbaustein ist, zeigt Besser schlafen.

Häufige Fragen zum Stress abbauen

Was ist das Time-Confetti-Phänomen? Der Effekt, dass unsere Freizeit durch ständige digitale Unterbrechungen (Handy, Nachrichten, Benachrichtigungen) in viele winzige Schnipsel zerfällt. Dadurch fehlen lange, ununterbrochene Blöcke – und echte Erholung bleibt aus.

Wie baue ich Stress ab? Schaffe wieder lange, ununterbrochene Erholungsphasen: reflektiere, wie du deine Freizeit verbringst, plane Zeiten ohne Erreichbarkeit (Flugmodus), mach Sport ohne Handy, triff Freunde präsent und beantworte Nachrichten nicht sofort. Schlaf und Ernährung gehören als Basis dazu.

Warum fühle ich mich trotz Freizeit nicht erholt? Weil zerstückelte Zeit kaum erholt. Viele kleine Unterbrechungen verhindern, dass du in tiefe Erholung kommst – ihre Summe wirkt stärker, als man denkt.

Wie merke ich, ob ich vom Time Confetti betroffen bin? Schalte für ein paar Stunden auf Flugmodus und beobachte dich: Wenn du schnell nervös oder unruhig wirst und ständig zum Handy greifen willst, ist das ein deutliches Zeichen.

Bücher & Ressourcen aus der Folge

Brad Stulberg – Das perfekte Mindset: zur Formel aus Anspannung und Erholung – wie Spitzenleister nachhaltig Leistung bringen.

Weitere Buchempfehlungen findest du in meiner Bibliothek für Ingenieure.

Mehr zum Thema

Diese Folge gehört zum Thema persönliche Entwicklung.

Transkript

Das Thema dieser Folge ist Stress abbauen und Freizeit mehr genießen – das Time-Confetti-Phänomen. Stress ist ein allgegenwärtiges Thema: Wer ambitionierte Ziele verfolgt, kommt nicht darum herum, und kritisch wird es, wenn Burnout auf der Agenda steht. Wenn du das Gefühl hast, dein Berufsalltag ist enorm stressig und du kannst dich kaum erholen, dann hör genau hin. Denn Erholung wird immer wichtiger, gerade bei hoher Leistung. Wenn du ambitionierte Ziele anstrebst, solltest du das Thema Erholung ernst nehmen.

Steigen wir mit einem kurzen Blick auf die Zeitachse ein. Vor 50, 60, 70 Jahren hatten die Menschen deutlich weniger Freizeit. Heute haben wir dank vieler technischer Innovationen – ein banales Beispiel ist der Saugroboter, den es früher nicht gab – mehr Freizeit, und wir arbeiten in vielen Berufen körperlich weniger hart. Punkt eins also: Wir haben heute mehr Freizeit. Punkt zwei: Wir nutzen sie enorm schlecht. Unsere Freizeit war noch nie so wenig erholsam wie heute – Stress bis hin zum Burnout ist keine Seltenheit, weil wir unsere Freizeit nicht in vollen Zügen genießen. Dabei ist Erholung eine Grundvoraussetzung für gute Leistung. In Folge 32 habe ich übers Thema Fokus und Erholung gesprochen und damals auch das Buch Das perfekte Mindset empfohlen – sehr lesenswert, weil es beschreibt, wie absolute Spitzensportler das Thema Erholung gemeistert haben. Wer Spitzenleistung anstrebt, für den ist Erholung ein essenzieller Baustein.

Eine ganz wichtige Ursache, die uns daran hindert, ist das Time-Confetti-Phänomen. Ich bin über einen Artikel darauf gestoßen – du kannst gern nach „Time Confetti“ googeln und einige Artikel dazu finden. Ich habe mich darin sehr wiedererkannt, und die meisten, mit denen ich gesprochen habe, ebenso. Es hängt mit dem technischen Fortschritt zusammen, der Fluch und Segen zugleich ist. Waschmaschine, Trockner, Saugroboter, aber auch E-Mail und WhatsApp sind ein Segen – und zugleich ein Fluch. Früher hatten wir lange, ununterbrochene Freizeit-Blöcke. Heute zerstückeln wir unsere Freizeit: Hier eine WhatsApp, da eine E-Mail, kurz den Laptop auf, dann dies und jenes. Es gibt kaum noch ununterbrochene Blöcke, in denen wir wirklich in Hobbys oder echte Erholung eintauchen. Und das zehrt. Die Studie hinter dem Time-Confetti-Phänomen stellt die These auf, dass die Summe dieser vielen kleinen Dinge viel schlimmer ist, als wir denken – mit viel größeren Auswirkungen auf unsere Ruhe- und Erholungsphasen.

Ich habe mit Menschen gesprochen, die im Burnout waren, und immer wieder gehört, dass genau das die Wurzel ist: das Gefühl, ständig will jemand etwas von einem – beruflich wie privat. Bekommst du eine WhatsApp, hast du das Gefühl, sofort antworten zu müssen, sonst ist die andere Person beleidigt; und wenn andere nicht sofort antworten, wirst du selbst nervös. Diese Dinge zerren.

Tipp eins ist deshalb die Frage: Wie verbringst du eigentlich deine Freizeit? Wenn du sie wirklich messen würdest – hast du einen langen Block von ein paar Stunden, in dem du liest oder Sport machst, oder ganz viele kleine Schnipsel: nach Hause kommen, kochen, drei WhatsApp beantworten, Fernseher an, kurz lesen, E-Mail, Instagram? Bei vielen ist es genau dieses Time Confetti – ganz viele kleine Zeitschnipsel, in denen man von Thema zu Thema springt. Reflektiere das mal für dich, auch beim Sport oder beim Treffen mit Freunden. Ich kenne aus eigener Erfahrung, dass viele im Fitnessstudio parallel am Handy sind. Triffst du Freunde wirklich drei Stunden präsent, oder betreibt ihr Time Confetti? Für mich gehören abgeschaltete Benachrichtigungen und kein Social Media auf dem Handy zu den Basics.

Tipp zwei: Wann sorgst du für Phasen, in denen du nicht erreichbar bist? Wann hattest du zuletzt einen langen Block – drei Stunden ein Buch, zwei Stunden Sport, ein langer Spaziergang, vier Stunden mit Freunden – ohne Unterbrechung, ohne dass ein Anruf oder eine WhatsApp kam, das Handy im besten Fall ganz vergessen? Auch bei mir ist das ehrlich gesagt nicht so häufig der Fall, und da kann ich noch einiges tun. Probier 3–5 Stunden, in denen du die Technik weglässt, und beobachte dich: Wirst du nervös oder langweilst du dich? Wenn du schon nach einer Viertelstunde unruhig zum Handy greifst, bist du definitiv Opfer des Time Confetti.

Tipp drei, etwas, das mir hilft: Sport ohne Musik und ohne Hörbuch, das Handy zu Hause lassen. Ich gehe regelmäßig laufen und hatte es mir zur Gewohnheit gemacht, dabei etwas zu hören und das Handy mitzunehmen – auch um Notizen aufzuschreiben. Einfach mal ohne alles eine Stunde laufen zu gehen und nur zu genießen, fiel mir anfangs schwer; es gab Zeiten, da habe ich mich fast gelangweilt. Aber es ist eine spannende Beobachtung. Tipp vier: Freunde treffen ohne Handy – nicht das Handy auf den Tisch legen und bei jeder Vibration danach greifen. Und Tipp fünf: nicht sofort antworten. Bei vielen ist es zur Angewohnheit geworden, sofort zu reagieren – und man wird jedes Mal aus dem herausgerissen, was man gerade tut. Eine Nachricht mal zwei Stunden liegen zu lassen, kann helfen, besser mit dem Time-Confetti-Phänomen umzugehen. Mir fällt es inzwischen viel leichter, nicht sofort zu antworten.

Wenn dein Berufsalltag sehr stressig ist, lohnt es zusätzlich, fokussierter und effektiver zu arbeiten und besser Nein zu sagen (siehe Folge 32). Und neben Schlaf und Ernährung ist Time Confetti ein Baustein, der dir hilft, deine Freizeit mehr zu genießen, Stress abzubauen, dich besser zu erholen und ausgeglichener zu sein. Beim Thema Erholung ist Schlaf aus meiner Sicht einer der wichtigsten Bausteine: Wer in einer Stressphase schlecht schläft, sollte zuerst dort ansetzen. Beobachte dich selbst, setz Grenzen, sag Nein – und sorge bewusst für lange Blöcke. Liebe Grüße aus Hamburg, dein Tim.

Danke fürs Lesen. Mehr praktische Ideen erhältst du in meinem beliebten Newsletter. Jede Woche versende ich 3 Ideen an über 3.500 ambitionierte Ingenieure. Trage dich jetzt ein und schließ dich uns an.

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Tim Schmaddebeck entwickelt ambitionierte Ingenieure zu strategischen Leadern. Er ist Autor von No Zero Days und schreibt über Karriere, Führung und Strategie.

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